Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 17 - Die Erweckung 1
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04Unterkapitel 17 die Erweckung Abschnitt 1 nachdem das Lied des
- 0:13Wanderers und des Schattens beendet ist, wird es in
- 0:16Zarathustras Höhle auf einmal sehr laut.
- 0:18Die Gäste fangen an zu lachen und Lärm zu machen, sogar der
- 0:22Esel lässt sich anstecken und ruft laut mit.
- 0:25Zarathustra, der draußen steht, spürt eine kleine Abneigung und
- 0:28muss über seinen Besuch ein wenig spotten.
- 0:31Aber gleichzeitig freut er sich auch über ihre Fröhlichkeit.
- 0:34Für ihn ist dieses Lachen nämlich ein Zeichen ihrer
- 0:37Heilung, er geht nach draußen an die frische Luft, um mit seinen
- 0:41Tieren, dem Adler und der Schlange zu sprechen,
- 0:45Zarathustra bemerkt erleichtert, dass die große innere Not seiner
- 0:48Gäste verschwunden ist. Er sagt zu sich selbst, dass sie
- 0:51bei ihm offenbar verlernt haben, um Hilfe zu schreien.
- 0:55Allerdings, so fügt er bedauernd hinzu, haben sie das Laute
- 0:58Schreien an sich noch nicht verlernt.
- 1:00Dabei hält er sich die Ohren zu, denn das Laute Rufen des Esels
- 1:04mischt sich auf eine seltsame Weise mit dem feierlichen Lärm
- 1:07dieser höheren Menschen. Die sogenannten höheren Menschen
- 1:10sind für Nietzsche die besten und klügsten Vertreter der
- 1:13Menschheit, die jedoch an der Welt verzweifelt sind, weil die
- 1:16alten Werte ihren Sinn verloren haben, sie sind aber noch nicht
- 1:20am Ziel. Sie sind also noch nicht der
- 1:22Übermensch, der sich völlig frei selbst neue Werte erschafft.
- 1:26Zarathustra stellt fest, dass seine Gäste sehr lustig sind, er
- 1:30fragt sich, ob sie das vielleicht auf seine Kosten
- 1:32sind, er erkennt auch, dass sie zwar bei ihm das Lachen gelernt
- 1:36haben, es aber immer noch nicht sein eigenes wahres Lachen ist.
- 1:40Sein eigenes Lachen ist ein tiefes, befreites Lachen, das
- 1:44das Leben in all seinen Formen bedingungslos bejaht, trotzdem
- 1:49stört ihn das nicht besonders. Er sagt sich, dass diese
- 1:52Menschen eben alt sind und auf ihre eigene alte Art gesund
- 1:55werden und lachen. Seine Ohren haben schon
- 1:58Schlimmeres ertragen müssen, daher ärgert er sich nicht
- 2:01darüber. Für Zarathustra ist dieser Tag
- 2:04ein großer Erfolg, er spürt, dass sein größter Feind der
- 2:07Geist der Schwere, endlich weicht und flieht, der Geist der
- 2:12Schwere ist einer der wichtigsten Begriffe bei
- 2:14Nietzsche, er steht bildlich für alles, was den Menschen
- 2:17niederdrückt, wie zum Beispiel Schuldgefühle.
- 2:20Strenge Moral, alte Lebensregeln und eine lebensfeindliche
- 2:24Ernsthaftigkeit. Dieser Tag, der eigentlich
- 2:27schlecht und mit viel Verzweiflung bei seinen Gästen
- 2:29begonnen hatte, nimmt nun ein sehr gutes Ende.
- 2:34Zarathustra beobachtet, wie der Abend hereinbricht, er
- 2:37beschreibt den Abend poetisch als einen guten Reiter, der über
- 2:41das Meer kommt und sich in violetten Sätteln wiegt, der
- 2:44Himmel ist klar und die Welt liegt ruhig da.
- 2:48Zarathustra ruft seinen wunderlichen Gästen in Gedanken
- 2:50zu, dass es sich allein schon gelohnt hat zu leben, weil sie
- 2:53zu ihm gekommen sind. Während Zarathustra so
- 2:57nachdenkt, hört er erneut das laute Geschrei und Gelächter der
- 3:00höheren Menschen aus seiner Höhle, er freut sich und sagt,
- 3:04dass sein Plan funktioniert, sein Köder, mit dem er sie
- 3:08fangen wollte, hat gewirkt, der Geist der Schwere, also die
- 3:12drückende Verzweiflung, weicht nun auch von seinen Gästen, sie
- 3:16lernen allmählich, über sich selbst zu lachen.
- 3:18Er fragt sich, ob er das wirklich richtig hört, so sehr
- 3:21freut er sich darüber. Er ist stolz darauf, dass seine
- 3:25geistige Nahrung, die er ihnen gegeben hat, gewirkt hat, er
- 3:29nennt diese Nahrung eine Kost für Männer, Krieger und
- 3:33Eroberer, damit meint er seine eigenen, sehr anspruchsvollen
- 3:37und harten Lehren, er hat sie nicht mit weicher, tröstender
- 3:41Nahrung gefüttert, die er abwertend als aufblähendes
- 3:44Gemüse bezeichnet. Stattdessen hat er durch seine
- 3:47starken Worte neue Wünsche und Hoffnungen in Ihnen geweckt.
- 3:51Diese Kriegerkost steht für Gedanken, die den Menschen
- 3:53zwingen, sich selbst zu überwinden und stark zu werden.
- 3:57Zarathustra sieht, wie neue Kraft in ihre Körper und Herzen
- 4:00fließt, sie finden neue Worte und bald wird ihr Geist voller
- 4:03Mut und Tatendrang sein, er stellt aber auch klar, dass
- 4:07seine harte Kost nicht für Kinder oder für schwache,
- 4:09sehnsüchtige Menschen gemacht ist.
- 4:12Für solche Menschen gibt es andere Ärzte und Lehrer.
- 4:15Aber er selbst ist nicht für sie zuständig.
- 4:18Der große Ekel verlässt nun diese höheren Menschen.
- 4:21Dieser Ekel bedeutet bei Nietzsche die tiefe Abscheu vor
- 4:24der Sinnlosigkeit des Lebens und vor der Schwäche der gesamten
- 4:27Menschheit, dass dieser Ekel verschwindet, ist Zarathustras
- 4:31eigentlicher Sieg in seiner Nähe fühlen sich die Gäste endlich
- 4:35sicher, die falsche Scham und das ständige Bedrückte
- 4:38nachdenken verschwinden, und sie können endlich frei ihr Herz
- 4:42ausschütten. Weil sie gute Stunden erleben
- 4:45und wieder unbeschwert feiern können, werden Sie dankbar.
- 4:48Für Zarathustra ist diese Dankbarkeit das allerbeste
- 4:51Zeichen. Er glaubt, dass sie schon bald
- 4:54neue Feste erfinden und Gedenksteine für ihre
- 4:56wiedergefundene Freude aufstellen werden, er nennt sie
- 4:59fröhlich die Genesenden, also diejenigen, die von ihrer großen
- 5:03Verzweiflung heilen. Voller Freude schaut Zarathustra
- 5:07in die Ferne, seine Tiere, der Adler und die Schlange kommen
- 5:11ganz nah an ihn heran. Sie spüren sein Glück und
- 5:14respektieren seine stille Zufriedenheit.