Latest / ntv Wirtschaft / Richard David Precht im Interview: "KI-Waffen könnten Menschheit am Ende auslöschen"
Transcript
- 0:08Künstliche Intelligenz sorgt weiter für Grundsatzdebatten. Und Richard David
- 0:12Precht fragt, wie viel Fortschritt wir eigentlich wollen und wie viel wir überhaupt noch aufhalten können.
- 0:19Gleichzeitig misstrauen viele Menschen den angekündigten Entlastungen bei den hohen Spritpreisen.
- 0:24Und aus der deutschen Industrie kommt zumindest ein vorsichtiges Signal der Hoffnung.
- 0:29Der BDI hebt seine Wachstumsprognose an. Hallo und herzlich willkommen.
- 0:36In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:41die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:46Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:51Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:55geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 1:02Aktuell häufen sich die Forderungen, künstliche Intelligenz auszubremsen oder gar abzuschaffen.
- 1:08Autor und Philosoph Richard David Precht erklärt, wie wir mit dem Fortschritt
- 1:13umgehen können und warum wir uns trotz aller Sorgen nicht von der KI losreißen können.
- 1:19Über 90 Prozent der 12- bis 19-jährigen deutschen Jugendlichen und Kinder nutzen mittlerweile KI.
- 1:25Herr Brecht, ist das denn ein gutes Zeichen oder ein schlechtes Zeichen?
- 1:29Würde ich sagen, weder noch. Also KI kann ja ein sehr gutes Hilfsmittel sein.
- 1:33Um Wissen nachzuschlagen. Alles gut und schön, aber wenn es dazu benutzt wird,
- 1:37damit man nicht selber denken muss, dann ist es nicht so ein gutes Zeichen.
- 1:42Das meistgenutzte KI-Tool ist ja Chat-GPT. Finden Sie denn aus philosophischer
- 1:46Sicht, dass so ein Modell einen Freund oder eine Freundin ersetzen kann?
- 1:50Nein, kann es nicht. Aber die Funktion wird es oft erfüllen.
- 1:53Weil das Schöne ist ja, wenn man sich mit der KI unterhält, über seine psychologischen
- 1:58Probleme und so weiter, die ist immer so nett.
- 2:01Die gibt einem immer nette Antworten, die interessiert sich für einen,
- 2:04die beschäftigt sich mit einem, die kann man anbrüllen, die bleibt lieb und
- 2:07ruhig. Also alles das, was Menschen nicht tun, das selbst der beste Therapeut nicht kann.
- 2:11Und da ist natürlich Suchpotenzial drin. Die Abhängigkeit kann sehr, sehr stark werden.
- 2:16Das heißt, sollte man da reglementieren? Ja, unbedingt. Also wenn Jugendliche
- 2:20ihre Probleme mit einer KI besprechen, dann glaube ich, sind wir in einer gefährlichen Entwicklung.
- 2:24Eine andere Entwicklung ist ja auch, dass man mittlerweile einfach intuitiv
- 2:28zum Handy greift und dann eben du-scroomt und sich eins nach dem anderen anschaut.
- 2:32Das heißt, diese Phasen der Langeweile, die hat man gar nicht mehr unbedingt.
- 2:35Ist das vielleicht auch gar nicht so eine gute Entwicklung?
- 2:39Ja, wobei, also ich meine, wenn man jetzt rumscrollt und sich irgendwie Weltwissen
- 2:42aneignet, ist das das Schlimmste nicht. Ich habe das früher mit alten Brockhaus-Lexika gemacht.
- 2:46Aber das erste, erstellendlich benutzen wir unser Handy ja für Unterhaltungsfiktion.
- 2:51Also wir sind drei Stunden am Tag in fiktionalen Welten unterwegs.
- 2:54Egal, ob das in Spielen ist, also der Durchschnitt ist deutscher,
- 2:57Jugendliche zum Teil noch viel mehr.
- 2:59Egal, ob das jetzt Spiele sind oder ob das Serien sind und so weiter.
- 3:02Das ist natürlich auch eine Weltfluchtbewegung, die häufig dazu führt,
- 3:06dass man eigentlich gar nicht mehr weiß, wer man ist.
- 3:08Weil man so wenig im Hier und Jetzt vorkommt.
- 3:10Das heißt, was würden Sie sagen, wie findet man am besten raus, wenn man ist?
- 3:15Da gibt es keine befriedigende Antwort auf die Frage. Ist auch gut so.
- 3:18Es wäre wahnsinnig langweilig, wenn man da eine eindeutige Antwort hätte.
- 3:21Aber durch Selbstwirksamkeitserfahrungen im Sozialen, also mit Freunden zusammen
- 3:26zu sein und so weiter, kriegt man ja ein Feedback.
- 3:29Und von diesem Feedback ernährt man sich normalerweise. Und je weniger ich im
- 3:33Sozialen mache, umso geringer ist dieses Feedback, umso größer können auch die
- 3:37psychologisch negativen Folgen sein.
- 3:40Aktuell gibt es ja eine große Diskussion, eingeführt aus den USA,
- 3:42dass man eben jetzt bei der Entwicklung von KI ein bisschen auf die Bremse treten sollte.
- 3:46Teilen Sie diese Einschätzung? Es wird nicht passieren.
- 3:49Also diese apokalyptischen Warnungen höre ich jetzt in der vierten Welle.
- 3:53Also das kommt immer wieder und das kommt immer wieder.
- 3:56Und eigentlich seit diesen KI-Durchbrüchen von vor fünf oder sechs Jahren hören
- 4:00wir diese Warnungen. Und im nächsten Jahr schon soll die böse KI die Weltherrschaft antreten.
- 4:05Ich halte das alles für sehr, sehr unwahrscheinlich.
- 4:07Ich kann das Gegenteil nicht beweisen. Aber ich fürchte mich vor anderen Dingen,
- 4:10die ich für realistischer halte als davor.
- 4:12Weil die Absender sich ja doch geändert haben. Zuletzt war es jetzt der Anthropics-Gründer,
- 4:15also eben der Schaffer einer der größten KI-Modelle.
- 4:18Sollte man das nicht da noch ein bisschen ernster nehmen? Nö, es war schon immer so.
- 4:22Also Bill Gates hat schon dafür gewarnt, Elon Musk hat schon dafür gewarnt.
- 4:25Also Leute vom Fach. Das ist nicht ungewöhnlich.
- 4:29Das heißt, einfach zur Kenntnis nehmen und weitermachen? Nein,
- 4:33das würde ich jetzt so genauso nicht sagen. Man muss sich dann schon anhören,
- 4:36was sind die Argumente dafür. Aber es wird das KI-Moratorium nicht geben.
- 4:39Man wird immer mit dem Hinweis, die Chinesen entwickeln ihre KI auch weiter
- 4:43und alle anderen Länder und so weiter, wird man immer starke Argumente haben,
- 4:45diese Entwicklung weiter voranzutreiben.
- 4:47Ich glaube nicht an einen Exit daraus.
- 4:51Hier geht es ja auch viel um KI, um internationalen Vergleich.
- 4:53Wo steht Deutschland, wo steht da Europa, vor allem im Vergleich zu USA und China.
- 4:57Was würden Sie sagen, wo stehen wir da? Ja, das große Problem aus der Sicht
- 5:01der KI-Entwicklung ist, dass wir nicht über die Datenmengen verfügen und deswegen
- 5:04kann unsere KI auch nicht vergleichbar gut sein und dass wir nicht über diese
- 5:08Datenmengen verfügen, hat mit einem sehr berechtigten,
- 5:11Schutz unserer Personalität und Identität zu tun.
- 5:15Also insofern ist es logisch, dass wir in diesem Prozess abgehängt sind und
- 5:19wenn wir da weitermachen würden, würden wir wesentliche Grundsäulen unseres
- 5:23liberalen Selbstverständnisses abbauen müssen.
- 5:25Es gibt ja trotzdem eine europäische Strategie. Man möchte 19 KI,
- 5:29sogenannte KI-Fabriken erstellen in den nächsten Jahren.
- 5:32Das ist doch eigentlich ein Weg genau in diese Richtung.
- 5:34Ja, ich weiß. Also die Sorgen der Politiker vor dem ökonomischen Abstieg sind
- 5:38hundertmal größer als vor dem
- 5:40Ende der Menschheit oder dem kulturellen Verfall. Das war schon immer so.
- 5:43Da ist jetzt aus philosophischer Sicht vielleicht ein Blick in fünf Jahren.
- 5:46Wo stehen wir da in puncto KI?
- 5:47Das ist gerade bei der KI überhaupt nicht zu sagen. Wenn ich mal überlege,
- 5:50wo wir vor fünf Jahren standen und was in diesen fünf Jahren Schwindel der Regen
- 5:53des passiert ist, Da wage ich keine Prognosen, weil die Entwicklung nicht linear ist.
- 5:58Es ist also jetzt nicht so, dass das genau im gleichen Tempo weitergeht.
- 6:01Es kann langsamer werden, es kann auch unendlich viel schneller werden.
- 6:04Und deswegen Prognosen bei KE ist, glaube ich, ein sehr gefährliches Terrain.
- 6:08War das vielleicht eine Utopie oder eine Dystopie?
- 6:11Also ich glaube nicht, dass in fünf Jahren die KI die Weltherrschaft antritt,
- 6:15aber ich halte es für wahrscheinlich, dass je mehr wir uns auf die KI verlassen,
- 6:20umso mehr Systemabsturze sind möglich.
- 6:23Und die gefährlichste Entwicklung, die wir im Augenblick haben,
- 6:25ist die Entwicklung von KI-Waffen.
- 6:27Da sind wir turbomäßig dabei, da wollen wir aufrüsten, da wollen wir ganz, ganz vorne sein.
- 6:32Und KI-Waffen können tatsächlich das sein, was am Ende die Menschheit auslöscht.
- 6:37Herr Precht, da ist doch noch ein bisschen Dystopie hinten raus.
- 6:39Vielen Dank für das Gespräch.
- 6:43Die großen Fragen rund um KI wirken manchmal ziemlich abstrakt.
- 6:48An der Tankstelle wird Politik dagegen sehr konkret, und zwar direkt im Geldbeutel.
- 6:53Bundeskanzler Friedrich Merz hat angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt.
- 6:59Eine Mehrheit der Befragten glaubt allerdings nicht, dass dahinter vor allem
- 7:03das Bemühen um Entlastung steckt.
- 7:06Laut einer CIVA-Umfrage halten 70 Prozent die Ankündigung eher für ein Wahlkampfmanöver.
- 7:12Und auch bei der Frage, wie der Staat helfen sollte, gibt es klare Präferenzen.
- 7:1823 Prozent wünschen sich niedrigere Steuern auf Kraftstoffe,
- 7:2222 Prozent eine Übergewinnsteuer und 20 Prozent eine Senkung der CO2-Abgabe.
- 7:30Einen Spritpreisdecke bevorzugen nur 12 Prozent.
- 7:34Innerhalb der Koalition ist bislang ohnehin offen, welches Instrument am Ende zum Zug kommt.
- 7:42Und vom Geldbeutel an der Tankstelle zoomen wir einmal raus auf die gesamte deutsche Wirtschaft.
- 7:48Da hält sich das Bild zumindest etwas auf. Der Bundesverband der Deutschen Industrie
- 7:53hebt seine Wachstumsprognose für 2026 an und rechnet jetzt mit einem Plus von einem Prozent.
- 8:00Bisher waren es 0,6 Prozent.
- 8:03Vor allem das Geschäft mit europäischen Partnern gibt laut BDI Rückenwind.
- 8:08Von einem breiten industriellen Aufschwung will der Verband aber noch nicht sprechen.
- 8:12Staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung treiben das Wachstum,
- 8:17während private Investitionen schwach bleiben.
- 8:20Für den BDI ist deshalb klar, ohne Strukturreformen und bessere Wettbewerbsbedingungen
- 8:26reicht dieser erste Lichtblick nicht für dauerhaft stärkeres Wachstum.
- 8:30Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 8:35Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.