Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #20 Folge 12: Hör auf zu streiten: Wie du mit der CRAFT-Methode die Kommunikation mit Süchtigen hackst
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen gemeinsamen
- 0:03Vertiefung. Ich freu mich riesig, dass du
- 0:05heute wieder eingeschaltet hast, um dir Zeit für dich zu nehmen
- 0:08und ja, für ein wirklich Wichtiges, oft auch
- 0:11schmerzhaftes Thema. Absolut.
- 0:14Es geht um diese, ja zermürbenden
- 0:17Auseinandersetzungen mit einem Menschen, der dir nahe steht und
- 0:22ja, mit einer Sucht kämpft. Kennst du dieses Gefühl einfach
- 0:25gegen ne Wand zu reden? Egal was du sagst oder
- 0:28versuchst? Dieses Gefühl der Ohnmacht, ja,
- 0:32wer kennt das nicht in so einer Situation.
- 0:35Unsere Grundlage heute ist ein Artikel von Gabriel auf Nielix
- 0:39Böllin. Der Titel ist hör auf zu
- 0:42streiten. Wie du die Kommunikation hackst
- 0:45und wann Schweigen Gold ist. Ein starker Titel.
- 0:49Ja, und Gabriel zeigt darin sehr, sehr eindrücklich, warum
- 0:53das Streiten oft so sinnlos ist. Und er stellt eine Alternative
- 0:56vor, die wissenschaftlich fundiert ist, die CAFT Methode.
- 1:00Genau unsere Mission heute ist also, dir aus diesem Artikel
- 1:03ganz konkrete Werkzeuge mitzugeben, wie du deine
- 1:07Kommunikation vielleicht anders gestalten kannst.
- 1:09Für mehr Frieden bei dir selbst und.
- 1:12Ja, vielleicht nur vielleicht auch als Anstoß für Veränderung
- 1:16beim anderen. Genau das ist der.es geht darum
- 1:19zu verstehen, warum manches funktioniert und anderes eben
- 1:22nicht. Wir schauen uns die Wissenschaft
- 1:24dahinter an. Bevor wir da aber jetzt so
- 1:26richtig tief reingehen, ist uns was ganz Wichtiges wichtig, dir
- 1:30zu erzählen, wer Gabriel eigentlich ist.
- 1:35Ja, das finde ich auch entscheidend.
- 1:37Gabriel, also der Autor des Artikels und der Kopf hinter
- 1:40Nielix Berlin, ist selbst betroffen von sucht und auch von
- 1:44psychischen Themen. Und er teilt auf seiner Webseite
- 1:48ganz offen und, ja, sehr ehrlich seine persönlichen Erfahrungen
- 1:51aus 28 Jahren sucht und dem langen Weg der Recovery, wie er
- 1:56es nennt. Das ist ne lange Zeit.
- 2:01Und er macht das ganz bewusst, sagt er, um so ne echte
- 2:04Verbindung zu dir aufzubauen. Um dir zu zeigen, hey, du bist
- 2:08mit diesen ja echt schweren Herausforderungen nicht allein.
- 2:11Seine Perspektive ist also nicht nur Theorie.
- 2:14Genau die kommt nicht aus dem Lehrbuch, sondern ist tief in
- 2:17seiner eigenen Erfahrung verwurzelt.
- 2:19Das macht es, finde ich, so glaubwürdig.
- 2:21Absolut. OK, lass uns dann mal direkt ins
- 2:24Kernproblem eintauchen, dass Gabriel beschreibt warum ist
- 2:28streiten mit jemandem, der Aktivsüchtig ist, so oft, ja
- 2:31frustrierend und sinnlos. Gabriel schildert das hier aus
- 2:36seiner eigenen Suchtzeit er redet von Tausenden Stunden
- 2:39Streit über Geld, über Lügen, den Konsum, selbst gebrochene
- 2:43Versprechen. Die Klassiker, leider.
- 2:45Ja, leider. Sein bitteres Fazit nach all den
- 2:49Jahren. Kein einziger dieser Streits hat
- 2:51irgendwas geändert, nichts. Puh, das Ergebnis war immer
- 2:55dasselbe, nur Lärm, Erschöpfung und ja, Verletzungen auf beiden
- 3:00Seiten. Das kommt dir sicher bekannt
- 3:03vor, oder? Leider ja.
- 3:05Egal, ob es jetzt um Alkohol geht, Drogen spielen,
- 3:08Essstörungen oder auch emotionales Klammern.
- 3:11Sexsucht, Man hofft ja immer, man bräuchte nur das eine, das
- 3:14richtige Argument, den Hebel. Oh, genau hier wird es
- 3:17psychologisch spannend. Warum prallen unsere Worte,
- 3:20unsere Argumente so oft ab? Gabriel nennt im Artikel 3
- 3:24Gründe, die wissenschaftlich wirklich gut belegt sind, die
- 3:27erklären, warum wir dagegen eine Wand reden.
- 3:30OK, welche sind das? Erstens, das Gehirn ist quasi
- 3:34gekapert, wenn jemand im Rausch ist oder unter starkem
- 3:37Suchtdruck. Dieses Craving, dieses Verlangen
- 3:39ne, dann ist der rationale Teil des Gehirns der präfrontale
- 3:43Cortex, mehr oder weniger offline offline.
- 3:46Ja, stell dir vor, das Suchtzentrum hat das Steuer
- 3:49übernommen und funkt auf voller Lautstärke, logische Argumente,
- 3:53Appelle an die Vernunft, die kommen da einfach nicht durch
- 3:56die Tür ist zu sozusagen verstehe zweitens.
- 4:00Die psychologische Reaktanz, das ist dieses Phänomen, kennen wir
- 4:03alle dieser jetzt erst recht Effekt.
- 4:05Na ja, je mehr Druck du Ausübst, je mehr du versuchst, jemanden
- 4:09zu drängen, desto stärker wird oft der innere Widerstand.
- 4:12Das ist fast ein Reflex, die eigene Autonomie zu verteidigen,
- 4:15auch wenn es objektiv schädlich ist.
- 4:17Selbst wenn man eigentlich weiß, dass der andere Recht hat.
- 4:21Genau, deine Vorwürfe können dann paradoxerweise den nächsten
- 4:25Konsum sogar noch wahrscheinlicher machen, weil
- 4:27sie Stress erzeugen. Oh Mann, und drittens.
- 4:30Die Funktion des Streits selbst manchmal, so schreibt Gabriel,
- 4:34wird der Streit von der suchtkranken Person unbewusst
- 4:37sogar gesucht, provoziert. Warum das denn?
- 4:40Weil ein heftiger Streit die perfekte innere Rechtfertigung
- 4:44liefert. So nach dem Motto siehst du, wie
- 4:47die mich behandelt, wie die mich stresst, da muss ich jetzt
- 4:50einfach was nehmen, spielen, trinken, um das auszuhalten.
- 4:53Man liefert die Ausrede quasi frei Haus.
- 4:55Genau. Unbewusst natürlich oft, aber
- 4:58die Dynamik ist da. Gabriel bringt dazu im Artikel
- 5:02ne wirklich starke Analogie finde ich.
- 5:04Er sagt mit einem aktiv süchtigen Menschen streiten ist
- 5:07als würdest du mit einem Radio diskutieren.
- 5:11Gutes Bild. Ja ne, das Radio sendet halt
- 5:13sein Programm, aber es kann dir nicht zuhören, es kann nicht auf
- 5:16dich eingehen. Echte Veränderung, sagt Gabriel,
- 5:19beginnt nicht, indem du lauter wirst oder das Radio Anschreist.
- 5:22Sondern. Sondern indem du lernst, den
- 5:24Kanal zu wechseln. Also deine Kommunikation änderst
- 5:26oder das Radio auch mal bewusst ausschaltest, also den sinnlosen
- 5:30Streit beendest. Den Stecker ziehst sozusagen.
- 5:32Was dahinter aber, und das ist die gute Nachricht aus Gabriels
- 5:37Artikel, es gibt bessere Wege. Er stellt die CRFT Methode vor.
- 5:43Ja, und das ist wirklich vielversprechend.
- 5:46Klingt erst mal gut, aber was steckt dahinter?
- 5:48Kann das echt funktionieren? Die Forschungsergebnisse zu CRFT
- 5:52sind tatsächlich bemerkenswert. CRFT steht für Community re
- 5:57enforcement and family Training o.
- 5:59K. Was heißt das?
- 6:01Ja, grob übersetzt Training zur Verstärkung durch das soziale
- 6:05Umfeld und die Familie. Und die Studien zeigen bei fast
- 6:087 von 10 Angehörigen, die CAFT lernen und anwenden, gelingt es,
- 6:14ihre Suchtkranken liebsten dazu zu bewegen, irgendeine Form von
- 6:17Hilfe anzunehmen. 7 von 10 das ist viel.
- 6:20Das ist wirklich viel, deutlich mehr als bei klassischen
- 6:23Interventionen, die oft auf Konfrontation setzen.
- 6:26Und wie funktioniert das? Ist das Zauberei?
- 6:28Nein, keine Zauberei, sondern solide Psychologie.
- 6:32CAFT basiert auf bewährten Prinzipien.
- 6:35Erstens positive Verstärkung. Also Belohnung.
- 6:39Ja, im Grunde schon ein Kernprinzip der
- 6:42verhaltenspsychologie Verhalten, das positive Konsequenzen hat,
- 6:46also Aufmerksamkeit. Anerkennung wird
- 6:48wahrscheinlicher bei CAFT geht es darum, gezielt jedes kleine
- 6:52bisschen nüchternes oder konstruktives Verhalten zu
- 6:55belohnen, nicht mit Geld, sondern mit echter, warmer
- 6:58Aufmerksamkeit. OK.
- 7:00Und was noch? Zweitens nutzt CAFT Techniken
- 7:04der motivierenden Gesprächsführung Motivational
- 7:07Interviewing auf Englisch. Davon habe ich schon mal gehört.
- 7:09Ja, das ist ein spezieller Kommunikationsstil.
- 7:12Ziel ist die Eigenmotivation zur Veränderung bei der Person
- 7:16selbst zu wecken, nicht Druck von außen, sondern die Person
- 7:20soll selbst die Argumente für eine Veränderung finden.
- 7:23Man arbeitet mit der Ambivalenz, die oft da ist.
- 7:26Klingt gut. Und drittens.
- 7:28Drittens hilft craft, destruktive Kommunikationsmuster
- 7:31zu erkennen und zu vermeiden. Kennst du die 4 apokalyptischen
- 7:35Reiter von Godman? Ja, mal gehört.
- 7:38Kritik, Verachtung. Genau.
- 7:40Kritik an der Person, Verachtung, Abwehrhaltung und
- 7:44Mauern, also emotionaler Rückzug.
- 7:46Diese Muster schleichen sich bei Suchtthemen leider oft ein und
- 7:50vergiften alles. Craft hilft, die zu
- 7:53durchbrechen. OK, das klingt in der Theorie
- 7:54schon mal logisch, aber lass uns das mal wirklich greifbar machen
- 7:58für dich da draußen. Wie funktioniert craft jetzt
- 8:00konkret im Alltag? Gabriel schreibt ja diesen Satz,
- 8:04hör auf die Sucht zu jagen und zu bestrafen, Fang an die
- 8:08Nüchternheit zu belohnen. Tja, das klingt erst mal.
- 8:10Falsch herum, oder? Ja, genau.
- 8:13Man will doch das Problem bekämpfen eben, und das ist der
- 8:16Paradigmenwechsel, der Kern, du hörst auf, den anderen
- 8:20reparieren zu wollen, stattdessen fängst du an, dein
- 8:23eigenes Verhalten und das Umfeld so zu gestalten, dass
- 8:26Nüchternheit oder zumindest konstruktives Verhalten für die
- 8:29Person attraktiver wird als der Konsum.
- 8:32Das ist echt ne andere Denkweise.
- 8:34Total. Und Gabriel betont ja, dass
- 8:37diese Prinzipien ursprünglich für Drogen und Alkohol
- 8:40entwickelt, auf fast jedes Suchtverhalten übertragbar sind.
- 8:43Es gibt da 3 wichtige Handlungsprinzipien.
- 8:46OK, leg los. Erstens positive Verstärkung,
- 8:49ganz praktisch, das heißt, ignoriere das negative
- 8:53Verhalten, den Konsum, das Suchtverhalten, so gut es eben
- 8:56geht. Moment ignorieren, einfach so
- 8:59tun, als wäre es nicht da. Nicht ganz.
- 9:02Es heißt nicht, dass du es gut findest, sondern dass du ihm
- 9:06bewusst keine Energie gibst. Keine Bühne, keinen Streit
- 9:10anfängst deswegen. Aber, und das ist das
- 9:13entscheidende, Belohne jedes noch so kleine, positive,
- 9:18nüchterne oder einfach nur normale konstruktive Verhalten.
- 9:22Und wie mit deiner echten, warmen, aufrichtigen
- 9:26Aufmerksamkeit, das kann winzig sein, Gabriels Beispiel, ich
- 9:30fand es total schön, dass du heute morgen 5 Minuten mit mir
- 9:33am Tisch gesessen und einen Kaffee getrunken hast.
- 9:35Kein übertriebenes Lob, einfach ehrlich wahrnehmen und benennen.
- 9:40Puh, das stell ich mir schon ja herausfordernd vor, nicht auf
- 9:43den Konsum anspringen, wenn er direkt vor dir passiert und dann
- 9:47noch das Positive suchen, das braucht sicher Übung.
- 9:50Absolut. Das ist Übungssache und oft
- 9:52gegen die eigene Intuition am Anfang.
- 9:55Das zweite Prinzip ist oft noch schwieriger für Angehörige,
- 9:58natürliche Konsequenzen zulassen, ja, ja.
- 10:01Hör auf damit die betroffene Person ständig vor den negativen
- 10:05Folgen ihres Verhaltens abzuschirmen.
- 10:08Nicht mehr für sie beim Chef anrufen mit einer Ausrede.
- 10:12Die leeren Faschen wegräumen. Genau, oder die Schulden
- 10:15bezahlen diese Rettungsaktionen auch wenn sie gut gemeint sind,
- 10:19verhindern oft, dass die Person die realen, unangenehmen
- 10:22Konsequenzen spürt und dieses spüren ist oft ein wichtiger
- 10:25Motor für Veränderung, das ist hart, ich weiß.
- 10:28Aber wichtig. Das klingt echt hart, man will
- 10:31ja helfen, nicht jemanden fallen lassen.
- 10:34Das ist der innere Konflikt. Ja, es geht nicht ums
- 10:37Fallenlassen, sondern darum, der Realität Raum zu geben und das
- 10:41dritte Prinzip, einladende Kommunikation.
- 10:44Wie meinst du das? Lerne, wie du auf eine nicht
- 10:47konfrontative, offene Art über Hilfe oder Therapie sprechen
- 10:51kannst. Aber ganz wichtig nur wenn der
- 10:53Zeitpunkt passt, also wenn die Person nüchtern und ansprechbar
- 10:57ist. Nutze offene Fragen statt
- 10:59Vorwürfen. So was wie ich mache mir Sorgen
- 11:03um dich, gäbe es vielleicht irgendwas, das dir helfen
- 11:06könnte, biete Unterstützung bei der Suche, Nachhilfe an statt zu
- 11:10fordern, du musst endlich in Therapie, es geht darum, Türen
- 11:15sanft zu öffnen, nicht sie einzutreten.
- 11:18Ja, das macht Sinn. Theorie ist gut, aber die
- 11:21Praxis, die ist oft brutal. Gerade wenn die Emotionen
- 11:25hochkochen. Was macht man denn im konkreten
- 11:28Moment? Genau.
- 11:30Zum Glück gibt Gabriel im Artikel auch so ne Art Erste
- 11:33Hilfe Koffer ein Skriptbuch für weniger Streik mit 4 konkreten
- 11:38Hacks, die fand ich super. Ja, die sind sehr
- 11:40alltagstauglich, sozusagen ein Safer Use für deine
- 11:44Kommunikation in diesen Momenten.
- 11:47Heck Nummer 1. Nennt Gabriel das
- 11:49Wettergespräch. Es geht ums Timing, die absolut
- 11:52wichtigste Regel führe niemals, wirklich niemals ernste
- 11:57Gespräche über die sucht, Probleme, Konsequenzen, wenn die
- 12:00Person unter Einfluss steht. Absolut sinnlos, sagt er.
- 12:03Genau, das Gehirn ist nicht aufnahmefähig, sprich dann
- 12:07lieber wie Gabriel vorschlägt, übers Wetter oder belangloses
- 12:12oder sag am besten gar nichts und zieh dich zurück.
- 12:14Das eigentliche Gespräch nur wenn.
- 12:17Person nüchtern und klar ist. Timing ist alles.
- 12:20Okay verstanden Hack 2. Die 7% Regel, die erinnert uns
- 12:25deine Körpersprache und dein Tonfall sind viel mächtiger als
- 12:29deine Worte. Nur etwa 7% der Botschaft sind
- 12:32die Worte selbst, der Rest Tonfall und Körpersprache.
- 12:36Krass. Nur 7%.
- 12:37Ja. Wenn du also mit verschränkten
- 12:39Armen und genervter Stimme sagst, ich mache mir Sorgen,
- 12:42kommt nur der Vorwurf an, nicht die Sorge.
- 12:45Stimmt. Gabriels Tipp Achte Bewusst auf
- 12:48dich, atme durch, entspann die Schultern, sprich vielleicht
- 12:52leiser, ruhiger. Das allein kann schon viel
- 12:54ändern. Hack Nummer 3.
- 12:56Das CRFT Skript oder wie Gabriel es nennt, der Honiglöffel.
- 13:01Honiglöffel. Ja, das ist die positive
- 13:04Verstärkung im Alltag. Übe bewusst positive Dinge zu
- 13:07finden und anzusprechen. Finde eine klitzekleine Sache,
- 13:11die gut war. Gabriels Beispiel.
- 13:13Hey, ich hab gesehen du hast den Müll rausgebracht, danke das
- 13:16hilft mir echt. Muss aber authentisch sein,
- 13:18oder? Unbedingt ehrlich gemeint, kein
- 13:21Schleimen. Es geht darum, dem Positiven,
- 13:23das oft übersehen wird, Raum zu geben.
- 13:26Und der letzte Heck Nummer 4? Der geplante Ausstieg,
- 13:30strategisches Schweigen, deine Notbremse.
- 13:33Wenn du merkst, ein Gespräch eskaliert, dreht sich im Kreis.
- 13:37Die alten Vorwürfe kommen, zieh die Reißleine.
- 13:39Bevor es knallt. Genau, sag ruhig und bestimmt so
- 13:42was wie ich merk. Das führt gerade nur zu Streit,
- 13:45das will ich nicht, ich hab dich lieb und ich bin bereit morgen
- 13:48oder später, wenn du nüchtern bist in Ruhe weiterzureden aber
- 13:51für jetzt beende ich das und dann ganz wichtig geh ja Raum
- 13:56verlassen auflegen um nen Block gehen, nicht nachkarten.
- 14:02Nicht warten, einfach die Interaktion beenden.
- 14:06Puh, dieser geplante Ausstieg, das Stelle ich mir einerseits
- 14:10super schwer vor, aber andererseits klingt es auch
- 14:14befreiend, dem Streit die Energie nehmen, sich selbst
- 14:18schützen. Das braucht Mut und Übung, klar,
- 14:21aber es nimmt dem Suchtdrama ein Stück seiner Macht über dich.
- 14:24Ja, Gabriel hat im Artikel auch einen super FAQ Bereich, der
- 14:28geht auf typische Fragen und Bedenken ein, die bei dem Ansatz
- 14:31schnell kommen. Lass uns da mal reinschauen, so
- 14:33als hättest du uns die Fragen gestellt.
- 14:35Gute Idee. Die erste häufige Sorge aber,
- 14:39wenn ich nicht mehr streite, wenn ich das Verhalten
- 14:41ignoriere, denkt er oder sie dann nicht.
- 14:44Es wäre mir egal, dass ich aufgegeben hab.
- 14:47Eine total verständliche Angst. Fast jeder hat die, aber die
- 14:51Antwort aus der CRAF Perspektive ist meist nein.
- 14:54Die Person spürt den Unterschied, sie merkt, ob du
- 14:57resigniert und verbittert schweigst.
- 14:58Das ist Aufgabe, oder? Oder ob du bewusst und ruhig
- 15:02einen Schritt zurücktrittst, weil du dich weigerst.
- 15:04Auf diesem destruktiven Niveau mitzuspielen.
- 15:07Dieser ruhige Rückzug, dieses Nein so nicht mehr, ist oft eine
- 15:11viel stärkere, ja irritierendere Botschaft als laute Vorwürfe.
- 15:15Es signalisiert eine Grenze. Genau eine Grenze und eine
- 15:18Veränderung in der Dynamik. Es sagt, dein Verhalten
- 15:21beeinflusst mich nicht mehr so wie früher, OK.
- 15:24Das leuchtet ein nächste wichtige Frage.
- 15:28Was ist, wenn er oder sie mich beleidigt oder verbal angreift?
- 15:33Soll ich das dann auch einfach ignorieren, nach dem Motto
- 15:35negatives Verhalten ignorieren? Absolut nicht ganz wichtiger
- 15:39Punkt. Strategisches Schweigen heißt
- 15:41niemals, dass du ihr alles gefallen lassen musst.
- 15:44Deine würde ist unantastbar. OK, was dann?
- 15:47Bei Beleidigungen oder Angriffen ist die Antwort nicht
- 15:51ignorieren, sondern klare, kurze Grenze ziehen und sofortiger
- 15:56Ausstieg. Heck Nummer 4 also sag.
- 15:58Sag ruhig aber fest Stopp, so lasse ich nicht mit mir reden
- 16:02oder ich lasse mich nicht so nennen und dann sofort raus,
- 16:06Gespräch beenden, auflegen, keine Diskussionen mehr darüber
- 16:09Grenze setzen und gehen. Das ist wichtig.
- 16:12Es geht nicht darum, zum Fußabtreter zu werden.
- 16:14Überhaupt nicht. Es geht darum, deine Grenze klar
- 16:17und ruhig zu wahren. Dann kommt auf dieses Gefühl
- 16:20hoch. Kennst du vielleicht auch das
- 16:22mit der positiven Verstärkung dieses Belohnen von
- 16:25Kleinigkeiten? Fühlt sich komisch an, fast so,
- 16:27als würde ich einen Hund trainieren.
- 16:29Ist das nicht manipulativ? Ja, dieses Gefühl kennen viele
- 16:33am Anfang. Das ist normal.
- 16:35Aber lass uns das mal anders sehen.
- 16:37Es ist im Grunde angewandte Verhaltenspsychologie, das
- 16:41funktioniert bei uns allen, nicht nur bei Hunden.
- 16:44Wir reagieren alle auf positive Rückmeldungen.
- 16:47Eben der Punkt ist nicht Manipulation.
- 16:50Es geht darum, dass du eine bewusste Entscheidung triffst.
- 16:53Worauf richte ich meine Energie, meine Aufmerksamkeit immer nur
- 16:57auf das Negative, die sucht, was schief läuft, oder oder
- 17:01entscheide ich mich bewusst, meine Energie auf die kleinen,
- 17:05gesunden, positiven Momente zu lenken, die es ja meistens auch
- 17:08noch gibt? Gabriele sagt, du gießt die
- 17:11Blumen, nicht das Unkraut. Schönes Bild.
- 17:14Ja, es ist ne Frage des Focus. Keine Manipulation, sondern
- 17:18bewusste Energieverteilung. OK, und wenn ich jetzt sage.
- 17:23Das klingt alles gut. Ich will mehr über craft lernen.
- 17:26Wo kann ich das tun? Gabriel empfiehlt im Artikel das
- 17:29Buch vom Entwickler Doktor Robert J.
- 17:32Meyers. Auf Deutsch heißt es, Wenn sucht
- 17:35zur Nebensache wird, ah ja, das englische Original Get your
- 17:39Loved on Sober ist vielleicht noch bekannter, es ist wohl ein
- 17:43sehr praktischer Leitfaden. Und es gibt auch in Deutschland
- 17:47immer mehr Therapeuten, Coaches, Beratungsstellen, die mit CRAFT
- 17:52arbeiten. Gut zu wissen.
- 17:53Es lohnt sich also, bei der Suche Nachhilfe gezielt nach
- 17:56CRAFT zu fragen. Super.
- 18:00Und noch eine letzte Abgrenzung, die oft unklar ist.
- 18:03Was ist der Unterschied zwischen CRNAFT und dieser klassischen
- 18:07Intervention, die man so aus Filmen kennt?
- 18:09Oh ja, riesiger Unterschied. Die sind fast gegensätzlich.
- 18:13Wie meinst du die? Klassische Intervention ist
- 18:15meist eine einmalige, geplante, oft sehr konfrontative Aktion.
- 18:20Der Betroffene wird überrascht, Familie, Freunde, alle sind da,
- 18:24geballte Vorwürfe, Konsequenzen, Ultimatum.
- 18:28Therapie oder wir sind weg, so in der Art.
- 18:30Ja, oft so was, das kann funktionieren, klar, aber es ist
- 18:35riskant und kann die Beziehung echt beschädigen.
- 18:38Craft ist das Gegenteil. Sondern.
- 18:41Kein einmaliger Paukenschlag ein langfristiger, sanfter, nicht
- 18:46konfrontativer Prozess. Es zielt darauf ab, die innere
- 18:49Motivation des Betroffenen über Zeit wachsen zu lassen, indem
- 18:53das Umfeld, also du unterstützender, positiver,
- 18:57weniger konflikthaft wird. Craft ist also ein Marathon,
- 19:01keine Sprintkonfrontation. Genau das gut gesagt.
- 19:05OK, wenn wir das jetzt alles für dich zusammenfassen.
- 19:08Die Kernbotschaft aus Gabriels Artikel ist doch eigentlich
- 19:11klar, oder? Du kannst niemanden zur
- 19:13Nüchternheit zwingen, du kannst niemanden in Grund und Boden
- 19:17argumentieren. Vergiss es.
- 19:19Aber, und das ist das Entscheidende, was du tun
- 19:21kannst. Aufhören, deine eigene wertvolle
- 19:24Energie, deine Nerven, deine Lebenszeit in diesen sinnlosen
- 19:28Kämpfen zu verbrennen. Genau.
- 19:30Jeder Streit, den du vermeidest, zum Beispiel mit dem geplanten
- 19:33Ausstieg, ist ein direkter Gewinn für deine eigene Seele,
- 19:37für dein Wohlbefinden. Jede kleine, ehrliche, positive
- 19:42Verstärkung ist wie ein Samen, den du pflanzt, vielleicht keimt
- 19:47er vielleicht später, vielleicht nicht.
- 19:50Aber du gibst dem Positiven eine Chance.
- 19:52Und der Rückzug? Jeder ruhige, bewusste Rückzug
- 19:56aus einer Eskalation zeigt nicht nur dem anderen eine Grenze,
- 20:00sondern vor allem dir selbst. Die Dramen der Sucht haben nicht
- 20:04mehr diese totale Macht über mich.
- 20:06Du holst dir Kontrolle zurück. Indem du also lernst, deine
- 20:09Kommunikation bewusst zu ändern, wann du sprichst.
- 20:13Wie du sprichst, wann schweigen besser ist, tust du 2 wichtige
- 20:16Dinge, wie Gabriel es sagt. Du schützt dich selbst, deine
- 20:20Nerven, deine Seele. Absolut überlebenswichtig.
- 20:23Und den Gedanken finde ich stark.
- 20:24Du schaffst dadurch vielleicht zum ersten Mal seit langem einen
- 20:28Raum, einen Raum, wo der andere nicht mehr gegen dich kämpfen
- 20:32muss, nicht mehr in der Defensive ist.
- 20:34Einen Raum zum Luftholen. Ja, ein Raum, in dem er oder sie
- 20:38vielleicht die Chance bekommt. Sich selbst wieder besser zu
- 20:41hören, die eigene innere Stimme, die leisen Zweifel.
- 20:44Und genau das, sagt Gabriel, ist der einzige Ort, wo echte, von
- 20:49innen kommende Veränderung überhaupt anfangen kann.
- 20:52Das ist der Punkt. Veränderung von innen.
- 20:55Gabriel hat am Ende seines Artikels noch ein besonderes
- 20:58Angebot erwähnt. Das wollen wir dir nicht
- 20:59vorenthalten, es. Stimmt.
- 21:01Er hat einen Vierzehnteiligen komplett kostenlosen Onlinekurs
- 21:05für Angehörige erstellt. Der verbindet wohl die Craft
- 21:08Strategien mit radikaler Selbstermächtigung, also
- 21:12Mindset, Arbeit für dich als Angehörigen.
- 21:14Klingt nach einer super Ressource.
- 21:16Ja, finde ich auch. Und wenn dir dieser Beitrag
- 21:19heute hier gefallen hat, wenn du die Arbeit von Nilex Berlin
- 21:22wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine
- 21:25Unterstützung freuen. Das ist wichtig.
- 21:27Ja, du kannst Gabriel helfen, indem du diesen Beitrag auf
- 21:30Social Media teilst oder diesen Kanal hier auf Spotify oder
- 21:33Apple Podcasts bewertest und Likest.
- 21:36Das Projekt Nilex Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 21:39finanziert und erstellt. Alles alleine.
- 21:42Wow. Ja.
- 21:43Texte, Technik, Kurse, jede Form der Unterstützung hilft ihm mit
- 21:47diesem Projekt, sich selbst zu helfen und gleichzeitig anderen
- 21:50Betroffenen und Angehörigen eine Stütze zu sein.
- 21:53Sein persönliches Motto, das ihn antreibt, ist aus allem
- 21:56schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 21:59Starkes Motto. Finde ich auch.
- 22:00Unsere heutige Vertiefung zeigt wirklich eindrücklich.
- 22:04Manchmal liegt die größte Kraft nicht im Reden um jeden Preis,
- 22:07nicht im Streiten, sondern im Bewussten Wählen der richtigen
- 22:11Worte zur richtigen Zeit oder eben auch im bewussten
- 22:14strategischen Schweigen. Es geht nicht darum, den anderen
- 22:17zu ändern. Weil wir das nicht direkt
- 22:19können. Aber wir können die Dynamik
- 22:21zwischen uns verändern, und das kann einen Riesenunterschied
- 22:24machen. Vielleicht nimmst du ja diesen
- 22:25einen Gedanken aus Gabriels Artikel heute mit.
- 22:28Was wäre, wenn die größte Veränderung in dieser
- 22:30festgefahrenen Situation nicht darin liegt, dass der andere
- 22:33sich ändert, sondern darin, wie du lernst, anders darauf zu
- 22:36reagieren? Ein Gedanke zum Nachwirken
- 22:38lassen. Genau.
- 22:40Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen hast und uns
- 22:42zugehört hast. Pass gut auf dich auf.
- 22:44Ja, gerade in so einer Situation sei nachsichtig mit dir, wenn
- 22:47nicht alles sofort klappt. Das ist ein Prozess.
- 22:49Absolut und bis zum nächsten Mal hier bei unserer gemeinsamen
- 22:54Vertiefung. Mach es gut.