Latest / Gin And Talk / Ildikó von Kürthy über Mut, Rollen und gesellschaftliche Zwänge
Transcript
- 0:00Speaker 0: Ja, das echte Leben scheint immer nur bei uns zu Hause stattzufinden.
- 0:03Speaker 0: Da wo die Milch anbrennt und die Brüste hängen und die Falten jeden Tag mehr werden und der man sich mit dem Mann samt oder die Kinder probiert hier vor sich hinmüffeln.
- 0:16Speaker 0: Und ich merke dass in mir eben auch Dass ich manches gar nicht los werde weil es meine Prägung ist.
- 0:22Speaker 0: und dann denke ich Emanzipation kann es eigentlich erst geben wenn ich tot bin.
- 0:29Speaker 0: Ich finde Frauen, die wirklich Karriere machen wollen häufig viel größerer Opfer dafür bringen müssen als Männer.
- 0:38Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 0:39Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürt und bevor wir gleich in das Gespräch starten möchte ich gerne unseren heutigen Gast vorstellen.
- 0:45Speaker 1: Ildikov von Kirti ist eine der erfolgreichsten und meist gelesenen Schriftstellerinnen der Nation.
- 0:51Speaker 1: Ihr Roman-Monschein-Tarif katapultierte sie Ende der Neunzelneunzigerjahre in die Bestsellerlisten.
- 0:57Speaker 1: Und auch die darauf folgenden Romane waren dort immer wieder zuverlässig und regelmäßig vertreten.
- 1:02Speaker 1: Ihr neuestes Werk, Morgenkantkommen unterscheidet sich von ihren bisherigen Büchern teilweise deutlich.
- 1:08Speaker 1: Es dreht sich um das Leben von Frauen mittleren Alters, die ihr Leben reflektieren und neu bewerten.
- 1:14Speaker 1: Welche Auswirkungen das haben kann, warum es trotzdem Sinn macht und welche Chancen darin liegen können wird mir Eliko von Kürtig gleich im ausführlichen Gespräch erklären.
- 1:23Speaker 1: Bevor wir aber gleich starten noch eine Bitte!
- 1:26Speaker 1: Wenn euch Jinen Talk gefällt folgt uns bei Spotify, Apple Podcasts oder wo auch immer ihr gerne Podcast hört so verpasst ihr auch keine der folgenden Episoden.
- 1:36Speaker 1: jetzt aber viel Spaß beim Zuhören.
- 1:37Speaker 1: schön dass ihr alle wieder mit dabei seid
- 1:45Speaker 0: und eine Menge Zeit für ein
- 1:47Speaker 1: persönliches Bargespräch.
- 1:50Speaker 1: Herzlich
- 1:50Speaker 0: willkommen an unserem Bartresen!
- 1:53Speaker 1: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 1:58Speaker 1: Mach es dir gemütlich,
- 2:00Speaker 0: lehne dich zurück und tauche
- 2:02Speaker 1: ein in die verrucht düstere
- 2:05Speaker 0: Atmosphäre
- 2:06Speaker 1: unserer Studio-Bar.
- 2:15Speaker 1: Liebe Iliko von Kürt, ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier virtuell treffen können.
- 2:19Speaker 1: Sie wahrscheinlich in Hamburg und ich in München aber immerhin virtuell zugeschaltet.
- 2:24Speaker 1: Deshalb herzlich willkommen hier bei Gen & Talk!
- 2:27Speaker 1: Ich
- 2:27Speaker 0: freu mich auch sehr und tatsächlich ja herzliche Grüße aus Hamburg.
- 2:30Speaker 1: Sie haben ein Buch geschrieben also schon einige und aber jetzt gerade erst ihr neues das veröffentlicht nämlich morgen kann kommen Frauen, die in der Mitte ihres Lebens stehen und auf einmal entdecken das all diese Konventionen, Regeln Erwartungshaltungen irgendwie ja eigentlich gar nicht so viel Sinn machen.
- 2:57Speaker 1: Ich habe mich dabei immer wieder ein bisschen ertappt und festgestellt naja eigentlich geht es ja gar nicht um das Alter sondern es geht ja generell darum dass wir gesellschaftlich uns die ganze Zeit an vermeintliche Regeln halten wollen, an vermeintlichen Konventionen halten wollen die eigentlich irgendwie quatscht sind weil wir immer nur Erwartungen anderer hinterherlaufen.
- 3:18Speaker 1: Also eigentlich ist es ja ein altersunabhängiges Thema oder?
- 3:22Speaker 0: Eigentlich stimmt das wobei ich finde dass Konvention jetzt nicht generell quatsch sind und und völlig überkommen.
- 3:32Speaker 0: Es lohnt sich, sie alle zu hinterfragen aber bei vielen lohnt es sich auch zu sagen ja macht Sinn sofern man es mit seinem eigenen Inneren sozusagen deckungsgleich bekommt.
- 3:41Speaker 0: ich finde trotzdem das ist eine frage des altes jetzt weil Niemals von einem heranwachsenden Menschen oder sich noch sehr suchenden Menschen erwarten würde, dass er irgendwie so völlig individualistisch sich von innen nach außen entfaltet und erst mal auf dich guckt dann auf die anderen.
- 3:58Speaker 0: Das finde ich ganz unrealistisch wenn man... also wenn mich an Michi erinnere als junges Mädchen, junge Frau auch noch dann ist das ja auch ganz normal und völlig verständlich.
- 4:08Speaker 0: Und jetzt nicht weiter fragwürdig, wenn man sich schon sehr an anderen orientiert.
- 4:14Speaker 0: Das finde ich gehört zur Ich-Findung dazu, dass man sich abgleicht, dass Man sich auch Idole vielleicht sucht, Heldinnen, an denen man nacheifert.
- 4:25Speaker 0: Insofern finde ich es eine Frage des Alters, weil es eine innerlichen Reifens ist und aber auch des äußerlichen Reifen und der Biologie.
- 4:39Speaker 0: Das klingt so komisch, aber ich hatte eine Weile dachte ich super!
- 4:43Speaker 0: Ich bin jetzt einfach so altesweise.
- 4:45Speaker 0: deswegen lache ich nicht mehr über jeden blöden Witz und lass mir nicht mehr von jedem, der auch keine Ahnung hat wo es lang geht.
- 4:51Speaker 0: sagen wo es lange geht stimmt nur teilweise.
- 4:54Speaker 0: Es ist tatsächlich eine Frage der Hormone Und das hat nun mal ganz definitiv mit dem Älterwerden zu tun und den Wechseljahren.
- 5:04Speaker 0: Und da geschieht einfach so wahnsinnig viel im Körper jeder Frau, egal ob es begleitet wird durch Hitze, Wallung oder Stimmungsschwankungen... klar sichtiger dadurch, dass der östrogennebel sich lichtet.
- 5:21Speaker 0: und das ist so.
- 5:21Speaker 0: Und es ist eine ungemütliche Zeit für alle Beteiligten.
- 5:24Speaker 0: also doch um die Frage nochmal ablehnen zu haben antworten.
- 5:27Speaker 0: doch es ist auch ein fragendes alters.
- 5:30Speaker 1: jetzt haben ja ihre bücher auch immer durchaus autobiografische Elemente.
- 5:34Speaker 1: was war denn für sie persönlich eigentlich die größte veränderung?
- 5:39Speaker 1: wenn Sie sagen Es ist auch stückweit eine frage des altes Wann haben Sie dann festgestellt da passiert irgendwie etwas bei Ihnen ganz persönlich?
- 5:48Speaker 1: Und was war vielleicht die einschneidendste oder die entscheidendeste Veränderung, die Sie festgestellt haben.
- 5:55Speaker 0: Das kann ich nicht so sagen weil das ja eine Veränderungen ist, die nicht von einem Tag auf den anderen oder von einer Minute auf die andere stattfindet sondern wirklich über Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte und das ist etwas was vielen Frauen überhaupt nicht klar genug wie früh nämlich diese Phase des Wechsels beginnt, hormonell innerlich körperlich diesen Reifungsprozess.
- 6:25Speaker 0: Dass der viel früher anfängt als die meisten glauben und das hätte mir glaube ich auch vielen anderen geholfen wenn ich das früher gewusst hätte mich besser einordnen zu können.
- 6:35Speaker 0: Es gibt natürlich trotzdem Momente wo mir klar wird Ich bin nicht mehr ganz die Alte.
- 6:43Speaker 0: Und das beginnt beim Schreiben, wo ich mich bei diesem Buch ganz bewusst für eine andere Perspektive entschieden habe neue Wege zu gehen und nicht mehr so wie früher nur mit einer Ich-Erzählerin zu arbeiten sondern wirklich auch in unterschiedliche Charaktere gereist bin was für mich ein Wahnsinnsschritt war.
- 7:04Speaker 0: Das beginnt damit dass meine Kinder selbstständiger werden mehr ein bisschen loslassen muss und dann aber auch nachjustieren und feststellen, ah hier ist es zu viel da ist es so wenig.
- 7:21Speaker 0: Also das ist ja eigentlich ein ständiges Dringend finde ich mit den Abschieden die einem das Leben sowieso abverlangt Und dann gleichzeitig mit den neuen Räumen, die sich dadurch auftun.
- 7:33Speaker 0: Dass man auch da ja total gefordert ist sie zu füllen also zum Beispiel mit einem Podcast.
- 7:38Speaker 0: ich habe ja auch angefangen Frauenstimmen mit dem eigenen Podcast.
- 7:41Speaker 0: Ich bin viel aktiver auf Social Media.
- 7:44Speaker 0: das sind neue Räume die ich mir erschließen kann weil andere Tören sich auch schliessen.
- 7:51Speaker 1: Jetzt haben sie schon gesagt, Sie sind in dem Buch auch aktiv immer wieder in neue Charaktere und Rollen reingeschlüpft.
- 7:57Speaker 1: Sie haben ein Podcast gestartet.
- 8:01Speaker 1: Sie versuchen ganz neue Dinge.
- 8:03Speaker 1: sozusagen ist das vielleicht auch etwas was damit zu tun hat dass sie wirklich festgestellt haben jetzt jetzt probiere ich einfach mal ganz neue Sachen aus.
- 8:11Speaker 1: jetzt mache ich einfach einmal Dinge ganz anders weil warum immer so wie man es schon immer gemacht hat wenn man auch mal ganz Neue Sachen oder ganz andere Dinge probieren kann ja
- 8:20Speaker 0: das liegt aber eben auch daran, dass sich jetzt die Gelegenheiten auftun.
- 8:25Speaker 0: Weil man konventionell nicht mehr so gebunden ist zum Beispiel durch den Rhythmus der Kinder.
- 8:32Speaker 0: Das ist ja eine Konvention oder eine Fremdbestimmung vielleicht nenn ich es lieber so, die ich sehr bewusst und sehr gerne eingegangen bin.
- 8:39Speaker 0: Aber da ist man natürlich extrem fokussiert auf das Leben anderer Leute nämlich von Kindern, Kindergärtnerinnen, Schulkameraden, Lehrern, Hockeyteams... Fußballteams, Tennispartner und Organisation von Sammelgeschenken- und Kindergeburtstag.
- 8:57Speaker 0: Einen nicht zu nachlässigender riesiger Zeitaufwand.
- 9:01Speaker 0: Das alles wird langsam weniger.
- 9:02Speaker 0: Und das finde ich irgendwie erstmal faszinierend beängstigend.
- 9:06Speaker 0: dann find' ich super!
- 9:08Speaker 0: Was mir jetzt neulich mit meiner Freundin Karen klar geworden ist ein bisschen beschämt.
- 9:13Speaker 0: ehrlich gesagt was für ein unfassbares Privileg das ist weil Man ja nicht unterschätzen darf, dass die meisten Frauen in meinem Alter also Anfang Mitte Fünfzig verschwinden.
- 9:26Speaker 0: Deren Geschichte ist so gut wie vorbei weil sie vielleicht in einer finanziellen Abhängigkeit sind, weil sie schlechte Jobs haben, die ihnen keine Erfüllung bringen bei den Kinder aus dem Haus gehen und sie womöglich in der Beziehung stecken, indem sie nämlich ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht befriedigen können.
- 9:47Speaker 0: Ich fürchte die Regel und deswegen muss ich da sage ich mittlerweile, dass so ganz demütig das die Herausforderung, die sich mir jetzt stellt.
- 9:57Speaker 0: Nämlich neue Räume zu entdecken ein totales Privileg ist weil ich eben unabhängig bin und einen Mann habe der ist auch unterstützt, dass ich mich entfalte mit all meinen Falten.
- 10:15Speaker 1: Würden Sie eigentlich sagen, dass dieses Privileg diese Unabhängigkeit zwingend immer auch etwas mit Geld am Ende des Tages zu tun hat?
- 10:24Speaker 1: Oder ist es in unserer Gesellschaft eigentlich so das sich dieses Privilägen ein Stück weit auch jeder selbst erkämpfen kann unabhängig jetzt von einem monetären Background.
- 10:34Speaker 0: Also finanzielle Unabhängigkeit ist das A und O finde ich.
- 10:39Speaker 0: Das ist schon nicht unbedingt eine Frage von Reichtum, aber von Unabhängigkeit auf welchem Niveau auch immer.
- 10:48Speaker 0: Und wenn man das nicht ist was ja leider sehr häufig der Fall ist unter Frauen dann hat man viel weniger Möglichkeiten aber immer noch Möglichkeiten sich zu entfalten Aber deutlich eingeschränkt und die dann in sich zu mobilisieren.
- 11:06Speaker 0: Das ist schon nochmal eine deutlich, finde ich größere Herausforderung.
- 11:11Speaker 0: Weil man mit dann so vielen äußeren Widerständen von Partner bis Arbeitgeber bis Kontostand zu kämpfen hat und da möchte ich mich jetzt auch echt nicht aus dem Fenster hängen weil ich es so viel leichter habe.
- 11:23Speaker 0: aber ich war also.
- 11:23Speaker 0: aus Gesprächen mit Expertinnen weiß ich.
- 11:27Speaker 0: das ist natürlich dass man auch durch die innere Haltung eine Form der Freiheit entwickeln kann.
- 11:34Speaker 0: um es jetzt ganz plakativ zu sagen Auch die Gefängnisinsassin kann natürlich an ihrer inneren Freiheit arbeiten.
- 11:44Speaker 0: Leichter ist es ohne verschlossene
- 11:47Speaker 0: Türen.".
- 11:48Speaker 1: Wie sehr hängt denn eigentlich diese innere Freiheit am Ende des Tages mit Glück zusammen?
- 11:54Speaker 1: Sie haben ja vor kurzem mal in einem Gespräch gesagt, sie glauben nicht so richtig an glückliche Menschen und glücklicher ihnen... Wie hängt das zusammen und was ist denn eigentlich Glück für Sie?
- 12:06Speaker 1: Ich habe
- 12:06Speaker 0: sogar noch Skandalöser gesagt, dass ich mir nicht mal sicher bin ob es glückliche Kühe gibt.
- 12:11Speaker 0: Weil mich dieses Glücksversprechen wirklich ankotzt weil es so viele ins Unglück stürzt.
- 12:19Speaker 0: Ja!
- 12:19Speaker 0: Ich glaube die innere Freiheit viel mit Erfüllung und glücklichen Momenten zu tun hat.
- 12:25Speaker 0: aber vor allen Dingen bedeutet ja Innere Freiheit zu akzeptieren sich klar zu machen, dass Glück ein völlig undifferenziertes dummes Etikett ist.
- 12:42Speaker 0: Weil es einfach unerreichbar ist.
- 12:45Speaker 0: eine glückliche Ehe, ein glücklicher Mensch das ist so wirklich.
- 12:51Speaker 0: ja ich empfinde es als undifferenzieht und lässt so viel aus im Leben was natürlich dazugehört.
- 12:59Speaker 0: An Unglück, an Verzweiflung, an Trauer und Verlust, an Abschieden, an Misslingen, an Scheitern... Und wenn man davon ausgeht dass ein Leben nur glücklich ist ohne das alles dann ist es einfach falsch!
- 13:11Speaker 0: Man macht sich noch dazu unglücklich weil es unerreichbar ist.
- 13:14Speaker 0: Deswegen ist mir das so wahnsinnig wichtig.
- 13:16Speaker 0: Wenn man mich fragt bin ich glücklich verheiratet?
- 13:19Speaker 0: Dann sage ich immer nein Wir sind sie ein glücklicher Mensch?
- 13:21Speaker 0: Nein Weil mein Leben ist kein Märchen und mein Mann ist kein Prinz.
- 13:27Speaker 0: Und ich habe neulich mal bei Instagram schrieb, wo man ja immer die Highlights und gefilterte Highlights teilt, stand unter einem Post von mir, Iliko dein Leben ist ein Märchen!
- 13:40Speaker 0: Das war schrecklich für mich weil ich genau das nicht vermitteln will, weil das alle anderen fertig macht und weil es einfach nicht stimmt.
- 13:49Speaker 1: Ist das vielleicht eben auch dieses gesellschaftlich kulturelle Problem, dass wir nur noch diesen positiven Dingen entgegenstreben und irgendwelchen Ideen oder idealen Entgegen Streben die wir aus Filmen kennen.
- 14:03Speaker 1: Aus Büchern, aus Instagram und Social Media wo wir immer nur die die besten mögliche Erzählung sehen immer nur Traumvorstellung erleben und eigentlich gar nicht mehr so richtig mitbekommen, wie das echte richtige Leben da draußen aussieht.
- 14:23Speaker 1: Also dass wir immer etwas nacheifern was gar nicht im realen Leben erreichbar ist?
- 14:28Speaker 0: Das echte Leben scheint immer nur bei uns zu Hause stattzufinden.
- 14:31Speaker 0: Da wo die Milch anbrennt und die Rüste hängen und die Falten jeden Tag mehr werden und man sich mit dem Mann zammt und Kinder privatieren vor sich hinmüffeln Ja, das macht es natürlich ungleich schwerer.
- 14:46Speaker 0: Und ich weiß gar nicht wie geht's Ihnen als Mann?
- 14:48Speaker 0: Ich bild mir immer ein, dass Männer da ein bisschen vielleicht nicht ganz so schwer haben oder täusche mich da.
- 14:56Speaker 1: Also mir gehts tatsächlich so, dass sich dieses geschönte Bild von allem irgendwie teilweise echt als anstrengend empfinde.
- 15:04Speaker 1: also auch wenn man im Freundeskreis oder bei irgendwelchen Veranstaltungen oder sonst irgendwelche Gesprächen die man führt Immer wird nur das Gute erzählt.
- 15:14Speaker 1: Es wird immer nur erzählt, dass alles toll ist.
- 15:20Speaker 1: Man zieht seine besten Klamotten an und man zeigt sich von der besten Seite.
- 15:25Speaker 1: Man räumt die Wohnung nochmal auf Hochglanz auf so wie sie eigentlich nie aussieht.
- 15:30Speaker 1: also es ist immer dieses... diese Vorstellung von Perfektionen.
- 15:35Speaker 1: Und die empfinde ich schon als anstrengend, weil sie eigentlich nicht die Wahrheit ist.
- 15:40Speaker 1: Also man lebt da die ganze Zeit in so einer Art Lüge, die man nach außen transportieren möchte und das wird irgendwie gesellschaftlich erwartet.
- 15:49Speaker 1: dabei wäre es doch für alle viel entspannter wenn wir einfach mal ehrlich zueinander sind und dann mit auf die Frage wie geht's auch mal ehrliche Antworten?
- 15:59Speaker 1: und dann vielleicht sogar ein Gespräch darüber führen, wie es einem wirklich geht.
- 16:03Speaker 0: Also ich weiß nicht, wie Sie das Hand haben aber ich mach' das nicht mit.
- 16:06Speaker 0: Ich empfinde dass auch als... Nicht nur als anstrengend sondern als total langweilig.
- 16:13Speaker 0: also wenn jemand mir fünf Minuten erzählt was alles in seinem Leben aßt rein und super läuft Dann bin ich gelangweilt.
- 16:20Speaker 0: Ich weiß da nicht wo ich mich einhaken soll Da kann ich nur nicken und applaudieren.
- 16:24Speaker 0: Das ist so ein One-Way-Gespräch Und das habe ich aber eigentlich noch nie so richtig gemacht, dass ich so getan habe als ob... weil mich das auch bei mir sehr... Ich weiß dann nichts Intensives in Zustand kommt.
- 16:42Speaker 0: Kein interessantes Gespräch und gleichzeitig sehe ich eben wie fatal die Auswirkung ist wer man ständig so tut also auf Menschen, die sich daran orientieren.
- 16:54Speaker 0: Die Tochter von einer guten Freundin von mir hat in ihrem Umfeld mittlerweile fünf schwerstkranke, fünfzehnjährige Mädchen die daran fast zerbrechen dass sie eben nicht so perfekt sind wie die Mädchen auf Instagram oder auf TikTok.
- 17:11Speaker 0: Oder wo auch immer Sie sich mit diesen furchtbaren Idealen befassen.
- 17:16Speaker 0: und das macht mir echt totale Sorgen weil ich auch nicht sehe die Kinder diese zerbrechlichen Seelchen davor wirklich beschützen kann, weil es gibt kein Entkommen.
- 17:33Speaker 0: Es gibt nur Aufklärung.
- 17:34Speaker 0: aber sie ist natürlich angesichts dieser Übermacht an Perfektion auch wirklich schwer zu leisten.
- 17:40Speaker 1: würde es uns denn da ein wenig helfen wenn wir ein bisschen mehr reflekt und ein bisschen mehr Dinge auch in Relationen stellen würden.
- 17:50Speaker 1: Also mir geht es immer so, ich erlebe ganz viele Menschen die regen sich über die kleinsten Dinge auf, die Verfahren sich in Probleme, die eigentlich gar keine sind und verkennen dabei komplett wie gut es ihnen am Ende eigentlich geht.
- 18:05Speaker 1: also jetzt Kann man ja mal irgendwie in die Welt rausschauen und man findet relativ schnell Menschen, denen es nicht so gut geht.
- 18:13Speaker 1: Die ganz andere Probleme haben, egal ob Krankheit, Armut, Krieg... Es gibt ganz viele Faktoren, die immer viel schlimmer sind als das was wir gerade als großes Problem empfinden.
- 18:27Speaker 1: Also ist am Ende dieses persönliche Wohlbefinden müssen wir es eigentlich in Relation stellen, um so ein bisschen einordnen zu können wie sonst eigentlich wirklich geht?
- 18:37Speaker 1: oder ist das wirklich so ein ganz individuelles Empfinden bei dem wir diese Relation gar nicht machen sollten weil uns ganz persönlich vielleicht in den Moment nicht gut geht.
- 18:49Speaker 0: Also ich finde dass ist zu viel verlangt für junge Menschen also diese Relativierung der Wahrnehmung und Reflektion dessen, von dem man überwältigt wird.
- 19:07Speaker 0: Die brauchen glaube ich wirklich unsere Unterstützung und da müssen erziehende und beobachtende und liebende Erwachsene helfen.
- 19:17Speaker 0: aber tatsächlich ist mir auch so klar es ist gleichzeitig so schwierig die eigene Wahrnehmung so unglaublich ausschlaggebend.
- 19:29Speaker 0: Und das Wahrnehmung immer auch eine Frage der Entscheidung und des, was will man sehen ist.
- 19:35Speaker 0: Das ist mir neulich ... hab ich von einem ganz interessanten Experiment gehört, da ist mir noch mal klar geworden hat ein Professor in seinem Unterricht einen weißes Blatt verteilt mit dem schwarzen Punkt drauf und hat seinen Studenten gesagt beschreibt bitte mal, was ihr seht!
- 19:51Speaker 0: Eine halbe Stunde lang hat es eingesammelt und alle haben ohne Ende gesagt, ah dieser schwarze Punkt und wo er ist.
- 19:57Speaker 0: Und sich lange breit über den schwarzen Punkt ausgelassen.
- 20:00Speaker 0: Niemand von denen hatte das weiße drum herum beschrieben.
- 20:04Speaker 0: Das war nicht echt total eindrücklich dass natürlich Wohlbefinden und Erfüllung und Unglück auch eine Frage der Wahrnehmung an der man arbeiten kann.
- 20:16Speaker 1: Also alles am Ende eine Frage der Perspektive.
- 20:20Speaker 1: Und wie wir auf die Dinge drauf schauen?
- 20:23Speaker 0: Ja, natürlich gibt es Leute, denen geht's einfach total schlecht und erleben die furchtbarsten Tragödie.
- 20:31Speaker 0: Und trotzdem meine Freundin Iris zum Beispiel, die ihren Sohn verloren hat... selbst sie sagte das Glück, das große Wort Glück oder Erfüllung, auch eine Frage der Entscheidung ist und der Disziplin.
- 20:50Speaker 0: Und ich möchte nicht dass das soll nicht zynisch klingen aber die kleinsten Spielräume für inneres Licht gibt es tatsächlich immer!
- 21:01Speaker 0: Das traue ich mich nur zu sagen weil ich eben mit zwei drei Frauen sprechen durfte die im Stockdunklen sogar noch diesen Lichtschimmer in sich selbst entfacht haben.
- 21:15Speaker 1: Jetzt sind sie ja jemand, der in ihrer Arbeit sehr viel auch aus ihrem Umfeld verarbeitet, zeige ich jetzt mal!
- 21:24Speaker 1: Wie wichtig ist es da für Sie?
- 21:26Speaker 1: Also wie aufmerksam gehen Sie eigentlich jeden Tag in den Tag hinein tatsächlich und notieren sie sich dann all diese Geschichten?
- 21:34Speaker 1: oder ist das etwas, was sich über die Zeit einfach aufstaut an Geschichte, wo Sie irgendwann sagen.
- 21:42Speaker 1: Das muss ich jetzt aber mal zu Papier bringen!
- 21:45Speaker 0: Das ist tatsächlich so ein bisschen eine Frage der Phase, in der ich mich gerade befinde.
- 21:48Speaker 0: Jetzt ist ein Buch abgeschlossen und ich befinde mich in der Werbungsphase und versuche möglichst viele Frauen darauf aufmerksam zu machen.
- 21:58Speaker 0: Da bin ich sehr nach außen gerichtet, sehr fremdbestimmt und eigentlich nicht im Sammlermodus sondern im Sendemodus Und das leppert dann aber so langsam aus gehe ich wieder auf Empfang und bin dann tatsächlich so, dass ich vieles was mir begegnet entweder abspeichere oder aufschreibe.
- 22:28Speaker 0: Weil ich ein wahnsinnig schlechtes Gedächtnis habe aber lustigerweise selbst die Sachen, die ich vermeintlich vergessen habe weil ich sie dann nächstes Jahr nicht mehr aufschreiben kann kommen manchmal beim Schreiben zurück.
- 22:38Speaker 0: also die Erfahrung hab ich gemacht das das schreiben irgendwie wie einen wie der Schmüssel zu einer Schatztruhe meiner Erinnerungen ist, die dann sich erschließen wenn ich da sitze.
- 22:49Speaker 1: Weil ich da selber immer ganz neugierig bin und jetzt schon quasi so eine ganze Sammlung an spannenden Antworten auf diese Frage von unterschiedlichsten Leuten habe, angeführt von Doris Dörrje die mal gesagt hat zu mir dass das dieses Ganze schreiben.
- 23:07Speaker 1: So eine wahnsinnige Disziplin erfordert also man sich wirklich so eine tägliche Routine einrichten muss um dann auch wirklich in Übung zu bleiben zu bringen, auch wenn vielleicht mal an dem einen Tag gar nichts bei rumkommt.
- 23:22Speaker 1: Aber diese Routine trotzdem beizubehalten?
- 23:26Speaker 1: Wie geht es Ihnen da also?
- 23:28Speaker 1: wie gehen Sie da wirklich ran?
- 23:30Speaker 1: und ist es bei Ihnen eher so dass sie morgens aufstehen und sagen oh heute habe ich wahnsinnig viele Ideen Die bringe ich zu Papier und am anderen Tag stehen Sie vielleicht auf und sagen, nee heute geht gar nicht.
- 23:42Speaker 1: Ich mache was anderes oder sind sie dann wirklich auch so eisern?
- 23:46Speaker 1: Und setzen sich dann wirklich jeden Tag hin wenn Sie schreiben müssen?
- 23:49Speaker 0: also das kommt jetzt sehr auf den Ansatz.
- 23:51Speaker 0: Anderes.
- 23:52Speaker 0: Dörre empfiehlt dass ja praktisch jedem jeden tag zu schreiben finde ich muss man nicht und ich wenn ich das ist ja mein beruf das heißt ich habe auch manchmal nicht die Wahl zu sagen nur heute ist mir aber nicht danach Weil vielleicht morgen eine Deadline droht von einem Artikel oder einer Arbeit, die schriftlich zu tun ist.
- 24:14Speaker 0: Da kann ich jetzt nicht immer tagelang auf Inspiration warten und da hilft dann aber schon das Wissen dass ich ja diesen Beruf ergriffen habe weil der Meinung war dass sich das irgendwie auch kann also mit einem gewissen Handwerkszeug ausgestattet bin wo man sagt auch wenn jetzt die Muse mich gerade nicht küsst dann kann ich aber trotzdem meine Arbeit tun.
- 24:39Speaker 0: Und das muss sich dann auch ab und zu.
- 24:43Speaker 0: bei einem Buch sind es natürlich längere Zeiträume, da erlaube ich mir tatsächlich auch manchmal lange Phasen der Verzweiflung.
- 24:50Speaker 0: immer seit der Hundertzwanzig steige ich aus.
- 24:53Speaker 0: Ich denke intensiv über einen Berufswechsel nach und habe gar keine Vorstellung mehr davon dass ich dieses Buch jemals zu Ende kriegen kann.
- 25:03Speaker 0: Da hab' Zum Glück auch die Zeit, vielleicht mal ein paar Tage mich in meiner Verzweiflung zu suhlen und allen möglichen Leuten auf den Wecker zu fallen.
- 25:15Speaker 0: Aber manchmal eben auch nicht!
- 25:16Speaker 0: Und dann hilft es, dass ich... Dass das eben auch ein Beruf ist.
- 25:19Speaker 0: Nicht nur eine Berufung sondern einen Handwerk was ich mittlerweile ganz gut beherrsche.
- 25:25Speaker 1: wird man damit den jahren ruhiger also diese diese hundertzwanzig seitenkrise?
- 25:31Speaker 1: quasi wird man da mit dem mit der anzahl der bücher irgendwann entspannter dass man sagt naja bisher habe ich es ja immer irgendwie hinbekommen
- 25:38Speaker 0: lustigerweise nicht.
- 25:40Speaker 0: Es gibt immer wieder buch für buch, denn denselben dialog zwischen mir und meinem Mann das sich nämlich wenn man sagen ist wenn ich das wird diesmal wützt einfach nichts mehr fährt nichts mehr ein uns.
- 25:52Speaker 0: wenn so Oh, was denn?
- 25:53Speaker 0: Seid du hundertzwanzig wieder oder was?
- 25:56Speaker 0: Und ich sag' du.
- 25:57Speaker 0: Es ist auch jetzt diesmal nicht witzig weil diesmal... ...es ist halt wirklich etwas ganz anderes.
- 26:04Speaker 0: und dann gehend er wieder herzhaft und sagt das höre ich jedes mal.
- 26:08Speaker 0: Das höre mittlerweile seit zwanzig Jahren Und das klingt ja so unempatisch, ist es eigentlich auch.
- 26:14Speaker 0: Aber es tut in dem Moment ganz wohl, dass da jemand sitzt, der diesen Wertgang verfolgt und in den Moment nicht verdrängt, dass ich jedes Mal behaupte, so schlimm wie diesmal war's aber noch nie fühlt sich trotzdem natürlich an!
- 26:27Speaker 1: Jetzt haben Sie gerade vorhin gesagt sie versuchen grade so viele Frauen wie möglich für dieses Buch zu gewinnen.
- 26:34Speaker 1: Mich würde interessieren welche Rückmeldung bekommen Sie von Männern die dieses Buch gelesen haben?
- 26:39Speaker 0: bekomme ich überhaupt Rückmeldung von Männern.
- 26:44Speaker 0: Das ist selten, weil ich ja natürlich auch viel weniger männliche Lese habe und wenn dann ist es oft in dem Tee nur ach das hat ganz gut getan dass man zu lesen... Ich verstehe jetzt meine Frau besser!
- 26:58Speaker 0: Ich dachte ich hätte als einziger so ein Pech gehabt und eine hochneurotische Kuh erwischt aber die scheinen ja alle so zu sein.
- 27:08Speaker 0: Also es hat ein bisschen was von Werben um Verständnis für die komplexe Seele und Psycho der Frau.
- 27:18Speaker 1: Jetzt geht's ja auch ein Stück weit um Rollenbilder, wie sehen Sie das eigentlich gerade?
- 27:25Speaker 1: Wir sind ja in einer Gesellschaft, in der all diese tradierten Rollenbilder in der öffentlichen Wahrnehmung komplett über Bord geworfen werden.
- 27:34Speaker 1: Und ich stelle oft fest, wenn man dann mal hinter die Kulissen schaut also auch dieses Thema vorhin wieder mit was präsentiere ich nach außen und was ist Realität?
- 27:42Speaker 1: Wenn man dann einmal hinter die kulissen schaut, dann erkennt man diese traditionellen Rollenbilder doch ganz oft wieder.
- 27:49Speaker 1: Woran liegt es denn eigentlich dass wir da nicht mal gesellschaftlich wirklich konsequent vorankommen und wirklich eine umfassende Veränderung hinbekommen?
- 27:59Speaker 0: Also ich finde, dass es ein gesellschaftliches Voran durchaus gibt.
- 28:03Speaker 0: Wie Sie sagen ist es ja noch deutlich zu langsam aber doch eine spürbare Aufbruch und Ausbrechen aus diesen hinderlichen und überkommenen Rollenbildern.
- 28:25Speaker 0: Aber das die ja schon so wahnsinnig lange gibt darf man sich, glaube ich selber auch nicht überfordern.
- 28:33Speaker 0: Ich merke das genau das was Sie beschreiben dieses dass mein Außen auch nicht meinem Innen entspricht zumindest nicht immer.
- 28:41Speaker 0: also meine Überzeugungen sind ganz anders als meine Prägung.
- 28:46Speaker 0: Meine Helden waren Batman Superman Bruce Willis bei fünf Freunde Das Mädchen das aussah wie ein Junge und mit denen bin ich halt aufgewachsen.
- 28:59Speaker 0: Meine ganze Generation ist mit den aufgewachsenen Männer wie Frauen und die Generation davor hatten auch wenig weibliche Heldinnen.
- 29:08Speaker 0: Und das ist einfach nicht so leicht zu überkommen, ich merke dass in mir eben auch, dass ich manches gar nicht los werde weil es meine Prägung ist und dann denke ich Emanzipation kanns eigentlich jetzt geben wenn ich tot bin und vielleicht die nächste Generation sogar auch noch.
- 29:30Speaker 0: Ich weiß nicht, wie viel man eben doch bewusst oder unbewusst vererbt an Prägung.
- 29:36Speaker 0: Das ist ja tatsächlich auch möglich sowie wir immer noch leiden unter den Traumatter unserer Großeltern Und insofern fürchte ich dass das ein ganz schön langer Prozess bleibt und wenn ich tot bin, ist aber schon mal ein guter Anfang.
- 29:53Speaker 1: Wie sehr verändert waren denn in Ihrem Aufwachsen die Rollenbilder?
- 29:57Speaker 1: Jetzt sind Sie ja mit einem blinden Vater aufgewachsen, in einer Zeit, Könnte ich mir vorstellen, noch deutlich schwieriger war als es heute war.
- 30:07Speaker 1: Es ist natürlich immer noch wahnsinnig schwierig aber ich glaube diesen Stempel und diese Schubladen die jemand mit generell einer Behinderung damals auch aufgedrückt bekommen hat waren sicherlich andere als sie es heute sind.
- 30:21Speaker 1: Auch die Hilfsangebote Die Unterstützung die man vielleicht heute bekommt waren damals sicherlich Andere.
- 30:28Speaker 1: Waren die Rollenbilder durch dieses Aufwachsen Mit einem Vater einer Behinderung irgendwie verändert?
- 30:35Speaker 1: Oder würden Sie sagen, dadurch dass sie es gar nicht anders kennengelernt haben in dieser Zeit.
- 30:40Speaker 1: Also er war ja auch schon blind als sie auf die Welt gekommen sind.
- 30:44Speaker 1: Haben Sie das gar nicht so wahrgenommen?
- 30:46Speaker 0: Also erstens habe ich's nicht wahrgenommen weil man nimmt ja quasi das Elternmaterial hin was man vorgesetzt bekommt als Kind und das war in meinem Fall ein blinder Vater.
- 30:55Speaker 0: Das war für mich völlig normal.
- 30:57Speaker 0: Und lustigerweise waren bei uns Rollenbilder trotzdem sehr tradiert, weil mein Vater ein selbstbewusster Behinderter war.
- 31:07Speaker 0: Der Dominant war der Karriere gemacht hat als Professor der Erziehungswissenschaften.
- 31:14Speaker 0: Er hat keineswegs eine selbstverständliche Irreleistung aber tatsächlich war meine Mutter die Frau im Schatten.
- 31:25Speaker 0: Selbst im Schaden eines Blinden kann man stehen Und ich mache meiner Mutter auch keinen Vorwurf daraus.
- 31:31Speaker 0: Es tut mir etwas Leid für sie, weil sie sicherlich wie viele Frauen aus ihrer Generation Viele ihrer Wünsche und ihrer Träume nicht erfüllen konnte, weil das einfach gar nicht vorgesehen war gesellschaftlich.
- 31:46Speaker 0: Deswegen bin ich schon mit solchen Tragierten Rollenbildern groß geworden Hab mich allerdings nicht an meine Mutter orientiert sondern mehr an meinen Vater.
- 31:59Speaker 0: Dadurch bin ich nicht so sehr eine Frau geworden, die sich bereitwillig in den Schatten stellt.
- 32:08Speaker 0: Vielleicht eher eine, in deren Schatten man manchmal auch frieren kann?
- 32:11Speaker 0: Also da komme ich womöglich manchmal meinen Vater nach.
- 32:15Speaker 1: Auf die Gefahr hin, dass mich da jetzt ein bisschen in die Nesseln setze und mir das um die Ohren fliegt aber... Ich habe oft das Gefühl es gibt ja immer diesen geflügelten Spruch von wegen hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau.
- 32:29Speaker 1: Ich habe oft das Gefühl, dass Männer das auch tatsächlich brauchen um wirklich richtig stark sein zu können oder erfolgreich sein zu kann.
- 32:39Speaker 1: also die brauchen oft diesen diesen Rückhalt von einer Frau.
- 32:43Speaker 1: und ich hab gleichzeitig oft das gefühlt dass Frauen die wirklich wirklich etwas erreichen wollen, die wirklich Ziele verfolgen und diesen auch aktiv nachgehen.
- 32:55Speaker 1: Dass sie diesen männlichen Rückhalt sozusagen nicht zwingend brauchen weil sich sowieso die ganze Zeit aufgrund dieser gesellschaftlichen Hürden immer noch gegen Männer durchsetzen müssen Wie würden Sie das sehen?
- 33:10Speaker 0: Das weiß ich.
- 33:12Speaker 0: Ich muss erstmal darüber nachdenken.
- 33:16Speaker 0: Also erst mal sind die Kategorien stark und schwach Ja, nicht richtig.
- 33:23Speaker 0: Und auch die Kategorie erfolgreich finde ich auch nicht richtig.
- 33:29Speaker 0: was sicher so ist dass wenn man viel unter einem Mut kriegen will also eine Karriere machen und Kinder haben will dann braucht man eine Arbeitsteilung.
- 33:44Speaker 0: Ich finde es nicht richtig dazu gewichten.
- 33:48Speaker 0: was ich nur wichtig finde, ist dass diese Arbeitsteilung im besten Falle nicht gesellschaftlich aufgedrückt wird gefordert wird und dass sie freiwillig stattfindet.
- 33:58Speaker 0: Also die Frau, die klassisch ihr Mann den Rücken freihält seine Karriere unterstützt vielleicht Kinder großzieht völlig in Ordnung wenn sie das gerne und freiwilligt tut.
- 34:12Speaker 0: also eine ein Mensch der nicht im Rampenlicht stehen will Das ist ja überhaupt nichts gegen zu sagen.
- 34:20Speaker 0: Es sei denn, es steht ungern im Schatten.
- 34:24Speaker 0: und dass Frauen weniger männliche Unterstützung brauchen stimmt insofern nicht als ich finde das Frauen die wirklich Karriere machen wollen häufig viel größerer Opfer dafür bringen müssen als Männer.
- 34:41Speaker 0: Die die ich kenne haben zum Beispiel keine Kinder.
- 34:45Speaker 0: also Oder, ja.
- 34:52Speaker 0: Also das ist mein Eindruck, dass Frauen die auf diese klassisch... Ich mag diesen Begriff überhaupt nicht erfolgreich sein aber Frauen müssen größere Opfer bringen weil sie doch noch... Weil es eben so gewertet wird was ist erfolgreich?
- 35:11Speaker 0: Was ist Karriere?
- 35:14Speaker 0: Wo ist überhaupt das Rampenlicht?
- 35:16Speaker 0: und wenn sich das allmählich ändert Dann ändert sich alles.
- 35:22Speaker 0: Dann können auch Männer selbstbewusst ihren Platz in der Familie einnehmen und sagen, ich mache Karriere zu Hause!
- 35:32Speaker 0: Das ist dann eben der Chefsessel am Abendprozdstisch oder im Spielplatz.
- 35:38Speaker 0: aber das ist wirklich noch ein weiter Weg.
- 35:41Speaker 0: Das Unheim liegt in der Wertung.
- 35:43Speaker 1: Also liegt der goldene Weg in eine bessere Zukunft eigentlich darin, dass wir vor allem mal hinbekommen einen offenen und selbstbewussten Dialog.
- 35:54Speaker 1: In Beziehungen zu diesen Themen hinzubekommen also das man auch wirklich mal offen darüber redet was möchtest du eigentlich erreichen?
- 36:01Speaker 1: Was möchte ich erreichen?
- 36:02Speaker 1: wie bekommen?
- 36:03Speaker 1: wird es irgendwie sinnvoll unter einem Hut.
- 36:05Speaker 1: Und wie können wir Aufgaben verteilen?
- 36:08Speaker 1: Wie können wir es irgendwie hinbekommen dass am Ende jeder jetzt nutze ich das Wort doch, irgendwo zu seinem Glück kommt und zu seiner Erfüllung
- 36:17Speaker 0: kommt.
- 36:18Speaker 0: Ja offener Dialog hilft.
- 36:20Speaker 0: was nicht hilft sind unsere Prägungen sind Konventionen sind natürlich immer noch gesellschaftliche Erwartungen.
- 36:28Speaker 0: Das macht es einfach sehr sehr schwer weil die Wertung immer mit schwingt.
- 36:35Speaker 0: und Sascha Lobo hat man gesagt ohne weibliches Selbstbewusstsein wird es nicht gehen.
- 36:40Speaker 0: Denn auch daran harpert es manchmal, dass Frauen vielleicht gar nicht unbedingt so bereit sind den Preis sich bewusst zu machen, denen es bedeutet eine Karriere zu machen.
- 36:53Speaker 0: Diese Karrieren setz ich ausdrücklich in Anführungsstriche.
- 36:58Speaker 0: was für ein Stress das ist?
- 36:59Speaker 0: Was für eine Verantwortung das ist mit wie viel Opfern es verbunden ist.
- 37:03Speaker 0: Ich kann Frauen verstehen die die Karriere machen wollen.
- 37:07Speaker 0: Was ich nicht verstehen kann, ist dass so wenig Männer Macht abgeben wollen weil es einfach ja auch eine ungeheuerliche Belastung ist.
- 37:17Speaker 0: und wenn alle daran mit sozusagen das Gerecht verteilt wird Rechte und Pflichten also auch die Pflicht der Frau die Karrière macht, die Verantwortung übernimmt Die Macht ergreift dann wäre schon ziemlich viel erreicht.
- 37:36Speaker 1: Wenn jetzt eine Frau um die fünfzig ihr Buch liest oder auch ein Mann und danach feststellt, oh Mist irgendwie in der Situation in der ich gerade bin das gefällt mir alles eigentlich gar nicht so richtig.
- 37:50Speaker 1: wenn ich es mal wirklich sinnvoll reflektiere würden sie sagen hier dann Nimm das jetzt als Zeichen und überlege mal, doch nochmal einen ganz anderen Schritt im Leben zu gehen.
- 38:03Speaker 1: Und noch einmal wirklich was zu verändern.
- 38:06Speaker 1: Also brauchen wir da vielleicht auch ein Stück weit oder brauchen diese Menschen dann vielleicht auch in stückweiten Mut zu sagen okay ich habe vielleicht bis hierhin nicht immer die allerbesten Entscheidungen vielleicht auch getroffen oder habe mich in eine Situation manövriert, die mir ja zum Rückblick gar nicht mehr so gut gefällt.
- 38:22Speaker 1: Aber es ist noch nicht zu spät und man kann daran auch nochmal radikal was verändern?
- 38:27Speaker 0: Ja!
- 38:28Speaker 0: Es ist nie zu späht, man kann immer etwas radikal verändern und ich hoffe dass mein Buch dazu Mut macht.
- 38:35Speaker 0: aber... Ich fühle mich da selber nicht als gute Ratgeberin weil so viele Ängste habe und so viel Zweifel.
- 38:46Speaker 0: Und überhaupt nicht radikal bin, und so oft in Situationen verhaare von denen ich doch eigentlich schon ahne dass sie sich überkommen haben, dass sie mir nicht mehr wohl tun.
- 38:57Speaker 0: Deswegen brauche ich dann die Ermutigung, die ich mit dem Buch vermitteln möchte.
- 39:05Speaker 0: Die brauche ja selber jeden Tag!
- 39:12Speaker 0: sehr eine Verfechterin von gemeinsamstark, aber auch gemeinsam schwach.
- 39:16Speaker 0: Ich habe so viel Verständnis für die, die genau in dieser beschissenen Situation, in der sie sind bleiben und die möchte ich natürlich eigentlich auch ermutigen, aber ich möchte denen sagen, ich verstehe das so gut!
- 39:32Speaker 0: Und es ist mir überhaupt nicht fremd und mein Herz schlägt wirklich für diese ganzen verzagten die es sich nicht trauen und sollte mein Buch, wie ein oder andere dann doch aufrütteln.
- 39:47Speaker 0: Und sie haut mit der Faust auf den Tisch und sagt so Leute das war's jetzt gehe ich meinen eigenen Weg.
- 39:52Speaker 0: Dann hat sich das ganze Buch schon belohnt.
- 39:56Speaker 1: Hilft da eigentlich ein Stück weit eine wachsende Erkenntnis Endlichkeit.
- 40:02Speaker 1: Also ich sage das bewusst so, weil für mich war das vielleicht etwas untypisch aber ich glaube ich habe mich mir darüber irgendwie mit mit achtzehn das erste mal ernsthaft Gedanken gemacht.
- 40:15Speaker 1: und dann haben wir gedacht naja also ich bin zwar noch jung aber es kann ja auch morgen vorbei sein.
- 40:20Speaker 1: also wir wissen ja alle nicht was passiert.
- 40:22Speaker 1: also muss ich ja irgendwie immer so leben als könnte morgen irgendwie alles vorbei sein würde ich es gar nicht so sehr vom Alter abhängig machen.
- 40:30Speaker 1: Aber ich weiß natürlich, dass bei vielen Leuten das deutlich später einsetzt.
- 40:35Speaker 1: Hilft das ein Stück weit?
- 40:36Speaker 1: Dass man dann irgendwann auch mal sagt naja also ich kann jetzt schon so weitermachen aber... Das Ende Naht ist jetzt böse gesagt.
- 40:46Speaker 1: Irgendwann ist halt auch vorbei?
- 40:48Speaker 0: Ja ja und ich finde nicht, dass man so leben sollte als jeder Tag der Letzte.
- 40:52Speaker 0: Dann würde ich nämlich jetzt sofort anfangen zu rauchen, zu trinken und keinen Nachtisch mehr weglassen.
- 41:00Speaker 0: Man muss eine gute Balance finden zwischen Vorsorge für das was hoffentlich noch kommt plus zu sagen ich will aber das jetzt genießen.
- 41:12Speaker 0: Aber das heißt eben nicht dass man sozusagen völlig ohne Impulskontrolle jegliche Form dessen was einen in diesem Moment vielleicht gerade kurzfristig befriedigt auch tut.
- 41:23Speaker 0: Da zwischen einem eine gute Balance zu finden, finde ich ist ja jeden Tag wieder eine neue Herausforderung.
- 41:31Speaker 0: Natürlich putze ich mir jetzt die Zähne weil ich davon ausgehe dass ich in zwanzig Jahren immer noch kaue wenn ich in zwei Stunden sterbe.
- 41:40Speaker 0: habe ich sie mir heute morgen umsonst geputzt?
- 41:42Speaker 0: Ja irgendwie schon!
- 41:46Speaker 1: Ja, das ist doch eigentlich ein wunderbarer Appell zum Schluss irgendwie diese Balance zu finden und Zähne zu putzen.
- 41:55Speaker 1: Aber insbesondere wirklich diese Balance für sich selbst und herauszufinden... Was muss ich eigentlich jetzt machen, um mir selbst auch treu zu bleiben und mich nicht jeden Tag in einen Kostüm zu stecken?
- 42:11Speaker 1: Indem ich eigentlich gar nichts sein möchte.
- 42:13Speaker 1: Sondern wirklich irgendwie mein wahres Ich-Auch-Zuleben mit allem was dazugehört aber gleichzeitig natürlich auch die Brille in die Zukunft zu haben und zu schauen.
- 42:25Speaker 1: Was kommt denn da noch und wie bin ich darauf irgendwo vorbereitet?
- 42:29Speaker 0: Ein tägliches Rinnen!
- 42:31Speaker 1: Vielen, vielen Dank für die Zeit und das tolle Gespräch.
- 42:33Speaker 0: Ich habe zu danken, vielen dank für diese wirklich sehr inspirierende Bewegung.
- 42:38Speaker 0: Begegnung!
- 42:38Speaker 0: Bewegungen auch!
- 42:40Speaker 0: Innernische Bewegung, äußernliche Begegnung.
- 42:42Speaker 0: Vielen
- 42:42Speaker 1: Dank.
- 42:43Speaker 0: Das war es leider
- 42:44Speaker 1: schon.
- 42:45Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 42:47Speaker 1: – das Gespräch zu Ende.
- 42:49Speaker 1: Vielen dank fürs Zuhören.
- 42:52Speaker 1: Bitten
- 42:52Speaker 0: im Rücksicht auf den Nachbarn und sei leise
- 42:55Speaker 1: wenn du die Bar verlässt Aber vergiss auf keinen Fall, den abonnieren Button zu klicken.