Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 7 - Von den Taranteln
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 7 von den Taranteln Zarathustra beginnt
- 0:05seine Rede, indem er auf eine Höhle zeigt, in der eine
- 0:07Tarantel lebt. Er fordert seine Zuhörer auf,
- 0:10das Spinnennetz zu berühren, um die Spinne Herauszulocken, als
- 0:14die schwarze Spinne hervorkommt, begrüßt er sie und sagt, dass er
- 0:17genau weiß, was sich in ihrer Seele verbirgt.
- 0:20Die Tarantel ist in diesem Text kein echtes Tier, sondern ein
- 0:24sprachliches Bild, also eine Metapher.
- 0:27Nietzsche meint, mit den Taranteln ganz bestimmte
- 0:30Menschen. Er nennt sie die die Prediger
- 0:32der Gleichheit, das sind Menschen, die lautstark fordern,
- 0:36dass alle Menschen absolut gleich sein müssen, zum Beispiel
- 0:39Sozialisten oder Extreme Demokraten seiner Zeit.
- 0:42Zarathustra sagt, dass in den Seelen dieser Menschen tief
- 0:45verborgen die Rache sitzt, wo immer diese Taranteln zubeißen,
- 0:49hinterlassen sie schwarzen Schorf, ihr Gift sorgt dafür,
- 0:52dass sich die Seelen der Menschen vor lauter Rachegefühl
- 0:54drehen und schwindelig werden. Zarathustra nennt sie heimliche,
- 0:59rachsüchtige Menschen. Er hat beschlossen, diese
- 1:01Menschen aus ihren Verstecken ans Licht zu zerren, deshalb
- 1:05lacht er sie von oben herab aus und reißt an ihren Netzen.
- 1:09Er möchte, dass ihre wahre Wut aus ihren Lügenhöhlen
- 1:11herauskommt, er will zeigen, dass hinter ihrem ständigen Ruf
- 1:15nach Gerechtigkeit in Wirklichkeit nur pure Rache und
- 1:18Eifersucht stecken. Für Zarathustra ist die
- 1:21Befreiung von der Rache das allerwichtigste Ziel.
- 1:24Dass der Mensch nicht mehr von Rache getrieben wird, ist für
- 1:28ihn wie eine Brücke zur höchsten Hoffnung und wie ein Regenbogen
- 1:31nach einem langen, schweren Unwetter.
- 1:34Die Taranteln, also die Prediger der Gleichheit, wollen jedoch
- 1:37das genaue Gegenteil für sie bedeutet Gerechtigkeit, dass die
- 1:41ganze Welt mit den Stürmen ihrer Rache überzogen wird, sie
- 1:45schwören sich gegenseitig, dass sie alle Menschen beschimpfen
- 1:47und bestrafen wollen, die nicht genau so sind wie sie selbst.
- 1:52Sie erheben das Wort Gleichheit zu ihrer höchsten Tugend und
- 1:55wollen gegen jeden Losschreien der Macht, Erfolg oder Größe
- 1:59besitzt. Zarathustra durchschaut diese
- 2:02Menschen, er sagt, dass aus ihnen nur der Wahnsinn der
- 2:05Ohnmacht spricht, das ist ein wichtiger Gedanke bei Nietzsche,
- 2:09der oft mit dem Begriff des Ressentiments beschrieben wird,
- 2:12das bedeutet, diese Menschen haben selbst keine echte Macht
- 2:16oder Kraft. Aus dieser Ohnmacht heraus
- 2:18entsteht ein tiefer Neid auf alle, die stark, erfolgreich
- 2:21oder glücklich sind, weil sie selbst nicht aufsteigen können,
- 2:25wollen sie alle anderen auf ihr eigenes niedriges Niveau
- 2:28herabziehen sie verkleiden ihren Neid und ihre heimliche Lust auf
- 2:32Tyrannei mit schönen Wörtern wie Tugend und Gleichheit.
- 2:36Dieser verborgene Neid und Hochmut kommt oft schon von den
- 2:40Vorfahren und bricht dann aus den Kindern als Wahnsinn der
- 2:43Rache heraus. Auch wenn diese Menschen so tun,
- 2:46als wären sie für eine gute Sache begeistert, ist es laut
- 2:49Zarathustra nicht das Herz, das sie antreibt, sondern nur die
- 2:52Rache und der Neid, selbst wenn sie sich intellektuell oder als
- 2:56feine Denker geben, gehen sie aus reiner Eifersucht zu weit.
- 3:00Jede ihrer Klagen enthält Rache und in jedem Lob, das sie
- 3:03aussprechen, steckt eigentlich der Wunsch, jemand anderem weh
- 3:06zu tun. Es macht sie glücklich, wenn sie
- 3:09über andere richten und urteilen dürfen.
- 3:12Deshalb gibt Zarathustra seinen Freunden einen klaren Rat,
- 3:15misstraut allen Menschen, die einen starken Trieb in sich
- 3:18haben, andere zu bestrafen. Zarathustra sagt, dass diese
- 3:23Leute von schlechter Herkunft sind, aus ihren Gesichtern
- 3:26blickt der Charakter eines Henkers oder eines Spürhundes,
- 3:30der immer auf der Suche nach Fehlern bei anderen ist.
- 3:33Man soll allen Misstrauen, die ununterbrochen von ihrer eigenen
- 3:36Gerechtigkeit reden, wenn sie sich selbst die guten und
- 3:39Gerechten nennen. Dann sind sie nichts anderes als
- 3:42Heuchler. Man nennt solche Menschen auch
- 3:45Pharisäer. Ein Pharisäer ist ein Begriff
- 3:48aus der Bibel für jemanden, der sich nach außen hin extrem fromm
- 3:52und fehlerfrei gibt, im Inneren aber hartherzig und falsch ist.
- 3:56Zarathustra sagt, diesen Leuten fehlt nur die Macht, um echte
- 4:00Tyrannen zu sein, Zarathustra wehrt sich vehement dagegen, mit
- 4:04diesen Predigern der Gleichheit verwechselt zu werden.
- 4:07Es gibt nämlich Leute, die ähnlich wie Zarathustra das
- 4:10Leben preisen, aber in Wahrheit zu den Taranteln gehören.
- 4:14Sie nutzen die Predigt vom Leben nur, um den mächtigen Schaden
- 4:18zuzufügen, Zarathustra distanziert sich komplett von
- 4:21ihnen, seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit lautet
- 4:24schlicht und ergreifend, die Menschen sind nicht gleich und
- 4:29sie sollen auch nicht gleich werden.
- 4:31Hier erklärt Zarathustra den Kern seiner Lehre vom
- 4:34Übermenschen. Der Übermensch ist für Nietzsche
- 4:37das höchste Ziel der menschlichen Entwicklung.
- 4:39Es ist ein Zustand, in dem der Mensch seine Schwächen, seine
- 4:42Ängste und seinen Neid überwunden hat und schöpferisch,
- 4:46stark und frei das Leben bejaht. Zarathustra fragt, Wie könnte es
- 4:52Liebe zu diesem großen Ziel geben, wenn alle Menschen gleich
- 4:55wären, das Leben braucht Unterschiede, um sich
- 4:58weiterzuentwickeln, das Leben selbst will sich in die Höhe
- 5:01bauen, mit Pfeilern und Stufen. Es will weit in die Ferne
- 5:05blicken. Und weil es Höhe braucht,
- 5:07braucht es auch Stufen und Gegensätze.
- 5:10Es braucht den Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen
- 5:13Gut und Böse, zwischen Hoch und gering, das alles sind wie
- 5:17Waffen und Zeichen dafür, dass das Leben sich immer wieder
- 5:20selbst übertreffen und wachsen muss, wenn alle völlig gleich
- 5:24sind, gibt es kein Wachstum mehr.
- 5:26Um diesen Gedanken zu veranschaulichen, zeigt
- 5:29Zarathustra auf die Trümmer eines alten Tempels in der Nähe
- 5:32der Tarantelhöhle. Er bewundert den Baumeister
- 5:35dieses Tempels, der das Geheimnis des Lebens verstanden
- 5:38hat. In der Architektur des Tempels,
- 5:41wo sich Gewölbe und Bögen aneinander abstützen und
- 5:43scheinbar gegeneinander drücken, sieht Zarathustra ein Bild für
- 5:47den göttlichen Kampf, Licht und Schatten, Kraft und Widerstand
- 5:51erzeugen hier gemeinsam etwas Wunderschönes, so wie die Steine
- 5:55im Tempel gegeneinander drücken, um das Bauwerk aufrechtzuhalten,
- 5:59so sollen auch die Menschen lernen, ehrenhafte Feinde zu
- 6:01sein. Ein starker, respektvoller Kampf
- 6:04miteinander bringt das Beste in den Menschen hervor.
- 6:07Doch mitten in dieser Rede passiert es Dieter Rantel seine
- 6:11alte Feindin beißt Zarathustra in den Finger, sie will ihn
- 6:15dafür bestrafen, dass er Lieder zu Ehren der Feindschaft singt,
- 6:19Zarathustra spürt, wie das Gift der Rache in ihn strömt, Dieter
- 6:23Rantel hat es geschafft, dass nun auch seine eigene Seele vor
- 6:26Rachegedanken anfängt, sich zu drehen und schwindelig zu
- 6:29werden. Zarathustra erkennt die Gefahr,
- 6:32in die er geraten ist. Er bittet seine Freunde, ihn
- 6:35sofort fest an eine Säule zu binden.
- 6:38Er möchte lieber ein Säulenheiliger sein, als vom
- 6:40Gift des Neides hin und her gewirbelt zu werden.
- 6:44Ein Säulenheiliger war im frühen Christentum ein sehr strenger
- 6:47Mönch, der sein Leben lang regungslos auf einer hohen Säule
- 6:50stand, um zu beten und der Welt zu entfliehen.
- 6:54Zarathustra meint damit, ich möchte lieber völlig starr und
- 6:58unbeweglich festgebunden sein. Als zu einem Tänzer der Rache zu
- 7:01werden. Er weigert sich, ein
- 7:03Taranteltänzer zu sein, der sich dem niederen Gefühl der
- 7:06Vergeltung hingibt.