Latest / Schwarze Akte - True Crime / #12 Totenstille im Leuchtturm - Was ist das Geheimnis von Eilean Mòr?
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- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Nicht einmal der Mond ist in dieser Nacht sichtbar. Du bist gefangen in einer so allumfassenden Dunkelheit, dass du nicht einmal erkennen kannst, wo das Meer aufhört und der Himmel beginnt. Fauchend krachen die Wellen gegen den Rumpf deines Schiffes. Die Planken ächzen und der Wind heult, als wolle er ein Klagelied singen. Du krallst dich in das nasse Holz der Reling, den einzigen Halt, den du finden kannst, während dein Schiff von der Kraft des Wassers hin- und hergeworfen wird. Der strömende Regen hat dich längst bis auf die Haut durchnässt. Und dennoch stehst du an Deck und starrst in die Dunkelheit. In der Hoffnung, dieses eine Licht zu sehen, das dir den Weg weisen und dich vor dem Zorn des Meeres bewahren wird. Du weißt, dass das Meer hier so nah an den kleinen Inseln tückisch ist. Es gibt zu viele Felsen im Wasser, an denen dein Schiff zerbrechen kann. Dir bleibt nur diese eine Hoffnung. Irgendwo hier muss ein Leuchtturm sein. Doch warum ist kein Licht zu sehen? Du suchst und suchst, und je länger du in die Dunkelheit starrst, desto mehr bekommst du das Gefühl, dass die Dunkelheit zurückschaut. Du denkst an die Geschichten, die man sich über diese Gewässer erzählt. An die Sturmgeister, die Seeleute heimsuchen und in die Tiefen des Meeres hinabziehen. Bleiche Wesen mit blauer Haut, die tief unten in Höhlen auf dem Meeresboden hausen. Sie sind die Herrscher dieses Reichs aus Stürmen und Wellen. Und wenn du ganz genau hinsiehst, erkennst du dann nicht eine bleiche Hand, die aus dem Wasser in deine Richtung greift? Ist das Heulen des Windes nicht in Wahrheit das Gelächter dieser Geister, die dich zu sich rufen? Und dann plötzlich siehst du ein Schimmern am Horizont. Ein flackerndes Licht, das kurz aufleuchtet und dann wieder verschwindet. Ist das der Leuchtturm? Oder bloß eine Halluzination deines panischen Verstandes? Oder war es doch ein Irrlicht, das versucht, dich in eine Falle zu locken? Deine Hände schmerzen, so fest umklammerst du das Holz der Reling. Eine gewaltige Welle hebt das Schiff an und du glaubst, eine Bewegung in der Dunkelheit zu erkennen, direkt unter dir. Du weißt, dass du nichts mehr tun kannst. Du bist den Kräften des Meeres hilflos ausgeliefert. Und dir bleibt nur die Hoffnung auf dieses eine Licht am Horizont. Doch das Licht bleibt aus. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der schwarzen Akte Paranormal. Wie immer mit Anne Lippmann. Und mit Patrick Strohbosch. Hallo. Und die Geschehnisse, von denen wir euch heute berichten wollen, führen uns zurück ins Jahr 1900. Eine Zeit, zu der die industrielle Revolution langsam ihr Ende findet. Werbung. Werbung Ende. Das Leben der Menschen in Europa und den USA hat sich im vergangenen Jahrhundert grundlegend geändert. Handwerk und Landwirtschaft weichen zunehmend neuen Industrien und maschineller Produktion, unter anderem dank Erfindungen wie der Dampfmaschine. Auch die Entdeckung der Elektrizität hat einen zunehmenden Einfluss auf das Leben der Menschen. Die Glühlampe ist 1900 gerade einmal zehn Jahre alt und wird in den kommenden Jahrzehnten immer mehr die alten Gas- und Öllampen ersetzen. Doch 1900 ist diese neue Technologie noch nicht massentauglich. Viele private Haushalte, aber auch Leuchttürme werden nach wie vor mit Öl oder Gas beleuchtet. Und auch Heizungen sind Luxusgüter. Das Telefon wurde zu der Zeit ebenfalls schon erfunden, ist aber noch eine aufregende Spielerei für die Wohlhabenden. Ähnlich sieht es mit Autos aus. Nur wer wirklich viel Geld hat, kann sich so einen motorisierten, fahrbaren Untersatz leisten. Das erinnert sich auch erst, als Henry Ford in den späten 1910er Jahren die Fließbandproduktion erfindet und so das Auto auch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich macht. Automatische Uhren existieren 1902 in ihren Ansätzen, spielen aber im Alltag der Menschen noch keine große Rolle. Was natürlich nicht heißt, dass die Menschen keine Uhren haben. Sie funktionieren nur mechanisch und müssen von Hand aufgezogen werden. Für diejenigen, die kein Geld haben, ist das Leben ziemlich hart. Gerade für die, die auf dem Land leben und von den Entwicklungen in den Großstädten nur wenig mitbekommen. Die Menschen arbeiten viel und lang. Zwölf Stunden Arbeitstage sind da keine Seltenheit. Häufig müssen auch die Kinder mit anpacken, während die Frauen in der Regel für die drei K's verantwortlich sind. Kirche, Kinder und Küche. Deutschland ist 1900 noch ein Kaiserreich. Doch mit dem technologischen Fortschritt wächst auch die Kritik am Kaiser und der immer offenkundiger werdenden sozialen Ungerechtigkeit. Ähnlich sieht es in Schottland aus, wo sich unser heutiger Fall zugetragen hat. Auch hier hinterlässt die Industrialisierung einen tiefen Graben zwischen den reichen Menschen in den Städten und den Ärmeren auf dem Land. Gerade die abgelegenen, eher isolierten Teile des Landes erreichen die neuen Technologien nur langsam. Wie zum Beispiel die Flanen Isles. Wir befinden uns im Nordwesten Schottlands, allerdings nicht auf dem Festland, sondern an der Atlantikküste. Hier liegen die Hybriden, eine Inselkette, die aus mehr als 500 kleinen Inseln besteht, von denen allerdings nur ein kleiner Teil bewohnt ist. Die Flanen Isles sind Teil der äußeren Hybriden. Diese winzige Inselgruppe besteht aus sieben felsigen, unbewohnten Inseln und werden auch als The Seven Hunters bezeichnet, die sieben Jäger. Die Flannan Isles verdanken ihren Namen wahrscheinlich dem heiligen Flannan von Killeloo, einem irischen Geistlichen des 7. Jahrhunderts. Laut Überlieferung suchte er auf den Inseln einen Rückzugsort, um ein ruhiges Leben im Einklang mit Gott zu führen. Noch heute befindet sich die Ruine einer Kirche auf Aylenmoor, der größten Insel der Flannan Isles. Die Ruine soll der Geistliche hier errichtet haben und es heißt, sein Geist soll noch immer durch diese Ruine spuken. Im Schottisch-Gelischen heißt Aylenmore nichts anderes als große Insel. Wobei die Insel eigentlich gar nicht so groß ist, wie man denken könnte. Von einem zum anderen Ende braucht man ungefähr 20 Minuten zu Fuß. Aylenmore ragt knapp 90 Meter über dem Atlantik auf, mit gefährlichen, steil abfallenden Klippen, die teilweise bis zu 45 Meter tief sind. Es ist nicht gerade leicht, das Gelände mit dem Schiff anzusteuern, gerade wenn das Meer stürmisch ist. Es gibt hier keinen Hafen, sondern eher zwei provisorische Anlegestellen. Eine in den Stein geschlagene Treppe führt an der Ostseite hoch auf die Insel mit 160 steilen Stufen. Die isolierte Lage der Flanen Isles und das schwer befahrbare Gewässer sind nur zwei der Gründe, warum viele Menschen auf den Hybriden die Inseln für einen mystischen Ort halten. Ein Ort, an dem Dinge passieren, die sich niemand so recht erklären kann. Es heißt zum Beispiel, dem Weideland wohne ein ganz besonderer Zauberinner. Über Jahrhunderte hinweg haben Schäfer ihre Tiere regelmäßig auf die Insel gebracht, um sie dort weiden zu lassen. Die Insel soll nicht nur kranken Schafen bei der Genesung geholfen, sondern auch die Fruchtbarkeit der Tiere erhöht haben. Überdurchschnittlich viele Mutterschafe sollen nach einem Aufenthalt auf den Flennen Isles Zwillinge zur Welt gebracht haben. Doch während dieser Ort tagsüber seinen Zauber verbreitet, sieht es nachts schon anders aus. Es heißt, die Inseln würden in der Dunkelheit von Geistern heimgesucht, die zwischen den schroffen Felsen ihr Unwesen treiben. Es ist die Rede von Geistervögeln, von einer übernatürlichen Präsenz, die genau beobachtet, wer die Insel betritt. Wer das Land nicht mit absolutem Respekt behandelt, heißt es weiter, der werde von dieser übernatürlichen Instanz in den Wahnsinn oder direkt über die Klippen in den Tod getrieben. Das ist auch der Grund, warum die Schäfer mit ihren Herden immer nur tagsüber hergekommen und niemals über Nacht geblieben sind. Und dann wäre da noch die Sache mit den Irrlichtern, die den Legenden zufolge Seefahrern nachts in das felsige Gewässer rund um die Flanen Isles locken wollen. Manche glauben, dass hinter den Irrlichtern Seelen stehen, die weder in den Himmel noch in die Hölle gelangen können und deshalb gezwungen sind, ewig auf der Erde zu wandern. Andere meinen, der Teufel selbst stecke dahinter und lasse Geister zurückkehren, um Menschen gezielt in die Irre zu führen. Ob diese Irrlichter vielleicht ein Mittel jener übernatürlichen Instanz sind, um diejenigen wahnsinnig werden zu lassen, die das Land nicht mit dem gebührenden Respekt behandelt haben? Wie auch immer man sich diese Kräfte erklären mag, die auf den Flannan-Als wirken, es scheint fast so, als würde dieser Ort nach seinen ganz eigenen Regeln über das Leben und Tod der Menschen bestimmen, die einen Fuß auf diese Insel setzen. Das zeigt keine Geschichte besser als die der drei Leuchtturmwärter, die 1900 auf Aylenmoor Dienst hatten. Sie mussten am eigenen Leib erfahren, was es heißt, den Kräften auf dieser Insel hilflos ausgeliefert zu sein. Wir haben ja gerade schon kurz erwähnt, dass der Leuchtturm von Alan Moore ein zentraler Schauplatz in unserem heutigen Fall ist. Tatsächlich gibt es diesen Leuchtturm auch noch gar nicht lange, als das Schicksal der drei Wärter 1900 seinen Lauf nimmt. Um den Seefahrern die Navigation in den türkischen Gewässern rund um die Flennen Isles zu erleichtern, hat man Ende der 1890er Jahre beschlossen, den Leuchtturm auf Alan Moore zu errichten. Der Turm ist also gerade mal ein Jahr alt, als die drei Wärter hier im Dezember 1900 ihren Dienst verrichten. Das ist deshalb so interessant, weil viele Einheimische den Bau des Leuchtturms von Anfang an kritisiert haben. Sie sagen, es sei ein Sakrileg, eine Provokation der Geisterwelt. Es wisse doch jeder, wie gefährlich es ist, hier über Nacht zu bleiben. Wie wichtig es sei, das Land respektvoll zu behandeln. Und dazu gehöre nicht, einen mehr als 20 Meter hohen Turm zu bauen, der alle 30 Sekunden zwei weiße Lichtsignale aussendet, die über 32 Kilometer weit in die Dunkelheit schneiden. Ob die Einheimischen geahnt haben, was passieren würde? Es ist der 15. Dezember 1900, gegen Mitternacht, als einem vorbeifahrenden Dampfschiff zum ersten Mal auffällt, dass kein Licht im Leuchtturm brennt. Es ist eine dunkle, stürmische Nacht. Da die Funkverbindung rund um die Flanen Isles zu der Zeit noch nicht wirklich gut ausgebaut ist, kann die Besatzung die Schifffahrtsbehörde erst informieren, als das Dampfschiff ein paar Tage später in seinem Zielhafen einläuft. Ungefähr zu der Zeit macht sich auch ein Versorgungsschiff namens Hesperis auf den Weg, um den Leuchtturm mit neuen Lebensmitteln zu beliefern und Ablösungen zu bringen. Das ist Routine. Alle zwei Wochen wird einer der drei Werte abgelöst, um eine Pause von der Isolation auf der Insel zu bekommen. Doch durch das stürmische Wetter gelingt es der Hesperis nicht, wie geplant auf Aylenmoor anzulegen. Die Besatzung erkennt aber auch so, dass etwas ganz und gar nicht stimmt auf dieser Insel. Im Turm brennt kein Leuchtfeuer, die Fahne am Flaggenmast ist nicht gehisst und niemand reagiert, als die Hesperus sich mit Signalhorn und Signalrakete ankündigt. Besorgte Stunden und Tage des Wartens vergehen, bis es der Hesperus am 26. Dezember endlich gelingt, an der Insel anzulegen. Elf Tage, nachdem das fehlende Licht zum ersten Mal aufgefallen ist. Ein Mann namens Joseph, der als Ablösung mit an Bord ist, betritt als erster die Insel. Er will nachsehen, was mit seinen Kollegen los ist. Keiner der Werther steht an der Landungsstelle, um das Versorgungsschiff zu begrüßen, obwohl das eigentlich üblich ist. Und Joseph kann auch keine Lebensmittelkisten entdecken, die eigentlich hier unten stehen müssten, um nachbestückt zu werden. Voller Unbehagen macht sich Joseph also an den Aufstieg, die steile Steintreppe hinauf. Die 160 Stufen kennt er gut. Unzählige Male ist er sie schon hinauf und hinabgestiegen. Angeblich, so heißt es später, sollen Joseph bei dem Aufstieg drei riesige schwarze Raben aufgefallen sein, die auf den Felsen sitzen und ihn anstarren. Drei Vögel für drei Wärter, von denen jedes Lebenszeichen fehlt. Oben angekommen, bemerkt Joseph, dass das Eingangstor zum Gelände geschlossen ist, so wie es sein sollte. Ebenso wie die äußere Tür zum Leuchtturm und die innere Tür dahinter. Bis auf das Rauschen der Wellen ist kein Geräusch zu hören. Keine Stimmen seiner Kollegen. Nicht einmal das Ticken einer Uhr. Denn alle Uhren im Leuchtturm sind stehen geblieben. Im Inneren sieht alles so aus, wie es soll. Ordentlich aufgeräumt. Alle Sachen stehen an Ort und Stelle. Joseph erkennt auf einen Blick, dass das Feuer im Herd seit mehreren Tagen nicht mehr angezündet worden ist. Als hätte hier seit Tagen niemand mehr drin gelebt. Das einzige Lebenszeichen kommt von dem Kanarienvogel, der in seinem Käfig sitzt, ohne Wasser oder Futter. Joseph fällt aber auch auf, dass zwei Garnituren der wetterfesten Kleidung fehlen, die seine Kollegen und er immer anziehen, sobald sie den Leuchtturm verlassen. Nur ein Regenmantel liegt noch dort. Joseph schaut sich im gesamten Leuchtturm um, geht von der Küche hoch in den Lampenraum, wo ebenfalls alles in bester Ordnung ist. Die Lampen sind frisch geputzt und einsatzbereit, die Linse und die Mechanik voll funktionsfähig. Rein technisch hätte das Leuchtfeuer also funktionieren müssen. Doch wo sind die drei Werte? Ihre Betten sind leer und sehen so aus, als wären sie gerade erst verlassen worden. Und doch ist niemand von ihnen hier. Es gibt keine Spuren eines Kampfes, keine Anzeichen, die darauf hindeuten, warum alle drei Männer verschwunden sind. Joseph ist klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Eigentlich ist es streng verboten, dass alle drei Wärter gleichzeitig den Leuchtturm verlassen. Einer muss immer im Inneren bleiben, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sollte den anderen etwas passieren. Er weiß, dass seine Kollegen diese Regeln niemals ohne Grund missachten würden. Ohne weitere Nachforschung anzustellen, eilt Joseph zurück nach draußen, die 160 Stufen wieder hinunter zu Hisperis, um Verstärkung zu holen. Der Kapitän des Schiffes schickt drei seiner Seeleute ebenfalls an Land. Doch bevor die Suche nach den Wärtern beginnen kann, gibt es eine andere wichtige Aufgabe zu erledigen. Der Leuchtturm muss wieder in Betrieb genommen werden, damit die Schiffe nachtsicher fahren können. Nur ist es ja nicht so, als könnte man den Leuchtturm einmal anstellen und damit hat es sich. Die Öllampen müssen kontrolliert, die Dochte gekürzt und die Linsen gereinigt werden. Und obwohl Joseph und die Seeleute zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung haben, was mit ihren Kollegen geschehen sein könnte, erklären sie sich bereit, auf der Insel zu bleiben und den fortlaufenden Betrieb des Leuchtturms zu sichern. Sie alle kennen die Legenden, die man sich über die Flanen Isles erzählt. Aber sie wissen auch, wie wichtig der Leuchtturm für die Schifffahrt ist. Als das Leuchtfeuer wieder funktioniert, machen sich Joseph und die drei Seeleute auf, die Insel abzusuchen. Das ist recht schnell getan. Ihr erinnert euch, dass man ungefähr 20 Minuten braucht, um von einem Ende der Insel zum anderen zu laufen. Doch nirgendwo kann der Suchtrupp ein Lebenszeichen der verschwundenen Werte entdecken. Wie kann das sein? Wie können drei erwachsene Männer einfach so vom Erdboden verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen? Was ist der wahre Grund, warum das Licht auf Aylenmoor erloschen ist? Seit dem 7. Dezember, als die letzte Ablösung stattgefunden hat, hat niemand die drei Wärter gesehen. Das ist jetzt gut drei Wochen her. Drei Wochen, in denen alles Mögliche auf der Insel passiert sein kann. Es gibt auf Aylenmoor zwei Anlegestellen, eine an der Ost- und eine an der Westseite der Insel. Die Anlegestelle an der Ostseite, wo die Hesperus liegt, sieht aus wie immer. Die Seile befinden sich alle an ihrem Platz im Schutzraum, wo sie nach der letzten Ablösung deponiert wurden. Anders sieht es hingegen auf der Westseite aus. An der Westanlegestelle bietet sich ein Bild der totalen Verwüstung. Die Kiste, in der normalerweise die Ausrüstung zur Sicherung der Boote aufbewahrt wird, ist verschwunden. Und einige der Seile und andere Gegenstände liegen verstreut zwischen den Felsen. Und das, obwohl sich die Kiste eigentlich in sicherer Höhe befunden hat. Mehr als 30 Meter über dem Meeresspiegel. Eines ist allerdings seltsam. Die Seile sind aus irgendeinem Grund noch vollständig aufgerollt und zusammengeschnürt. Auch der Rettungsring, der mit Seilen am Geländer befestigt war, fehlt. Die Seile hier sehen dafür aus, als hätte sie jemand mit extremer Gewalt zerrissen. Jemand oder etwas. Was auch noch auffällt, ein riesiger Felsbrocken, ungefähr so schwer wie ein Kleinwagen, ist aus dem Felsen herausgebrochen und auf den Betonweg gestürzt. Die eisernen Geländer entlang des steilen Zugangswegs sind komplett aus ihren Verankerungen gerissen oder teilweise sogar zerbrochen. Selbst Teile der Materialbahnen, mit der Güter vom Anleger nach oben transportiert werden, sind aus ihrem Betonfundament gerissen worden. Nur der Kran, der dazu dient, die Güter vom Schiff auf die Materialbahn zu laden, steht aus irgendeinem mysteriösen Grund noch. Alles sieht danach aus, als habe ein heftiger Sturm hier gewütet. Allerdings wurde in dem Zeitraum, in dem die Werder verschwunden sind, gar kein außergewöhnlich starkes Unwetter auf den Flanen Eils aufgezeichnet. War es also wirklich ein so extremer Sturm, der das Meer aufgepeitscht und auf Alan Moore eingeschlagen ist? Kann Wasser wirklich eine so enorme Kraft entwickeln, die Seile zerreißen und Eisengeländer aus ihren Fundamenten heben kann? Oder war es doch etwas ganz anderes? Noch am selben Tag, an dem die Hesperus auf der Insel anlegt und Joseph den leeren Leuchtturm entdeckt, sendet das Versorgungsschiff ein eiliges Telegramm an das Northern Lighthouse Board. Das Northern Lighthouse Board ist die in der Region zuständige Schifffahrtsbehörde, die unter anderem die Leuchttürme und Bojen betreibt und überwacht. So sollen Unfälle auf See verhindert und die sichere Navigation von Schiffen gewährleistet werden. Aus dem Telegramm wird klar, dass die Männer davon ausgehen, dass ein Unfall passiert sein muss. Niemand denkt an ein Verbrechen oder gar paranormales Vorkommnis. Es heißt darin, Zitat, Ein schrecklicher Unfall hat sich auf den Flennens ereignet. Die drei Wärter sind von der Insel verschwunden. Die Uhren waren stehen geblieben. Und andere Hinweise deuteten darauf hin, dass der Unfall etwa eine Woche zuvor geschehen sein muss. Die armen Kerle müssen von den Klippen geweht oder ertrunken sein, als sie versuchten, einen Kran zu sichern. Ein Unfall ist nur eine von vielen Theorien, die es in diesem Fall gibt. Es existieren die unterschiedlichsten Ansätze, um das Verschwinden der drei Männer zu erklären. Darauf gehen wir gleich noch im Detail ein. Doch um uns ein umfassendes Bild machen zu können, müssen wir kurz darüber sprechen, um wen es hier eigentlich geht. Einer der drei verschwundenen Männer heißt James. Er ist 44 Jahre alt und der leitende Leuchtturmwärter. Schon sein halbes Leben lang arbeitet er im Dienst der Schifffahrt und wurde bereits auf mehreren Leuchttürmen eingesetzt. James weiß, was er tut und kennt die Gefahren und Herausforderungen des Alltags in einem Leuchtturm. Er ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. Die Familie kennt es also nicht anders, dass James beruflich bedingt über mehrere Wochen am Stück weg ist. Sechs Wochen bei der Arbeit, zwei Wochen zu Hause. Thomas ist der Assistenzleuchtturmwächter, Anfang 30 und erst seit ein paar Jahren im Dienst. Er war lange als Seefahrer tätig und hat während der Zeit aber auch schon aushilfsweise als Leuchtturmwärter gearbeitet. Thomas ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Seine Hauptaufgabe ist es, gemeinsam mit James das Leuchtfeuer und das Nebelsignal in einwandfreiem Zustand zu halten. Donald ist der Jüngste im Team. Er ist aushilfswerter und wäre eigentlich gar nicht vor Ort gewesen, wenn er nicht einen erkrankten Kollegen hätte vertreten müssen. Donald ist Ende 20 und hat eine Frau und zwei Kinder. Es heißt, er sei ein recht jähzorniger Mann, der schnell wütend werde und Streitigkeiten eher mit den Fäusten als mit Worten beseitige. Alle drei Männer haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Leuchtturm stets instandgehalten, gereinigt und gesichert ist. Außerdem sieht es das Protokoll so vor, dass immer jemand nachts im Lampenraum ist, um zu kontrollieren, ob das Licht ordnungsgemäß funktioniert. Damit wechseln sich die drei Wärter ab, während die anderen schlafen können. Als Leuchtturmwärter müssen sie nicht nur wissen, wie man das Leuchtfeuer bedient und Nebelwache hält, sondern sich auch mit der ganzen Technik drumherum auskennen. Angefangen mit der Materialbahn bis hin zur Mechanik des Leuchtfeuers. Sie müssen Erfahrung mit der Launhaftigkeit des Meeres haben, das Wetter lesen und Anzeichen auf einen Sturm erkennen können. Sie müssen sämtliche Reparaturarbeiten leisten, die im Turm anfallen, kochen und einen Haushalt führen können. Und natürlich müssen sie für ihre Kollegen auch nette Zeitgenossen sein. Denn als Wärter eines Leuchtturms verbringt man sehr viel Zeit auf sehr engem Raum mit seinen Kollegen. Es gibt feste Routinen und jeder Tag läuft gleich ab. Am Abend bei Sonnenuntergang müssen die Öllampen angezündet werden, damit sie bis zum Sonnenaufgang ununterbrochen hell und klar brennen. Das Regelwerk des Northern Lighthouse Boardes sieht vor, dass sich weder ein Bett noch ein anderes Möbelstück zum Ausruhen im Lampenraum befinden darf, damit die Nachtwache auch wirklich wach bleibt. Alle drei Stunden werden die Dochte gekürzt, um die größtmögliche Leuchtkraft zu gewährleisten. Alle Spitzen sollen die exakt gleiche Länge haben. Am Morgen müssen die Lampen dann gereinigt werden. Anlegestellen und Ausrüstung müssen kontrolliert, Küche und andere Räume im Turm beheizt und Essen zubereitet werden. Dabei ist es wichtig, die Lebensmittel gut zu rationieren, weil ja immer nur alle zwei Wochen das Versorgungsschiff kommt, um neue Vorräte und eine Ablösung zu bringen. Die Männer müssen dabei Hand in Hand arbeiten. Doch die ständige Nähe und der immer gleiche Tagesablauf aufbringen, auch so ihre Herausforderungen mit sich. Die Wärter auf Alan Moore sind von der Außenwelt komplett isoliert. Sie leben allein, gefühlt mitten im Atlantik, umgeben von Wasser, Felsen und nur ein wenig Inselland. Ihr ständiger Begleiter ist das Rauschen des Meeres, die Wellen, die gegen die Klippen schwappen, aber auch der Wind, der um den Turm pfeift. Diese Eintönigkeit zusammen mit der Isolation sind mit Sicherheit nicht immer leicht zu ertragen. Da können sich die sechs Wochen, die man am Stück arbeiten muss, durchaus auch mal deutlich länger anfühlen. Auf einem Leuchtturm zu arbeiten, verlangt viel mehr von einem ab, als einfach nur das Licht ein- und auszuschalten. Man braucht nicht nur die ganzen handwerklichen Fähigkeiten und das technische Wissen, sondern auch eine innere Stärke. Resilienz. Eine Widerstandskraft gegen die inneren Geister, die das Meer in einem hervorrufen mag. Auch wenn die Männer auf der Insel ganz allein sind, werden sie nicht wirklich alleingelassen. Da es 1900 noch keine Funkverbindung zum 130 Kilometer entfernten Festland gibt, muss man eine andere Möglichkeit finden, eventuelle Störfälle im Turm zu kommunizieren. Deshalb wird ein Wildhüter auf der nächstgrößeren Insel damit beauftragt, den Leuchtturm zu beobachten und zu melden, sobald das Lichtsignal ausbleibt. Der Wildhüter kann den Turm von seinem Hochsitz aus sehen und soll im Fall der Fälle sofort ein Telegramm in die Zentrale schicken. Aber so ganz funktioniert das System nicht. Dem Wildhüter ist natürlich aufgefallen, dass das Licht Mitte Dezember ein paar Tage lang nicht zu sehen war. Doch er hat das nicht als Störfall gemeldet. Das Wetter war in den Tagen so wolkig und nebelig, dass der Mann den Leuchtturm die meiste Zeit auch mit einem starken Teleskop überhaupt gar nicht sehen konnte. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der Turm ein paar Tage lang komplett im Nebel verschwindet. Und so hat er das zwar in seinem Büchlein notiert, aber eben nicht der Zentrale gemeldet. Dem Superintendent der Leuchtturmbehörde, Robert, geht es ganz schön gegen den Strich, wie das alles gelaufen ist. Er kennt die drei Wächter gut und hat sie persönlich für den Job ausgewählt. Als Superintendent ist er der oberste Verantwortliche vom Northern Lighthouse Board, weshalb er es nun als seine Pflicht sieht, den Fall aufzuklären. Da es vor Ort keine Hinweise auf ein Verbrechen gibt, wird das Verschwinden der Wärter auch nicht als Kriminalfall behandelt. Die offiziellen Untersuchungen in diesem Fall übernimmt daher nicht die Polizei, sondern die Leuchtturmbehörde. Die letzten schriftlichen Einträge im Logbuch stammen vom 13. Dezember. Doch auf einer Schiefertafel hatte einer der Wärter noch die Angaben für den 14. Dezember notiert. Einschließlich der Uhrzeit, zu der das Licht am Morgen des 15. Dezember gelöscht worden ist. Vermutlich hatte der Wärter vor, die Daten später in das Logbuch zu übertragen. Also, der dunkle Leuchtturm ist ja zuerst einem Dampfschiff aufgefallen, das am 15. Dezember an der Insel vorbeigefahren ist. Am Morgen dieses Tages muss im Turm noch alles in Ordnung gewesen sein. Die Nachtwache hat die Lampe noch für den nächsten Einsatz am Abend vorbereitet und auch alle weiteren Aufgaben des Vormittags sind erledigt worden. Daraus schließt Superintendent Robert, dass der Vorfall am Nachmittag des 15. Dezember geschehen sein muss. Er spricht mit Joseph, dem Ablösewärter und den drei Seeleuten, die sich fürs Erste jetzt um den Betrieb des Leuchtturms kümmern werden. Und er sucht die Insel auf eigene Faust ab. Schnell wird jedoch klar, dass nichts außergewöhnlich erscheint. Bis eben auf die Situation an der westlichen Anlegestelle. Das Meer ist an diesem Tag so hoch, dass Robert nur bis zur Kranplattform hinuntersteigen kann. Nicht bis zur Landesstelle selbst. Aber es reicht, um den Schaden zu sehen, der hier passiert ist. Die fehlende Ausrüstungskiste, die Seile, die zerstreut in Felsspalten und zwischen den Kranbeinen hängen, seltsamerweise noch vollständig aufgerollt. Nicht eine Schlaufe ist gelöst worden. Das aus dem Fundament gerissene und verbogene Eisengeländer. Der riesige Felsbrocken, der aus einem Felsen herausgebrochen und auf den Betonweg gestürzt ist. Der fehlende Rettungsring, die zerfetzten Seile. Robert ahnt, was passiert sein muss. Er geht davon aus, dass eine riesige Welle die Anlegestelle erfasst und die Männer mit sich ins Meer gerissen haben muss. Die See rund um die Flennenals ist rau. Erst im vergangenen Winter ist der Kran komplett weggespült worden und musste ersetzt werden. Aber warum fehlen dann alle drei Männer, wenn einer doch laut Protokoll immer im Leuchtturm bleiben muss? Und wie kann das Meer überhaupt eine solche Welle entwickeln, wenn am 15. Dezember laut den Aufzeichnungen gar kein extremes Unwetter war? Und damit kommen wir direkt zu den Theorien. Denn Roberts Vermutung mit der Welle ist für viele nicht das Ende der Geschichte. Da passt einfach einiges nicht zusammen und die Menschen beginnen, sich ihre eigenen Wahrheiten zurechtzuspinnen. Starten wir damit, uns die Theorie mit der Welle einmal näher anzuschauen. Die Küstenlinie von Alan Moore ist stark zerklüftet und weist viele schmale Felsspalten auf. Die Westlandestelle, die in einer solchen Felsspalte liegt, endet in einer Höhle. Bei hohem Seegang oder Sturm dringt Wasser in diese Höhle ein und wird anschließend mit erheblicher Wucht wieder herausgeschleudert. Das würde also erklären, wie das Wasser hier so eine Kraft aufbauen kann. Wir wissen ja bereits, dass das Wetter Mitte Dezember recht neblig und wolkenverhangen war. Es könnte also sein, dass zwei der Wärter runter zur westlichen Anlegestelle gegangen sind, um zu kontrollieren, ob die Ausrüstung noch ausreichend gesichert ist. Beide haben sich ihre Regenkleidung angezogen und sind aus dem Turm rausgegangen. Es ist tatsächlich sehr plausibel, dass die Wärter sich Sorgen um die Ausrüstung gemacht haben könnten. Denn einem von ihnen ist es schon einmal passiert, dass seine Sachen bei einem schweren Sturm fortgespült worden sind. Er musste deshalb eine Geldstrafe zahlen. Da das Geld bei allen drei Männern knapp ist und man als Leuchtturmwärter jetzt auch nicht reich wird, kann man davon ausgehen, dass sie so eine erneute Strafzahlung vermutlich um jeden Preis vermeiden wollten. Also sind möglicherweise zwei Männer raus, während der dritte von ihnen wahrscheinlich im Turm geblieben ist, wie es das Protokoll vorsieht. Doch als seine beiden Kollegen nicht wieder zurückgekehrt sind, könnte der dritte rausgegangen sein, um nach ihnen zu suchen. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass der dritte Werther in einer panischen Reaktion rausgerannt ist. Denn ihr erinnert euch, im Turm wurde nur noch ein einzelnes Zeitregenkleidung gefunden. Das heißt, dieser dritte Wärter muss ungeschützt hinausgelaufen sein, nur mit dem, was er am Leib trug. Der Theorie zufolge hat er vielleicht eine große Welle kommen sehen und ist rausgerannt, um seine Kollegen zu warnen. Bei dem Versuch, sie zu warnen oder ihnen zu helfen, könnte der Mann dann selbst von den Wassermassen ins Meer gerissen worden sein. Das würde erklären, warum von den Männern nichts zu sehen ist. Das Meer hat sie verschluckt. Es gibt viele Strömungen, die einen Menschen leicht unter Wasser ziehen können. Eine andere Theorie besagt, dass die Männer vom Wind fortgewählt worden sein könnten. Zugegeben, auf den ersten Blick klingt es eher unwahrscheinlich, dass der Wind alle drei Männer gepackt und hinaus aufs Meer getrieben haben könnte. Allerdings ist es Fakt, dass der Wind hier auf den Flennen Eils ganz besonders stark ist. Tatsächlich wurde auf der benachbarten Insel, wo ja auch der Wildhüter lebt, der den Leuchtturm beobachten sollte, in den 60ern eine Weltrekordwindböe gemessen. Mit 216 Kilometer pro Stunde ist der Wind an der Spitze der Insel entlang gepest, also fast so schnell wie ein ICE auf freier Strecke. Bis heute bleibt diese Böe eine der höchsten jemals im Vereinigten Königreich gemessenen Windböen. Vor diesem Hintergrund ist es also durchaus plausibel, dass gerade hier auf den Inseln allein der Wind genug Kraft entfalten kann, um drei erwachsene Männer wegzuwehren. Der Superintendent hält das allerdings für eher unwahrscheinlich. Der Wind kam am Nachmittag des 15. Dezember von Westen und hätte die Männer trotz seiner Stärke eher auf die Insel statt auf das Meer getrieben. Er geht davon aus, dass sie noch genug Zeit gehabt hätten, sich zu Boden zu werfen, bevor sie das andere Ende der Insel erreicht hätten. Womit wir bei der nächsten Theorie wären. Der Tod der drei Männer könnte gar kein tragisches, wetterbedingtes Unglück gewesen sein, sondern die Folge eines Streiters. Der Aushilfswärter Donald soll ja recht je zornig sein. Jemand, der Streitigkeiten gerne mit Fäusten klärt. Laut dieser Theorie könnte ein Konflikt zwischen den Wärtern ausgebrochen sein, während sie sich an der westlichen Anlegestelle befanden. Möglicherweise hat der Dritte, der ja eigentlich im Turm bleiben sollte, den Streit bemerkt und wollte zur Schlichtung eilen. Vielleicht sind die Wärter also blind vor Zorn von den Klippen gestürzt. Oder, das ist natürlich auch möglich, einer könnte den anderen hinab ins Meer gestoßen haben. Vielleicht ist auch einer versehentlich hinabgefallen und die anderen sind hinterher, um ihn zu retten. Alles ist theoretisch möglich. Einige Stimmen munkeln sogar. Zwei oder gar sogar alle drei der Wächter hätten eine romantische Affäre miteinander gehabt, die ein potenzieller Grund für den Streit hätte sein können. Wie wahrscheinlich das ist, muss letztendlich jeder selbst entscheiden. Zwei der Männer waren verheiratet, aber das muss ja nicht unbedingt etwas heißen. Homosexualität steht 1900 in Schottland unter Strafe, weshalb Geheimhaltung oberste Priorität gehabt hätte. Oder aber, und damit knüpfen wir direkt an die nächste Theorie an, es war Mord. Demnach soll einer der Wärter, eventuell wieder Donald, die anderen beiden ermordet und ihre Leichen anschließend ins Meer geworfen haben. Nach dem Mord soll Donald sich dann selbst von den Klippen in den Tod gestürzt haben. Doch warum hätte einer der Werther die anderen ermorden sollen? Es ist ja nicht so, als könne man unbemerkt einen Mord begehen, wenn man nur zu dritt auf einer einsamen Insel ist. Ob also an der Sache mit der heimlichen Liebschaft doch was dran ist? Oder gab es andere Konfliktpunkte zwischen den Männern? Nichts in diese Richtung ist belegt. Natürlich kann es sein, dass die Wärter sich in der Enge des Leuchtturms ab und zu in die Haare gekriegt haben, doch ohne eine Leiche oder jegliche Spuren, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten, bleibt diese Theorie reine Spekulation. Eine weitere Theorie besagt, dass das Verschwinden der Wärter vielleicht gar kein Unfall oder Unglück war, sondern eine bewusste Entscheidung der Männer. Dieser Theorie nach haben die Wärter sich auf eigene Faust ein Schiff organisiert, das sie von der Insel gebracht hat, um ihren Schulden zu entkommen und ein neues Leben zu beginnen. Da aber zwei der Männer Frauen und Kinder haben, die zu Hause auf sie warten, scheint diese Spekulation etwas weit hergeholt. Ja, Geld hatten sie alle nicht so viel, aber ein Beweis dafür, dass alle drei so hoch verschuldet waren und deshalb zu so drastischen Maßnahmen greifen mussten, die gibt es nicht. Und damit begeben wir uns in die Sphäre des Paranormalen. Viele Menschen sind der festen Überzeugung, dass es nicht einfach eine Welle oder der Wind war, der die Männer erfasst hat, sondern ein Seemonster. Es ist die Rede von einer riesigen Seeschlange, die in den Tiefen des Meeres lebt, und von einem gewaltigen Seevogel, der die Wärter geschnappt und davongetragen haben könnte. Als Vergeltung dafür, dass die Menschen es gewagt haben, mit ihrem Leuchtturm die Ruhe der Flennenals zu stören. Es gibt viele Legenden, die sich um das mystische Wesen im Meer ranken. Zum Beispiel die Erzählung über die Blue Man of the Minch, wie die Meerenge zwischen dem schottischen Festland und den äußeren Hybriden bezeichnet wird. Sturmgeister, die in Höhlen auf dem Meeresboden leben und Seefahrer in die Tiefen hinabziehen. Bleiche Wesen mit blauer Haut, die an die Oberfläche steigen, wenn der Wind die Wellen aufpeitscht und die Angst der Seefahrer mit Händen greifbar ist. Sie sind euch, wenn ihr euch noch erinnert, schon im Intro kurz begegnet. In solchen Zeiten soll ihr Anführer sein Volk erheben und sie in die Meerenge führen, auf der Suche nach einem Schiff, das sie kentern und gefangen nehmen können. Die Wesen können mit Menschen sprechen und immer wenn sie sich einem Schiff nähern, ruft ihr Anführer dem Kapitän Zeilen eines Gedichts zu. Kann der Kapitän dieses Gedicht vervollständigen, darf er weiterfahren. Gelingt ihm das nicht, versuchen die Sturmgeister das Schiff zum Kentern zu bringen. Und dann gibt es noch die Kelpies, dämonische Wesen, die sich in den Gewässern Schottlands herumtreiben sollen. Von außen erscheinen die Kelpies im Gewand eines wunderschönen, edlen Pferdes, und zwar immer dann, wenn die Dämmerung anbricht. So will der Kelpie sein Opfer möglichst nah heranlocken, bis direkt auf seinen Rücken. Sitzt das Opfer erst einmal oben, wird es schnell feststellen, dass das Fell des Kelpies klebrig ist. Alles, was es berührt, kann sich nicht wieder lösen. Und dann taucht der Kelpie mit seinem Opfer auf dem Rücken hinab ins Wasser, um sich anschließend von dessen Fleisch zu ernähren. Es gibt unterschiedliche Versionen dieser Geschichte, einige mit noch viel mehr grausamen Details. Doch alle Versionen haben eins gemeinsam. Sie zeigen, wie tief der Glaube an das Übernatürliche in der Region verwurzelt ist. Das beweisen auch die anderen paranormalen Theorien, die es in diesem Fall gibt. Eine davon besagt zum Beispiel, die Wärter seien von einem Geisterschiff entführt worden. Manchmal ist auch von einer Entführung durch ausländische Spione die Rede. Allerdings ohne einen wirklich konkreten Grund. Eine andere Theorie schlägt vor, das Verschwinden habe etwas mit dem Phantom der sieben Jäger zu tun. Ihr erinnert euch vielleicht, dass die Flannan Isles auch The Seven Hunters genannt werden. Niemand weiß so genau, warum die Inseln diesen Beinamen bekommen haben. Er wird in historischen Quellen immer wieder erwähnt, aber nie offiziell erklärt. Einige Quellen erklären die Existenz einer paranormalen Instanz mit der Tatsache, dass alle Uhren im Leuchtturm stehen geblieben sind. Das klingt aus unserer heutigen Sicht auch erst einmal sehr mysteriös, lässt sich aber ganz leicht begründen. Wir hatten es zu Beginn der Folge schon erwähnt. 1900 müssen die meisten Uhren noch per Hand aufgezogen werden, einige jeden Tag, andere alle paar Tage. Das funktioniert in der Regel über eine Feder, die die Energie speichert und an das Zahnradsystem abgibt. wodurch die Uhr dann läuft. Diese Feder verliert mit der Zeit an Kraft und muss daher immer wieder neu aufgezogen werden. Bei einigen Uhren ist das jeden Tag der Fall, bei anderen hält die Feder auch mal eine Woche oder länger. Demnach ist es kein Wunder, dass die Uhren stehen geblieben sind, wenn niemand im Leuchtturm war, um sie aufzuziehen. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Fluch der Raben. Wir haben relativ zu Beginn drei schwarze Raben erwähnt, als der Ablösewärter Joseph die Insel zum ersten Mal betreten hat. Es heißt, die Raben sollen ihn dabei beobachtet haben, wie er die Stufen zum Leuchtturm hinaufsteigt. Diese Raben haben sich fest in die Erzählungen über den Fall verflochten, stammen aber letztendlich aus einem Gedicht, das Wilfred Wilson Gibson über das Verschwinden der Wärter geschrieben hat. Es gibt auch andere Details, die immer wieder über den Fall erzählt werden, allerdings nicht stimmen. Zum Beispiel ist in einigen Quellen von einem weiteren Logbuch die Rede, das plötzlich auftaucht und so einige rätselhafte Einträge enthalten haben soll. In einem Eintrag heißt es, ein gewaltiger Sturm habe die Insel getroffen, wie ihn noch nie zuvor jemand erlebt habe. Die Männer hätten gebetet, einer von ihnen in Tränen aufgelöst. Allerdings gibt es keinen Beweis dafür, dass dieses Logbuch jemals wirklich existiert hat. Es wurde, wie ein Journalist später herausfindet, erst Jahre später in das Narrativ über den Fall eingeflochten. Auch heißt es oft, Joseph habe beim Betreten des Leuchtturms die Küche so vorgefunden, als sei sie gerade erst benutzt worden. Der Tisch gedeckt, das Essen unberührt, ein Stuhl umgekippt. Das fügt sich natürlich ganz gut in eine spannungsgeladene Erzählweise ein, widerspricht jedoch dem, was Joseph selbst in seinem Brief über den Zustand der Küche schreibt. Demnach sei alles sehr sauber und aufgeräumt gewesen. Das klingt definitiv weniger spektakulär, ist aber letztendlich die Wahrheit. Das Verschwinden der Werther konnte leider bis heute nicht aufgeklärt werden. Ihre Leichen oder irgendwelche konkreten Spuren von ihnen wurden nie gefunden. Keine Kleidung oder persönliche Gegenstände. Nichts. Der Leuchtturm auf Aylenmoor wurde trotz allem weiterbetrieben und erst 1971, also mehr als 70 Jahre nach dem Vorfall, automatisiert. Heute brennt ein großes automatisches Leuchtfeuer im Turm und niemand muss sich mehr der Einsamkeit und Isolation der Insel aussetzen, um den Menschen auf See eine sichere Überfahrt zu ermöglichen. Es wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Bücher über den Fall geschrieben. 2018 ist sogar auch ein Film erschienen, The Vanishing, oder wie er im Deutschen heißt, Keepers, die Leuchtturmwärter. Bis heute bleibt das Verschwinden der Drei Wärter in jener kalten Dezembernacht 1900 eines der rätselhaftesten Mysterien der schottischen Seefahrtsgeschichte. Und noch was, seit jenem Tag sollen im Wind seltsame Stimmen zu hören sein, die die Namen der Drei Wärter flüstern. Und um mal direkt in die Diskussion einzusteigen, ich finde, also dieser ganze Fall wirkt die ganze Zeit sehr, sehr mysteriös. Aber eigentlich, aus meiner Sicht, lässt er sich ganz einfach aufklären. Aber das schieben wir mal noch ein bisschen weiter nach hinten. Ich will nämlich erstmal über was anderes reden mit dir, nämlich Thema Seemonster und so. Ich liebe ja diese ganzen Geschichten, was sich Leute da alles ausgedacht haben. Aber der Name Kelpie, der ist ja viel zu süß für so einen Monster, oder? Total. Ich meine, wie süß klingt das? Kelpie. So ein kleines süßes Kelpie, was man gerne streicheln möchte. Also ja, der Name für dieses Pferd, was einen unter Wasser zieht, finde ich, ist viel zu süß gewählt. Also da muss irgendwas Brutaleres her, um das Ding zu benennen. Auf jeden Fall. Also vielleicht ist ja auch genau das Hinterhältige, dass man sich so denkt, oh, das sieht süß aus, das hat einen süßen Namen. Zack, dann streichelst du es und dann klebst du dran. Weil also die Vorstellung alleine, die stelle ich mir schon sehr, sehr gruselig vor, dass du dann auch in die Tiefen der Meere hinabgezogen wirst. Aber trotzdem finde ich da, also das müsste man nochmal, da müsste man auf jeden Fall nochmal ran. Da bräuchte man auf jeden Fall was Böseres. Auf jeden Fall, ja. Ich finde auch das Setting der heutigen Folge total mysteriös, oder? Also wenn man sich mal so vorstellt, dass da diese drei Leuchtturmwärter so lange immer in Isolation gelebt haben auf dieser Insel, auf der es ja sonst nichts gab. Also ich stelle mir das total langweilig und eintönig irgendwie vor, oder? Also ich möchte nicht zwei Wochen lang am Stück irgendwie auf einer einsamen Insel ausgesetzt sein. Und so wie wir das Setting heute beschrieben haben, klang das ja auch nicht nach Sonnenschein. Und man kann auch irgendwie schön draußen den Tag verbringen, wenn man gerade nicht arbeiten muss. Sondern ich finde, der Vibe ist eher kalt und nass und stürmisch. Also waren die wahrscheinlich auch echt die meiste Zeit dann in ihrem Leuchtturm. Ja, das erinnert mich auch so ein bisschen an U-Boot-Besatzungen, die ja auch die ganze Zeit in so einer Röhre, in dem Fall dann tief unter dem Wasser, aber halt auch auf sehr engem Raum leben müssen, wo ich auch großen Respekt vorhabe. Aber ich finde auch genau, das ist ein guter Aufhänger, deswegen finde ich, es ist eigentlich relativ offensichtlich, was da passiert ist. Nämlich, dass die sich halt einfach krass in die Haare bekommen haben. Dass die bei der Arbeit an der Anlegestelle sich dann halt auch gezofft haben, und ins Wasser gefallen sind. Und der andere von oben hat das wahrscheinlich gesehen, wollte zur Hilfe eilen und dann sind halt alle da runtergekegelt irgendwie. So könnte ich mir das am ehesten erklären, um ehrlich zu sein. Ja, das wäre die realistischste Erklärung sozusagen hier in diesem Fall. Aber wer weiß, also es gibt ja ganz viele Mythen und Legenden, die sich auch um diesen Ort ranken, an die die Menschen auch geglaubt haben. Also wer weiß, ob da nicht vielleicht doch eine höhere Macht ihre Finger im Spiel hat. Ich finde es, by the way, in diesem Zusammenhang auch interessant oder frage mich, warum es nicht so viele Legenden bei uns aus Deutschland gibt, oder? Also vielleicht kenne ich die auch einfach nur nicht. Das kann natürlich auch sein. Aber so, ja, so Meeres, Seefahrer, Mythen aus dem deutschen Raum. Wenn ihr da irgendwas kennt und wisst, dann erzählt uns bitte davon. Ich möchte sie auf jeden Fall lesen und hören. Aber da würde mir jetzt spontan keiner einfallen. Ja, wahrscheinlich gibt es da einige. Ich meine, wir haben auch eine Küste, aber wir sind jetzt auch nicht so die krasseste Seefahrernation. Deswegen sind es bei uns dann eher so Geschichten wie, warte, der Strübelpeter oder so war es doch, der dann den Kindern die Finger abschneidet, wenn sie sich da die, ich weiß es gar nicht mehr, die Fingernägel schneiden, was weiß ich, keine Ahnung. Wie gruselig. Ja, auch gruselig an sich. Auch krass, wer sich sowas überhaupt ausdenkt. Aber ich freue mich auf jeden Fall sehr, weil du hattest mir schon vorab gesagt, dass du was für die Personalakte vorbereitet hattest, ein paar Empfehlungen, außer du hast noch was zu dem Fall. Nein, also ... Ihr kennt ja Patricks und meine Einstellung. Wir versuchen ja immer irgendwie den realistischen Grund hinter Dingen zu finden, also was man wirklich plausibel erklären kann. Und ja, ich denke auch, dass Streitigkeiten zwischen den Männern oder vielleicht eben doch dann eine hohe Welle, die jemanden mitgerissen hat, da eine Rolle gespielt haben könnte. Aber schreibt uns gerne, wenn ihr das anders seht, wenn ihr eine andere Theorie habt, dann bitte her damit. Und ja, ich habe für die Personalakte heute mal eine Empfehlung und zwar eine Serie. Die ist jetzt schon ein paar Wochen draußen. Die heißt The Borrows. Die gibt es auf Netflix. Und eigentlich ist das so vom Thema her gar nicht mein Ding. Denn es ist offiziell eine Science-Fiction-Mystery-Serie. Bei Mystery bin ich natürlich am Start, aber so Science-Fiction ist jetzt eigentlich nicht so mein Ding. Aber Executive Producer dieser Serie sind die Duffer Brothers. Und ich weiß nicht, ob dir das was sagt, aber die spielen auch eine Rolle bei Stranger Things. Und so ist auch dieser ganze Look and Feel der Serie. Und ich fasse das wirklich nur ganz, ganz kurz zusammen. Das spielt nämlich in seiner idyllischen, wahrscheinlich auch nicht so günstigen Seniorenwohnanlage, mitten in der Wüste von New Mexico. Alles total schön, jeder hat da sein eigenes Haus und kennt und mag die Nachbarn, die da wohnen. Und die Bewohnenden werden dort aber mit übernatürlichen und mysteriösen Ereignissen konfrontiert. So viel sage ich dazu. Ich fand es ganz spannend, ich fand es ganz toll mit den einzelnen Charakteren, also mit den Senioren, mit zu fiebern und so deren unterschiedliche Lebensgeschichten auch zu erfahren. Also große Empfehlung, die Netflix-Serie The Borrows von mir. Und die ist auch abgeschlossen, ja? Ja, nein, ja, nein, ja. Ihr müsst sie euch anschauen. Und dann hoffe ich, dass es ein besseres Ende als Stranger Things hat, um da mal allen Leuten nochmal den Finger in die Wunde zu legen. Sehr, sehr geil. Ich wollte eigentlich auch für die Folge heute extra The Lighthouse gucken. Das habe ich schon so lange bei mir auf der Watchlist. Ich habe es leider echt nicht geschafft. Das ist auch so ein Horrorfilm, wo es Wunder, oh Wunder um einen Leuchtturm geht. In Schwarz-Weiß mit Willem Dafoe und mit Robert Pattinson zusammen. Richtig, richtig cool gemacht. Den habe ich schon so lange bei mir auf der Watchlist. Und da geht es auch so um so ein Cthulhu-Mysterium. Da hatte ich dich ja schon gefragt. Dir sagt das jetzt nichts. Du weißt gar nicht, was es ist. Wie kann ich es am besten erklären? Das ist so kosmischer Horror. So könnte man es vielleicht am besten zusammenfassen. Also wenn du jetzt sagst, Science-Fiction ist eigentlich nichts für dich, probier es vielleicht trotzdem mal aus. Ich kann mich noch erinnern, ich habe früher mal eine D&D-Runde mit Freunden gespielt, wo auch so ein Cthulhu-Ding im Mittelpunkt stand und der besondere Aspekt des Ganzen war, dass halt auch, normalerweise spielt man ja immer mit Leben und so, aber da ging es halt auch. Wirklich um den Horror, um Ängste. Man hat Träume beschrieben bekommen, die wirklich purer Horror waren. Und ich kann dir eins sagen, ich war an diesem Tag alleine dann zu Hause und ich habe mir so eingeschissen. Deswegen, also Thema Cthulhu kann ich auch nur empfehlen allgemein so als Kategorie. Okay, das klingt nach etwas, was so gar nichts für mich ist, weil ich ein noch viel, viel größerer Schisser bin als du. Aber vielleicht ist es für euch, die ihr gerade zuhört, ja was. Also zwei Empfehlungen hier von uns. Eins gesehen, eins ungesehen, aber egal. Und damit würde ich sagen, beenden wir die Personalakte mit unseren Empfehlungen für heute. Und Patrick, wann hören wir uns hier alle wieder? Kommenden Dienstag überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts. Anne Luppmann. Und Patrick Strohbusch. Redaktion Silber Hane-Kamp und wir Schnitt Anne Luckmann, Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios Besonderer Dank geht an Falco Schulte.