Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Schaffen es FDP und Grüne wieder in den Landtag?
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- 0:01Wir sind in Sachsen-Anhalt, ein agrarisch geprägtes Land. Wir haben in
- 0:06der Börde zum Beispiel seit Jahren trockene Böden, und die Bauern, die
- 0:13merken das. Sie merken, dass wir eine Klimakrise haben. Sie merken, dass wir da Schwierigkeiten
- 0:17haben. Ich bin sehr überzeugt, dass das Thema Klimaschutz in Sachsen-Anhalt
- 0:21ein sehr wichtiges ist. Wenn wir nicht im Landtag sind, dann ist
- 0:24das kein Thema mehr. Umfragen sind immer nur eine Momentaufnahme. Und in
- 0:30einem kleinen Land wie Sachsen-Anhalt, wo über die ganze Zeit eigentlich
- 0:34nie gefragt wird, bekommt man ja meistens nur sehr kurz vor der
- 0:38Wahl überhaupt solche Umfragewerte. Ich habe mir einfach angewöhnt, damit entspannt umzugehen
- 0:42und für liberale Politik zu werben. Und das ist noch nie so
- 0:46wichtig gewesen wie aktuell. Denn unsere Gesellschaft ist noch nie so unter
- 0:51Druck gewesen von Parteien, die eben nicht eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft vor
- 0:57Augen haben, sondern viel, viel mehr Staat und ganz andere Gesellschaftsformen in ihrem
- 1:02Fokus haben. Und da müssen wir, da bin ich fest überzeugt, unsere
- 1:07Positionen und unsere Punkte gegensetzen. Das sagen Susann Schibora Seitlitz, Spitzenkandidatin für Bündnis
- 1:1690 die Grünen, und Lydia Hüsgens, die Spitzenkandidatin der FDP. Zwei Parteien,
- 1:22die bei dieser Landtagswahl das Zünglein an der Waage sein könnten. Die
- 1:26große Frage ist: Schaffen sie überhaupt die 5-Prozent-Hürde oder fliegen sie
- 1:30am 6. September beide aus dem Landtag? Das wäre nicht nur für
- 1:34die beiden Parteien ein herber Schlag, es hätte auch große Auswirkungen auf
- 1:37die Sitzverteilung im Landtag. Und ich frage, ob die AfD die absolute
- 1:42Mehrheit erlangt oder nicht. Warum das so ist, mit welchen Themen die
- 1:46beiden Parteien die Wählerinnen und Wähler überzeugen wollen und wie sie auf
- 1:50die Zukunft Sachsen-Anhalts schauen, unser Thema heute bei Dazwischen. Marie, während
- 2:03ich im Urlaub war, bist du ja mit Leonard nach Magdeburg gefahren
- 2:07um mit Ministerpräsident Schulze zu sprechen. Erzähl mal, wie war das so?
- 2:11Erstmal war es natürlich ein etwas anderer Aufwand, als wir sonst aufnehmen,
- 2:15weil wir wirklich als große Crew dort hingefahren sind. Unser Produktionsteam war
- 2:20mit dabei, wir haben in der Staatskanzlei alles aufgebaut, und das ist
- 2:24natürlich schon etwas Besonderes. Und ja, dann natürlich einmal so viel Zeit
- 2:28zu haben mit dem Ministerpräsidenten, das hat man jetzt nicht alle Tage.
- 2:33Warst du ein bisschen aufgeregt? Tatsächlich nicht, weil ich habe ihn schon
- 2:35ein- oder zweimal getroffen. Deshalb war ich jetzt nicht so aufgeregt wegen des Interviews
- 2:39an sich. Musstest du Leonards Händchen halten? Nein, ich musste auch sein
- 2:44Händchen nicht greifen. Ich habe mir die Folge natürlich auch angeschaut und
- 2:47war überrascht, dass Schulze da sehr klare Worte für die Bundes-CDU
- 2:52gefunden hat. Das macht er sicherlich mit Blick auf die Umfragewerte nicht
- 2:56ganz schlecht, denn wir haben ja schon häufig darüber gesprochen, dass eben
- 2:59der Einfluss dieser Bundesebene auf die Landtagswahl sehr groß ist, und das
- 3:03wird ja auch in dieser Folge wieder ein Thema sein. Absolut. Mich
- 3:07würde aber auch interessieren, wie euch eigentlich diese Folge gefallen hat oder
- 3:11ob ihr allgemeine Hinweise, Themenwünsche oder Lob und Kritik für uns habt.
- 3:15Dann schreibt uns doch sehr gerne eine Nachricht an dazwischen at detektor
- 3:19fm. Oder ihr könnt auch einfach eine WhatsApp-Nachricht an uns schicken.
- 3:23Die Nummer findet ihr in den Shownotes. Schulze vs. Sigmund, CDU vs.
- 3:34AfD. Verfolgt man die letzten Monate, ja, da kann man irgendwie schon
- 3:38den Eindruck gewinnen, dass es bei dieser Landtagswahl nur um dieses, ich
- 3:41nenne es mal, Duell geht. Aber es treten ja deutlich mehr Parteien
- 3:45an. 15 Parteien sind zur Wahl zugelassen und werden am 6. September
- 3:50auf dem Wahlzettel stehen. Klar ist aber auch, nur die wenigsten davon
- 3:54haben echte Chancen, in den Landtag gewählt zu werden, denn sie müssen
- 3:57erst einmal die 5-Prozent-Hürde knacken. Die kann man vielleicht relativ
- 4:02einfach zusammenfassen: Nur Parteien, die über 5 Prozent der Stimmen kriegen, bekommen
- 4:06Sitze im Parlament. Alle anderen eben nicht. Damit will man sicherstellen, dass
- 4:10nicht zu viele kleine Parteien oder Kleinstparteien im Parlament sitzen, und das
- 4:15soll eben die Bildung stabiler Regierungsmehrheiten erleichtern. Ja, aber seitdem diese Regel
- 4:20mal gelassen wurde, ist ganz schön viel passiert, und genau diese 5
- 4:23Hürde wird deshalb bei der Wahl in Sachsen-Anhalt besonders entscheidend sein.
- 4:28Also die Frage danach, wie viele es eben schaffen, sie zu erreichen.
- 4:31Denn daran hängt bei der Landtagswahl noch etwas anderes, worüber wir in
- 4:35diesem Podcast schon öfter gesprochen haben: die Frage nämlich, wie hoch die
- 4:40Chancen der AfD sind, die absolute Mehrheit im Landtag zu erlangen. Aber
- 4:44was heißt denn das eigentlich? Eine absolute Mehrheit? Die absolute Mehrheit der
- 5:10Stimmen hat. Also die absolute Mehrheit der Stimmen hat. Also die absolute
- 5:13Mehrheit der Stimmen hat. Also die absolute Mehrheit der Stimmen hat. Also
- 5:14die absolute Mehrheit der Stimmen hat. Also die
- 5:15absolute Mehrheit der Stimmen hat. Benjamin Höhne von der TU Chemnitz. Mit
- 5:22hoher Wahrscheinlichkeit wird die AfD bei der Wahl nicht die absolute Mehrheit
- 5:27erreichen. Aber sie hat mit einem Ergebnis von über 40 Prozent bei
- 5:31der Wahl die Chance, die absolute Mehrheit im Landtag zu bekommen. Und
- 5:36das hängt damit zusammen, dass das Wahlergebnis nicht eins zu eins in
- 5:40Mandate umgerechnet wird. Das geht ja gar nicht, weil wir ja nur
- 5:44über eine geringe Anzahl von Mandaten insgesamt sprechen. Allein deswegen kommt es
- 5:48schon zu Verzerrungen. Und größere Verzerrungen gehen damit einher, dass nicht alle
- 5:53Parteien, die antreten, auch Sitze bekommen. Und die fallen weg. Und dann
- 5:58heißt es, den Parteien, denen es gelungen ist, über die fünf Prozent
- 6:01Sperrklausel zu kommen, die kriegen dann alle sozusagen noch etwas obendrauf. Es
- 6:05geht also um die absolute Mandatsmehrheit. Im aktuellen Landtag gibt es 97
- 6:09Sitze. Für eine Partei, die an der fünf Prozent scheitern wird, werden die übrigen
- 6:18Sitze anteilig auf die Parteien verteilt, die in den Landtag einziehen. Je
- 6:23mehr kleine Parteien bei vier Prozent, drei Prozent oder 4,8 Prozent
- 6:28nicht reinkommen, desto höher die Wahrscheinlichkeit für die AfD, mit einem Prozentergebnis
- 6:34von etwas über 40 Prozent die absolute Mandatsmehrheit zu bekommen. Und die
- 6:39absolute Mandatsmehrheit, die ist wiederum dafür wichtig, dass sie ohne Kompromisse mit
- 6:45anderen Parteien eingehen zu können oder zu müssen, den Ministerpräsidenten stellt. Dass
- 6:51eine rechtsextreme Partei den Ministerpräsidenten stellt, das wollen die demokratischen Parteien im
- 6:56Landtag von CDU, SPD über Linke bis FDP und Grüne natürlich verhindern.
- 7:01Da sind sich auch alle einig. Das Zünglein an der Waage könnten
- 7:05dabei vor allem die letzten beiden werden. Nur wird es aufgrund eben
- 7:08dieser Fünf-Prozent-Hürde gerade für sie verdammt eng. Ja, und wie
- 7:12eng, das zeigen die neuesten Zahlen von Infratest DiMAP. Am 30. Juli
- 7:16hat das Meinungsforschungsinstitut noch einmal einen Ländertrend für Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Laut
- 7:21dem käme die AfD auf 41 Prozent der Stimmen, die CDU auf
- 7:2524 Prozent, die Linke auf 13, die SPD auf 7, die Grünen
- 7:29landen bei 5 Prozent. Das BSW lag in der Umfrage bei 4
- 7:33Prozent und würde damit ebenfalls den Einzug in den Landtag verpassen. Sollte
- 7:38das BSW über 5 Prozent kommen, hätte auch das Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt,
- 7:42weil das BSW sich ausdrücklich offen für eine Zusammenarbeit mit der
- 7:46AfD zeigt. Die FDP, die wir als aktuell im Landtag vertretene Partei
- 7:51und auch mitregierende Partei in dieser Folge anschauen, war in der Umfrage
- 7:54gar nicht mehr ausgewiesen. Das bedeutet, dass sie bei der Umfrage weniger
- 7:57als drei Prozent der Stimmen bekommen hat. Zum Vergleich: Im Sachsen-Anhalt
- 8:01Trend vom Mai landeten die Grünen bei 4 Prozent, das BSW ebenfalls
- 8:06bei 4 Prozent. Die FDP wurde auch da schon nicht ausgewiesen. Das
- 8:10sind also kritische Zahlen, und da stellt sich natürlich die Frage, wie
- 8:14führt man eigentlich einen optimistischen, motivierenden Wahlkampf, wenn die Aussichten alles andere
- 8:20als vielversprechend sind? Unsere Mitglieder sind on fire, also unsere Mitglieder sind
- 8:24hoch optimistisch. Man könnte ja angesichts der Wahlprognosen auch sagen, die machen
- 8:29sich vielleicht Sorgen und sind ein bisschen ängstlich oder so. Gar nicht!
- 8:33Also wir sind alle durch die Bank weg komplett überzeugt, dass wir
- 8:36das am 6. September schaffen. Das sagt Susann Schibora Seitlitz, die Spitzenkandidatin
- 8:41der Grünen in Sachsen-Anhalt. Die ist in Ostberlin geboren, ist 2008
- 8:46der Liebe wegen in den Harz gezogen, nach Quedlinburg. Und wenn man
- 8:50sich mit ihr unterhält, dann merkt man schon auch, dass sie sich
- 8:52da so richtig zu Hause fühlt. Ja, da sehe ich Parallelen zu
- 8:56Lydia Hüskens. Die ist geboren in Gädern in Nordrhein-Westfalen, lebt und
- 9:00arbeitet aber seit der Wende in Sachsen-Anhalt und sagt auch ganz
- 9:03klar: Dieses Bundesland ist meine Heimat. Und sie hat mit der FDP
- 9:06auch schon wirklich viel durchgemacht, kann man sagen. 1989 ist sie eingetreten,
- 9:10seit 1994 ist sie im Kreisverband Magdeburg. Sie war schon Landtagsabgeordnete, sie
- 9:16war Stadträtin, aktuell ist sie Ministerin für Infrastruktur und Digitales. Und die
- 9:20FDP ist in all der Zeit immer mal wieder in den Landtag
- 9:23eingezogen, aber auch rausgeflogen. Ich mache Politik in Sachsen-Anhalt schon seit
- 9:29fast 30 Jahren, und ich glaube, ich bin in keinen Wahlkampf gestartet,
- 9:33ohne dass man mir erzählt hat: Oh, das wird nix. Also wenn
- 9:36Sportler so unterwegs wären, dann würden wir beim Rennen immer nur einen
- 9:39sehen, nämlich der, der eine Chance hat zu gewinnen, und alle anderen
- 9:41nicht. Ich glaube, das liegt ein bisschen in der DNA von Liberalen,
- 9:44dass sie trotzdem den Wettbewerb annehmen. Optimistisch bleiben ist doch in den
- 9:54Landtag zu schaffen. Da geben sich ja die Grünen und die FDP
- 9:57gleich. Und ehrlich gesagt, diese Form von Optimismus, die kenne ich schon
- 10:01von anderen Wahlen. Und klar, die braucht es auch. Man braucht sich
- 10:04nicht hinstellen und sagen: Ja, ich glaube, wir schaffen es nicht, weil
- 10:06dann braucht man ja nicht antreten. Aber ich glaube auch, dass sich
- 10:09hinter den Kulissen schon sehr viele Leute Sorgen machen. Und deshalb finde
- 10:13ich es immer sehr spannend zu beobachten, wie der Wahlkampf dann so
- 10:17wirklich läuft. Und auch wenn heute wahnsinnig viel über Social Media passiert,
- 10:21der Wahlkampf vor Ort und das persönliche Gespräch bleibt extrem wichtig. Da
- 10:26versuchen Parteien ja auch immer mal wieder, neue Konzepte auszuprobieren, auch die
- 10:30Grünen. Ich habe Susann Schibora Seitlitz zum Beispiel bei sehr heißen Temperaturen
- 10:35bei ihrem Wahlkampfauftakt in einem Waldbad in der Altmark getroffen, ganz idyllisch.
- 10:41Und dort hat sie gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden Felix Banaschak die Leute
- 10:44zu Eis und Freigetränken eingeladen und ist da eben mit ihnen ins
- 10:47Gespräch gekommen. Ja, und Schibora Seitlitz ist ja nicht nur die Spitzenkandidatin
- 10:51der Grünen, sie ist auch schon seit 2021 Landtagsabgeordnete. Aber für diejenigen,
- 10:58die jetzt vielleicht noch nicht so viel von ihr gehört haben: Wofür
- 11:00steht sie und was ist ihr Background? Sie ist 1977 in Ostberlin
- 11:05geboren, ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin und lebt, wie gesagt, mit
- 11:09ihrer Familie, also Mann und drei Söhnen, in Quedlinburg. Als Krankenschwester ist
- 11:14die Gesundheitsversorgung eines ihrer Kernthemen. Sie setzt sich zum Beispiel für bessere
- 11:17Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und die Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum
- 11:22ein. Anders als das Klischee einer Großstadt-Grünen versucht sie, die Partei
- 11:28als Kraft für ländliche Regionen zu positionieren. Also auch bessere Mobilität, wohnortnahe
- 11:33Bildung und Gesundheitsversorgung sind da so große Themen, ebenso wie Bildungsgerechtigkeit. Die
- 11:40Grünen selbst zeichnen Susanne Schibora Seitlitz als eine Politikerin, die versucht, soziale
- 11:45Gerechtigkeit und Klimaschutz miteinander zu verbinden. Okay, ich muss ehrlich sagen, ich
- 11:50stelle mir jetzt dann diese Szenerie in diesem Waldbad beim Eisverkauf und
- 11:55frei mir auch ein bisschen skurril vor. Ich bin ehrlich. Ja, das
- 11:59war auf jeden Fall ganz interessant, denn es war, wie schon gesagt,
- 12:01richtig doll heiß und alle haben gelitten und geschwitzt, und das schweißt
- 12:06ja dann irgendwie auch so ein bisschen zusammen. Auch der Bundesvorsitzende Felix
- 12:10Banaschak, der musste sich dann vor Ort erstmal frisch machen, und dann
- 12:13ist er aber direkt in so ein Gespräch gestartet mit einem Ehepaar,
- 12:16was extra ins Waldbad gekommen ist, um ihn zu sehen. Ja, also
- 12:20es sollten viel mehr Politiker den Schritt tun, an die Bevölkerung anzusehen,
- 12:23an die Basis anzusehen, um auch die Probleme zu erfahren. Denn sie
- 12:30kriegen sicherlich irgendwann mal was mit, habe ich mal gehört. Aber wenn
- 12:33du da wirklich wie der Eismann, der sagt: Ich habe 40 Grad,
- 12:37eine Eismaschine da, sagt der eine Frittenhut: Da lache ich sogar, ich
- 12:41habe 60. Ja, ich war mir ehrlich gesagt, als ich da hingefahren
- 12:44bin, auch überhaupt nicht sicher, wie das so wird, wenn man mit
- 12:47den Grünen in die Altmark fährt und wie man denen da auch
- 12:50begegnet. Aber es war tatsächlich ein total entspannter und netter Nachmittag mit
- 12:54vernünftigen und ruhigen Gesprächen, auch wenn man sich natürlich nicht immer einig
- 12:58war. Also wir sind absolute Kriegsgegner und Rüstungsgegner, und ich finde es
- 13:04ganz schlimm, was im Moment in der Welt los ist. Und speziell
- 13:07in Deutschland reden wir nur noch über Kriegstauglichkeit, über Rüstung, und da
- 13:10werden Milliarden, Milliarden zum Fenster rausgeschmissen. Also ich glaube nicht, dass das
- 13:15zum Fenster rausschmeißen ist. Also da gibt es sicherlich unterschiedliche Perspektiven. Meine
- 13:18Perspektive ist: Wenn wir dauerhaft und sicher Frieden haben wollen, dann können
- 13:22wir so Kriegstreiber und Imperialisten wie Putin nicht durchmarschieren lassen. Wir haben
- 13:26im Moment eine Situation, in der man nicht mehr so über Krieg
- 13:30und Frieden und so schwarz-weiß reden kann, wie wir das vor
- 13:32zehn Jahren noch gut konnten. Also ich fand das schon auch spannend,
- 13:35da mal Mäuschen zu spielen. Das hat ja bei der FDP dann
- 13:38leider nicht geklappt. Genau, also wir hätten auch gern bei denen einen
- 13:41Wahlkampftermin begleitet. Das war aber dann einfach aus terminlichen Gründen nicht möglich.
- 13:46Und das, obwohl die FDP mit ihrer Spitzenkandidatin Lydia Hüskens eine richtig
- 13:51große Wahlkampftour geplant hat. Das Ziel: In allen 41 Wahlkreisen einmal gewesen
- 13:56zu sein. Insgesamt 50 Stops wollen sie dabei machen. Ja, und auch
- 14:00sie setzen auf Prominenz aus ihrer Partei, wie Wolfgang Kubicki. Der Titel
- 14:04des Wahlprogramms lautet: Freiheit hat nur eine Heimat. Menschen müssen sich bei
- 14:09Wahlen immer auch überlegen: Wie ist denn eigentlich die Gesellschaft? Wie ist
- 14:13denn der Ort, an dem ich lebe? Der Heimat ist für mich
- 14:17wie möchte ich den auch in Zukunft haben und wie möchte ich
- 14:19ihn zum Beispiel meinen Kindern hinterlassen? Und für Sachsen-Anhalter ist Freiheit
- 14:24etwas ganz, ganz Wichtiges. Wir haben tatsächlich ja auch noch Generationen in
- 14:29unserem Land, die eben Unfreiheit erlebt haben und wissen, wie sich das
- 14:33anfühlt, wenn man den Eindruck hat, man darf nicht sagen, was man
- 14:36denkt. Man muss vorsichtig sein, man muss Formulierungen entsprechend wählen. Und die
- 14:42immer wieder auch erzählen, dass das natürlich mit dem eigenen Mindset etwas
- 14:46macht, dass das ein Gefühl gibt von Unfreiheit. Und deshalb wollen wir
- 14:52darauf auch nochmal hinweisen und einfach sehr, sehr klar vermitteln: Ihr habt
- 14:57eine demokratische Wahl und entscheidet euch auch, welchen Lebensstil, welches Lebensumfeld ihr
- 15:03für euch und eure Kinder hinterlassen wollt. Ich finde es total spannend,
- 15:06dass dieser Begriff Heimat im Moment wieder so eine große Rolle spielt.
- 15:10Wir haben ja in unserer Folge zum Kulturkampf schon darüber gesprochen, weil
- 15:14die AfD diesen Begriff ja sehr lange sehr eindimensional für sich beansprucht
- 15:18hat. Und jetzt nimmt man diesen Begriff und versucht ihn wieder mit
- 15:23neuen Bedeutungen zu füllen. Bei den Grünen spielt der Heimatbegriff jetzt nicht
- 15:27so eine große Rolle. Ihr Slogan für diesen Wahlkampf: Nur mit Grün
- 15:31wird Zukunft draus. Kleiner Vorguck an dieser Stelle für die Folge kommende
- 15:36Woche. Tatsächlich haben die Linken auch den Heimatbegriff aufgegriffen bei sich. Aber
- 15:41das hören wir nächste Woche. Zurück zu den Grünen. Da bin ich
- 15:44schon gespannt, was du dazu erzählen hast. Mit welchen Themen wollen die
- 15:47denn überzeugen? Also das Herzstück der Grünen ist und bleibt natürlich Klima
- 15:51und Naturschutz. Sie wollen, dass Sachsen-Anhalt bis 2035 klimaneutral wird.
- 15:56Sie wollen Klimaschutz als Staatsziel in der Landesverfassung und einen deutlich schnelleren
- 16:00Ausbau der regenerativen Energien. Die Grünen sagen aber auch: Ökologie und Wirtschaft
- 16:06das sind keine Gegensätze, sondern die bedingen sich gegenseitig. Und das finde
- 16:09ich auch beim Bundesvorsitzenden Felix Banaschak so interessant. Der kommt ja aus
- 16:13Duisburg, ist Mitglied von IG Metall und betont eben ganz häufig die
- 16:17Bedeutung industrieller Arbeitsplätze. Ich will, dass wir zwei Ziele erreichen: dass wir
- 16:22Industriestandort bleiben in Deutschland, aber auch natürlich hier in Sachsen-Anhalt. Und
- 16:26dass wir diesen Industriestandort aber in einem Zustand an unsere Kinder übergeben,
- 16:31dass sie auch noch eine Chance haben, hier ein vernünftiges Leben zu
- 16:35führen. Und deswegen, also es gibt eigentlich gar keine gute Alternative dazu,
- 16:40das zusammenzubringen. Also Deindustrialisierung, Degrowth, das ist keine Option, zumindest keine gute.
- 16:46Aber zu sagen: Nach uns die Sintflut und wir machen einfach alle
- 16:49weiter wie bisher und hoffen, dass es weiter funktioniert in der Welt,
- 16:52die sich wandelt, das wird halt auch keine Perspektive haben. Also ja,
- 16:56es braucht immer die Kombination aus einem klaren Kompass und einem Pragmatismus,
- 17:00um im Moment auf die Situation zu reagieren, wie sie sich einem
- 17:03darstellt. Ein Weg wäre laut der Grünen, die Energiewende quasi als Wirtschaftsprogramm
- 17:08zu verstehen. Also mehr Windkraft, mehr Solar, aber eben verbunden mit einer
- 17:13regionalen Wertschöpfung durch Energieprojekte und auch günstigeren Strom als Standortvorteil für Industrie
- 17:18und Mittelstand. Und wenn wir schon bei Wirtschaft sind, dort setzen die
- 17:22Grünen auf Startups, auf Innovationen, die Gewinnung von Fachkräften, den Abbau von
- 17:27Bürokratie und die Digitalisierung der Verwaltung. Und vielleicht noch zwei Themen, die
- 17:32wir auch hier im Podcast schon besprochen haben: Migration und Bildung. Die
- 17:36Grünen setzen sich dafür ein, Integration ab dem ersten Tag zu leben.
- 17:39Das heißt, Menschen, die zu uns kommen, schnell Sprachförderung zukommen zu lassen,
- 17:43ihnen einen schnelleren Zugang zu Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Und
- 17:49das Thema Bildung liegt Susann Schibora Seitlitz wirklich total am Herzen. Wir
- 17:53stellen uns eine Schule vor, die tatsächlich für alle Kinder viele Chancen
- 17:57bietet. Wir wollen zum Beispiel die Grundschule mindestens sechs Jahre haben, weil
- 18:02wir wissen aus Studien, dass langes gemeinsames Lernen eben zu einer Entkoppelung
- 18:07der Bildungsaufstiegschancen von der Herkunft führt. Und ein wichtiges Thema für uns
- 18:12ist Inklusion als Regelfall. Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland, wo mehr als
- 18:16in allen anderen Bundesländern auf Förderschulen gesetzt wird, was wirklich Chancen raubt,
- 18:22weil an den allermeisten Förderschulen eben kein Schulabschluss erreicht werden kann. Auch
- 18:26das trägt übrigens dazu bei, dass Sachsen-Anhalt eines der Bundesländer in
- 18:29den letzten Jahren, häufig sogar das Bundesland mit den allermeisten Kindern war,
- 18:33die ohne Schulabschluss die Schule verlassen. Das sind ja deutlich über 10
- 18:36Prozent. Das ist einfach zu viel. Das beraubt die Kinder ihrer Chancen,
- 18:39und das ist aber auch fürs Land schlecht, weil die natürlich fehlen.
- 18:43Wenn die keinen Schulabschluss haben, dann werden die auch keine Ausbildung machen
- 18:45können, dann fehlen die in den Handwerksbetrieben, und das ist ein Problem
- 18:48fürs Land. Und wir würden auch gerne damit anfangen, dass wir erstmal
- 18:51dafür sorgen, dass alle Kinder überall eine gute Lernumgebung haben und dass
- 18:56mindestens die Schultoiletten an allen Schulen im Land in Ordnung sind. Auch
- 18:59da haben wir noch einen großen Weg zu gehen. Jetzt geht es
- 19:01bei den Grünen ja nicht nur darum, mit Themen zu überzeugen, sondern
- 19:04sie müssen die Menschen, die SPÖ, überhaupt von sich als Partei überzeugen,
- 19:08denn die Grünen haben es da ja nicht so ganz einfach in
- 19:11Sachsen-Anhalt. Und ich muss dir ehrlich gesagt was denken: Ich bin
- 19:14ja letztens erst wieder dran vorbeigefahren. Ich war im Harz unterwegs, und
- 19:18da gibt es so einen Hof, der ist auch mittlerweile relativ bekannt. Da
- 19:21steht halt draußen dran: Unser Hof hat Napoleon, Hitler, Stalin und Kohl
- 19:25überlebt. Unser Hof überlebt auch die Grünen. Und das alles in eine
- 19:29Reihe zu setzen, das sagt viel aus, würde ich sagen. Ja, das
- 19:32hat ja fast so ein bisschen Tradition in Sachsen-Anhalt. Ich erlebe
- 19:36das auch im Umfeld, zumindest meiner Familie, meines Bekanntenkreises dort, dass die
- 19:41Grünen einfach wie so einen Stempel haben, den sie auch ganz schwer
- 19:44wieder losbekommen. Und das haben wir natürlich auch mit dem Politikwissenschaftler Benjamin
- 19:48Höhne von der TU Chemnitz mal besprochen, woran das eigentlich liegt. Das
- 19:51ist auch kein Sachsen-Anhalt-typisches Phänomen, sondern die Grünen tun sich
- 19:56generell im Osten viel schwerer als im Westen. Sie greifen dort nicht
- 20:01auf ihr angestammtes sozial-moralisches Milieu, könnte man so ausdrücken, zurück, wie
- 20:06im Westen. Das heißt, dort sind sie ja aus Bewegungen hervorgegangen, die
- 20:09sich auf den Straßen gebildet haben. Das ist ein ganz bunter Strauß
- 20:13an Themen, die sozusagen dazu geführt haben, dass die Grünen auferstanden sind
- 20:20quasi und in die Parlamente einzogen. Diese historische Genese hat man so
- 20:25im Osten nicht. Ja, ohne jetzt einen zu weiten historischen Exkurs zu
- 20:29machen: In der DDR wurde ja erst während der Friedlichen Revolution, nämlich
- 20:33im November 1989, die Grüne Partei gegründet. Parallel dazu das Bündnis 90,
- 20:39also so ein Zusammenschluss der wichtigsten Bürgerrechtsbewegungen. Und nach der Wiedervereinigung 1993
- 20:45schlossen sich diese beiden Bündnisse mit den westdeutschen Grünen zusammen, die es
- 20:48ja schon seit Anfang der 80er Jahre gab. Und nach dieser Vereinigung
- 20:52gab es da ja natürlich auch immer wieder Spannungen. Viele ostdeutsche Bürgerrechtler
- 20:57empfanden zum Beispiel die westdeutschen Grünen als stärker ideologisch geprägt. Was sagen
- 21:02denn genau dazu zu diesem Konflikt zu Susann Schibora Seitlitz und Felix
- 21:06Banaschak? Felix Banaschak sagt schon auch, dass da in der Wendezeit viele
- 21:10Fehler gemacht worden sind. Ja, es gibt ganz viele Gründe, die teilweise
- 21:14schon auch in den Wendejahren angelegt waren. Aber das bringt ja nichts,
- 21:17sich immer wieder nur in den Fragen zu suhlen: Was haben wir
- 21:22falsch gemacht? Ich kann nur sagen, was wir tun, damit es anders
- 21:25wird. Rausgehen, mit Menschen ins Gespräch kommen, vielleicht auch das ein oder
- 21:30andere Vorurteil entkräften, das ja auch über uns vermittelt wird. Da muss
- 21:37man einiges für tun. Aber ich glaube, das lohnt sich. Und viele
- 21:40der Zerrbilder und Feindbilder, die sich so festgesetzt haben, die kommen in
- 21:45Teilen auch noch aus anderen Zeiten. Und das ist jetzt auch ganz
- 21:47gut, wenn wir offensiv zeigen: So sind wir gar nicht, ganz im
- 21:51Gegenteil. Ja, und für Susann Schibora Seitlitz ist es natürlich vor allem
- 21:55wichtig, dass die ostdeutschen Themen und Besonderheiten von der Gesamtpartei wahr und
- 22:00ernst genommen werden. Aber da habe ich den Eindruck, dass wir da
- 22:03als Gesamtgrüne, als Bundespartei auf einem ziemlich guten Weg sind. Nicht umsonst
- 22:08ist Herr Banaschak hier im Osten so viel unterwegs, gerade im Moment.
- 22:11Nicht umsonst ist es in diesem Jahr der zweite Ostkongress. Wir erleben
- 22:15gerade als ostdeutsche Landesverbände, dass uns nicht nur zugehört wird, sondern dass
- 22:18wir ernst genommen werden. Und dass die Westverbände auch versuchen, unsere Erfahrungen
- 22:22zu übertragen auf das, was sie so vor der Brust haben. Das
- 22:25fühlt sich nicht nur wertschätzend an, sondern das hilft uns auch. Ob
- 22:28das auch die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt so sehen, wird
- 22:31sich dann im September zeigen. Aber Marie, ehrlicherweise, so viel leichter hat
- 22:35es die FDP, was das betrifft, ja auch nicht in Sachsen-Anhalt.
- 22:39Also eigentlich nicht nur dort, sondern bundesweit befindet sich die Partei ja
- 22:43seit dem Bruch mit der Ampelregierung, dem verpatzten Wiedereinzug in den Bundestag,
- 22:47ja im Sinkflug. Das stimmt. Die FDP ganz allgemein muss sich eigentlich
- 22:51gerade erst wiederfinden, muss auch herausfinden, wie sie wieder punkten kann.
- 22:55Aber gerade in Sachsen-Anhalt kann man eigentlich sagen, ja, haben die
- 22:58Wählerinnen und Wähler ein recht ambivalentes Verhältnis zu dieser Partei. Denn einerseits
- 23:04ist Sachsen-Anhalt das Genscherland, ja, einer der am längsten amtierenden
- 23:07Bundesinnenminister, die es jemals gab. Schlüsselfigur der Wiedervereinigung, wichtige FDP-Person, eine
- 23:13der berühmtesten Personen auch aus Halle. Und nach der Wiedervereinigung ist die
- 23:17FDP auch erst einmal mit einem sehr guten Ergebnis damals eingezogen in 00:23:21.000 --> 00:23:23.000 den Landtag. Aber sie flog in einigen Jahren auch immer mal wieder
- 23:23raus und musste immer wieder um den Wiedereinzug kämpfen. Zuletzt für 2021
- 23:29hat sie es gerade erst wieder geschafft. Deshalb regiert die FDP
- 23:32jetzt auch mit. Und ja, warum das so schwierig ist, auch dazu
- 23:36haben wir natürlich Benjamin Höhne gefragt. Die FDP, ihre Stammklientel, die ist
- 23:42offenbar zu klein geworden über die Jahre, die vor allem den Markenkern
- 23:48der FDP nachfragt. Und das ist, wenn man das sehr einfach ausdrückt,
- 23:52das Eintreten für einen schlanken Staat, für keine Neuverschuldung, für eine Steuerreduktion.
- 23:58All diese Punkte im Bereich der Wirtschaft werden eher neoliberale Konzepte akzentuiert.
- 24:06Und dieser Kern, dieser Markenkern, der trifft insgesamt in Deutschland auf zu
- 24:11wenig Resonanz. Ein paar Punkte aus dem Markenkern hat ja Benjamin Höhne
- 24:15jetzt schon angesprochen. Auf welche Themen setzt die FDP denn in ihrem
- 24:19Wahlkampf, um es eben doch noch in den Landtag zu schaffen? Also
- 24:22Bildung ist tatsächlich auch bei der FDP ein großes Thema. Aber wie
- 24:25ich finde, diesen Wahlkampf findet man bei sehr vielen Parteien einfach,
- 24:29weil es sehr wichtig ist. Und natürlich ist weiterhin Wirtschaft
- 24:32eines der Schwerpunkte der FDP. Wir haben es ja auch am ganzen
- 24:35Anfang der Folge schon gehört. Die Spitzenkandidatin Lydia Hüskens findet, dass die
- 24:39Liberalen mehr denn je gefragt sind: Mehr Freiheit, weniger Staat. Und das
- 24:44eben in vielen Bereichen. Das ist ja auch etwas, wo wir als
- 24:47Liberale immer wieder darauf hinweisen: Haltet euch als Staat zurück. Die öffentliche
- 24:53Hand muss nicht immer alles regeln. In der Regel machen Unternehmen, macht
- 24:57der Wettbewerb, macht der Markt das deutlich besser. Also das ist tatsächlich
- 25:00ein sehr, sehr breites Spektrum. Insgesamt ist der Wirtschaftsstandort Deutschland unattraktiver
- 25:06geworden, als er früher war. Und ich sage, wir müssen hier in
- 25:09Sachsen-Anhalt einiges tun, um Dinge zu kompensieren. Was heißt das jetzt
- 25:14konkret? Sie wollen zum Beispiel Bürokratie abbauen, indem staatliche Regeln und Vorschriften
- 25:20eine Art Ablaufdaten bekommen, gerade die für Unternehmen, damit sie nicht unendlich
- 25:24lange weiterlaufen und immer neue Regeln dazukommen. Alle, die älter als
- 25:29zehn Jahre sind, sollen überprüft werden. Oft ist das, was die nervt, ja
- 25:33so Berichtspflichten, wo wir uns alle immer fragen: Was machen wir denn
- 25:36mit den Berichten eigentlich? Da müssen Unternehmen jemanden hinsetzen, der die Daten
- 25:40zusammenkramt, aufbereitet und dann irgendwo hinschickt. Und das ist zum Beispiel die
- 25:44Frage: Brauche ich die alle? Das sind so Dinge, wo ich möchte,
- 25:47dass man sagt: Wo sind denn eigentlich Unternehmen belastet, wo nicht? Und
- 25:51dann kann man zum Beispiel vereinbaren zu sagen: Ich versuche in jeder
- 25:55Legislatur die Hälfte der Bürokratie lasten abzubauen. Ja, wenn wir schon bei Wirtschaft
- 26:01sind, da wollen sie auch technologieoffen schauen, wo sich Sachsen-Anhalt wir
- 26:06haben ja da die große Frage der Energieversorgung, unabhängig von Rohstoffimporten, machen
- 26:10könnte Sicherheit. Umweltschutz sind für uns wichtige Punkte, aber in dem Rahmen
- 26:16der da möglich ist, sollten wir nichts ausschließen. Also wir haben in
- 26:20Deutschland das Thema Schiefergas, wir haben in Deutschland auch das Thema Gas.
- 26:23Also es ist schon ein bisschen putzig, dass wir unseren Nachbarn, etwa
- 26:26in den Niederlanden sagen: Schöpft doch euer Gasvorkommen etwas stärker aus. Das
- 26:30deutsche Gasvorkommen daneben lassen wir aber unangetastet. Höchstens meint ihr Fracking? Ja,
- 26:36ganz genau. Das ist zur Einordnung kommerziell derzeit in Deutschland verboten. Unter
- 26:41anderem fand das Umweltbundesamt davor laut Gutachten vor allem, weil Risiken für
- 26:45das Grundwasser entstehen. Zu Rohstoffen gehört ja aber auch allgemein das große
- 26:49Thema Energie, unabhängig jetzt von Gasförderung. Und da fordern sie auch den
- 26:53Wiedereinstieg in die Kernenergie, wo man ja sagen muss, in Sachsen-Anhalt
- 26:57gab es nie Atomkraftwerke. Und ja, da soll laut Wahlprogramm Sachsen-Anhalt
- 27:02zu einem Zitat Entwicklungs- und Ansiedlungsstandort für moderne Kernenergie-Technologien werden.
- 27:09Und sie wollen die Netzentgelte fairer gestalten. Mich ärgert immer noch, dass
- 27:13wir hier aufgrund des Ausbaus der Netze hohe Energiepreise haben, während man
- 27:18in anderen Regionen, in denen man von alten Netzen profitieren konnte, preiswerteren
- 27:23Strom hat. Das heißt, wir tragen die Lasten und andere haben die
- 27:25Vorteile. Das ist etwas, was ich untereinander nicht fair finde und wo
- 27:30wir als Land, da sind wir als Landesregierung einer Meinung, halt eben
- 27:34immer fordern, dass man hier zu einem anderen Ausgleich bei den Kosten
- 27:37kommt. Okay, vielleicht noch mal kurz zusammengefasst: Bildung ist auf jeden Fall
- 27:48ein Riesenthema in den Wahlprogrammen aller Parteien, aber auch der beiden Parteien,
- 27:52über die wir heute gesprochen haben. Natürlich geht es auch viel um
- 27:55Wirtschaft und natürlich auch um so große Themen wie Energiekosten, Energieversorgung. Da
- 28:00ist man sich natürlich bei der FDP und den Grünen ganz uneinig,
- 28:03wie das aussehen soll. Wir haben eben schon über Fracking und Atomenergie
- 28:07bei der FDP gehört. Das würden die Grünen so sicherlich nicht unterschreiben.
- 28:11Trotzdem bleibt die große Frage: Wer schafft es überhaupt über die Fünf
- 28:15Prozent-Hürde? Wir haben schon darüber gesprochen, warum das wichtig ist. Wie
- 28:19schätzt denn Benjamin Höhne die Situation von den Grünen und der
- 28:22FDP ein? Werden sie diese Hürde nehmen? Er sagt,
- 28:27die Grünen müssen zwar bibbern, aber er schätzt insgesamt ihre Chancen für
- 28:31sehr viel aussichtsreicher ein, wieder in den Landtag gewählt zu werden. Und
- 28:35das zeigt ja auch beispielsweise der Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest DiMAP,
- 28:38über den wir vorhin auch schon gesprochen haben. Die FDP wird es
- 28:41seiner Meinung nach eher nicht schaffen. Die FDP regiert ja in Sachsen-Anhalt,
- 28:45aber derzeit doch. Könnte sie das nicht für sich irgendwie
- 28:48nutzen? Ja, würde man meinen. Und auch Benjamin Höhne sagt, das wäre
- 28:51theoretisch möglich, vorausgesetzt, dass sie sehr bekannte Minister hat, die sehr populär
- 28:58sind und die sozusagen in Stellung gebracht werden im Wahlkampf. Ich vermute
- 29:03aber, dass der Effekt, den die FDP da für sich rausziehen kann
- 29:06aus der Regierungsbeteiligung, nicht so riesig sein wird. Das sehen wir auch
- 29:09bei der SPD, dass sie oftmals es eben als Juniorpartner einer
- 29:13Bundesregierung oder einer Landesregierung erst nicht vermocht hat, diese Regierungsbeteiligung für sich
- 29:19positiv in Wählerinnenstimmen bei einer nachfolgenden Wahl zu münzen. Naja, und da
- 29:25muss man ja sagen, die FDP hat ja wirklich eine Ministerin in
- 29:29der aktuellen Regierung, und das ist nun mal Lydia Hüskens. Aber es
- 29:33geht ja nicht nur darum, ob man einen guten Job gemacht hat.
- 29:35Es geht ja, finde ich, auch immer viel darum, ob man Fehler
- 29:38gemacht hat und dazu stehen kann. Und dazu habe ich Lydia Hüskens
- 29:42auch mal gefragt. Also auf Landesebene nehme ich mal das Vergabegesetz, so
- 29:46wie wir es in der ersten Fassung hatten, war viel zu kompliziert.
- 29:50Da haben wir einen Fehler gemacht. Den haben wir aber, Gott sei
- 29:53Dank, korrigieren können. Haben allerdings dafür drei Jahre gebraucht. Ich glaube, da
- 29:56hätten wir vielen Unternehmen das Leben von Anfang an leichter machen können.
- 29:59Zur Einordnung: Da ging es um ein Gesetz, das bei der Vergabe
- 30:03von öffentlichen Aufträgen unter anderem die Einhaltung von Sozialstandards und auch Tarif
- 30:09sichern sollte. Und das hat nach Ansicht von Lydia Hüskens einfach viel
- 30:12zu lange gedauert, war viel zu kompliziert und das kam nicht so
- 30:15gut an bei eben auch ihrem Wählerklientel. Auf Bundesebene ist ihrer Meinung
- 30:20nach der größte Fehler gewesen, die Koalition mit SPD und den Grünen.
- 30:25Ja, das, was auf Bundesebene passiert, spielt natürlich auch für die Landtagswahlen
- 30:28eine riesige Rolle. Susann Schibora-Seitlitz sagt zum Beispiel, das kann bis
- 30:33zu zwei Prozent ausmachen, sogar im Osten noch mehr. Und im Moment
- 30:37ist das für die Grünen ziemlich gut, weil es eben auf Bundesebene
- 30:40gut läuft. Aber auch das war ja nicht immer so. Wir haben
- 30:43in der Ampelkoalition in der Zeit hier sehr unter dem Bundestrend gelitten.
- 30:48Also ja, da sind natürlich kommunikativ Dinge nicht so gelaufen, wie sie
- 30:50hätten laufen sollen. Aber man muss an der Stelle eben auch sagen,
- 30:54und das sagen inzwischen ja auch viele, die nicht Grüne sind: Es
- 30:56ist halt auch viel Verhetzung gewesen. Also dieses Heizungsgesetz von Habeck, was
- 31:01die Bild so komplett verrissen hat, das wünscht sich inzwischen sogar die
- 31:04Bild-Zeitung zurück, mit dem Blick auf Katharina Reiches Variante davon. Und
- 31:09insofern glaube ich, ich will da gar nicht der Bundesspitze oder der
- 31:12Bundestagsfraktion oder der Bundesregierung damals die Schuld geben. Spannend, dass beide ja
- 31:18das als einen Fehler betrachten. Aber aus solchen Fehlern kann man ja
- 31:22bei möglichen zukünftigen Regierungsbildungen noch mehr lernen. Aber erstmal müssen sie in
- 31:26diesem Fall ja hier erstmal in den Landtag einziehen. Es geht ja
- 31:29nicht nur um ihren Wiedereinzug. Natürlich treibt sie auch noch etwas anderes
- 31:33um, nämlich die Sorge vor einer möglichen AfD-Regierung. Ich habe früher
- 31:37immer gelästert und gesagt, wenn Menschen den Autokauf so gut vorbereiten würden,
- 31:41dann würden sie vielleicht ein rotes Auto kriegen, was dann aber nicht
- 31:44fährt. Ich glaube, dass es gerade bei Landespolitik wirklich oft so ist,
- 31:49dass man sich da von Stimmungen und Meinungen leiten lässt. Die ist
- 31:52zurzeit sehr, sehr kritisch, was vor allem auch die Bundespolitik anbelangt. Sehr
- 31:57kritisch insgesamt nach dem Umhalt, getragen hier in unserem Land, manchmal von
- 32:01so einem Punkt: Dann soll ich es doch mal probieren. Ich warne
- 32:04da dringend vor. Spannend auch dieser Vergleich mit dem Auto. Da würde
- 32:07ich gerne auch mal hören, ob Herr Sigmund sich als rotes Auto
- 32:11versteht, was nicht fährt. Aber natürlich ist das auch für die Grünen
- 32:14ein Thema. Ich habe Susanne Schiebohrer-Seitlitz gefragt, ob es denn auch
- 32:19Dinge gibt, die die AfD tatsächlich besser gemacht hat und von denen
- 32:22man vielleicht auch was lernen kann. Sigmund ist ein TikTok-Star. Die
- 32:26Reichweiten in Sachsen-Anhalt sind allerdings auch begrenzt. Was damit gefüttert wird,
- 32:30ist vor allem diese Erzählung dieses Erfolgs. Und das macht ihn spannend
- 32:33und das führt zu weiterer Berichterstattung. Die sind da sehr geschickt, das
- 32:37stimmt. Ich bin nicht sicher, ob wir von Populisten so viel lernen
- 32:40können, weil das, was sie da anbieten, ja nicht die Antwort auf
- 32:44komplexe Fragen und auf reale Lebensprobleme ist, sondern eben vor allem Wut
- 32:48und Verhetzung. Die Grünen sind übrigens auf Social Media gar nicht so
- 32:52schlecht unterwegs. Allen voran der Bundesvorsitzende Felix Banaschak. Und der wiederum ist
- 32:56sehr optimistisch, was die Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt angeht. Weil
- 33:00ich auch sehe, dass Susanne Schiebohrer-Seitlitz und der ganze Landesverband, die
- 33:04sind gut aufgestellt, die sind motiviert, die haben einen klaren Kompass. Und
- 33:08ich finde, gerade in einem Land wie Sachsen-Anhalt, das so von
- 33:10seiner Natur auch lebt, das ist ja einer der Hauptpunkte, auf die
- 33:13man stolz ist, über den man sich freut: Die schöne Landschaft, die
- 33:19Artenvielfalt, die an vielen Stellen noch da ist, Wälder, Wanderwege, die man
- 33:24nutzen kann. Und es braucht halt auch irgendjemanden, der sich darum kümmert.
- 33:28Es gibt viele gute inhaltliche Gründe, uns zu wählen. Ja, das würde
- 33:32Lydia Hüskens auch so sagen. Und ich finde es aber spannend, dass
- 33:35sie, obwohl die Aussicht in den Prognosen ja wirklich nicht so gut
- 33:38ist, sagt, sie vertraut den Wählerinnen und Wählern im Land,
- 33:41dass am 6. September das Ergebnis doch noch einmal anders ausfallen wird,
- 33:48als es derzeit prognostiziert wird. Je mehr kleine Parteien im Landtag vertreten
- 33:52sind, umso unwahrscheinlicher wird eine Alleinregierung. Also von daher kann ich nur
- 33:58jeden auffordern, sich einfach mal anzusehen, welche der Parteien den eigenen Überzeugungen
- 34:03nachher kommt und dann entsprechend wählen. Also das dürfte Sachsen-Anhalt helfen.
- 34:15Ich bin wirklich gespannt, wie viele Wählerinnen und Wähler FDP und Grüne
- 34:19noch für sich gewinnen können. Viel Zeit bleibt ihnen tatsächlich nicht mehr.
- 34:24Es sind mit dieser Folge nur noch gut zwei Wochen bis zur
- 34:27Landtagswahl. Ja, aber wir haben ja in der Vergangenheit tatsächlich auch immer
- 34:30mal wieder gesehen, dass bei allen Prognosen sich am Wahltag selbst doch
- 34:34noch einiges ändern kann. Gerade wenn es wie in diesen Fällen an
- 34:38ein paar Prozentpunkten, ein bis zwei Prozentpunkten hängt, ob eine Partei eben
- 34:42in den Landtag einzieht oder auch nicht. Das stimmt. Ich glaube, was
- 34:45wir mit dieser Folge auf jeden Fall zeigen konnten, dass egal wie
- 34:48man jetzt zu diesen beiden Parteien steht, beiden Spitzenkandidatinnen wirklich viel an
- 34:53dem Bundesland gelegen ist. Man hat vielleicht auch so ein bisschen den
- 34:56Eindruck von den Menschen hinter dem Wahlplakat, wenn ich es jetzt mal
- 35:00erlangen konnte. Und beide haben uns auch noch einen Tipp verraten, nämlich
- 35:05ihren Lieblingsort. Und der erste, der kommt von Susann Schibora-Seitlitz: Mein
- 35:11Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist tatsächlich das Bode-Wehr an der Schafbrücke
- 35:17in Quedlinburg. Da gibt es hinter dem Wehr, ich weiß gar nicht,
- 35:20ob das legal ist, aber da gibt es hinter dem Wehr so
- 35:22eine sehr schöne ausgespülte Kulk. Und da drin kann man schwimmen, wie
- 35:27in einer Gegenstromanlage. Das ist herrlich. Ja, und auch Lydia Hüskens hat
- 35:31natürlich einen Lieblingsort. Und der ist in Magdeburg, dort wo sie auch
- 35:35lebt. Am Dom gibt es eine Domterrasse, eine Stadtmauer. Da können sie
- 35:39auf die Elbe sehen, sehen mehrere Brücken. Und das ist ein Ort,
- 35:44der für mich wirklich einer ist, wo ich mich gerne aufhalte. Weil
- 35:47er hat interessanterweise etwas unglaublich Beruhigendes. Einerseits ist er aber auch schon mitten
- 35:51in der Stadt. Das heißt, er hat auch Verkehr und Trubel. Das
- 35:55ist mein Lieblingsort. Ja, das kann ich total nachvollziehen. Ich bin da
- 35:58auch immer gerne, wobei man wirklich sagen muss, bei den heißen Temperaturen
- 36:01kann man da schon durch die Elbe durchlaufen. Und das macht einem
- 36:04dann doch wieder so ein bisschen Kopfzerbrechen, finde ich. Nächste Woche
- 36:08beschäftigen wir uns hierbei dazwischen mit der SPD und der Partei Die
- 36:12Linke. Dafür hast du dir einen Wahlkampf näher angeschaut, und zwar in
- 36:16Köthen. Ja, genau. Köthen ist tatsächlich eine Hochburg von den Linken in
- 36:20Sachsen-Anhalt. Und ich habe dort die Spitzenkandidatin Eva von Ahn getroffen,
- 36:25die in ihrem Wahlkampf vor Ort von Heidi Reichenegg unterstützt wird. Und
- 36:29ob die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, die auf Social Media ja
- 36:33wirklich mega gefeiert wird, dort genauso gut ankam. Und auf welche Kniffe
- 36:37die SPD in ihrem Wahlkampf setzt, das hört ihr alles in der
- 36:40nächsten Folge. Bis dahin, macht's gut. Dieser Podcast ist eine Kooperation von
- 36:52detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast Hosts Marie Landes und
- 36:56Katja Schmidt. Podcast Redaktion Leonard Schubert. Cover Design Claudia Dörling und Anja
- 37:02Krämer von Sisters of Design. Originalmusik Florian Sievers. Audioproduktion Benjamin Serdani, Stanley
- 37:10Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung Christian Bollert.