Latest / Interviewhelden mit Markus Tirok / Eine Stunde geplant, fünf gebraucht: die Planning Fallacy
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- 0:00Speaker 0: Das mit der Zeitplanung, das kann so nicht weitergehen.
- 0:03Speaker 0: Wir müssen dringend reden.
- 0:12Speaker 0: Und das bin ich!
- 0:14Speaker 0: Wahrscheinlich ja wirklich mit meiner letzten Episode einen wunden Punkt getroffen zu haben, der viele von uns verbindet... Vielleicht erinnerst du dich, ich habe ja einen Art Epilog zu meinem Ferienprogramm, zu meinem Sommer-Podcast gemacht und mein Fazit war zusammengefasst.
- 0:29Speaker 0: Ich habe mich maßlos beim Aufwand vertanen und hätte das im Vorfeld gewusst was da auf mich zukommt?
- 0:34Speaker 0: Ich hätte es mir wahrscheinlich überlegt und hätte es wahrscheinlich so nicht gemacht!
- 0:38Speaker 0: Also kaum hatte ich dazu ein Newsletter geschrieben und hatte den versandt gleich morgens mache ich ja meistens so gegen acht oder so erreichten mich dann auch schon die ersten Rückmeldungen dazu.
- 0:47Speaker 0: und siehe da Wir sitzen alle im selben Boot.
- 0:50Speaker 0: Das freut mich natürlich, dass ich da nicht der Einzige bin!
- 0:54Speaker 0: Dass wir mal mit einer Planung etwas daneben liegen, da würde ich sagen sei es drum... Da würde ich dann auch sehr großzügig darüber hinwegsehen, wenn wir dem Ganzen mal eine Zahl geben wollen.
- 1:05Speaker 0: Vielleicht zehn Prozent Mehraufwand absolut geschenkt da muss man sich keine Gedanken machen.
- 1:09Speaker 0: aber es gibt dann eben auch die guten anderen Beispiele und ein gutes Beispiel für einen deutlichen Mehrauffand der nicht so geplant ist bei mir jedes Jahr meistens so im späteren Frühjahr.
- 1:22Speaker 0: Dann kriege ich nämlich den Rappel und nehme mir vor mein Keller aufzuräumen Und so von einer Größenordnung.
- 1:27Speaker 0: mein Keller ist nicht besonders groß er hat etwa weiß nicht so, sechs Quadratmeter fünf Quadratmetern oder sowas und wenn ich den vernünftig aufräume kalkuliere.
- 1:35Speaker 0: Ich müsste ja ungefähr mit einer Stunde hinkommen von wegen.
- 1:40Speaker 0: Ich gehe dann da meistens irgendwie nach dem Frühstück rein, dann mache ich mittags eine Pause.
- 1:45Speaker 0: Danach fahre ich noch zu Ikea, wohl ein paar Kisten oder neue Regale – was weiß ich?
- 1:49Speaker 0: Und dann bin ich entweder am späten Nachmittag fertig und wenn mich in der Zwischenzeit die Lust verlässt muss sich dann am nächsten Tag sogar nochmal anfangen!
- 1:57Speaker 0: Dann bin ich aber auch wirklich fertig und zwar nicht nur mit dem Keller sondern sozusagen auch mit dem Leben oder meinen Nerven.
- 2:03Speaker 0: Das passiert ohne Scherz jedes Jahr im Frühling.
- 2:08Speaker 0: Ich finde es auch erstaunlich….
- 2:09Speaker 0: Also willkommen bei einer Folge über einen der hartnäckigsten Denkfehler, die es gibt.
- 2:16Speaker 0: Er betrifft Umzüge, er betrifgt Küchenrenovierungen und Podcast-Episoden, die bis Freitag fertig sein sollten – das kommt gleich ganz in Nationen!
- 2:27Speaker 0: Die Opernhäuser und Flughäfe planen und bauen.
- 2:31Speaker 0: Es gibt ein Fachbegriff dafür, den nennt sich Planning Fallacy.
- 2:34Speaker 0: Der Planungsfehlschluss hört sich schlimmer in Deutsch, oder?
- 2:39Speaker 0: Planningfälle, sie hört sich besser an.
- 2:40Speaker 0: Planungsfehlschluss hört sich selber an wie ein Fehlschluß aber nach dieser Folge schaust du nie wieder ganz unschuldig auf deine eigene Planung.
- 2:50Speaker 0: ob wir allerdings nachhaltig daraus lernen werden.
- 2:54Speaker 0: ehrlicherweise bezweifle ich das!
- 2:56Speaker 0: Aber Ich bin ja grundsätzlich optimistisch.
- 2:57Speaker 0: also Wir werden es sehen Warum unser Kopf hier systematisch daneben liegt.
- 3:04Speaker 0: darüber reden wir jetzt.
- 3:05Speaker 0: der Begriff Planning Fallacy stammt von Daniel Karnemann und Armos Tverski, den beiden Psychologen die eigentlich die halbe Verhältnisökonomie erfunden haben.
- 3:17Speaker 0: Sie haben schon in den späten siebziger Jahren zu diesem Thema geforst und beobachtet und sie haben festgestellt Menschen sagen erstaunlich verlässlich falsch voraus wie lange eine Aufgabe wirklich dauert und zwar nicht zufällig falsch sondern Das ist wichtig, systematisch zu optimistisch.
- 3:37Speaker 0: Den wohl schönsten Beweis hat später Roger Bühler von der Wilfried Laurier University geliefert.
- 3:42Speaker 0: Er hat Psychologie-Studierende gefragt wann sie ihre Abschlussarbeit fertig haben.
- 3:47Speaker 0: Er wollte drei Schätzungen.
- 3:48Speaker 0: Bester Fall wenn alles glatt läuft, realistischer Fall und schlechtester Fall wenn wirklich alles schief geht was schief gehen kann.
- 3:57Speaker 0: Im Schnitt haben die Studierenden geschätzt.
- 4:01Speaker 0: im schlechtesten Fall.
- 4:03Speaker 0: Tatsächlich gebraucht haben sie fünfundfünfzig Tage und das ist eine krasse Fehlschätzung!
- 4:10Speaker 0: Ihre pessimistische Schätzung, ihr Worst Case mit dem Sie sich schon auf der sicheren Seite fühlten war immer noch viel zu optimistisch.
- 4:19Speaker 0: nur ein knappes Drittel hat die Arbeit in der selbst gesetzten realistischen Zeit fertig bekommen.
- 4:24Speaker 0: Das ist Planning Fallacy in Reinform.
- 4:27Speaker 0: Wir unterschätzen systematisch, wie lange etwas dauert, wie viel es kostet und wie riskant es ist – selbst wenn wir für genau diese Art von Aufgabe schon Erfahrung haben!
- 4:38Speaker 0: Wir kennen die Statistik, wir waren selbst schon zu spät dran und trotzdem beim nächsten Projekt glauben wir wieder an die schnelle Version.
- 4:48Speaker 0: Da gibt es zum Beispiel Ein Opernhaus, das eigentlich vier Jahre dauern sollte.
- 4:54Speaker 0: Wenn du mal so richtig eindrucksvoll erleben möchtest was Planning Felicity im Großformat bedeutet dann schauen wir genau dieses Opernhaushalten.
- 5:01Speaker 0: Das steht nämlich in Sydney, dieses ikonische Gebäude mit den weißen Segeln dass jeder sofort erkennt sobald ein Foto von Australien sieht.
- 5:08Speaker 0: ich denke man du wirst es jetzt auch vor deinem inneren Augen habe.
- 5:12Speaker 0: In den letzten Jahren gewinnt der dänische Architekt Jörn Uzzon den Wettbewerb, ein Architek-Tourwettbewerk.
- 5:19Speaker 0: geplante Bauzeit damals vier Jahre.
- 5:23Speaker 0: Geplante Kosten umgerechnet etwa sieben Millionen australische Dollar.
- 5:27Speaker 0: Fertig wurde das Opernhaus, neunzehnhundertdreiundsiebzig – nicht nach vier Jahren sondern nach vierzehn Jahren und die Kosten rund einhundertzwei Millionen australische Dollar.
- 5:39Speaker 0: Das ist etwa das Vierzehnfache der ursprünglichen Schätzung!
- 5:44Speaker 0: Wie kann so etwas zustande kommen?
- 5:46Speaker 0: Also ein Teil der Wahrheit, man hat mit dem Bau begonnen bevor die technischen Pläne für dieses gewagte Segeltach überhaupt fertig waren.
- 5:53Speaker 0: Man wusste noch nicht wie man diese Form technisch überhaupt bauen sollte und hat trotzdem schon mal angefangen zu graben.
- 6:01Speaker 0: Das ist übrigens ein Klassiker bei der Planning Policy Wir starten weil Staat sich so nach Fortschrift anfühlt und blenden aus wie viele ungelöste Fragen eigentlich noch offen sind.
- 6:12Speaker 0: Und das Spannende daran ist, heute ist das Opernhaus ein Wahrzeichen – einen UNESCO-Weltkulturerbe sogar!
- 6:19Speaker 0: Ein absolutes Touristenmagnet.
- 6:21Speaker 0: die Verspätung hat am Ende niemand mehr interessiert aber für jeden der neunzehnt sechsundsechzig in Sydney im Stadtrat saß und sich fragte warum die Kosten schon wiedergestiegen sind weil das damals natürlich überhaupt keinen Trost sondern eine absolute Katastrophe.
- 6:36Speaker 0: Es gibt noch ein anderes Konzert aus, das zum Running Gag wurde und da bleiben wir mal in unserer eigenen Nachbarschaft.
- 6:42Speaker 0: Ich habe hier ein deutsches Beispiel, das direkt vor meiner Haustür steht – und zwar die wunderschöne Elbphilharmonie hier im Hamburger Hafen.
- 6:49Speaker 0: Baubeginn, ich kann mich sogar erinnern, war im Jahr seven.
- 6:54Speaker 0: Ursprüngliche geplante Eröffnung, zwei Tausendzehn also drei Jahre später!
- 6:59Speaker 0: Die geplanten Kosten für den öffentlichen Anteil rund siebenundsebzig Millionen Euro.
- 7:05Speaker 0: Das war schon eine ganze Menge!
- 7:06Speaker 0: So und jetzt fassen wir mal zusammen, was dann wirklich passiert ist.
- 7:09Speaker 0: die tatsächliche Eröffnung war im Januar zwanzig siebzehn also fast sieben Jahre später als ursprünglich geplant.
- 7:16Speaker 0: und die taterlichen Kosten?
- 7:17Speaker 0: ich hoffe wir sitzen alle rund achthundert sechsund sechzig Millionen euro.
- 7:27Speaker 0: Das ist mehr als das elffache der ursprünglichen Schätzung.
- 7:31Speaker 0: Und es kommt tatsächlich noch besser.
- 7:33Speaker 0: Über Jahre gab es offenen Streit zwischen der Stadt und dem Baukonzern, zeitweise stand die Baustelle ja sogar komplett still wenn man sich vor Gericht nicht einigen konnte und immer wieder gab es neue Fertigstellungstermine die dann natürlich wieder gerissen wurden.
- 7:47Speaker 0: für die Hamburgerinnen und Hamburger war die Elbphilharmonie jahrelang eher ein Running Gag als ein ernst zu nehmendes Konzerthaus.
- 7:55Speaker 0: Das Muster ist exakt dasselbe wie bei Uzzon in Sydney nur eben mit Elblik garantiert.
- 8:01Speaker 0: Man hat mit einem Termin und einer Zahl geplant, bevor diese technische Komplexität hier vor allem die aufwendige Akustik und die geschwungenen Glasfassade überhaupt zu Ende durchdacht war und kalkuliert war.
- 8:13Speaker 0: Man hat wenn Probleme auftauchten eher gehofft sie lösen sich irgendwie von selbst statt den Zeitplan grundsätzlich in Frage zu stellen und neu zu kalkulieren.
- 8:23Speaker 0: Und jede neue Verzögerung wurde einzeln behandelt sozusagen Als Ausnahme, als Pech.
- 8:28Speaker 0: Niemals als Muster oder System.
- 8:30Speaker 0: und genau das ist eben der Kern der Planning-Fellacy.
- 8:34Speaker 0: Jedes einzelne Problem wirkt lösbar aber die Summe aller Probleme sprengt jeden Plan.
- 8:43Speaker 0: Warum wir es nicht hinbekommen?
- 8:46Speaker 0: Obwohl wir es doch eigentlich sehen können.
- 8:49Speaker 0: jetzt könntest du also sagen okay Markus Politiker und Großprojekte klar die schönen sich das irgendwie immer zurecht.
- 8:55Speaker 0: Aber ich bin doch nicht die Deutsche Bahn oder Ich Bin Doch Nicht Hamburg Oder Sydney.
- 8:59Speaker 0: Doch, genau das ist die Pointe in dieser Geschichte.
- 9:02Speaker 0: Die Planning-Fellacy betrifft dich genauso wie den Berliner Senat oder den Hamburger Senat nur eben in einem etwas kleinere Maßstab und die Psychologie dahinter erklärt auch warum wir so beratungsresistent sind denn das ist ja das Erstaunliche!
- 9:19Speaker 0: Der wissenschaftliche Karnehmann, du erinnerst dich?
- 9:21Speaker 0: Der erzählt dass er in den neunzehntsiebziger Jahren noch einen geforscht hat beschreibt dazu zwei Blickwinkel, mit denen wir eine Aufgabe angehen können.
- 9:29Speaker 0: Den Inside View und den Outside View.
- 9:33Speaker 0: Der Inside View das ist so unser Standardmodus.
- 9:38Speaker 0: Wir schauen auf genau dieses eine Projekt Genau diese eine Aufgabe Und stellen uns Schritt für Schritt vor wie sie ablaufen wird Wenn alles halbwegs normal läuft!
- 9:48Speaker 0: Wir denken an unseren Plan unsere Fähigkeiten Unsere gute Vorbereitung und Erfahrungen.
- 9:54Speaker 0: Das Problem dabei, in diesem Modus blenden wir automatisch aus was typischerweise bei ähnlichen Projekten immer schief geht weil wir gerade nicht an ähnliche Projekte denken sondern nur an unser eines Projekt.
- 10:09Speaker 0: Der Outside View macht das Gegenteil.
- 10:11Speaker 0: er fragt wie lange haben vergleichbare Projekter in der Vergangenheit tatsächlich gedauert?
- 10:16Speaker 0: Nicht dieses eine sondern die nennen wir es Referenzklasse.
- 10:21Speaker 0: Wie lange hat der letzte Umzug gedauert?
- 10:23Speaker 0: Wie lange die letzten fünf Podcast-Episoden zur Aufnahme gebraucht haben oder wie viele Großprojekte im Tiefbau lagen, im geplanten Budget?
- 10:33Speaker 0: Das Fatale – Der Outside View liefert fast immer die treffendere Prognose und trotzdem ignorieren wir ihn ständig weil er sich einfach falsch für uns anfühlt!
- 10:43Speaker 0: Er fühlt sich an als würde er unserem Projekt unserer Kompetenz unter unserem Einzel- und Sonderfall einfach nicht gerecht werden.
- 10:52Speaker 0: Denn wir denken, klar bei anderen hat das gedauert aber bei mir wird es ganz anders sein.
- 10:58Speaker 0: ich habe ja einen richtig guten Plan Expertise Erfahrung.
- 11:02Speaker 0: Ich mache das nicht zum ersten Mal Meine Prognose wird schon richtig sein.
- 11:07Speaker 0: Dazu kommt dann der Optimism-Bias, sagt man.
- 11:10Speaker 0: Die enge Verwandte der Planning Fallacy – wir überschätzen systematisch die Wahrscheinlichkeit, dass uns gute Dinge passieren und unterschätzen die Wahrscheinlichkeit schlechter Ereignisse.
- 11:23Speaker 0: Studien zeigen das quer durch alle Lebensbereiche von der Scheidungsrate bis zur Wahrscheinlichheit selbst mal krank zu werden.
- 11:29Speaker 0: genau dieses Zutrifft!
- 11:31Speaker 0: Wir halten uns meistens für die Ausnahme fast alle von uns gleichzeitig.
- 11:38Speaker 0: Und dann ist da noch ein dritter Effekt der Wirk, den ich fast am lustigsten finde weil er so schön beweisbar ist und zwar an meinem eigenen Keller!
- 11:47Speaker 0: Wir merken uns die Zahlen aus vergangenen Planungen wir merken aber nicht das Gefühl dazu wie anstrengend, wie nervig, wie ätzend zu einem Projekt tatsächlich war.
- 11:56Speaker 0: Das verblässt einfach im Kopf viel schneller als die Erinnerung dass wir es am Ende ja irgendwie geschafft haben.
- 12:03Speaker 0: Die Forschung nennt so etwas rückblickendes Schön-Färbung und ich finde, das trifft es wirklich ganz gut.
- 12:09Speaker 0: Ich weiß eigentlich genau dass mein Keller mich jedes Jahr mindestens ein halbem Dreiviertel Tag kostet und richtig viele Nerven.
- 12:17Speaker 0: aber wenn ich im Frühjahr wie er davor stehe fühlt sich jedes mal aufs Neue nach Naja da müsste ich doch mit fünf Quadratmetern in einer Stunde fertig sein an!
- 12:25Speaker 0: Mein Gehirn löscht offenbar zuverlässig genau die Erinnerung, die mich eigentlich warnen müsste meine eigene kleine Elbphilharmonie.
- 12:35Speaker 0: Ich erwische mich also ständig dabei, im Kleinen etwas zu vergessen.
- 12:40Speaker 0: Eine normale Sole-Episode sowie diese hier kostet mich von der ersten Idee bis zur fertigen Datei schon locker.
- 12:46Speaker 0: Naja ich würde sagen vier bis sechs Stunden inklusive Veröffentlichung und Social Media Das Skriptaufnahmeschnitt, Shownots alles was dazu gehört.
- 12:55Speaker 0: das ist sozusagen meine Grundkalkulation.
- 12:58Speaker 0: die kenne ich Und das Problem ist gar nicht diese normale Episode.
- 13:02Speaker 0: Das Problem ist, dass mir ständig kreative coole Ideen kommen die einfach über das Normale hinausgehen.
- 13:10Speaker 0: dann will ich plötzlich Umgebungsgeräusche mit aufnehmen weil das die Szene einfach lebendiger macht.
- 13:15Speaker 0: Dann fällt mir ein Ich möchte die Hälfte meines Studioaufbaus mitfilmen damit man sieht wie das hier eigentlich alles so aussieht und entsteht.
- 13:24Speaker 0: Dann will ich noch schnell zwei, drei Statements von anderen Expertinnen einholen weil die Folge dadurch einfach noch mehrwertiger und runter wird.
- 13:34Speaker 0: Und jede einzelne Idee für sich genommen ist total überschaubar!
- 13:37Speaker 0: Ein kurzer O-Ton hier eine extra Aufnahme da aber ich plane jede dieser Ideen einzeln und zwar nie als Summe.
- 13:46Speaker 0: Und das ist das Problem, und am Ende sprengt genau diese Summe meinen Kalender und meine Nerven, obwohl ich das Muster inzwischen aus Dutzenden Folgen kenne – und ich bin ja jetzt auch nicht erst zweiundzwanzig, sondern kenne mich natürlich auch gut in meinem Leben oder in meinem Business und es passiert mir immer und immer wieder!
- 14:03Speaker 0: So ist es mir ja auch in diesem Sommer beim Ferienprogramm passiert.
- 14:06Speaker 0: hätte ich ja nicht gedacht dass am Ende da so viel Zeit und soviel Aufwand darum kommt.
- 14:11Speaker 0: Und genau das ist der Punkt.
- 14:13Speaker 0: Gleichzeitig macht es mir nämlich wirklich Spaß diese Ideen umzusetzen, aber Spaß und Planungsfehlschluss schließen sich halt leider nicht aus.
- 14:23Speaker 0: im Gegenteil gerade die Projekte die uns begeistern laden am meisten dazu ein den Aufwand klein zu reden.
- 14:30Speaker 0: Genau das ist übrigens der Grund warum ich dir in der Folge über den Impact Bayes schon mal erzählt habe wie ich mich vor meinen eigenen Steuerunterladen drücke.
- 14:43Speaker 0: Vielleicht erinnerst du dich, dass ich immer sage, ich habe da keinen Bock das anzufangen und wenn ich dann angefangen habe geht es eigentlich viel schneller als ich es befürchte habe?
- 14:49Speaker 0: Das ist nämlich ein, ich würde sagen, ein enger Cousin von dem worüber wir heute reden.
- 14:53Speaker 0: Impact Bayes sagt Wir überschätzen wie schlimm sich eine Aufgabe anfühlen wird.
- 14:58Speaker 0: In Wirklichkeit ist es gar nicht so schlimm Und Planning Felicity sagt Wir unterschätzen Wie lange sie dauert und was die kostet.
- 15:05Speaker 0: Beide sitzen im selben Boot mit mir.
- 15:08Speaker 0: Beide sorgen dafür, dass unsere Pläne mit der Realität leider kollidieren.
- 15:13Speaker 0: Und wenn du gerade so denkst na klar ich als Podcaster kenne das eigentlich nur zu gut mit meinen kreativen extra Ideen dann überleg mal wo das sonst noch bei dir zuschlägt sowie bei mir.
- 15:24Speaker 0: die Steuererklärung des Küchenprojekts das Kundenangebot das Lautplan zwei Stunden Arbeit war unter einem Ende ein ganzer Nachmittag wurde oder der Launch den Du auf drei Wochen angesetzt hast und der jetzt Mittlerweile in der sechsten Woche steckt die Homepage, den neuen Kurs, den du machst.
- 15:42Speaker 0: Alles Mögliche dauert meistens viel länger als wir es eingeplant haben.
- 15:50Speaker 0: Jetzt müssen wir langsam mal zu der Lösung kommen.
- 15:52Speaker 0: drei Dinge die tatsächlich helfen.
- 15:55Speaker 0: Die gute Nachricht man kann sich nicht komplett aus der Planning Fallacy herausdenken aber Man Kann Sich Werkzeuge bauen die sie ein bisschen Ausbremsen.
- 16:05Speaker 0: erstens Fragt die Referenzklasse.
- 16:09Speaker 0: Nicht dein Bauchgefühl!
- 16:10Speaker 0: Also bevor du eine Zeitschätzung abgibst, schau dir die letzten drei bis fünf vergleichbaren Aufgaben genau an – nicht wie lange sie hätten dauern sollen sondern wie lange Sie tatsächlich gedauert haben.
- 16:23Speaker 0: Das nennt sich dann in der Forschung Reference Class Forecasting und es ist bis heute einer der wenigen Methoden, die die Planningfälle sie nachweislich abschwächt.
- 16:32Speaker 0: Für mich würde das bedeuten, bevor ich eine neue Interview-Folge einplanet.
- 16:36Speaker 0: Schau' ich in meine eigene Statistik der letzten keine Ahnung, zehn Folgen und nicht in meinen Wunschdenken sondern tatsächlich in mein Kalender und sage wie lange habe ich denn tatsächlich gebraucht?
- 16:48Speaker 0: Messbare Daten brauchen wir hier!
- 16:51Speaker 0: Zweitens Bau dir ganz bewusst einen Pufferein oder Zeitpuffereinn, der sich vielleicht unangenehm groß anfühlt, vielleicht sogar unrealistisch groß Denn wenn dein Bauch sagt drei Stunden brauche ich, dann planst du fünf.
- 17:06Speaker 0: Das fühlt sich vielleicht übertrieben an aber genau dieses Störgefühl ist ein gutes Zeichen dafür denn es zeigt du korrigierst tatsächlich gegen deinen eigenen Bayes statt ihn nur zu bestätigen.
- 17:18Speaker 0: also lieber ein bisschen mehr Plan als deutlich zu wenig.
- 17:22Speaker 0: und drittens Hol dir eine zweite Meinung von jemandem, der nicht mittendrin steckt.
- 17:27Speaker 0: Von außerhalb!
- 17:28Speaker 0: Der Inside-View ist so mächtig weil wir selbst im Projekt sind.
- 17:33Speaker 0: Eine Person von außen die deinen Vorhaben nüchtern von der Seite betrachtet sieht viel eher die Stolperscheine, die du gerade emotional ausblendeist.
- 17:42Speaker 0: Frag also nicht nur dich selbst wie lange das dauert frag auch jemanden, der es von Außen einschätzen kann.
- 17:49Speaker 0: Nicht immer so einfach zu einer Person zu finden aber wenn man sich ein bisschen bemüht dann wird man so eine Person finden.
- 17:55Speaker 0: Und viertens, und das wäre vielleicht sogar der erste Punkt gewesen, tracken deine eigenen Produktionsschritte statt dich auf dein Gedächtnis zu verlassen.
- 18:04Speaker 0: Genau deswegen fällt uns die Referenzklasse ja so schwer.
- 18:07Speaker 0: wie erinnern uns – wie gesagt nicht so richtig ehrlich an die alten Zeiten!
- 18:11Speaker 0: Also schreib es einmal wirklich auf Stop-Uhr an bei der Recherche, Stop-Hur an beim Skript, Stop Ur An bei der Kommunikation mit den Gästen, beim Schnitt, also wirklich einmal übertrieben... ehrlich, alles mitschreiben.
- 18:27Speaker 0: Am besten für vier oder fünf Folgen und dann hast du schwarz auf weiß wie lange jeder einzelne Schritt bei dir wirklich dauert.
- 18:33Speaker 0: kein Bauchgefühl mehr keine schön gefärbte Erinnerung sondern ganz realistische Zahlen aus deiner eigenen Produktion.
- 18:40Speaker 0: Und das ist dann die günstigste Versicherung gegen die Planning Felicity dies gibt.
- 18:46Speaker 0: Nun gibt es noch eine andere Seite der Medaille besagt, dass es einen positiven Effekt gibt.
- 18:58Speaker 0: Das Opernhaus in Sydney steht heute als Weltwunder dar!
- 19:02Speaker 0: Die Elbphilharmonie ist Hamburgs Wahrzeichen geworden und es ist immer ausverkauft abend für Abend.
- 19:08Speaker 0: Und selbst der Flughafen in Berlin-Brandenburg, der BER fliegt inzwischen ganz normale Passagiere ein und aus.
- 19:16Speaker 0: Ohne diese maßlose Selbstüberschätzung, ohne diese Planning-Fellacy wären diese drei Gebäude vermutlich nie gebaut worden.
- 19:24Speaker 0: Hätte man den Stadtreden in Zitna in unzahmfünfzig gesagt es wird vierzehn Jahre dauern und das vierzehntfache kosten hätte man wahrscheinlich nein gesagt.
- 19:32Speaker 0: Hättem an Hamburg zwei tausend sieben die echten acht hundert sechsundzwanzig Millionen genannt statt der siebundsiebzig wäre die Elbphilharmonie definitiv gekippt worden.
- 19:44Speaker 0: Der Optimismus, der uns bei der Planung so oft täuscht ist derselbe Optimismus ,der uns überhaupt erst mutige Dinge anfangen lässt.
- 19:53Speaker 0: Das heißt nicht das Planning-Fellacy gut ist.
- 19:56Speaker 0: es heißt sie hat zwei Gesichter und beide gehören zusammen.
- 20:01Speaker 0: ein guter Umgang damit trennt deshalb zwei Momente die wir sonst vermischen.
- 20:06Speaker 0: beim Start eines Projektes darf der Optimismus ruhig mitreden.
- 20:09Speaker 0: er ist es der dich überhaupt losgehen lässt der dich motiviert.
- 20:14Speaker 0: Sobald das Projekt aber läuft, wechselt du bitte bewusst in die Perspektive und holst dir die Referenzklasse den Puffer und die zweite Meinung von vorhin dazu.
- 20:25Speaker 0: Es ist völlig in Ordnung groß zu träumen – und ja zu sagen – aber Plan nüchtern bei der Umsetzung!
- 20:32Speaker 0: Und zurück zum einem Keller.
- 20:33Speaker 0: Vielleicht probiere ich das im nächsten Frühjahr tatsächlich mal aus, was ich hier gerade selbst gepredigt habe.
- 20:38Speaker 0: Nicht wieder mit einer Stunde Planen sondern ehrlich in meine eigene Referenzklasse schauen!
- 20:43Speaker 0: Es waren in den letzten Jahren nie unter fünf Stunden Ikea-Ausflug inklusive.
- 20:48Speaker 0: also plane ich beim nächsten Mal fünf Stunden ein plus einen IKEA Puffer obendrauf.
- 20:54Speaker 0: Das fühlt sich vielleicht ein an und wahrscheinlich werde ich dann auch viel schneller sein.
- 20:58Speaker 0: Soviel Zeit für sechs Quadratmeter Keller zu kalkulieren macht ja eigentlich keinen Sinn, aber am Ende ist es genau so... wie ich es dann richtig kalkuliert habe.
- 21:07Speaker 0: Und wenn dir diese Folge gefallen hat und wenn sie dich inspiriert hat, und du vielleicht einen einzigen guten neuen Gedanken daraus nimmst, dann tut mir ein Gefallen der dich zwanzig Sekunden kostet und für mich einen riesigen Unterschied macht, teil die Folge mal in deiner Instagram Story oder bei LinkedIn verlinkt mich gerne dabei!
- 21:26Speaker 0: Ich freue mich jedes Mal wahnsinnig, wenn das jemand macht und mich dabei erwähnt... Das ist sozusagen der Lohn Der Applaus für meine Arbeit.
- 21:36Speaker 0: Und wenn du zwei Minuten übrig hast, dann hinterlassen wir vielleicht eine Bewertung bei Apple Podcasts oder bei Spotify am liebsten mit ein, zwei Sätzen was dir gerade an dieser Folge gefallen hat, was hängen geblieben ist.
- 21:47Speaker 0: das hilft anderen nämlich meinen Podcast überhaupt erst zu finden und mir hilft es zu wissen was bei dir ankommt.
- 21:55Speaker 0: Und bevor du das jetzt wieder auf morgen verschiebst weil du ja weißt wie das mit Vorhaben und Zeit bei uns beiden so läuft machst doch einfach direkt jetzt!
- 22:03Speaker 0: während du noch daran denkst.
- 22:05Speaker 0: Wenn dir diese Folge also gefallen hat, erzähl sie gerne eine Person weiter die gerade ein Projekt plant und phasenfest überzeugt ist dass es diesmal schnell geht.
- 22:13Speaker 0: in diesem Sinne sage ich danke dass du dabei warst bis nächste Woche.
- 22:16Speaker 0: Ich bin Markus und das waren die interview Helden.