Latest / Am Ballhausplatz / Folge 15: Öffentlicher Dienst im Wandel
Transcript
- 0:00Weil das höchste Gut, was wir haben, ist das Vertrauen der Bürgerinnen
- 0:03und Bürger gegenüber dem Staat. Und es geht darum, dass der öffentliche
- 0:06Dienst für die Menschen in diesem Land da ist. Und das ist mein oberstes Credo.
- 0:10[Musik:]
- 0:13Moderatorin: Willkommen "Am Ballhausplatz", dem Podcast des Bundeskanzleramts Österreich. Mein
- 0:17Name ist Anette Weber und gemeinsam blicken wir hinter die Kulissen und sprechen über aktuelle
- 0:22Schlagzeilen. Wussten Sie, dass der 23. Juni der Tag des öffentlichen Dienstes ist? Er wurde vor
- 0:29über 20 Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen eingeführt und das Ziel ist,
- 0:35die Bedeutung des öffentlichen Dienstes für die Gesellschaft hervorzuheben. Ich freue mich sehr,
- 0:41dass der für den öffentlichen Dienst zuständige Staatssekretär Alexander Pröll heute unser Gast
- 0:45ist und dass wir nicht nur über die Verwaltung sprechen, sondern auch über die Menschen dahinter.
- 0:50Herzlich willkommen, Herr Staatssekretär. Sie haben diese Woche eine Grundsatzrede gehalten
- 0:54über den öffentlichen Dienst und dabei auch einige Versprechen abgegeben und ich würde
- 0:59Sie gern eingangs fragen. Es gibt ja sehr viele Vorurteile über den öffentlichen Dienst, die sich
- 1:04auch sehr hartnäckig halten. Es werden sich auch einige kennen. Und die Frage ist, stimmen
- 1:11diese Vorurteile noch? Pröll: Ja, die Außenwahrnehmung ist oft eine andere und warum? Wenn man genau
- 1:16hinsieht, sieht man, dass hinter den Kulissen es komplett anders läuft, nämlich, dass der
- 1:20öffentliche Dienst, das Rückgrad des Staates ist über 300.000 öffentlich Bedienstete,
- 1:24die dafür sorgen, dass der öffentliche Dienst – der Staat – so funktioniert, wie er funktioniert. Und
- 1:29wenn man sich international umblickt, dann glaube ich schon, dass wir wirklich in Österreich einen
- 1:33extrem starken öffentlichen Dienst haben und da muss man auch mal allen Menschen, die dazu
- 1:37beitragen, extrem großes Dankeschön sagen. Und das funktioniert von der Pflege über das Militär,
- 1:43über die Polizei, über die Lehrerinnen und Lehrer in allen Bereichen aus meiner Sicht sehr,
- 1:47sehr gut. Und nichtsdestotrotz und das habe ich glaube ich auch in der Grundsatzrede
- 1:51versucht herauszustreichen, gibt es Dinge, die wir gemeinsam positiv verändern müssen. Moderatorin: Was glauben
- 1:56Sie denn welche Erwartungen haben den Bürgerinnen und Bürger heute an eine moderne Verwaltung?
- 2:02Pröll: Also, wenn wir uns die Geschichte der Verwaltung in Österreich ansehen, dann hat sie sich immer
- 2:06transformiert. Das war unter Maria Theresa so. Das war die Trennung von Justiz und Verwaltung so,
- 2:11das war in den 1990er Jahren, die Digitalisierung und jetzt stehen wir im KI Zeitalter. Das heißt,
- 2:15wir müssen immer den Transformationsprozess gemeinsam schaffen und da stehen wir jetzt am
- 2:20Anfang. Ich glaube, was sich die Bürgerinnen und Bürger erwarten, sind einfache, transparente und
- 2:24schnelle Prozesse. Und da kann z.B. künstliche Intelligenz aus meiner Sicht in den nächsten
- 2:29Monaten und Jahren einen extrem großen Beitrag dazu leisten, dass Verwaltung im Verhältnis
- 2:34Bürger zu Staat viel viel einfacher werden wird. Wie kann denn überhaupt einmal so eine
- 2:38innovationsfreundliche Kultur entstehen? Also, ich glaube schon, dass auch aus der Verwaltung
- 2:44heraus viel Innovation möglich ist. Wir haben z.B. eine Innovationsabteilung. Es gibt aber einfach
- 2:48wirklich auch viele kluge Köpfe in der Verwaltung und das wollen wir auch stärken. Wir werden in der
- 2:52Verwaltungsakademie einen massiven Schwerpunkt auf künstliche Intelligenz setzen und gemeinsam
- 2:57transformieren wir den öffentlichen Dienst auch. Das heißt, das Bild, das außen gezeichnet wird,
- 3:01das kann ich einfach so nicht teilen. Moderatorin: Ich glaube, die Antwort liegt ohnehin auf der Hand,
- 3:06aber die Frage, ich frag sie trotzdem, welche gesellschaftliche Entwicklung
- 3:09wird den öffentlichen Dienst in den nächsten 10 Jahren am stärksten beeinflussen?
- 3:14Pröll: Also, die Babyboomer Generation geht in Pension. Das heißt, wir erleben im öffentlichen Dienst auf
- 3:19Bundesebene, dass in den nächsten 13 Jahren nicht ganz die Hälfte in Pension gehen wird. Das heißt,
- 3:25der öffentliche Dienst wird automatisch mehler werden. Und natürlich bedeutet,
- 3:29dass das weniger öffentliche bedienstete Leistungen als Start bringen müssen, die nicht
- 3:34weniger werden. Das so ehrlich muss man einfach sein. Das bedeutet, wir müssen einfach schauen,
- 3:37dass wir durch den Einsatz von Digitalisierung und künstliche Intelligenz wesentlich effizientere
- 3:42Prozesse auf die Beine stellen. Und da bin ich einfach sehr, sehr zuversichtlich, weil ich darf
- 3:46auch für die Digitalisierung verantwortlich sein. Und hier werden wir dieses Thema massiv
- 3:50vorantreiben, um mir einen modernen öffentlichen Dienst auch möglich zu machen. der dadurch dorte
- 3:55schon sehr sehr modern ist. Aber wie gesagt, gehe mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit.
- 3:59Man darf niemals stehen bleiben und muss sich immer ständig weiterentwickeln, hinter Fragen,
- 4:03Aufgabenkritik auch tun, wo kann man besser werden? Weil das höchste Gut, was wir haben,
- 4:07ist das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Staat und es geht darum, dass der
- 4:12öffentliche Dienst für die Menschen in diesem Land da ist und das ist mein oberstes Credo. Ich habe
- 4:17bei der ID-Austria Servicetour z.B. gesagt, das Amt kommt zu den Menschen nicht umgekehrt. Wir müssen
- 4:22nah bei den Menschen sein. Wir müssen auf sie zugehen. Wir müssen serviceiert sein. Wir sind,
- 4:26wenn man so möchte, Diener der Menschen. So ist mein Blick des öffentliche Dienstes zu
- 4:30den Menschen. Moderatorin: Sie haben schon angesprochen, künstliche Intelligenz. Bei welchen konkreten
- 4:36Aufgaben kann denn die KI gerade in diesem Bereich behilflich sein oder unterstützen?
- 4:41Pröll: Also, wir versuchen konkret die KI in die Verwaltung zu bringen in einem sehr geschützten datensicherem,
- 4:47vertrauten Umfeld, weil wie gesagt, die Daten müssen im Staat Österreich bleiben, es muss sehr,
- 4:52sehr sicher sein und die Auskünfte müssen zu nahe zu 100% richtig sein und das ist außerhalb
- 4:58des öffentlichen Dienstes wahrscheinlich anders zu bewerten. Das heißt, dieser Transformationsprozess
- 5:02bedeutet für uns vertrauenswürdige und sichere KI in den Staat zu bringen. Und da haben wir
- 5:08die erste Initiative ausgerufen. Die Dachmarke heißt "Public AI", also öffentliche KI, wo wir
- 5:13genau schauen, dass wir konkrete Anwendungsfalle für die öffentlichen Bediensteten zur Verfügung
- 5:18stellen. Das ist jetzt das erste Produkt heiß GOV GPT. Natürlich angelehnt dann ChatGPT,
- 5:23wo öffentlich Bedienstete mit dem mit dem mit der Wissensquelle, wenn man so möchte,
- 5:27chatten kann und man kann Zusammenfassungen erlangen und kann dadurch viel effizienter
- 5:31und schneller auch arbeiten damit und das ist die These, man mehr Zeit für die Menschen hat.
- 5:36Moderatorin: Sehen Sie eigentlich auch Risiken beim Einsatz von KI? Pröll: Also, wenn man sich KI ansieht, dann ist
- 5:41es die größte Disruption, die größte Veränderung unserer Zeit, viel größer als die Erfindung des
- 5:46Autos oder die Erfindung des Internets. Manche vergleichen es mit der Erfindung der Elektrizität,
- 5:51also sehr, sehr tiefgreifend und jede Veränderung hat extrem viele Chancen, die wir nutzen müssen
- 5:56und gleichzeitig gibt's überall auch Risiken, die wir managen müssen. Das sind wir auf europäische
- 6:00Ebene, was die Regulatorik betrifft, eh meistens sehr gut unterwegs. Aber natürlich gibt es
- 6:05Risiken, die wir abfedern müssen. Die schauen wir uns auch sehr genau an. Das betrifft
- 6:08vor allem Cybersicherheit und andere Risiken, aber das sind wir mit dem Innenministerium sehr,
- 6:13sehr gut aufgestellt und wie bei jeder Veränderung geht's darum, die Chancen zu ergreifen und die
- 6:18Risiken möglichst klein zu halten. Sprechen wir vielleicht noch kurz über den öffentlichen Dienst
- 6:23als Arbeitgeber. Moderatorin: Ist der öffentlicher Dienst für Sie ein attraktiver Arbeitgeber und vor allem,
- 6:29wie kann es gelingen, dass man auch junge Talente zukünftig äh davon überzeugt,
- 6:35sich für eine Karriere im öffentlichen Dienst zu entscheiden? Pröll: Also der öffentliche Dienst nimmt für
- 6:39sich immer den Anspruch, einer der größten Ausbild auch zu sein. Das wollen wir weiterhin sein. Wir
- 6:43wollen möglichst attraktiv sein. Wir wollen, wenn man so möchte, die glücksten Köpfe anziehen. Das
- 6:48funktioniert natürlich über diverseste intrinsische Motivationen, wie z.B. eben
- 6:52dem Staat zu dienen, für die Menschen da zu sein. Man hat Arbeitsplatzsicherheit, aber man kann auch
- 6:58gestalten und dieser Gestaltungswille drückt sich ja auch dadurch aus, dass öffentlich Bedienstete
- 7:02tagtächlich großartiges Arbeiten. Das heißt, ich glaube, wir haben hier gute Mechanismen, wir haben
- 7:07ein gutes Angebot. Nichtsdestotrotz arbeiten wir weiter in Attraktivierungen für den öffentlichen
- 7:12Dienst, wie z.B. für die Durchlässigkeit und andere Mechanismen, um hier weiter auch attraktiv
- 7:17am am Arbeitsmarkt zu sein. Moderatorin: Die Durchlässigkeit von der Privatwirtschaft in den öffentlichen
- 7:22Dienst? Pröll: Aber auch zwischen dem öffentlichen Dienstes. Ich glaube, es lebt immer sehr stark
- 7:26davon, wenn man sich selber verändern möchte, dass es Möglichkeiten gibt, innerhalb des öffentlichen
- 7:30Dienstes auch leichter neue Perspektiven zu gewinnen, aber natürlich vor allem auch von
- 7:35Privatwirtschaft in den öffentlichen Dienst. Moderatorin: Wir kommen schon zur Abschlussfrage. Sie treffen ja
- 7:40auch als Digitalisierungsstaatssekretär sehr viele Startups, sehr viele innovative junge Unternehmen.
- 7:45Was kann denn der öffentliche Dienst von diesen modernen Startups lernen oder sich abschauen?
- 7:51Pröll: Also ich glaube äh es geht nicht um Privatwirtschaft versus öffentlicher Dienst,
- 7:55sondern ich glaube wir brauchen generell ein Mindset des Mutes. Wir sollten uns Dinge trauen,
- 8:00wie wohl ich natürlich einfach weiß, dass der öffentliche Dienst nur auf Basis oder
- 8:04auf Grundlage von Gesetzen agieren kann. Und das ist auch aus meiner Sicht die Verantwortung als
- 8:09als Staat, als Politiker Prozesse zu hinterfragen, zu entbürokratisieren, um quasi die öffentlichen
- 8:14Bediensteten zu enabeln, auch mutig zu sein. Und diesen Weg würde ich gerne gemeinsam beschreiten.
- 8:19Moderatorin: Ich glaube, Mut ist ein schönes Abschlusswort. Und auch ein schöner Appell an alle,
- 8:23die im öffentlichen Dienst tätig sind. Ich sag danke für Ihre Zeit. Ich sag danke fürs
- 8:28Zuhören. Das war am Ballhausplatz der Podcast des Bundeskanzleramts Österreich. Auf Wiedersehen.
- 8:34[Musik:]