Latest / ntv Wirtschaft / Das Spritpreis-Paket ist unterwegs – und trotzdem halten wir unser Geld zusammen
Transcript
- Der Bundestag greift wegen der Spritpreise ein und will die Preissprünge an den Tankstellen bremsen. Trotzdem sind die Verbraucher mehr als skeptisch. In den USA rügen geschworene Meta und YouTube mit einer wegweisenden Millionenstrafe. Und wir sprechen noch darüber, was KI gerade mit Unternehmen und ihren Beschäftigten macht. Hallo! In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Achtung, nicht erschrecken. Wir starten an der Zapfsäule. Die Regierung hat ihr Maßnahmenpaket gegen die hohen Spritpreise jetzt durch den Bundestag gebracht. Tankstellen dürfen demnach ihre Preise vorerst nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar mittags um 12. Senken dürfen sie die Preise jederzeit. Wer dagegen verstößt, riskiert Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Dazu schärft die Koalition auch das Kartellrecht. Sie will so mehr Transparenz in die Preisbildung bringen. Stark anziehende Preise sollen die Mineralölkonzerne in Zukunft begründen. Die Maßnahmen sollen spätestens ab April gelten. Ja, und derweil wird weiter über die nächsten Schritte diskutiert. Im Gespräch sind eine höhere Pendlerpauschale oder weniger Mehrwertsteuer an der Tankstelle. Die SPD hat auch einen Preisdeckel ins Spiel gebracht. Genauso wie die viel zitierte Übergewinnsteuer für die Energiekonzerne. Okay, aber auch wenn die Politik an den Tankstellen eingreift, die Energiepreise haben schon jetzt Folgen für alle und drücken die Laune der Verbraucher spürbar. Die Kauflaune der Deutschen ist zwar noch relativ stabil, aber sie schauen deutlich pessimistischer auf ihr künftiges Einkommen und auch auf die deutsche Wirtschaftskraft. Das sagen die Marktforscher der GfK und das Nürnberg-Institut für Marktentscheidungen. Ihr Indikator für das Konsumklima sinkt weiter. Viele rechnen wieder mit mehr Inflation. Und damit schwindet auch die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft jetzt endlich etwas erholt. Für den Handel ist das natürlich keine gute Nachricht. Denn wenn die Unsicherheit wächst, halten die Menschen ihr Geld eher zusammen. Sibylle Schaar hat darüber mit dem Handelsexperten Jörg Funder gesprochen. Wie groß ist die Angst bei den Verbrauchern? Wie sehr belastet die Lage, die wir da gerade im Nahen Osten sehen, das Konsumklima bei uns in Deutschland? Diese Lage des Konflikts mit dem Iran belastet natürlich und deutlich, wir sehen das auch jedes Jahr in einer Befragung, die wir machen, da ging es doch gar nicht um den Irakkrieg, sondern geopolitische Riesenrisiken und auch Bedrohungspotenziale, die wir ja haben, auch mit anderen Konflikten. Belasten das Konsumklima nachhaltig. Hier im konkreten Fall eben auch über die Teuerung von Energiepreisen, die dieser Iran-Konflikt nun aktuell mit sich zieht. Wir merken es an den Tankstellen. Wir merken es möglicherweise dann auch mittelfristig bei den Strompreisen. Und das belastet die Deutschen deutlich. Nun ist es ja so, dass das Konsumverhalten als Ganzes ja auch eine ganz wichtige Säule und Stütze eben unserer deutschen Wirtschaft ist. Was bedeutet das jetzt für unser Land? Und ist die Hoffnung auf einen möglichen Aufschwung damit endgültig dahin? Der Binnenkonsum ist bedeutsam. Wir sind ein exportorientiertes Land. Nach wie vor ist unser Wohlstand vorwiegend auf dem Export beruhend. Dadurch, dass er durch die vielseitigen Handelskonflikte und auch dort die Bedrohungsszenarien. Beispielsweise Steuern mit den USA als Thema, gewinnt der Binnenkonsum an Bedeutung. Der kommt nicht in Gange, weil wir ein eigentlich tiefsitzendes Vertrauensproblem haben. Und zwar nicht nur mit der Wirtschaftslage generell und den Konjunkturerwartungen, der Angst, den eigenen Arbeitsplatz auch zu verlieren. Viele Industrien befinden sich in einem Strukturwandel, nicht nur der Einzelhandel, aber beispielsweise auch die ach so wichtige Automobilindustrie hier in Deutschland mit den Zulieferern. Also die Angst sitzt tief. Der Konsum kommt nicht richtig in Gang. Und solange die Angst und das Vertrauen nicht da ist, wandert der Euro eher ins Sparschwein als in den Konsum. Wechseln wir aber mal die Perspektive. Was bedeutet all das gerade für den Handel? Für den Einzelhandel bedeutet das eine weiter verschärfte Strukturveränderung. Wir sehen nach wie vor Umsatzrückgänge bei vielen Einzelhandelsunternehmen. Unternehmen, in vielen Konzepten wachsen, tun das tatsächlich nur eher internationale Unternehmen, die im preisgünstigen Segment sind, insbesondere über Plattformen und auch hier kommen wieder chinesische oder asiatische Unternehmen wie Xi'in und Temu mit in die Waagschale, die ja dann immer wieder in dieser Argumentation nach vorne gebracht werden. So und jetzt ist es auch noch so, logisch, die Regierung, die muss gegensteuern und nun ist sogar von einer Mehrwertsteuererhöhung die Rede. Wäre das natürlich überspitzt gesagt letztendlich der Todesstoß für den deutschen Handel? Der Todesstoß, den hat sich der Einzelhandel eigentlich vor Jahrzehnten schon selbst verpasst, indem man immer mehr Kosten optimiert hat, aber sich weniger um den Kunden orientiert hat. Aber sicherlich in einer aktuellen Konsumstimmung und wo die Zurückhaltung ohnehin schon deutlich ausgeprägt ist, die Anschaffungsneigung sehr niedrig, die Sparquoten auf einem absoluten Höchstniveau. Die Mehrwertsteuersätze zu erhöhen, würde weiter zu abnehmenden Umsätzen im Einzelhandel führen und vielen Konzepten dann letztendlich auch den Garaus machen, da bin ich überzeugt, ja. Von der Stimmung der Verbraucher geht's jetzt in die digitale Welt. Und um eine Frage, die längst nicht mehr nur Eltern oder Schulen beschäftigt, sondern auch Gerichte. In den USA setzt ein Urteil gegen Instagram und YouTube ein ziemlich starkes Signal. Geschworene in Los Angeles sprechen einer heute 20-jährigen Kalifornierin 3 Millionen Dollar Schmerzensgeld zu. Dazu kommen weitere drei Millionen an Bußgeld für die Plattformen. Weil die die junge Frau als Minderjährige süchtig gemacht und ihr schwere psychische Schäden zugefügt haben. Die Geschworenen sahen das als erwiesen an. Sie sagen, die Tech-Konzerne handelten fahrlässig, weil sie die Risiken für Minderjährige kannten oder kennen mussten. Und nicht ausreichend davor gewarnt haben. In den USA werfen inzwischen viele Kläger Internetplattformen vor, sie abhängig gemacht und damit etwa auch Depressionen oder Essstörungen mitverursacht zu haben. Und darum könnte dieses Urteil auch der Auftakt für eine Klagewelle sein. Aber wohl nicht in Deutschland, mahnt der Medienrechtsanwalt Bernhard Knies im Gespräch mit Astrid Fronja. Warum nicht? Das ist eine spezielle amerikanische Entscheidung. Im amerikanischen Recht gibt es den sogenannten Strafschadensersatzanspruch. Und da kommt es zu so unglaublich hohen Schadensersatzforderungen wie diesen drei Millionen, die jetzt diese Userin bekommt. In Deutschland würden sie nur den konkret entstandenen Schaden bekommen. Das sind ganz andere Beträge. Insofern bei uns leider wohl nicht. Es gibt in den USA offenbar noch hunderte weitere anhängige Klagen in diesem Zusammenhang. Und für die alle könnte das natürlich zum Präzedenzfall werden. Es ist allerdings erst eine Entscheidung in erster Instanz, insofern noch keine Berufungsentscheidung. Kann es dennoch sein, dass sich vieles für uns auch zum Besseren ändern wird? Die Apps, die ziehen ja auf das Belohnungssystem bei uns im Gehirn eines Menschen ab. Also werden die Social-Media-Plattformen jetzt auch durch dieses Urteil gezwungen sein, etwas zu ändern, am Algorithmus zu ändern? Das ist gut möglich, denn in diesen Verfahren spielte eine entscheidende Rolle auch diese Scrolling-Funktionen, die ja viele User so süchtig macht. Sie kennen das ja selber, wenn Sie einmal kurz in Instagram reingehen, sind Sie eine Dreiviertelstunde später, denken Sie, ich bin ja immer noch drin. Und diese Funktionen könnten möglicherweise in diesem Verfahren jetzt geändert werden müssen durch die Konzerne, denn die waren auch Gegenstand dieses Verfahrens. Könnte man auch einfach drunter schreiben, wie wir das ja bei Medikamenten kennen, wenn Medikamente, Pharmaunternehmen Werbung machen, Social Media kann abhängig machen, wäre das auch eine Möglichkeit? Ja, das ist, glaube ich, der zweite Punkt in diesem Verfahren, wenn ich es richtig sehe. Es geht auch darum, dass es Warnhinweise geben müsste, so vielleicht wie auf der Medikamentenpackung oder der Zigarette. Also durchaus denkbar, dass auch in diesem Segment sich was tut. Also einmal auf der technischen Ebene und auf der anderen Seite so eine Warnungsfunktion für den Verbraucher. Und dennoch haben wir als Verbraucher so den Eindruck, als würde sich gerade was ändern in Sachen Social Media. Wir haben in den vergangenen Tagen ja viel über Colin Fernandes und Deepfakes auch berichtet und ich glaube ganz Deutschland hat darüber diskutiert und heute kommt nun aus Brüssel ein anderes Urteil. Kinder und Jugendliche sollen im Netz besser geschützt werden. Die EU-Kommission will nun mehrere große Plattformen ins Visier nehmen, darunter Snapchat. Auch vier Pornoseiten sind im Gespräch. Haben Sie auch den Eindruck, dass wir hier an einem Wendepunkt stehen, dass Social Media etwas ändern muss? Ja, das könnte gut sein. Das wäre ja auch positiv, wenn man das so betrachten würde. Es gibt im Übrigen auch schon Ansatzpunkte. Es gibt ja diesen Digital DSR Act der Europäischen Union, der schon Verpflichtungen zu Risikoanalysen beinhaltet. Also ich glaube, wenn das auf europäischer Ebene ausgeweitet wird, dann würden wir sicherlich alle davon profitieren. Ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch. Das war der Fachanwalt für Medienrecht, Bernhard Kniesen. Schönen Tag nach München. Danke sehr. Ja, und die Debatte um Social Media, Deepfakes und Fake News, die dreht sich natürlich auch um die Entwicklung in Sachen KI. Damit sind wir beim letzten Thema für heute. KI verändert unsere Arbeitswelt immer mehr. Das zeigen ich und mein Team bei NTV euch ja auch hier mit diesem Podcast. Laut Zahlen der KfW arbeitet jeder fünfte mittelständische Betrieb mit KI-Tendenz klar steigend. Gleichzeitig fühlen sich aber viele Beschäftigte noch unsicher im Umgang mit den verschiedenen Tools. Das kennt ihr vielleicht auch von euch selber. Sprechen wir drüber. Frauke Holzmeier hat das getan auf dem großen KI-Festival Data Unplugged, das gerade in Münster läuft. Im Interview bei ihr der Unternehmensberater Fabian Kienbaum. Herr Kienbaum, KI kann Strategien entwickeln, Entscheidungen treffen, operativ sogar mitarbeiten. Braucht es in diesen Zeiten eigentlich noch so viele Chefs? Ich glaube, es ist das goldene Zeitalter für Führungskräfte angebrochen, weil es ist die Chance auf einen echten Neustart, sich nochmal neu aufzuladen und mit Hilfe von KI Entscheidungsqualität zu erhöhen und vor allen Dingen auch Produktivitäten in Unternehmen maximal zu erhöhen. Okay, das beantwortet aber nicht die Frage, ob es noch so viele braucht, weil wir gleichzeitig sehen, dass unter Führungskräften, unter Managern die Zahl der Arbeitslosen tatsächlich steigt. Die Zahlen sind sehr dynamisch, es bewegt sich. Aber wie gesagt, die Chancen, sich mit KI in dieser Phase nochmal neu aufzuladen, sind enorm. Und wir erkennen nicht, dass wir weniger Führungskräfte brauchen. Im Gegenteil, es braucht eigentlich Führungsarbeit stärker denn je. Denn die Fragen, wie wir KI optimal in Unternehmen einsetzen, muss ja beantwortet werden. Das heißt, was braucht eine gute Führungskraft von heute, damit es vielleicht auch den Mitarbeitern gut geht und das Unternehmen erfolgreich ist? Wir sprechen seit fast Jahrzehnten von der lernenden Organisation und jetzt ist die Zeit mehr als reif. Denn die Frage, wie wir KI einsetzen in Unternehmen, aber wie wir den Befähigungsgedanken in die Unternehmen tragen, ist wichtiger denn je. Und das fängt bei den Führungskräften selbst ja an, um die Beurteilung überhaupt vornehmen zu können. An welchen Stellen bringt uns KI wie weiter? Und vor allen Dingen auch, wie heben wir uns damit vom Wettbewerb ab? Okay, und wo stehen wir jetzt auf dieser Reise? Wir sind ganz am Anfang, aber wir haben große Chancen, insbesondere auch in der Frage, wie setzen wir KI in dem B2B-Umfeld ein. Hier ist Deutschland noch am Anfang, kann aber wirklich Meta machen und damit auch Produktivitäten und Wettbewerbsfähigkeit wieder erhöhen. Sagt Fabian Kienbaum, vielen Dank. Also KI mit großen Chancen und Chefs werden in diesen Zeiten auch nicht abgeschafft. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.