Latest / Neuro-Performance / Was tun, wenn du dich krankmeldest, nur um endlich arbeiten zu können?
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- Nina: Was kannst du tun, wenn du dich krank meldest, nur ⁓ endlich arbeiten zu können? Ich gebe zu, der Titel heute klingt etwas absurd, aber bleib hier, wir lösen auf, was dahinter steckt. Hi, mein Name ist Nina und ich teile mit dir hier Geschichten aus meinem eigenen Führungserleben, aber auch aus meiner Begleitung im Neuroperformance. Und ein Beispiel, was ich aktuell wieder sehr oft erlebe, ist das Führungskräfte... arbeiten, obwohl sie eigentlich krankgeschrieben sind bzw. obwohl sie eigentlich mal dringend eine Pause benötigen würden. Ich habe das mal gemacht und rückblickend bin ich nicht sehr stolz drauf, aber ich war neu in einer großen Führungsrolle und hatte extrem viele Baustellen gleichzeitig, obwohl ich noch nicht mal zwei Monate in dieser Organisation war. im Kalender stand dieses große Management Meeting. Ich hatte morgens ⁓ vier ins Taxi springen müssen, ⁓ zum Bahnhof zu fahren, wäre dann irgendwann nachts wieder zurück gewesen und hätte den ganzen Tag irgendwelche Management-Themen auseinandergenommen. Eigentlich super, super wichtig für meine eigene Platzierung. Aber mein Gehirn war so am Alarm, weil es so viele Baustellen gleichzeitig hatte. Strategisch, operativ, Führungsthemen, dann eine Mäheneskalation und Konflikte, die plötzlich da waren. Und ich war einfach nur noch massiv überfordert und wusste nicht mehr, wo ich anfangen soll. Also meine Lösung, ich habe das Event abgesagt und mich offiziell krank gemeldet. Nicht so geil, dass ich es gemacht habe, weil wie gesagt, Event war wichtig. Gleichzeitig war ich aber auch krank, weil ich einfach nicht mehr zur Ruhe kam. Mein Körper kam nicht mehr zur Ruhe, er war im Kampfmodus. Ich konnte nachts nicht mehr richtig schlafen, aufgewacht, hatte Panik, konnte mich gar nicht mehr richtig konzentrieren. Naja, und dann kam halt die Krankmeldung, die Eventabsage für mich als einzige Lösung, ⁓ Achtung, und jetzt wird's richtig absurd, zu Hause weiter heimlich Brände zu löschen. Ich hab mich da nicht ins Bett gelegt und nichts gemacht und mich mal endlich erholt und mein Nervensystem reguliert, sondern ich habe heimlich... weitergearbeitet. Und nein, ich bin als Führungskraft nicht stolz darauf, dass ich das damals gemacht habe, aber mein Gehirn konnte nicht weiter denken in dem Moment, als hier Brände zu löschen. Und vielleicht kennst du das, vielleicht ist es kein Event gewesen, was du abgesagt hast, aber die sind einen Termin, den du gesundheitlich abgesagt hast, ⁓ endlich Luft zu haben, ⁓ dann noch irgendwas wegzuarbeiten. Oder du bist wirklich krank und hast dich auch abgemeldet, ganz offiziell, holst aber den Laptop raus und arbeitest trotzdem weiter, weil da... Beispielsweise das schlechte Gewissen ist, was dich plagt oder irgendein anderer Grund, warum du weiter arbeitest. Und dieses Ausweichen, ja, weiterarbeiten, ausweichen, fühlt sich in dem Moment wie eine Rettung an. Gehen wir da mal tiefer rein. Also, Führungskräfte haben krass viel auf dem Tisch. Ich glaube, das wird keine Überraschung für dich sein. hinzukommen, dass krass viele Themen einfach unklar sind. Egal was du gerade machst. Es gibt so viele Themen, gerade unklar sind, die vielleicht gar nicht in deiner Steuerung liegen und auch viele Themen, die gleichzeitig auf dich eindröppeln. Ja, und was macht das Gehirn? Statt dass wir sauber priorisieren in dem Moment, was jetzt wirklich wichtig und was dringlich ist, fangen wir an auszuweichen. Und häufig machen wir das gar nicht so bewusst und offensichtlich, sondern eher subtil, indem wir beispielsweise Dinge verschieben, Dinge absagen oder uns kurzaus etwas rausziehen. Fühlt sich in dem Moment wie eine Lösung an, fühlt sich richtig an, fühlt sich an wie so bisschen, ich hab mir grad bisschen Luft wieder verschöpft. Aber das Problem ist einfach, dass der Druck dadurch nicht weggeht. Er wird einfach nur verschoben. Und beim nächsten Mal, wenn du wieder in so einer Situation bist, kommt es viel schneller zurück als beim ersten Mal. Warum ist das so? Warum geraten wir in solche Verhaltensweisen? Warum tun wir das? Die Antwort neurobiologisch, weil Vermeidung sofort wirkt. In dem Moment, in dem du beispielsweise ein Event absagst oder einen Termin, passiert Folgendes in deinem Gehirn. Dein Ermüktaler, wenn du hier schon bisschen länger dabei bist, dann weißt du, das ist das Alarmzentrum. Dein Amygdala bekommt ein Signal. Gefahr reduziert. Und dann fährt dein Nervensystem runter. Es fühlt sich so ein bisschen an wie Erleichterung. In meinem Fall war es so, ich habe das Event abgesagt, ich habe jetzt bisschen Luft, ich kann meine 1 Million To-Do's wegarbeiten und irgendwie wieder in die Steuerung kommen. Der Punkt hier ist aber, das Gehirn merkt sich diese Erleichterung. Die Vermeidung wird also belohnt und alles was belohnt wird, wird wiederholt. Ja, in meinem Fall beispielsweise, ich würde vielleicht wieder einen Termin absagen. Hab ich dann noch später gemacht. Keine Managementtermine, aber andere Termine, wo ich hardcore priorisieren musste und mein System dann, obwohl es ein wichtiger Termin war, gesagt hat so, alter Walter, nee, es ist einfacher, jetzt den Termin abzusagen und dann heimlich weiterzuarbeiten, als beispielsweise mal was am System zu verändern und zu sagen so, ey, hier liegt viel zu viel auf dem Tisch, es geht einfach nicht mehr. Hallo, die Beführungskraft über mir, wir haben ein Problem im System. Nee. ⁓ Mein System natürlich nicht gemacht. Mein System ist in die Vermeidung gegangen, hat lieber was abgesagt und hat dann heimlich weitergearbeitet. Der Druck ist aber nicht verschwunden, weil die Aufgaben sind ja trotzdem da geblieben. Die ganzen Termine sind da geblieben. Alles ist so geblieben, wie es ist, auch wenn ich versucht habe, ein Thema zu vermeiden in dem Moment. Es wartet dann einfach bis zum nächsten Mal und die Schwelle wird niedriger und niedriger. Das ist dann übrigens auch der Moment, wo beispielsweise Führungskraft, ihren Aufgaben nicht mehr gerecht werden und so ein bisschen in die Vermeidungstaktik wechseln und Dinge dann auch nicht mehr machen, wäre eine beispielhafte Erklärung, wo dann schneller ausgewichen wird und dann quasi so reagiert wird. Nicht aus Schwäche, fehlender Kompetenz, sondern einfach oft aus einem Nervensystemzustand heraus, der absolut in der Distrikulation ist und kurzfristig entlasten will, indem Vermeidung als Option Nummer 1 gewählt wird. So, Phänomen erklärt. Was machen wir jetzt damit? Ich habe mal wieder eine kleine Übung mitgebracht. Der ehrliche Kassensturz. Wenn du das Phänomen kennst, wenn auch du einfach viel zu viel auf dem Tisch hast, alles ist gleich wichtig. Du weißt nicht mehr, wie du deine Aufgaben in der Luft halten kannst, ohne dass dir Bälle runterfallen und du manchmal dazu geneigt bist, Dinge abzusagen. Sei es private Themen, auch da. Viele fangen dann an, private Verpflichtungen abzusagen oder private Spaßtermine abzusagen oder halt auch beruflich, dass du Dinge absagst, weil du es nicht mehr unterbekommst. Dann kannst du diese Übung einmal machen, ⁓ Klarheit in dem Moment zu gewinnen. Dauert es ungefähr fünf Minuten und es sind insgesamt auch nur drei Schritte. Ich gehe dir einmal kurz wieder mit dir durch und danach gibst du die Erklärung, warum diese Übung wirkt. Also der ehrliche Kassensturz. Aufgabe Nummer eins, Schritt eins. Schreib in dem Moment alles auf, was gerade in deinem Kopf ist. Wenn du das Gefühl hast, es ist gerade wieder viel zu viel und es ist nicht nur ein Gefühl, es ist einfach too much. Und bevor du dazu geneigt bist, irgendwas abzusagen, schreib dir einmal alles auf. Raus aus deinem Kopf damit. Du musst es einmal aus deinem Kopf rausbringen. Alle Baustellen. Einfach eine Rente schreiben. Du musst noch gar nicht strukturieren, noch nicht sortieren. Einfach alles mal aufschreiben. Auf einen Zettel, auf mehrere Zettel, aber raus damit aus dem Kopf. Dann Schritt 2. Du guckst dir jetzt alles an, was du aufgeschrieben hast und du markierst die eine Sache, die dir gerade am meisten Energie zählt. Die eine Sache, die dir am meisten Energie zählt. Achtung, das ist nicht immer die wichtigste Aufgabe, die du darin liegen hast, sondern das ist meistens die Aufgabe, die dich am meisten beschäftigt, die dein Gehirn aktiv hält. Diese eine Sache einmal markieren. Wenn du fünf Sachen hast, dann vergleiche sie miteinander, damit du zu der einer Sache kommst, die dich gerade am meisten Energie kostet. Wenn du das gemacht hast und diese strukturelle Hilfe schon mal geschaffen hast auf Papier, dann schaust du dir im dritten Schritt an, wen du in deinem involvieren kannst, ⁓ diese eine Sache zu lösen. Wen kann ich hier einbeziehen? Oder wen brauche ich für eine Entscheidung? Delegier, du bist Führungskraft, du hast ein Team. Wenn du es nicht lösen kannst, Delegier nach oben. Vielleicht ist es gar nicht dein Thema. Vielleicht ist es ein Problem im System. Dieser dritte Schritt, einmal auszusprechen oder sogar aufzuschreiben, wen du für genau diese Aufgabe, die dich gerade am meisten Energie kostet, involvieren kannst, hilft deinem Gehirn. Zwei Dinge passieren hier nämlich. Wir gehen da bisschen tiefer neurobiologisch rein. Wenn du die Dinge benennst, die dich belasten, dann hat das einen direkten Effekt im Gehirn. Aktivität deiner Amygdala sinkt. Dein Alarmsystem wird runtergedrosselt. Nennt man übrigens Effect Labeling. Wenn du deine Gefühle in Worte fasst, beruhigt das dein Alarmsystem. Und das passiert meistens, wenn du verbalisierst, nach außen trägst, die nicht im Kopf behältst. Das ist der erste Effekt. Der zweite Effekt, aus einem diffusen alles ist so viel, alles ist gleich wichtig, alles ist gleich dringlich, wird eine konkrete Aufgabe. Du stoppst quasi dieses Gedankenkarussell in deinem Kopf und dein präfrontaler Cortex, dein Denkjahr, verantwortlich für strategisches Denken, priorisieren, klar entscheiden, kann nun mit konkretem Arbeiten, konkretem, das was du gerade in der Übung aufgeschrieben hast, jetzt wird es konkreter, es ist nicht mehr so diffus in deinem Kopf, der Nebel geht weg. Und so kommst du dann aus der Überforderung, aus dem für dich wahrgenommenen Unsteuerbaren zurück in die Handlungsfähigkeit. mega kleine Übung, machen wir leider nur viel zu selten. Ich wünschte, ich hätte sie damals an Hand gehabt. In den Situationen konnte ich gar nicht an solche Übungen denken, weil mein Gehirn so im Nebel war und so unter Druck stand. Aber wenn du dir diese Übung einmal greifst, irgendwo aufschreibst, sie vielleicht sogar schon mal machst, ohne dass du gerade unter Druck stehst, dann kann dir das helfen, damit du neue neuronale Netzwerke in deinem Gehirn aufbaust, ⁓ in solchen Stressmomenten wirklich diese Übungen griffbereit zu haben. Abschließend, es ist kein Charakterfaire. Es ist kein Wissensthema, ist kein Kompetenzthema, dass wir so agieren, wie ich es gerade auch beschrieben habe. Es ist schlichtweg ein Zustand unseres Nervensystems. Unser Nervensystem braucht ein Ventil. Und weil es nichts anderes gelernt hat, uns kein Mensch gezeigt hat, wie wir unser Nervensystem gut regulieren können und gut steuern zu können, sucht es irgendwie nach Lösungen, nach einem Schutzmuster, das in der Vergangenheit gewirkt hat. Und die Frage, wie kann ich mehr schaffen, wie kann ich mich mehr zusammenreißen, ist in dem Moment nicht die richtige. Besser ist, dass du für dich die Frage stellst, wo ist gerade mein echtes Ventil? Was kann ich gerade loslassen? Wo kann ich Druck abgeben? Wen brauche ich dafür? Und das kannst du genau mit dieser Übung machen. Viel Spaß beim Ausprobieren.