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Transcript
- Hallo und herzlich Willkommen zu Raumrauschen. Wir erzählen uns hier am digitalen Lagerfeuer persönliche Geschichten und blicken hinter die Texte der AutorInnen. Schön, dass ihr dabei seid. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge vom Raumrauschen-Podcast. Mein Name ist Rafaul Londo und heute habe ich wieder den Markus dabei. Hallo Markus, grüß dich. Hallo Rafa. Schön, dass du wieder da bist und uns eine Geschichte mitgebracht hast. Aber bevor wir richtig loslegen, darfst du erneut eine Check-In-Karte von unserem Wertvoll-Fort-Karten-Set dir aussuchen. Frisch gemischt darfst du einmal ziehen. Und was steht denn da als Frage? Ja. Mit welcher berühmten Persönlichkeit würdest du gerne Mittag essen? Also ich habe sofort eine Palette von Menschen und das sind meistens welche, die wirklich ganz groß in der Öffentlichkeit stehen. Ich würde, glaube ich, gerne mal mit Barack Obama Mittag essen, weil ich glaube, also Donald Trump bietet sich gerade im Moment nicht so an, aber ich würde gerne mal wissen, wenn ich mit so einer Macht ausgestattet bin und jeden Tag so viele Entscheidungen treffen muss, die immer auch Menschenleben betreffen, wie man damit umgeht, wie man damit leben kann. Und ich sage mal, dann ist Barack Obama jemand, der als amerikanischer Präsident auch viele Entscheidungen getroffen hat, die vermutlich, weiß ich nicht, aber ihm auch schlaflose Nächte gemacht haben. Spannend, da einfach auch neugierig im Mittagsessen zu sein und zu fragen, wie ist es so eigentlich. Spannend, ja. Genau. Du hast heute was mitgebracht. Ich würde sogar fast sagen, da würde Barack Obama sicherlich auch was sagen können. Wie heißt denn die Geschichte? Die Geschichte ist Wahltag. Wahltag, genau. Das war meine Überleitung, zumindest im Versuch. So ein Präsident wird ja auch gewählt. Und dann hören wir mal rein in deine Geschichte. Immer wieder gibt es einen Wahltag. Wir sind aufgefordert, von unserem demokratischen Recht Gebrauch zu machen und unsere Stimme einer Partei zu geben. Jetzt gerade läuft, oder sollte ich besser sagen, tobt wieder ein Wahlkampf. Jeden Tag werden wir überflutet mit Nachrichten, mit Wahlversprechen und Aussagen über die vermeintlich bestimmenden Themen dieser Zeit. Es wird debattiert, gerungen und gestritten. Denn es geht um meine Stimme, um mein Kreuzchen am Wahltag. Der 24. Februar ist jetzt gelaufen und Geschichte. Und wir waren aufgefordert, in dieser Wahl ein Kreuz zu machen, unsere Stimme abzugeben. Eigentlich steht jetzt keine Wahl mehr an. Doch ich denke, es gibt für uns keine Wahlunterbrechung. Wenn ich auf meinen Alltag schaue, dann habe ich jeden Tag die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Meinungen und Lebensentwürfen. Und dabei gebe ich unentwegt meine Stimme ab, egal ob ich sie laut und deutlich vernehmbar einsetze oder mich still im Hintergrund aufhalte. Wir erleben seit einiger Zeit eine Entwicklung in unserer Gesellschaft, wo die Meinungs- und Stimmvielfalt unbegrenzt erscheint und Wahrheiten, Halbwahrheiten und Fake News um die Meinungshoheit ringen. In jedem Augenblick können wir bleiben oder gehen. Ja sagen oder Nein. Umso wichtiger ist es da, sich klar und erkennbar zu positionieren. Jede Stimme zählt, wenn es darum geht, die Würde allen Lebens wertzuschätzen und wenn es nötig ist, zu beschützen. Oft machen wir durch unser Tun oder unser Unterlassen bewusst oder auch unbewusst unser Kreuz. Wir sind an jedem Tag Wählerin oder Wähler. Wir tragen so an jedem Tag Mitverantwortung für das Geschehen in unserer kleinen und großen Welt. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Stimme bewusst und verantwortungsvoll hörbar werden lassen. Ich gebe sie ab, wenn ich vor dem Supermarkt dem obdachlosen Zeitungsverkäufer begegne. Ich gebe sie ab, wenn ich mich positioniere in der Diskussion um Krieg und Frieden, um Waffenlieferungen, ja oder nein. Ich höre meine Stimme, wenn ich mich verhalte zu Menschen, die in sozialer Not leben oder fremd in diesem Land aus sehr unterschiedlichen Motiven nach Unterstützung suchen. Sie ist vernehmbar in meiner Familie, im Gespräch mit Freunden oder auch am Arbeitsplatz. Jeden Tag gebe ich meine Stimme ab in einer Welt, die in Bewegung ist, so schnell, so anstrengend, so fordernd wie vermutlich seit langer Zeit nicht mehr. Die Medien machen es möglich, dass es unzählige Propheten, unzählige Wahrheiten und Empfehlungen gibt. Und ich bin mittendrin. Wir sind mittendrin, im Auge des medialen und menschlichen Meinungs- und Stimmungsorgans. Mal mitgerissen von diesem Trend, mal hin und her geschleudert von dieser Erfahrung oder jenem Ereignis. Und dann muss ich wählen. Nein, ich darf wählen, weil ich diese Freiheit habe. Gott sei Dank. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht meine Stimme abgebe und so bewusst ein Kreuz mache, ein Zeichen setze. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit mir und meiner Haltung gefordert bin und mich mit mir selbst, meinem Denken und Handeln auseinandersetzen muss. Und was soll ich sagen? Manchmal verzweifle ich an meiner Stimmabgabe. Manchmal bin ich auch bitter enttäuscht von mir selbst. Und ja, immer wieder auch glücklich und zufrieden in meiner Stimmabgabe mit meiner Wahl. Dieses Mit-mir-selbst-Ringen in Freiheit ist eine Herausforderung, ein wunderbares Geschenk und eine große Verantwortung. Dies alles ist verbunden mit unserer Demokratie, mit unserem Bild von einer Gesellschaft und dem Umgang der Menschen miteinander. Viele gewinnen diesen Blick auf das Leben aus einem christlichen Menschen- und Wertebild. So verbinden sie in dieser Freiheit mein Leben und mein Glaube. Und das ist ein kostbarer Schatz, den es zu schützen gilt. Freiheit und Demokratie, Menschenwürde und Gerechtigkeit sind keine Selbstverständlichkeit. Sie brauchen Bestätigung, brauchen Bestärkung, das Kreuz einer richtigen Stelle im richtigen Moment. Es kommt auf jede Stimme an dabei. Immer. Und nicht nur bei einer Bundestagswahl. Denn jeder Tag ist Wahltag. Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank dir für die Entscheidung, diesen Text auch miteinander zu teilen und ihn jetzt auch ins Gespräch zu bringen, wo du dich ja auch einer Wahl gestellt hast, ihn zu schreiben oder nicht. Und jetzt würde ich gerne erstmal von dir wissen, wie es dir so geht, nachdem du das so vorgelesen hast. Ich habe Ihnen geschrieben mit der Bundestagswahl vor Augen, mit dem Geschehen um diese Wahl und mit dem Wissen darum, dass die Wahl irgendwann gelaufen ist und mir bewusst ist, Ich gebe trotzdem immer noch meine Stimme ab. Es ist nicht immer nur das Kreuzchen machen im Wahllokal, sondern wie ich es versucht habe zu beschreiben. Es ist mit jedem Wort, mit jeder Handlung kann ich meine Stimme abgeben oder deutlich machen, wo ich für mich bewusst einen Schwerpunkt setze. Jetzt hast du ja den Anlass, die Bundestagswahl jetzt aus dem Jahr 2025. Ich sage das deswegen, falls jemand den Podcast relativ spät erst in seinen Kanal hat oder den Text erst relativ spät lesen wird, geschrieben, wo wir ja dank unseres demokratischen Rechts auch eingeladen und aufgefordert sind, die Verantwortung, die ein jeder Volljährige hat, auch wahrzunehmen. Also ein ganz bewusster Akt, der uns ständig vor Augen geführt wird, wenn wir durch die Stadt gehen und Straßenplakate sehen für Partei, für die eine oder für die andere Partei oder wo wir Nachrichten lesen oder quasi in Zeitungen oder in den Medien das auch mitbekommen, wann der Tag jetzt auch ist. Aber du sprichst auch von den kleinen Entscheidungen, von den kleinen Entscheidungen des Alltags, aber auch von den Entscheidungen, von den großen Entscheidungen, die eben nicht so eine Aufmerksamkeit kriegen, zumindest nicht in der Gesellschaft, sondern für jede und jeden Einzelnen. Und du beschreibst es ganz treffend als ein großes Privileg, auch entscheiden zu dürfen. Denn wir können das ja hier in unserem Umkreis, also jetzt spreche ich explizit im deutsch-europäischen Raum. In anderen Ländern sieht das Ganze wieder ganz anders aus und Kontinenten. Und auf der anderen Seite ist es aber auch eine extreme Verantwortung. Wie gehst du mit dieser Spannung um? Also ich glaube, dass es ganz viele Stimmabgabe in meinem Leben gibt, über die ich mir eigentlich gar keine Gedanken mache, sondern da gehe ich so ran, wie ich als Mensch bin. Und an anderer Stelle mache ich mir vorher Gedanken, wie ich mich da verhalte. Ich glaube, es gibt eine Grundhaltung. Die ich für mich wahrnehme und die ich für mich so geltend machen würde. Und aus dieser Grundhaltung heraus überlege ich auch nicht immer, wie mache ich das jetzt oder wo gebe ich jetzt meine Stimme ab oder wie gebe ich meine Stimme ab, sondern das geschieht einfach aus meiner Haltung heraus. Ist das denn an vielen Stellen eine Selbstverständlichkeit? Und an manchen Stellen merke ich, da sind Überlegen kommen, ob die Stimme, die ich gestern noch so abgegeben habe, ich morgen auch noch so abgeben würde oder ob ich da mein Verhalten verändern würde. Also es gibt Dinge, die sind bei mir im Fluss und andere sind eine Selbstverständlichkeit, dass das so passiert. Kannst du uns da mal mitnehmen, so ein Beispiel? Also ich finde jetzt die Frage von Krieg und Frieden in dieser Welt mit, ich sag mal, den beiden in den Medien meistens dargestellten Orten mit der Ukraine und Gaza, da finde ich das so vielschichtig. All die Einflüsse, all die Dinge, die da reinspielen, da finde ich es schwierig zu einer, da gibt es keine abschließende Grundhaltung. Ich habe gemerkt, dass ich mich da in meiner Wahrnehmung verändert habe und dass sich da auch Dinge, ich sage mal, in meinem Meinungsbild verändert haben. Aber ich merke auch, dass es jeden Tag neue Facetten gibt, die ich mit berücksichtigen möchte, mit einbauen möchte, um da mir wieder ein Meinbild zu machen. Und dann gibt es Sachen, die sind alltäglich selbstverständlich, da denke ich dann nicht drüber nach, die tue ich dann einfach. Gab es denn schon mal, die Frage poppt gerade so bei mir auf, so einen Moment, wo du genau so etwas, wo du sagst, das habe ich bisher immer so gemacht, also da hast du deine Entscheidung quasi im Vorfeld immer schon ganz natürlich, hat sich das ergeben, wo du plötzlich gemerkt hattest, da ist eine Entscheidung, die ich machen kann und sie verändert das auf einmal. Verstehst du, was ich meine? Dass diese Wahl, dieses Gefühl von ich habe eine Wahl, plötzlich so immens ist, dass du es anders machst als bisher. Also das gibt es bestimmt. Mir fällt gerade im Moment nichts Konkretes ein, aber das gibt es bestimmt. Sonst würde ich ja permanent mich auf alten, ausgetretenen Faden bewegen. Das glaube ich nicht, sondern es gibt schon die Dinge, wo sich Sachen verändern, wo meine Meinung oder mein Verhalten sich verändern. Ich habe im Moment jetzt nicht so das Beispiel, wo ich sage, da ist es mir zuletzt nochmal ganz bewusst gewesen. Ich habe dich bei der Fragestellung schon Kopfnicken gesehen. Also wahrscheinlich ist es jetzt einfach nur, weil es so spontan war, noch kein passender Moment gekommen. Also ich mache meine Kreuze heute anders als vor 10 oder vor 20 Jahren an bestimmten Stellen. Also ich glaube, das hat mit einer persönlichen Entwicklung zu tun. Das hat damit zu tun, dass sich auch Meinungen ändern können oder das Bild von bestimmten Dingen sich ändern kann. Und von daher gibt es ein anderes Wahlverhalten. Bis hin, dass ich jetzt sagen kann, ich mache mein Kreuz bei der Bundestagswahl nicht mehr da, wo ich es vor 20 Jahren gemacht habe. Also das ist, ich sage mal, auch ein Zeichen. Auch da haben sich Dinge verändert. Genau, ja, also letztendlich auch rückblickend zu sehen, da ist eine Entwicklung da, wo du vielleicht keinen idealen Moment hast, sondern eben rückblickend sagen kannst, ja, da hat sich was getan und die Richtung hat sich dann entsprechend angepasst. Durch dieses Neue, wie du sagtest, auch durch dieses Weiterdenken mit Denken. Du sagst ganz explizit, dass viele Menschen ihren Blick auf das Leben aus christlichen Menschen und Wertebildern beziehen. Was bedeutet das für dich? Magst du uns da mal mitnehmen in diesen Gedanken? Ich habe es in den Kontext gebracht, auch von Menschenwürde. Und ich glaube, ob man mit einem humanistischen Hintergrund oder mit einem christlichen Hintergrund ein Menschenbild für sich entwickelt hat, spielt die Würde immer eine große Rolle. Und das finde ich schon etwas Wesentliches bei der Stimmabgabe und die kann immer noch sehr differenziert sein, aber im Blick zu haben, dass es immer darum geht, Menschen ihre Würde zu lassen und Menschen würdevoll zu behandeln oder ein würdevolles Leben möglich zu machen. Das ist, denke ich mir, etwas, das kann man aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachten und hoffentlich zu so einem Bild kommen. Aber das ist etwas Wesentliches, die Würde des Menschen und ich sage mal den Respekt vor der Schöpfung. Die beiden Lebensquellen, Lebensadern, das mit Respekt zu behandeln, Menschen mit Respekt zu behandeln, aber auch die Schöpfung mit Respekt zu behandeln. Ja, das ist beides als Prämisse für jede Wahl, die ich persönlich oder in der Gesellschaft auch treffen kann und manchmal auch ja muss. Du hast hier am Ende des Textes wieder ein paar Fragen an die Community oder an die Hörerinnen und Hörer verfasst. Möchtest du die einmal stellen? Kann ich gerne machen. Ich finde es spannend zu gucken, mit welchen Werten, welchen Lebensentwürfen, mit welcher Hoffnung, mit welchen Menschen oder Überzeugungen du deine Stimme abgibst. Fühlt euch frei, uns zu schreiben, entweder per E-Mail an die E-Mail-Adresse von mir oder aber über Instagram. Da könnt ihr unter den Texten, unter den Beiträgen, sei es beim Reel oder beim Beitrag, einfach eure Gedanken dazu laufen lassen. Wir sind sehr gespannt auf eure Antworten und in diesem Sinne danke ich, Markus, für diese weitere Geschichte. Und jetzt hast du, ja, ich sag mal so eine halbe Wahl, weil es wieder zu den Checkout-Fragen geht. Da mische ich ja immer ganz, ganz spannend und hoffe, dass du jetzt unbewusst eine gute Wahl triffst. Und diesen Gedanken nehme ich heute mit. Der Tag ist noch nicht so alt, wo wir es jetzt gerade hier aufnehmen. Aber den Gedanken, den ich jetzt mitnehme aus diesem Podcast ist, ich habe den Text schon, wie gesagt, vor einigen Monaten verfasst. Und der Gedanke war gerade, ich hätte zwei, drei Stellen vielleicht auch heute wieder anders beschrieben. Also selbst da ist nochmal ein bisschen Fluss in den Gedanken oder vielleicht auch in meinem Wahlverhalten. Ja, dann danke dir für diese Offenheit und wir merken ja auch, so eine Geschichte, wenn sie geschrieben ist, ist was anderes, als wenn sie im Kopf ist und vielleicht gibt es sie auch anders nochmal zum Weiterdenken. Von daher danke, dass du uns auf diese Reise mitgenommen hast, fürs Teilen nochmal. Und euch wünschen wir jetzt natürlich noch einen schönen restlichen Tag, gute Entscheidungen und bis zum nächsten Mal. Macht's gut. Okay, tschüss. Den Blog und die Geschichte findet ihr unter www.raumrauschen.de Folgt uns auf Instagram unter raumrauschen-ac Raumrauschen ist ein Angebot der Berufungspastoral im Bistum Aachen. Musik Robert Niegel, Produktion, Social Media und Podcast Agentur Kunden fokussiert.