Latest / insights! mit Joubin Rahimi / 165 Was dich eine Unternehmensschließung über Führung lehrt
Transcript
- 0:00Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights!
- 0:03Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi, und heute mit dabei: Götz Karcher.
- 0:08Hi Götz!
- 0:10Ja, ich freue mich mega, dass du hier bist, weil dein
- 0:13Werdegang ist sowas von besonders.
- 0:17Bevor du da vielleicht einsteigst, Götz ist jetzt oder war bis vor kurzem
- 0:23Geschäftsführer der Gasversorgung Süddeutschland.
- 0:27Können wir gleich da ein bisschen abbiegen.
- 0:29Und die Historie ist, wie du quasi du hier mit auf die Couch gekommen bist,
- 0:33über eine Kollegin von uns, mit der du zusammengearbeitet hast.
- 0:37Und wir haben den Kontakt nie über Jahrzehnte eigentlich verloren.
- 0:42Und warum wir uns hier auch freuen, Götz begrüßen zu können,
- 0:45ist: Götz macht etwas, wo immer mehr Personen es zukünftig auch machen müssen.
- 0:54Spoiler.
- 0:55Aber vielleicht magst du erstmal 2, 3 Sätze zu dir sagen.
- 0:59Ja, vielen lieben Dank, dass ich da sein kann und dass der Kontakt
- 1:01dann auch so schnell hergestellt gestellt wurde.
- 1:04Ich freue mich echt, da zu sein.
- 1:06Ja, Götz Karcher erstmal, mein Name, bis zum gestrigen Tag der Geschäftsführer
- 1:11der Gasversorgung Süddeutschland.
- 1:13Warum gestriger Tag?
- 1:14Am gestrigen Tag ist die GVS mit der EnBW AG, das ist unser Mutterkonzern,
- 1:20verschmolzen, unter Auflösung.
- 1:22Als ich dieses Projekt begonnen habe, musste ich auch erstmal lernen,
- 1:24was das denn alles so ist, weil wie du schon sagtest,
- 1:26ich komme eigentlich mal aus dem E-Commerce und mit Sanierung hatte
- 1:29ich damals noch nicht so viel zu tun.
- 1:31Und ja, das heißt, seit gestern bin ich dann automatisch
- 1:34EnBW-Mitarbeiter, damit ich dann im Oktober an neuer
- 1:37Stelle im Konzern beginnen kann.
- 1:40Und du wolltest gerade ansetzen.
- 1:42Genau, richtig.
- 1:43Wie bin ich dazu gekommen oder wie bin ich hierher gekommen im Prinzip?
- 1:48Ja, ich habe nach dem Studium begonnen in der E-Commerce-Branche in
- 1:53verschiedenen E-Commerce-Agenturen.
- 1:55Zuerst eine ganz kleine, dann eine etwas größere,
- 1:57dann eine noch größere und in der letzten, in der ich war, habe ich eben auch
- 2:02deine Mitarbeiterin, Kollegin und meine Ex-Kollegin, die Olga, kennengelernt.
- 2:06Ich war da für ein Jahr und habe dann tatsächlich aufgrund dessen,
- 2:13dass ich frisch geheiratet hatte und das mit den Kindern dann so anstand und
- 2:20ja, das doch, wie sage ich das, es
- 2:23war eine sehr herausfordernde Zeit, auch zeitlich, weil man da in der
- 2:27Firma sehr viel zusammengefahren hat, nicht weil man abgebaut hat,
- 2:32sondern weil es nach oben ging, dann aber doch den ein oder anderen
- 2:35Mitarbeiter verloren hat und das war einfach eine sehr,
- 2:36sehr große Belastung und dann gab es die Chance für mich in meiner alten Heimat in
- 2:42Hessen bei der Mainova AG in Frankfurt am Main, ein E-Commerce-Team aufzubauen.
- 2:48Die brauchten ganz dringend jemanden, wie ich eben dann erfahren habe,
- 2:51als ich zum Vorstellungsgespräch da war, der das Thema dort
- 2:55hauptverantwortlich übernimmt.
- 2:57Und innerhalb von 7 Tagen war ich beim Erstgespräch,
- 3:01dann beim Zweitgespräch und hatte am 8.
- 3:03Tag dann den Vertrag unterschrieben und bin dann in Frankfurt eben als
- 3:08Teamleiter "Onlinekommunikation" gestartet und durfte da eben dieses E-Commerce-Team
- 3:13mit aufbauen, das sich um alle digitalen Kanäle der Mainova AG gekümmert hat.
- 3:17War dann für 9 Jahre lang da und habe dann wiederum eine weitere
- 3:21Möglichkeit bekommen, in den EnBW-Konzern einzusteigen,
- 3:24bei der Gasversorgung Süddeutschland.
- 3:26In einem Unternehmen, das große Strom- und Gasverträge verkauft hat an Stadtwerke.
- 3:33Und man hat sich dann im Jahr 2023 dazu entschieden, das Unternehmen
- 3:37in den Konzern zu integrieren.
- 3:39Und mein damaliger Chef wurde auch just zu dieser Zeit,
- 3:44was aber nicht der Auslöser war, ist ganz wichtig, an anderer
- 3:47Stelle auch im Konzern gebraucht.
- 3:48Der ist jetzt bei der Erdgas Südwest, ist auch ein entsprechendes
- 3:51Tochterunternehmen.
- 3:52Und man hat mir angeboten, diese Sanierung,
- 3:56diese Unternehmensschließung eben als Geschäftsführer zu übernehmen.
- 3:59Und da habe ich mich sehr schwer getan, weil natürlich aus dem E-Commerce kommt
- 4:03und ein E-Commerce-Team in der Branche aufbaut, das mit dem
- 4:09Unternehmen schließen und alles runterfahren nicht so mein Thema war.
- 4:12War aber jetzt im Endeffekt eine ganz, ganz wertvolle
- 4:16Erfahrung und es ist auch extrem gut gelaufen, weswegen ich eben
- 4:20dann im Konzern bleiben darf.
- 4:22Ich dann ab 1.
- 4:23Oktober an anderer Stelle in einer entsprechenden Position dann beginne.
- 4:29Und jetzt ist die Verschmelzung am gestrigen Tag veröffentlicht worden.
- 4:33Also bin ich kein Geschäftsführer mehr.
- 4:34Das Unternehmen gibt es nicht mehr und ich stehe dann sozusagen geparkt
- 4:37in ihrem Konzern bis zum 1. Oktober.
- 4:39Was ich total spannend finde: Du kommst ja aus einem Bereich,
- 4:42wo du immer aufgebaut hast.
- 4:44Aufbauen, schneller, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr zu abbauen.
- 4:48Ja, ist ja ein ganz anderer Typ von Arbeit.
- 4:51Da würde ich gerne einmal hin.
- 4:54Das ist etwas, weil der ein oder andere weiß ja in den
- 4:57Gesprächen, die wir haben, E-Commerce hat überall geboomt und jetzt
- 5:03schrumpft es an einigen Stellen, auch weil es manchmal zu viel gemacht
- 5:06worden ist, also gar nicht systemisch, sondern overpaced und bei einigen ist es
- 5:13auch strukturell in der Branche halt schwieriger und da muss dann auch was
- 5:17zusammengelegt werden und so weiter.
- 5:19Genau, deswegen ist es mega, wenn du von deinen Erfahrungen
- 5:22in dem Zuge erzählen kannst.
- 5:23Du hast ja zwei Sachen: Einmal, wie hast du es sachlich angegangen,
- 5:26und das Zweite ist, wie hast du diesen Brainfuck bewältigt und
- 5:33eine Resilienz gehabt, die du wahrscheinlich gehabt hast.
- 5:35Das unterstelle ich dir mal, wirklich diesen Weg zu gehen von ich baue
- 5:38immer auf und das ist immer super zu ich nehme Sachen weg.
- 5:44Richtig, richtig.
- 5:44Das ist auch wirklich ein Perspektivwechsel gewesen und das war der
- 5:47Punkt, über den ich mir in der Entscheidungsphase,
- 5:53ob ich das jetzt machen möchte oder auch nicht, tatsächlich die
- 5:56größten Sorgen gemacht habe.
- 5:58War es dir schon so bewusst, als du die Stelle angetreten hast,
- 6:01dass die Entscheidung kommt?
- 6:02Genau, also die Entscheidung war schon getroffen.
- 6:04Ich war da als Bereichsleiter damals mit der Geschäftsführung gemeinsam schon sehr,
- 6:11sehr eng mit eingebunden, habe also mich ein Stück weit auch
- 6:15emotional damit beschäftigen können, weil das war natürlich ein Prozess,
- 6:18an dem wir sehr, also wir heißt die Bereichsleitungen und
- 6:23die Geschäftsführung, ganz intensiv mitgearbeitet haben und im
- 6:27Prinzip auch diese Entscheidung mitgetroffen haben, das Unternehmen
- 6:29eben in den Konzern zu integrieren. Das ist ganz wichtig.
- 6:32Das war kein Teil der Entscheidung zu sagen, okay, wir schließen
- 6:35jetzt einfach ab und fertig.
- 6:37Das geht auch in der Energiebranche gar nicht, weil da laufen Verträge
- 6:41typischerweise 3, 4, teilweise 5 Jahre in die Zukunft.
- 6:44Das heißt, da musste man auch den richtigen Zeitpunkt finden.
- 6:47Wann schließt man denn das Unternehmen?
- 6:48Also die Verträge passen, dann ist der Vertrieb da.
- 6:51Genau, die kann man auch nicht einfach so übertragen.
- 6:53Ist alles hochkomplex, ist aber gar nicht das Thema.
- 6:57Und das heißt, ich war Bereichsleiter und wusste auch, okay,
- 7:00ich muss mich mal mindestens um mein Team kümmern und natürlich auch dann darum,
- 7:06wie machen wir das denn insgesamt mit dem Unternehmen?
- 7:09Und das dann aber dem Michael Riemmler, mein damaliger Chef,
- 7:14dann einen Ruf bekommen hat sozusagen an anderer Stelle im Konzern.
- 7:16Das war überhaupt noch gar nicht absehbar, weswegen wir auch nicht so davon
- 7:21ausgegangen sind, naja okay, machen das alles so ein bisschen kleiner
- 7:24und naja, man kann sich dann ja als Bereichsleiter so ein bisschen
- 7:27zurücksetzen, kann sagen, ja, der Michael macht das ja.
- 7:29Ist auch ein super Verhältnis, auch weiterhin.
- 7:32Aber dann war eben irgendwann wieder diese Entscheidung da.
- 7:36Dass er hier eben eine Chance hat, an anderer Stelle schon weiterzumachen.
- 7:40Da wiederum auch Aufbau, weil der ist eigentlich genauso wenig ein
- 7:44Sanierer gewesen wie ich und ist es heute natürlich dann auch nicht vom Mindset her.
- 7:50Aber dann sind eben der Aufsichtsratsvorsitzende und mein Chef
- 7:54dann auf mich zugekommen und haben gesagt: Götz, wir brauchen bis zum Schluss die IT,
- 7:58wir brauchen bis zum Schluss die Finanzen, wir brauchen bis zum Schluss diejenigen,
- 8:03die sich um die Kunden kümmern, im Kundenservice und in der Betreuung rund
- 8:06um diese ganzen Verträge, auch da ganz großer Teil eben IT.
- 8:14Und dann war klar, na ja, das würde halt eben ganz gut passen.
- 8:17Und was ja eben auch ganz wichtig war, dass sie gesagt haben,
- 8:19und wir trauen es dir zu, dass du das als Geschäftsführer
- 8:21übernimmst, obwohl du nicht derjenige bist,
- 8:25der eigentlich Dinge dazu kriegt, dass die kleiner werden und
- 8:28irgendwann verschwinden.
- 8:30Und nach mehreren Gesprächen, wo ich auch genau das dann angemerkt habe:
- 8:34Wie sieht das aus mit eurer Einschätzung?
- 8:37Wie soll das laufen?
- 8:39Was ist auch der Auftrag?
- 8:41Da muss man auf Holz klopfen und muss man auch den Konzern tatsächlich loben.
- 8:45Ich habe an der einen oder anderen Stelle dann mal gesagt, wenn die EnBW BlackRock
- 8:49wäre, wäre das alles viel einfacher gewesen,
- 8:51weil man hat im Prozess und im Projekt gemerkt, der Konzern hat für so eine
- 8:56Unternehmensschließung keine Prozesse.
- 8:58Da weiß keiner Bescheid, wie das geht.
- 9:00Das hat zwar der eine oder andere schon mal gemacht, aber es gibt keine
- 9:03klare Vorgabe, wie geht das denn.
- 9:05Man musste da tatsächlich für manche Dinge, die du einfach lösen musst,
- 9:08was ganz Neues individuell stricken, damit das funktioniert.
- 9:13Und ja, auf dieses Mindset habe ich mich dann eingelassen und muss auch tatsächlich
- 9:18sagen, in der Zeit, die ich das gemacht habe,
- 9:20war das natürlich so eine Null-Risikokultur,
- 9:23die ich mir auch selbst auferlegt habe.
- 9:27Natürlich ganz wichtig: Mitarbeiter im Mittelpunkt, weil du darfst keinen
- 9:31Mitarbeiter zu früh pfänden.
- 9:33Das ist wichtig, wenn du Leute hast.
- 9:35Das waren nur 68 Mitarbeiter.
- 9:37Wenn du da einen verlierst und er ist der Einzige, der das Know-how hat,
- 9:42mal ganz platt gesprochen, dann bist du aufgeschmissen,
- 9:44weil dann wird dir der Konzern irgendwann auch, oder er kann dir teilweise
- 9:46eben einfach auch gar nicht helfen.
- 9:47Das heißt, es gab dann einen ganz genauen Plan.
- 9:49Wer soll wann gehen?
- 9:51Und am besten hältst du eben Leute, indem du ihnen eine Perspektive
- 9:55und eine andere Stellung gibst.
- 9:56Und das hat super funktioniert.
- 9:59Aber das war schon schwer.
- 10:00Das muss ich sagen, habe ich jetzt zum Schluss hin auch
- 10:03gemerkt, wo jetzt diese neue Stelle im Konzern, bei der ich auch wieder
- 10:07für Wachstum zuständig sein darf.
- 10:10Als diese Gespräche dann gestartet sind, da habe ich auch gemerkt,
- 10:12das ist doch sehr tief in mich reingefressen, dieses bloß keinen
- 10:16Fehler machen, ganz sachlich sein.
- 10:19Auch nicht so begeistert sein an der einen oder anderen Stelle.
- 10:23Und das habe ich mittlerweile aber, glaube ich, ganz gut wieder abgelegt.
- 10:26Also da muss man schon dran arbeiten und muss sich dann selbst prallen im Dach auf.
- 10:30Okay, so und so und so muss das laufen.
- 10:32Weil der Auftrag, okay, das war die Verschmelzung mit Auflösung.
- 10:35Das war der Auftrag.
- 10:36War der Auftrag, Personal abzubauen, oder war der Auftrag, egal?
- 10:42Es war ja so groß.
- 10:44Was das Personal angeht, dass sie sagen, wir haben so viel hohe Fluktuation.
- 10:47Wenn es passt, dann passt es, wenn nicht, dann nicht.
- 10:49Wie waren da die Leitplanken?
- 10:51Ist verständlich.
- 10:53Und die Frage, die ist wirklich gut.
- 10:55Und da muss ich tatsächlich ein Loblied auf den Konzern singen,
- 11:01weil man eben nicht genau diese Vorgabe gemacht hat, was mit den
- 11:05Mitarbeitern passiert ist.
- 11:06Nicht nur Aufsichtsrat, sondern bis hoch in den Vorstand,
- 11:11den ich dann ja auch mehrfach treffen konnte, musste, durfte,
- 11:16war ganz klar: Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter.
- 11:19Es darf natürlich nichts passieren, keine Katastrophen.
- 11:23Das soll finanziell alles ganz sauber laufen.
- 11:26Aber wir haben uns aus Risikogründen dazu entschieden, dieses Business eben an
- 11:30anderer Stelle in einer anderen Skalierung fortzuführen.
- 11:33Also das war auch wichtig.
- 11:34Es sollte genau aussortiert werden, was ist wertheilig, was machen wir weiter,
- 11:38eben an anderer Stelle.
- 11:40Und nur ganz wenige Dinge tatsächlich hat man auch aufgegeben und immer unter der
- 11:44Prämisse: Die Mitarbeiter sind wichtig.
- 11:47Natürlich hat das auch dazu geführt, dass du keine Risiken hast,
- 11:49weil du keinen Mitarbeiter verlierst optimalerweise, den du brauchst,
- 11:53um diese Katastrophen zu verhindern.
- 11:56Aber von Anfang an waren alle Betriebsräte mit eingebunden, sowohl im Konzern wie
- 12:00eben auch bei der Gasversorgung Süddeutschland,
- 12:02und bis eben hoch zum Vorstand war ganz klar: Wir kümmern uns um die Mannschaft.
- 12:07Und das hat sehr, sehr gut funktioniert, mit ganz wenigen Ausnahmen.
- 12:11Also es ist wirklich unter 5% der Mitarbeiter, die keinen direkten
- 12:15Anschluss gefunden haben.
- 12:17Und von denen, die einen neuen Job haben, also die, klar, weil im Konzern, von denen
- 12:23sind über 90% in den Konzern gewechselt.
- 12:27Und das ist natürlich für alle Beteiligten perfekt,
- 12:30weil einerseits zeigt das für den Konzern: Na ja, die sind attraktiv,
- 12:34man hat sich gekümmert.
- 12:36Und auf der anderen Seite ist es aber auch so, wenn du einen Mitarbeiter aus der GVS
- 12:40irgendwohin in den Konzern vermittelst, sage ich mal, oder abgibst,
- 12:46dann ist das Risiko, dass der nichts mehr macht, das ist sehr gering.
- 12:50Und da haben wir wirklich einige Leute gehabt, die sind schon gewechselt und die
- 12:53neuen Führungskräfte, die sie hatten, haben die dann zu 50%, teilweise wirklich
- 13:00für mehrere Monate zu 100% abgestellt für dieses Projekt.
- 13:03Wir machen die Gasversorgung für Deutschland zu,
- 13:06aber wir machen das ganz, ganz sauber.
- 13:08Und ja, es ist zwar eine Verschmelzung unter Auflösung, Sanierung,
- 13:15aber es ist finanziell und insbesondere auch vor dem Hintergrund für die
- 13:18Mitarbeiter ist es eine absolute Erfolgsstory.
- 13:20Wussten Sie denn am Anfang, dass es so kommt?
- 13:22Also konntest du das schon kommunizieren oder war das etwas,
- 13:26was sich so ergeben hat?
- 13:27Nein, also das war ein ganz wichtiger Punkt,
- 13:31den auch unser Aufsichtsratsvorsitzender dann direkt mit angestoßen hatte.
- 13:35Wir haben gesagt, natürlich analysieren wir die Frage, muss es sein?
- 13:43Und wenn ja, wie machen wir das denn?
- 13:46Aber wir binden frühestmöglich nicht nur den Betriebsrat mit ein,
- 13:49den wir ja sowieso mit einbinden müssen, oder irgendwelche Schlüsselpersonen,
- 13:54sondern möglichst unmittelbar auch die Mannschaft.
- 13:57Und es war wenige Wochen, wahrscheinlich sogar Tage,
- 14:01wenn ich mich recht erinnere, nach der Entscheidung: Wir machen das.
- 14:05Das Unternehmen wird geschlossen.
- 14:06Wir wissen noch gar nicht ganz genau, zu welchem Zeitraum, weil wie gesagt,
- 14:09da gibt es Verträge, die gehen bis zu 5 Jahre,
- 14:11und dann musst du gucken, wann ist sozusagen der beste Zeitpunkt,
- 14:15weil du natürlich den größten Teil erfüllen musst dieser
- 14:19FED-Regel und für nicht alle eben einfach irgendwie eine Migration hast.
- 14:25Und dann wurde die Mannschaft zusammengerufen und dann wurde da ganz
- 14:29offen drüber geredet, dass wir gesagt haben,
- 14:31die Entscheidung ist gefallen, das Unternehmen wird in
- 14:33den Konzern integriert.
- 14:35Es wird auch keine Garantie, also keine Anschlussgarantie für die Jobs geben.
- 14:42Das heißt, etwas das natürlich erstmal Unsicherheit auslöst.
- 14:46Großer Schock, total.
- 14:47Ja, also muss man ganz klar sagen, die Stimmung war da nicht so super.
- 14:51Und dann aber im gleichen Zuge auch die Zusage gemacht, dass wir uns kümmern um
- 14:58jeden, dass wir natürlich auch erwarten, dass es dann entsprechende Gegenleistung
- 15:01gibt und dass wir gemeinsam als GVS das Unternehmen in den Konzern
- 15:05integrieren müssen.
- 15:06Und ich habe gerade zu meinen ITlern die natürlich dann sich im Prinzip die
- 15:10wenigsten Sorgen gemacht haben, weil wenn du ITler bist, dann kriegst
- 15:15du relativ einfach dann einen neuen Job.
- 15:19Aber ich habe dann eben auch gesagt, das Wichtigste,
- 15:22das wir jetzt machen müssen, ist einen richtig,
- 15:24richtig guten Job in diesem Projekt, weil das ist die beste
- 15:29Art und Weise zu zeigen, wir alle werden im Konzern gebraucht.
- 15:34Und das ist auch tatsächlich so.
- 15:35Ich habe niemanden vermitteln können oder müssen, so mit Nachdruck, um dann zu
- 15:42sagen, ja, das ist schon ein Mitarbeiter.
- 15:44Nimm ihn schon. Ja, da muss man irgendwie.
- 15:47Also alle Mitarbeiter haben sich, ob nun intern oder extern, ganz normal beworben.
- 15:52Ich habe natürlich an der einen oder anderen Stelle dann Gespräche geführt,
- 15:55nicht um die jetzt anzubieten oder da irgendjemandem was vorzulügen.
- 16:00Würde ja auch wenig Sinn machen, wenn die dann in den Konzern wechseln und
- 16:03ich bin auch noch da und dann kommt nachher raus, da hat er uns
- 16:07irgendwie ein faules Einsnest gelegt.
- 16:09Aber um einfach zu besprechen: Wie müssen wir das denn machen?
- 16:11Wie gibt es eben dieses Dienstleistungsmodell?
- 16:13Die Leute bekommen so einen kleinen Rucksack mit, da sind
- 16:15so ein paar Sachen drin.
- 16:16Das ist aber alles genau auch geplant.
- 16:19Wann müssen die was beispielsweise tun?
- 16:21Server runterfahren, irgendwelche Cloud-Lösungen deaktivieren.
- 16:26Wo du eben nur ein oder zwei Mitarbeiter hast, die das dann machen können.
- 16:29Das geht dann erst in einem halben Jahr.
- 16:31Wir müssen eine Sonderlösung finden, wenn da jemand jetzt schon wechseln will,
- 16:35aber gebraucht wird noch im nächsten Jahr und so weiter und so fort.
- 16:39Also da muss man wirklich sagen, haben alle Führungskräfte und somit auch
- 16:44der Gesamtkonzern einen ganz tollen Job gemacht und haben ihre
- 16:47Verantwortung übernommen.
- 16:49Und da habe ich eine Geschichte zu, die mich wirklich, wirklich gefreut hat.
- 16:53Es gab eine Führungskraft, sehr hochrangige Führungskraft,
- 16:56ganz wichtig, die für wenige Monate im Unternehmen war.
- 17:02Ich glaube, es waren 3 oder 4 Monate und die sich so
- 17:06eingesetzt hat für die Mitarbeiter der GVS im Zuge von so einem Angebot im Prinzip.
- 17:13Die wusste, okay, ich brauche für die Aufgabe eine Person.
- 17:17Ich habe doch gehört, da gibt es jemanden.
- 17:19Wir kannten uns noch gar nicht.
- 17:20Aber nach dem ersten Kontakt war da wirklich voller Einsatz für die Company im
- 17:26Prinzip und für ein Unternehmen, wo sie eben vor wenigen
- 17:29Monaten hingewechselt ist.
- 17:31Ganz tolle Sache.
- 17:33Bis hoch zu einer sogenannten L1-Ebene, also direkt unter dem Vorstand,
- 17:37sind Leute aus Karlsruhe nach Stuttgart gefahren und haben sich einen
- 17:41ganzen Tag Zeit genommen.
- 17:42Und das sind alles Leute, die haben so 800.000, 900.000 Leute unter sich.
- 17:47Und von Karlsruhe nach Stuttgart zu fahren ist kein Spaß im Moment,
- 17:51muss man sagen, mit der Autobahn.
- 17:52Wieder eine neue Baustelle?
- 17:54Nein, das ist die Baustelle da bei Pforzheim.
- 17:56Wie immer.
- 17:58Die wird glaube ich auch nie fertig.
- 18:01Aber die haben da wirklich, wirklich sich eingesetzt für.
- 18:05Und das ist auch ein Grund dafür, warum das so super gelaufen ist.
- 18:08Also Quote von über 90% bei einer Sanierung.
- 18:10Das ist wirklich so top.
- 18:13Vorstand stand dahinter, das L1-Team hat mitgewirkt, jeder wusste,
- 18:22es gibt eine Chance, aber es gibt keine Garantien.
- 18:24Richtig. Das war ja auch ein Thema.
- 18:29Und du musstest die Person so lange wie möglich in der Firma halten,
- 18:33bis der Job getan wurde.
- 18:34Das ist ja die Herausforderung.
- 18:36Das war dann halt auch etwas, wo mit dem neuen Arbeitgeberkonzern,
- 18:41okay, die Person wechselt schon, aber steht für mich dann halt
- 18:44noch partiell zur Verfügung.
- 18:46Das sind glaube ich so die Sachen, die du brauchst.
- 18:48Ja, und das macht ganz viel aus, diese Erstkommunikation, dass ganz
- 18:51klar war, Person XY oder auch Rolle XY.
- 18:55Du hast natürlich manchmal Leute, die sich so ein Stück weit ergänzen können
- 18:58oder sich ergänzt haben in der Vergangenheit und das eben zukünftig auch
- 19:02machen können, dass eben, okay, Von euch beiden
- 19:06brauchen wir einen so und so lang und den anderen ein bisschen länger.
- 19:11Und da hast du natürlich dann auch die Herausforderung.
- 19:13Da musst du dann gucken, weil die bewerben sich alle auf
- 19:15die gleiche Stelle im Konzern.
- 19:17Die haben alle ein Stück weit natürlich die gleiche Sorge.
- 19:22Die müssen trotzdem den gleichen Job machen.
- 19:25Und das hat man immer gemerkt, wenn Mitarbeiter dann gewechselt sind.
- 19:29Bisschen früher als im Zeitplan oder passend zum Zeitplan,
- 19:33dass das natürlich so eine ganz ambivalente Situation ist für die Leute,
- 19:36die da sind und da bleiben.
- 19:38Weil auf der einen Seite ist es natürlich toll, ein Kollege hat was Neues gefunden.
- 19:43Also nicht nur für den toll, sondern auch der Beweis: Naja Leute,
- 19:47es ist jetzt der 10., es ist der 12., es ist der 15., der im Konzern oder an
- 19:51anderer Stelle was gefunden hat, was total gut passt.
- 19:54Also wird dann ja für mich auch was übrig bleiben, obwohl ich dann länger warten
- 19:56muss, aber auf der anderen Seite natürlich auch eine ständige weitere
- 20:00Verdichtung der Aufgaben.
- 20:02Die sind zwar weniger geworden, klar, aber ob du in so einem System wie das,
- 20:07was wir da haben, 6500 Verträge, die sind alle hochkomplex,
- 20:11aber ob die da automatisch durchlaufen oder ob das 400 sind,
- 20:13das macht ja für denjenigen, der das bearbeiten muss,
- 20:16macht das keinen Unterschied und insoweit war es eben einfach so,
- 20:20du hast ein nicht unbedingt immer mehr Aufgaben bekommen von der Masse her,
- 20:26aber es waren einfach immer mehr unterschiedliche Dinge.
- 20:30Immer breiter dann wahrscheinlich.
- 20:31Es wurde immer und immer breiter.
- 20:33Das war bei mir persönlich ja genauso.
- 20:34Seit dem 01.1.2026 war ich ja im Prinzip alleine.
- 20:40Da waren noch 2 Mitarbeiter da, für die wir so eine Übergangsfrist
- 20:43geschafft haben, und die haben mich auch an vielen Stellen total gut entlastet.
- 20:46Aber egal, was dann irgendwann kam, Herr Karscher, Herr Karcher,
- 20:51es gibt nur noch eine, also nur noch meine Telefonnummer und
- 20:53meine E-Mail-Adresse, die im Netz steht.
- 20:56Egal, was da reingekommen ist, ist ja alles auch zu mir geflogen.
- 20:58Also es ist auch immer gewesen.
- 21:01Was könntest du aus dem Projektleiterwesen,
- 21:03wo du ja vorher tätig gewesen bist, so wirklich mitnehmen für
- 21:07diese Sanierungsthematik?
- 21:09Also was ich glaube, was auch ein ganz wichtiger Punkt war,
- 21:11und das war mir auch schon als Projektleiter oder insgesamt
- 21:15als Kollege total wichtig.
- 21:16Man muss sich auch um die Einzelpersonen kümmern, ohne aus dem Blick zu verlieren,
- 21:22dass du ja so eine Mannschaft hast, die insgesamt auch noch funktionieren muss.
- 21:28Gerade in so einer Situation wie so einer Sanierung, da hast du Personen,
- 21:31die sofort Existenzängste haben, wirklich bis an den Knochenschlag.
- 21:36Es gab eine Kollegin, die hat fest geplant gehabt, umzuziehen.
- 21:41Und zwar gar nicht schlimm, irgendwie in so einem Mehrfamilienhaus von
- 21:43der Wohnung, weiß ich nicht, in der Mitte ganz nach oben oder so.
- 21:48Ich weiß auch, kein großer Umzug, aber es war halt eben eine größere
- 21:50Wohnung, war eine schönere Wohnung.
- 21:52Kostet bisschen mehr Geld, kann ich mir leisten, wenn ich meinen Job verliere.
- 21:55Richtig.
- 21:56Und dann hat er diesen Umzug nicht gemacht.
- 21:59Und zwar kurz nachdem das überhaupt erstmal an die Mannschaft
- 22:02weitergegeben worden ist.
- 22:03Und da war ja vollkommen klar, Leute, dauert mindestens dreieinhalb
- 22:06Jahre noch, bis das passiert.
- 22:09Und wir sind bei der EnBW, es gibt ganz viel zu tun und, und, und.
- 22:12Wir werden alles für euch tun.
- 22:14Und die hat es nicht getan.
- 22:17Und trotz Mann und Kind.
- 22:20Und ist auch eine sehr, sehr eng mit mir zusammenarbeitende
- 22:25Kollegin gewesen.
- 22:27Und da haben wir viel, viel telefoniert.
- 22:30Weil du glaubst natürlich auf so ein Level bekommen muss, dass die ihren Job noch
- 22:32machen können und dass die ja, dass man da einfach persönlich
- 22:37auch ein gutes Gewissen hat.
- 22:38Ich habe mich auch um meine eigene Zukunft erst gekümmert,
- 22:42als fast alles für die Mitarbeiter durch war, weil ich für mich selbst gesagt habe,
- 22:46hey, den Einsatz musst du bringen und erst dann kann ich gut schlafen, wenn die
- 22:49hoffentlich alle gut schlafen können.
- 22:52Und das ist eben was, das brauchst du nur so einen Einsatz und
- 22:54dieses Commitment, dass die Leute auch spüren irgendwo,
- 22:57wo sie es herkriegen, weiß man ja nicht so genau.
- 22:59Du bist der Letzte, der geht, ne?
- 23:00Eigentlich ist es ja, du bist ja der Letzte, der von Bord geht.
- 23:04Ganz, ganz klar.
- 23:05Tun ja nicht alle Kapitäne, wie man vorsichtig festgestellt hat.
- 23:09Da gab es jetzt irgendwie auch so einen Jahrestag, habe ich gesehen,
- 23:14aber das ist eben wirklich so, dass du so einen guten Mix haben musst
- 23:18zwischen du bist Manager und du hast alles unter Kontrolle,
- 23:21ist alles safe, die Leute können sich dich verlassen und sie können sich aber auch
- 23:23persönlich auf dich verlassen, ohne dass du dich natürlich auch von
- 23:29dem einen oder anderen Hypochonder, sage ich mal, wenn es denn einen gegeben
- 23:31hätte, gab es nicht, aber es kann ja vorkommen, dass du
- 23:35dich davon eben verrückt machen lässt.
- 23:37Weil es gibt ja, wie war das, der Ausdruck,
- 23:41den Holger auch da gesagt hat, Zeiträuber. Genau.
- 23:47Da musst du eben aufpassen, dass die mir nicht zu viel Zeit und Kraft rauben.
- 23:54Und dadurch bekommst du es eben dann hin, wenn du so eine Position hast,
- 23:56wo du ja viel so im Groben beeinflussen kannst, aber eben nicht auch ganz
- 24:00individuell, dass du die Leute auch dazu bekommst,
- 24:03dass die sich selbst beruhigen oder eben nicht anstacheln und
- 24:08auch in die Pflicht nehmen, dass das, was du da tun musst, einfach erledigt werden.
- 24:12Das ist schon mal eine Menge wert, nicht anzustacheln.
- 24:16Ja, geht man natürlich typischerweise davon aus, das ist das größte Risiko,
- 24:20dass du dann auf einmal da eine Rebellion hast oder um mal bei dem Kapitän
- 24:24zu bleiben, eine Meuterei.
- 24:26Ist nicht passiert.
- 24:28Es gab, ich glaube, zweimal so einen Aufruhr, sagen wir mal,
- 24:33typischerweise natürlich, oder was heißt typischerweise,
- 24:36logischerweise natürlich von denjenigen, die noch nicht feste Perspektiven und
- 24:40somit Sicherheit hatten, ganz klar.
- 24:43Aber das konnte man eben recht gut auch dadurch dann bearbeiten und ist
- 24:48dann auch gut aus der Nummer rausgekommen, sage ich mal,
- 24:51weil du eben den Rest der Mannschaft hattest, die dann auch gesagt haben:
- 24:54Guck doch mal, ABC ist schon weg.
- 24:58Der ist noch hier, aber ist schon längst mit einem neuen Vertrag ausgestattet,
- 25:03sozusagen. Lasst doch uns den Rest nicht hängen.
- 25:07Und insoweit, das ist eine Sache, wo du ganz früh dran sein musst.
- 25:13Du musst dich um die Leute kümmern, egal was für ein Manager du bist.
- 25:16Ja klar, ich habe immer, ich komme ja aus der Gegend von Frankfurt.
- 25:20Ackermann hat gesagt, Kapitalrendite passt nicht.
- 25:23Wir müssen, glaube ich, 10% oder 7% Personal leichtern.
- 25:29Rasenmähermethode, überall Leute rausschmeißen.
- 25:32Kann man so machen, wenn man mit der S-Klasse in
- 25:36die Garagen fährt und im Aufzug nach oben und nur Leute hat,
- 25:40die von dieser Kürzung nicht betroffen sind, die einem dann immer sagen: Ja,
- 25:43das ist gut so, das ist gut so, das ist richtig so.
- 25:47So ein Projekt bekommst du nicht hin ohne die Leute.
- 25:48Und zwar null. Du musst offen sein.
- 25:51Und auch das wiederum bis zum Vorstand hin.
- 25:54Aufsichtsratsvorsitzender ganz, ganz vorne.
- 25:58War da von Anfang an sehr, sehr offen und loyal.
- 26:04Und wir haben, sobald es neue Infos gab, auch wenn die manchmal nicht so angenehm
- 26:09waren, wie zum Beispiel, okay, wir machen das jetzt doch ein
- 26:11Jahr früher, als das Maximum wäre.
- 26:14Auch das gibt 1000 Gründe, war total richtig.
- 26:17Damit sind wir dann rausgegangen an die Mannschaft und haben gesagt, so ist es
- 26:22und da führt kein Weg dran vorbei.
- 26:24Aber wir lassen euch nicht hängen.
- 26:27Es ist ja gut, wenn man die Möglichkeiten hat.
- 26:31Die Freiheiten müssen einem gelassen werden.
- 26:33Deswegen auch da toi, toi, toi an alle, die das machen müssen,
- 26:37und ein großes Lob an den Konzern.
- 26:40Bei mir direkt war es ja zuerst mal Geschäftsführung,
- 26:43dann oben drüber der Aufsichtsrat.
- 26:45Dann war ich sprachlos, weil dann war ich ja Geschäftsführung
- 26:48und bis hin zum Gesamtvorstand.
- 26:50Dass das sozialverträglich ist und dass das für die Leute gut und passend ist,
- 26:56das hatte immer ganz, ganz hohe Priorität.
- 27:00Jetzt kannst du als Risikomanager natürlich sagen, ja natürlich,
- 27:02ist ja total teuer,wie dir da wenn du dir so ein Vertrag flöten geht.
- 27:06Wenn dann immer 60 Personen auf einmal richtig schlecht über eine Firma reden und
- 27:11dann intern aufstacheln, ist auch blöd.
- 27:15Ja, ja, oder eben dann tatsächlich so eine ohne Vertragsstrafe.
- 27:18Also die Umsätze, die bei solchen Verträgen dann laufen, die sind so hoch.
- 27:23Also die Marge ist klein, aber die Umsätze sind so hoch, dass dann,
- 27:27wenn dann irgendwelche Vertragsstrafen kommen, weil du eben etwas nicht lieferst
- 27:32oder irgendwelche anderen Fehler machst, das zerschlägt dir sofort das Unternehmen.
- 27:36Das war ja auch so, dieses Risiko zu reduzieren war ja
- 27:39überhaupt Grund dafür, das Unternehmen dann zu integrieren.
- 27:42Oder die Geschäftsmodelle zu integrieren.
- 27:46Und wenn du dann eben, na ja, nur einen dieser Verträge,
- 27:50zu Beginn waren es über 3000 mit über 3 Milliarden Umsatz,
- 27:54wenn du davon einen fallen lässt, dann rechnet sich das auch ganz schnell.
- 27:58Vollkommen klar.
- 27:59Das war aber nie eine Argumentation, die man irgendwie ziehen musste.
- 28:01Es ging immer um die Leute.
- 28:03Dann noch eine ganz andere Frage: Würdest du den Job noch mal machen?
- 28:10Das ist eine der unabgeschriebenen Fragen.
- 28:12Nein, nein, also die Frage ist schon öfter gestellt worden, deswegen schmunzel ich
- 28:17so, weil da gibt es 2 Antworten drauf.
- 28:20Ich würde das wieder machen, wenn ich in der gleichen Situation
- 28:24zu der Zeit wie damals wäre.
- 28:27Ich habe mich dazu entschieden, weil ich gesagt habe,
- 28:30die Herausforderung nehme ich an und es ist auch für mich eine Chance.
- 28:33Und jetzt weiß ich ja, dass es sich für mich jetzt unter anderem
- 28:35auch ausgezahlt hat und dass das total gut laufen kann.
- 28:39Ich würde das jetzt aber nicht nochmal machen.
- 28:41In der letzten Projektsitzung mit dem Team, das ich im Konzern,
- 28:46da hast du ja 1000 Leute für, die das machen, und dann nachher hast
- 28:49du eben so ein Kernteam von 10 Personen.
- 28:52Da habe ich dann gesagt: Liebe Kollegen, wir haben es geschafft.
- 28:55Und wenn mich jemand fragt, wer dabei war, dann ist meine erste Gegenfrage:
- 29:02warum die Leute denn wissen wollen, wer das gemacht hat.
- 29:04Wenn nämlich jemand wissen möchte, wer sich mit sowas auskennt,
- 29:08damit man das noch mal machen kann, dann nenne ich keinen mehr.
- 29:11Wenn mich jemand fragt, naja, das ist ja eine Erfolgsgeschichte,
- 29:13wir wollen wissen, wer an diesem tollen Projekt mitgearbeitet
- 29:16hat, dann nenne ich sie alle.
- 29:19Weil das ist halt eben genau die Sache, du hast da,
- 29:23das hast du ganz am Anfang auch angesprochen, wirklich auch psychologisch
- 29:28und von deiner eigenen Wirksamkeit her schwierige Situation.
- 29:34Weil es ist zwar auf der einen Seite schön, dass du dich kümmern kannst um
- 29:36Einzelschicksale, das belastet aber auch.
- 29:40Und du hast eben Personen, die so damit kämpfen,
- 29:46und wenn man das nicht komplett an sich abprallen lassen kann, dann ist das schon
- 29:51ganz, ganz hart tatsächlich in der Zeit.
- 29:55Und ich habe wirklich in diesem Prozess, wie gesagt, für die neue Stelle,
- 29:58wo ich mich dann ja wieder um was Tolles kümmern kann, habe ich dann ein
- 30:01Feedback bekommen aus dem Assessment.
- 30:04Das hatte ich so noch nie gehört.
- 30:06Hat man mir nämlich gesagt, ja, du hast das präsentiert und das war
- 30:09fachlich alles toll, alles super, ist alles drin, was man braucht.
- 30:14Aber du warst ja wie ein Roboter. So kenne ich dich gar nicht.
- 30:16Also das war natürlich für mich die mich kannten.
- 30:19Und dann habe ich da gesessen und dachte mir so, oh, das hat mir
- 30:21noch niemand gesagt.
- 30:23Aber ich hatte eine Woche vorher Aufsichtsratssitzung
- 30:28und da ging es ja nur um das Thema, keine Risiken, es ist alles gut
- 30:31gelaufen, es ist alles on track.
- 30:34Die und die Themen waren da, die sind bearbeitet und abgeschlossen, Haken dran.
- 30:38Also eigentlich in dem Modus, möglichst schnell durch, möglichst Leute ganz easy.
- 30:43Da ist ja auch ein gutes Verhältnis, ist total super, keine Frage,
- 30:47aber es war ein vollkommen anderer Modus.
- 30:49Und das ist mir dann leider erst nach dem Assessment oder in dem
- 30:53Assessment klar geworden.
- 30:55Ja, von wegen Begeisterung und Motivation und irgendwie ja Shining.
- 31:05Gott sei Dank geht es wieder abwärts.
- 31:08Jetzt zum Abschluss würde ich noch eine Frage stellen.
- 31:11Kannst auch ein bisschen auslegen, da wo du eigentlich hin,
- 31:15wenn du es noch mal machen würdest, was würdest du besser machen?
- 31:17Jetzt hast du eine andere Situation, aber was sind auch,
- 31:20also das kannst du nehmen oder auch eine Mischung aus der Frage und was sind deine
- 31:24Learnings daraus, die du einem zweiten Ich geben würdest, der jetzt auch davor steht?
- 31:30Okay, was würde ich besser machen?
- 31:33Was würde ich besser machen?
- 31:35Oder was wären Tipps?
- 31:40Muss auch nicht sein, was besser ist, sondern was Tipps sind.
- 31:43Ja, also ich glaube wirklich, dass man das zumindest nur sehr schwer
- 31:50mit mehr Erfolg machen kann.
- 31:53Weswegen ich mich ein bisschen schwer tue zu sagen, was könnte man da besser machen.
- 31:57Weil es ist einerseits so, das sind 2 zentrale Punkte.
- 32:00Das Thema mit den Mitarbeitern, Unzufriedenheit und Motivation und dass
- 32:03nichts schiefgegangen ist, das ist das eine.
- 32:05Das ist ganz, ganz wichtig.
- 32:07Was aber auch noch mit dazu kommt, dadurch dass das so war,
- 32:10ist es auch finanziell im Vergleich zu dem, was geplant war,
- 32:13weil du denkst natürlich, ich habe ja hier Restrukturierungskosten
- 32:16noch und nöcher, dass das nicht eingetreten ist.
- 32:21Das Unternehmen war in den letzten dreieinhalb Jahren,
- 32:24in denen dieses Projekt lief, ähnlich finanziell
- 32:29erfolgreich oder teilweise sogar erfolgreicher als in den Jahren zuvor.
- 32:34Das hat auch spezielle Gründe und das ist nicht einfach so reproduzierbar.
- 32:38Aber deswegen tue ich mich schwer, wie gesagt,
- 32:41zu sagen, was kann man da besser machen.
- 32:43Aber dann kannst du sagen, was war der—
- 32:45aber genau, das Leben ist für die da.
- 32:47Die Tipps ganz, ganz wichtig: Diese offene,
- 32:50klare (also auch nicht irgendwie weichgespülte)
- 32:54wirklich offene und klare Kommunikation.
- 32:58Liebe Kolleg:innen, liebes Team, wir sind so, wie wir hier sind,
- 33:02und es wurde entschieden, dass bis zum vermutlich Zeitpunkt so, vielleicht so,
- 33:07und das ist das, was wir tun.
- 33:09Und wir können euch keine Sicherheit bieten.
- 33:11Auch das haben wir entschieden.
- 33:13Aber wir machen das für euch und wir erwarten von euch das zurück.
- 33:17Ganz, ganz wichtig.
- 33:18Und da tatsächlich dann ein Stück weit der Tipp, der einem nicht sofort irgendwie
- 33:24dann einfällt, weil das ist das Ganze noch ein Stück weitergetrieben: Du
- 33:28kannst es nicht oft genug sagen.
- 33:30Du kannst nicht oft genug vor Ort sein, optimalerweise, und Dinge wiederholen,
- 33:36gebetsmühlenartig immer wiederholen.
- 33:39Wenn du schon 1000 Mal gesagt hast, der Kollege, der Kollege, der Kollege,
- 33:44die sind alle dahin gekommen.
- 33:45Wir führen Gespräche, wir arbeiten an der und der Stelle an Sonderlösungen.
- 33:49Wir haben das für Person X so gemacht, dass die schon einen neuen Vertrag hat,
- 33:55aber bei uns arbeitet.
- 33:57Also auch diese Dinge, die positiv sind, immer wieder wiederholst und immer wieder
- 34:00sagst: Leute, wenn was ist, kommt zu mir, kommt zu mir.
- 34:04Und so weiter und so weiter.
- 34:05Das geht manchmal unter, weil man sich halt irgendwie sagt,
- 34:07ich habe es ja schon 1000 gesagt.
- 34:09Nein, das ist tausend und einmal.
- 34:11Du musst ja eben, du darfst dann nicht nachlassen,
- 34:15weil diese schlechten Gefühle und die Zweifel bei den Personen,
- 34:18die kommen auch irgendwann.
- 34:20Die sind durchgängig ja da.
- 34:21Die sind immer da und die sind erst dann weg, also wenn sie wirklich auch weg sind.
- 34:27Und erst wenn die Sicherheit da ist, ich habe einen neuen Vertrag an der
- 34:30Stelle, dann ist das Thema für die Person eben dann tatsächlich wirklich durch.
- 34:35Und da eben auch der Punkt, das ist jetzt für
- 34:40uns in Anführungsstrichen E-Commerce-geprägte
- 34:42Personen so ein bisschen schwierig und für mich in der Energiebranche aber
- 34:46ein ganz, ganz heiß diskutiertes Thema.
- 34:50Da muss man wirklich vor Ort sein.
- 34:53Die GVS war fast schon ein virtuelles Unternehmen.
- 34:57Wir sind damals in die Corona-Zeit gestartet.
- 35:01Dann hatten wir auch eine Führungskräfteklausur und dann hieß es: Ja
- 35:04gut, komm, wir testen jetzt heute am Dienstag mal, wie das denn aussieht,
- 35:08wenn wir alle aus dem Büro nach Hause schicken, um zu gucken:
- 35:11Geht das denn alles?
- 35:12Und aus diesem Test sind wir nie zurückgekommen für anderthalb Jahre.
- 35:17Und das war jetzt auch in der Abwicklungszeit so.
- 35:20Wir hatten eine Policy: Wir können, also die Teams können kommen,
- 35:24so oft wie sie wollen.
- 35:26Es war auch für jeden noch ein Arbeitsplatz da.
- 35:28Das war halt Luxus.
- 35:30Und wir machen aber keine Vorschrift.
- 35:31Mit einer Ausnahme.
- 35:32Einmal pro Monat haben wir ein besonderes Event.
- 35:36Das ist das Come Together.
- 35:38Da haben wir einen Bürotag für alle.
- 35:40Da muss jeder da sein. Außer natürlich mit dem Kind krank.
- 35:43Und dann haben wir immer da diese Präsenz gemacht.
- 35:45Gebetsmühlenartig wiederholt.
- 35:47Was haben wir denn jetzt so?
- 35:48Kurzen Zwischenbericht.
- 35:49Irgendwas aus dem Aufsichtsrat. Kollege XY für uns sind.
- 35:52Und nach Möglichkeit immer so ein kleines Event, damit du zusätzlich zu dem,
- 35:56was du sowieso immer sagen musst, auch noch mal näher aneinander kommst.
- 36:00Und das muss man durchziehen.
- 36:02Konsequent durchplanen über die 3 Jahre.
- 36:06Wir treffen uns 12 Mal und dann ist da mindestens Minigolf spielen oder Bowling.
- 36:12Wir gehen in den Escape Room, whatever.
- 36:17Vielleicht auch kriegen, aber du brauchst ein besonderes Event,
- 36:20um die Mannschaft beisammen zu halten, damit du die Gespräche und das,
- 36:25was du so an den Ohren den Leuten haben musst, dann auch tatsächlich hast.
- 36:28Und das geht leider nicht remote.
- 36:32Ich glaube, die Erkenntnisse haben die meisten schon.
- 36:35Also einmal im Monat muss man sich schon treffen.
- 36:37Ja, das ist gut.
- 36:39Und ich fand das jetzt auch was Spannendes, du sagtest,
- 36:41du musstest es dann immer wieder sagen, war für mich einfach
- 36:43noch erinnere im Moment.
- 36:45Weil ja, du, ein Mensch ist ja in seinem Moment drin in einer Situation,
- 36:51und das ist dann nicht deine Situation.
- 36:53Und du magst es sagen, und es war nicht seine Situation,
- 36:55aber es kommt dann irgendwann hoch.
- 37:00Du hast auch, und das ist bei euch sicherlich auch so,
- 37:03so versuche ich das ja auch zu leben, in flachen Hierarchien hast du ja
- 37:06schon ganz gut dein Ohr an den Leuten.
- 37:08Und du hast das Gefühl dafür, wie geht's da jetzt?
- 37:12Du fragst ja danach und ich hätte das raus und so, aber kriegt
- 37:15das schon ganz gut mit.
- 37:16Nichtsdestotrotz, sobald du Führungskraft bist, hast du Distanz.
- 37:20Wenn du eine Stufe noch weiter drüber bist, es wird immer mehr.
- 37:24Und spätestens für mich als Geschäftsführer, obwohl ich ja praktisch
- 37:27aus der Mannschaft da so hochgewachsen bin und es war ja ein bekanntes Gesicht und
- 37:31guter Kollege und die, ist egal, Aber trotzdem ist es ja neu und es ist
- 37:37eine Distanz und dann wird dir Misstrauen entgegengebracht.
- 37:41Zumindest mal in so einer Phase. Die Rolle, ne, der Rolle vielleicht.
- 37:44Ja klar, natürlich.
- 37:46Da sieht man auch, naja, der Götz kriegt die Vorgaben von oben,
- 37:49der muss das jetzt durchsetzen.
- 37:51Die Leute wissen ja, der hat auch noch keinen neuen Job,
- 37:53der will ja auch einen haben.
- 37:55Und auch das war was, das haben mir die Kollegen hoch
- 37:58angerechnet, dass man sich dann fragt,
- 38:03ja, wie sieht es bei dir aus?
- 38:04Und hast du dann schon gesagt, nein, habe ich noch nicht.
- 38:07Es gibt da Ideen, aber macht ihr euch darüber mal keine Gedanken.
- 38:11Mein Problem, ich kümmere mich erst mal um euch.
- 38:15Wie immer, Klüge des Tüchtigen, muss man auch Schweine aufführen.
- 38:21Aber in der Kombination hat das super geklappt.
- 38:23Und das ist der Tipp in der Art und Weise.
- 38:25Sollte man es halt eben dann möglichst noch mal machen
- 38:28und ähnlich viel Glück haben.
- 38:29Super.
- 38:30Also als Letzter vom Boot gehen, das kommunizieren, das,
- 38:33was man kommuniziert, dran halten.
- 38:35Und das ist eigentlich egal, ob man auf- oder abbaut,
- 38:39sind das glaube ich auch Kerneigenschaften, die total wichtig sind.
- 38:43Götz danke für die Zeit.
- 38:45Ich glaube, wir sind jetzt deutlich über 30 Minuten, vermute ich mal, oder?
- 38:51Eine lange Folge, viel drin.
- 38:53Danke, dass ihr zugeguckt habt und zugehört.
- 38:56Und wenn Fragen und Bedarf ist, einfach in den Austausch unten in
- 39:01die Kommentare einfach reinschreiben.
- 39:04Und sicherlich, wie ich Götz jetzt kennengelernt habe,
- 39:07wird es da auch Antworten geben. Auf jeden Fall.
- 39:10Vielen lieben Dank. Danke.