Latest / Fadegrad / Aufräumen & Ordnung halten: Tipps von Archivar Stefan Kemmer
Transcript
- 0:00Man sollte sich vielleicht überlegen, dass alles, was man
- 0:03besitzt, Geld kostet, und zwar nicht nur bei der Anschaffung,
- 0:08sondern auch bei der Lagerung. Wenn ich viele Bücher habe,
- 0:11brauche ich eine größere Wohnung.
- 0:13Weil ich viele Kleider hab, ein größeres Schlafzimmer.
- 0:17Also muss ich mir überlegen, ob es mir das wirklich wert ist.
- 0:21Was sind die Objekte, die wirklich zentral sind in meinem
- 0:25Leben, die ich unbedingt brauche?
- 0:27Und beim Rest muss man lernen, großzügig wegzuwerfen.
- 0:39Vater Grad der Podcast, der fragt, warum Menschen tun, was
- 0:44sie tun und wie sie geworden sind, wer sie sind.
- 0:53Heute Willkommen zu einer neuen Faded Podcast Folge.
- 0:57Ich bin Ines, Eure Gastgeberin. 10000 Gegenstände besitzt ein
- 1:02Erwachsener durchschnittlich in Europa.
- 1:05Bücher, Schuhe, Töpfe und Pfannen, Handtücher, Bleistifte,
- 1:08Souvenirs aus den Ferien. Es ist ganz schön schwer, da
- 1:12nicht den Überblick zu verlieren.
- 1:15Regelmäßig aussortieren kann dabei helfen.
- 1:17Ich spreche heute mit einem Meister in Sachen sortieren und
- 1:21entscheiden, was wichtig ist. Mit Stefan Kemmer herzlich
- 1:24Willkommen. Vielen Dank, dass ich dabei sein
- 1:27darf. Du bist der bischöfliche
- 1:29Archivar des Bistums St. Gallen.
- 1:32Klingt kompliziert. Was ist das eigentlich?
- 1:35Es ist ganz einfach. Jeder Bischof hat eine
- 1:38Verwaltung und die Verwaltung produziert Akten und die Akten,
- 1:43die muss jemand aufbewahren und jemand muss entscheiden, was ist
- 1:47wichtig und was ist nicht wichtig.
- 1:49Das macht der Archivar. Und das Bistum Sankt Gallen ist
- 1:53ein kleines Bistum, noch nicht sehr alt, drum gibt es ein
- 1:57kleines Archiv, aber ein Archivar mit einem tollen Titel,
- 2:00Bischöflicher Archivar. Das bist du misst die
- 2:03katholische Kirche in St. Gallen und beiden Appenzell.
- 2:07Genau. Kann man so grob sagen.
- 2:11Wir sind jetzt in einem Raum des Bischöflichen Archivs.
- 2:16Vollgestellt mit Sachen faszinierend also wir haben hier
- 2:20mehrere Schreibtische, auch einen Arbeitsplatz, der ganz
- 2:23modern aussieht, direkt daneben sehr viele alte Bücher, die
- 2:28außerordentlich wichtig aussehen.
- 2:31Religiöse Kunst, die sehr speziell ist, also eine Marien
- 2:36Statue mit Jesuskind zum Beispiel, die dann was ganz
- 2:40Modernes in den Händen hält, einen Coffee to go Becher.
- 2:44Was hat es damit eigentlich auf sich?
- 2:47Ja, die Marien Statue gehört ursprünglich mal der Italiener
- 2:50Mission in Flavel. Die gibt es aber nicht mehr und
- 2:54die haben einiges abgeliefert, bei mir natürlich nur für eine
- 2:58kurze Zeit, aber die Zeit ist schon ein paar Jahre her.
- 3:03Und weil sie so kitschig ist, die Maria, und musste sie noch
- 3:06einen Kaffeebecher in die Hand bekommen.
- 3:09Sie ist jetzt die Trösterin der Archivare, wenn man über den
- 3:12Akten einzuschlafen droht, bringt sie starken Kaffee, das
- 3:16ist ihre Aufgabe. Neue Energie.
- 3:18Genau. Hier, in diesem bischöflichen
- 3:21Archiv sind auch noch viele Stapel mit Akten und viele
- 3:25Kisten, wo Ordner drinnen sind. Du bekommst wahnsinnig viele
- 3:29Sachen. Genau.
- 3:31Und dann musst du entscheiden, was davon ist wichtig und was
- 3:35davon ist nicht wichtig. Genauso ist es.
- 3:39Also man muss eine gute Vorstellung haben von der
- 3:42Institution, für die man zuständig ist.
- 3:46Und viel Erfahrung bei der Bewertung des Vormaterial.
- 3:50Das kommt. Und dann muss man das
- 3:54entscheiden. Manches ist halt sehr spannend
- 3:57und anderes kann gerne weg. Was genau weg kann, was bleiben
- 4:03darf, darüber reden wir noch zuerst.
- 4:04Aber meine Frage hast du als Kind schon gerne aufgeräumt und
- 4:08sortiert? Überhaupt nicht.
- 4:11Mein Zimmer war immer chaotisch und vollgestopft.
- 4:15Wahrscheinlich ist das so ein bisschen eine Strafe Gottes,
- 4:19dass ich jetzt hier als Archive arbeiten muss.
- 4:22Und quasi hauptberuflich aufräumen.
- 4:24Jeden Tag aufräumen muss. Wie würdest du dann Archivar,
- 4:28wenn das nicht der Hauptgrund ist, dass du gerne Ordnung.
- 4:31Schaffst es ist ein bisschen Zufall.
- 4:33Ich war Anfang der 90er Jahre bin ich in die Schweiz gekommen,
- 4:38bin einfach meiner Frau nachgefolgt.
- 4:41Dann habe ich Schweizerin, oder? Sie arbeitet als Seelsorgerin,
- 4:44sie hat eine Schweizer Mutter und deshalb Beziehungen hier in
- 4:48die Schweiz. Ich habe damals eine Arbeit
- 4:52gesucht und nichts zu tun gehabt und deshalb für Bischof Ottmar
- 4:57Meyer. Sayat Arbeiten übernommen.
- 5:02Und nach seinem Rücktritt musste jemand die Akten überführen, ins
- 5:06Archiv. Und so bin ich dann Archivar
- 5:08geworden. Also ein Zufall?
- 5:10Eigentlich. Eigentlich schon Zufall.
- 5:11Ja, das war der vorletzte Bischof von St.
- 5:14Gallen ganz genau. 2 Bischöfe später bist du immer noch
- 5:18geblieben. Tatsächlich ist das so und für
- 5:23das Archiv ist es nicht schlecht, weil je länger man mit
- 5:27dem Archiv zu tun hat, umso besser versteht man, worum es
- 5:30geht und was da eigentlich drin ist.
- 5:31Wie viele Jahre Überblick? Hast du jetzt. 30. 30 Jahre
- 5:35wirst du hier, wow. Es könnten noch ein Paar mehr
- 5:38werden und das ist sicher Rekord bei den Mitarbeitern her, ja.
- 5:45Hast du Geschichte studiert oder?
- 5:47Ich habe Theologie studiert, natürlich mit viel Geschichte.
- 5:51Das gehört dazu und habe dann nachher in der Schweiz die
- 5:56Ausbildung gemacht beim Verein der Archivare zum Archivar.
- 6:03Du bekommst einen Haufen Sachen, ob es nun eine prachtvolle
- 6:06Marien Statue ist oder von mir hast du mal ne ganze Kiste
- 6:10bekommen mit Unterlagen als das Bistums Jubiläum, dass ich mit
- 6:15organisieren durfte zu Ende war. Ich habe einfach das gesagt, ich
- 6:19soll einfach alles in die Kiste tun was ich irgendwie produziert
- 6:22habe in diesem Jahr und das habe ich dann gemacht das gesagt ich
- 6:26soll nicht vorher sortieren und nicht selber entscheiden was
- 6:28wichtig ist oder nicht, das würdest du dann machen, also hab
- 6:32ich davon der Jubiläums Kerze über.
- 6:34Einen Pilger Pass über Protokolle, alles Hineingepackt
- 6:38in diese Kiste über Flyer und wie entscheidest du dann, was
- 6:42ist wichtig, was ist Kunst, was darf weg?
- 6:46Wichtig, um das entscheiden zu können, ist, dass man einen
- 6:49langen Zeitraum. Ins Auge gefasst also ich frage
- 6:54mich dann immer, was ist in 200 Jahren davon wichtig?
- 6:58Das kann Verschiedenes sein. Das kann natürlich dann auch die
- 7:01Katze sein, weil die spielt eine Rolle in der Liturgie oder in
- 7:07dem Projekt. Und dann will man später
- 7:09vielleicht einmal wissen, was ist überhaupt eine Kerze, wie
- 7:12sieht sie aus? Weil man keine mehr hat.
- 7:16Vielleicht hat man keine mehr, wer weiß das und darum ist es
- 7:19vielleicht gut, eine zu behalten.
- 7:22Alle anderen können da natürlich weg, die braucht man nicht mehr.
- 7:27Verschiedene Sachen sind dann wichtiger als andere.
- 7:29Natürlich, ein Protokoll ist wichtiger als jetzt die
- 7:34Wegbeschreibung zur Sitzung, ansonsten muss man ein bisschen
- 7:39mit Erfahrung sich das Anschauen und entscheiden. 100% Gewissheit
- 7:44hat man nie, es bleibt immer ein Ermessensspielraum der
- 7:48Archivare, das ist einfach so. Du hast also viel macht.
- 7:53Ja. Aber erst dann, wenn es nicht
- 7:56mehr aktuell ist. Wenn die Akten oder die Sache
- 7:59das Projekt schon vorbei. Ist du kannst den Lauf der
- 8:02Geschichte also nicht beeinflussen, aber wie sie
- 8:06dokumentiert wird. Ja, ich kann sie besser oder
- 8:09schlechter dokumentieren. Die Geschichte selber ist
- 8:12passiert, die ist da und. Das Archiv ist nicht die einzige
- 8:18Quelle für die Geschichte. Natürlich kann man Leute
- 8:22interviewen, die dabei waren, man findet anderswo vielleicht
- 8:25noch Akten, aber ein Baustein, ein wichtiger Baustein ist
- 8:29natürlich dann das Archiv. Wie bringst du da Ordnung
- 8:33hinein? Da muss man erst mal fragen, was
- 8:37ist eigentlich Ordnung? Was ist Ordnung?
- 8:39Und Ordnung ist, wenn man alles schnell findet und nichts im Weg
- 8:44herumliegt und stört. Das ist natürlich immer sehr
- 8:49verschieden von Person zu Person.
- 8:50Da gibt es verschiedene Geschmacksrichtungen, es gibt
- 8:53die, die. Klinisch aufgeräumte Räume haben
- 8:56und bei anderen sieht sehr chaotisch aus.
- 8:59Aber wichtig ist, dass man die Sachen findet.
- 9:01Und schwierig wird es erst dann, wenn andere Leute dann auch die
- 9:04Sachen finden. Müssen also in einem Archiv
- 9:07müssen andere zugreifen können, genauso wie in der Familie, wo
- 9:11man sich vielleicht einigen muss auf eine Ordnung.
- 9:15Und deshalb ist es wichtig zu verzeichnen, es muss eine
- 9:21Verzeichnung geben und das fängt an, wenn die Kiste kommt in
- 9:24meinem Büro. Das erste, was sie bekommt, ist
- 9:26eine Nummer und eine Notiz, wer hat sie mir gegeben, wann wurde
- 9:30sie gegeben? Und warum geht es grob?
- 9:34Und dann kann man nach und nach später mit den Akten arbeiten.
- 9:38Die werden irgendwo abgelegt in Schachteln, die werden
- 9:42aufbereitet, aber auch verzeichnet, sodass ich dann
- 9:46nachher suchen kann und sagen Bistums Jubiläum und dann weiß
- 9:51ich, aha, in diesen Schachteln ist alles drin.
- 9:54So funktioniert das. Heutzutage digital.
- 9:58Selbstverständlich, das läuft alles über eine Datenbank aus
- 10:02purer Gewohnheit drucke ich da noch Dinge aus, aber das ist
- 10:06eher von früher her und weil man ja nie weiß, wie lange das
- 10:10digitale so hält. Papier sehr geduldig, das hält
- 10:14immer sehr lange. Während Disketten schon heute
- 10:19fast nicht mehr gelesen werden können.
- 10:21Wir haben jetzt neue P CS bekommen.
- 10:23Ich musste darauf bestehen, dass noch ein CD Laufwerk dazu gehört
- 10:26bei mir. Weil das ist schon eine Technik,
- 10:29die wieder vorbei ist. Wenn du jetzt für die Zukunft
- 10:33für die nächsten Jahrhunderte. Archivieren musst.
- 10:36Wie gehst du das überhaupt an? Eben du kannst nicht darauf
- 10:39vertrauen, dass Menschen in 200 Jahren noch CD Laufwerke lesen
- 10:42können. Das ist richtig und es gibt da
- 10:46einige einfache Regeln. Die wichtigste Regel ist, wenn
- 10:52man das ausdrucken kann, ist es einfach, dann drückt man das
- 10:55aus. Alles digitaler ist sehr, sehr
- 10:59schwierig zu archivieren. Das ist noch nicht wirklich
- 11:03klar, ob das in 200 Jahren noch da ist.
- 11:06Die großen Archive haben da Projekte am Laufen, um das in
- 11:10den Griff zu bekommen. Da kann ich natürlich nicht
- 11:14mithalten. Aber ich kann schon anfangen zu
- 11:16sammeln und wenn die ideale Lösung dann da ist, übernehme
- 11:19ich dir auch. Wir haben zum Beispiel digitale
- 11:23Fotos. Digitale Fotos gibt es noch
- 11:26nicht so lang, aber im Archiv sind bereits 40000.
- 11:30Wow. Viel, viel mehr als analoge
- 11:33Fotos, die es natürlich auch gibt.
- 11:36Viel, viel mehr als die 10000 Gegenstände, die ein Mensch so
- 11:39im Durchschnitt hat. Richtig, und die Fotos findet
- 11:43man nur, weil sie nach einem System verzeichnet sind und dann
- 11:46kann man nachschauen. Dein System, dass du anwendest,
- 11:50würdest du sagen, dass wäre auch hilfreich für zu Hause oder
- 11:54welche Tipps hast du? Zu Hause Ordnung ins Chaos zu
- 11:58bringen. Da gibt es ein paar wenige
- 12:01Tipps. Der erste ist, Kompetenzen
- 12:04abklären, wer ist zuständig? Beispiel von zu Hause.
- 12:09Wir haben zu Hause viele Bücher, aber wir haben getrennte
- 12:12Bücherschränke. Und meine Frau stellt ihre
- 12:16Bücher ganz anders ins Regal als ich.
- 12:19Das ist aber kein Problem, weil klar ist, wer ist wofür
- 12:21zuständig. Welches Bücherregal gehört wem?
- 12:24Genau. Getrennte Handtücher haben wir
- 12:27nicht und da müssen wir ab und zu diskutieren, wie die in den
- 12:29Schrank hören. Also Kompetenzen klären wäre
- 12:33schon mal ganz gut. Das zweite ist.
- 12:38Prioritäten setzen. Manches ist wichtiger als
- 12:41anderes. In der Küche zum Beispiel müssen
- 12:44die Kaffeetassen griffbereit sein.
- 12:46Die brauche ich jeden Tag mehrmals.
- 12:49Wo dann die Suppenschüssel stellt, ist nicht so wichtig.
- 12:52Also die könnte ich zur Not noch aus dem Keller holen.
- 12:55Einmal ein oder zweimal im Jahr, das spielt keine Rolle, wo die
- 12:57rumsteht, da könnte ich auch gerne mal 5 Minuten suchen, bis
- 13:00ich sie finde. Da kann man ein bisschen locker
- 13:05mit umgehen, aber eben Kaffeetassen sofort greifbar,
- 13:09bitte, und das sind die Prioritäten, so muss man das
- 13:12machen, dass man Bereiche Aussondert, die besonders
- 13:15wichtig sind, besonders oft nachgefragt werden.
- 13:18Die müssen sehr gut erschlossen sein und genauso läuft es auch
- 13:21im Archiv. Es gibt Akten, die sind sehr gut
- 13:23erschlossen, die findet man die Informationen sehr schnell und
- 13:27anderes, da muss man halt als Archive ein bisschen suchen,
- 13:31kein Problem. Und das Allerwichtigste ist?
- 13:36Wegwerfen, was weg kann. Das ist aber auch das
- 13:39Schwierigste. Das ist das Schwierigste.
- 13:42Und das hat zu tun mit den Kompetenzen.
- 13:47Jetzt bei Familien ist es schwierig, immer dann, wenn ich
- 13:50versuche, anderes aufzuräumen. Es sind meine Sachen, kann ich
- 13:54schnell mal ausmisten, aber ich kann natürlich nicht bei meinen
- 13:59Kindern hingehen, da hab ich schon Zimmer verbot, das geht
- 14:02nicht, die wissen da kommt der Archivar und wirft Weg.
- 14:08Es geht nicht. Um das hängt ja auch damit
- 14:11zusammen, welchen Gegenständen in meinem Leben ich wert
- 14:14beimesse. Genau.
- 14:16Was ist wertvoll? Und wer vor wertvoll ist,
- 14:19natürlich das, was zum eigenen Leben gehört, was das Leben
- 14:24dokumentiert und was schwer wieder zu bekommen ist.
- 14:29Also da auch ein Beispiel. Den letzten Krimi, den ich
- 14:34gekauft hab, den kann ich wieder wegwerfen.
- 14:38Den könnte ich mir ausleihen in der Bibliothek, den kann ich für
- 14:41wenig Geld wieder kaufen. Aber jetzt die Muschel vom
- 14:45Strand, die ich im letzten Sommer mitgenommen hab, da muss
- 14:49ich gut drauf aufpassen, weil die kann ich nicht mehr
- 14:51ersetzen. Da hängen Erinnerungen dran.
- 14:54Das ist wichtig. Und ich glaube, wenn man das als
- 14:58Maßstab nimmt, was welche Objekte sind, wie wichtig für
- 15:01mich. Dann kann man vielleicht
- 15:04einfacher wegwerfen. Natürlich muss man sich dran
- 15:07gewöhnen. Würdest du sagen, über die
- 15:10vielen Jahre ist es fällt es dir leichter?
- 15:12Hast du eine gewisse Übung im Wegwerfen bekommen?
- 15:14Es fällt mir wesentlich leichter.
- 15:16Also ich hab vor nichts Respekt, außer vor den Akten, die wichtig
- 15:21sind fürs Archiv. Ich habe schon viele Bücher
- 15:24weggeworfen, weil die eben in der Bibliothek bekommen kann.
- 15:28Aber Akten, die etwas dokumentieren, die einzigartig
- 15:31sind, da passe ich sehr gut drauf.
- 15:36Dieser Podcast ist ein ökumenisches Projekt und wird
- 15:39präsentiert von den evangelischen und katholischen
- 15:41Kirchen, der Kantone St. Gallen und Appenzell.
- 15:44Danke für eure Unterstützung. Ich bin hier im bischöflichen
- 15:50Archiv, einem Raum mit vielen interessanten Gegenständen,
- 15:55Aktenordnern und mir gegenüber sitzt Stefan Kemmer, der
- 15:59bischöfliche Archivar, der dieses Archiv führt.
- 16:02Du hast verschiedene Sachen mitgenommen, die du als
- 16:07besonders interessant erachtet, die Top 3 des bischöflichen
- 16:10Archivs. Was hast du mitgebracht?
- 16:14Das Erste ist ein bisschen langweilig, das ist schlicht und
- 16:17einfach ein Korrespondenz Band. Ottmar Melder das sind alle
- 16:21Briefe, die 1978 hat tippen lassen.
- 16:27Und das ist eben sehr interessant, weil es sehr viele
- 16:30sind. Also dieser Band hat.
- 16:33Über 673. Seiten, das heißt, er muss jeden
- 16:39Tag Feiertage, werktags mindestens 2 Briefe hat tippen
- 16:44lassen. Und das ist einer der ersten
- 16:47Bänder. Gegen Ende seiner Zeit als
- 16:50Bischof sind es schon 4 beendet, und das ist vom Inhalt nicht
- 16:56immer interessant, aber als Menge zu sehen.
- 16:59Was hat er alles geleistet und wie nah er war, den Leuten mit
- 17:03seinen Briefen, das ist eigentlich ganz spannend.
- 17:07Es gibt aber noch etwas Besseres.
- 17:09Das wäre dann zum Beispiel dieses weltmissions Spiel der
- 17:14Vorgänger von Bischof Otmar Mera 6.
- 17:17Hasler war beim Zweiten Vatikanischen Konzil dabei, man
- 17:21weiß, er hat sich sehr für Missionen interessiert, er war
- 17:25später auch auf Reisen dort, es gibt Fotos von diesen Reisen und
- 17:31irgendwie. Bist du an dieses Spiel
- 17:34gekommen, das von den Bettler heimer innen Missionaren
- 17:38entwickelt wurde? Es ist ein ganz einfaches Reise
- 17:42Spiel. Kann das aus klappen?
- 17:50Also wenn er beim Zweiten Vatikanischen Konzil dabei war,
- 17:54in den Sechzigern, dann ist das Spiel den Sechzigern vielleicht
- 17:59oder Siebzigern. Es ist vorher in den Sechzigern,
- 18:01hat sich viel verändert. Das hier ist eher aus den 50er
- 18:05Jahren, 40er Jahren, 50er Jahren noch.
- 18:07Es zeigt einen ganz anderes Missions Verständnis.
- 18:11Man sieht, hier kann man herumreisen und die Heiden
- 18:15Kinder bekehren. Durch die ganze Welt hindurch.
- 18:18Ziel ist natürlich, dass schließlich alle.
- 18:23Nach Rom kommen und wer zuerst in Rom ist, hat gewonnen.
- 18:26Und dann gibt es natürlich Würfel und Ereignis Karten und
- 18:30deshalb passieren viele Dinge dort.
- 18:33Aber ja, das war die Sicht der 50er Jahre noch meiner hier ganz
- 18:39klar, das sind die Katholiken und die Heiden und so hat man
- 18:43die Welt gesehen, das ändert sich nach dem Konzil ganz massiv
- 18:48und grundlegend, so etwas findet man manchmal, und das ist
- 18:53natürlich sehr schön. Ich muss noch zeigen.
- 18:55Kann aber du weißt nicht, ob der Bischof das gespielt hat.
- 18:58Vermutlich nicht. Dazu sieht es zu gut erhalten
- 19:00aus, aber ich nehme an, dass man das eben mal bei irgendeinem
- 19:04Anlass geschenkt hat. Ganz spannend ist das hier.
- 19:10Sieht aus wie ein würdiges altes Buch.
- 19:14Geburt und toten Buch für den Verwaltungsbezirk Niederbüren
- 19:18steht drauf. Drinnen ist aber etwas völlig
- 19:21anderes. Drinnen sind Karikaturen.
- 19:28Aus der Zeit vom Zweiten Weltkrieg.
- 19:33So sehen Sie aus. Spannend an diesen Karikaturen
- 19:38ist, dass sie zum Teil sehr antisemitisch sind.
- 19:43Da sehe ich ein Hakenkreuz unter einer Dornen Krone und noch
- 19:47andere Königs Häuser, prächtige Kronen, Italien, Albanien und
- 19:54dann die Dornen Krone. Genau.
- 19:57Mit einem Hakenkreuz? Na wusch.
- 20:00Man sieht auch hier Hitler, wie er über die Menschen trampelt,
- 20:04also der Sammler, der war. Sicher gegen Nationalsozialismus
- 20:10er ist auch gegen Kommunismus. Es gibt auch entsprechende
- 20:15Karikaturen, aber er hat sich nicht sehr gestört an
- 20:19antisemitischen Bildern, die es eben auch gibt hier in diesem
- 20:23Buch. Spannend ist, dass es von
- 20:25Zösisch eine französische Zeitschrift ist und eine
- 20:29Zeitschrift. Die ist eine Zeitung, die es
- 20:31hier gegeben haben muss damals, das sonst nicht sammeln können.
- 20:36War es eben auch, dass sie das in dieses toten Buch eingeklebt,
- 20:40weil dieses Buch kann man dann ins Paar Archiv stellen und hat
- 20:44es genial versteckt, das findet niemand mehr.
- 20:48Weiß man, wer der Sammler war? Vermutlich der Fahrer damals.
- 20:53Man könnte das sicher herausbekommen und noch mehr
- 20:56forschen zu dem Thema. Ich hab selber aus Zeitgründen
- 20:59mich noch nicht damit beschäftigt.
- 21:03Wie viele Gegenstände und Akten besitzt das bischöfliche Archiv
- 21:08insgesamt? Sehr gute Frage, das müsste man
- 21:11mal ausmessen. Ich weiß es nicht.
- 21:14Millionen wahrscheinlich, oder? Die Archivare messen immer in
- 21:19Lauf Metern, also laufen Meter Akten.
- 21:22Wir haben sicher ein paar 100 Lauf Meter, und das ist ein
- 21:27kleines Archiv. Das vatikanische Archiv hat sich
- 21:32über 40 Kilometer lauf, Meter Akt.
- 21:37Das ist eine ganz andere Dimension, aber das ist ein
- 21:39kleines Archiv. Immerhin.
- 21:42Und trotzdem habt ihr ein Platz Problem.
- 21:45Alle Archive haben Platz Problem, weil das, was die
- 21:48Archivare aufbewahren, das soll ja für immer aufbewahrt werden
- 21:53und das wird immer mehr. Alle Archive haben zu wenig
- 21:56Platz und müssen ab und an neu bauen.
- 21:59Das Platz Problem kennen nun auch viele Menschen von zu
- 22:03Hause. Dass je mehr Dinge man
- 22:05ansammelt, desto weniger Platz man in den eigenen 4 Wänden hat,
- 22:08hast du abschließend da noch einen Tipp wie man mit dem Platz
- 22:11Problem umgeht? Man sollte sich vielleicht
- 22:15überlegen, dass alles, was man besitzt, Geld kostet, und zwar
- 22:20nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch bei der Lagerung.
- 22:24Wenn ich viele Bücher habe, brauche ich eine größere
- 22:26Wohnung. Weil ich viele Kleider hab, ein
- 22:29größeres Schlafzimmer. Also muss ich mir überlegen.
- 22:34Ob es mir das wirklich wert ist? Was sind die Objekte, die
- 22:39wirklich zentral sind in meinem Leben, die ich unbedingt
- 22:41brauche? Und beim Rest muss man lernen,
- 22:45großzügig wegzuwerfen. Wer das nicht schafft, kann sich
- 22:50ja vielleicht beim Stefan Kemmer Hilfe holen und hat hoffentlich
- 22:55einige hilfreiche Anregungen in dieser Podcast Folge gefunden.
- 22:58Stefan Kemmer vielen herzlichen Dank.
- 23:00Vielen dank dir. Ich hoffe euch hat diese Podcast
- 23:04Folge gefallen und ihr habt einige Anregungen bekommen, wie
- 23:07er selber sortieren und wegwerfen könnt.
- 23:12Wenn euch der Podcast gefällt, dann bewertet ihn doch gut in
- 23:15der Podcast App eurer Wahl. Ihr wisst schon, die Sterne auf
- 23:18Spotify und Apple Podcast schickt den Podcast auch gerne
- 23:22an Leute, die dann auch hören sollen, wenn ihr die
- 23:26Gegenstände, die Stefan Kemmer uns vorgestellt hat, auch sehen
- 23:30wollt, dann schaut euch auf Instagram oder auf unserer
- 23:32Webseite vorbei. Macht es gut, eure Ines.
- 23:43Vater Graz.