Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #18 Folge 4: Frauen & Co-Abhängigkeit: Wenn die Sucht deines Partners deine Seele auffrisst
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen, ja intensiven
- 0:05Auseinandersetzung. Ich freue mich wirklich riesig,
- 0:08dass du heute wieder eingeschaltet hast.
- 0:11Nimm dir diese Zeit für dich und deine Themen, das hier ist
- 0:15wirklich dein Raum, heute schauen wir uns ein Thema an,
- 0:18das ja das tief geht und oft sehr, sehr schmerzhaft ist.
- 0:22Co Abhängigkeit und zwar speziell aus der Perspektive von
- 0:25Frauen. Wir stützen uns dabei auf einen
- 0:28sehr persönlichen, eindringlichen Artikel von
- 0:31Gabriele von Nielix, Berlin. Der Titel ist Frauen und Co.
- 0:35Abhängigkeit, wenn die Sucht deines Partners zu deiner
- 0:39eigenen wird ganz wichtig. Bevor wir richtig eintauchen.
- 0:43Eine Anmerkung, die Gabriele auch macht in seinem Artikel ist
- 0:46eine Trägerwarnung Wir sprechen hier über Co, Abhängigkeit, ja
- 0:49auch über emotionalen Missbrauch, über
- 0:52Kontrollverlust, Selbstaufgabe. Das richtet sich also ganz klar
- 0:56an Menschen im Umfeld von Suchtkranken.
- 0:58Wenn du merkst, es wühlt dich stark auf, bitte sei besonders
- 1:02achtsam mit dir, ja, was wollen wir denn jetzt gemeinsam
- 1:06erreichen? Wir wollen verstehen, was ist Co
- 1:09Abhängigkeit eigentlich so ganz genau, wie fühlt sich das an?
- 1:13Oft tarnt es sich ja als Liebe und ganz wichtig gibt es Wege
- 1:17daraus zurück zu dir selbst. Und noch was Wichtiges, bevor
- 1:22wir loslegen. Gabriel, der Autor der Nilix
- 1:25Berlin ins Leben gerufen hat, ist selbst betroffen von Sucht,
- 1:28von psychischen Herausforderungen.
- 1:30Er springt auf seiner Webseite ganz, ganz offen über seine
- 1:33Recovery, seinen Weg, auch über die schmerzhafte Erkenntnis, wie
- 1:38er in seiner sucht Frauen zu Co abhängigen gemacht hat.
- 1:42Das ist also kein theoretisches Gerede, das kommt direkt aus dem
- 1:45Erlebten, und das soll dir auch zeigen.
- 1:48Wenn du sowas kennst, du bist damit absolut nicht allein.
- 1:52Genau diese Authentizität macht den Artikel ja auch so, so stark
- 1:57und es ist wirklich entscheidend Co Abhängigkeit richtig
- 1:59einzuordnen von Anfang an. Viele verwechseln das ja mit
- 2:03übergroßer Liebe oder Loyalität. Aufopferung.
- 2:06Ja, genau. Aber Gabriel sagt ganz klar, das
- 2:10ist keine Tugend. Co Abhängigkeit ist eine
- 2:13eigenständige Sucht. Es ist die sucht nach Kontrolle
- 2:16halt. Der Versuch, einen Menschen zu
- 2:19kontrollieren, der durch seine eigene Sucht unkontrollierbar
- 2:22geworden ist. Und das Tragische ist dann das
- 2:25Tragische. Das Paradoxe ist bei diesem
- 2:27Versuch, den anderen zu kontrollieren, verliert man die
- 2:30Kontrolle über das einzige, was man wirklich steuern kann,
- 2:34nämlich sich selbst, das eigene Leben.
- 2:36Okay lass uns das mal genauer anschauen.
- 2:39Garniel spricht ja von der weiblichen Falle der Co
- 2:42Abhängigkeit. Er liefert auch Fakten.
- 2:45Was steckt denn da genau dahinter?
- 2:46Ja, die Zahlen und die psychologischen Hintergründe
- 2:50sind schon sehr deutlich. Also Co Abhängigkeit ist jetzt
- 2:54keine offizielle Diagnose, steht nicht im ICD 10, aber es ist ein
- 2:59gut beschriebenes Muster mit klaren Tendenzen.
- 3:03Erstens, es trifft überproportional oft Frauen okay
- 3:07Schätzungen so aus Studien aus Selbsthilfegruppen wie Coda oder
- 3:12Alanon. Gehen von 80 bis 90% Frauen aus.
- 3:1680 bis 90% ja. Das heißt nicht, Männer sind
- 3:20nicht betroffen, natürlich nicht, aber diese Schieflage ist
- 3:24schon signifikant, hat sich ja auch mit Rollenbildern zu tun,
- 3:27ne? Vermutlich.
- 3:28Und die Folgen. Die psychischen Folgen sind
- 3:31gravierend. Das geht oft Hand in Hand mit
- 3:33Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Beschwerden.
- 3:38Also körperliche Symptome durch Stress.
- 3:40Genau, Kopfschmerzen. Magenprobleme, diese ständige
- 3:44Anspannung, dieser chronische Stress schwächt ja auch
- 3:48nachweislich das Immunsystem. Man ist also seelisch und
- 3:51körperlich unter Dauerfeuer. Und die Ursachen liegen die oft
- 3:55früher. Die Wurzeln liegen häufig in der
- 3:58Kindheit. Der Begriff ako a, also
- 4:01Erwachsene Kinder von Alkoholikern oder aus anderen
- 4:04dysfunktionalen Familien, spielt da ne große Rolle.
- 4:07Wer in so einem Umfeld aufwächst, mit sucht,
- 4:10Instabilität, Vernachlässigung, der lernt oft früh
- 4:13überlebensstrategien. Die dann später.
- 4:15Genau die später den Weg in Co Abhängige Beziehungenebenen man
- 4:20lernt vielleicht eigene Bedürfnisse zurückzustellen,
- 4:22übernimmt übermäßig Verantwortung, scannt ständig
- 4:26die Stimmungen. Anderer.
- 4:27Um Sicherheit zu finden, halt. Verstehe.
- 4:30Und der vierte Punkt gab es noch einen.
- 4:32Ja, und das ist die wichtige Botschaft der Hoffnung, finde
- 4:35ich. Hilfe wirkt viertens
- 4:38spezialisierte Selbsthilfegruppen für
- 4:40Angehörige, Coda, Alanon, die nach den 12 Schritten arbeiten,
- 4:44die zeigen nachweislich positive Effekte.
- 4:47Die psychische Gesundheit der Teilnehmer wird besser.
- 4:50Co abhängige Muster nehmen ab, die Lebensqualität steigt.
- 4:53Und das unabhängig vom Süchtigen.
- 4:56Das ist das bemerkenswerte, ja, die Verbesserung tritt oft
- 4:59unabhängig davon ein, ob der suchtkranke Partner was ändert
- 5:02oder nicht. Es geht um die eigene Gesundung,
- 5:04das. Ist ein ganz wichtiger Punkt die
- 5:06eigene Gesundung. Aber warum ist es denn so
- 5:08verdammt schwer, da rauszukommen?
- 5:11Der Artikel geht ja auch darauf ein, wie das biochemisch im
- 5:14Gehirn wirkt, das ist ja mehr als nur ne schlechte
- 5:16Angewohnheit, oder? Absolut.
- 5:18Hier wird es wirklich interessant, weil es erklärt,
- 5:21warum sich das so zwingend anfühlt.
- 5:23Im Grunde ist es eine erlernte Überlebensstrategie, die sich zu
- 5:27einer echten Verhaltenssucht entwickeln kann.
- 5:29Wie gesagt, fängt oft in der Kindheit an, das Kind lernt
- 5:32Liebe und Sicherheit zu kriegen, indem es die Bedürfnisse, sagen
- 5:35wir, eines instabilen Elternteils über die eigenen
- 5:38stellt. Die Lernerfragung ist ich bin
- 5:43wertvoll. Ich bin sicher, wenn ich mich
- 5:46kümmere, wenn ich funktioniere. Das prägt sich tief ein.
- 5:50Und dann kommt die Gesellschaft dazu.
- 5:51Genau dazu kommt die gesellschaftliche Prägung.
- 5:55Gerade Frauen werden ja oft noch sozial darauf konditioniert,
- 5:58fürsorglich zu sein, eigene Bedürfnisse hinten anzustellen,
- 6:02die Harmonie zu wahren, das ist ja an sich nichts Schlechtes,
- 6:05aber es kann halt n Nährboden für Co abhängige Muster bilden,
- 6:09wenn es zur Selbstaufgabe führt. Vergleicht das sehr treffend mit
- 6:12der Spielsucht. OK, wie meint er das?
- 6:14Stell dir nen Spielautomaten vor, du wirfst immer wieder Geld
- 6:17rein, das sind die schlechten Zeiten in der Beziehung, Streit,
- 6:21Sorge, Enttäuschung und ganz ganz selten kommt der Jackpot,
- 6:25die guten Zeiten. Genau.
- 6:27Momente der Nähe der Hoffnung vielleicht ne Besserung in
- 6:30Sicht. Weil du aber nie weißt, wann der
- 6:31nächste Jackpot kommt, bleibst du dran, obwohl du meistens
- 6:35verlierst. Dieser unvorhersehbare Wechsel
- 6:37zwischen Niete und Gewinn, der löst im Gehirn einen starken
- 6:41Dopaminkick aus. Und dieser Mechanismus erzeugt
- 6:44extrem starke Abhängigkeiten, stärker noch als bei
- 6:47regelmäßigen Belohnungen. Man wird also süchtig nach den
- 6:51seltenen guten Momenten. Ganz genau.
- 6:53Und er trägt dafür immer mehr Leid.
- 6:55Puh, das erklärt einiges, warum man da so festhängt.
- 6:59Gabriel beschreibt ja auch ne sehr persönliche, ja
- 7:01erschütternde Situation mit seiner damaligen Freundin, das
- 7:05passt genau dazu, er erzählt, wie er während seiner Heroinzeit
- 7:09die Bankkarte seiner Freundin geklaut hat, als sie bei der
- 7:11Arbeit war. Oh Mann.
- 7:13Er hat Geld abgehoben, Drogen gekauft, die sogar mit Fremden
- 7:17in ihrer Wohnung konsumiert. Und als sie heimkam, hatte er es
- 7:20ihr sofort gestanden. Ihre Reaktion war aber nicht Wut
- 7:24oder eine Grenze, sondern Sorge um ihn.
- 7:27Ihre Lösung war dann ihm ab da selbst Geld zu geben, bevor sie
- 7:30zur Arbeit ging, ach. Du je.
- 7:32Ihre Begründung war, das sei ihr lieber, als dass er kriminell
- 7:36werden müsse. Für seine Sucht.
- 7:37Das ist ein ja Paradebeispiel für enabling.
- 7:42Dieses englische Wort bedeutet ja ermöglichen oder befähigen,
- 7:46aber im negativen Sinn. Es beschreibt genau diese
- 7:49Verhaltensweisen von Angehörigen, die sind gut
- 7:52gemeint, klar, aus Sorge, aus Liebe, aber Objektiv führen sie
- 7:57dazu, dass der Süchtige nicht die vollen Konsequenzen tragen
- 8:01muss. Indem sie ihm das Geld gab.
- 8:03Nahmen sie ihm die Not ab, sich anders drum zu kümmern?
- 8:06Und damit auch einen potenziellen Anstoß zur
- 8:08Veränderung. Sie hat ihn quasi befähigt,
- 8:11weiterzumachen, aber wie erkennt man als Angehörige diesen
- 8:14schmalen Grat, wann kippt denn gut gemeinte Sorge in
- 8:17schädliches Enabeling, das ist ja oft nicht so klar wie bei dem
- 8:21Diebstahl. Das ist genau die
- 8:23Kernschwierigkeit und es ist oft ein schleichender Prozess.
- 8:27Gabriel legt in seinem Artikel nahe, dass ein wichtiger
- 8:30Indikator ist. Übernimmt dein Helfen, die
- 8:33Verantwortung, die eigentlich beim Süchtigen liegen sollte?
- 8:36Räumst du ständig die Scherben weg, lügst du für ihn
- 8:40kompensierst du seine Fehltritte, nimmst du ihm damit
- 8:43die Chance, aus den Konsequenzen zu lernen.
- 8:46Also echte Unterstützung versus Enabeling.
- 8:49Genau. Echte Unterstützung fördert die
- 8:51Eigenverantwortung des anderen. Enabeling untergräbt sie, auch
- 8:55wenn es sich kurzfristig vielleicht wie Rettung anfühlt.
- 8:58Das führt uns ja direkt zur Selbstreflexion.
- 9:01Gabriel fordert dem Artikel zu radikaler Ehrlichkeit sich
- 9:04selbst gegenüber auf, er bietet ja quasi so ne Art Check an, um
- 9:09eigene Muster zu erkennen, nicht zur Verurteilung, sondern zur
- 9:12Erkenntnis, wie sehen denn diese Muster typischerweise aus?
- 9:16Ja. Statt einer starren Checkliste
- 9:18können wir uns die Kernfragen anschauen, die das offenlegen.
- 9:22Also fühlst du dich zum Beispiel chronisch verantwortlich für die
- 9:26Gefühle, Entscheidungen, das Wohlergehen deines Partners, als
- 9:30ob du sein Glück oder Unglück in der Hand hättest.
- 9:32Und dieses ständige Gedanken kreisen.
- 9:34Genau kreisen deine Gedanken fast pausenlos um ihn, seine
- 9:39Probleme, seine Sucht. Was er als nächstes tun könnte,
- 9:43dieser extreme Fremdfokus, das ist typisch.
- 9:46Und dann das Thema Lügen und vertuschen, das Inebling, was
- 9:49wir gerade hatten. Also entschuldigst du sein
- 9:51Verhalten vor anderen, lügst für ihn bei der Arbeit in der
- 9:55Familie, spielst Probleme runter.
- 9:57Exakt ein weiteres wichtiges Zeichen ist die Vernachlässigung
- 10:01deiner selbst. Hast du eigene Hobbys,
- 10:05Freundschaften, Bedürfnisse aufgegeben, weil seine Probleme
- 10:09immer prio 1 haben, lebst du quasi nur noch für seine
- 10:12Rettung. Und damit verbunden versuchst du
- 10:15aktiv seinen Konsum oder sein Verhalten zu kontrollieren.
- 10:20Durch Bitten drohen, überwachen, Alkohol Wegschütten, solche
- 10:24Dinge und dieser ganz tiefe Punkt mit dem Selbstwertgefühl.
- 10:28Ja, das ist oft zentral. Ist dein Gefühl, wertvoll zu
- 10:32sein, davon abhängig, ob er dich braucht, ob du ihm helfen
- 10:36kannst? Holst du dir deine Bestätigung
- 10:38daraus, die starke, aufopferungsvolle Partnerin zu
- 10:41sein und die letzte Frage ist dann wahrscheinlich, warum
- 10:45bleibst du genau? Bleibst du in der Beziehung,
- 10:48obwohl sie dir viel mehr Schmerz als Freude bringt?
- 10:51Vielleicht aus Angst, er würde ohne dich komplett abstürzen
- 10:54oder aus Angst vorm Alleinsein? Je mehr dieser Muster auf dich
- 10:58zutreffen, desto wahrscheinlicher ist halt eine
- 11:01Co abhängige Verstrickung, das spiegelt genau die Mechanismen
- 11:05wider, die erlernte Verantwortung der
- 11:08Suchtkreislauf, der Kontrollversuch, die
- 11:10Selbstaufgabe okay angenommen, man erkennt sich da jetzt
- 11:14wieder, das kann ja erstmal ziemlich Angst machen.
- 11:17Was also, wenn man merkt, ja, das betrifft mich.
- 11:20Gabriels Artikel beschreibt ja dann den Weg zurück zu dir, er
- 11:24nennt das quasi Safer Use für Angehörige, was meint er damit,
- 11:28dieser Weg zurück zu dir, das ist eine radikale Umkehrung der
- 11:33Perspektive, weg von ständigem Fokus auf den anderen, hin zur
- 11:38Frage, was ist mit mir, was brauche ich.
- 11:43Gabriel nennt 4 Schritte. Das ist im Grunde ein Konzept
- 11:46der Selbstfürsorge und Selbstermächtigung in dieser
- 11:49echt schwierigen Lage. Der erste Schritt ist die
- 11:52radikale Akzeptanz, zusammengefasst in den berühmten
- 11:563 KS aus den Angehörigengruppen. Die 3 KS kannst du die kurz
- 12:01erklären? Ja, das ist ein Mantra, das man
- 12:04wirklich verinnerlichen sollte, finde ich.
- 12:07Erstens, du kannst die Sucht deines Partners nicht
- 12:11kontrollieren. Du hast sie nicht verursacht.
- 12:14Es ist eine Krankheit. Du kannst sie nicht heilen oder
- 12:17kurieren. Nicht kontrollieren, nicht
- 12:19verursacht, nicht kurieren. Genau dieses Loslassen der
- 12:23Illusion von Kontrolle, das ist der erste, oft schmerzhafte,
- 12:27aber absolut notwendige Schritt zur Befreiung.
- 12:30Die Verantwortung für seine Genesung liegt bei ihm, nicht
- 12:34bei dir. Das zu akzeptieren, das
- 12:37entlastet schon mal enorm. OK und der zweite Schritt?
- 12:41Der zweite Schritt ist der Focus Shift, ganz bewusst mehrmals am
- 12:45Tag innehalten und dich fragen, was brauche ich jetzt gerade?
- 12:49Vielleicht ist es Ruhe, vielleicht n Gespräch,
- 12:52vielleicht eine Grenze setzen. Am Anfang fühlt sich das fremd
- 12:56an, vielleicht weißt du gar keine Antwort, aber es geht
- 12:59darum, die Antennen wieder auf die eigenen Bedürfnisse
- 13:02auszurichten. Weg vom ständigen Scannen des
- 13:05anderen. Schritt 3 ist dann
- 13:08wahrscheinlich, sich Unterstützung zu holen.
- 13:10Ganz genau. Schritt 3 ist laut Gabriel der
- 13:12Wichtigste. Hol dir eigene Hilfe, such dir
- 13:16Unterstützung nur für dich. Geh zu Selbsthilfegruppen Coda
- 13:21alanon, sprich mit Leuten, die verstehen, was du durchmachst,
- 13:24weil sie es selbst kennen. Das ist dein Raum für deine
- 13:27Gefühle und. Oder such dir professionelle
- 13:30Beratung. Und der vierte Schritt?
- 13:32Beginne Grenzen zu setzen. Das muss nicht sofort der große
- 13:35Knall sein. Fang mit kleinen klaren Grenzen
- 13:38an, ich werde nicht mehr für dich lügen oder ich diskutiere
- 13:42nicht mit dir, wenn du getrunken hast.
- 13:45Wichtig ist formulier die Grenze, klar und halt sie
- 13:48konsequent ein jeder kleine Schritt, bei dem du deine Grenze
- 13:52Wahrst gibt dir ein Stück Selbstwirksamkeit zurück.
- 13:56Das klingt nach einem Plan. Einem Machbaren, wenn auch
- 13:59sicher herausfordernden Plan. Und du hast es ja eben schon
- 14:02gesagt, man muss das nicht allein schaffen.
- 14:05Wo findet man denn ganz konkret Unterstützung als Angehörige?
- 14:09Es gibt zum Glück einige Anlaufstellen, viele davon
- 14:12kostenlos und anonym. Ganz wichtig sind die lokalen
- 14:16Suchtberatungsstellen. Die gibt's fast überall von
- 14:20Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischer.
- 14:23Wie findet man die? Einfach mal online suchen,
- 14:26Suchtberatung, Angehörige und deine Stadt dazu.
- 14:30Die bieten oft spezielle Einzelgespräche oder Gruppen nur
- 14:33für Angehörige an. Für akute Krisen gibt's die
- 14:36Telefonsensorge die Nummer ist 0 800111 0 111.
- 14:42Rund um die Uhr. Und der Hausarzt?
- 14:45Ja, scheu dich nicht auch deinen Hausarzt anzusprechen oder einen
- 14:49Psychotherapeuten. Chronischer Stress durch diese
- 14:52Situation, das ist ein ernsthaftes Gesundheitsproblem.
- 14:56Du verdienst Unterstützung und hier noch mal ganz klar die
- 15:00Betonung, diese Hilfe ist für dich, es geht um deine
- 15:03Entlastung, deine Gesundheit, deine Wege, damit umzugehen,
- 15:07ganz egal was der suchtkranke Mensch macht oder nicht macht.
- 15:10Absolut. Hilfe suchen ist Selbstfürsorge,
- 15:14kein Verrat. Es ist oft der erste Schritt
- 15:16raus aus der Ohnmacht, rein in die Handlungsfähigkeit für das
- 15:20eigene Leben. Gabriel geht ja in seinem
- 15:22Artikel auch auf einige häufige Fragen und Zweifel ein, die die
- 15:26Angehörigen auf dem Kopf rumschwirren lass uns mal ein
- 15:29paar davon rausgreifen vielleicht sind das ja genau
- 15:32deine Fragen, eine ganz große Angst ist ja oft, wenn ich ihn
- 15:36loslasse, ihn konfrontiere, geht er doch erst recht vor die
- 15:40Hunde. Ist das nicht unterlassene
- 15:42Hilfeleistung? Was sagt Gabriel dazu?
- 15:44Ja, das ist die Kernangst. Die hält viele im Enabeling
- 15:48gefangen. Gabriels Antwort ist da aber
- 15:51sehr klar. Nein, dein Bisheriges helfen,
- 15:54dein Enabeling hat ihn ja nicht davor bewahrt süchtig zu sein
- 15:58oder weiterzumachen. Im Gegenteil, es hat ihm
- 16:01vielleicht sogar ermöglicht, die Sucht aufrechtzuerhalten, ohne
- 16:05den vollen Preis zu zahlen, den anderen mit den Konsequenzen
- 16:08seines Handelns zu konfrontieren, ist oft die
- 16:11einzige, wenn auch harte Chance, dass er selbst einen
- 16:15Leidensdruck entwickelt, einen, der groß genug ist, um
- 16:18Veränderung zu wollen. Paradoxerweise ist loslassen
- 16:22hier oft der größte Liebesdienst, weil es ihm die
- 16:25Verantwortung zurückgibt, ein anderer Punkt, den wir anfangs
- 16:28kurz hatten. Ist Co Abhängigkeit nicht
- 16:31einfach nur sehr starke Liebe und Loyalität?
- 16:34Viele fühlen sich ja gerade durch ihre Liebe verpflichtet,
- 16:37alles mitzumachen, auch hier ist die Antwort im Artikel ein
- 16:41klares Nein. Echte Liebe, so schreibt
- 16:44Gabriel, will das Wachstum und die Freiheit des anderen,
- 16:47basiert auf Respekt, auf Augenhöhe, Co.
- 16:50Abhängigkeit dagegen ist oft von Angst getrieben, vom Bedürfnis
- 16:54nach Kontrolle, auch wenn das unbewusst ist.
- 16:57Man braucht den anderen vielleicht in seiner Schwäche,
- 16:59um sich selbst gebraucht und wertvoll zu fühlen.
- 17:01Es ist eher eine Verstrickung, die sich als Liebe tarnt, aber
- 17:04beiden schadet die Frage aus diesem FAQ Bereich, die bestimmt
- 17:08viele umtreibt, wenn der Süchtige endlich clean wird, bin
- 17:13ich dann automatisch auch geheilt von meiner Co
- 17:16Abhängigkeit ganz wichtiger Punkt und die Antwort ist nein.
- 17:21Co Abhängigkeit ist ein eigenständiges Muster.
- 17:23Das ist oft schon lange vor dieser Beziehung entstanden,
- 17:27wenn der Partner clean wird, fällt für den Co Abhängigen oft
- 17:30der Hauptfokus weg, die Lebensaufgabe sozusagen, das
- 17:35kann paradoxerweise zu einer tiefen Krise führen, wenn man
- 17:38nicht gleichzeitig an den eigenen Themen gearbeitet hat.
- 17:41Die eigene Heilung ist also ein separater Prozess, ja.
- 17:45Deine Heilung deine Genesung ist ein separater Prozess und muss
- 17:48unabhängig davon weitergehen. Deine Genesung hängt nicht von
- 17:52seiner ab. Das sind echt wichtige
- 17:53Klarstellungen. Zum Abschluss, fasst Gabriel
- 17:56seine Gedanken in einem sehr, ja eindringlichen Bild zusammen.
- 18:01Er beschreibt sich selbst in seiner Sucht wie ein schwarzes
- 18:04Loch, dass die Energie, die Liebe, die Hoffnung der Menschen
- 18:08um ihn herum aufgesogen hat und und die Co abhängigen Frauen in
- 18:11seinem Leben waren wie Sterne, die für ihn brannten und dabei
- 18:15selbst verglühten. Er sagt, er brauchte ihre Kraft,
- 18:18um seine Sucht zu überleben, ihre Hilfe hat die Sucht
- 18:22genährt. Der Moment, als eine Frau nein
- 18:24sagte, anfing, für sich selbst zu sorgen, das fühlte sich für
- 18:28ihn damals wie Verrat an. Heute weiß er, es war der größte
- 18:32Liebesakt für sie und für ihn. Wow.
- 18:34Sie hörte auf, ihn retten zu wollen und gab ihm damit die
- 18:37Chance, sich selbst retten zu müssen.
- 18:40Und sie rettete sich selbst. Sein Appell am Ende ist deshalb,
- 18:44höre auf, uns zu retten, wir müssen unsere eigenen Tiefpunkte
- 18:47finden, beginne dich selbst zu retten, finde heraus, wer du
- 18:50bist, ohne seine Sucht. Ein unglaublich kraftvolles,
- 18:54ehrliches Fazit. Es bringt die ganze Tragik, aber
- 18:57eben auch die Chance auf den Punkt.
- 18:59Die Verantwortung liegt bei jedem selbst und für die
- 19:02Angehörigen liegt im schmerzhaften Loslassen die
- 19:05riesige Chance, sich selbst wiederzufinden, herauszufinden,
- 19:08wer bin ich, was will ich, was brauche ich jenseits dieser
- 19:11aufreibenden Rolle und genau daran knüpfen wir unseren
- 19:14letzten Gedanken für dich heute an, nach all dem, was wir jetzt
- 19:16besprochen haben und anknüpfend an Gabriels Appell, was wäre
- 19:20denn der allererste, vielleicht winzig kleine Schritt, der.
- 19:22Den du heute noch tun könntest. Um deinen inneren Kompass wieder
- 19:26ein kleines bisschen mehr auf dich auszurichten.
- 19:31Es muss nichts Großes sein, wirklich nicht, vielleicht ist
- 19:34es nur 5 Minuten bewusst zu atmen oder eine Tasse Tee in
- 19:39Ruhe trinken, eine Freundin anrufen oder vielleicht auch nur
- 19:44die Website einer Beratungsstelle anklicken.
- 19:47Was könnte dieser winzige erste Schritt für dich sein?
- 19:50Denk mal drüber nach. Zum Schluss noch ein Hinweis in
- 19:54eigener Sache. Wenn dir diese intensive
- 19:56Auseinandersetzung hier Denkanstöße gegeben hat und du
- 19:59die Arbeit von Nilix Berlin wertvoll findest, dann würde
- 20:03sich Gabriel riesig über deine Unterstützung freuen.
- 20:06Du kannst Gabriel helfen, indem du vielleicht darüber sprichst,
- 20:09es auf Social Media teilst oder diese Folge hier auf Plattformen
- 20:13wie Spotify oder Apple Podcasts bewertest und Likest.
- 20:18Das Projekt Nelix Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 20:21finanziert und erstellt jede Form der Unterstützung hilft
- 20:24Gabriel mit diesem Projekt, sich selbst und gleichzeitig anderen
- 20:29Betroffenen zu helfen. Gabriels persönliches Motto, das
- 20:33ihn antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben etwas
- 20:37Gutes zu machen. Vielen Dank, dass du dir die
- 20:39Zeit genommen und zugehört hast. Das war sicher keine leichte
- 20:42Kost heute, aber vielleicht ein wichtiger Impuls.
- 20:46Pass gut auf dich auf, sei nachsichtig und freundlich mit
- 20:49dir selbst. Bis zum nächsten Mal.
- 20:51Mach es gut.