Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Wie steht es um die Landwirtschaft, Sachsen-Anhalt?
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- 0:01Ich finde es auch in Ordnung, dass wir das alles festhalten müssen,
- 0:05und dass wir auch gewisse Regeln und Auflagen haben, wie wir
- 0:08gewisse Dinge einsetzen dürfen. Aber das nimmt dann, ich sag mal so,
- 0:14überhand. Ich überspitze es jetzt bewusst, dass ich irgendwann noch
- 0:17dokumentieren muss, wann welche Kuh wo rülpst. Das sagt Philipp Krainbring, Landwirt
- 0:22in Sachsen-Anhalt. Und es ist unschwer herauszuhören, er ist genervt von
- 0:27zu viel Bürokratie. Und das ist nicht das Einzige. Denn neben politischen
- 0:32Vorgaben stellt auch der Klimawandel Landwirte wie ihn vor Herausforderungen. Ernte in
- 0:38Sachsen-Anhalt unter schwierigen Vorzeichen oder Krisenstimmung, auch bei Zuckerrübenernte, lauten die
- 0:44Schlagzeilen der vergangenen Monate. Ja, hinzu kommen globale Krisen und Kriege, steigende
- 0:48Preise und Druck vom Handel. Wie steht es um die Zukunft der
- 0:52Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt? Darüber sprechen wir heute bei Dazwischen. Bevor es
- 1:06aber losgeht, gibt es noch gute Nachrichten, die wir mit euch teilen
- 1:10wollen. Und diesmal sind wir richtig gut vorbereitet. Marie, du hast ja
- 1:13beim letzten Mal in deine Pfeife gepustet. Aber diesmal haben wir sogar
- 1:17eine richtige Tuschmaschine mit dabei. Ja, und jetzt macht es so spannend,
- 1:21weil sich natürlich alle fragen, warum? Ja, warum? Das ist auf jeden
- 1:24Fall eine richtig große Sache für uns. Und zwar haben wir an
- 1:27diesem Wochenende erfahren, dass unser Dazwischenprojekt von detektor.fm und dem Media
- 1:32Forward Fund für den Grimme Online Award nominiert worden ist. Und jetzt
- 1:36pass auf! Und die nächste Folge machen wir vom Schützenfest. Ja, das
- 1:45ist auf jeden Fall wirklich eine Riesen-Auszeichnung für uns, unser Projekt.
- 1:49Also wir freuen uns wirklich sehr. Ja, man sagt ja auch immer
- 1:53so schön, der Grimme Online Award, der ist sozusagen der Oscar des
- 1:56Internets. Und allein dafür nominiert zu sein, ist auf jeden Fall eine
- 1:59richtig große Ehre. Ja, und diese Nominierung, die wäre ohne euch nicht
- 2:03möglich gewesen. Denn wir machen diesen Podcast ja für euch. Und ohne
- 2:07euer aufmerksames Ohr, eure Ideen, Anmerkungen und Gedanken wären unser Podcast und
- 2:12unser Newsletter nicht so, wie sie heute sind. Also vielen
- 2:16Dank an euch! Mehr als 6000 Leute haben den Podcast inzwischen abonniert
- 2:20und es werden immer mehr. Ich würde sagen, perfekt! Also wenn ihr
- 2:26Anregungen, Kritik oder Fragen habt, dann schreibt uns eine Mail an dazwischen
- 2:30at detektor.fm oder schickt uns eine Sprachnachricht. Die Nummer dafür findet
- 2:35ihr in den Shownotes. Macht doch mal die Augen zu, Katja, und
- 2:44stell dir eine Fahrt mit dem IC von Leipzig über Halle, Köthen
- 2:49nach Magdeburg vor. Was siehst du so an den Fensterscheiben vorbeiziehen? Viel
- 2:56weites Land, Ackerfelder und wenig Städte. Ja, das ist richtig. Viel
- 3:05Felder und Acker. Das ist Sachsen-Anhalt. Etwa die Hälfte des Landes
- 3:10wird landwirtschaftlich genutzt. Und im Bundesvergleich liegen wir damit sogar ziemlich weit
- 3:15vorn. Das geht auch aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die meiste
- 3:19landwirtschaftlich genutzte Fläche hat in Zahlen zwar Bayern mit circa 3,1
- 3:24Millionen Hektar. In Sachsen-Anhalt sind es so etwa um die 1,2
- 3:27Millionen Hektar. Aber der Unterschied ist eigentlich gar nicht so groß,
- 3:31wenn man sich mal vor Augen hält, dass Bayern dreimal so groß
- 3:34wie Sachsen-Anhalt ist. Also relativ gesehen wahrscheinlich ziemlich der gleiche Anteil.
- 3:39Wenn so viel Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, dann scheinen die Voraussetzungen ja
- 3:43erstmal in Sachsen-Anhalt grundlegend ziemlich gut zu sein für Landwirtschaft. Mir
- 3:47fällt dann natürlich sofort eine Sache ein: die Magdeburger Börde und ihr
- 3:51fruchtbarer Boden. Das habe ich zumindest schon in der Schule gelernt und
- 3:54ich habe die auch mal in der Hand gehabt. Also die wirkte
- 3:56auch so, als wäre die so schwer und fruchtbar. Ja, das ist
- 4:00bei mir auch beim Heimat- und Sachgrundunterricht aus der Grundschule hängen
- 4:03geblieben. Naja, und ich habe mich aber natürlich in Vorberatung auf diese
- 4:07Folge gefragt, stimmt das denn wirklich? Also ist dieser Bördeboden wirklich so
- 4:12fruchtbar? Und ich habe nachgefragt bei Philipp Kreinbring. Er ist Landwirt und
- 4:16auf Instagram nimmt er seine Follower schon seit vielen Jahren mit in
- 4:19seinen Alltag. Er kommt gebürtig aus Schleswig-Holstein, das hört man auch.
- 4:24Und er ist dort mit Landwirtschaft groß geworden. Er selbst lebt aber
- 4:27eben schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Sachsen-Anhalt und
- 4:30zwar in der Börde. Der Boden ist sehr, sehr fruchtbar und das
- 4:35ist auch das, was ich immer so gehört kriege. Du bist ja
- 4:37nur in die Magdeburger Börde gegangen, deswegen. Das hat er aber damit
- 4:41für mich erstmal nicht zu tun. Aber ja, wir haben hier sehr
- 4:43guten Boden, aber auch dieser Boden braucht natürlich Wasser und das
- 4:46ist hier immer die Herausforderung. Weswegen nur, weil es ein fruchtbarer Boden
- 4:49ist, wir nicht immer den höchsten Ertrag haben. Also diese Kombination aus
- 4:53sehr, sehr gutem Boden, was das Arbeiten in manchen Fällen schon einfacher
- 4:57macht als in anderen Regionen, in Kombination mit der Trockenheit. Also wir
- 5:02sind generell eine Trockenregion, auch unabhängig von extremer Trockenheit, wie wir es
- 5:06jetzt dieses Jahr zum Beispiel hatten, was dann manchmal das Arbeiten auch
- 5:09wieder etwas angenehmer macht, weil gewisse Arbeitsspitzen manchmal wegfallen, Zeitfenster ein bisschen
- 5:14weiter sind und größer sind. Aber das sind eigentlich so die beiden
- 5:18Besonderheiten. Ich bin jetzt gerade so ein bisschen hängen geblieben an der
- 5:23Trockenregion und habe mich gefragt, woran das liegt. Liegt das so am
- 5:27Harz und da kommen dann die Regenwolken nicht rüber? Ja, tatsächlich
- 5:31ist es so. Die Börde liegt im Windschatten vom Harz und deshalb
- 5:34regnet es dort ganz allgemein eher weniger als in anderen Regionen, auch
- 5:38von Sachsen-Anhalt. Ich war aber mit dieser Antwort von ihm noch
- 5:41nicht so richtig zufrieden, weil ich dachte, okay, er sagt jetzt guter
- 5:44Boden, aber wie sieht das denn aus? Du hast gerade schon gesagt,
- 5:46du hattest den Bördeboden schon in den Händen. Ich komme ja von
- 5:49da quasi. Da hat man ihn einmal im Leben in seinen Händen.
- 5:52Ich komme nicht von dort, also hatte ich den Bördeboden noch nicht
- 5:55in meinen Händen und ich wollte es naja ganz leidenhaft einfach mal
- 6:02wissen, wie sieht es aus bei mir zu Hause in Dessau im
- 6:04Garten. Da hat der Boden, naja, wie soll ich es beschreiben, eher
- 6:09so eine feinere sandige Struktur. Erde aus dem Baumarkt, die sieht anders
- 6:13aus. Die ist schwer, die ist feucht. Kann man das irgendwie damit
- 6:17vergleichen? Und dann hat mir Philipp Kreinbring das nochmal so erklärt. Das
- 6:21ist ja dieser Schwarzerdeboden, wie man ihn kennt. Also eigentlich ein sehr
- 6:25sehr guter Gartenboden. Wenn man sich vielleicht selber seinen Garten anlegt oder
- 6:27ein Hochbeet anlegt, dann guckt man ja auch, dass man die obere
- 6:31Schicht, dass man sich einen sehr, sehr guten Boden holt. Und einmal
- 6:34ist der Vorteil, dass dieser Boden eigentlich sehr ein gutes Wasserhaltevermögen hat.
- 6:36Das heißt, wenn er Wasser bekommt, kann er das lange speichern und
- 6:40auch an die Pflanze abgeben. Er ist sehr fruchtbar in dem Zusammenhang,
- 6:43dass er auch viele Nährstoffe einfach von sich aus schon im Boden
- 6:47trägt und dadurch natürlich auch durch diese Struktur, die er hat, eine
- 6:51hohe biologische Aktivität hat. Also Boden ist auch Leben. Da ist viel
- 6:57Leben drin. Und dieses Leben stellt dann wiederum Nährstoffe zur Verfügung für
- 7:00die Pflanzen, die wachsen. Ich lag jetzt also gar nicht so falsch
- 7:05mit meiner Baumarkterde. Und auf diesem guten Boden der Magdeburger Börde wird
- 7:09eben vor allem Weizen, Gerste, Raps, aber auch Mais und Zuckerrüben eingebaut.
- 7:12Alles wirklich sehr typisch für Sachsen-Anhalt. Was mich zu einer zweiten
- 7:15Frage bringt. Katja, wenn du jetzt nochmal mit geschlossenen Augen mit dem
- 7:20Zug nach Magdeburg fährst, vorbei an diesen beschriebenen Äckern und Feldern, was
- 7:25fällt dir noch auf? Da ist ansonsten nicht so viel los, hätte
- 7:29ich jetzt gesagt. Wenn man jetzt durch andere Regionen fährt, dann hat
- 7:33man immer mal auch so im Wechsel, keine Ahnung, große Flächen mit
- 7:38Pferden oder so. Bei Niedersachsen ist das so. Genau, das habe
- 7:42ich jetzt so in Sachsen-Anhalt ehrlich gesagt noch nicht wahrgenommen. Ja,
- 7:45richtig. Also Weiden mit Tieren siehst du dort ziemlich selten. Und das
- 7:49hat einen Grund. Viehzucht ist nicht ganz so weit verbreitet wie in
- 7:53anderen Bundesländern. Und auch das hat mit dem Boden zu tun. Denn
- 7:58dort, wo Böden ertragreich oder einfach zu bewirtschaften sind, wird einfach mehr
- 8:01angebaut als in Regionen, wo das nicht so ist. In der Altmark
- 8:06beispielsweise, da gibt es auch viele sandige, nährstoffarme Böden, die eben als
- 8:10Weiden genutzt werden. Und deshalb kommen fast ein Drittel des Gesamtbestandes der
- 8:14Rinder Sachsen-Anhalt im Altmarkkreis Herzwede und Ständer hervor. Sachsen-Anhalt ist
- 8:17also, auch wenn es natürlich Viehzucht, den Weinanbau im Salat- und
- 8:21Zutrittsgebiet oder den Obstanbau in der Region rings um den Süßen See
- 8:25gibt, vor allem ein Ackerbauland. Aber sag mal, wenn ich es richtig
- 8:29im Kopf habe, dann wird das meiste in Sachsen-Anhalt auch so
- 8:33richtig konventionell angebaut, oder? Ja, das stimmt. Also nur auf etwa 9
- 8:38bis 5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Sachsen-Anhalt wird ökologisch angebaut. Die
- 8:41Flächengröße und Anzahl der Betriebe ist hier in den letzten Jahren sogar
- 8:45gesunken. Und wenn wir uns jetzt nochmal die Gesamtzahl aller Betriebe in
- 8:49Sachsen-Anhalt ansehen, dann gibt es noch eine Besonderheit. Die derzeit noch
- 8:57etwa 4000 landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften im Schnitt circa 270 Hektar Land.
- 9:02Der Bundesdurchschnitt liegt bei 65 Hektar. Okay, krass. Also das ist ungefähr
- 9:07viermal so viel. Es hat wahrscheinlich mit der DDR-Geschichte zu tun,
- 9:12oder? Genau. Also das kann man auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
- 9:17sehen. Die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, die LPGs, wie es sie zu DDR-Zeiten
- 9:22gab, die wurden nach der Wiedervereinigung zwar aufgelöst. Allerdings sind daraus in
- 9:26vielen Regionen eben Großbetriebe hervorgegangen, die bis heute die Struktur der Landwirtschaft
- 9:31im Osten prägen. Also in Bayern beispielsweise gibt es zehntausende landwirtschaftliche Betriebe,
- 9:36einfach weil die viel kleiner strukturiert sind. Und auch Philipp Kreinbring, der
- 9:41leitet eben als angestellter Landwirt einen ziemlich großen Ackerbaubetrieb in Sachsen-Anhalt
- 9:46mit 1300 Hektar Fläche. Auf jeden Fall spannend und wahrscheinlich auch ein
- 9:49bisschen anders von der Bewirtschaftung dann her. Man muss ja auch anders
- 9:53dann planen, als man sozusagen in so kleineren Betrieben wirtschaftet. Das klingt
- 9:58jetzt zumindest nicht nach so der romantischen Bauernhöfe-Idylle, sondern eben wirklich
- 10:01nach großen Betrieben und Unternehmen, um die es da geht. Ja, und
- 10:05diese großen Betriebe und Unternehmen, die sind eben eher die Regel als
- 10:09eine Ausnahme. Also vorweg mal, ist diese Vorstellung, dass das ein schöner
- 10:13Beruf ist, richtig. Das will ich auch nochmal unterstreichen. Also ich bin
- 10:17sehr, sehr dankbar, dass ich diesen Beruf ausüben darf. Und für mich
- 10:20ist das der schönste Beruf, den es für mich gibt. Und deswegen
- 10:23mache ich das auch gerne. Und es sind viele kleine Momente, die
- 10:27ich immer sehr genieße. Aber es ist natürlich diese romantische Vorstellung von
- 10:30einem kleinen Hof, wo auch sämtliche Tiere, die es gibt, irgendwie mit
- 10:34rumlaufen und so weiter. Die ist natürlich nicht mehr da. Das sind
- 10:40einfach auch Wirtschaftsunternehmen, die funktionieren müssen, die Geld verdienen müssen. Und dann
- 10:43hat das halt schon auch ein bisschen einfach was mit Unternehmertum zu tun. Die
- 10:47klassischen Bauernhöfe oder wie man sich das vorstellt, auch eigentlich immer. Es
- 10:51ging immer darum, dass man seine Familie ernähren möchte oder Geld verdienen
- 10:54möchte. Aber es hat sich natürlich vieles verändert. Landwirtschaftliche Betriebe heute sind
- 10:59viel spezialisierter und sie agieren in ganz anderen, teils internationalen Strukturen. Die
- 11:05Herausforderungen, denen sie begegnen müssen, sind einfach nicht mehr vergleichbar mit denen
- 11:09vor 100, 150 Jahren, wo es eben doch noch mehr diese Bauernhof-
- 11:13Idee gab. Und damit sind wir schon bei den angekündigten Herausforderungen, mit
- 11:24denen Landwirtschaft zu kämpfen hat. Wir haben ja ganz am Anfang dieser
- 11:28Folge schon über die Schlagzeilen der schlechten Erntesaison gesprochen. Wie lief denn
- 11:33die Saison ganz konkret in Sachsen-Anhalt? Naja, da muss man ja
- 11:36eigentlich immer erst mal genau schauen, um was für eine Ernte es
- 11:39sich so handelt. In den Meldungen, wo du die Titel nochmal vorgelesen
- 11:43hast, da ging es ja vor allem um die Getreideernte. Der Landesbauernverband
- 11:46Sachsen-Anhalt veröffentlichte im August dazu eine Bilanz und darin war von
- 11:50einer katastrophalen Situation bei Winterraps die Rede. Beim Winterweizen lag die Ernte
- 11:55insgesamt unter dem Ertrag vom Vorjahr. Und das hätte alles einen Grund,
- 12:00nämlich zu wenig Niederschlag und zu heiße Temperaturen. Das haben wir ja
- 12:05glaube ich auch alle wahrgenommen, dass das in diesem Jahr auf jeden
- 12:07Fall ein Thema war. Die Sachen, die du jetzt angesprochen hast, Winterraps
- 12:11und Winterweizen, sind ja auch die Dinge, die im Betrieb von Philipp Kreinbring
- 12:14angebaut werden. Wie hat er denn persönlich dieses Jahr diese Ernte erlebt?
- 12:19Also er meinte, jetzt eigentlich erst euphorisch in die Ernte gestartet und
- 12:22dann hat sich das natürlich geändert aufgrund der Trockenheit. Viel wäre verbrannt.
- 12:26Auch sein Betrieb hat mit den Ernteanbußen zu kämpfen. Er sagt aber,
- 12:30auch, dass sie noch mit einem blauen Auge davon gekommen wären im
- 12:33Vergleich zu anderen Betrieben. Jetzt haben wir schon gesagt, zu wenig Niederschlag.
- 12:39Das bedeutet ja auch, die Böden werden bis in tiefere Schichten immer
- 12:42trocken. Der Grundwasserspiegel sinkt. Das ist ja alles nicht neu. Also wir
- 12:46hören das ja schon quasi seit Jahren in den Nachrichten, weil wir
- 12:50uns halt mittendrin befinden im Klimawandel. Ja, das stimmt. Und das Landesamt
- 12:55für Umweltschutz hat da auch nochmal spannende Zahlen in seinem Monitoringbericht für
- 12:58das Jahr 2025 zusammengetragen. In den meisten Regionen Sachsen-Anhalt gibt es
- 13:03heute doppelt so viele heiße Tage wie 1961. Und die Zahl der
- 13:08sogenannten Tropennächte, also das sind die Nächte, in denen die Temperatur eben
- 13:13nicht unter 20 Grad Celsius fällt, wird ebenfalls zugenommen. Und je nach
- 13:17Region kann mit diesen Veränderungen der Boden eben derzeit noch etwas besser
- 13:20umgehen. Das haben wir am Anfang schon ein bisschen mit der Schwarzerde
- 13:23gehört oder eben schlechter. Und ich wollte es noch ein bisschen genauer
- 13:26wissen und habe deshalb mal beim Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ nachgefragt.
- 13:31Ute Wollschläger und Hans Jürgen Vogel, die sind Agrarwissenschaftler und dort Teil
- 13:35des Teams für Bodensystemforschung. Naja, also was wir schon merken, ist, dass
- 13:40die Extremereignisse, wie man das so nennt, häufiger werden. Also wir haben
- 13:44mehr Starkregenereignisse, wir haben mehr Hitzeperioden, wir haben mehr Dürren. Und das
- 13:49wirkt sich natürlich auch auf die Erträge in der Landwirtschaft aus. Also
- 13:53ganz besonders hier in Sachsen-Anhalt ist das, naja, ich sage immer,
- 13:56für uns Wissenschaftler interessant, für die Landwirte vielleicht eher so ein bisschen
- 14:00Alptraum, weil wir haben einen sehr geringen Niederschlag und der reicht eben
- 14:06gerade aus, um die Kulturen ausreichend mit Wasser zu versorgen. Also ein
- 14:11Weizen braucht etwa 400 Millimeter Wasser im Jahr. Das kommt so knapp
- 14:16mit oder grob mit dem hin, was hier auch an Regen fällt.
- 14:19Und es gibt Jahre, die sind feuchter und es gibt Jahre, die
- 14:22sind trockener. Und die wirken sich dann eben auch auf die Erträge
- 14:25aus, dass wir mal mehr und mal weniger haben. Und diese hohe
- 14:28Variabilität, das haben wir uns kürzlich mal angeguckt mit Kollegen, die ist
- 14:32ganz besonders hier eben hoch. Und das Fande für uns ist die
- 14:37Schwarzerde, die speichern eben auch sehr viel Wasser. Und deswegen haben wir
- 14:42hier trotz des geringen Niederschlages immer noch die Möglichkeit, hohe Erträge zu
- 14:46erwirtschaften. Das ist in Norddeutschland, wo mehr Regen fällt, eben nicht so.
- 14:50Da fällt mehr Regen, aber die Erträge sind geringer. Und diese Schwarzerde,
- 14:55wie sie eben in der Magdeburger Börde vorkommt, kann das aber eben
- 14:58nicht dauerhaft ausgleichen. Naja, also was wir im Prinzip machen müssen, ist,
- 15:02wir müssen die Widerstandsfähigkeit des Bodens gegenüber diesen extremen Ereignissen erhöhen. Also
- 15:08wir müssen wirklich sehen, dass wir die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens so gut
- 15:12wie möglich erhöhen, also Verdichtungen vermeiden, tiefwurzelnde Pflanzen einbauen, den organischen Grundstoff
- 15:18halten. Und da müssen wir eben sehen, wie das standortspezifisch geht.
- 15:22Also das wird sicher auf den Schwarzerden anders sein als in den
- 15:25sandigen Bereichen. Aber da einfach den Mix finden. Und das ist auch
- 15:30eine Aufgabe der Forschung, die wir gerade sehr verfolgen bei uns. Einfach
- 15:34wie muss ich den Boden bewirtschaften, damit wir ihn in einen Zustand
- 15:38bringen, dass er diese extremen Ereignisse am besten abpuffern kann. Diese Forschung
- 15:44dazu ist natürlich unfassbar spannend und wird, glaube ich, auch für die
- 15:46Zukunft der Landwirtschaft, über die wir heute sprechen, eine große Rolle spielen.
- 15:50Gibt es denn da schon erste Antworten darauf, wie das gelingen kann,
- 15:54diese Böden widerstandsfähiger zu machen? Ja, es gibt verschiedene Maßnahmen, die Ute
- 16:00Wollschläger und Hans Jürgen Vogel da nennen. Die Fruchtvorgaben passen und abwechslungsreich
- 16:04gestalten. Zwischen Früchte im Winter einsehen, die dann quasi dadurch, dass die
- 16:09Pflanzen in der Erde sind und auch Blätter fallen lassen auf dem
- 16:12Boden, quasi Lebensmaterial einbringen. Der Humusgehalt im Boden kann so erhöht werden
- 16:17und damit kann auch mehr Wasser gehalten werden. Das klang jetzt schon
- 16:20ein bisschen sehr wissenschaftlich. Also Fruchtfolge anpassen, vielleicht nochmal für alle, die
- 16:25sich mit Landwirtschaft nicht so super gut auskennen. Was genau ist damit
- 16:28gemeint? Naja, eigentlich ist es so ein bisschen wie, wenn man einen
- 16:31Garten hat. Da soll man ja auch nicht jedes Jahr Möhren auf
- 16:33dem Feld aussehen, sondern das gerne mal anpassen. Weil verschiedene Pflanzen ziehen
- 16:37verschiedene Nährstoffe aus dem Boden und geben aber auch bestimmte Dinge anders
- 16:42in den Boden zurück. Und genau da ist beispielsweise eine Maßnahme, die
- 16:46Fruchtfolge noch abwechslungsreicher zu gestalten, vielleicht auch mit Früchten oder Pflanzenarten, die
- 16:52vielleicht insgesamt nicht so gewinnbringend sind, aber für den Boden auf lange
- 16:56Sicht gut. Also so, dass man vielleicht auch im Wechsel immer mal
- 17:00ein Feld hat. Ich glaube, das haben wir in der Schule auch
- 17:03irgendwann mal besprochen. Also Dreifelderwirtschaft, da klingelt irgendwas bei mir.
- 17:06Dass man auch immer mal im Wechsel Felder hat, die jetzt nicht
- 17:09unbedingt für den Ertrag da sind, sondern eher sozusagen wie so ein
- 17:14Regenerationsjahr haben. Genau, aber eben noch kleinteiliger. Noch kleinteiliger. Spannend. Sag mal,
- 17:17wir haben jetzt schon darüber gesprochen, dass Wasser fehlt. Da liegt ja
- 17:21auch irgendwie die Frage nach Bewässerung auf der Hand. Also auf meiner
- 17:25Reise, ganz realen Reise nach Magdeburg über Köthen, über die wir schon
- 17:28ein paar Mal gesprochen haben, sehe ich das manchmal, aber tatsächlich nicht
- 17:32so häufig, dass da ganze Felder zum Beispiel bewässert werden. Ja, weil
- 17:36das eben auch sehr schwierig umsetzbar ist, wie Hans Jürgen Vogel sagt.
- 17:42Ja, also Bewässerung ist eine sehr aufwändige Geschichte und lohnt sich für
- 17:47den typischen Ackerbau eher nicht. Was man noch tun könnte, wäre, dass
- 17:52man dafür sorgt, dass der Boden bis in eine größere Tiefe für
- 17:59Pflanzenwachstum, Nährstoffaufnahme und Wasserspeicher zur Verfügung steht. Und dafür geeignet sind ab
- 18:05und zu Pflanzen in der Fruchtfolge, die tief wurzeln, die entsprechende Bodenstruktur
- 18:12bilden, damit die Folgepflanzen es einfacher haben, auch in tiefere Bodenschichten vorzudringen.
- 18:17Es erhöht dann die nutzbare Wasserkapazität ganz deutlich. Was in die andere
- 18:22Richtung wirkt und wirklich schädlich ist, ist, wenn man durch schwere Maschinen
- 18:28sich Verdichtungen einhandelt unterhalb des Flughorizontes. Dann haben es die Pflanzen schwer,
- 18:34da runterzukommen und können diesen Raum nicht nutzen für Nährstoffe und Wasserversorgung.
- 18:39Also da gilt es zu vermeiden, dass die Böden verdichten aufgrund von
- 18:43schweren Maschinen, die ja hier überall im Einsatz sind. Ja, also was
- 18:47er meint, sind die schweren Erntemaschinen, die über den Acker fahren und
- 18:51durch ihr Gewicht immer mehr den Boden, die Erde zusammendrücken. Das macht
- 18:56es natürlich den Pflanzen schwerer zu wachsen und dem Wasser schwerer in
- 19:00die tieferen Schichten einzudringen. Er sagt, der Einsatz von kleineren, leichteren Maschinen
- 19:04wäre besser. Aber ehrlich gesagt, da muss ich sagen, ich glaube, kein
- 19:07Landwirt und keine Landwirtin wird sagen, das ist besonders praktikabel für sie,
- 19:10gerade wenn wir über so große Flächen sprechen, wie wir sie in
- 19:14Sachsen-Anhalt haben. Jetzt wurden ja aber trotzdem einige Maßnahmen genannt, die
- 19:18man ergreifen kann und die jetzt auch nicht so kompliziert klingen. Gibt
- 19:22es dafür ein Bewusstsein bei den Landwirten? Also leitet Ute Wollschläger und
- 19:26Hans Jürgen Vogel, gibt es das. Und zwar eine Landwirtschaft wie Politik,
- 19:30die am Ende immer die Rahmenbedingungen schafft. Also ich glaube, da sieht
- 19:37es tatsächlich nicht so schlecht aus. Immerhin hat das Wissenschaftsministerium ein zehn
- 19:41Jahre langes Projekt gefördert. Bonares hieß das, das ist im letzten Jahr
- 19:49ausgelaufen. Und das Ziel dieses Projektes war, wie kann man landwirtschaftliches Bodenmanagement
- 19:54so verändern, dass die Bodenfunktionen unter dieser Landwirtschaft nicht leiden und dass
- 20:00die Bodenqualität eher verbessert wird als verschlechtert wird. Und da hat das
- 20:07Ministerium viel Geld investiert und über 52 Institutionen in ganz Deutschland gefördert
- 20:13für diese Forschung. Also die Sensibilität ist da schon deutlich gestiegen in
- 20:19letzter Zeit. Und auch europaweit gibt es Forschungsprogramme, die in Richtung Soil
- 20:25Quality, Soil Health ausgerichtet sind. Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass es
- 20:29in Sachsen-Anhalt sicher Böden gibt, die solche Grenzstandorte sind, also sandige
- 20:36Böden mit geringer Wasserhaltekapazität, wo man sich überlegen muss, ob diese Böden
- 20:40aus der Produktion genommen werden. Ja, und welche Region das aber konkret
- 20:43betreffen könnte in Sachsen-Anhalt, da wollte er sich aber jetzt von
- 20:46mir nicht so festlegen lassen. Ist vielleicht auch ganz gut, nicht in
- 20:51einem Podcast zu sagen, in Mansfeld-Südharz, dritte Ecke links ab 2028
- 20:53kann man da nichts mehr anbauen. Nicht, dass dich da noch jemand
- 20:58darauf festnagelt. Ja, wir haben jetzt viel über Wasser gesprochen, über Böden,
- 21:03über Extremwetterbedingungen, darüber, dass wir mitten im Klimawandel stecken. Also kann
- 21:08man sagen, das ist sozusagen Herausforderung Nummer eins für die Landwirtschaft in
- 21:11Sachsen-Anhalt, ganz besonders. Auf jeden Fall eine, mit der sie schon
- 21:16seit einer ganzen Weile umgehen muss. Und interessanterweise schaut Philipp Kreinbring aber
- 21:22relativ entspannt darauf, obwohl der Klimawandel ja nicht nur Einfluss auf Niederschlag
- 21:27und Sonnendauer hat und den Boden, sondern ja auch teilweise neue oder mehr
- 21:31Schädlinge mit sich bringt und neben dem Boden auch die Pflanzen stresst.
- 21:34Ich sag mal, es ist ein Stück weit auch Berufsrisiko. Wir arbeiten
- 21:37nun mal unter freiem Himmel. Das machen wir auch gerne. Was zusätzlich
- 21:42die Herausforderung ist, die letzten Jahre, dass die Kostenstruktur so explodiert ist.
- 21:45Also braucht ja nur jeder an die Tankstelle gucken. Wir müssen auch
- 21:49Diesel tanken oder brauchen Energie, auch in Form von Mineraldünger und solche
- 21:54Geschichten. Also die Kosten sind einfach die letzten Jahre zusätzlich so stark
- 21:59gestiegen, dass es immer schwieriger wird, schlechte Jahre abpuffern zu können. Zum
- 22:03Beispiel fehlen Rücklagen, gerade liquide Mittel, um den laufenden Prozess irgendwie bedienen
- 22:08zu können. Und es war die letzten Jahre dann schwer möglich, aus
- 22:12den sehr, sehr guten Jahren vielleicht Rücklagen bilden zu können. Und ich
- 22:16erlebe das ja dann zu Hause auf meinem elterlichen Betrieb. Also mein
- 22:19Vater macht den Betrieb noch und er macht den jetzt seit 40
- 22:22Jahren. Und er hat so eine Phase, wie er sie beschreibt, so
- 22:26noch nicht erlebt, dass es eigentlich kaum noch darstellbar ist, den Betrieb
- 22:36in irgendeiner Weise ohne Nebeneinkünfte fortführen zu können. Das klingt, wenn man
- 22:42das so hört, erstmal ganz schön dramatisch. Trifft das, was Krainbring erzählt,
- 22:48tatsächlich auf richtig viele Landwirte zu? Ja, schon. Und deutschlandweit, wie er
- 22:52eben auch schildert, anhand des Betriebs seines Vaters in Schleswig-Holstein, also
- 22:58etwas mehr als die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe hat laut Deutschem Bauernverband
- 23:03Nebeneinkünfte. Und im Durchschnitt machen diese Nebeneinkünfte 50 Prozent des Einkommens aus.
- 23:06In Sachsen-Anhalt liegt das sogar ein bisschen höher. Wow, also mehr
- 23:11als die Hälfte. Was sind denn das für Nebeneinkünfte? Also in einer
- 23:15Auflistung, die sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2023
- 23:19bezieht, die ich gefunden habe, stammt der mit Abstand größte Anteil aus. 00:23:19.000 --> 00:23:24.000 Der Erzeugung erneuerbarer Energien. Also, dass Landwirte ihre Flächen für zum Beispiel
- 23:24Solarenergie verpachten, aber auch Einkünfte aus Biogasanlagen oder der Forstwirtschaft. Also meistens
- 23:31sind es Dinge, die diesen landwirtschaftlichen Betrieben nah sind. Die machen jetzt
- 23:34keinen Freizeitpark nebenbei. Die machen keinen Freizeitpark, außer Karl, außer Karls Elbphilharmonie.
- 23:39Oder eben, dass der Landwirt, ich sage mal, tagsüber Landwirt ist und
- 23:43abends hat er einen Remote-Job. Gibt es aber auch, sagte Philipp
- 23:46Kreinbring. Und warum ist das notwendig? Ist es tatsächlich so, dass die
- 23:50Kosten so hoch sind, dass es sich nicht mehr gut genug rentiert,
- 23:55nur in Anführungsstrichen Landwirtschaft zu machen? Also, wenn man den Worten von
- 23:59Kreinbring und auch den von den Bauernverbänden glaubt, dann ja. Und insgesamt
- 24:03muss man da, glaube ich, auf die nicht ganz so einfache Gemengelage
- 24:07schauen, in der wir uns einfach insgesamt wirtschaftlich bewegen und die eben
- 24:11auch auf viele andere Branchen zutrifft. Also ganz allgemein, unsere Produkte, auch
- 24:15die landwirtschaftlichen, konkurrieren nicht nur auf dem deutschen, sondern auf dem europäischen
- 24:19und dem Weltmarkt. Die Herstellungskosten sind insgesamt immer teurer geworden. Gleichzeitig steigen
- 24:25die Preise für viele Produkte kaum beziehungsweise nur im Handel, aber nicht
- 24:30bei denjenigen, die sie produzieren. Das kommt dann nicht an, sozusagen. Genau.
- 24:33Der Handel bestimmt aber den Preis. Es geht um möglichst große Gewinnmargen.
- 24:38Und da kann, wenn es sich jetzt nicht gerade um, ich sage
- 24:41mal, besonders geschützte Produkte handelt, auf dem gesamten Weltmarkt das günstigste Angebot
- 24:45eingekauft werden. Und das meistens ja zu Lasten der heimischen Produktion, die
- 24:49in Deutschland oft aus verschiedenen Gründen, dazu gehören ja auch Abgaben und
- 24:53Kosten für die Mitarbeitenden, einfach sehr viel höher sind. Das heißt, wir
- 24:57als Landwirte in Sachsen-Anhalt müssen uns dem globalen Markt stellen.
- 25:03Und da ist es natürlich so, dass wir dann vor der Herausforderung
- 25:06stehen, dass wir nicht gleiche Rahmenbedingungen haben. Stichwort nenne ich jetzt einfach
- 25:11mal Mercosur-Abkommen, was, glaube ich, ein gutes Handelsabkommen für viele Wirtschaftsbereiche
- 25:15ist. Aber wir Landwirte wurden davor gewarnt, das so abzuschließen, wie man
- 25:18es gemacht hat. Und am Ende hat sich jetzt erstmal herausgestellt, dass
- 25:21der Import von Rindfleisch jetzt doch erstmal eingestellt wurde, weil doch die
- 25:24Hormonbelastung zu hoch war und Antibiotikabelastung, was hier gar nicht mehr erlaubt
- 25:29ist in gewissen Bereichen. Und das ist ein sehr fraumer Wunsch, dass
- 25:33man sagt, wir haben auf der Welt alle die gleichen Standards. Das
- 25:35werden wir nicht hinkriegen. Jetzt hat ja Philipp Kreinbring gerade dieses Mercosur-
- 25:39Abkommen erwähnt. Vielleicht sollten wir da kurz nochmal alle abholen. Ja, also
- 25:43das ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien,
- 25:48Brasilien, Paraguay und Uruguay. Das ist seit Mai diesen Jahres in Kraft
- 25:53und das Abkommen schließt eben auch landwirtschaftliche Produkte ein, die wir importieren.
- 25:58Dazu gehört beispielsweise auch Fleisch, wobei sich die Mercosur-Staaten eigentlich an
- 26:03EU-Vorgaben halten müssen, was so die Einhaltung bestimmter Grenzwerte betrifft, wie
- 26:07Antibiotika. Das Abkommen hat eben von Anfang an für Kritik unter den Landwirten gesorgt, weil
- 26:11die befürchtet haben, dass die Standards, denen sie unterliegen, und auch den Prüfungen, denen sie unterliegen,
- 26:14einfach nicht eingehalten werden und dann billiger produziertes Fleisch die heimischen Produkte
- 26:18verdrängt. Und zum September diesen Jahres wurde die Einfuhr von Rindfleisch und
- 26:23auch Geflügel aus Brasilien gestoppt, weil die EU-Vorgaben dann doch nicht
- 26:27so eingehalten werden konnten. Also ist gewissermaßen die Befürchtung der Landwirte auch
- 26:36eingetreten. Ja, und Kreinbring sagt halt, wenn wir unsere eigenen Standards so
- 26:40hochsetzen, dann müssen wir uns aber auch committen, die eigenen Produkte von
- 26:44regionalen Landwirten auch wirklich abzunehmen und entsprechend zu bezahlen. Denn so sind
- 26:48jetzt quasi verschiedene Produkte, die vermeintlich gleich sind, auf einem Markt. Ist
- 26:53das so ein Fingerzeig in Richtung Verbraucher? Weil wir natürlich auch mit
- 26:57unserem Konsum, mit unseren Konsumentscheidungen dazu beitragen, was mehrheitlich in den Regalen
- 27:02landet. Das dachte ich im ersten Moment auch, aber tatsächlich meinte das
- 27:06so nicht. Also ich will das nicht immer auf den Verbraucher abwälzen.
- 27:09Ich bin selber Verbraucher und wenn ich durch den Supermarkt gehe und
- 27:12ich kenne mich ja mit der Materie aus, merke ich aber selber,
- 27:15dass ich manchmal überfordert bin. Also wenn man normal in den Supermarkt
- 27:17geht, wenn man bewusst in den Hofladen geht, dann ist das wieder
- 27:20leichter und was anderes. Aber diese Komplexität ist ja einfach da und
- 27:23da ist aus meiner Sicht die Politik gefordert. Der Handel natürlich auch.
- 27:27Der rechnet nur mit seinen Margen. Da geht es um Centbeträge, ob
- 27:30ein deutsches Produkt gekauft wird oder nicht gekauft wird. Und da lege
- 27:34ich mittlerweile eher meine Hand Richtung Handel und Richtung Politik. Da liegt
- 27:39die Verantwortung und nicht bei dem einzelnen Verbraucher. Naja, zumal ja auch
- 27:44die Entscheidung, was ich als Verbraucher kaufe, vielleicht auch manchmal davon getrieben
- 27:49ist, wie viel Geld ich tatsächlich zur Verfügung habe. Es ist ja
- 27:52jetzt nicht so, als könnten alle Menschen in Deutschland, in Sachsen-Anhalt,
- 27:56sich immer sozusagen für das beste Produkt entscheiden. Manchmal ist es ja
- 28:00auch einfach eine ganz klassisch finanzielle Entscheidung. Ja, und hinzu kommt, ich
- 28:05finde, gerade bei verarbeiteten Produkten oder weiterverarbeiteten Produkten wird es ja
- 28:10auch immer komplizierter herauszufinden, woher das kommt. Also wenn das jetzt die
- 28:13regionalen Tomaten sind aus Wittenberg, dann kann ich das relativ einfach identifizieren.
- 28:18Aber woher eigentlich das Mehl kommt? Keine Ahnung. Dann wird es schon sehr
- 28:22viel schwieriger, ob das Getreide jetzt wirklich aus Sachsen-Anhalt kam oder
- 28:26vielleicht aus einem ganz anderen Land dazu gekauft und weiterverarbeitet wurde.
- 28:30Naja, wenn wir jetzt noch mal die Eingangsfrage aufgreifen, wie es um
- 28:33die Zukunft der Landwirtschaft steht in Sachsen-Anhalt, aber eben ja auch
- 28:36ganz allgemein, dann finde ich schon total spannend, dass Kreinbring sagt, dass
- 28:41nicht die klimatischen Herausforderungen das sind, was seine Branche mehrheitlich belasten. Und
- 28:46ich hätte ehrlich gesagt gedacht, das wäre es. Aber seine Antwort fällt ganz
- 28:49anders aus. Die klimatischen Herausforderungen, die kennen wir, da können wir eigentlich
- 28:54mit umgehen. Was deutlich größer geworden ist, muss man ganz klar sagen,
- 28:57sind politische Herausforderungen, so nenne ich sie mal. Also das heißt, wir
- 29:01haben immer stärkere Auflagen. Wir haben immer weitere Einschränkungen. Uns fallen immer
- 29:06weitere Möglichkeiten weg. Zum Beispiel im Pflanzenschutzbereich verlieren wir immer mehr Wirkstoffe,
- 29:12sodass es manchmal schwierig wird, Pflanzen gesund zu halten oder auch unkrautfrei
- 29:16zu halten. Und diese Herausforderungen auf politischer Ebene, Stichwort auch Bürokratie, sind
- 29:24teilweise schon immens geworden und sind leider auch abgedriftet weg von Fachlichkeit.
- 29:31Na gut, ich sage es mal so, auch Pflanzenschutz ist natürlich auch
- 29:34mehr nötig, wenn neue Schädlinge kommen durch den Klimawandel. Also ich glaube,
- 29:39vielleicht ist manchmal auch gar nicht so klar, was an Klimawandel und
- 29:42Klimaschutz eben auch an Folgekosten dann vielleicht dranhängt, die dann ja auch
- 29:46sowohl die Landwirte als auch die Verbraucher treffen. Also das finde ich
- 29:50ganz interessant. Aber was ich jetzt mitnehme, es geht auch um zu
- 29:53viel Bürokratie, zu viel Dokumentationspflichten. Und das sind ja auch Dinge, über
- 29:58die ganz, ganz viele Branchen klagen. Dieser Frust darüber, der zieht sich ja auf jeden Fall durch.
- 30:03Ja, und auch die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen. Also er hat ja noch mal beschrieben, dass
- 30:06auf EU-Ebene beispielsweise Gesetze gemacht werden. Auf Länderebene wird das dann
- 30:14umgesetzt. Da gibt es verschiedene Auslegungssachen. Und gerade wenn Betriebe, ich sage
- 30:18mal, direkt an der Landesgrenze sind, dann käme es halt manchmal zu
- 30:21so Sachen wie, okay, also hier auf den fünf Metern darf ich
- 30:24das jetzt nicht machen, aber auf den fünf Metern da drüben schon.
- 30:27Und dann wären sie gewisserweise ratlos. Darf ich das? Darf ich das?
- 30:32Darf ich das? Lese mir die ganzen Verordnungen durch und am Ende
- 30:34weiß ich es eigentlich auch schon gar nicht mehr. Und dann ruft
- 30:37man auf dem Amt an und die wissen es auch nicht mehr,
- 30:39weil sie es auch nicht mehr nachvollziehen können, was jetzt eigentlich gerade
- 30:41Stand der Dinge ist. Und das sind so die Sachen, dass ich
- 30:44sage, ja, wir brauchen eine vernünftige Dokumentation. Und ich finde es auch
- 30:47in Ordnung, dass wir das alles festhalten müssen und dass wir auch
- 30:51gewisse Regeln haben und Auflagen haben, wie wir gewisse Dinge einsetzen dürfen.
- 30:56Aber das nimmt dann, ich sage mal, so über der Hand. Ich
- 30:59überspitze es jetzt bewusst, dass ich irgendwann noch dokumentieren muss, wann welche
- 31:03Kuh wo rülpst. Das stelle ich mir auf jeden Fall lustig vor,
- 31:07wenn das dann dazu käme. Ist natürlich hier tatsächlich bewusst überspitzt. Ich
- 31:12nehme aber mit, es gibt da ganz reelle Probleme, ganz reale Herausforderungen,
- 31:16vor denen die Landwirtschaft steht. Jetzt muss man ja aber fairerweise sagen,
- 31:21eigentlich ist das ja eine Berufsgruppe, die mit ihren Bauernverbänden eine sehr
- 31:26starke Lobby hat in Deutschland, aber auch in der EU. Ja, ich
- 31:29sag nur, da wurde ein sehr berühmtes Buch darüber geschrieben. Und ja,
- 31:34ich bin ganz bei dir. Ich würde auch sagen, dass eigentlich Landwirte
- 31:37und Landwirtinnen eine recht große, starke Lobby haben. Wir erinnern uns da
- 31:43sicherlich noch an die Proteste, wie mit großen Landmaschinen die Auffahrten von
- 31:47beispielsweise Autobahnen blockiert wurden. Es gab Kurse mit Traktoren. 2023 war das.
- 31:53Die damalige Bundesregierung wollte die Subventionen für Agrardiesel sowie die Kfz-Steuerbefreiung
- 31:58streichen, um ein Haushaltsloch zu stopfen. Seit diesem Jahr gibt es die
- 32:02Rückvergütung wieder, und zwar im vollen Umfang. Und davon profitieren tatsächlich vor
- 32:06allem große Betriebe. Und da hat dieser Protest unter Druck der Bauernverbände
- 32:11wirklich was bewirkt. Okay, also fassen wir vielleicht nochmal so ein bisschen
- 32:15zusammen. Der Klimawandel, den wahrscheinlich du und ich auch für so die
- 32:19größte Herausforderung gehalten hätten, der spielt natürlich eine Rolle. Der spielt auch
- 32:23auf ganz verschiedenen Ebenen eine Rolle, ist aber gar nicht so sehr
- 32:26das dringlichste Problem. Es geht viel um natürlich Böden, um resiliente Böden.
- 32:31Es geht aber vor allen Dingen auch um Dokumentationspflichten. Es geht um
- 32:35Bürokratie und auch um die Kosten-Nutzen-Rechnung, die eben natürlich am
- 32:39Ende sich irgendwie auszahlen müssen. Wir haben gehört, viele Landwirte müssen tatsächlich
- 32:44Nebeneinkünfte mit einbringen, damit das Unternehmen sozusagen funktioniert. In der Gesamtbewertung, was
- 32:51heißt das denn für die Zukunft der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt? Tatsächlich
- 32:55finde ich, ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, weil
- 32:58es eben so viele verschiedene Bedingungen und Herausforderungen gibt. Und weil all
- 33:05das in so einer globalen Welt eben immer komplizierter geworden ist. Ich
- 33:09würde sagen, wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft, die natürlich klar hohe Erträge
- 33:14erzielt. Denn wir wollen uns natürlich versorgen können, aber eben nicht zur
- 33:18Lasten der Umwelt, in der wir noch viele Jahre und Jahrzehnte leben
- 33:22wollen. Wir brauchen geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Politik, um einerseits
- 33:30die Landwirtschaft an klimatische Veränderungen anzupassen und andererseits eben auch mit den
- 33:35Herausforderungen einer globalen Welt umgehen zu können. Und Kreinbring wünscht sich da
- 33:39vor allem eins: mehr Vertrauen in die Fachkompetenz seiner Branche. Denn er
- 33:44hat das Gefühl, in den letzten Jahren ist gerade seiner Branche eher
- 33:48mehr Misstrauen entgegengebracht worden. Insgesamt schaut er aber trotzdem, auch wenn er
- 33:53schon so viele Herausforderungen geschildert hat, eigentlich überhaupt nicht pessimistisch in die
- 33:58Zukunft. Also ich gucke eigentlich grundsätzlich immer optimistisch nach vorne, weil das
- 34:02mein Gemüt ist und weil ich mir am Anfang schon sagte, ich
- 34:05mache den Beruf einfach unheimlich gerne. Und deswegen bleibe ich grundsätzlich ein
- 34:09Optimist. Aber wenn wir gewisse Weichen nicht stellen, können wir uns einfach
- 34:13darauf einstellen, dass die Struktur, wie wir sie jetzt haben, wegbrechen wird.
- 34:18Also viele Betriebe im ländlichen Bereich werden aufgeben, werden aufhören. Die nächste
- 34:21Generation wird es nicht weitermachen. Strukturwandel wird sich weiter beschleunigen. In manchen
- 34:27Bereichen ist das sicherlich gut, aber ich glaube, wir sind in gewissen
- 34:30Bereichen auch an dem Punkt, wo es nicht mehr gut ist, weil
- 34:32es einfach auch dörfliche Strukturen schwächt, Regionen schwächt. Und wenn da nicht
- 34:38zeitnah die Weichen etwas anders gestellt werden, wird sich vieles sehr verändern
- 34:44und nicht nur zum Positiven. Landwirtschaft wird weiter ein Thema bleiben. Wir
- 34:48müssen alle täglich essen. Deswegen wird es immer Landwirtschaft geben, aber es
- 34:52wird sich deutlich verändern, wie die dann aussehen wird und wie sie
- 34:56gestaltet wird. Ja, Nachwuchs ist wahrscheinlich auch ein Riesenthema. Haben wir heute
- 35:00gar nicht so richtig drüber gesprochen. Aber beim demografischen Wandel, vor allen
- 35:03Dingen in Sachsen-Anhalt, können wir davon ausgehen, dass es auch Betriebe
- 35:06geben wird, die da wirklich mit dem Nachwuchs Schwierigkeiten haben. Wenn ihr
- 35:10da Betriebe kennt, wenn ihr Geschichten kennt von Familien, die nicht wissen,
- 35:12wie es sozusagen weitergeht, wenn die alten Herrschaften in Rente gehen, dann
- 35:16schreibt uns doch gerne eine Mail an. Und mittlerweile ist es ja an
- 35:28dieser Stelle auch recht gängig, dass wir von unseren Gesprächspartnern die Lieblingsorte
- 35:34in Sachsen-Anhalt erfahren. Heute auch. Ich habe natürlich Philipp Kreinbring danach
- 35:38gefragt, wobei ich eigentlich seinen Lieblingsort jetzt gar nicht abspielen will. Bei
- 35:43Katja, du bekommst so einen Zwölflügel. Ah, es ist mal wieder ein
- 35:46Ort in meiner Heimatstadt Magdeburg. Da freue ich mich doch sehr. Ich
- 35:50weiß gar nicht, wie du darauf kommst. Also grundsätzlich bin ich immer
- 35:53gerne zu Hause in drei Leben. Aber ich muss sagen, und deswegen
- 35:57kann ich das, glaube ich, so einfach dann runterbrechen: Die Landeshauptstadt, also
- 36:01Magdeburg. Ich bin hierher gekommen 2016 und kannte Magdeburg überhaupt nicht. Und
- 36:07ich habe die Stadt wirklich schätzen und lieben gelernt. So viele schöne
- 36:10Ecken, so viele Möglichkeiten, was mit der Familie zu machen. So viele
- 36:14Möglichkeiten, schön Eis zu essen an der Elbe. Also ich bin sehr
- 36:18sehr gerne in Magdeburg. Guck mal, ich habe das ja nochmal rausgeholt.
- 36:24Ja, oh, das ist sehr lang. Ich drücke mal wieder die Stopptaste.
- 36:31Ich verhänge hiermit ein offizielles Lieblingsort Magdeburg. Ich kann das nachvollziehen. Sachsen
- 36:38Anhalt ist ja wirklich auch deutlich diverser als die Landeshauptstadt. Von daher
- 36:42jetzt seid ihr wirklich mal gefragt. Schickt uns doch bitte eure Lieblingsorte
- 36:47außerhalb von Magdeburg oder eure Heldin, euren Helden des Alltags. Teilt ihn
- 36:52mit uns. Wir teilen ihn dann hier bei uns im Podcast. Die
- 36:55Adresse lautet dazwischen@detektor.fm oder ihr könnt uns natürlich auch
- 36:59einfach eine Sprachnachricht schicken. Die Telefonnummer für unseren WhatsApp-Kanal, die findet
- 37:03ihr in unseren Shownotes. Nächste Woche bist du dann im Urlaub, wohlverdient.
- 37:09Ihr hört dann also eine Folge mit mir und Leonard, und die
- 37:12hat ja irgendwie auch mit Land zu tun, oder vielmehr Besitz von
- 37:16Land und anderen Werten. Wir gehen nämlich der Frage nach, warum es
- 37:20zwischen Ost und West immer noch eine so große Vermögensungleichheit gibt, wie
- 37:24wir sie überwinden können und warum das wichtig für unsere Gesellschaft ist.
- 37:27Und ich sage schon mal so viel dazu: Ich werde in diesem
- 37:30Leben keine Großgrundbesitzerin. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf diese Folge
- 37:34und werde sie mir auf jeden Fall anhören. Ihr hoffentlich auch. Bis
- 37:37dahin macht's gut. Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und
- 37:50dem Media Forward Fund. Podcast Hosts Marilandes und Katja Schmidt. Podcast Redaktion
- 37:58Leonard Schubert. Cover Design Claudia Dölling und Anja Kriemer von Sisters of
- 38:04Design. Originalmusik Florian Sievers. Audio- und Videospielproduktion Benjamin Serdani, Stanley
- 38:11Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung Christian Bollert.