Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 069 Tarot in der Literatur - Folge 21: Effie Briest l Tino Wiesinger & Petra Baum
Transcript
- Petra Baum: Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Taro in der Literatur. Ich bin Petra Baum von Spirit Mind Energy und begrüße wie immer ganz herzlich Tino Wiesinger an meiner Seite. Heute widmen wir uns einen der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur, Effie Priest von Theodor von Tane. Von Tane wurde 1819 in Neuropin geboren und stammte aus einer Hugenottenfamilie. Sein Vater war Apotheker und zunächst erlernte auch er diesen Beruf. Später arbeitete er über viele Jahre als Journalist, Korrespondent, Theaterkritiker, Reisesteller und Kriegsberichterstatter. Was viele nicht wissen, seine eigentliche Karriere als Romanautor begann erstaunlich spät. Seinen ersten Roman veröffentlichte er erst im Alter von 58 Jahren. Effie Priest entstand in Fontanes spätem Lebensabschnitt. Als der Roman in den 1890er Jahren erschien, war Fontane bereits über 70 Jahre alt. Vielleicht erklärt gerade diese späte Perspektive den ruhigen, genauen und zugleich unerbittlichen Blick auf die Gesellschaft, auf Ehe, Moral und Schuld, der den Roman bis heute so modern wirken lässt. Die Geschichte beruht auf einem realen Fall, dem Ehe- und Duellskandal Elisabeth von Ardennen, Geborene von Ploto. Fontane übernahm die Grundkonstellation, veränderte jedoch zahlreiche Details, daraus ein eigenständiges literarisches Werk zu schaffen. Eine besondere Stärke Fontanes liegt in seiner Erzählweise. Seine Figuren werden weniger durch dramatische Ereignisse als durch Gespräche, Andeutungen, gesellschaftliche Zwischentöne und das geprägt, was unausgesprochen bleibt. Die eigentliche Spannung liegt oft unter der Oberfläche. Und gerade deshalb eignet sich Effy Bres so gut für einen Blick durch die Terrobrille. Und genau damit starten wir jetzt auch. Lieber Tino! Tino Wiesinger: Ja, heute widmen wir uns einem Roman, den ich aus meiner Schulzeit auch schon sehr, sehr gut kenne. Das war, glaube ich, der erste lange, ich glaube auch der einzige Roman, den wir in der Schulzeit lesen mussten, der wirklich so lang war und so umfangreich. Obwohl ich damals schon auch Deutsch-Leistungskurs hatte, haben wir ja immer die kürzeren Romane oder Geschichten. oder Dramen gelesen. Und ich kann mich noch erinnern, dann in der 12. Klasse, als wir uns Afri-Priest widmen sollten. Und ich kann mich noch heute dran erinnern, wie ich auf dem Sofa saß und Afri-Priest gelesen habe. Einen Tag vor der Klausur. hatte nicht, bevor wir dann im Unterricht darüber gesprochen haben, aber so einen Tag vor der Klausur habe ich erst den Roman gelesen. und hätte nicht gedacht, dass mich der so fesselt und dass ich heute sagen kann, es ist einer meiner liebsten Romane der deutschen Literatur. Ich finde auch schön, dass wir auch heute noch teilweise im Unterricht über die Romane von Fontane sprechen, denn Efe Priest gehört zu einem Roman, wo eben auch Frauen oder eine Frau hier in dem Fall im Vordergrund steht. Das ist ja schon mal überhaupt erstmal was Besonderes, dass hier die Protagonistin eine Frau ist und hier so dieser Gedanke der Emanzipation oder generell der Gedanke, wie die Frau in der Gesellschaft dasteht, überhaupt erstmal eine ganz wichtige Rolle spielt. Es gibt noch weitere von von Tane, Jenny Treibel beispielsweise oder Mathilde Möhring, aber ich Effie Priest ist der bekannteste. Und ja, wenn wir uns diesem umfangreichen Roman widmen, dann geht der Roman damit los, dass Effie erstmal als junges Mädchen dargestellt wird. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Nämlich befindet sich Effie im Garten, sie schaukelt, sie isst gerne Stachelbeeren vom Stachelbeerenstrauch und lebt da eigentlich ihr Leben. Sie wird als Tochter der Luft bezeichnet, die einfach so auch in den Tag hinein lebt und die sich keine großen Sorgen macht. Und an welche Karte denken wir da natürlich? Das ist erstmal der Name. der bisschen naive ist, der vielleicht auch Vorstellungen hat, wie schön das spätere Leben eigentlich mal sein kann. Und der sich wirklich auf die Reise macht. Und Effie ist an einem wichtigen Punkt ihrer Reise, denn sie ist mittlerweile in einem Alter, wo sie auch heiratsfähig wird und wo sich ihre Eltern natürlich Gedanken machen, wen wird denn. Petra Baum: Aber zu gut geworden. Tino Wiesinger: Wer nimmt sich meiner Tochter irgendwann mal an? Das hat auch ein bisschen was von Jane Austen und stolzem Vorurteil. Dieser Gedanke, dass die Eltern sich Gedanken machen, wen die Tochter irgendwann mal heiratet. Und ja, aber es wird schon deutlich ... dass sie eigentlich ein sehr, sehr liebes und nettes junges Mädchen ist, das ihre Kindheit genießt. Deswegen war es mir auch ganz besonders wichtig, dass wir diese Karte an den Anfang auch noch mal mitnehmen. Die typische Kindheits- und Nostalgiekarte, nämlich die Sechster Kelche. An diese Kindheit wird sie sich, glaube ich, auch ihr Leben lang erinnern. Und das Schöne ist, sie kehrt ja dann sogar am Ende wieder ein Stück weiter hin zurück. in anderer Perspektive. Aber es ist wirklich wirklich schön, erst mal zu sehen, sie scheint wirklich ein fröhliches Jungsmädchen zu sein. Dann kommt der große Wendepunkt, nämlich die Eltern entscheiden im Prinzip, Effie irgendwann mal heiratet. Petra Baum: Auch in anderer Konstellation, ja. Tino Wiesinger: Das ist ein bisschen problematisch, denn dieser Mensch, den Effy dann hat, ist erst mal wesentlich älter. ist eigentlich hätte die Mutter ihn heiraten wollen sollen können. Petra Baum: 20 Jahre etwa. Tino Wiesinger: Das ist ja das Schlimme. ich muss sich mal vorstellen, dass der ehemalige Liebhaber oder der ehemalige Preutin kam sozusagen, der Mutter dann irgendwann mal wieder auftaucht, da kommt, mich konnte sie nicht heiraten. Jetzt nimm halt meine Tochter. Also das dieser Instätten der Das ist von Anfang an, ich finde den ein bisschen seltsam und unsympathisch. Also der ist so sehr rational und ja, er macht zwar Effie den Hof, aber Effie ist ein kleines junges Mädchen und der Typ ist 20 Jahre älter. Und da finde ich das fast noch schlimmer als hier bei Faust und Gretchen irgendwie. Ich weiß nicht warum, aber das... nimmt mich emotional mehr mit. Vielleicht aufgrund der Tatsache, dass eben dieser entstetende ehemalige Liebhaber, Mutti, das ist nur bisschen seltsam, jedenfalls. Aber Effie bleibt gar nichts anderes übrig. Die beiden verloben sich und heiraten. Und Petra Baum: Lieber Papa, der Mutter war. Tino Wiesinger: dann hohen Kremmen den Rücken. Also Effie muss hohen Kremmen den Rücken kehren, also dem Ort, in dem sie aufgewachsen ist und sie geht nach Kessin zusammen mit dem in Stetten. Und Kessin ist jetzt nicht unbedingt der Ort, wo sich Effie wirklich wohlfühlt. Sie kann dann nicht mehr Kind sein. ist nicht mehr die Tochter der Luft. So wird sie am Anfang ja bezeichnet. Das ist sie nicht mehr. Sie kann nicht mehr einfach in den Tag hinein leben. Denn wenn man jemanden wie in Städten heiratet, der von gesellschaftlicher Bedeutung ist, gesellschaftlich im Rang ist, muss man natürlich als Ehefrau auch präsentieren. Es gibt gesellschaftliche Empfänge, gibt irgendwelche Bälle, die besucht werden müssen. Effie ist eigentlich noch viel zu klein und viel zu jung. Klein jetzt nicht, aber sie ist zumindest nicht reif genug für solche Tätigkeiten irgendwie und sich jetzt komplett binden zu müssen. Und Kessin ist irgendwie ein Ort, wo sie sich nicht wohlfühlt. Und ich habe da natürlich an die Achter Schwärter gedacht. Denn sie lebt da in einem Haus und hat das Gefühl, sie kommt gar nicht raus aus diesem Haus. Sie ist da einfach gefangen. Sinnbildlich ist da, ich glaube, dieser Traum, den Effy da auch immer hat, dieser chinesen Spuk, nennt sich das im Roman. Ist bisschen seltsam, da hat sie Angst vor und sie hat da irgendwelche inneren Blockaden und möchte da eigentlich auch mit Innenstädten drüber reden, der sie aber nicht ernst nimmt. Und dann diese gesellschaftlichen Empfänge immer, wo sie sich da halbwegs unbesorgt geben muss. Sie fühlt sich einfach in ihrer Haut nicht wohl und in Kessin fühlt sie sich grundsätzlich nicht wohl. Aber. Petra Baum: Aber dann! Tino Wiesinger: Man fühlt sich wohl. Weil dann kommt jemand, eben mit den Schwertern eigentlich so gut wie gar nichts mehr am Hut hat, diesen gesellschaftlichen Erwartungen erst mal. Dann kommt der ganz sympathisch charmante Krampass und das ist tatsächlich der Ritter der Kelche. Der nimmt Effie offenbar ernst, der ist charmant, ist romantisch, auch verführerisch. Und Effie, die so einen trockenen, Städten älteren Typen da zu Hause hat, der eigentlich nur auf Gesellschaft und auf die gesellschaftlichen Erwartungen aus ist. Petra Baum: Wobei man ja sagen muss, Krampers ist ja nun auch nicht jünger und Krampers ist ja eigentlich auch liiert. Also im Endeffekt ist er ein Schwergenöter, der genau weiß, wie gut er bei den Frauen ankommt. er ist nicht der Gleichalterige, der hier auf dem Pferd daher geritten kommt. Das ist ein noch erfahrener Mann, der aber tatsächlich weiß, wie er auch Effie ein bisschen den Finger wickeln kann. Tino Wiesinger: Und da sieht man mal wieder, es kommt eben nicht auf das Alter an, sondern was man aus dem Alter auch macht. Und wie man mit Jüngeren oder mit der anderen Generation vielleicht auch umgeht. Und Krampas ist halt der Gefühlvolle. Und er geht gefühlvoll mit Effie und kann damit auch die Tochter der Luft besser irgendwie einfangen. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Mit den Kerlchen kann man die Luft besser einfangen als mit Schwertern. Wie will man denn die Luft mit Schwertern irgendwie unter Kontrolle bringen? Das macht nicht Sinn. Aber mit Kerlchen schon. Mit Gefühl, das passt. So. Und ja, sie lässt sich auf eine Affäre mit Krampus ein. Und zwar Petra Baum: Das ist nicht. Tino Wiesinger: nicht so dieses typische, ich kann ja nichts dafür und nein, das ist auch eine bewusste Entscheidung von Effie. Sie weiß ja eigentlich ganz genau, was passiert, wenn sie sich da auf ihn einlässt. Sie ist verheiratet, sie hat gesellschaftliche Verpflichtungen. So und dann lässt sie sich auf diese Affäre ein. Ganz bewusst, deswegen die Liebenden auch als eine Entscheidungskarte, die dann am Ende den entscheidenden Wendepunkt auch in der Geschichte bringt. ja, es kommt erstmal natürlich nicht raus. Aber natürlich schreibt Kampas blöderweise Briefe an Effy. Und das ist... Petra Baum: die F aufhebt, man dazu sagen. Tino Wiesinger: Sie hebt ja auch noch auf. das ist eine Sache, ich mir, als ich das gelesen habe, ich glaube damals schon gedacht habe, also bitte, wenn du schon eine Affäre hast, dann mach es doch wenigstens so, dass keine Beweise dann am Ende da sind. Petra Baum: Das Kaminfeuer, das berühmte, man hätte es bemühen können, oder? Tino Wiesinger: Sie ist natürlich naiv. Effi ist immer noch naiv und eigentlich lieb und klein. Petra Baum: Und sie will ich auch die Erinnerung daran behalten, nachdem ein Umzug stattgefunden hat und das Ganze geendet hat. Tino Wiesinger: Ja. Und ich meine, die Erinnerung und auch generell so dieses Gefühl der Unschuld, dieses Narrengefühl, das will sie auch beibehalten. Und fällt mir nämlich auch gerade ein, der Nar hat einen Hund und Effie hat nämlich auch so einen Hund, der dann an ihrer Seite ist und der dann irgendwann, der immer irgendwie da ist. Und dieses Gefühl der Geborgenheit, das sie bei Innenstädten nicht hat. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Aber bei Krampers zumindest das Gefühl hat, ich werde wahrgenommen und ich werde gesehen. Das will sie beibehalten. So, deswegen wirft sie diese Briefe blöderweise nicht weg. Für den Roman natürlich nicht blöderweise. Für den Roman ist es nötig, dass die Briefe definitiv da bleiben. Denn natürlich findet Krampers diese Briefe. Petra Baum: Jahre später sollte man dazu sagen. Tino Wiesinger: nicht in Städten findet die Briefe. Natürlich Krampers hat sehr richtig in Städten findet die Briefe und findet sie Jahre später. So wie könnte man jetzt normalerweise in der heutigen Zeit reagieren? Da würde ich Jahre später natürlich, wäre ich wahrscheinlich immer noch sauer und würde vieles in Frage stellen. Aber jetzt kommt die Zeit, in der dieser Roman auch spielt, es kommt zu einem Duell. Petra Baum: Klar. Ja. Tino Wiesinger: Das heißt, in Stetten fordert Krampers zu einem Duell heraus. Petra Baum: Ja, ich glaube, man sollte auch dazu sagen, dass er halt einfach Angst hatte, dass die öffentliche Meinung über ihn, wer das mitbekommen haben könnte, dass er darunter leidet. Das heißt, er hat zu einem Zeitpunkt, wo die Affäre seit Jahren beendet war, das trotzdem zum Anlass genommen, dass er sagt, ich muss hier handeln und muss meinen ehemaligen Rivalen herauffordern. Tino Wiesinger: Das ist der Erbegriff der damaligen Zeit natürlich. Die Ehre muss aufrechterhalten werden. Und da sind wir schon bei der Karte der Gerechtigkeit. Da geht es nicht letztendlich wir finden ein synomonisches Urteil und so, dass jeder zufrieden ist. Nein. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Effie Priest in dem Roman, für Innstetten ist die Gerechtigkeit nicht die Gerechtigkeit, eigentlich ist es die Ehre. Da müssen wir es als Ehre bezeichnen. Krampers, man kann es noch nicht mal so formulieren, dass man sagt Krampers soll das verdienen, das bekommen, was er verdient, sondern es geht darum, dass Innstetten jetzt seine eigene Ehre verteidigt und deswegen kommt es zum Duell. Und ich habe bis heute diesen ganzen Sinn nicht verstanden. Ich kann es bis heute gar nicht glauben, dass es sowas wirklich mal gegeben hat. Dass die Leute ... Ja, ja. Die kommen dahin, stellen sich einander gegenüber und dann gibt es sogar sowas wie einen Schiedsrichter, der dann am Ende sagt, so, geht so viele Schritte auseinander und dann wird aufeinander geschossen. Wie ... Petra Baum: und vor allem, dass Trump es akzeptiert hat. Auch dazu gehört ja etwas. Tino Wiesinger: Also für mich hat das nichts mit Ehe oder auch nur mit Moral oder mit Gerechtigkeit zu tun, aber es ist halt dieser Erbe. Petra Baum: gesellschaftlicher Druck, dem anlässlich scheinbar ausgesetzt fühlte. Tino Wiesinger: Und ich meine, es gibt ja auch mehrere Verfilmungen von Effy Priest. Ich finde diese Szenen immer sehr befremdlich, muss ich sagen. Und nicht nur, dass es dazu kommt, vor allem auf Effys Seite, dass Effy natürlich jetzt die Geächtete ist. Petra Baum: kommt, wie es kommen muss. Ja. Tino Wiesinger: Die kriegt gesellschaftlich keinen Fuß mehr auf den Boden. die Tochter. Sie kriegt ja eine Tochter im Laufe der Zeit. Sie kann sich nicht mal mehr wirklich die Tochter kümmern. Es gibt, glaube ich, eine Szene, wo sie dann die Tochter trifft. Aber da ist keine gute Tochterbeziehung da. Das ist so. Petra Baum: Die wendet sich ab von der eigenen Mutter. nicht mehr fühlen. Tino Wiesinger: traurig letztendlich. Ja, Effy hat einen Fehler gemacht. Aber, und das ist das Besondere an diesem Roman, hier wird die Perspektive Effys eben deutlich gemacht. Man hätte den Roman natürlich auch aus Sicht von Innenstädten schreiben können, der dann wirklich natürlich enttäuscht darüber ist, kann ich auch verstehen, und der sich denkt, wie kann das nur sein, meine liebe Effy hat mich betrogen. Also das ist ja auch eine Perspektive, die nachvollziehbar ist. Aber Effie Priestschaft ist, dass man natürlich Mitgefühl für Effie bekommt. Dieser Roman macht die weibliche Perspektive deutlich. Und wozu führt es Effie stürzt gesellschaftlich ab? Das sind die fünf der Kelche. Sie ist Petra Baum: Und nur dass das mit der Tragweite noch mal klar ist, Krampers ist tot, ihre Tochter hat sich abgewendet, Instetten hat sich von ihr getrennt, das heißt und sie ist gesellschaftlich abgestürzt, also das heißt mehr konnte sie eigentlich nicht verlieren. Tino Wiesinger: Sie verliert im Prinzip alles. Die Kelche sind alle umgestürzt. Das ist eine ganz traurige Sache. Die soziale Zugehörigkeit hat sie verloren. Damit ist das ein Spannungsbogen, der absolut abfällt. Petra Baum: Sie sieht eigentlich noch alles, was sie verloren hat. Ja. Tino Wiesinger: Am Ende landet sie wirklich ganz alleine in so einer kleinen Wohnung. Sie ist der Eremit, sie ist ganz allein. Die Tochter der Luft wird zum Eremiten. Und der Eremit auch noch auf eine Art und Weise ohne Licht. Also man muss sich mal überlegen, da ist eigentlich kein wirkliches Licht mehr da für Effy. Und das ist eine Schilderung, die auch schwierig zu... lesen ist, weil aus den Narren so eine tragische Figur letztendlich wird. Wie es scheitert. Und da kann man natürlich jetzt wirklich über Nachdenken, wie man jetzt das Ende des Romans betrachtet. Denn, ja, Effy kehrt nach Hause zurück. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Sie ist diejenige, die dann am Ende wieder in Wohne-Krennen sitzt, auf einem Stuhl und wenigstens ist sie zu Hause. Petra Baum: Das sind vielleicht noch ganz klein, die zwei Kirche hier hinten, das der einzige Rückzug, den sie eigentlich noch hat und am Anfang nicht gesehen hat, noch das Elternhaus ist. Tino Wiesinger: diese Rückkehr, wenn wir jetzt auf der Ebene der Heldenreise bleiben. Die Heldenreise endet ja normalerweise mit der Welt. Für Effie endet sie nicht mit der Welt. Endet sie damit, dass sie auch viel zu früh stirbt. Sie endet mit dem Tod von Effie. Und das ist wirklich eine ganz, ganz traurige Sache. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: dass sie am Ende einfach viel zu früh von dieser Welt geht. Das ist für die Eltern traurig, die ja noch leben. Und Effie stirbt im Prinzip. Und wie dann der Vater von Effie damit umgeht, einer der letzten Sätze. Petra Baum: Ja, wir hatten vorhin ja schon drüber gesprochen, was sehr viel über die Moral der damaligen Zeit sagt, dass er eigentlich zu seiner Frau sagt, ach, Luise, lass, das ist ein viel zu weites Feld. Und selbst die Eltern scheuen sich, eine Stellung zu nehmen und eigentlich richtig, ihre Tochter trauern zu können, weil dieser gesellschaftliche Druck und diese Erwartungen so hoch gehalten werden, dass alle darunter kapitulieren. Tino Wiesinger: Das typische, das ist die tragische Figur. Und was ist eine tragische Figur? Eine tragische Figur ist eigentlich jemand, der an den gesellschaftlichen Verhältnissen scheitert. Und die gesellschaftlichen Verhältnisse, auch dieser Satz, das ist ein viel zu weites Feld, das kann man durch den umgekehrten Chiruffanten eigentlich repräsentieren. Petra Baum: Ja. Wenn es dogmatisch wird. Tino Wiesinger: Diese dogmatische Vorstellung, wie man zu sein hat, wie das Leben zu laufen hat. Dieses Festgeschriebene, du hast einen Mann zu heiraten und hast dich diesem Mann zu unterwerfen und seinen Zielen. Und dann bist du erwachsen, du kannst da nicht mehr Kind sein und hast gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Und daran scheitert letztendlich. Und stirbt. Aber ... Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Und das finde ich jetzt nochmal ganz bezeichnend. Ich mag es ja nicht, wenn es damit so ganz traurig endet. Ich habe ja ganz bewusst auch mir gewünscht, dass wir über Effie Priest sprechen. Denn mir ist letztens eingefallen, als wir damals in der zwölften Klasse über Effie Priest gesprochen haben, da sollten wir zu irgendeiner Figur generell aus der Literatur sollten wir zur Abiturvorbereitung damals eine Totenrede oder eine Trauerrede schreiben. Und ich habe mich bewusst damals für Effy Priest entschieden, also eine Trauerrede zu Effy zu schreiben. Und das Interessante ist, wir dürften uns ja auch aussuchen, wer diese Trauerrede hält, welche Figur aus dem Roman. Ich hätte aus Sicht des Vaters schreiben können, aus Sicht der Mutter, wie auch immer. selbst aus Sicht von Innenstädten hätte ich schreiben können. Das Krampas ist ja nicht mehr, der ist ja tot. Aber was habe ich gemacht? Ich habe damals aus Sicht des Pfarrers eine Rede gehalten und habe zum Thema Tod damals nicht das Ende von Effy gesehen, sondern im Prinzip auch immer so dieses Licht, was da noch drin ist. Und ich möchte euch da jetzt zum Abschluss nochmal einen Auszug aus dieser Trauerrede vorlesen, die ich wirklich, ja, vor wie lange ist es jetzt her? Also über 20 Jahre ist es jetzt her, als ich diese Rede geschrieben habe. Und da möchte ich mal ein bisschen etwas vorlesen. Und darum, liebe Trauergemeinde, ist es auch so wichtig, dass wir uns schon hier und jetzt darin einüben, auf das Innere eines Menschen zu achten, sich nicht von äußeren Fehlern täuschen zu lassen. Denn nur der, der das Innere eines Menschen sieht, wird später, am jüngsten Tag, auch die Stimme des Vaters hören. So wie Effie, die sich zwar oft vom äußeren Schein von Prunk und Ruhm beeindrucken ließ, die aber Reichtum nie wirklich als wichtig für ihr Leben empfunden hat. Wichtig waren ihr vor allem ihre Familie und ihre Freunde und auf diese wird sie sich auch nach ihrem Tod auch immer ein Auge haben. Und das ist eine Sache, ich finde, damit kann man schon schön abschließen, diesen Podcast über Effy. Denn der Tod letztendlich, für Effy ist es traurig, dass sie früh stirbt. Aber die Botschaft dahinter ist, ja, wir sollten nicht zu sehr auf den äußeren Schein achten, auf die äußeren Fehler, auf irgendwie das Gesellschaftliche. Der Hierophant, der zeigt ja auch, wenn er nicht umgekehrt ist, dass wir mehr auf das Innere gucken sollen. Tradition, Schön und Gut und Kultur und all das ist alles schön. Aber das alles bringt nichts, wenn das alles nur äußerer Schein und Prunk und ja, etwas ist, was gar nicht aus dem Herzen kommt. Petra Baum: wenn es nicht Weisheit und Vertrauen entspricht. Tino Wiesinger: Und damit sind wir am Ende und auch bei der Botschaft des Romans von Effy Priestens, die Botschaft des Hierophanten eigentlich. Petra Baum: Wir sind fast am Ende, weil wie immer haben wir natürlich auch noch Karten draufgezogen. Ich habe die Sieben der Kirche gezogen und für mich steht diese Karte sehr sinnbildlich, dass Effie hatte Träume und Wünsche. Mancher hat sie realisieren können, andere waren wirklich Illusionen. Manchmal konnte sie vielleicht nicht ganz entscheiden und ist vielleicht dann auch. der eine oder anderen Illusion ein wenig auf den Leim gegangen. Und das ist für mich so vielleicht eine bittersüße Note unten drunter zu sagen. Mensch, aus dem Mädchen, die als Nar-Tochter der Luft gestartet ist, hat manch man sich nicht immer den richtigen Kehl gegriffen. Tino Wiesinger: Und hätte Effie vielleicht öfter mal ein bisschen mehr innegehalten und ein bisschen auch darüber nachgedacht, was Konsequenzen ihres Handelns sind, gerade was die Affäre mit Krampers angeht, ich glaube dann wäre natürlich die Sache auch anders ausgegangen. Ich habe nämlich die vier Schwerter gezogen. da habe ich natürlich dran gedacht, an das Ende des Romans, als sie da in ihrem Stuhl sitzt und wieder in hohem Kremen bei ihren Eltern ist. und wirklich innehält und vielleicht auch reflektiert und darüber nachdenkt, wie hätte mein Leben anders verlaufen können und was hätte passieren müssen, dass es nicht am Ende so tragisch endet, ohne jetzt Effie im Nachhinein Vorwürfe machen zu wollen, aber letztendlich geht es ja auch darum, immer eine gewisse Balance zu finden. Du hast die Sieben der Kelche gezogen, aber das Leben besteht eben auch nicht aus dem Kelch allein, sondern das Schwert muss da auch immer eine Rolle spielen, genau wie die Stäbe oder auch die Münzen. Und da eine richtige Balance zu finden, ja, sie ist am Anfang des Romans die Tochter der Luft. Aber auch die Tochter der Luft muss am Ende irgendwie einen Rahmen finden und kann nicht einfach nur frei durch das Leben. Petra Baum: vom Herzen manchmal etwas vergaloppiert. Ihr Lieben, wir sind am Ende und zwar einer ganz besonderen Folge. Ich glaube an der Trauerrede eben habt ihr schon gemerkt, dieses Buch oder dieser Roman ist für Tino ein sehr persönlicher und er hatte sich auch gewünscht, dass wir diesen Roman als letzten besprechen. Das haben wir tatsächlich heute getan. Es ist 21. Tarot in der Lateraturfolge gewesen. Auch die Zahl hat natürlich tarottechnisch ihre Bedeutung. Wir sind einmal den Zyklus durchlaufen. Wir haben mit den Herr der Ringe, glaube ich, eine Leidenschaft erweckt, die du dir selber angelesen hast. Mit stolzen Vorurteilen bist du über ein Schatten gesprungen, wen du vielleicht am Anfang nicht mochtest. Und wir haben viele Facetten aufgezeigt und wenn wir euch damit begeistern konnten, Literatur und einen neuen, anderen ergänzenden Fokus zu sehen, freuen wir uns sehr. Und ich kann an dieser Stelle nur sagen, Lieber Tino, es war mir Freude und Ehre zugleich, dass wir beide das gemacht haben und uns hier über einen längeren Zeitraum begleitet haben. Und ich glaube, Ich verrate auch nicht zu viel. Wir haben Pläne, was kommen könnte. Es wird allerdings ein wenig dauern. Bis dahin kann ich nur wirklich sagen, vielen Dank. Es war wunderbar. Tino Wiesinger: Ja, bin natürlich, ich möchte mich hier auch nochmal ganz ganz herzlich bei dir liebe Petra bedanken. Es hat mir so viel Spaß gemacht mit dir diese 21 Folgen zu drehen. Petra Baum: Bye. Tino Wiesinger: Und es ist wirklich so, dass jede einzelne Folge wirklich auch gezeigt hat, dass wir, glaube ich, hier auch mit dem Herzen auch dabei sind. ja, ich bin sehr gespannt, was noch kommt. Ja, du hast recht, auf jeden Fall jetzt, was mich angeht, erstmal ein bisschen ruhiger. Aber ich bin nicht aus der Welt und ich freue mich. Petra Baum: Und wir schauen, welche Themen sich dann eröffnen und ich glaube mit diesem Ausblick stay tuned sagen wir für heute und für diese Reihe in dem Fall nicht auf Wiedersehen, sondern tschüss. Tino Wiesinger: Ja.