Latest / Im Krisenmodus / Carlo Masala: Wie weit kann der Iran den Krieg ausweiten?
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- 0:00Herr Masala, auf einer Skala von 1 bis 10, wie groß ist die Gefahr für eine,
- 0:06neue Eskalation im Nahen Osten?
- 0:09Ich sag's mal so, wenn Trump die Midterms verliert, dann liegt das bei einer 8.
- 0:14Wenn er die gewinnt, liegt es bei einer 5. Also die Republikaner,
- 0:18natürlich nicht Trump. 8 von 10.
- 0:20So schätzt der Militärexperte Kalo Masala die Gefahr einer neuen Eskalation
- 0:25im Irankonflikt ein. Zumindest dann, wenn die Republikaner bei den amerikanischen
- 0:30Zwischenwahlen verlieren und, da muss man ja sagen, sieht es auch derzeit danach aus.
- 0:36Die USA verstärken ihre militärische Präsenz in der Region, Israel droht mit
- 0:39neuen Angriffen und der Iran ist zwar militärisch geschwächt,
- 0:43aber längst nicht besiegt.
- 0:46Die Eskalation dieses Krieges, der seit einigen Monaten in so einem brüchigen
- 0:51Waffenschildstand verharrt, könnte sich schnell über die gesamte Region ausbreiten.
- 0:56Vom Libanon über den Irak bis in den Jemen mit Folgen für die Weltwirtschaft,
- 1:01für Europa und möglicherweise auch für die Ukraine.
- 1:05Wie groß ist die Gefahr tatsächlich? Was wollen die USA und Israel überhaupt
- 1:09noch erreichen? Und was passiert, wenn der Iran zurückschlägt?
- 1:16Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.
- 1:26Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter
- 1:29für die Funke Mediengruppe.
- 1:32Ihr findet meinen Artikel in der NRZ, in der WAZ, der Berliner Morgenpost im
- 1:36Hamburger Abendblatt und natürlich auch auf all unseren Plattformen im Internet.
- 1:41Im Iran-Konflikt stehen wir möglicherweise vor einer neuen militärischen Eskalation.
- 1:47Dabei ist noch immer nicht klar, was ein weiterer Angriff eigentlich bewirken soll.
- 1:53Das iranische Regime sitzt trotz der massiven wirtschaftlichen und militärischen
- 1:57Verluste weiter fest im Sattel.
- 1:59Und Teheran verfügt nach wie vor über Raketendrohnen und hat mehrere verbündete
- 2:03Milizen in verschiedenen Ländern in der Paripherie dies finanziert.
- 2:08Besonders gefährlich könnte es werden, wenn Iran zwei der wichtigsten Schifffahrtswege
- 2:12der Welt gleichzeitig unter Druck setzt.
- 2:15Zum einen die Straße von Hamus, darüber ist ja schon viel geschrieben und berichtet
- 2:19worden am Persischen Golf.
- 2:21Und auf der anderen Seite den Bab al-Mandab am Roten Meer, der unter der Feuerkontrolle
- 2:26der Houthis ist, der jemenitischen Miliz, die mit dem Iran verbündet ist.
- 2:31Was würde das für die Weltwirtschaft bedeuten? Welche Rolle können die Houthis
- 2:36im Jem, die Hezbollah, im Libanon und die pro-iranischen Milizen im Irak spielen?
- 2:40Und könnte ein neuer Krieg gegen den Iran sogar die Lage in der Ukraine verschlechtern?
- 2:46Darüber habe ich mit Carlo Massala gesprochen. Er ist Professor für internationale
- 2:49Politik an der Universität der Bundeswehr München und einer der bekanntesten
- 2:53deutschen Experten für Sicherheits- und Militärpolitik.
- 2:57Das Gespräch haben wir am Montag geführt. Herr Masala, erst einmal herzlich willkommen.
- 3:03Vielen herzlichen Dank für die Einladung. Vielleicht können Sie ja eine kurze
- 3:06Einschätzung geben zum Stand der Dinge, wie es aus Ihrer Sicht aktuell aussieht.
- 3:11Man massiert wieder Truppen seitens der USA in der Region und um die Region drumherum.
- 3:16Es gibt Äußerungen von Trump, dass vor den Midterms nichts passieren wird,
- 3:20aber nach den Midterms möglicherweise was passieren wird.
- 3:23Und Netanjahu, obwohl ungewiss ist, ob er der nächste Premierminister von Israel
- 3:28wird, schwört im Prinzip seiner Bevölkerung auch schon darauf ein,
- 3:33Dass es möglicherweise wieder einen heftigen Schlag gegen den Iran geben wird.
- 3:36Also es spricht zunächst einmal alles dafür. Ich bin ein bisschen zurückhaltend,
- 3:40weil angesichts des, aus einer amerikanischen Perspektive, des Desasters,
- 3:46das dieser Krieg gegen den Iran ausgelöst hat,
- 3:49hat Trump ja immer weniger Unterstützung bei der Frage, was sind eigentlich
- 3:53die politischen Ziele, die er dort erreichen will. Und die sind noch immer nicht klar.
- 3:56Das, was in den Raum gestellt wird, Angriff gegen die Atomanlagen,
- 4:00gegen das Regime, haben wir alles schon gehabt.
- 4:02Haben wir gesehen sozusagen, dass es nicht zu den erwünschten Ergebnissen führt.
- 4:06Bei einigen Sachen wie Angriff gegen die Atomanlagen können wir eigentlich ausschließen.
- 4:11Dass wenn man nicht bereit ist, in einem massiven Umfang mit Bodentruppen in
- 4:16den Iran reinzugehen, was glaube ich die USA nicht bereit sind,
- 4:20da haben sie auch gar nicht den Ansatz dafür in der Region,
- 4:23dass man nicht in der Lage sein wird, dieses Nuklearprogramm auszuschalten.
- 4:27Von daher muss man wirklich sagen, wir bleiben so ein bisschen in der Schwebe,
- 4:31was die Frage angeht, stehen wir wirklich von einer neuen Runde einer größeren
- 4:35Eskalation oder wird es bei der jetzigen Situation einfach bleiben und die noch
- 4:42eine lange Zeit so weitergeben.
- 4:44Wie schätzen Sie denn die Lage im Iran selber ein? Also man liest ja viel davon,
- 4:48dass die wirtschaftliche Situation immer katastrophaler werde.
- 4:52Man hat den Ayatollah immer noch nicht gesehen, immer noch keinen Live-Auftritt,
- 4:59von ihm. Also es scheint ja, dass die Revolutionsgarden da mittlerweile das
- 5:02Ruder komplett übernommen haben.
- 5:04Wie ist das einzuschätzen, was da passiert? Also wie wackelig ist das Regime,
- 5:09insbesondere vor dem Hintergrund dieser desaströsen wirtschaftlichen Lage?
- 5:14Also wir sehen auch immer keine größeren Zerwürfnisse innerhalb der iranischen
- 5:17Elite und die Revolutionsgarden, wie Sie gerade erwähnt haben,
- 5:20scheinen das Ruder übernommen zu haben und die sind ja, was das Ideologische
- 5:24und die Gegnerschaft zu Israel und den USA anbetrifft,
- 5:28sind die ja auch in der Vergangenheit die treibenderen Kräfte gewesen als andere Fraktionen.
- 5:34Im Iran selber. Es gibt keine Anzeichen, dass das Regime geschwächt ist,
- 5:38das muss man ganz einfach sagen. Also es gibt wenig Proteste auf den Straßen,
- 5:41es gibt Proteste, aber es gibt wenig Proteste.
- 5:44Das Regime scheint trotz der desolaten Wirtschaftslage, die der Iran jetzt hat,
- 5:48noch immer relativ gefestigt zu sein.
- 5:51Man darf ja auch nicht vergessen, dass der gesamte Sicherheitsapparat im Iran
- 5:54ungefähr eine Million Menschen unter Waffen hat.
- 5:58Also wenn man Armee, Revolutionsgarden und die Milizen zusammenzählt,
- 6:04sind das ungefähr eine Million Menschen, die unter Waffen stehen.
- 6:07Und da sehen wir überhaupt keine Risse, also zumindest keine,
- 6:11die nach außen dringen im Iran.
- 6:13Wie sieht es aus mit dem iranischen Waffenarsenal? Also wir haben ja mehrfach
- 6:16jetzt gehört, sowohl von israelischer wie auch von US-amerikanischer Seite,
- 6:20nach den kriegerischen Handlungen nach dem 28. Februar, im Prinzip,
- 6:24habe man das Raketenarsenal des Iran so gut wie vernichtet.
- 6:28Da sei also nichts mehr Großes zu erwarten. Man habe die Marine vernichtet.
- 6:32Jetzt liest man in den vergangenen Tagen Analysen, dass die Iraner in der Lage
- 6:38sind, und relativ moderne Drohnen oder Marschlugkörper einzusetzen in der Straße
- 6:43von Hormuz. Also irgendwas scheinen Sie ja noch im Arsenal zu haben.
- 6:45Wie ist das zu bewerten aus Ihrer Sicht?
- 6:48Also die Einschätzung der meisten, die sich mit dem iranischen,
- 6:52Raketenprogramm auskennen und ich würde die teilen, ist ja dahingehend,
- 6:56dass der Iran noch einen Großteil seines Raketenprogrammes hat,
- 7:00was unter anderem daran liegt, dass sowohl ballistische Raketen,
- 7:04aber auch die dazugehörigen Launcher ja unterirdisch stationiert waren.
- 7:09Und man vor allen Dingen in der letzten Phase der heißen militärischen Eskalation,
- 7:13die Solange kurzfristig rausgefahren hat, abgeschossen hat und sie dann wieder
- 7:16sozusagen in die entsprechenden Tunnel und Gebirgsmassive wieder reingefahren hat.
- 7:21Also der Iran verfügt noch über einen wohlbeträchtlichen Umfang noch in seines
- 7:28ballistischen Raketenprogramms.
- 7:29Wir wissen auch, dass er, also er baut weiterhin Drohnen und letzten Endes baut
- 7:34er auch weiterhin ballistische Raketen.
- 7:35Was in der Tat richtig ist, ist, dass die iranische Marine heftige Verluste erlitten hat,
- 7:41die iranische Luftwaffe heftige Verluste erlitten hat, aber letzten Endes muss
- 7:45man ganz einfach sagen, das sind ja nicht die entscheidenden Wirkmittel,
- 7:48die der Iran braucht, um sich in diesem Krieg aus seiner Perspektive zu verteidigen.
- 7:52Also der Iran wird sich ja nicht, das haben wir auch gesehen in der ersten heißen
- 7:57Phase, der lässt sich ja nicht auf direkte Konfrontation mit den amerikanischen
- 8:00Streitkräften ein, weil er weiß, dass er die verlieren wird,
- 8:03sondern er versucht das ja über horizontale Eskalation die Amerikaner in die Knie zu zwingen.
- 8:08Und dafür ist das Raketen- und Drohnenprogramm halt wichtiger als eine intakte
- 8:13Luftwaffe, sage ich mal so.
- 8:14Horizontale Eskalation bedeutet, der Iran beschränkt sich nicht darauf,
- 8:18direkt gegen die USA oder Israel zurückzuschlagen. Er kann den Konflikt auf
- 8:21weitere Länder und Schauplätze ausweiten, zum Beispiel über verbündete Milizen
- 8:26im Jemen, im Libanon oder im Irak.
- 8:29In den letzten Tagen gibt es ja Hinweise darauf, dass es irgendwie hektische
- 8:32diplomatische Betriebsamkeit auch gibt.
- 8:35Auf der einen Seite Katar als ein wesentlicher Akteur in der Region.
- 8:39Aber auch diese drei Staaten des Mekka-Abkommens, Also Saudi-Arabien,
- 8:44Pakistan, Türkei, die versuchen da irgendwie zu vermitteln, wie ist das anzuschätzen.
- 8:50Keiner in dieser Region hat ein Interesse daran, dass es zu einer nochmaligen
- 8:54Eskalation kommt. Unter anderem deshalb, weil keiner in der Region glaubt,
- 8:57dass das, was man anfänglich gehofft hat, dass das Regime stürzen wird,
- 9:01dass das dann auch passieren wird.
- 9:03Und von daher wird eine weitere militärische Eskalation für die gesamte Region
- 9:06und auch die angrenzenden Mächte also nicht in ihrem Interesse erachtet,
- 9:11weil es natürlich dann auch weiterhin zu Zerwürfnissen in der Weltwirtschaft führen könnte.
- 9:16Wir haben ja gesehen, also auch über die HUSI, also die iranischen Proxys im Jemen,
- 9:21wie die saudi-arabische Ölanlagen angreifen und das ist alles sozusagen nicht
- 9:27im Interesse der Staaten im persischen Golf, aber auch nicht im Interesse Pakistans
- 9:31oder im Interesse der Türkei.
- 9:32Und deswegen diese hektischen diplomatischen Aktivitäten, dass der Iran zumindest
- 9:36in Teilen einlenkt und gleichzeitig damit auch einen möglichen weiteren Schlag,
- 9:42gegen der USA abgewendet werden kann.
- 9:46Die Frage ist ja, wie soll so ein Einlenken ausschauen?
- 9:49Und man hat ja mittlerweile so ein bisschen den Eindruck, dass keiner der beiden
- 9:52Seiten mehr so richtig weiß, was sie jetzt eigentlich als Ziel haben.
- 9:56Also wer was tun soll, um ein mögliches Hochkochen des Konfliktes zu verhindern.
- 10:03Also so richtige Ziele gibt es ja nicht mehr von beiden Seiten.
- 10:06Nee, es gibt keine richtigen Ziele, da haben Sie völlig recht.
- 10:09Ich glaube, das Minimale, und es geht ja immer darum, um die Frage,
- 10:13was kann man Trump geben, das er zu Hause als Erfolg.
- 10:18Verzeichnen kann und damit sozusagen von weiteren möglicherweise militärischen Aktionen ablässt.
- 10:23Und das wäre natürlich letzten Endes das Einknicken bei der Straße von Hormuz.
- 10:29Und offiziell darauf zu verzichten, da irgendeine Passage, also irgendeinen
- 10:35Obolus zu verlangen, damit man da passieren kann.
- 10:39Ich glaube, das wäre das, was man der US-Administration geben müsste und das
- 10:43ist das, woran gerade gearbeitet wird. Allerdings muss man sagen, erfolglos.
- 10:49Weil der Iran weiß, dass er bei der Straße von Hormuz am längeren Hebel sitzt.
- 10:51Gibt es denn da irgendwelche Erkenntnisse, dass es da Bewegung innerhalb der
- 10:55iranischen Führung gibt?
- 10:56Also es gibt ja einmal die pragmatischen Leute um den Präsidenten und auf der
- 11:01anderen Seite die Revolutionsgarden, die sehr hart unterwegs sind.
- 11:05Also gibt es ja irgendwelche Indizien, dass so ein Einlenken möglich sein könnte?
- 11:12Ich würde jetzt sagen, ich sehe keine Indizien. Und wenn wir zum Beispiel die
- 11:16Frage nehmen, dass der Iran sagte, er wird eine Gebühr erheben für die Passage
- 11:22der Straße von Humus, die aber so eine Art Verwaltungsgebühr ist,
- 11:25wegen der Umweltverschmutzung.
- 11:26Das war schon der Kompromiss zwischen denjenigen, die im Prinzip sagten,
- 11:30wir heben das auf, was im internationalen Seerecht steht, nämlich die Freiheit der Schifffahrt,
- 11:36und wir verlangen jetzt wirklich eine Passage zum Durchfahren und die,
- 11:40die sozusagen gesehen haben, worin die Gefahr bestehen könnte,
- 11:43nämlich einer weiteren amerikanischen Eskalation gegenüber dem Iran.
- 11:46Und da war die Frage dieses Oboluses, den es zu entrichten gibt mit Blick auf
- 11:51Umweltschäden und weiß der Teufel irgendwelche Infrastrukturmaßnahmen,
- 11:55die der Iran treffen muss, damit die Schiffe da durchfahren können.
- 11:57Das war der Kompromiss. Und wenn dieser Kompromiss wieder aufgeschnürt wird.
- 12:01Dann letzten Endes gibt es auch einen Konflikt innerhalb der iranischen Führung.
- 12:06Aber da die Revolutionsgarden stärker sind als die Pragmatiker und die Pragmatiker
- 12:10sind halt nicht zum größten Teil nicht Teil der Revolutionsgarden,
- 12:13erwarte ich nicht, dass es da irgendwie eine Veränderung geben wird.
- 12:17Kommen wir mal zu den Proxys, die Sie ja gerade schon angesprochen haben.
- 12:20Die Houthis vielleicht als Erste, die andere Meringe, die andere entscheidende
- 12:24Meringe, Bab al-Mandab, so gut wie dicht gemacht haben oder zumindest unter
- 12:27Feuerkontrolle jetzt haben.
- 12:29Bislang darauf verzichten, internationale Schiffe anzugreifen.
- 12:33Also soweit ich weiß, nur saudische Schiffe, weil sie den Konflikt offensichtlich
- 12:38begrenzen wollen auf den Krieg mit Saudi-Arabien.
- 12:41Die Houthis haben in einer Blitzoffensive es geschafft, bis an die Küste vorzukommen.
- 12:46Offensichtlich auch, indem sie die Treffsicherheit ihrer Geschoss,
- 12:51ihrer Raketen deutlich verbessert haben über die Nutzung von AI, KI.
- 12:56Claude von Antropik haben sie benutzt.
- 12:59Also man hatte ja immer so vorher den Eindruck, das sind so irgendwie sandalenbewährte,
- 13:03Wüstenkrieger. Die scheinen aber doch relativ pfiffig zu sein und zumindest
- 13:08was ihre eigenen Strukturen angeht, sehr schlagkräftig geworden zu sein in den vergangenen Jahren.
- 13:13Was könnte mit denen passieren? Also nehmen wir mal an, es kommt jetzt tatsächlich
- 13:16zu einem größeren Konflikt wieder und die Iraner sagen denen,
- 13:19passt mal auf Freunde, jetzt.
- 13:22Macht ihr nicht nur diesen kleinen, kleinen Krieg mit den Saudis,
- 13:25sondern zeigt mal, was ihr insgesamt im Arsenal habt und macht Bab al-Mandab
- 13:28dicht. Wäre das möglich aus ihrer Sicht?
- 13:31Das wäre durchaus möglich. Ich meine, Sie haben gerade eben das Wichtige gesagt,
- 13:36die Vorstellung, die viele haben von den Hussi ist, das ist so eine Steinzeitarmee.
- 13:40Also das sind irgendwelche Jemeniten, die mit Pfeil und Bogen oder Großkaliberwaffen
- 13:45aus dem Ersten Weltkrieg rumlaufen und da schießen.
- 13:48Das ist falsch. Also ich meine schon allein die Tatsache, dass eine nicht staatliche
- 13:53Armee ballistische Raketen im Arsenal hat und zwar nicht nur ein oder zwei, sondern einige davon,
- 13:59dass die in vielem sozusagen eine Ausrüstung haben, die einer regulären staatlichen Armee gleicht,
- 14:05das muss man immer mit berücksichtigen, wenn man über die Husi redet.
- 14:08Und deswegen, wenn Sie sich die engste Stelle an Bab el-Mandeb anschauen,
- 14:15die Husi sind in der Lage, Sie haben es gerade gesagt, die unter Feuer zu nehmen.
- 14:18Sie sind in der Lage, damit die Schifffahrt zu verhindern.
- 14:21Und eine gleichzeitige Schließung der Straße von Amuz, gleichzeitig Bab el-Mandeb,
- 14:26plus Angriffe auf die saudischen Ölanlagen und vor allen Dingen auf die Pipelines,
- 14:31die ja die Alternative zu den Seerouten darstellen sollen,
- 14:35würde dazu führen, dass überhaupt gar kein Öl mehr aus der Region irgendwie
- 14:40verschifft werden kann oder beziehungsweise nur mit enormen Umwegen,
- 14:44die alles teurer machen.
- 14:45Und damit sitzen die Houthi an einem ziemlich neuralgischen Punkt,
- 14:48der den Iranern sehr helfen könnte, wenn die das wollen.
- 14:52Was haben die Houthis davon, dass sie sich auf die Seite des Iran schlagen,
- 14:55abgesehen jetzt mal von vielleicht ideologischen Überschneidungen?
- 14:59Naja, sie kriegen ja finanzielle Hilfe, sie kriegen Waffen, sie kriegen Ausbildung
- 15:02und Training. Also sozusagen all das, was die Husi können, können sie,
- 15:06weil die Iraner ihnen massiv geholfen haben, diese Armee aufzubauen.
- 15:10Und natürlich ist das Ziel der Husi, die Kontrolle über den Jemen zu erreichen.
- 15:14Das haben sie bisher noch nicht erreicht. Aber je schwächer Saudi-Arabien ist,
- 15:17desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie das irgendwann in absehbarer Zukunft dann erreichen können.
- 15:22Die Regierungstruppen in jedem Fall suchen ja jetzt gerade sich in der Gegenoffensive,
- 15:26die scheint jetzt nicht besonders prickelnd zu laufen.
- 15:29Richtig. Das scheint mir auch daran zu liegen, dass die Regierungskoalition
- 15:34oder die Milizen, die die Regierung unterstützen, die ja wiederum von uns,
- 15:38vom Westen unterstützt wird, dass die.
- 15:42Alle irgendwie eigene Interessen haben, dass die auch nicht besonders gut miteinander
- 15:47kooperieren, dass es da also keine nennenswerten Command-and-Control-Strukturen gibt.
- 15:53Ist das die richtige Einschätzung? Ja, das ist absolut die richtige Einschätzung.
- 15:56Sie haben gerade eben die Offensive der Husi erwähnt, wo die letzten Endes sehr
- 16:01schnell Stellungen der jemenitischen Armee überrannt haben und zwar sehr tiefgreifend auch.
- 16:07Und das zeigt zum einen die jemenistische Armee von ihrem Ausbildungsstand her.
- 16:11Das zweite ist sozusagen, ihre Komposition ist so, dass sie da keine einheitliche
- 16:15Armee haben, sondern es ist ein zusammengewürfelter Haufen, ist übertrieben,
- 16:18aber das ist sozusagen zusammengewürfelt aus verschiedenen Milizen,
- 16:21die es nie geschafft haben, wirklich eine Armee mit einer einheitlichen Struktur zu bilden.
- 16:25Und das ist halt die entscheidende Schwäche im Vergleich zu den Hussi.
- 16:28Müsste man da nicht eigentlich, also wir spekulieren jetzt mal ein bisschen
- 16:32rum, Also es kommt zum Angriff auf den Iran.
- 16:34Ob das jetzt eine längerfristige oder kurzfristige Geschichte wäre,
- 16:38sagen wir mal dahingestellt. Aber müsste man nicht dann parallel dazu aus amerikanischer
- 16:41Sicht auch gegen die Houthis aktiv werden, um eben die Schließung der Straße
- 16:45von al-Bab al-Mandab zu verhindern?
- 16:48Das ist absolut richtig und das haben die Amerikaner ja aus anderen Gründen
- 16:52gemacht, als Israel angegriffen wurde von den Houthis mit ballistischen Raketen im Tuge der Houthis.
- 16:58Alles Dese, was nach dem 7. Oktober kam. Es ist aber das gleiche Problem wie beim Iran.
- 17:02Sie kriegen das aus der Luft oder von der Seeseite alleine nicht in den Griff.
- 17:07Wenn sie die Houthis entscheidend schwächen wollen, dann müssen sie Bodentruppen einsetzen.
- 17:13Oder sie haben eine jemenitische Armee, die so gut ausgerüstet und ausgebildet
- 17:17ist, dass sie mit der Hilfe der Amerikaner, die dann aus der Luft oder von der
- 17:21Seeseite her die Houthis entscheidend schwächen, vorrücken können.
- 17:24Und in diesem Fall haben sie beides nicht. Also bräuchten sie eigene Bodentruppen.
- 17:28Und es gibt keinerlei Appetit, wenn ich das richtig sehe.
- 17:31Also es gibt keinerlei Appetit sozusagen mit einer massiven Anzahl von Bodentruppen
- 17:35in den Iran reinzugehen. Es gibt noch weniger Appetit, in den Jemen reinzugehen.
- 17:39Aber dann wäre es doch eigentlich strategisch klüger, wenn man sich diese Bodentruppen
- 17:43sozusagen anschaffen würde, indem man beispielsweise diese jemenitischen Milizen
- 17:49ausstattet, vernünftig, vernünftig trainiert, auf Stand bringt.
- 17:52Und auf der anderen Seite im Iran haben wir verschiedene Aufstandsgruppen,
- 17:58die schon unter Waffen sind.
- 18:00Also die Kurden im Nordwesten, die Belutschen im Südosten. Auch da scheint es
- 18:04ja aktuell zumindest mal sporadische Auseinandersetzungen zu geben mit den Revolutionsgarden
- 18:09oder mit der iranischen Armee.
- 18:11Aber dann wäre es doch klüger, eben diese Oppositionsgruppen beziehungsweise
- 18:15Regierungsgruppen im Jemen vernünftig zu unterstützen und das mal auf Mittelfrist anzulegen, oder?
- 18:20Das hat man ja versucht in der Vergangenheit und dann in der Kombination zwischen
- 18:24saudischen Luftschlägen und jemenitischen Bodenoperationen Herr über die Husi
- 18:29zu werden. Das hat ja nicht funktioniert.
- 18:32Im Prinzip haben sie recht, wenn wir es mit einer wirklichen Armee zu tun hätten
- 18:36seitens des Jemen, der es nur an Training und Ausrüstung fehlt.
- 18:41Aber wir haben ja beide gerade eben darüber geredet, dass die jemenitische Armee
- 18:44jetzt nicht so mit einer richtigen Armee verglichen werden kann.
- 18:47Und da hilft es dann auch sehr wenig. Sie kriegen keine Kommandokontrollstrukturen
- 18:50da rein, wenn sie auch kein einheitliches Kommando in dieser Armee haben.
- 18:54Und deswegen ist das problematisch. Es wäre die richtige Strategie,
- 18:57aber sie würde halt, glaube ich, sehr, sehr lange dauern.
- 19:00Und mit dem Fall des Irans bin ich ein bisschen skeptisch, weil ja,
- 19:04wir hatten ja auch diese Idee, es gab ja mal sozusagen kurz nachdem die Amerikaner
- 19:07den Krieg angefangen haben, gab es ja mal diese Gerüchte, dass sie Abkommen
- 19:12mit den Kurden geschlossen hätten und die Kurden als Bodentruppen benutzen würden.
- 19:15Aber wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, sind die von ihrer Anzahl her
- 19:19viel zu wenig, um wirklich auch den weiten Weg, das muss man ja ganz einfach
- 19:23sehen, sie müssten ja letzten Endes dann nach Teheran durchmarschieren.
- 19:26Den weiten Weg nach Teheran zu wagen und dann erfolgreich dort zu sein.
- 19:30Also da liegt es wirklich an der Masse der Widerstandstruppen,
- 19:34die bei den Beluschen und bei den Kurden vorhanden sind.
- 19:37Da bin ich sehr skeptisch, ob das erfolgreich sein würde. Egal,
- 19:40was sie denen für modernes Militärgerät geben würden.
- 19:43Eine andere Gruppe, die auf Seiten des Iran möglicherweise in die nächste Runde
- 19:48einsteigen wird, ist die Hizbollah.
- 19:50Als ich jetzt kürzlich in Israel war, mit Leuten aus dem Sicherheitsapparat
- 19:53und Geheimdienstapparat gesprochen habe, sagten die, sie seien so ein bisschen
- 19:57verwundert, dass die Finanzierung der Hizbollah immer noch munter weitergeht
- 20:01seitens des Iran, trotz der wirtschaftlichen desolaten Lage im Iran selbst.
- 20:05Die Hizbollah scheint auch immer noch zumindest operativ handlungsfähig zu sein.
- 20:11Macht der Regierung im Libanon gerade großen Ärger. Die Idee war ja eigentlich,
- 20:16dass die Regierung im Libanon durchsetzt, dass die Risbollah entwaffnet wird,
- 20:20dass die Risbollah einfach zu einer politischen Partei wird.
- 20:23All das scheint nicht zu passieren. Für wie schlagkräftig halten Sie die Risbollah noch?
- 20:28Geschwächt, aber noch schlagkräftig genug, und auch hier haben wir es mit den
- 20:32Raketenarsenalen zu tun, um Israel zu binden und unter Beschuss zu halten.
- 20:39Sie ist geschwächt, aber auch nicht so geschwächt, und da kommen wir zurück
- 20:43auf die Bekundungen der libanesischen Regierung, die Hezbollah zu entwaffnen,
- 20:47und das müsste passieren.
- 20:50Realiter machen sie es ja nicht, weil die Hezbollah noch zu stark ist.
- 20:54Also es würde sozusagen die Hezbollah, es würde den Libanon in einem Zustand
- 20:58von, jetzt überlege ich gerade 2006, da war diese, nach dem Krieg Israels gegen
- 21:02die Hezbollah, 2006 war das glaube ich,
- 21:05gab es ja kurz mal das Aufflammen der Kämpfe zwischen Hezbollah und den regulären
- 21:09libanesischen Truppen, das zugunsten der Hezbollah ausgegangen ist.
- 21:13Und natürlich so ein Szenario fürchtet die Regierung, weil dann wieder klar
- 21:17ist, dass die Hezbollah letzten Endes die starkste, nicht nur politische,
- 21:19aber auch militärische Kraft im Libanon ist.
- 21:23Als ich im Irak war vor anderthalb Wochen, war so das Abschiedsgeschenk,
- 21:28als ich aus Erbil losgeflogen bin, ein Angriff mit Schahid,
- 21:33Drohnen auf eine Stellung von Komala, also einer kurdischen Organisation,
- 21:37das Ding scheint aus dem Iran gekommen zu sein.
- 21:41Und gleichzeitig gibt es ja immer noch die iranischen Verbündeten im Irak,
- 21:45die Hascha Schabe, diese Volksmobilisierungseinheiten, auch verschiedenste schiitische Milizen,
- 21:51die auch möglicherweise, oder ja auch schon gesagt haben, dass sie sich bei
- 21:55einer nächsten Runde sicherlich auch irgendwie einschalten würden.
- 21:59Haben die irgendwelche Möglichkeiten, die sich in der nächsten Runde einschalten,
- 22:04Im Irak selber, der irakischen Regierung oder meinetwegen auch den Kurden in
- 22:08der Autonomie-Region wehzutun.
- 22:10Ich meine, die Amerikaner sind ja abgezogen jetzt aus dem Irak höchst offiziell,
- 22:14aber es gibt ja immer noch das große Generalkonsulat in Erbil, das größte weltweit.
- 22:18Also auch da könnte ja dann einiges passieren, nämlich bei anderen.
- 22:22Ja, wir würden, also ich glaube, dass wenn der Iran sich entscheiden sollte,
- 22:26sollte er nochmal angegriffen werden.
- 22:28Und der Iran entscheidet sich, horizontal zu eskalieren. Dann haben wir ungefähr
- 22:31die gleiche Situation, wie wir sie während des Krieges hatten.
- 22:34Viele der Akteure sind geschwächt, aber sie sind noch einmal schlagkräftig genug,
- 22:37um diese horizontale Eskalation durchzuführen und damit natürlich Probleme in
- 22:41der ganzen Region zu verursachen.
- 22:43Und wenn das das iranische Ziel ist, dann sind sie dazu durchaus noch in der Lage.
- 22:50Wie suizidal schützen Sie das Regime denn ein? Ich meine, diese Hardcore-Leute
- 22:54von den Revolutionsgarden, die getragen sind von dieser schiitischen,
- 22:58Märtyrer-Ideologie, würden die wirklich so weit gehen, das gesamte Land zu opfern
- 23:03ihrer Ideologie oder gibt es da Leute, die ja noch auf die Bremse treten würden?
- 23:08Nein, ich halte das Regime generell nicht für suizidal.
- 23:14Sonst hätten sie auch in der Vergangenheit sozusagen viel stärker eskaliert.
- 23:17Sie haben immer darauf geachtet, dass sie eine gewisse Eskalationsschwelle nicht
- 23:20überschreiten, damit Israel keinen legitimen Grund hat, direkt gegen den Iran vorzugehen.
- 23:25Und die ganze Arbeit über Proxys war Teil dieser Strategie und sozusagen das Ausbilden der Proxys.
- 23:31Ich glaube, die Situation ist, und das ist nochmal wie vor zwei,
- 23:34drei Monaten, wir sind auch immer in dieser Situation aus diesem James-Dean-Film,
- 23:40denn sie wissen nicht, was sie tun.
- 23:42Also Iraner glauben durchaus sitzen, also ja, sie sind geschwächt,
- 23:47aber das ist eine Diktatur, die kann halt sozusagen Kosten immer auf die Bevölkerung
- 23:51abwälzen. Und wenn die Bevölkerung demonstriert, dann wird auf die Bevölkerung halt geschossen.
- 23:55Und der Repressionsapparat funktioniert dann auch immer ganz gut im Iran.
- 23:59Aber die Vorstellung ist, der Iran sitzt am längeren Hebel, weil er es länger aushalten kann.
- 24:03Trump wird, also die Europäer, die Asiaten, aber dann auch Trump in der langen
- 24:07Konsequenz, wird die Folgen, die das Ganze für die Weltwirtschaft hat,
- 24:11nicht so lange durchhalten können, wie die Iraner die Folgen,
- 24:14die das für die iranische Wirtschaft hat.
- 24:16Ich glaube, das ist sozusagen noch immer, Politikwissenschaft würden wir immer
- 24:19sagen, das ist ein Chicken Game.
- 24:21Wer chickened also zuerst raus aus dieser Auseinandersetzung und da glaube ich
- 24:26ist bei beiden Seiten noch die Vorstellung da, die andere Seite wird als erste einknicken.
- 24:31Was muss denn passieren, um das Worst-Case-Szenario zu verhindern?
- 24:34Also welche Rolle spielt beispielsweise Europa?
- 24:37Können wir da als Europäer irgendwas machen, um da eine Kompletteskalation zu
- 24:43verhindern und wenn ja, was müsste das sein?
- 24:46Ich glaube, Europa spielt überhaupt gar keine Rolle. Ich glaube,
- 24:50ein Szenario, um das zu verhindern, wäre letzten Endes,
- 24:54und das wäre natürlich für die Region ein großer Preis, aber wir sehen diese
- 25:00Diskussion schon in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten,
- 25:03zu sagen, okay, seit 1979 versuchen wir, dieses Regime wegzubekommen.
- 25:09Es geht nicht weg, es bleibt da.
- 25:12Also müssen wir uns jetzt einbinden
- 25:13in die größeren regionalen Sicherheitsstrukturen. Erinnern Sie sich.
- 25:18Es wurde als Fehlinformationen bezeichnet, aber unmittelbar nach Unterzeichnung
- 25:22des Mecca-Abkommens kamen sozusagen diese Gerüchte auf, dass in dem zweiten
- 25:25Schritt der Iran dazu auch eingeladen werden sollte.
- 25:27Und das sind so, auch wenn man dann sofort gesagt hat, das ist Fake News,
- 25:32aber das ist genau diese Diskussion zu sagen, das Regime bleibt da,
- 25:36wir müssen es in eine größere regionale Struktur einbinden.
- 25:38Das, glaube ich, könnte die Iraner zu einer Verhaltensänderung verleiten.
- 25:43Wie gesagt, für die Region, glaube ich, wäre das eine schlimme Katastrophe.
- 25:47Aber das wäre eine Möglichkeit, die größere Eskalation zu verhindern.
- 25:50Wie realistisch ist das denn, dass Israel, ich meine, wir wissen jetzt nicht,
- 25:53ob Netanyahu in zwei Wochen noch Ministerpräsident ist, aber generell scheint
- 26:00mir auch Eisenkot jetzt nicht als jemand zu sein, der dann eine softere Linie
- 26:03gegenüber Iran fahren wird oder fahren kann.
- 26:06Und Netanyahu hat jetzt nochmal verbal, aber auch bildtechnisch völlig eskaliert,
- 26:09indem er da seinen Leuten dieses KI-generierte Bild von einer Atomexplosion über Tel Aviv,
- 26:16präsentiert hat und gesagt hat, also wenn ihr mich nicht wählt,
- 26:19dann wird genau dieses Szenario kommen.
- 26:22Also, ich meine, Saudi-Arabien, klar, die ganzen arabischen Länder,
- 26:27dass die möglicherweise auf dem Ausgleich dann aus der Not geboren mit Iran,
- 26:32sich verständigen könnten, aber Israel erscheint mir da doch so ein Player in
- 26:35der Region zu sein, mit dem das schwer möglich ist, oder?
- 26:38Ich halte das mit Israel für ausgeschlossen, aber es wäre schon viel geholfen,
- 26:42wenn sozusagen die israelische Politik zum Containment übergehen würde,
- 26:46iranische Ambitionen in der Region und nicht zur aktiven Verfolgung des Sturzes
- 26:51eines Regimes, das sich nicht stürzen lässt, auch nicht von Israel aus.
- 26:55Also ich glaube, dann könnte schon, und ich meine diese Containment-Politik,
- 27:00mit gelegentlichen militärischen Auseinandersetzungen und auf einem niedrigen
- 27:05Niveau, das war ja das, was die Region die letzten 30 Jahre gekennzeichnet hat.
- 27:10Die Iran haben jetzt kürzlich auch mal Deutschland bedroht. Sie würden also,
- 27:15deutsche Assets attackieren, wo ich mich gefragt habe, welche das denn wohl
- 27:18sein können, weil so viele haben wir ja doch nicht in der Region.
- 27:21Aber wie wahrscheinlich halten Sie das denn, dass entweder irgendwas in der
- 27:25Region, Schiffe, die wir da noch unterwegs haben, vor Beirut kreuzend oder andere
- 27:32Dinge, dass da möglicherweise was passiert oder dass iranische Agenten in Deutschland aktiv werden?
- 27:36Oder ist das jetzt einfach mal eine leere Drohung aus Ihrer Sicht?
- 27:41Also zunächst einmal hat der Iran im Vorfeld jeder möglichen,
- 27:46und zwar seit Jahrzehnten, jeder möglichen militärischen,
- 27:50Aktion gegen sich immer damit gedroht, im Prinzip horizontal gegen die Staaten
- 27:56zu eskalieren, die irgendwas machen oder anti-iranisch sind.
- 27:59Aber wir müssen ganz einfach sehen, dass wir ja jetzt, ich glaube,
- 28:02in Hamburg diesen Prozess hatten oder noch immer haben, das weiß ich nicht,
- 28:05gegen diese Iraner, die damit beauftragt waren, irgendwie einen Attentat auf Volker Beck, also dem,
- 28:11ehemaligen grünen Politiker und jetzt Vorsitzenden der deutsch-israelischen
- 28:14Gesellschaft, sondern auch eine zweite Person, ich weiß gar nicht,
- 28:16ob es Präsident der Zentralrat der Juden war, in Deutschland zu verüben.
- 28:20Also, Iraner sagen immer, sie haben überall Schläferzellen, die müssen sie nur aktivieren.
- 28:25Und offensichtlich haben sie, vielleicht nicht überall, aber sie haben Schläferzellen,
- 28:28die sie aktivieren können.
- 28:30Von daher würde ich das nicht so auf die leichte Schulter nehmen,
- 28:33sollte es zu einer militärischen Aktion kommen.
- 28:36Und es gibt dann ja noch immer die Ziele, das haben wir ja bei der Auseinandersetzung,
- 28:40in der heißen Phase mit den USA ja auch gesehen, da sind die Iraner dann ja
- 28:43auch relativ wahllos. Es gibt ja noch mal unsere Botschaften und Konsulate überall in der Region.
- 28:47Also militärisch, wir sind jetzt auch aus der Biel raus, da ist nicht mehr viel
- 28:50zu holen, aber eine Botschaft können sie doch immer beschießen,
- 28:53wenn sie die entsprechenden Koordinaten von den Russen bekommen.
- 28:55Und das ist jetzt der entscheidende Punkt, über den wir nicht geredet haben.
- 28:59Ein Teil natürlich, und das ist die Frage jetzt, was bei diesem letzten Treffen
- 29:02mit Witkow und Kuschner und Putin und Uschakow und sowas passiert ist,
- 29:09ist natürlich, dass durchaus ein Deal getroffen worden sein könnte,
- 29:11dass die Russen zugesagt haben, den Iranern keine Zielkoordinaten zu geben.
- 29:16Das würde es für die Iraner schwieriger machen, präzise gegen Ziele in der Region vorzugehen.
- 29:22Und dann ist das Gegengeschenk natürlich, dass die USA versuchen werden,
- 29:25die Ukrainer davon zu überzeugen, zu kapitulieren.
- 29:28Das wäre auch meine Frage gewesen. Ich hatte ja auch den Eindruck,
- 29:30dass möglicherweise das Thema Jet-Drohnen, dass das möglicherweise diskutiert
- 29:34worden ist bei den Treffen, so als wir kaufen euer Diesel,
- 29:39bringen euch wieder auf den Weltmarkt zurück und ihr verzichtet dafür darauf,
- 29:43dann Jet-Drohnen an die Iraner zu liefern, die wahrscheinlich ein Riesenproblem
- 29:48wären, gerade was die Luftabwehren in der Golfregion angeht.
- 29:52Aber was würde das denn, wenn das jetzt wieder hochgeht, die Nummer,
- 29:55was würde das bedeuten für die Ukraine?
- 29:59Das würde für die Ukraine bedeuten, dass der Kurs, den die Trump-Administration
- 30:02jetzt eingeschlagen hat, nämlich sozusagen den Druck maximal auf die Ukraine zu machen,
- 30:07um im Prinzip nachzugeben und die Lockerung, nicht sämtlich,
- 30:12aber einiger Sanktionen gegenüber Russland, dass der weitergehen würde.
- 30:15Also aus einer amerikanischen Perspektive ist dieser Konflikt gegen den Iran
- 30:20wichtiger als sozusagen Russlands Aggression gegen die Ukraine.
- 30:24Und wenn die Russen versprechen würden oder versprochen haben, weiß man ja nicht.
- 30:29Sie liefern keine Zielkoordinaten mehr, sie liefern keinen Technologietransfer,
- 30:34also zum Beispiel die modifizierten Geran Jetron 4 und 5 zurück im Prinzip zu den Iranern.
- 30:43Das könnte der Deal sein, auf den die USA eingegangen sind oder auf den die
- 30:46Russen eingegangen sind, weil die Amerikaner das gefordert haben und die Ukraine
- 30:52würde dann ziemlich alleingelassen werden. Dann ist es weiterhin eine Frage
- 30:55der Europäer, inwieweit sie da viele Sachen auffangen können.
- 30:58Und sie haben mir die ganzen Anzeichen gehabt. Ich meine, wir wissen auch immer
- 31:00nicht, wie das mit Starshield jetzt genau gelaufen ist in der Ukraine, haben wir keine Ahnung.
- 31:04Wir wissen auch immer nicht, ob das wirklich technische Fehler waren,
- 31:07die drei Tage, wo es keinen Luftalarm in der Ukraine bei ballistischen Raketen
- 31:13gegeben hat. Und Ukrainer sagen, es gab keine Information, keine Frühwarnung.
- 31:18Amerikaner sagen, es gab technische Probleme auf der Seite der Ukraine.
- 31:23Wissen wir alles nicht, was da stimmt. Aber das Bild, das sich ergibt,
- 31:26ist letzten Endes eins, in dem man den maximalen Druck auf die Ukraine ausübt,
- 31:30jetzt endlich einzulenken.
- 31:33Und ja, da kann der Iran durchaus eine zentrale Rolle dabei gespielt haben.
- 31:37Also russische Strategie, den Amerikanern irgendwelche Häppchen vorzuwerfen,
- 31:41die für die wichtig sind, falls sie wirklich nochmal militärisch gegen den Iran vorgehen sollen.
- 31:46Alles klar, Herr Massala, herzlichen Dank. Ich danke Ihnen.
- 31:50Was bleibt also nach diesem Gespräch mit Carlo Massala? Vor allem die Erkenntnis,
- 31:54dass der Iran zwar geschwächt ist, aber weiterhin über erhebliche militärische
- 31:56Möglichkeiten verfügt.
- 31:58Das Regime ist offensichtlich stabiler, als es sich seine Gegner erhofft haben.
- 32:02Und ein weiterer Angriff würde daran nach Massalas Einschätzung kaum etwas ändern.
- 32:07Er hat ja sehr deutlich gemacht, um wirklich was zu verändern.
- 32:10Im Iran braucht es eigentlich den Einsatz von Bodentruppen und zwar einer ganzen Menge Soldaten.
- 32:16Und danach sieht zurzeit gar nichts aus, auch was die militärischen Vorbereitungen
- 32:19angeht, sieht man das eben nicht,
- 32:22der Einsatz von Bodentruppen, der muss eben über Monate vorbereitet werden,
- 32:25das haben wir in den Irakkriegen gesehen,
- 32:27das dauert also bis da genug Truppen vor Ort sind, also ohne Bodentruppen scheint,
- 32:34die Aussicht auf Erfolg nicht besonders groß zu sein.
- 32:38Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass sich der Konflikt über die Grenzen
- 32:41des Iran hinaus ausbreitet. Die Houthis könnten den Schiffsverkehr am Roten
- 32:45Meer blockieren. Der Iran könnte die Straße von Hormuz weiter unter Druck setzen.
- 32:50Die Hezbollah könnte Israel angreifen.
- 32:52Und auch im Irak könnten pro-iranische Milizen aktiv werden.
- 32:57Das hätte nicht nur Folgen für die Menschen in der Region, es könnte auch die
- 33:00Weltwirtschaft schwer treffen.
- 33:02Besonders bemerkenswert finde ich aber noch einen anderen Punkt aus unserem
- 33:05Gespräch. den möglichen Zusammenhang zwischen dem Iran-Krieg und der Ukraine.
- 33:10Masala hält es für denkbar, dass Russland den USA Zugeständnisse beim Iran macht
- 33:15und dafür amerikanische Entgegenkommen im Ukraine-Krieg erwartet.
- 33:19So ein bisschen hat sich das ja in den vergangenen Tagen schon angedeutet.
- 33:22Ihr werdet das mitbekommen haben, dass es eben diesen Diesel-Deal gab.
- 33:26Mehrere Tankschiffe mit russischem Diesel fahren gerade Richtung USA.
- 33:30Trump erhofft sich davon eine Senkung der Dieselpreise, die ja durch die Decke
- 33:35gegangen sind, durch den Iran-Krieg. Das ist natürlich alles ziemlich illusorisch und Quatsch.
- 33:39Aber offensichtlich gibt es da eben im Hintergrund irgendwelche Gespräche,
- 33:44die auch in die Richtung gehen könnten, dass Russland beispielsweise darauf
- 33:47verzichtet, den Iranern mit Jet-Drohnen zu Hilfe zu kommen.
- 33:53Das wären Drohnen, die die Golfregion massiv unter Druck setzen würden.
- 33:56Ob es solche Absprachen tatsächlich gibt, wissen wir natürlich nicht,
- 33:59aber allein dieses Szenario zeigt, wie eng die verschiedenen Konflikte inzwischen
- 34:03miteinander verbunden sind.
- 34:05Und dann ist eben noch die Frage, wie das alles enden soll. Masala sieht derzeit
- 34:10weder eine realistische Möglichkeit, das iranische Regime von außen zu stürzen,
- 34:14noch einen klaren politischen Plan für einen neuen Angriff.
- 34:18Stattdessen setzen offenbar beide Seiten darauf, dass die jeweils andere zuerst
- 34:22nachgibt. Er hat das ja sehr nett ausgedrückt als Chicken Game.
- 34:26Also wer macht als erstes das Chicken, das ist eben die große Frage,
- 34:30wer gibt als erstes nach.
- 34:31Und genau darin liegt möglicherweise das größte Risiko, dass am Ende ein Krieg
- 34:35eskaliert, den in diesem Ausmaß niemand geplant hat.
- 34:40Wie schätzt ihr die Lage ein? Macht euch die Gefahr eines neuen Krieges am meisten
- 34:43Sorgen oder sind es die möglichen Folgen für Europa und die Ukraine?
- 34:47Schreibt mir gerne an krisenmodus.funkemedien.de. Mich interessiert auch,
- 34:52welche dieser Fragen wir in einer der nächsten Folgen genauer untersuchen können.
- 34:56Das war die heutige Folge von Im Krisenmodus.
- 35:00Diesen Podcast hat Alexander Baumeister produziert.
- 35:03Er ist Journalist und Hörfunkredakteur bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe.
- 35:08Wenn euch unser Podcast gefällt, dann folgt uns und empfehlt uns gerne weiter.
- 35:12Damit helft ihr uns, noch mehr Menschen mit unserer Arbeit zu erreichen.
- 35:17Passt auf euch auf. Bis dann. Ciao, ciao.
- 35:23Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit.