Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 17 - Von den Dichtern
Transcript
- 0:00Unterkapitel 17 von den Dichtern zu Beginn dieses Unterkapitels
- 0:07spricht Zarathustra zu einem seiner Jünger.
- 0:10Er beginnt mit einer tiefgreifenden Erkenntnis über
- 0:12den menschlichen Körper. Zarathustra erklärt, dass ihm
- 0:15der Geist nur noch wie ein flüchtiger Hauch vorkommt, seit
- 0:19er seinen eigenen Leib besser kennengelernt hat, mit dem
- 0:22Begriff Geist meint Nietzsche hier den Verstand, den
- 0:25Intellekt. Oder auch die Seele, die in der
- 0:28bisherigen Philosophie und Religion immer über den Körper
- 0:31gestellt wurde. Zarathustra dreht dies nun um,
- 0:35er fügt hinzu, dass alles Unvergängliche, also die Dinge,
- 0:38die angeblich ewig und unsterblich sind, wie zum
- 0:41Beispiel die Seele oder göttliche Welten, in
- 0:43Wirklichkeit nur ein Gleichnis ist.
- 0:46Das bedeutet, diese ewigen Dinge sind nur erfundene Bilder und
- 0:49Vergleiche der Menschen. Für Nietzsche gibt es keine
- 0:52höhere ewige Welt hinter unserer Welt.
- 0:55Nur das greifbare körperliche Leben auf der Erde ist Real.
- 0:59Der Jünger erinnert Zarathustra an einen Satz, den dieser früher
- 1:02einmal gesagt hat. Zarathustra hatte behauptet,
- 1:05dass die Dichter zu viel Lügen, der jünger fragt ihn nun, warum
- 1:09er das gesagt habe, Zarathustra weicht der Frage zunächst aus,
- 1:14er antwortet, dass er nicht zu den Menschen gehört, die man
- 1:17nach dem warum fragen darf, seine Erlebnisse, aus denen er
- 1:21seine Meinungen gebildet hat, liegen schon zu weit in der
- 1:23Vergangenheit. Er scherzt, dass er ein riesiges
- 1:26Fass voller Erinnerungen sein müsste, wenn er alle seine
- 1:29Gründe immer bei sich tragen wollte.
- 1:32Oft vergisst er seine eigenen Meinungen wieder oder neue
- 1:35Gedanken fliegen ihm zu wie Vögel.
- 1:38Nietzsche zeigt hier eine wichtige Ansicht, Wahrheiten
- 1:41sind für ihn nicht starr und ewig gültig, sie verändern sich
- 1:45mit der Zeit und den Lebenserfahrungen eines
- 1:47Menschen, dann stellt Zarathustra dem Jünger eine
- 1:50Fangfrage, er sagt. Wenn er damals behauptet hat,
- 1:54dass alle Dichter zu viel lügen, er selbst aber auch ein Dichter
- 1:58ist, hat er dann in jenem Moment die Wahrheit gesagt oder
- 2:02gelogen? Warum sollte der jünger ihm also
- 2:04glauben, der jünger antwortet ganz schlicht, dass er an
- 2:08Zarathustra glaubt, Zarathustra lächelt darüber, schüttelt aber
- 2:12den Kopf, er warnt den Jünger vor blindem Glauben, er sagt,
- 2:16dass der Glaube allein ihn nicht glücklich macht.
- 2:19Und schon gar nicht, wenn jemand einfach unkritisch an ihn
- 2:22zarathustra glaubt. Ein echter Schüler muss selbst
- 2:25nachdenken und darf seinem Lehrer nicht blind folgen
- 2:28daraufhin gibt Zarathustra zu, dass es durchaus stimmt, die
- 2:32Dichter lügen wirklich zu viel, er erklärt auch den Grund dafür,
- 2:36die Menschen wissen einfach zu wenig und sind schlechte Lerner
- 2:40aus diesem Mangel an echtem Wissen fangen die Dichter an zu
- 2:43Lügen und Dinge zu erfinden. Zarathustra gibt zu, dass jeder
- 2:46Dichter schon einmal seine Wahrheiten mit Lügen vermischt
- 2:49hat, so wie ein schlechter Wirt seinen Wein mit Wasser streckt,
- 2:52um mehr davon zu haben, weil die Dichter nicht wirklich viel
- 2:56wissen, lassen sie sich von oberflächlichen Dingen
- 2:58beeindrucken, sie haben Freude an Menschen, die geistig Arm
- 3:02sind, besonders wenn es sich um junge Frauen handelt, die
- 3:06Dichter sehnen sich sogar nach den naiven Geschichten, die sich
- 3:09alte Frauen am Abend erzählen. Sie nehmen diesen einfachen
- 3:12Klatsch und nennen ihn hochtrabend das ewig weibliche.
- 3:16Dieser Begriff ist ein direkter und spöttischer Seitenhieb
- 3:19Nietzsches auf Johann Wolfgang von Goethe.
- 3:22Goethe ließ sein berühmtes Theaterstück Faust mit den
- 3:25Worten enden, dass das ewig weibliche uns hinan zieht,
- 3:29Nietzsche macht sich hier darüber lustig und bezeichnet
- 3:31solche Ideen als reine Einbildung ohne echten Tiefgang.
- 3:35Zarathustra kritisiert weiter die extreme Eitelkeit der
- 3:38Dichter. Sie legen sich ins Gras, spitzen
- 3:41die Ohren und glauben tatsächlich, dass sie geheime
- 3:44Dinge erfahren, die zwischen Himmel und Erde schweben, wenn
- 3:47sie zärtliche Gefühle haben, bilden sie sich ein, dass die
- 3:50Natur selbst in sie verliebt ist.
- 3:52Sie denken, die Natur schleicht sich an sie heran und flüstert
- 3:56ihnen süße Schmeicheleien ins Ohr.
- 3:58Durch diese Eitelkeit fühlen sie sich allen anderen sterblichen
- 4:01Menschen überlegen, aus dieser starken Fantasie heraus erfinden
- 4:05die Dichter schließlich Götter. Zarathustra ruft aus, dass alle
- 4:09Götter nur Erfindungen der Dichter sind.
- 4:12Erschlichene Bilder aus ihrer eigenen Einbildungskraft.
- 4:15Die Dichter setzen ihre Götter und auch die Idee des
- 4:18Übermenschen auf die Wolken, der Übermensch ist Nietzsches
- 4:21eigenes Konzept eines zukünftigen, höher entwickelten
- 4:24Menschen, der alte Werte überwindet, aber Zarathustra
- 4:28ärgert sich hier, dass die Dichter selbst aus dieser
- 4:30starken Idee ein leichtes, Wolkiges Traumgebilde machen,
- 4:34auf Wolken kann man nur bunte Luftballons setzen.
- 4:37Aber nichts echtes und Schweres. Immer deutlicher zeigt
- 4:41Zarathustra seine tiefe Müdigkeit gegenüber den
- 4:43Dichtern. Er sagt, er gehöre zur Zukunft,
- 4:47zum Morgen und übermorgen, während die Dichter nur das
- 4:50gestern und das heute repräsentieren.
- 4:52Für ihn sind die alten und die neuen Dichter viel zu
- 4:55oberflächlich, er vergleicht sie mit seichten Gewässern, sie
- 4:59haben nicht tief genug gedacht, und deshalb reicht ihr fühlen
- 5:02nicht bis auf den Grund der Dinge.
- 5:04Was sie für tiefes Nachdenken halten, ist in Wirklichkeit nur
- 5:07eine Mischung aus Wollust und Langeweile.
- 5:10Wenn sie geheimnisvoll wirken wollen, trüben sie ihr eigenes
- 5:13Wasser auf, damit man den flachen Boden nicht sieht.
- 5:16Sie tun gerne so, als könnten Sie zwischen verschiedenen
- 5:19Meinungen vermitteln und alles versöhnen, aber für Zarathustra
- 5:23sind sie nur unreinliche halbe Sachen Zarathustra benutzt nun
- 5:27das Bild des Fischens im Meer, er sagt, er habe sein Netz in
- 5:31die Meere der Dichter geworfen. In der Hoffnung, gute und
- 5:34nahrhafte Fische zu fangen. Aber als er das Netz Herauszog,
- 5:38hing darin nur der Kopf eines alten Gottes.
- 5:40Die Dichter haben also dem hungrigen Sucher anstelle von
- 5:44echter Nahrung nur einen harten Stein gegeben, er vergleicht die
- 5:48Dichter mit harten Schalentieren, manchmal findet
- 5:51man vielleicht eine Perle in ihnen, aber sehr oft findet man
- 5:54darin nur salzigen Schleim, die Dichter haben sich die Eitelkeit
- 5:57vom Meer abgeschaut. Zarathustra vergleicht das Meer
- 6:00mit einem Pfau, dem Eitelsten aller Tiere, das immer sein Rad
- 6:04schlägt, um bewundert zu werden. Genauso ist der Geist des
- 6:08Dichters, er will unbedingt Zuschauer haben, die ihn
- 6:11bewundern, es ist dem Dichter dabei völlig egal, ob diese
- 6:15Zuschauer dumm wie Büffel sind, Hauptsache er wird angestarrt am
- 6:19Ende des Unterkapitels sieht Zarathustra jedoch eine
- 6:22Veränderung kommen, er sagt, dass er den Geist der Dichter
- 6:25satt hat. Aber er sieht auch voraus, dass
- 6:28dieser Geist bald sich selbst satt haben wird.
- 6:31Er hat bereits Dichter gesehen, die sich verändert haben und die
- 6:34nun ihren kritischen Blick gegen sich selbst richten.
- 6:37Aus diesen Dichtern wachsen die sogenannten Büßer des Geistes
- 6:40heran, mit diesem Begriff meint Nietzsche Menschen, die ihre
- 6:44frühere intellektuelle Oberflächlichkeit und ihre Lügen
- 6:47zutiefst bereuen, sie werden sich selbst bestrafen und von
- 6:51nun an mit absoluter, fast grausamer Strenge nach der
- 6:54echten Wahrheit suchen. Anstatt weiterhin schöne, aber
- 6:57falsche Gedichte zu schreiben.