Latest / BZ am Ohr / Der Fall der getöteten Psychotherapeutin in Offenburg – viele Fragen, keine Antworten
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- Es ist der 11. Februar 2025. Frühjahrabend ist es schon dunkel. Eine 37-jährige Psychotherapeutin verlässt ihre Praxis in Offenburg, um nach der Arbeit ins Auto zu steigen und nach Hause zu fahren. Auf dem Weg über den Parkplatz wird sie attackiert und auf brutale Weise getötet. Wenig später wird Charles K. als Tatverdächtiger ermittelt. Der Mann ist ein ehemaliger Patient der Therapeutin und hatte sie zuvor bedroht. Vor rund zwei Wochen ging der Prozess gegen Schalkar zu Ende. Er wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Obwohl der Mord an der Therapeutin in Offenburg so schnell aufgeklärt werden konnte und der Täter zur Höchststrafe verurteilt wurde, bleibt da ein zwiespältiges Gefühl, sagt mein Kollege Michael Saurer. Er ist Redakteur in der Politikredaktion der Badischen Zeitung und hat den gesamten Prozess journalistisch begleitet. Dieser Prozess war in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Das ist einerseits natürlich die Tatausführung selbst, das ist dann natürlich auch das Verhalten des Angeklagten. Aber dann, und das ist der dritte große Komplex, der diese Tat eben sehr bemerkenswert macht und auch diesen Prozess sehr bemerkenswert gemacht hat, ist die Frage, hätte das Leben dieser Frau gerettet werden können. Schal K. hat sich während des gesamten Prozesses es nicht ein einziges Mal geäußert. Sein Verteidiger durfte nicht einmal Fragen an die Zeugen stellen. Die Frage nach dem Warum konnte nicht geklärt werden. Eine schwere Belastung für die Familie der Getöteten, wie Michael im Podcast erzählt. Und dazu kommt, dass die Bedrohung, die von Schalka ausging, sich schon an mehreren Stellen gezeigt hatte und Behörden bekannt war. Aber ein Strafprozess soll natürlich eigentlich noch mehr liefern. Er soll. Auch Erklärungen geben, gerade bei so einer Tat, die so unglaublich sinnlos erscheint, möchte natürlich vor allem die Opferfamilie einfach Antworten haben und diese Antworten wurden ihnen nicht gegeben. Im Gegenteil, die Fragezeichen sind sogar eher noch größer geworden, weil eben diese Versäumnisse oder möglichen Versäumnisse der beteiligten Stellen, Behördeneinrichtungen und so weiter halt einfach thematisiert wurden, die offenkundig geworden sind. Aber keiner derjenigen und der beteiligten Stellen dann eben auch sagt, daraus ziehen wir Konsequenzen. Und am Ende bleibt da diese Frage. Hätte die Tat nicht verhindert werden können? Darüber und über mögliche Versäumnisse der Behörden sprechen wir in diesem Podcast. Auch der Anwalt der Nebenklage wird zu Wort kommen und seine Sicht auf den Fall darlegen. Mein Name ist Christoph Giese, ich bin Redakteur der Badischen Zeitung. Und bevor es losgeht, hier noch ein kurzer Hinweis. In diesem Podcast geht es um Gewalt und psychische Erkrankung. Wenn dich diese Themen belasten, hör dir die Folge lieber nicht alleine an. Herzlich willkommen, Michael Saurer. Schön, dass du da bist. Ja, herzlichen Dank, dass ich hier sein kann. Am 11. Februar 2025 wurde in Offenburg eine Psychotherapeutin vor ihrer Praxis in Offenburg getötet. Der Mordprozess ist vergangene Woche zu Ende gegangen. Es war ein Fall, der Südbaden und die Region ziemlich bewegt hat in den vergangenen Wochen. Und du hast ihn für die Badische Zeitung begleitet. Erklär uns doch nochmal, was ist an diesem Abend in Offenburg passiert? Also nach allem, was man weiß und was die Beweisaufnahme auch ergeben hat, ist gegen 17 Uhr ein Mann, der mit einem schwarzen Poncho bekleidet war, er hatte eine FFP2-Maske im Gesicht und hatte eine Kapuze auf dem Kopf, ist eine schmale Seitengasse in Offenburg entlang der Innenstadt entlang gegangen. Er wurde dort gefilmt von der Überwachungskamera eines Erotikkinos, das dort ist. Und er hat sich dann so kurz nach 17 Uhr zu diesem Hintereingang einer psychotherapeutischen Praxis begeben. Hat sich dort hinter einer Garage so ein bisschen versteckt, kann man sagen. Und hat dort tatsächlich eine Stunde lang regungslos verharrt. Das war ein sehr bizarres Erscheinungsbild, weil von außen konnte man ihn sehen, also von innen von der Praxis konnte man ihn nicht sehen, aber von außen, da gibt es einen Weg, der daran vorbeiführt. Und da gab es einige Passanten, denen das sehr seltsam vorkam. Und es gab einen Zeugen vor Gericht, der dann auch gesagt hat, er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie so gegruselt wie bei dem Anblick. Es gab auch eine Nachbarin gegenüber, die einen vollen Einblick in den Innenhof hat und ihn eben gesehen hat. Und der kam das Ganze sogar so seltsam vor, dass sie ein Foto davon gemacht hat. Und Konsequenzen sind daraus keine Erwachsenen, das heißt, auch sie hat nicht die Polizei gerufen, auch wenn ihr das Ganze eben, wie gesagt, sehr komisch vorkam. Ja, und wie gesagt, er hat eine Stunde dann regungslos gewartet und gegen 18.12 Uhr, nach allem, was man ungefähr weiß, hat im Inneren der Praxis die Psychotherapeutin ihre Sachen gepackt, wollte in den Feierabend gehen, ist durch den Hintereingang Richtung Parkplatz, also der ist hinter der Praxis, gegangen, hat die Tür geöffnet, hat ihr Auto entriegelt mit der Fernbedienung. Das weiß man auch noch. Und nach allem, was man eben weiß, und das sind natürlich alles nur Indizien, weil der Angeklagte ja oder der Täter auch nie etwas zur Tatausführung gesagt hat, hat er in diesem Moment die Frau von hinten angegriffen, hat mit 38 Messerstichen, man muss das glaube ich sagen, sie brutal abgeschlachtet. Also es gab Stiche im Kopfbereich, in den Halsbereich, in den Seitenbereich. Also der Körper war anscheinend so zugerichtet, dass man anschließend den Angehörigen das nicht zumuten wollte, sie identifizieren zu müssen. Und hat das jemand gesehen? Du hast gesagt, eine Nachbarin hatte ihn vorher fotografiert. Die Tat selber hat niemand gesehen. Es war schon dunkel. Also es war wie gesagt 18.12 Uhr im Februar, da ist es natürlich schon dunkel. und. Der Parkplatz hinten ist wohl auch nicht beleuchtet gewesen. Deswegen, also es gibt eine Frau, das ist eine Mitarbeiterin dieses besagten Erotik-Kinos, die zu dieser Zeit gerade geraucht hat und sie hat einen gellenden Schrei gehört, hat vermutet, dass das irgendwie auf einen Junggesellinnenabschied zurückgeht und war natürlich eine fatale Fehleinschätzung. Und die Tat selber hat aber niemand gesehen. Also alles, was wir wissen, sind praktisch Indizien, die von den Sachverständigen, von den Ermittlern zusammengetragen wurden. Das heißt, und nach diesen Indizien geht man davon aus, die Frau hat das Gebäude verlassen, ist einfach auf dem Weg zu ihrem Wagen und auf einmal aus dem Nichts wird sie von hinten attackiert. Man weiß, dass sie noch ihr Handy in der Hand hatte, wollte wahrscheinlich gerade noch eine WhatsApp-Nachricht schreiben an ihren Ehemann, dass sie jetzt unterwegs ist. Sie hatte das Handy eben in der Hand und war aber völlig ahnungslos. Also hatte den Täter auch nicht kommen sehen, weil er sie eben von hinten angegriffen hat. Was ist denn über diese Frau, die getötet wurde, bekannt? Was weiß man über sie? Also die Frau war zum Zeitpunkt ihres Todes 37 Jahre alt, war eine studierte Psychotherapeutin, war erst seit ungefähr zwei Jahren in der Praxis angestellt und war davor als Psychotherapeutin in einer psychiatrischen Einrichtung in Offenburg, auch an der Klinik an der Lindenhöhe, auf die wir sicher auch noch zu sprechen kommen. Sie ist Deutsch-Französin. Das ist auch eine erstaunliche Parallele übrigens zum Täter, über den wir ja auch noch sprechen werden, der auch Deutsch-Franzose ist. Das heißt, sie hat eine deutsche Mutter und einen französischen Vater und ist auch mit einem Franzosen verheiratet, lebt oder lebte im Elsass, ist vom Elsass immer jeden Tag nach Offenburg gependelt. Sie stammt aus einer, und das hat das Ganze natürlich nochmal verschärft in seiner Wirkung, stammt aus einer extrem harmonischen Familie, also einer Familie, die unheimlich gefestigt ist, die einen unheimlich starken Zusammenhalt hat. Das betrifft ihre Eltern, das betrifft aber auch ihre zwei Brüder, die sie hat. Sie hat täglich mit ihren Brüdern, mit ihren Eltern WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht. Sie haben täglich miteinander telefoniert. Sie hatte eine offenbar sehr harmonische Ehe. Sie hat eine kleine Tochter, die jetzt, ich glaube, so zweieinhalb oder drei Jahre alt ist. Und sie war wieder schwanger. Und sie war im vierten Monat schwanger. Der rechte Geburtstermin wäre Ende Juli gewesen. Und ja, wie gesagt, also eine extrem glückliche Frau, eine Frau, die mitten im Leben stand und die. Auch dabei war nochmal ein ganz neuer Lebensabschnitt zu Beginn. Sie hatten sich eine Wohnung ausgesucht, die sie kaufen wollten und genau an dem Tag, an dem die Tat begangen ist, das war eigentlich ein sehr positiver Tag für sie. Sie hatte nämlich zum einen einen Termin auf der gynäkologischen Station im Krankenhaus, wo sie eben eine Ultraschalluntersuchung praktisch, wo ihr auch nochmal gesagt wurde, wie gesund das Kind ist und dass alles wunderbar ist. Und dann haben sie an dem Tag auch noch die Zusage bekommen für die Wohnung, die sie dann eben kaufen wollte. Das heißt, das war eigentlich, dieser 11. Februar war ein überaus positiver Tag für die Frau. Sie kannte den Täter, das wissen wir jetzt heute. Bevor wir aber über das Verhältnis von den beiden sprechen, lasst uns nochmal kurz auf die Ermittlungen schauen, denn der Tatverdächtige damals, der wurde ja ziemlich schnell ermittelt. Wie sind die Ermittler ihm auf die Spur gekommen? Ja, es war nicht allzu schwer, weil nämlich die Tat, so wie sie dann letztendlich begangen ist, ist nichts gewesen, was irgendwie in irgendeiner Weise überraschend kam, sondern der Plan, die Tatausführung lag auf dem Tisch und war auch Polizei bekannt. Das heißt, der Täter, über den wir noch sprechen werden, Charles K., hat zwei Jahre zuvor, drei Jahre 2021, Ende 2021, diese Frau eben kennengelernt und hatte dann Ende 2023, also ein Jahr, ungefähr ein Jahr, drei Monate vor der Tat, seine Tat angekündigt. Gegenüber den Sozialarbeitern, die ihn betreut haben, hat er praktisch erstens gesagt, dass er sie umbringen wird und er hat auch gesagt, wie er sie umbringen wird. Und daraufhin haben die ja auch das Ordnungsamt dann verständigt. Es kam zu der ersten der großen Fehleinschätzungen, über die wir sicher noch sprechen werden. Und insofern war das klar, dass eigentlich niemand anderes da in Betracht kommt. Man hat dann, sehr schnell auch die Überwachungskameras ausgewertet vom Erotik-Kino, aber es gab auch andere Überwachungskameras, die den Weg von ihm zum Tatort lückenlos verfolgt haben. Das heißt, das ist eine Überwachungskamera von einem Autohaus gewesen auch, wo er am Gehweg vorbeigegangen ist. Man konnte ihn auf den Überwachungsvideos nicht sehen. Also er war komplett vermummt, hatte wie gesagt eine FFP2-Maske auf und war mit einer Kapuze begleitet und hatte diesen schwarzen Poncho an. Aber besonders durch dieses Foto, das diese Nachbarin gemacht hat, konnte man Rückschlüsse auf seine Körpergröße ziehen. Und die ist sehr auffällig. Charles K. ist nur 1,54 Meter groß. Und insofern war das auch relativ klar. Das SEK hat dann am nächsten Tag schon seine Wohnung gestürmt. Man hat dann auch sofort Gegenstände gefunden, die auf eine Tatbeteiligung schließen lassen. Das heißt, man hat den Poncho gefunden, mit dem er eben gefilmt wurde. Man hat FFP2-Masken gefunden und man hat vor allem Messer gefunden. Man hat gesehen, dass diese Messer zuvor erstens geschliffen wurden. Es gab eine Schleifmaschine, die auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer stand. Und man hat auch gesehen, dass seine Kleidung, die war zum Trocknen aufgehängt, dass sie kurz zuvor, bevor das SEKM das gestürmt wird, intensiv gereinigt wurde. Und letztendlich hat man dann auch DNA-Reste des Opfers an dieser Kleidung und auch an einer Messerscheide und so weiter gefunden. Also die Tatbeteiligung von Schalka stand nie zur Frage. Im Juli begann dann der Prozess gegen Schalka. Er wurde wegen Mordes angeklagt und du hast ihn dann im Gerichtssaal ja erlebt. In deinen Texten hast du es auch immer wieder geschrieben. Er hat keine Mine verzogen, hat da stoisch nach vorne geguckt, hatte am ersten Tag auch so eine Kapuze auf, die er dann runternehmen musste. Bevor wir jetzt über seine Person sprechen, erzähl doch mal, wie wirkte der auf dich, als er da im Gerichtssaal saß? Es ist gruselig gewesen. Man kann sich das, glaube ich, gar nicht vorstellen, so von außen. Da kommt ein Mensch in den Gerichtssaal am ersten Tag. Er hatte diesen weißen Kapuzenpulli an, den er fortwährend an jedem einzelnen Sitzungstag wieder getragen hat. Das ist fast so eine Art Markenzeichen von ihm geworden. Kapuze tief ins Gesicht gezogen und die Kapuze hat er auch nicht abgenommen. Und das war auch tatsächlich das einzige Versäumnis, das sich dem Vorsitzenden Richter auch angreifen würde. Er hat das lange durchgehen lassen. Also diese Kapuze wurde nicht abgenommen, als zum Beispiel die Anklage verlesen wurde, als die ersten Zeugen auch angehört wurden. Und erst nach so einem, ja, nach zwei Stunden des Prozesses hat dann der Vertreter der Nebenklage, Herr Kirpes, dann auch gesagt, dass er den Vorsitzenden Richter doch bittet, dass er darauf hinwirkt, dass die Kapuze abgenommen wird, weil nämlich seine Mandantschaft, also die Nebenkläger, ihm gerne in die Augen schauen möchten. Und das hat er dann aber auch sofort gemacht. und zum ersten Mal hat man dann dieses Gesicht von Schalker gesehen. Er hatte damals schon so einen kleinen Vollbad, der ist im Laufe des Prozesses deutlich länger geworden. Er hat fortwährend, während jedem einzelnen Sitzungstag praktisch nur in eine Richtung geschaut. Er hat nie irgendeine Form der Mimik gezeigt. Also er hat weder sich mal aufgestützt, seinen Kopf aufgestützt, er hat sich nicht geräuspert, er hat nie husten müssen, er hat nie niesen müssen, er hat nie seine Sitzposition verlagert. Also unser Eins setzt sich ja mal so ein bisschen von links nach rechts und so weiter, einfach nur um ein bisschen bequemer zu sitzen, man schlägt die Beine auch übereinander. Das hat er nie gemacht. Also er saß praktisch stundenlang und manche Prozesse, die gingen ja von 9 Uhr morgens bis um 17.30 Uhr, hat er nie einmal seine Sitzposition verlagert. Das einzige Mal, wenn er das gemacht hat, ist nämlich, wenn Bilder gezeigt wurden. Die wurden dann mit so einem Projektor hinter die Richterbank projiziert. Und dann hat er dann ganz interessiert, hat er dann seinen Kopf verlagert und hat dorthin geschaut. Und daran sieht man auch, dass er nicht irgendwie weggetreten war, dass er nicht irgendwie in so einer Art von Delirium war, dass er nicht unter Medikamenteneinfluss stand und neben sich stand irgendwie, Sondern der hat den kompletten Prozess extrem aufmerksam und fokussiert und konzentriert verfolgt und hat einfach diese Fähigkeit einer absoluten, jederzeitigen Körperkontrolle. Es ist besonders dann auffällig gewesen, als die eine Zeugin ausgesagt hat, eine Frau aus dem Ordenau-Kreis, vielleicht sprechen wir über die auch noch nachher, die eine Zeugin. Ja, eine Art von Jugendliebe von ihm war, über die er über Jahrzehnte hin, in die er verliebt war, die seine einzige Stütze war auch und die einzige, die über, ja, fast sein ganzes Leben zu ihm gehalten hat auch. Eine, ja, sehr interessante und, ja, sehr reflektierte Frau. Und man könnte ja eigentlich denken, dass er wenigstens mal sie anschaut, aber auch das hat er nicht getan. Also zu keinem Zeitpunkt. Er hat immer auf einen Punkt gestarrt. Und ich hatte mal mit seinem Verteidiger gesprochen, wie der das eigentlich schafft. Und ein Verteidiger, der ja auch ziemlich am Ende mit seinem Latein war, hat gesagt, ich soll mal auf seine Hände schauen. Und hat mir dann gesagt, seine Hände, die ja unter der Bank waren, die konnte ich nicht so richtig sehen, würden anscheinend in einer Art Meditationshaltung liegen, die er aus asiatischen Kampfkünsten kenne. Also man weiß, Schalka hatte ein großes Faible für Manga-Comics, war da wohl ein bisschen interessiert eben an asiatischen Kampfkünsten auch und hat da wohl irgendwie eine Art von Meditationstechnik, sich erarbeitet, mit der er es schafft, auch in emotional anspruchsvollen Situationen praktisch regungslos einfach zu verharren, aber ich sage das nochmal, nicht in einem Delirium, nicht, dass er neben sich stand, sondern wirklich, er hat zu jedem Zeitpunkt den Prozess komplett verfolgt und wusste jederzeit, wann er zum Beispiel, wenn Fotos gezeigt wurden, den Kopf dann auch mal heben kann. Aber er ist komplett passiv geblieben. Er hat sich zu nichts geäußert, weder zur Person noch zur Sache. Auch sein Verteidiger sollte sich nicht äußern. Er sollte sogar nicht mal Fragen stellen, die ihn möglicherweise sogar hätten entlasten können. Also keinerlei Beteiligung von ihm am Prozess. Also das habe ich den Verteidiger natürlich auch gefragt und selbstverständlich hat er gesagt, das hat er in seinem Leben noch nicht gehabt und ich glaube, es gibt nicht viele Verteidiger in Deutschland, denen jemals aufgetragen wurde, keine Rückfragen zu stellen, selbst wenn die entlastend sein sollten. Also es ist ein Symbol gewesen. Es ist ein Symbol, dass Schalke sich diesem Prozess komplett verweigern möchte und zwar bis zur letzten Konsequenz. Und das muss man schon sagen. Also ich meine, das, was er tut, das zieht er auch durch. Also das zieht er, wie gesagt, in aller Konsequenz auch durch. Ob das jetzt die fehlende Mimik ist oder ob das eben die Tatsache ist, dass er seinem eigenen Verteidiger aufträgt, keinerlei Rückfragen zu stellen. Also es geht ja so weit, dass der Verteidiger nicht mal plädieren durfte. Also der durfte nicht mal die Fakten irgendwie einordnen und dann eben Entlastendes dann auch vorbringen. Und das ist schon eine einmalige Sache. Also er selber hat sich nicht geäußert, aber trotzdem wissen wir ja ein bisschen was über Schalke H. Was ist das, was wissen wir über ihn? Also es ist schwierig, sich ein Bild zu machen, weil alles, was wir über ihn erfahren haben, stammt ja nicht von ihm selber, sondern stammt von eben Zeugenaussagen, die ihn kennen. Also wir wissen auf jeden Fall, er war zum Tatzeitpunkt 42 oder 43 Jahre alt. Und er ist in Frankreich aufgewachsen, in einem Vorort von Paris, stammt wohl aus einer durchaus wohlhabenden Familie. Also keine Familie, die irgendwie, ich sag mal, in den Banlieues gelebt hat, Sozialhilfe gehabt hat oder nicht, sondern eine Familie, die nach außen hin wohl angesehen war, die durchaus auch, jetzt nicht übermäßig reich, aber durchaus auch wohlhabend war, gut situiert zumindest und nach außen immer diesen Schein gewahrt hat einer glücklichen und gefestigten, normalen bürgerlichen, so würde ich sagen, Familie. Wir wissen aus den Zeugenaussagen dieser Zeugin, von der ich schon gerade gesagt habe, die mit Charles K. Seit der 12. Klasse in die Schule gegangen ist, Das ist eine deutsch-französische Schule übrigens in einem Pariser Vorort. Dass das wohl nur ein Schein war, dass es wohl ein großes und hohes Maß an Gewalt in dieser Familie gab. Das heißt, wir wissen, oder zumindest hat die Zeugin das ausgesagt, dass der Vater und Mutter wohl sehr gewalttätig gegeneinander waren und sich gegenseitig ins Krankenhaus geprügelt hätten. So hat sie das gesagt oder so hat Charles K. Ihr das gesagt. Wir wissen, dass. Das Verhältnis der Eltern zu Schalkal wohl sehr getrübt war. Also auch er ist wohl ein Opfer von Misshandlung gewesen, von Gewalt, hat wohl Gewalt auch erlebt. Es ist ein bisschen angeklungen, dass der Vater ihn wohl auch sehr wegen seiner Körpergröße drangsaliert hat, weil wie gesagt, er ist 1,54 m nur groß und dem Vater hat das wohl nicht gepasst und er hat ihn wohl auch da gemobbt, kann man sagen. Aber auch das, wie gesagt, wissen wir nur aus den Zeugenerzählungen. Ob das wirklich so war oder ob das einfach nur so eine Schutzbehauptung war, das kann man nicht sagen. Insofern muss man das alles mit Vorbehalt einfach nur betrachten. Wir wissen, dass er dann erst mal ein Jahr Jura studiert hat in Frankreich, alles noch in Paris. Und das Jurastudium aber geschmissen hat und dann im Betrieb seines Vaters mitgearbeitet hat. Sein Vater hatte ein Maklerbüro und da hat er dann mitgewirkt. Es war in dieser Zeit auch, als sich da ein Nachbarschaftsstreit zwischen den Eltern und eben dem unmittelbaren Nachbarn dann ergeben hat. Und dieser Nachbarschaftsstreit ist so eskaliert, ja, da war wirklich so große Wut und Hass gegeneinander und als der Vater dann mal nicht da war, hat Charles K. Dann das Jagdgewehr seines Vaters genommen, ist zum Nachbarn gegangen und hat den mit, ich glaube, insgesamt 14 Schüssen niedergestreckt. Auch da sieht man wieder, das ist eine klassische Übertötung gewesen. Also das war nicht einfach nur ein Kopfschuss, sondern der hat den wirklich 14 Mal abgeknallt. Und hat wohl bis zum Schluss, das hat er auch gegenüber der Zeugin eben gesagt, keine Reue empfunden über diese Tat. Sondern er hat immer gesagt, dieser Nachbar war unausstehlich und er hätte seine gerechte Strafe praktisch empfangen. Ja, wir wissen dann, er wurde dann wegen Mordes in Frankreich angeklagt, hat auch dort eine lebenslange Haftstrafe bekommen, was auch in Frankreich 15 Jahre heißt. 2004 war das, ist dann aber 2015 schon entlassen worden. wurden. Also auch da gibt es eben die Möglichkeit, dass man vorzeitig entlassen wird, wenn da irgendwie eine günstige Sozialprognose ist. Und die war wohl günstig und Charles K. hat ja diese unglaubliche Fähigkeit, auch völlig normal zu wirken. Und wahrscheinlich zu 99% oder 99,9% ist der völlig normal. Und auch die Sozialarbeiter und auf die Gutachter kommen wir auch noch zu sprechen, die attestieren ja alle, dass er nicht nur ein normaler Mensch ist, sondern sogar ein sehr umgänglicher, ein sehr höflicher Mensch, ein sehr freundlicher Mensch und das hat auch die Zeugin gesagt. Also die Zeugin hat gesagt, dass sie ihn nur als einen sehr liebevollen Mensch kennt, der mit ihrer kleinen Tochter auch gespielt hat, der sehr umgänglich war, sehr respektvoll, der im Haushalt mitgeholfen hat. Und es scheint ein Mensch zu sein, der einfach zwei Gesichter hat. Und er ist dann 2015, wie gesagt, entlassen worden, ist orientierungslos gewesen. Die Zeit im Gefängnis hat ihm gut getan. Das hat er auch immer gesagt. Er hatte eine feste Tagesstruktur, die hatte er davor nicht. Und dann plötzlich kommt er raus und weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Daraufhin ist er erstmal nach Deutschland gegangen, nach Schwäbisch Gmünd. Da hatten seine Eltern wohl ein Haus. Und da konnte er dann leben und war aber einsam und ging ihm nicht gut. Und daraufhin hat die Zeugin ihn dann in die Ortenau geholt. Hat gesagt, kannst du erstmal bei mir bleiben. Und er hat das Angebot angenommen, aber nach ein paar Wochen hat die Freundin dann auch gesagt, du kannst jetzt nicht dauerhaft, das ist keine dauerhafte Lösung. Gleichzeitig hat sich sein Gesundheitszustand, sein psychischer Gesundheitszustand auch sehr stark verschlechtert. Er hat suizidale Gedanken bekommen, stark depressive Gedanken und die Zeugin hat dann irgendwann zu ihm gesagt, so geht es nicht weiter. Du brauchst jetzt ärztliche Hilfe und sie hat ihn dann mit seiner Zustimmung dann auch in diese Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg gebracht, wo er dann auch in Behandlung kam. Und dort kreuzen sich auch erstmals die Wege der Therapeutin und von ihm, oder? Das ist nicht so ganz klar, weil diese Zeit von 2016 bis 2024, diese Zeit in Deutschland, wo er dann auch in der Ortonau war, das ist eine Zeit, in der er ein sehr unstetes Leben gehabt hat. Das heißt, er war immer wieder mal mehrere Monate in der Lindenhöhe zur Behandlung. Es gab noch eine andere Klinik, in der er zeitweise dann auch untergebracht war, auch im Ortenau-Kreis. Und dann war er immer wieder auch in betreuten Wohngruppen. Er war in Oberkirch zum Beispiel in einer Wohngruppe dann auch zwischendurch immer wieder einmal untergebracht. Und da ist er dann auch auffällig geworden tatsächlich. Er hatte einen Zwist mit einem weiteren Mitbewohner. Von dem hat ihm der Blick nicht gefallen. Also der hat ihn wohl angeguckt auf eine Art und weiß, die ihm nicht gefallen hat und daraufhin hat er den Plan gefasst, dem mal praktisch eine Lektion zu erteilen. Also sieht man auch wieder, das war geplant, er hat sich extra einen Boxhandschuh dafür gekauft, hat das genau durchgeplant und hat dann in einem Moment, den er auch davor definiert hat, also nicht in einer Affekt-Tat, in einer Tat aus Wut, sondern praktisch in einer davor geplanten Tat mit diesem Boxhandschuh ihm voll ins Gesicht gehauen. Und er ist dafür auch verurteilt worden wegen, ich glaube, gefährlicher Körperverletzung sogar. Und ja, wie gesagt, dann ist er immer mal wieder dann auch in verschiedene Betreuungseinrichtungen und verschiedene Kliniken gekommen und ist dann eben 2021 dann wieder einmal in der Lindenhöhe gewesen. Und das weiß man, 2021 hat er dann diese Psychotherapeutin dann auch getroffen. Und was ist über das Verhältnis der beiden bekannt? Es ist über das Verhältnis der beiden fast nichts bekannt. Weil die eine Seite ist tot und die andere Seite spricht nicht. Auch da weiß man nur das, was er zum Beispiel zu seinen Sozialtherapeuten gesagt hat, die ihn ja betreut haben. Man darf nicht vergessen, Schaltkei ist dauerhaft arbeitsunfähig gewesen, hatte teilweise 50% Schwerbehinderung, auch aufgrund seiner psychischen Problematiken, die man gar nicht so richtig greifen konnte damals. Also es waren so verschiedene Symptome und so weiter. Und man weiß dann auch, dass er unzufrieden war mit der Therapie der Frau. Aus Gründen, die nicht klar geworden sind. Also er hat wohl auch zu verschiedenen Vertrauenspersonen, wie gesagt Sozialarbeitern gesagt, dass diese Therapie von ihr falsch gewesen sei. Und er hat einmal, und das ist vielleicht so das Spannendste gewesen, was die Sozialtherapeuten gesagt haben, auch einem Sozialtherapeuten gesagt, dass er vermutet, dass sie gemeinsame Sache macht, also die Therapeutin eine gemeinsame Sache macht mit einem Wärter, den er bei seinem Aufenthalt in dem französischen Gefängnis macht. Kennengelernt hat und dieser Wärter sei angeblich in illegale Machenschaften verstrickt gewesen. Er hätte die Gefängnisleitung auch auf diese illegalen Machenschaften aufmerksam gemacht. Daraufhin sei dieser Häftling wohl verlegt worden und hätte ihm dann aber mit dem Tod gedroht. Und er hat dann eben später zu einem Sozialtherapeuten gesagt, dass diese Psychotherapeutin gemeinsame Sache mit diesem Wärter machen würde und ihn hypnotisieren würde. Also einmal hätte angeblich in einer Therapiesitzung dieser Wärter sogar per Telefon zugeschaltet gewesen. Und um diese Erinnerung aus seinem Gedächtnis zu löschen, hätte die Therapeutin ihn hypnotisiert. Also man sieht, dass es völliger Blödsinn ist. Es hat die Opferfamilie auch nochmal klargestellt, dass diese Frau überhaupt keine Ausbildung in Hypnose-Therapie oder in Hypnose allgemein hatte. Das ist also eine komplett wirre Vorstellung, die er da hatte. Da gibt es überhaupt keine Indizien. Es kann ja durchaus sein, dass an diesem Narrativ des korrupten Wärters was dran ist. Aber, also des Häftlings und des korrupten Wärters, dass da was dran ist, dass die da gemeinsame Sache gemacht haben und illegale Aktivitäten verstrickt waren. Aber dass es irgendwelche Verbindungen gab zu dieser Psychotherapeutin, die ja hunderte von Kilometern entfernt gelebt hat und von der Sache überhaupt nichts wusste, das ist praktisch komplett ausgeschlossen. Und aus dieser Wahnvorstellung heraus hat sich dann ein Hass auf diese Therapeutin entwickelt. Ja, man muss da ganz stark aufpassen. Ja. Also ich bin ein Redakteur, ich habe keine psychologische Ausbildung. Deswegen ist das sehr schwer für mich, da so eine psychotherapeutische Einschätzung zu geben. Aber das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen während des Prozesses hat ja auch ergeben, dass er diese Tat nicht in einem wahnhaften Zustand ausgeübt hat. Das heißt, wenn ich in einem Wahn bin, dann habe ich keine Kontrolle mehr über mich. Ich sehe dann plötzlich den Teufel an der Wand in einer Person und ich kann das nicht mehr kontrollieren und ich muss da sofort etwas dagegen tun. Bei ihm ist das aber nicht so gewesen. Das heißt, dieser Wahnzustand oder diese Vorstellungen mit dieser Hypnose und so weiter waren wohl nicht so stark, dass er sofort zur Tat schreiten musste. Sondern er hat es meiner Meinung nach über einen mehrmonatigen Prozess, vielleicht sogar über ein Jahr, hat er diese Tat geplant. Und so akribisch durchgeplant auch, dass es eigentlich schon einen wahnhaften Zustand ausschließt, weil es eben eine Operation, also so eine generalstabsmäßige Vorbereitung braucht, das ist wie gesagt wie eine militärische Operation durchgeführt gewesen, das Ganze. Und deswegen würde ich nicht so weit gehen zu sagen, dass er das in einem, ja, dass das sein Hass so groß war, dass er das aus einem Wahn heraus gemacht hat. Ich glaube, das ist meine Vermutung, diese Frau, diese Psychotherapeutin hatte wohl, ja, Angst vor ihm und hat auch der Klinikleitung empfohlen, ihn in die geschlossene Abteilung zu verlegen. Sie hat gesagt, dieser Mann ist manipulativ und dieser Mann ist gefährlich. Und das muss er wohl mitbekommen haben. Und ich glaube, das ist etwas gewesen, wo er einfach unglaubliche Wut entwickelt hat und Rache-Gedanken. Und ich glaube, das ist etwas, was Schalka unglaublich antreibt. Das hat man bei der vorherigen Tat in Frankreich mit dem Nachbarn auch gesehen. Also wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, wenn jemand ihn wütend macht. Dann entwickelt er eine große Wut. Keinen Wahn, aber eine Wut. Und diese Wut, die nagt an ihm und die führt eben auch dazu, die kann auch durchaus, wie man jetzt gesehen hat, ein Jahr lang anhalten, dass er dann so eine Tat dann auch bis zum Ende in aller Konsequenz dann auch durchzieht. Was du jetzt schon angedeutet hast mit der Warnung quasi in der Klinik, der Mann sei gefährlich. Das ist ja auch was, was sich dann gezeigt hat im Laufe des Prozesses, dass das an mehreren Stellen irgendwie deutlich wurde. Also die getötete Psychotherapeutin hat das angemerkt in der Klinik. Sein Betreuer hat sich zurückgezogen, weil der Mann ihm unheimlich war. Ja. Das heißt, er hat, das hattest du auch schon gesagt, seine Mordfantasien gegenüber der Therapeutin offen irgendwie kommuniziert. Die Therapeutin wusste darüber dann auch Bescheid, weil er die Polizei Bescheid gesagt hatte. Aber trotzdem ist irgendwie nichts passiert. Kannst du diesen Komplex des Falls mal ein bisschen darstellen? Also es gibt ja irgendwie diese diffuse Bedrohungslage, die teilweise sogar ziemlich konkret ist, aber irgendwie passiert nichts. Ja, ich glaube, das ist überhaupt das grundlegende Merkmal dieses Prozesses. Also dieser Prozess war in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Das ist einerseits natürlich die Tatausführung selbst, das ist dann natürlich auch das Verhalten des Angeklagten. Aber dann, und das ist der dritte große Komplex, der diese Takt eben sehr bemerkenswert macht und auch diesen Prozess sehr bemerkenswert gemacht hat, ist die Frage, hätte das Leben dieser Frau gerettet werden können? Und da gibt es durchaus viele Meinungen, zum Beispiel von der Nebenklagevertretung auch, die sagen, ja, dass das Leben hätte gerettet werden können, wenn die beteiligten Stellen anders und besser und vor allem konsequenter gehandelt hätten. An der Stelle wollen wir kurz den Vertreter der Nebenklage hören. Reinhard Kürpes, Rechtsanwalt aus Offenburg, hat die Familie der getöteten Therapeutin im Prozess vertreten. Michael Saurer hat mit ihm gesprochen. Kürpes fasst die Gefühlslage der Familie nach dem Prozess so zusammen. Also sie sind, sage ich mal, sehr beruhigt, dass der Angeklagte wohl auf absehbare Zeit nicht mehr freikommen wird. Davor hatten sie Angst. Rachegefühle habe ich bei denen überhaupt nicht verspürt. Die wollten einfach ein faires Verfahren und wollten, dass eine entsprechende Verurteilung erfolgt, was ja auch so geschehen ist. Aber für die Familie war das vor allem wahnsinnig wichtig, die Frage, hätte dieser Tod verhindert werden können? und das war auch die zentrale Frage des Prozesses. Als sie mir das zum ersten Mal gesagt hatten, bevor ich die Akten hatte, habe ich gedacht, das ist die übliche Reaktion. Also da ist man natürlich als Anwalt jetzt wieder misstrauisch und geht da einigermaßen distanziert an diese Fragen heran. Aber am Ende dieses Prozesses muss ich tatsächlich sagen, es hat gewaltige Versäumnisse gegeben und ich kann mit der Familie nur dahingehend einig sein, dass der Tod hätte verhindert werden können. Also das Ganze fing schon an in dieser Zeit in der Klinik an der Lindenhöhe, wo eben die Therapeutin so hellsichtig war, sage ich mal, dass sie die Gefährlichkeit und die Manipulationsfähigkeit von Schalker erkannt hat, sich an die Klinikleitung gewandt hat und gesagt hat, Leute, der ist gefährlich, verlegt den in die geschlossene Abteilung, weil da geht eine Fremdgefährdung von dem Mann aus. Und sie hat kein Gehör gefunden. Man hat das nicht ernst genommen. Dann ging das Ganze weiter. Und zwar bis Ende November 2023. Als er dann gegenüber seinen Sozialtherapeuten, die ihn betreut haben, gesagt hat, dass er diese Frau umbringen möchte. Und wie gesagt, der Plan lag auf dem Tisch. Er hat gesagt, wie er das machen möchte und so weiter. Und hat auch noch mal deutlich gemacht, dass die Therapeuten selber keine Angst haben müssten, sondern dass nur sie praktisch für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen würde von ihm. Ja, und die Sozialtherapeuten, und das zieht sich wie so ein roter Faden durch den ganzen Prozess, behaupten auch oder nehmen für sich auch einen Anspruch, gehandelt zu haben. Alle beteiligten Stellen sagen, sie haben gehandelt. Aber die Frage ist immer, haben sie alle so gehandelt, wie sie hätten handeln sollen letztendlich? Also die Sozialtherapeuten sagen, okay. Wir wissen den Namen des Opfers, wir wissen, wie die Tat ausgeführt werden soll und sie melden das ans Ordnungsamt. Also sie hätten natürlich auch die Frau selber warnen können und sich mit der in Verbindung setzen können. Das haben sie aber nicht gemacht, weil sie sagen, das dürfen sie nicht wegen Verschwiegenheitspflicht und so weiter. Da gibt es ja auch eine Schweigepflicht von den Sozialtherapeuten gegenüber und Datenschutz und so weiter. Oder das sind so diese klassischen Erklärungen, die dann immer geäußert wurden während des Prozesses, warum man nicht mehr gemacht hat. Gut, also auf jeden Fall, sie haben sich ans Ordnungsamt gewendet. Und das Ordnungsamt hat daraufhin dann auch eine psychiatrische Begutachtung von Schalka veranlasst. Und diese psychiatrische Begutachtung, die hat ein niedergelassener Psychiater, ein Gutachter, hat das eben gemacht auf Weisung der Stadt Offenburg, kam dann zu dem Schluss, dass von ihm keine Fremdgefährdung ausgeht. Ich habe das Gutachten nicht vor mir vorliegen, wir haben da keine Einsicht bekommen als Besucherjournalisten, aber nach allem, was man im Prozess eben mitbekommen hat, war wohl das Gutachten so ausgefallen, dass man gesagt hat, naja, als er das erzählt hat, war er gerade in einer akuten psychotischen Phase gewesen und diese psychotische Phase sei abgeklungen gewesen, das heißt, es besteht keinerlei Fremdgefährdung mehr. Also er hat das wohl abgestritten, er hat wohl gesagt von wegen, ja, habe ich es so gesagt, aber meine ich eigentlich gar nicht so. Und der Gutachter hat ihm Glauben geschenkt. Und ein halbes Jahr später, im Juni 2024, kauft er sich dann... Ein Messerset, ein hochwertiges Messerset und eine Kampfmontur. Also diese Kampfmontur besteht aus einer taktischen Weste, aus taktischen Handschuhen. Also Sachen, mit denen man wirklich in den Krieg zieht. Er hat sich in einem Online-Shop gekauft für einen, wie gesagt, vierstelligen Betrag, was für ihn natürlich unglaublich viel Geld ist. Man darf nicht vergessen, der Mann hat von Sozialhilfe gelebt und hat auch einen sehr, sehr sparsamen Lebensstil gehabt. Also hat wirklich überhaupt keinen Luxus gehabt, hat sich auch nichts daraus gemacht, Sein Kühlschrank war fast leer, mit Ausnahme von mehr als acht Flaschen von Pferdeblut, die im Gefrierfach waren, aus Gründen, die sich niemand erklären kann. Das ist bis zum Letzten komplett offen geblieben. Also wie gesagt, er hatte einen sehr spartanischen Lebensstil. Und dann kauft er sich eben für diesen vierstelligen Betrag, den er wohl mit PayPal dann auch online gezahlt hat, dieses Messerset seiner Sozialtherapeuten, werden darauf aufmerksam und geben das nochmal weiter an die Stadt. Und die Stadt gibt wiederum ein Gutachten in Auftrag. Diesmal bei einer Amtspsychiaterin des Ortenau-Kreises. In Gengenbach musste da hingehen, wird dort vorstellig und diese Gutachterin kommt wieder zu dem Schluss, ja, hatte wohl eine akutpsychotische Phase, aber auch die sei wieder abgeklungen gewesen. Keinerlei Hinweise auf Fremdgefährdung. Und wieder, ich kann nur sagen, ich bin kein Psychologe, Aber meiner Meinung nach, und das spricht einiges dafür, und das sind durchaus auch der Nebenklagevertreter und vielleicht sogar sein eigener Verteidiger, hat Charles K. Durch diese unglaubliche Körperbeherrschung, die er hat, hat die Fähigkeit, Und praktisch ein völlig falsches Bild von sich zu vermitteln. Also auch die Gutachter so zu manipulieren, dass die eben auch denken, der ist ja völlig normal, das ist alles in Ordnung, der hatte mal eine schwere Phase, aber die ist jetzt vorbei. Also ich glaube, zum Zeitpunkt der Begutachtung wurden die Gutachter einfach grundlegend von ihm manipuliert und das wirft natürlich viele Fragen auf. Wenn Gutachten einfach manipuliert werden können, dann stellt sich die Frage der Validität, ganz allgemein von solchen Gutachten. Die Therapeutin wurde von der Polizei informiert, dass es diese Gefährdungslage gibt. Sie hat sich dann, das wurde auch im Prozess bekannt, dreimal an die Polizei gewendet. Aber da wurde ihr nicht geholfen, weil anscheinend dann bei der Polizei wieder unbekannt war, dass sie bedroht wird. Also das schien auch bei der Polizei irgendwas nicht ganz glatt gelaufen zu sein. Ja, das ist die nächste Stufe. Also wir haben, wie gesagt, erstens die Klinikleitung in der Lindenhöhe, dann haben wir jetzt die zwei Gutachter, die übrigens, das möchte ich auch nochmal einfügen, zu keinem Zeitpunkt mit seinem Umfeld gesprochen haben. Also diese Gutachter bei der Erstellung der Gutachten, die haben nicht mit den Sozialtherapeuten gesprochen, die praktisch täglich mit ihm zu tun haben und dann letztendlich auch selber vor ihm Angst gehabt haben. Die zum Beispiel gesagt haben, wir besuchen den nicht mehr zu Hause, sondern nur noch im öffentlichen Raum und auch nicht mehr alleine, sondern nur noch zu zweit. Das heißt, das war wohl eine Momentaufnahme. Die haben den eine Stunde lang begutachtet und das war es dann. Also das war, wie gesagt, mir fehlte ehrlich gesagt ein bisschen das Verständnis dafür. Gut, und das hat sich dann letztendlich wiederholt bei den Polizisten tatsächlich. Wir hatten ja zweimal eine Situation, ähnlich wie die Gutachten. Nämlich im Dezember 2023, als er diese konkreten Morddrohungen ausgestoßen hat gegenüber der Psychotherapeutin, gab es bei dieser Psychotherapeutin eine sogenannte Gefährdetenansprache. Das heißt, da wird ein potenzielles Opfer eben darüber informiert, dass es diese Drohungen gibt. Da kam eine Polizeibeamtin, kam zu ihr in die Praxis. Hat ihr das gesagt und hat ihr wohl auch gesagt, ja, wenn sie sich mal unwohl fühlen würde oder sowas, könnte sie jederzeit die Polizei anrufen und die würde sie dann zum Beispiel zum Auto begleiten von der Hintertür, das sind nur zehn Meter, aber würde dann über diese Zeitraum dann sie auch zum Auto begleiten und sie soll sich keine Sorgen machen. Ja, später hat sich dann herausgestellt, dass das wohl gar nicht gestimmt hat, weil es gab wohl drei Situationen, wo sie die Polizei eingerufen hat, weil sie aus welchen Gründen auch immer sich unwohl gefühlt hat. Sie hat die Polizei eingerufen und die Polizei sagt, wir wissen von dem Fall überhaupt nichts und wir können da auch nicht helfen, solange es keine konkreten Hinweise gibt auf eine Gefährdung, können wir nicht jetzt einfach sie eskortieren praktisch. Das heißt, von der gefährdeten Ansprache gab es praktisch keine weitergehenden Aktionen, dass man das in der Datenbank eingetragen hat, dass man sie zu einer besonders schützenswerten Person irgendwie erklärt hat, dass eben auch die normalen Polizisten, sage ich jetzt mal, im Polizeirevier Offenburg, dass sie über den Fall Bescheid wissen, dass bei denen schon mal die Alarmglocken hochgehen, wenn die anruft und sagt, sie fühlt sich unwohl, dass sie sofort sagen, ah ja, okay, wir wissen Bescheid, wir kommen gleich zu Ihnen. Gleichzeitig hat diese Polizeibeamtin auch, keinerlei Hinweise auf Opferschutzverbände zum Beispiel gegeben. Es gibt durchaus die Möglichkeit, zum Beispiel an den Weißen Ring zu verweisen. Die haben dann nochmal weitergehende Hinweise, zum Beispiel wie sie sich hätte verhalten können. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, ein Annäherungsverbot von Charles K. Auszusprechen. Das heißt, man weiß nicht, ob das wirklich das Leben der Frau hätte retten können. Aber es hätte eine Möglichkeit gegeben, eben über das Annäherungsverbot, das zumindest in einer Datenbank zu verankern. Und wenn er sich ihr dann eben nähert und es jemandem auffällt, dass man dann sofort eben präventiv dann auch einwirken könnte. Wurde nicht getan, sondern stattdessen hat die Polizeibeamtin einfach ihren Dienst abgespult, so wie man das halt macht, hat sie aufgeklärt und das war es dann. Daraus ist nichts erwachsen, da wurde nichts festgehalten oder sonst irgendwas. Ja, und dann war ein halbes Jahr später, ein bisschen mehr, so acht Monate, sieben, acht Monate später, gab es dann, als er die, als Aschaska die Messer gekauft hat, gab es dann eine Gefährderansprache von ihm. Das heißt, da ist ein Polizeibeamter zu ihm nach Hause gekommen, hat ihn wohl wegen der Messer befragt. Und das ja fast schon Irrwitzige an der Geschichte war, dass dieser Polizeibeamte überhaupt nicht wusste. Dass er davor Todesdrohungen gegen eine frühere Psychotherapeutin ausgesprochen hat. Das heißt, die Sozialtherapeuten, die haben das Ordnungsamt informiert, der hat sich jetzt ein Messerset gekauft. Daraufhin wurde das wohl vom Ordnungsamt so weitergegeben, da ist einer, der heißt Psychisch Beeinträchtigt, und der hat sich jetzt ein Messerset und eine Kampfmontur gekauft. Und mit diesem Vorwissen ist der Polizist zu ihm gefahren und hat eine Gefährdeansprache durchgeführt und hat ihn eben zu den Messern befragt, was er denn da vorhat. Und dann hat Charlyka gesagt, die gefallen mir halt und es ist ja auch nicht strafbar und hat wohl einen sehr, sehr guten Eindruck auch hinterlassen, war wohl sehr reflektiert und hat es erklärt, warum er die Messer hat. Also hat natürlich überhaupt nicht, und daran sieht man auch, dass er nicht in einem wahnhaften Zustand war. Wenn er in einem wahnhaften Zustand gewesen wäre, hätte er zu dem Zeitpunkt schon gesagt, ja, die habe ich, weil diese Frau muss zur Rechenschaft gezogen werden. Die muss bestraft werden. Aber das hat er eben nicht gemacht, sondern er hat sich komplett verstellt, er hat dem Polizisten einfach ein Bild von sich vermittelt, ja, er hat halt ein Faible für Messer und interessiert sich für Japan. Also er hat ein japanisches Taito-Messer zum Beispiel gekauft auch und ja und damit war der Polizist wohl zufrieden. Er hat gesagt, okay, ich habe jetzt ja meine Gefährderansprache gemacht und. Weitere Maßnahmen sind da auch nicht ergriffen worden. Wenn man das jetzt heute so hört mit dem Wissen, was danach passiert ist, da fragt man sich ja, wie kann das denn passieren? Also wie kann es dazu kommen? Gab es da irgendwie im Verlauf des Prozesses eine, annähernd zufriedenstellende Erklärung für? Nein, es gab keine zufriedenstellende Erklärung. Und das ist, glaube ich, etwas, was die Opferfamilie auch unglaublich belastet hat. Also wie gesagt, die Opferfamilie war jeden einzelnen Prozesstag im Gerichtssaal anwesend. Der Ehemann, der Vater, die Mutter, der Bruder auch. Und die haben sich Antworten erhofft. Die wollten Antworten finden, warum diese Tat eigentlich begangen wurde. Und das hat er nicht geliefert. Und das hat es für die Familie noch schlimmer gemacht. Also diese quälenden Fragen, die am Anfang des Prozesses offen waren, die waren auch am Ende des Prozesses noch offen. Also warum hat er es getan und so weiter. Und vor allem natürlich auch die Frage an die Zeugen, die jetzt eben von den beteiligten Stellen waren. Also eben, wie gesagt, die beteiligten Polizeibeamten, die die Gefährdeten oder die Gefährdeansprache durchgeführt haben, die Sozialarbeiter und so weiter. Es wurde nicht aufgearbeitet. Alle haben sich in ihrer Zeugenaussage darauf berufen, dass sie ja eigentlich tätig geworden sind. Ja, sie haben ja eigentlich was gemacht. Also das fängt an, wie gesagt, bei den Sozialtherapeuten. Die sagen, ja, wir haben ja das Ordnungsamt informiert. Das heißt, wir haben das ja getan. Dann kam die Polizeibeamtin, die die Gefährdetenansprache durchgeführt hat und gesagt hat, ja, ich habe ja die Gefährdetenansprache durchgeführt, ich habe meinen Job getan. Der Polizeibeamte, der die Gefährdetenansprache durchgeführt hat, sagt auch, ja, ich habe alles getan, ich habe alles richtig gemacht. Und alle Beteiligten haben sich zu jedem Zeitpunkt darauf berufen, dass aus ihrer Sicht eigentlich alles vorschriftsmäßig so gelaufen ist. Und das ist auch ein Fakt, der die Opferfamilie während des Prozesses unheimlich belastet hat. Am Ende haben die gesagt, wir verstehen nicht, dass keiner von diesen Zeugen, Behördenvertretern, Beamten jemals sie angeguckt hat und sich zum Beispiel für irgendwelche Versäumnisse entschuldigt hat. Oder zumindest gesagt hat, ich denke da Tag und Nacht dran, ob ich nicht doch hätte etwas anders machen sollen oder in Zukunft würde ich auf jeden Fall so und so handeln. Keiner hat das getan. Alle waren komplett selbstsicher und haben nie gesagt, dass aus ihrer Sicht da vielleicht dann doch etwas mehr hätte gemacht werden sollen. Und hier hören wir noch einmal Reinhard Kirpus, den Vertreter der Nebenklage. Er sagt, dass es auf behördlicher Seite zu Versäumnissen gekommen sei. Und alle Beteiligten, ob das die beteiligten Sozialarbeiter waren, die beteiligten Polizeibeamten, aber auch die Klinik, ganz ausdrücklich auch die Klinik und die Gutachter, die hätten anders reagieren müssen. Zumal die Gutachter, die bestellt waren im Betreuungsverfahren, die hatten ja gar keine Schweigepflicht. Es verstecken sich alle hinter ihrer Schweigepflicht und alle hinter dem Satz, wir haben getan, was unsere Pflicht war. Die Sozialarbeiter, die das definitiv wussten, die wenden sich ans Ordnungsamt. Das muss man sich mal vorstellen, ans Ordnungsamt und das Ordnungsamt natürlich. Was machen sie? Schlagen auch kein Alarm. Ein weiteres Gutachten und noch ein gutes. Wie ein roter Faden geht diese Gutachterei durch diesen Prozess. Nur an keiner Stelle wird wirklich eingegriffen insofern, als dass man sagt, man muss diesen Mann jetzt nicht prophylaktisch in Haft nehmen, kann man nicht, aber zumindest wirklich im Auge behalten. Ich weiß nicht, was, und da ist ein systemisches Problem aus meiner Sicht. Auch deshalb haben dann die Vertreter der Nebenklage ja gesagt, dass da schwerwiegende Versäumnisse und strukturelle Mängel zu erkennen gewesen seien. Also das haben die quasi aus diesen Aussagen sozusagen abgeleitet. Ja, also diese strukturellen Mängel, die sind eben insofern offenkundig geworden, weil eben auch ein Grund, der dann immer wieder angeführt wurde, eben zum Beispiel der Datenschutz sei, also der, der die Gefährderansprache durchgeführt hat, der hat gesagt, er konnte von der gefährdeten Ansprache gar nichts wissen, weil der Vorgang schon mehr als ein halbes Jahr zurück lag und so weit könnte er aus Datenschutzgründen in der Polizeidatenbank gar nicht zurückschauen. Das heißt, er könnte gar nichts wissen davon. Wenn das so stimmt überhaupt, dann ist das natürlich ein Unding. Struktureller Mangel ist da fast schon zu wenig. Und das Gleiche ist dann wie auch mit den Sozialtherapeuten, die sagen, aus Gründen der Schweigepflicht dürften sie das Opfer gar nicht selber informieren oder das potenzielle Opfer. Also es sind viele, viele Stellen gewesen, die sich hinter irgendwelchen bürokratischen Ausflüchten versteckt haben und gesagt haben, ja, leider lässt ihnen die Gesetzgebung der Bundesrepublik gar keine andere Möglichkeit. Deswegen hast du dann auch nach dem Urteil, das vergangene Woche gesprochen wurde, dass die Höchststrafe verhängt wurde, lebenslange Freiheitsstrafe, besondere Schwere der Schuld, also das heißt eine Sicherungsverwahrung nach 15 Jahren ist möglich. Deswegen hast du danach geschrieben, dass da so ein zwiespältiges Gefühl nach diesem Prozess bleibt. Einerseits irgendwie das Empfinden, okay, da wurde ein hartes und zu Recht hartes Urteil gesprochen, was irgendwie zufriedenstellend ist, aber eben dann diese andere Seite, also irgendwie bleibt da doch das Gefühl, das hätte vielleicht auch verhindert werden können. Das ist genau der Punkt. So ein Strafprozess hat ja verschiedene Ziele, sage ich mal. Da geht es natürlich zum einen darum, Recht zu sprechen und das ist getan worden. Also die Verhandlungsführung des Vortrags und Richters von Stefan Hofsitz war zu jedem Zeitpunkt äußerst souverän. Gut, das hat die ganze Kammer, die ganze Strafkammer hat das einfach wirklich sehr, sehr gut gemacht. Also das ist alles völlig in Ordnung. Aber ein Strafprozess soll natürlich eigentlich noch mehr liefern. Er soll auch Erklärungen geben. Gerade bei so einer Tat, die so unglaublich sinnlos erscheint, möchte natürlich vor allem die Opferfamilie einfach Antworten haben. Und diese Antworten wurden ihnen nicht gegeben. Im Gegenteil, die Fragezeichen sind sogar eher noch größer geworden, weil eben diese Versäumnisse oder möglichen Versäumnisse der beteiligten Stellen, Behördeneinrichtungen und so weiter halt einfach. Thematisiert wurden, die offenkundig geworden sind. Aber keiner derjenigen und der beteiligten Stellen dann eben auch sagt, daraus ziehen wir Konsequenzen. Das ist ja auch nicht, also das ist ja gar nicht die Aufgabe von einem Strafprozess, aber man fragt sich ja doch, also da muss sich doch irgendwas ändern, dass sowas nicht nochmal passiert. Ja, das sagt auch der Vertreter der Der Nebenklage. Herr Kirpes ist eben auch sehr dafür, dass sich da tatsächlich was ändert und er möchte da auch Maßnahmen ergreifen. Er hat da auch konkrete Vorschläge, zum Beispiel, was sich ändern könnte. Er sagt zum Beispiel, eine Möglichkeit wäre eine Fußfessel für solche Menschen, die auch die Drohung ausgesprochen haben. Also die Fußfessel ist eine Maßnahme, eine Zwangsmaßnahme, die es zum Beispiel in Spanien und in Frankreich schon gibt, hauptsächlich im Bereich von Beziehungsgewalt, also ehemann, gewalttätiger Ehemann gegen die Ehefrau zum Beispiel, der auch Drohungen gegenüber ihr ausstößt, der kann mit so einer Fußfessel eben belegt werden. Also auch wenn es um die Femizidprävention geht zum Beispiel. Können solche Maßnahmen getroffen werden. In Deutschland ist es wohl so, dass es einen Gesetzesentwurf gibt, der schon ausformuliert ist, der zur Abstimmung ansteht, um das eben da auch eben nachzuziehen, so wie die Nachbarländer das eben auch schon getan haben. Es ist noch nicht so weit, aber das ist zumindest in den Augen von Herrn Kirpes ist das eben ein adäquates Mittel, um zumindest solche Taten nicht vollständig auszuschließen, aber zumindest eine gewisse Hürde nochmal aufzuerlegen. Also in dem konkreten Fall, in dem Moment, wo er diese Todesdrohung ausstößt, hätte man dann zum Beispiel ihm eine Fußfessel geben können, wodurch er eben dann auch möglich wäre, ihn zu orten. Also wenn er sich dann zum Beispiel zu ihr begibt oder sowas, würde man das eben merken. Das wäre eine Möglichkeit. Ja, ganz zum Schluss des Prozesses gab es dann noch eine kleine Überraschung, denn Schalke hat seinen Verteidiger angewiesen, in Revision zu gehen. Warum war das überraschend und wie geht es weiter? Also es war komplett überraschend und war zum Schluss nochmal so eine Wolte, wo man denkt, wo man sich nur an den Kopf langt und sagt, was geht eigentlich in dem Kopf vor? Womöglich gibt es eine Erklärung, ich komme da gleich noch drauf. Gut, erste Frage, warum ist das überraschend? Ja, ganz einfach, wenn ich in eine Revision gehe, dann heißt das ja, ich bin nicht zufrieden mit dem Urteil. Und ich möchte eigentlich gerne ein anderes, ein milderes Urteil haben. Aber wenn er das angestrebt hätte, dann hätte er doch eigentlich auch seinem Verteidiger sagen können, du verteidigst mich mal anständig und du findest Entlastendes über mich. Dann hätte der Verteidiger das auch getan. Ich meine, das ist der Job des Verteidigers. Egal, wie unsympathisch der Mandant dann auch sein mag. Aber das durfte er nicht. Das heißt, es war eigentlich während des gesamten Prozesses der Eindruck vorherrschend, dass Charles K. Mit dem Prozess abgeschlossen hatte, dass er wusste, dass er eben zur höchstmöglichen Strafe auch verurteilt wird und dass er das auch für sich akzeptiert und ihm das eigentlich auch überhaupt nicht irgendwie schlimm ist. Im Gegenteil, wie gesagt, er hatte ja in Frankreich auch gesagt, dass das Gefängnis ihm gut getan hat. Insofern ist es natürlich völlig unverständlich, dass er plötzlich sagt, ich gehe in Revision und bin mit dem Urteil unzufrieden. Gut, jetzt bin ich aus juristischerlei wage ich mich trotzdem so weit aus dem Fenster zu lehnen, dass diese Revision keine Erfolg haben wird. Also da gibt es keine Aussicht. Das Urteil ist revisionssicher. Die Verhandlungsführung war souverän, war gut. Das heißt, der BGH wird diesen Revisionsantrag sicher verwerfen. Also das würde mich extrem wundern, wenn da irgendwelche Verfahrensfehler erkannt werden würden und dieser Prozess dann nochmal neu aufgerollt werden. Würde. Gut, dann kommen wir mal zu dieser Frage, was treibt ihn eigentlich an? Und. Da ist eine Vermutung, die ich eben auch gehört habe, das ist aber, wie gesagt, eine reine Vermutung ist, dass vielleicht, solange die Revision noch anhängig ist, die Haftbedingungen nicht so strikt sind. Das heißt, dass er vielleicht noch in einem Untersuchungshaftgefängnis ist und erst wenn der Prozess dann auch rechtssicher, also rechtskräftig dann zu Ende geführt wurde, er dann halt letztendlich in ein richtiges Gefängnis verlagert wird, wo dann eben auch so die schweren Jungs, sage ich mal, sind. Und das ist, wie gesagt, eine reine Mutmaßung, die ich einfach mal so in den Raum werfe, wofür es aber keine Anhaltspunkte von ihm selber gibt. Also letztendlich können wir nicht in seinen Kopf reinschauen, warum er Revision beantragt hat, ist völlig unerklärlich und auch seinem Verteidiger war das nicht bekannt. Er hat selber sehr überrascht geschaut, als ihm das gesagt wurde und hat mir dann auch gesagt, dass er es auch nicht nachvollziehen kann. Dann sage ich vielen Dank, Michael, für deine Einschätzung und für deine Zeit heute und bis zum nächsten Mal. Danke.