Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Welche Zukunft hat die Staatsräson? Zum Stand der deutsch-israelischen Beziehungen (mit Richard C. Schneider)
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- 0:00Ist man solidarisch mit dem Staat Israel oder ist man solidarisch mit der jeweiligen israelischen Regierung?
- 0:05Und das ist eine Frage, die wird natürlich so lange diese Regierung in Israel an der Macht ist,
- 0:11natürlich auch immer virulenter.
- 0:13Wir sind zurück aus einer kurzen Pause. Nun startet Pod und die Welt in die dritte Staffel.
- 0:18Herzlich willkommen zu dieser Folge. Ich bin Martin Bialecki.
- 0:21Und ich bin Katharina Peetz. Schön, dass Sie dabei sind.
- 0:26Das Jahr 2025 ist ein Jahr voller wichtiger Jahrestage und Jubiläen.
- 0:30Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren gehört dazu oder Deutschlands Beitritt zu NATO.
- 0:35Zu den ganz besonderen Jahrestagen gehört auch der 12. Mai.
- 0:38Denn an diesem Tag vor 60 Jahren haben die Bundesrepublik Deutschland und Israel offiziell diplomatische Beziehungen aufgenommen.
- 0:45Nach der Shoa, der Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden und all den brutalen Verbrechen,
- 0:50die Nazi-Deutschland dem jüdischen Volk angetan hat, schien ein solcher Schritt nach dem Zweiten Weltkrieg jahrelang völlig undenkbar.
- 0:57Schon aus historischen Gründen ist das Verhältnis der beiden Staaten also ein ganz besonderes.
- 1:01Und das bleibt es bis heute und es ist kompliziert.
- 1:05Da geht es um den Nahostkonflikt, es geht um die Verantwortung für Israels Sicherheit,
- 1:09es geht um Israels Rolle in der Region, es geht um ein Begriff wie Staatsräson und um vieles mehr.
- 1:14Über all das und über das deutsch-israelische Verhältnis generell können wir heute sprechen mit Richard C. Schneider.
- 1:19Er ist Journalist, Autor und war langjährige Korrespondent der ARD in Tel Aviv.
- 1:23Hallo Herr Schneider, schön, dass Sie bei uns sind.
- 1:25Guten Morgen.
- 1:26Wenn man sich in das Jahr 1965 zurückversetzt, das Ende des Zweiten Weltkriegs lag da gerade mal 20 Jahre zurück.
- 1:37Israel als Staat existierte seit 17 Jahren.
- 1:39Adolf Eichmann wenige Jahre zuvor war von Israel hingerichtet worden
- 1:43und in Deutschland liefen immer noch viele andere Nazi-Verbrecher ungestraft herum.
- 1:47Wie bemerkenswert war die Aufnahme der offiziellen diplomatischen Beziehungen
- 1:52zwischen der Bundesrepublik und Israel damals?
- 1:54Das war sehr bemerkenswert, aber das war eine Entwicklung, die er schon sehr viel früher angesetzt hat.
- 1:59Schon in den 50er Jahren gab es Kontakte zwischen Shimon Peres auf der israelischen Seite
- 2:04und Franz Josef Strauss auf der deutschen Seite.
- 2:07Es gab geheime Waffenlieferungen.
- 2:10Es kam 1952 zum Luxemburger Abkommen, wo es um Wiedergutmachungsgelder geht.
- 2:15Die waren insofern extrem wichtig, weil sie oftmals nicht in Zahlungen,
- 2:19sondern auch in Gütern den Israelis gegeben wurden.
- 2:22Israel war damals in einer extrem großen Wirtschaftskrise als gerade gegründeter Staat
- 2:27und diese Hilfen aus Deutschland halfen dem Land, um irgendwie auf die Beine zu kommen.
- 2:32Und es gab dann auch die Treffen zwischen David Ben-Gurion und Konrad Adenauer,
- 2:35das berühmte Treffen im Waldorf Astoria in New York.
- 2:39Aber das bemerkenswerte ist doch auch, dass es nicht Konrad Adenauer war,
- 2:43der diese Beziehungen dann ganz offiziell und diplomatisch anerkannt in die Wege geleitet hat,
- 2:48sondern das war dann sein Nachfolger Ludwig Erhard.
- 2:51Adenauer hat lange gezögert, das hatte auch viel zu tun mit einer Doktrin in Deutschland,
- 2:57dass man die arabischen Staaten nicht verärgern darf, wenn man immer Angst hatte,
- 3:01wenn man mit Israel diplomatische Beziehungen aufnimmt,
- 3:04dann würde auch von der arabischen Seite die DDR noch weiter anerkannt werden.
- 3:09Also, da gab es viele innerdeutschen Überlegungen
- 3:11und dann aber war doch endlich der Moment gekommen und gesagt so jetzt,
- 3:14weil es für beide Seiten von großem Vorteil war.
- 3:17Wie würden Sie denn das deutsch-israelische Verhältnis aktuell beschreiben, Herr Schneider?
- 3:21Da muss man sofort fragen, auf welcher Ebene reden wir von der politischen Ebene,
- 3:25reden wir von der gesellschaftlichen Ebene, reden wir von der kulturellen Ebene.
- 3:29Genau da sehen wir auch, wie problematisch es ist.
- 3:31Wir haben eine offizielle deutsche Erinnerungskultur,
- 3:34die ganz offensichtlich in weiten Teilen der Gesellschaft überhaupt nicht mehr wirklich ankommt.
- 3:39Wir haben eine Debatte in Deutschland, wenn es um Israel geht,
- 3:42die sehr viel mehr mit innerdeutschen Befindlichkeiten zu tun hat als mit Israel selbst.
- 3:47Und wir haben vor allem auch, das ist aber nicht nur ein deutsches Phänomen,
- 3:51sondern insgesamt eine Debatte, wenn es um den Nahost-Konflikt geht
- 3:54und an israelisch-palestinensischen Konflikt geht,
- 3:57der vor allem geprägt ist, auch durch viel nicht wissen.
- 3:59Aber wir sehen auch, dass die letzte Regierung die Ampel,
- 4:03und das wird wahrscheinlich mit dieser Regierung, die jetzt kommt,
- 4:07möglicherweise nicht viel anders sein.
- 4:09Es sein großes Problem gibt es mit der Frage,
- 4:12wie umgehen mit einer israelischen Regierung,
- 4:15mit der man möglicherweise in Teilen oder vielleicht sogar in großen Teilen
- 4:19politisch überhaupt nicht mehr beeinstimmt?
- 4:21Die auch in Teilen rechtsextrem ist die israelische Regierung.
- 4:24Wenn Sie sagen, es kommt auf die Ebene an, das finde ich ganz interessant.
- 4:28Gucken wir in Deutschland zu undifferenziert auf Israel?
- 4:30Also in der Debatte findet das überhaupt statt,
- 4:32diese Differenzierung zwischen politischer, kultureller,
- 4:34vielleicht auch zu wirgesellschaftlicher Ebene?
- 4:36Ja, jenseits von der Politik, auch wirklich das Problem ist,
- 4:39dass die meisten Menschen israelisch verstehen, nicht kennen,
- 4:42und es als monolitischen Block sehen.
- 4:44Und in den wenigsten Beiträgen zu dieser Debatte habe ich das Gefühl,
- 4:49dass die Leute, die da über Israel reden, wirklich dieses Land kennen.
- 4:52Und zwar wirklich von innen kennen,
- 4:54nicht nur, dass sie vielleicht schon mal im Land waren,
- 4:56sondern wirklich auch verstehen, welche Divergenzen es gibt im Land,
- 4:59wie heftig auch die inner-israelische Debatte gerade jetzt
- 5:03über die wiederauflammenden Kämpfe seit einigen Wochen in Gaza sind,
- 5:08wie auch ein großer Teil der israelischen Gesellschaft verzweifelt ist,
- 5:12über die eigene Regierung und so weiter und so weiter.
- 5:15Das wird viel zu wenig wirklich debattiert und diskutiert.
- 5:18Und was aber auch wenig gesehen wird,
- 5:21ist diese Frage jenseits von allen Debatten von Völkerrecht
- 5:25und internationalem Recht und so weiter, die man natürlich stellen muss
- 5:29und über die man debattieren muss, ist auch die Frage,
- 5:31wie kann grundsätzlich ein Staat, ein demokratischer Staat
- 5:36in einem asymmetrischen Krieg überhaupt vorgehen,
- 5:39so dass er sich selber schützen kann und gleichzeitig das Völkerrecht auch bewahrt.
- 5:44Das ist ein Problem, das ja nicht nur auf dem aktuellen Krieg in Gaza zutrifft,
- 5:49sondern auch viele andere Kriege, die wir in den letzten Jahren gesehen haben,
- 5:52auch von anderen Ländern, die ganze Frage der Asymetrie
- 5:55ist ein extrem großes rechtliches, moralisches und ethisches Problem.
- 6:00Da muss man da auch ein bisschen reinsoumen, Herr Schneider.
- 6:06Sie sprechen den Auskonflikt damit an,
- 6:07den 7. Oktober, den brutalen Überfall der Hamas 2023 auf Israel.
- 6:12Israel hat massiv zurückgeschlagen und tut es ja bis heute.
- 6:16Man muss in diesen Zeiten immer sagen, wann man aufzeichnet,
- 6:18weil so viel passiert, dass es Montag der 5. Mai.
- 6:21Es gibt einem Vorgehen der israelischen Anbiet,
- 6:24eben Gazastreifen, das jetzt ja noch mal ausgeweitet werden soll,
- 6:27sehr viel Kritik und in der Folge wird auch Deutschland vorgeworfen,
- 6:31sei es schlicht so unkritisch gegenüber der Regierung und der Netanyahu.
- 6:34Ist denn diese Kritik gerade vor dem Hintergrund
- 6:38der deutsch-israelischen Geschichte gerechtfertigt?
- 6:40Ich denke, man muss zwei Dinge hier sich betrachten.
- 6:44Das eine ist, wo geht Israel, wie gesagt schon in dieser Problematik
- 6:48des asymmetrischen Krieges, so vor, dass es wirklich
- 6:51seine Sicherheitsinteressen wahrt, wozu es das Recht hat,
- 6:55wo es vielleicht auch versucht, die immer noch in Gaza verbleibenden Geiseln zu retten.
- 6:59Und wo geht es darüber hinaus?
- 7:01Das ist etwas, was man sehr genau anschauen und untersuchen muss,
- 7:04was natürlich nicht einfach ist, weil wer ist denn schon vor Ort in Gaza,
- 7:07um wirklich objektiv sagen zu können, was da geschieht?
- 7:10Der Eindruck, den man hat, den auch sehr viele Israelis haben,
- 7:13ist, dass die aktuelle israelische Regierung in den
- 7:16jetzt wieder aufgeflammten Kämpfen nach den zweimonatigen
- 7:19Waffenstillstand eigentlich einen Krieg führt nur aus ureigenem Interesse.
- 7:24Netanyahu wird vorgeworfen, dass er diesem Krieg am Leben erhält,
- 7:27weil er an der Macht bleiben will, weil er Angst hat vor seinem Prozess
- 7:32wegen mutmaustlicher Korruption in drei Fällen,
- 7:35weil er auch in den Händen der Rechtsextremen in seiner Koalition ist.
- 7:39Und diese Rechtsextremen, die sagen als Einzige sehr klar, was sie wirklich wollen.
- 7:44Sie wollen Gaza wieder erobern, sie wollen in Gaza wieder siedeln
- 7:48und sie wollen, wenn möglich, sogar auch noch die Palästinenser vertreiben.
- 7:51Also die einzige Gruppierung innerhalb dieser Koalition, die sozusagen
- 7:55genau sagt, was sie will, sind diese Rechtsextremen.
- 7:58Ohne diese Rechtsextremen verliert aber Netanyahu sofort seine Macht.
- 8:02Da geht das ganze problemlos.
- 8:04Und die Frage, die man in Israel stellt und das kann man auch daran sehen,
- 8:07dass immer mehr Reservisten sich verweigern und nicht mehr zur Armee kommen,
- 8:12wenn sie einberufen werden, dass natürlich immer mehr Israelis auch sagen,
- 8:16das ist nicht mehr ein gerecht zu rechtfertigender Krieg,
- 8:19nicht nur das, er gefährdet auch noch die Geiseln,
- 8:22die noch in Gaza in den Händen der Ramass sind.
- 8:25Ich habe gestern erst ein Gespräch gehört mit dem großen Wirtschaftsboss Eyal Waldmann,
- 8:30der einen Unicorn gegründet und verkauft hat in Israel.
- 8:34Und eine sehr, sehr wichtige Früpfigur ist der auch sehr klar,
- 8:37wie viele andere aus der Opposition sagen, Netanyahu muss weg,
- 8:40so wie dieser Krieg geführt ist, dass es geht überhaupt nicht mehr.
- 8:43Und insofern ist Kritik an der Kriegsführung auch von außen mindestens so gerechtfertigt,
- 8:49weil es sich ja natürlich auch von innen kommt.
- 8:51Jetzt haben Sie eben schon angesprochen, in Deutschland stehen wir vor dem Wechsel
- 8:55oder in dieser Woche der Wechsel der Bundesregierung.
- 8:57Was würden Sie sagen, was müsste eine neue Bundesregierung anders,
- 9:01vielleicht auch besser machen im Verhältnis zu Israel?
- 9:04Das muss ich in ehrlich sagen, das kann ich Ihnen sehr schwer beantworten.
- 9:07Das ist so komplex und so im Detail, dass es sehr schwierig zu sagen ist.
- 9:12Ich habe mich nur gewundert über die Äußerung von Friedrich Merz schon verwochen,
- 9:17als er gesagt hat, er wird das möglich machen,
- 9:20dass man Premiere Netanyahu nach Deutschland einladen kann.
- 9:23Sie wissen, dass es geht vor dem Hintergrund,
- 9:24dass der Internationale Strafgerichtshof gegen ihn und den früheren
- 9:28israelischen Verteidigungsminister Joav Garland einen Strafantrag gestellt hat
- 9:32auf Verhaftung wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen.
- 9:34Ob dieser Strafantrag gerechtfertigt ist eine ganz andere Frage,
- 9:38darüber könnte man diskutieren.
- 9:39Aber der ist jetzt nun mal da und es bedeutet im Klartext,
- 9:43dass alle Staaten, die Mitglieder quasi im Internationale Strafgerichtshof sind,
- 9:47eigentlich verpflichtet sind, dass wer in einer dieser Personen
- 9:51ihr Staatsgebiet betrachtet, dass sie diese Person verhaftet wird.
- 9:54Warum Friedrich Merz das ohne Mühe und Not gesagt hat, ist mir unklar.
- 9:59Ich gehe jetzt mal vom Wahlkampf aus.
- 10:01Ich gehe auch davon aus, dass man gegenüber der Ampel,
- 10:04die da sehr viel mehr herumlavierte,
- 10:06zum Teil auch mit einer problematischen Außenpolitik,
- 10:09dass man da sozusagen einen Stand dagegen machen wollte,
- 10:12wie die Konservativen stehen eng an der Seite Israels und aller Juden.
- 10:16Ob man damit Israel und vor allem auch der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland
- 10:21wirklich hilft, das ist noch mal eine ganz andere Frage,
- 10:23aber das ist sicher nicht der Ansatz,
- 10:25wie man tatsächlich das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland verbessern kann.
- 10:31Vor allem muss man sich auch fragen und diese Frage,
- 10:33um die wird es natürlich gehen, ist dieser Begriff der deutschen Staatsräson.
- 10:37Also, dass diese Staatsräson besagt,
- 10:39dass man für die Sicherheit Israels verantwortlich ist.
- 10:42Eine Formulierung, mit der ich sowieso schon seit Jahrzehnten,
- 10:46eigentlich seit 2008, seitdem sie gesagt wurde, ein Problem hat,
- 10:49was heißt sie in der Konsequenz.
- 10:51Aber wenn man davon ausgeht, muss man sich natürlich die Frage stellen,
- 10:54ist man solidarisch mit dem Staat Israel
- 10:56oder ist man solidarisch mit der jeweiligen israelischen Regierung?
- 11:00Und das ist eine Frage,
- 11:01die wird natürlich, solange diese Regierung in Israel an der Macht ist,
- 11:05natürlich auch immer virulenter.
- 11:07Da sind wir im Kern der Debatte Herr Schneider.
- 11:08Die neue Bundesregierung, das haben Sie gesagt,
- 11:11bekennt sich auch dazu in Ihrem Koalitionsvertrag,
- 11:14dass Israel sicher als deutsche Staatsräson sei, 2025.
- 11:17Wie würden Sie denn den Begriff der Staatsräson überhaupt definieren?
- 11:20Sie haben gesagt, dass Sie schon seit 2008 Schwierigkeiten haben damit,
- 11:23aber was heißt er denn aktuell heute?
- 11:25Ja, für mich heißt er ehrlich gesagt gar nichts,
- 11:28weil ich habe 2008 das ARD-Korrespondent in der Knesset gesessen,
- 11:32als Angela Merkel damals in ihrer Rede genau das gesagt hat,
- 11:36was seitdem ja irgendwie immer in der Luft schwebt.
- 11:38Und ich habe mich ja auch verkehrt, was bedeutet das in der Realität?
- 11:41Bedeutet es, dass deutsche Soldaten im Zweifelsfall an der Seite Israel
- 11:45am Golan oder im Westjordanland oder sonst wo kämpfen würden?
- 11:50Und das ist natürlich abwege,
- 11:51und es ist natürlich ganz klar, dass das nicht geschehen wird,
- 11:54abgesehen davon, dass die Bundeswehr überhaupt nicht
- 11:57im Moment in der Lage wären, in solchen Krieg zu führen,
- 12:00weil man ja schon Probleme hat, überhaupt jetzt aufzurüsten.
- 12:03Also das ist illusorisch, dass man Israel mit Waffen versorgt.
- 12:06Was hat auch vor diesem Begriff der Staatsreaison bereits stattgefunden?
- 12:10Das ist nichts Neues, dass man Israel mit U-Booten ausstattet,
- 12:15von dem man weiß, dass sie für den atomaren Zweitschlag
- 12:18gerüstet sind und dass sie das können.
- 12:20Auch das hat er schon vorher gegeben.
- 12:21Insofern weiß ich nicht genau, was diese Staatsräson,
- 12:24die Faktor bedeutet und es ist eigentlich eher eine innerdeutsche Diskussion,
- 12:28nur ist eine faktische, die im Zusammenhang mit Israel selbst.
- 12:31Die Frage, ob man wird, die kam ja jetzt auf,
- 12:34während des Krieges, ob man Israel überhaupt noch Waffen schicken soll
- 12:37und Munition schicken soll, das ist eine Debatte,
- 12:40die natürlich auch eine rechtliche Debatte ist,
- 12:43in die ich mich gar nicht groß einmischen kann,
- 12:46weil ich einfach kein Jurist bin und da einfach in den Details
- 12:49mich nicht so auskenne und das auch nicht wagen würde,
- 12:51da eine Entscheidung zu treffen oder zu sagen, was richtig oder was falsch ist.
- 12:55Aber natürlich ist die Frage, ob man einem Staat,
- 12:58der so angegriffen wurde, wie er angegriffen wurde,
- 13:01nämlich mit einem genuzidalen, vom Charakter her genuzidalen Massaker,
- 13:06ob man einem solchen zunächst einmal immer noch
- 13:08reinegermaßen demokratischen Staat und zweifelsfall die Unterstützung versagt.
- 13:13Und dann sind wir bei der Frage, ab welchem Moment versagt man sie?
- 13:18Wo ist der Moment, wo die Problematik des asymmetrischen Krieges umkippt,
- 13:25in eine Form von Krieg, die man sozusagen völkerrechtlich überhaupt
- 13:30nicht mehr rechtfertigen kann?
- 13:31Wir kriegen Zahlen aus Gaza vom sogenannten Gesundheitsministerium,
- 13:38das aber in den Händen der Hamas ist.
- 13:40Die Hamas, das wissen wir aus den früheren Kriegen,
- 13:43zählt grundsätzlich bei den Toten.
- 13:46Alle mit ein, das heißt getötete Hamas-Kämpfer,
- 13:49getötete Zivilisten, aber auch Menschen eines natürlich gestorbenen Todes.
- 13:53Die Israelis geben natürlich ihre eigenen Zahlen heraus.
- 13:56Wir wissen, dass das Erste, was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit.
- 14:00Insofern müssen wir als Journalisten, dass diejenigen, die darüber berichten,
- 14:04immer mit den Zahlen sehr, sehr vorsichtigen.
- 14:05Inzwischen gibt die UNO-Zahlen heraus, wo ich mich frage,
- 14:08wie sicher sind die denn?
- 14:10Auch da bin ich immer sehr skeptisch.
- 14:12Aber dass die Zahl der Todesopfer und das Elend in Gaza
- 14:16wirklich unerträglich geworden ist, das ist überhaupt keine Frage.
- 14:20Die Frage ist nur, auch darüber wird wenig debattiert,
- 14:23wenn im Prinzip, die Ramas heute sagen würde,
- 14:25hier habt ihr die Geiseln und wir legen die Waffen,
- 14:27die während dieser Krieg vorbei.
- 14:29Auch das muss man einfach mal gesagt haben,
- 14:31was nicht verteidigt, wie Netanyahu gerade vorgeht,
- 14:36aber wo man einfach sicher immer wieder zurück ins Bewusstsein rufen muss,
- 14:39dass es da auch noch eine zweite Seite gibt, die diesen Krieg ja nun so auch will.
- 14:44Schauen wir mal auf Deutschlands Rolle im Nahen Osten generell.
- 14:51Deutschland hatte früher, ja, sie waren lange vor Ort,
- 14:54Herr Schneider, eine viel stärkere Rolle.
- 14:56Davon war aber jetzt schon lange vor dem 7. Oktober
- 14:58gar nicht mehr so furchtbar viel übrig.
- 15:00Jetzt hat natürlich Deutschlands Solidarität für Israel
- 15:03diese unverbrüchliche Solidarität Konsequenzen,
- 15:06nicht nur für das Standing von Deutschland in der Ost,
- 15:08sondern auch für eine ganze Reihe von Ländern des sogenannten globalen Südens und auch in Europa.
- 15:13Diese Länder haben eine ganz andere,
- 15:14nämlich deutlich israelkritischere Perspektive auf den Gaza-Krieg.
- 15:18Wie schauen Sie da drauf?
- 15:20Wie nachhaltig ist das, glauben Sie, für Deutschlands Wahrnehmung in der Welt?
- 15:24Ich würde das korrigieren.
- 15:25Ich würde sogar sagen, dass in Teilen des globalen Südens
- 15:29es nicht nur eine israelkritische, sondern Israel feindliche Haltung gibt.
- 15:32Das glaube ich ist sehr wichtig zu erwähnen,
- 15:35weil das genau eigentlich schon bestimmt,
- 15:36wie man sich in Deutschland oder in anderen demokratischen Ländern verhalten muss.
- 15:40Israelfeindlichkeit ist nicht akzeptabel,
- 15:43denn Israelfeindlichkeit bedeutet, und das sehen wir ja auch immer wieder
- 15:46bei diesem mittlerweile berühmt gewordenen Satz
- 15:49"From the river to the sea, Palestine will be free"
- 15:52eine Forderung, dass der Staat Israel zerstört werden soll,
- 15:55sich auflösen soll, weiß der Kukuck, was.
- 15:57Wenn es darum geht, Israelfeindlichkeit gegenüberzustehen,
- 16:01dann denke ich, ist es relativ klar,
- 16:03was die Bundesregierung und was die EU oder was andere demokratische Staaten
- 16:07auch zu tun haben, nämlich das Streck zurückweisen.
- 16:10Da gibt es überhaupt gar keine andere Haltung.
- 16:11Bei der Kritik des sogenannten globalen Südens
- 16:14gegenüber der Politik des Nordens in Anführungszeichen auch da
- 16:19muss man genauso wie vor, was ich vorhin gesagt habe,
- 16:21unglaublich aufpassen.
- 16:22Gerade da wird unglaublich viel klichidiertes von sich gegeben,
- 16:26wird sehr viel an poskolonialer Ideologie da auch von sich gegeben,
- 16:31wo man versucht mit diesen poskolonialen Positionen
- 16:35quasi wie eine Schablone jeden Konflikt heutzutage neu zu definieren.
- 16:40Die ganze Geschichte Israels ist keine poskoloniale Geschichte.
- 16:45Israel ist kein koloniales Gebilde.
- 16:48Es gibt ganz andere Komplikationen und ganz andere Dinge,
- 16:51die in der Entstehungsgeschichte Israel so und allem,
- 16:54was danach gekommen ist, kritisch angeschaut werden.
- 16:56Und diskutiert werden müssen.
- 16:57Aber man muss halt wirklich diesen Konflikt anschauen und sagen,
- 17:00was sind hier die Probleme?
- 17:02Wo wurde von beiden Seiten Fehler gemacht?
- 17:05Welche Verantwortung hat dafür der Westen?
- 17:07Übrigens, was völlig vergessen wird,
- 17:09welche Verantwortung hat dafür auch die frühere Sowjetunion?
- 17:12Das wird nämlich sehr gerne vergessen,
- 17:14dass der Ost-West-Konflikt sich auch in diesen Konflikt wieder
- 17:18abbildete nach dem Krieg.
- 17:20Das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema,
- 17:22das nach 1989 auch irgendwie vergessen wurde.
- 17:25Auch die Frage, wie innerhalb der Europäischen Union
- 17:30nach Ostpolitik gestaltet wurde.
- 17:31Und die waren, das kann ich in wirklich aus eigener Erfahrung
- 17:34und Beobachtung sagen, eigentlich insofern immer katastrophal,
- 17:38dass das sich sowohl in meiner Zeit als Korrespondent für die ARD
- 17:41wie auch in meiner Zeit, wo ich für den Spiegel jetzt
- 17:43immer wieder bei dem Nord-Ost-Konflikt schreibe.
- 17:45Das Erlebe, da kommt dann der EU außenbeauftragte an
- 17:49und fährt nach Jerusalem und fährt nach Amala
- 17:51und gibt die entsprechenden Statements ab.
- 17:53Und kurz danach kamen dann der französische, der deutsche,
- 17:58der britische Außenminister, als die Briten noch zur EU gehörten.
- 18:02Und jeder hat dann was ganz anderes gesagt,
- 18:04und jeder kochte dann sein eigenes Süppchen mit dem Ergebnis,
- 18:07dass die Europäer als Einheit überhaupt nicht mehr wirklich stattfanden.
- 18:12Und das bedeutete im Klartext dann auch gerade bei einem Politiker
- 18:15wie Benjamin Netanyahu, der extrem Amerika orientiert ist
- 18:19aufgrund seiner eigenen Biografie.
- 18:20Der immer nur sagte, Washington ist mein, sozusagen mein Kompass.
- 18:25Das führte natürlich ganz klar dazu,
- 18:27dass die Europäer als politische Größe,
- 18:30und ich sage jetzt bewusst, die Europäer, nicht nur die Deutschen,
- 18:33überhaupt da keine Rolle spielten in dem, was diesen Konflikt bestimmte.
- 18:38Und dass die Deutschen ganz spezifisch,
- 18:41vor allem eine sehr wichtige Aufgabe hatten,
- 18:44und die darf man nicht unterschätzen.
- 18:45Und die wurde auch von den Israelis, auch von Netanyahu,
- 18:48immer wieder beansprucht und auch hoch bewertet.
- 18:51Nämlich den Möglichkeiten, die der BND hatte,
- 18:54mit der Hisbollah früher oder auch mit dem Iran,
- 18:58hinter den Kulissen zu sprechen,
- 19:00um möglicherweise gefangenen Austausche und solche Sachen einzuleiten.
- 19:04Also da hat Deutschland auch einen Pfund mitzubringen.
- 19:07Aber die Wahrheit ist, dass seit Joschka Fischer,
- 19:10der damals vor Ort war,
- 19:12und ist mit eigenen Augen von seinem Hotelzimmer ausgesehen hat,
- 19:16dass es einen Zepsnot-Anschlag mitten in Tel Aviv
- 19:20vor einer Diskothek gab mit dutzenden Toten,
- 19:23der dann nicht zurückreiste nach Deutschland,
- 19:25sondern zwischen den damaligen israelischen Premier Ariel Sharon
- 19:30und Yassir Arafat, damals noch der PLO-Führer und Präsident der Palästinenser,
- 19:35wo er hin und her pendelte, um eine Katastrophe zu verhindern.
- 19:39Aber man muss leider ehrlicherweise auch sagen,
- 19:42dass seit Joschka Fischer es keinen deutschen Außenminister mehr gab,
- 19:46der ein solches politisches Schwergewicht war,
- 19:49das an der Lage gewesen wäre,
- 19:51in diesen Konflikten irgendeiner Form wirklich einzukaufen.
- 19:54Wenn ich Ihnen jetzt zuhöre, dann wird mir noch mal bewusst,
- 20:01es gibt einfach ganz viele Details, ganz viele Feinheiten,
- 20:04die man sich in dieser Debatte noch mal vor Augen fühlen muss.
- 20:06Gleichzeitig, Sie haben es auch schon gesagt,
- 20:08wir haben hier in Deutschland eine sehr aufgeheizte Debatte,
- 20:10die auch eigentlich keinen Raum für Grautöne,
- 20:13für Zwischenstufen so richtig zulässt.
- 20:15Haben Sie eine Idee, wie wir zu einer vielleicht informierteren Debatte kommen?
- 20:20Ich glaube, in dem Journalisten vor allem,
- 20:23die ja über diesen Krieg berichten, auch aufhören, Aktivisten zu sein,
- 20:27ich könnte Ihnen eine ganze Liste an Namen nennen,
- 20:30was ich natürlich nicht tun würde, deren Berichterstattung insofern
- 20:35für mich bereits problematisch ist,
- 20:36weil sie zum Teil Begrifflichkeiten und Formulierungen der einen oder der anderen Seite.
- 20:42Es gilt immer für Beiges Seiten.
- 20:43Übernehmen, wo ich mal sage, hallo, welches Narrativ tut ihr denn hier gerade bedienen?
- 20:47Ich finde das extrem problematisch.
- 20:49Ich finde auch, dass da eine viel größere Verantwortung
- 20:53von Seiten der Journalisten eingefordert werden muss
- 20:56und dass man eben nicht in diese Falle tappt,
- 21:00dass man meint, einen Mainstream gleich welcher Art bedienen zu müssen,
- 21:04sondern wirklich sehr ruhig, sehr differenziert zu berichten,
- 21:07selber den Schaum vom Mund mal wirklich beiseite zu wischen und zu sagen,
- 21:11okay, was ist die Lage, wie schaut es aus?
- 21:14Was wissen wir? Ganz auch ganz wichtig, was wissen wir?
- 21:17Und was vermuten wir lediglich?
- 21:19Auch das habe ich häufig erlebt in diesem Krieg und in früheren Kriegen sowieso,
- 21:23aber auch in diesem Krieg natürlich jetzt ganz besonders,
- 21:26dass da Dinge behauptet werden, wo ich sage, woher nimmst du das?
- 21:29Woher weißt du das?
- 21:31Und wenn ich dann ein bisschen nach recherchiere,
- 21:33stelle ich manchmal fest, dass das von Quellen kommt,
- 21:36die man nun wirklich nicht das zuverlässige Quellen,
- 21:39egal von welcher Seite, wohlgemerkt.
- 21:41Ich rede immer, dass man immer vorsichtig sein muss gegenüber beiden Seiten,
- 21:44wo man also feststellt, dass diese Quellen nicht wirklich sauber sind.
- 21:47Und da haben Journalisten einfach eine extrem hohe Verantwortung.
- 21:52Und wir sprechen jetzt an, dass sich das Jahrestags der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen
- 21:57zwischen der Bundesrepublik und Israel,
- 21:58was erwarten Sie für die Zukunft des deutsch-israelischen Verhältnisses
- 22:02in den nächsten Jahren und vielleicht auch Jahrzehnten?
- 22:04Ich glaube, wir werden zwei bis drei Dinge erleben.
- 22:07Das eine ist, dass die allgemeine Stimmung gegen Israel wird wachsen,
- 22:11nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt,
- 22:14dass dieser Krieg Nachwirkungen haben wird für Jahrzehnte,
- 22:19auch mit dem entsprechenden Blick auf Israel,
- 22:22dass so lange diese Regierung, wie so lange Netanyahu an der Macht ist,
- 22:27sich auch das Image Israel sich nicht verändern kann und nicht verändern wird.
- 22:32Aber es wird auch sehr davon abhängen und das darf man auch nicht vergessen,
- 22:35wie sich Europa, wie sich Deutschland weiterentwickelt und was in den USA passiert.
- 22:40Wir erleben eine Zeit, wo die liberalen Demokratien sich auf den Rückzug
- 22:43oder einen Abwehrkampf befinden.
- 22:45Wir erleben das Netanyahu schon seit vielen Jahren,
- 22:47also nicht erst jetzt, sondern schon seit vielen Jahren,
- 22:50immer mehr auch innerhalb der EU auf die Rechtspopulisten wie in Ungarn setzt,
- 22:56weil er die immer benutzt hat, um eine Spaltung,
- 22:59wenn es um irgendwelche Resolutionen gegen Israel in Brüssel ging,
- 23:03um diese Spaltung zu erreichen innerhalb der EU,
- 23:06was ihm auch immer wieder ganz gut gelungen ist.
- 23:08Das heißt, wir werden einfach auch sehen müssen,
- 23:11wie sich die Bundesrepublik entwickeln wird,
- 23:13wie sich Europa entwickeln wird.
- 23:15Im Zusammenhang der Frage,
- 23:16kann man die liberalen Demokratie verteidigen?
- 23:19Und wenn ja, was bedeutet das?
- 23:21Denn eines muss man auch sehen,
- 23:23dass bei allem Erschrecken über die rechtspopulistischen Entwicklungen,
- 23:27wir haben jetzt gerade auch von Bundesverfassungsschutz diese Feststellung,
- 23:31dass quasi die AfD gesichert rechtsextremistisch sogar sei,
- 23:35das ist aber auch eine Reaktion,
- 23:38alles was wir gerade erleben,
- 23:39ist auch eine Reaktion auf ein linksliberales,
- 23:43wokes, progressives Weltbild,
- 23:45dass man zumindest kritisieren muss,
- 23:48zumindest anschauen muss, wo stimmt es,
- 23:50wo stimmt es eben überhaupt nicht.
- 23:52Was hat sich da entwickelt,
- 23:54was auch vorbei geht,
- 23:55nicht nur an den Realitäten,
- 23:57sondern auch an den Interessen,
- 23:59an den ganzen Gesellschaftsschichten.
- 24:00Und insofern ist die Frage,
- 24:02wie das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel sein wird.
- 24:06Das muss man einbetten in ein sehr viel größeres Paket,
- 24:09nämlich, wie Deutschland selber sich weiterentwickeln wird,
- 24:12wie diese Fragen zwischen links und rechts,
- 24:15zwischen liberaler Demokratie,
- 24:17Rechtspopulismus auf der einen Seite,
- 24:19aber auch auf der anderen Seite in gewisser Form von links extremistische Ideologie,
- 24:23wie sich das alles weiterentwickeln wird,
- 24:25und das ist ganz schwer voraus zu sagen.
- 24:26Jetzt bete ich unabhängig von Israel,
- 24:28ganz unabhängig davon, wie Israel sich entwickelt.
- 24:31Gehen wir mal, sagen wir mal davon aus,
- 24:33dass es Israel gelingt, wenn nächstes Jahr die Wahlen sind,
- 24:36Netanyahu nach Hause zu schicken,
- 24:38eine andere Regierung zu haben mit anderen Köpfen,
- 24:42ohne den rechtsextremen Flügel,
- 24:44sondern eine Mitte-Rechtsregierung,
- 24:46weil links gibt es in Israel spätestens seit dem 7. Oktober gar nicht mehr.
- 24:51Dann kommen neue Köpfe, dann kommen andere Gesichter,
- 24:54dann kommen sich ja auch dann wieder Figuren an die Macht,
- 24:57die für den eigenen Rechtsstaat eintreten und auch versuchen werden,
- 25:01den irgendwie wiederherzustellen.
- 25:03Aber das wird nicht automatisch bedeuten,
- 25:06dass in Deutschland oder anderswo Israel die Herzen wieder zufallen werden,
- 25:11sondern dann wird es darauf ankommen,
- 25:13mit welchen Ideologien und mit welchem Pragmatismus
- 25:16dann auch Politiker für dieses Verhältnis darstellen werden.
- 25:21Sagt Richard Chaim Schneider, Journalist, Autor und Nahostexperte.
- 25:25Lieber Herr Schneider, ganz herzlichen Dank.
- 25:27Ich danke Ihnen.
- 25:28Zum Schluss einer Episode unseres Podcasts
- 25:35wollen wir immer versuchen, das Gesagte kurz zusammenzufassen,
- 25:38irgendwie zu bündeln, was aus dem Gespräch am meisten hängen geblieben ist.
- 25:42Das ist heute nicht so leicht.
- 25:43Bei mir sind das eigentlich nur zwei Punkte.
- 25:45Der erste und größte ist diese unendliche Komplexität,
- 25:49dieses Verhältnisse vor Ort, all der Feinheiten,
- 25:54all dieser notwendigen Differenzierung,
- 25:56schon die Ebenen, die ihr ganz eingangs des Gesprächs
- 25:59erwähnt hat, Richard-Schneider.
- 26:01Worüber reden wir denn?
- 26:01Reden wir über Politik, über Gesellschaft oder über kulturelle Beziehungen,
- 26:05denn was dafür alles notwendig ist,
- 26:07auf diesen Konflikt so drauf zu schauen,
- 26:09dass man sich wirklich eine, nicht eine Haltung zulegen kann,
- 26:11sondern wirklich eine fundierte Meinung haben kann.
- 26:14Also Bildung, Wissen, Einsichten und nochmal all diese Feinheiten.
- 26:18Das bedingt mich sehr, weil das so unendlich kompliziert ist.
- 26:21Und das andere letzter Punkt ist,
- 26:23dass es mindestens kurzfristig, aber wahrscheinlich auch mittelfristig,
- 26:27nicht viel Hoffnung gibt, dass das irgendwie besser wird vor Ort.
- 26:32Das mag nicht für das Verhältnis der beiden Staaten gelten,
- 26:34aber für die Situation vor Ort sieht es einfach nicht wirklich gut aus.
- 26:38Katharina, was nimmst du denn mit?
- 26:40Mir ging es ähnlich wie dir mit dem Stichwort Komplexität.
- 26:43Ich finde, es ist einfach nochmal sehr klar geworden,
- 26:46wie komplex dieser Konflikt ist
- 26:48und dass wir auch mit der Debatte, die wir in Deutschland aber auch international führen,
- 26:53dem eigentlich nicht gerecht werden,
- 26:55wo noch sehr viel Schwarz-Weiß und einfach sehr viel Polarisierung auftritt.
- 26:58Das deutsch-israelische Verhältnis auf diesen verschiedenen Ebenen,
- 27:01das finde ich auch interessant und auch eben der Punkt,
- 27:03dass Staatsräson so ein bisschen ein hohler Begriff ist,
- 27:06weil niemand so ganz genau sagt, was heißt denn das eigentlich?
- 27:09Und was bedeutet Solidarität mit Israel,
- 27:11also mit wem, mit der Bevölkerung oder mit der jeweiligen Regierung?
- 27:15Und auch interessant fand ich den Punkt,
- 27:17dass eben das deutsch-israelische Verhältnis mit Blick in die Zukunft
- 27:21auch davon abhängt, was einfach in Deutschland passiert,
- 27:23welche Konflikte wir hier noch debattieren werden.
- 27:25Da ist mir einfach insgesamt nochmal so bewusst geworden.
- 27:27Natürlich in Politik und Außenpolitik, es hängt sehr stark miteinander zusammen
- 27:31und deswegen auch, was wir hier im Podcast immer wieder besprechen,
- 27:34es ist nicht voneinander zu trennen, unser Leben.
- 27:37Damit endet unsere heutige Folge.
- 27:43In der nächsten Episode können Sie ab dem 22. Mai hören,
- 27:46dann geht es um einen ersten außen- und sicherheitspolitischen Blick
- 27:49auf die neue Bundesregierung.
- 27:51Bund aus Termingunden werde ich diese Folge ausnahmsweise alleine hosten.
- 27:55Zu Gast sein wird Benedikt Franke,
- 27:57er ist von der Münchner Sicherheitskonferenz
- 27:59und für heute sagen wir ganz herzlichen Dank fürs Zuhören.
- 28:02Ich bin Martin Bialecki.
- 28:04Und ich bin Katharina Peetz. Danke und machen Sie es gut.
- 28:07[Musik]