Latest / ntv Wirtschaft / Bauernverband erwartet deutlich kleinere Ernte: Wo jetzt die Preise steigen und wo nicht
Transcript
- 0:02Deutschlands Landwirte rechnen mit einer deutlich kleineren Ernte.
- 0:05Aber was heißt das für die Preise?
- 0:07In den USA steht ein wichtiger Stimmungstest für Trumps Wirtschaftspolitik an.
- 0:12Und für Mieter werden die Betriebskosten immer mehr zur Belastung.
- 0:16In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:21die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:26Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:30Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:35geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:38Die deutschen Landwirte haben in diesem Sommer eine insgesamt deutlich kleinere
- 0:42Ernte eingefahren. Das hat jetzt der Deutsche Bauernverband mitgeteilt.
- 0:46Er rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Getreidemenge von rund 42 Millionen Tonnen.
- 0:51Das wären sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Gründe dafür seien ein zu trockenes
- 0:56Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte.
- 1:00Auch bei Winterraps, Kartoffeln und Mais sieht der Verband Probleme.
- 1:04Er fordert nun Finanzhilfen von der Bundesregierung.
- 1:08Doch was bedeutet das jetzt für die Preise im Supermarkt? Darüber hat Sarah
- 1:12Oswald mit Sebastian Lackner gesprochen.
- 1:15Er ist Leiter der Professur für Agrarökonomie an der Universität Rostock.
- 1:19Welcher Bereich in der Landwirtschaft leidet denn gerade am meisten?
- 1:23Naja, es ist davon auszugehen, dass wir im Ackerbau tatsächlich geringere Erträge haben.
- 1:29Im Gemüsebau könnten das die Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich auch
- 1:33sogar beim Preis spüren.
- 1:35Aber richtig schwierig wird es für die tierhaltenden Betriebe,
- 1:39also die Milchviehbetriebe und die sogenannten Mutterkuhbetriebe.
- 1:44Weil einfach auf dem Grünland wenig wächst und es dadurch Futterknappheit gibt.
- 1:49Und gerade bei den Biobetrieben wirkt sich das nochmal besonders aus,
- 1:52weil dort der Futterzukauf eingeschränkt ist.
- 1:54Das heißt also, bei den Tierbetrieben werden wir in Probleme laufen.
- 1:59Und ich würde wahrscheinlich eher mit fallenden Fleischpreisen rechnen,
- 2:04weil, das wissen wir aus der Vergangenheit, es kann zu Notschlachtungen kommen.
- 2:09Und dann fällt der Preis, weil eigentlich zu viel Menge am Markt ist.
- 2:14Braucht die Landwirtschaft Ihrer Meinung nach politische Beihilfen oder gibt
- 2:17es da noch Rücklagen aus den vergangenen Jahren, wo es ja Rekordgewinne gab?
- 2:25Genau, man muss sich, glaube ich, die Gesamtsituation angucken.
- 2:28Wir hatten bis 2023, 2024 drei Jahre mit Rekordgewinnen in der Landwirtschaft.
- 2:35Aktuell sind aber die Preise tatsächlich eher niedrig. Sie haben jetzt leicht
- 2:40über den Sommer angezogen in einigen Bereichen.
- 2:43Und die Energiepreise, also die Inputpreise in der Landwirtschaft sind sehr
- 2:47hoch. Und das ist natürlich etwas, was für die Betriebe tatsächlich ein sehr
- 2:51schwieriges Umfeld ist.
- 2:54Ob man jetzt hier in so einer Situation Beihilfen zahlen muss oder soll,
- 2:58das ist eine politische Frage. Das heißt, das muss eigentlich die Bundesregierung entscheiden.
- 3:04Sie haben gerade eben schon die Lebensmittelpreise in Bezug auf Fleisch angesprochen.
- 3:08Was erwarten Sie da im Allgemeinen?
- 3:14Naja, da würde ich erwarten, dass eben aufgrund von Notschlachtungen Betriebe,
- 3:19die wissen, wir können unsere Tiere nicht mehr durchfüttern durch den Winter,
- 3:25dass dort sozusagen Tiere zusätzlich auf Schlachtbetriebe kommen.
- 3:29Und dann haben wir ein zusätzliches Angebot für Fleisch.
- 3:33Und das ist natürlich etwas, was eher auf den Preis drückt.
- 3:37Wir wissen das aus dem letzten großen Dürresommer 2018. Da konnten wir das empirisch
- 3:42beobachten. Und das wäre so ein Szenario, was ich dieses Jahr auch für durchaus erwartbar halte.
- 3:51Was muss sich denn in der Agrarpolitik ändern, um eben landwirtschaftliche Betriebe
- 3:55auf Dürreperioden, die uns ja auch in der Zukunft erwarten werden,
- 3:59damit man sich da besser vorbereiten kann?
- 4:02Die Dürreperiode, die geringeren Erträge, aber auch das, was wir im Moment an
- 4:06Waldbrennen beobachten, zeigen doch eigentlich eines ganz deutlich,
- 4:10dass wir Klimaschutz ernst nehmen müssen.
- 4:13Und unterlassener Klimaschutz sorgt für Folgekosten. Und das,
- 4:17was wir jetzt in der Landwirtschaft beobachten werden, sind solche Folgekosten.
- 4:22Agrarpolitisch sollten wir Klimamaßnahmen, Einsparungen ernst nehmen,
- 4:27sowas wie Moorvernässungen, aber auch die Betriebe besser auf diese Dürreereignisse
- 4:33vorbereiten durch Agrarumweltprogramme.
- 4:35Und hier liegt meines Erachtens noch sehr viel Handlungsbedarf.
- 4:39Die aktuelle Bundesregierung schweigt dazu. Da gibt es überhaupt keine Antworten zu dem Thema.
- 4:44Und es wäre, glaube ich, ganz wichtig, wenn man zukünftig besser vorbereitet sein will,
- 4:49dass man stärker in Agrarumweltmaßnahmen investiert, in Risikovorsorgeinstrumente
- 4:55investiert und stattdessen solche relativ ungerichteten Instrumente wie die
- 5:00Direktzahlung abbauen, weil das ist eigentlich nur Verschwendung von Steuermitteln.
- 5:04Von der Ernte in Deutschland blicken wir jetzt in die USA.
- 5:07Anfang November finden dort die sogenannten Midterms statt, also die Zwischenwahlen.
- 5:12Die sind auch ein Stimmungstest für US-Präsident Trump und seine bisherige Wirtschaftspolitik.
- 5:18Doch wie haben sich die vielen Zölle auf deutsche und US-Firmen ausgewirkt?
- 5:23Nancy Lanzendörfer hat dazu mit dem Commerzbank-Außenhandelsexperten Vincent Stamer gesprochen.
- 5:29Wir haben jetzt mehr als ein Jahr US-Zölle von Donald Trump.
- 5:33Schauen wir mal auch rückwirkend, wie belastet das die deutschen Firmen tatsächlich?
- 5:39Also wir beobachten tatsächlich, dass die US-Zölle eine große Belastung für
- 5:42die deutschen Exporteure sind.
- 5:44Die deutschen Exporte in die USA sind im ersten Halbjahr um etwa 6 Prozent zurückgegangen
- 5:50im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
- 5:52Es ist eine Belastung und dieser Rückgang ist gerade überraschend,
- 5:55weil eigentlich beide Volkswirtschaften gewachsen sind.
- 5:58Beide sind gewachsen, aber die US-amerikanische mehr?
- 6:01Das stimmt, die US-amerikanische ist mehr gewachsen. Man würde aber auch deshalb
- 6:05erwarten, dass sie mehr Waren von Deutschland importieren. Und das ist nicht geschehen.
- 6:09Das ist nicht geschehen. Und wenn wir auch drauf schauen, dass es beispielsweise
- 6:12ein Gerichtsurteil gab, die USA müssen Zölle zurückzahlen.
- 6:17Ich habe gelesen, jetzt müssen sie sogar mehr Zölle zahlen, als dass sie einnehmen.
- 6:21Das mag sein. Im Februar wurden ja vom Supreme Court einige eine Rechtsgrundlage
- 6:26für die Zölle zurückgenommen.
- 6:27Da müssen Zölle zurückgezahlt werden. Das stimmt.
- 6:30Aber fairerweise wird auch der Trump an seinem Zollregime festhalten und immer
- 6:36neue Wege finden, Zölle einzuführen.
- 6:39Und das macht er jetzt eben. Inwieweit hilft das tatsächlich der US-Wirtschaft?
- 6:43Es gibt natürlich Profiteure. Denken wir zum Beispiel an die Metallindustrie.
- 6:47Die ist jetzt deutlich stärker abgeschirmt in den USA. Die profitiert sicherlich davon.
- 6:53Aber es gibt auch Wirtschaftsakteure und die Konsumenten selbst, die darunter leiden.
- 6:58Denn es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass die Hauptlast der Zölle,
- 7:03die nichts anderes als eine Steuer sind, dass diese Hauptlast der Zölle von
- 7:07den USA selbst getragen werden.
- 7:09Da schließt sich die Frage an. Wir haben es gesagt, Wirtschaftswachstum auf
- 7:12der einen Seite, aber es betrifft eben die Bevölkerung. Würden Sie sagen,
- 7:15also Wirtschaftswachstum plus von Donald Trump oder eher minus ein Eigentor
- 7:21vor den wichtigen Zwischenwahlen?
- 7:23Ich würde es ein bisschen anders betrachten.
- 7:26Und zwar müssen wir uns die Frage stellen, wie viel stärker wäre die US-Wirtschaft
- 7:30denn gewachsen ohne diese Zölle?
- 7:32Und genau diese Differenz ist ein Schmerz, den die US-Wirtschaft tragen muss.
- 7:36Natürlich gibt es andere Faktoren für das Wirtschaftswachstum in den USA,
- 7:40aber ich glaube, wir können festhalten, nach einem Jahr oder mehr als einem
- 7:44Jahr sind die Zölle eher ein Eigentor für Trump.
- 7:47Und damit zum nächsten Thema. Die Betriebskosten werden für Mieter immer mehr zur Belastung.
- 7:52Das zeigt eine Auswertung des Miet-Nebenkostenprüfers Mineco.
- 7:56Demnach haben die Betriebskosten bundesweit um 5% zugelegt. Es sind die Kosten,
- 8:01die dem Vermieter durch das Eigentum an der Wohnung entstehen.
- 8:04Dazu zählen zum Beispiel Gebühren für die Müllbeseitigung und Wasserversorgung.
- 8:08Sie können auf die Mieter umgelegt werden. Was das bedeutet und worauf Mieter
- 8:13unbedingt achten sollten, hat Sarah Oswald mit Frauke Holzmeier besprochen,
- 8:17der Leiterin der Wirtschaftsredaktion.
- 8:19Ganz spannend, du hast Zahlen mitgebracht, wir können das aufschlüsseln nach
- 8:22Städten. Wo wird es denn ganz besonders teuer?
- 8:24Ja, also es gibt wirklich Städte, die schon länger auch Spitzenreiter sind und
- 8:28auch welche, die man gar nicht so auf dem Zettel hätte. Also es ist gar nicht
- 8:31in München oder so, was man vielleicht erwartet hätte, sondern auf Platz 1 ist Aachen mit 4,54 Euro.
- 8:38Also ganz oben mit dabei sozusagen Darmstadt, dann auf Platz 2 Bergisch Gladbach.
- 8:43Also hier bei uns um die Ecke in Köln über 4,38 Euro pro Quadratmeter.
- 8:47Das muss man immer sagen.
- 8:49Sich damit beidenken. Im Schnitt sind wir so bei 3,59 Euro. Und die günstigste
- 8:54Stadt, das sind mit 3,34 Euro Zwickau. Und das ist eine Auswertung eines Dienstleisters,
- 9:00der sich 60 bis 100 Städte angeschaut hat in Deutschland.
- 9:03Aber wir sollten uns eben die Nebenkostenabrechnung ganz genau angucken.
- 9:06Denn da werden eben immer wieder Fehler gemacht. Eben vom, also quasi derjenige,
- 9:11der sie stellt, vom Vermieter ja meistens.
- 9:12Was sind denn so die häufigsten Fehler? Das ist wirklich krass. Du sagst es schon.
- 9:1650% der Abrechnungen sind falsch, sagt die Verbraucherzentrale.
- 9:19Rechtsdienstleister gehen sogar von einer Quote von 80 bis 90 Prozent aus.
- 9:23Also wirklich, es lohnt sich zu gucken, was steht da eigentlich drauf auf meiner
- 9:27Betriebskostenabrechnung. Und die häufigsten Fehler habe ich mal mitgebracht.
- 9:31Also was ganz oft vorkommt, ist, dass der Warmwasserverbrauch,
- 9:34die Abrechnung nach einer Schätzung erfolgt oder nach einer Formel.
- 9:38Und das ist eben nicht erlaubt. Das muss schon exakt abgerechnet werden.
- 9:41Und wenn das eben nicht passiert, kann ich pauschal sogar etwas abziehen,
- 9:44so die 15 Prozent. Das ist schon wirklich auch viel.
- 9:47Dann kann es mal vorkommen, dass da Kosten auftauchen, die im Mietvertrag nicht
- 9:50vereinbar sind. Deswegen mal gegenüberstellen, darf das da überhaupt drinstehen oder nicht?
- 9:55Oder auch tatsächlich Kosten, die grundsätzlich gar nicht abrechenbar sind.
- 9:58Das sind zum Beispiel für die Hausverwaltung und auch Dachreparaturen.
- 10:01Das muss der Vermieter selbst tragen. Aber ich bin ehrlich, schon wenn ich diese
- 10:04Nebenkostenabrechnung sehe, habe ich schon keinen Bock mehr.
- 10:07Mich da durchzuwühlen durch die ganzen Zahlen. Aber die gute Nachricht, es gibt ja Hilfe.
- 10:11Es gibt Hilfe und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
- 10:13Es gibt inzwischen auch KI-Software oder auch Portale, wo man mit einem KI-Bot
- 10:18chatten kann, wenn man es wirklich einfach haben will.
- 10:21Eine gute Lösung sind sicherlich aber auch immer Verbraucherzentralen.
- 10:24Wenn es krasse Fälle sind, kann man auch zu Rechtsdienstleistern gehen oder ganz zum Anwalt.
- 10:29Das kann unter Umständen auch die Rechtsschutzversicherung dann abdecken,
- 10:32weil wir haben es gehört, mindestens 50 Prozent sind nach Schätzung der Verbraucherzentrale
- 10:37fehlerhaft. Also es lohnt sich, da reinzuschauen. Und zum Schluss noch dieses Thema.
- 10:41Nach der Industrie gibt es jetzt auch in den Dienstleistungsbereichen Jobverluste.
- 10:46Erstmals seit der Corona-Krise ist dort im zweiten Quartal dieses Jahres die
- 10:50Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gesunken.
- 10:55Das berichtet jetzt das Statistische Bundesamt. So schwächelten zum Beispiel
- 10:59der Bereich Handel, Verkehr und das Gastgewerbe.
- 11:02Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 11:07Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.