Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Kian Soltani: „Das Cello kann alles“
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- Drei Tage ist tatsächlich mein Maximum bisher im Leben, dass ich nicht Cello gespielt habe. Ich habe noch nie länger als drei Tage und das auch erst vor kurzem. Bis ich 30 war, habe ich mir auch nicht mal drei Tage gegönnt. Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Abendblatts. Music. Schönen guten Tag zu einer neuen Folge. Mein Gast heute hier hat Eltern, die beide Musiker sind oder waren. Der Vater hat Fagott gespielt, die Mutter Hafe, die einzig mögliche Schnittmenge daraus. Das Cello. Mit vier ging es los, mit einem Achtel Cello. Mit 14 war es dann ein ganzes. Jetzt ist er knapp über 30. Spielt überall und demnächst auch in der Elbphilharmonie. Es ist Kian Soltani oder Soltani, ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall, weil er Österreicher ist. Grüß Gott. Grüß Gott, guten Morgen. Und übrigens, falls Sie schon neugierig geworden sind, wer hier noch so alles war und über sich erzählt hat, Sie finden erstklassisch mit Mischke auf abendblatt.de und auf allen Podcastportalen und Bewertungen ab 5 Sterne aufwärts. Nehmen wir gerne entgegen, das freut uns und hilft uns. Aber jetzt kommen wir erstmal zu den wichtigen Dingen. Sie spielen, soweit ich weiß, ein Stradivari Cello, das London Ex-Boccarini. Ganz genau, das Cello aus dem Jahr 1694, das heißt das London ex Boccherini, London deswegen, weil es in London entdeckt wurde, es ist ein Instrument von Antonio Stradivari, natürlich ein italienischer Geigenbauer, wurde in London entdeckt, von einem Amateurcellisten, der das im Besitz hatte. Und der Zweifelname Ex-Boccherini bedeutet, dass das Cello früher einmal anscheinend im Besitz von Luigi Boccherini war, einer der wichtigsten und berühmtesten Cellisten und Cello-Komponisten aller Zeiten. Und anscheinend war das Cello Teil seiner Sammlung und das ist nämlich quasi ein historisches Stück Zeitgeschichte. Haben Sie das, wie sich das für jeden ordentlichen Musiker gehört, schon mal irgendwo so ziemlich fast vergessen und im letzten Moment gedacht, ich habe da noch ein Gepäckstück? Zum Glück nicht. Das ist tatsächlich öfter umgekehrt. Wenn ich, und das ist sehr, sehr selten, wenn ich mal ohne Cello reise, was sehr wenig vorkommt, dann habe ich immer dieses paranoide Gefühl, dass ich das Cello vergessen habe. Wo ist das Cello? Wo ist das Cello? Ständig schaue ich über die Schulter und man fühlt sich so ganz leer ohne Cello. Meistens suche ich mein Cello, wenn ich es gar nicht bei mir habe, wenn es sowieso zu Hause liegt. Also wenn ich es dabei habe, ist es noch nicht passiert, dass ich das vergesse. Nein, geht nicht. Gibt es da einen richtig gehenden Entzug, dass Sie sich denken, nach drei Tagen, keine Ahnung, warum ich so nervös bin oder so schlecht drauf und dann muss das erstbeste Cello sein, was in der Gegend so ist oder wie lange können Sie ohne? Nein, den Zug gibt es nicht. Also drei Tage ist tatsächlich mein Maximum bisher im Leben, dass ich nicht Cello gespielt habe. Ich habe noch nie länger als drei Tage und das auch erst vor kurzem. Bis ich 30 war, habe ich mir auch nicht mal drei Tage gegönnt. Erst seit ich 30 bin, gönne ich mir auch ein paar Tage ohne Cello. Aber bisher eben das Maximum drei. Mehr als das habe ich noch nicht geschafft. Ja, Wahnsinn. Es gibt ja diesen Spruch, wer von diesem oder jenen was versteht und nur davon, der versteht auch davon nichts. Also wie helfen Sie sich gegen diese drohende Gefahr von Fachidiotentum, dass Sie so in dieser Cello-Bubble versinken und sich komplett entfernen vom Rest der Welt und sagen, keine Ahnung, weiß ich nicht, lass mich Cello spielen. Das ist gut gesagt. Ja, früher, das ist ja auch ein anderes Sprichwort ist. Die meisten Leute heutzutage wissen immer mehr und mehr von weniger und weniger. Also man wird immer mehr fokussiert auf eine kleine, kleine, winzige Sache und wird Spezialist und weiß immer mehr und mehr von weniger und weniger. Ja, also wie mache ich das? Also ich habe viele, viele Interessen, außer dem Cello auch. Wenn wir jetzt rein musikalisch sprechen überhaupt, dann mache ich auch viele andere Musik. Also ich spiele sowieso auch Klavier zum Spaß und mein Nebengenre ist sowieso Jazz und ich mache gerne amateurhaft Jazz am Klavier. Ich mache elektronische Musik am Computer mit Synthesizern und komponiere kleine Stücke, Filmmusik-Sachen oder Tanzmusik oder atmosphärische Musik. Also ich mache gerne und höre gerne und experimentiere gerne mit all verschiedenen Musikrichtungen. Und das hält mich quasi sehr, sehr wach und offen, hoffe ich zumindest. Aber ich bin auf jeden Fall dennoch natürlich ein absoluter Fachidiot, was Cello angeht, natürlich der absolute Nerd. Natürlich, da kann man nichts dagegen machen leider. Soweit ich weiß, hat David Garrett so einen Guarneri-Club gegründet und kann also, könnte bei Wetten, dass, wenn es das noch gäbe, auftreten und kann jedes Guarneri am Schallloch erkennen. Ist das bei Ihnen auch so, dass Sie das suchten und schauen, wo ist welches Cello, wie sieht das aus, wie sieht der Stachel aus, wie ist die Maserung, ich will das alles auswendig wissen oder ist es soweit dann doch noch nicht? Nein, das weniger. Das ist wieder was anderes. Da geht es ja dann wieder um Geigenbaukunst. Hatte überhaupt nichts mit dem Spielen zu tun. Und ich habe es auch schon gesehen. David Garrett ist sehr, sehr, sehr leidenschaftlich, was Geigenbaukunst angeht und Händertum und so weiter. Aber ich hatte sehr wenig Interesse daran. Also ich könnte eine Cella von Apache unterscheiden. Das könnte ich gerade machen. Das schaffe ich auch noch, ja. Ein Kollege von mir hat 2019 über Sie geschrieben, er gehört zweifelsohne zu diesen Ausnahmewollern, die mehr als nur Könner sind. Wie sehr stimmt das? Oder sind Sie vielleicht gar nicht so ein Woller und nehmen eher, was so kommt im Leben? Ich muss erst mal überlegen, was das überhaupt heißt, eine Ausnahmewoller und nicht nur ein Könner. Können Sie das vielleicht interpretieren für mich erst mal? Dass Sie mehr wollen oder immer mehr wollen und schon eine Menge können, aber dass es vor allen Dingen um das Wollen geht, um diesen Ehrgeiz auf der Bühne, diese 160 Prozent abzuliefern. Ja, doch, doch, das auf jeden Fall. Ja, also ich will immer und habe immer diesen Ehrgeiz absolut genau. Ich versuche auch immer besser zu werden. Also ich habe noch nie das Gefühl gehabt, so ja, jetzt kann ich mich entspannen und jetzt habe ich so mein Level erreicht und bin happy damit. Das eben nicht. Und ich glaube, das ist jetzt auch so ein bisschen von dem, was er meint. Ich will mich immer verbessern und habe auch immer neue künstlerische Ziele und versuche eben immer weiter zu denken. Im Moment ist so ein bisschen mein Ehrgeiz, mehr zu komponieren, wie ich es eh schon ein bisschen gemacht habe in der elektronischen Richtung. Aber auch habe natürlich komponiert für Cello, auch ein bisschen jetzt für Cello und Streicher. Ich würde gerne mehr komponieren. Also das ist für das, was ich will. Vom Können weiß ich nicht, ob man es komponieren kann, das ist wieder die Frage. Ich bin, glaube ich, mehr ein Woller als ein Könner, was Komponieren angeht, aber man sagt immer so, learning by doing oder make it till you make it, ist mein Ansatz. Wenn ich richtig das gefunden habe, dann war Ihr erster großer Preis der in Helsinki bei der Paolo Cello Competition. Da waren Sie 21. War Ihnen erst dann klar, dass das womöglich Ihre Bestimmung ist, dieser Beruf? Oder haben Sie schon mit sechs gemerkt, also wenn ich irgendwas werde im Leben, dann Cellist? Also, dass ich Zulist werde, das war mir natürlich schon länger bewusst. Also, ich würde sagen, ab dem frühen Teenageralter war es mir so klar, dass das, ah, okay, das ist jetzt so, das ist mein Weg und das ist meine Bestimmung. Aber es kann ja in viele verschiedene Richtungen gehen. Das heißt ja nicht, dass man Zulist werden muss oder überhaupt will. Und das wusste ich lange Zeit nicht, in welche Richtung ich gehen werde und wie weit ich kommen kann und werde. Aber ich glaube, dieser Moment, wie ich dir gesagt habe, 2013, beim Paula Wetterwerb in Finnland, das war auf jeden Fall ein Wendepunkt für mich in Sachen Selbstbewusstsein auch und der Glaube an dich selbst. Sowas kann schon sehr helfen. Also natürlich Wetterwerb ist nicht das Wichtigste von der Welt und ein erster Preis heißt eigentlich meistens noch gar nichts, weil bei einer anderen Jury wäre es anders gelaufen und bei einem anderen Tag wäre es auch anders gelaufen. Aber in meinem Fall war der Zeitpunkt sehr, sehr glücklich und hat mir sehr geholfen, an mich zu glauben und noch härter und noch weiter zu arbeiten. Und hat mir einige Türen geöffnet, die mich dann bis hierher gebracht haben, wo ich heute bin. Also das war schon ein wichtiger Moment für mich. Und bis dahin war es so ein bisschen unklar, in welche Richtung ich gehen kann. Und ab dem Moment war alles ein bisschen klarer für mich. Was wäre denn der Plan B gewesen? Medizin studieren oder sowas? Das war eigentlich tatsächlich mein Plan, als ich Kind war. Ich wollte immer Arzt werden, ich wollte Mediziner werden, ich wollte Forscher werden als Kind. Und dann aber als Teenager war es klar Musik, aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Man kann ja auch Orchestermusiker werden, man kann kaum Musikformationen gründen, man kann Streichquassett gründen, Trio, man kann Lehrer werden, viele verschiedene Arten Spaß zu haben als Cellist. Cellist ist nur eine davon und das war dann mein Weg. Sie kommen ja aus einer Musikerfamilie, sind also gewissermaßen imprägniert, ein bisschen zumindest gegen diese Skepsis. Aber es gibt ja durchaus sicherere Berufe als Musiker oder Künstler. Wie ist das bei Ihnen mit diesem Thema Zukunftsangst? War das jemals so, dass Sie sich gedacht haben, oi, oi, oi, ich weiß nicht, ob das so trägt? Und jetzt eher seit Kürzerem, seit diesem ganzen künstlichen Intelligenz-Talk und AI und all diese Songs, die ich höre, die von künstlicher Intelligenz gemacht wurden und die einfach so ungern ich es sage, tatsächlich gar nicht so schlecht klingen. Seitdem kommen manchmal die Gespräche mit den Musikerkreisen auf, so wie lange haben wir eigentlich noch im Beruf und ich glaube wir haben Glück als klassische Musiker wahrscheinlich werden wir klassische Musiker die letzten sein, die gehen werden weil unser Beruf noch sehr, greifbar ist es ist wirklich noch so wie ein. Tischler oder ein Maurer, der noch mit den Fingern was machen muss, im Moment, da kann man noch wenig elektronische Musik überhaupt nutzen, also in der Klassik-Musik gibt es ja sowas gar nicht. Also AI, bis AI wirklich Cello spielen kann auf dem Level, auf dem Yo-Yo Ma Cello spielen kann, das wird noch wahrscheinlich hunderte von Jahren dauern, will ich mal so behaupten. Ähm. Aber ein AI kann jetzt schon einen Popsong schreiben. Aber natürlich nicht auf dem Level von Michael Jackson. Keine Frage. Ich sage nur, ich glaube, dass klassische Musik noch ein bisschen das Glück hat, dass wir noch nicht in der elektronischen Musik abhängig sind. Dass wir nirgendwo eingesteckt werden müssen. Wir brauchen nicht mal Strom. Also wenn morgen Stromausfall ist, werden viele Musiker Probleme haben, ihre Konzerte zu machen. Aber die klassischen Musiker werden keine Konzertprobleme haben. Wir können bei Kerzenschein immer noch spielen. Das ist ein bisschen das Glück, das wir haben. Ich glaube, dadurch ist unser Job noch zumindest ein paar Jahre länger gesichert. Okay, gut, dann ist ja in Ordnung. Mal ein ganz anderes Thema. Ihre Eltern sind 1979 aus dem Iran geflohen, nach Österreich. Wie sehr verfolgen Sie das, was da jetzt passiert im Iran? Sie haben mal gesagt, ich habe ein Zitat gefunden, ich stehe total hinter dieser Protestbewegung, kann aber selbst nicht viel bewegen. Dass ich dazu was auf Instagram poste, ist nicht mutig. Da würde ich nicht widersprechen wollen, aber nichtsdestotrotz, das geht ja nicht an Ihnen vorbei, diese ganze Thematik. Ist das ein Diskussionsthema in der Familie? Gibt es Kontakte in das Land, von denen man ja jetzt wirklich nicht weiß, in welche Richtung es da geht? Wie sehr und wie verfolgen Sie das? Ja, natürlich, obwohl ich das mit besorgen ist und, wir sprechen drüber und es ist natürlich alles sehr, sehr schade und traurig und tragisch und ich habe auch Familie im Iran und so weiter, aber es ist natürlich auch wieder anders für Leute, die da leben. Es ist wieder ein bisschen eine andere Realität, als von außen rein zu blicken. Von außen wirkt alles sehr, sehr dystopisch und unerträglich, aber wenn die Leute tatsächlich wirklich da leben, ist es auch so ein bisschen einfach eine, Eingewöhnung und eine Akzeptanz und also wenn ich jetzt so mit meinen Tanten spreche, die da leben oder auch jüngere Leute, die leben einfach ihr Leben. Von außen sieht es so aus, das geht ja gar nicht, aber wenn man da ist, dann geht das schon irgendwie. Also es ist nicht so, dass man nicht vorstellen muss, dass das Leben da unerträglich ist. So ist das nicht. Es ist natürlich wesentlich, wesentlich weniger frei als hier und wesentlich schwieriger, aber wenn man da aufgewachsen ist und da geboren ist, dann ist jetzt auch so, dass dieses Prinzip von man kennt nichts anderes und man gewöhnt sich so dran und, deswegen ist es da so, zum einen muss man natürlich sagen eben, es ist nicht so, dass die Leute da tagtäglich einfach irgendwie. Irgendwie umfallen und sterben. Nein, es gibt so ein Quote-on-Quote normales Leben, da gibt es auch. Also man soll nicht komplett übertreiben. Zum anderen natürlich höre ich viele, viele Stimmen, die einfach sich wünschen, in einem freien Land zu leben, sich wünschen, den Austausch mit dem Westen, den freien Austausch, den kulturellen Austausch, sie wünschen sich auch einfacher rausgehen zu können. Vor allem wegen diesen finanziellen oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind jetzt mittlerweile Flugtickets fast unbezahlbar für viele Leute, weil die Währung ist so wahnsinnig gefallen, dass viele Leute gar nichts mehr leisten können, jetzt irgendwie einen Flug nach Europa und dann wieder zurück. Das ist so unheimlich teuer geworden. Das sind so die Sachen, mit denen die Leute vor allem jetzt Probleme haben, dass sie sich abgeschottet fühlen vom Rest der Welt und sich aber wünschen, sich öffnen zu können. Also vor allem die jungen Leute, das ist ja eine wahnsinnig hohe Prozentzahl von jungen Menschen, die im Iran leben und die natürlich sich sehnen nach einem weltoffenen Land und sich auszutauschen mit anderen jungen Leuten. Und natürlich, das Fenster in die Welt ist natürlich das Internet für sie und Instagram und ich bekomme natürlich viele Nachrichten über Instagram und habe auch viele sogenannte Follower auf Instagram aus dem Iran und das ist für sie so ein bisschen der Weg, nicht der Weg, aber so ein bisschen das Fenster in eine andere Welt. Aber wie gesagt, es ist sehr schwer, da was zu bewegen und zu verändern. Also, um das alles zusammenzufassen, zum einen, ja, es ist tragisch, es ist traurig. Zum anderen, man muss aber auch nicht denken, dass sie da irgendwie in einem Kriegsgebiet wohnen. Es ist mittlerweile Frieden unter Anführungszeichen da und die Leute leben ihr Leben. Es ist ein unter Anführungszeichen normales Leben, das da geführt wird, nur unter sehr, sehr, sehr anderen Bedingungen, wie sie hier in Europa sind. Kennen Sie die Apple-TV-Serie Teheran? Ich habe da meiner Meinung nach einiges gelernt über die Realität da. Ich weiß aber nicht, wie realistisch die ist. Ich habe davon gehört, sie aber nie gesehen. Okay. Würden Sie denn da spielen wollen oder können oder müssten Sie befürchten, wenn Sie das angingen, dieses Thema, dass das dann für Sie unschön endet, wenn man Sie am Flughafen einkassiert und dann weiß keiner, wo Sie landen. Das ist absolut eine Möglichkeit, ja. Aus dem Grund auch bin ich sehr vorsichtig, da hinzureisen. Also ich war jetzt zum letzten Mal vor 20 Jahren als Kind da. Und ich habe noch nie ein Konzert in mir gerade gespielt. Das ist aber ein großer, großer Traum von mir, eines Tages dort zu spielen. Aber wie gesagt, weil dieses kleine und wahrscheinlich ist es auch mal ein winziges Risiko, weil vielleicht bin ich überhaupt nicht mal auf dem Radar von irgendjemandem. Aber auch wenn es nur ein Prozent Risiko ist, ist es vielleicht eines, dass ich nicht wirklich gerne eingehen würde, ins Land einzureisen und dann Probleme zu haben. Deswegen muss ich leider warten. Ich würde sehr gerne eines Tages in einem freien Iran Konzerte spielen. Das wäre mein Traum. Wieder ein anderes Thema. Ihr Lehrer war Ivan Munighetti in Basel. Da haben Sie, glaube ich, mit zwölf angefangen. Das ist ein Schüler von Rostropovich gewesen, von einem der Cello-Götter überhaupt. Ihr Vater ist da, glaube ich, immer 200 Kilometer mit ihm nach Basel gefahren. Und was ich interessant fand, ich habe hier auch mal mit Solga Betta gesprochen, die war ja auch eine Schülerin bei ihm. Und sie hat Rostropovic noch leibhaftig erlebt. Es gibt auch einen Filmmitschnitt davon, sie war in Moskau bei einem Orchester, er hat dirigiert, also die beiden sind sich dann persönlich begegnet. Sie hatten dieses Glück nicht, habe ich mal irgendwo gelesen oder gehört. Und sie haben ihn knapp verpasst und beißen sich heute noch in den Hintern deswegen. Ganz genau, ja, richtig. Ich hatte eine Möglichkeit, ihn zu treffen. Er kam nach Basel, wo ich studiert habe bei Ivan Monigeti. Er kam und hat mit der ganzen Cello-Klasse gearbeitet. Ich hatte an dem Tag aber Schule in Vorarlberg. Ich habe ja nicht in Basel gelebt damals. Ich habe gependelt und musste zur Schule. Ich habe nicht frei bekommen von der Schule. Ich musste in der Schulbank sitzen und habe irgendwie Matheaufgaben gemacht, während Rostopowitsch in Basel war. Und das war die einzige Chance für mich. Und als ich dann alt genug war, um bereit zu sein, irgendwo hinzureisen und mich zu treffen, ist er leider dann schon verstorben, 2007. Und das ist auf jeden Fall eine große Reue, die ich habe in meinem Leben. Hätten Sie sich einfach schwänzen können und sagen, oh, mir ist heute so schlecht, also ich weiß nicht, ich glaube, ich schaffe das nicht? Hätte ich, wenn ich jetzt eine Zeitmaschine hätte, wäre ich jetzt schwer in die Schule, hätte das Matheheft an die Wand geschmissen und wäre rausgerannt. Und der hätte ich machen können. Aber ich war damals nicht intelligent genug anscheinend. Aber gut in Mathe zumindest. Zumindest nicht jetzt heute gut in Mathe. Da habe ich irgendwas dann doch gelernt. Na gut. Gibt es eine Droge Ihrer Wahl vor Konzerten? Solga Better, Ihre Kollegin, muss immer dunkle Strockolade im Cellokasten haben. Ist da bei Ihnen was Ähnliches drin? Oder gibt es eine Droge für danach, damit Sie wieder runterkommen? Brauchen Sie Dinge vor oder nach Konzerten? Drogen danach? Nein. Also so Banane... Ist so Standard, sagt doch jeder immer. Ich habe sehr gerne Banane und ich habe Proteinriegel. Meistens reise ich mit Proteinriegeln und nehme ein Proteinriegel und eine Banane. Und das ist es. Aber vor allem weniger darum, was ich esse. Es ist eher so ein bisschen, was ich kurz davor mache. Es ist mehr so ein bisschen eine Meditation und eine Atemübung, die ich mache, bevor ich auf die Bühne gehe. Das ist vielleicht noch wichtiger als eine Banane. Mhm. Das Konzertrepertoire für Ihr Instrument ist, wie soll ich sagen, schön, aber überschaubar. Da könnte man ja noch mehr haben wollen. Haben Sie, auch wenn das jetzt hypothetisch ist, was wäre das Cello-Konzert Ihrer Träume, das es leider nicht gibt? Achmaninov. Achmaninov? Sehr einfache Antwort, ja. Aber warum das? Achmaninov. Weil er eine der besten Sammlungen an Instrumentalkonzerten aller Zeiten geschrieben hat nämlich vier Klavierkonzerte plus die Variationen und fast nichts zu übertreffen in der Qualität und Quantität, und eine Cellosonate geschrieben hat, die auch einzigartig genial ist, eine der besten Cellosonaten, die wir haben also die Kombination von er weiß, wie man ein Instrumentalkonzert schreibt und er weiß offensichtlich, wie man ein Cello schreibt, wegen der Cellosonate Wenn er da ein Cellokonzert geschrieben hätte, das wäre wahrscheinlich eines der Standardstücke gewesen für uns, ganz sicher. Okay. Sie haben das ja vorhin schon erwähnt, man könnte auch Cellist im Orchester sein und so. Gibt es diese Sehnsucht bei Ihnen, sich mal so bequem am dritten Pult von hinten im Orchester so ein bisschen zurückzulehnen oder ist die Solisten-Ego, was man ja auch ausbilden muss, ist das inzwischen zu groß dafür, um sich noch so als Tutti-Cellist zu sehen und mit diesem Gedanken arrangieren zu können? Mein Ego ist viel zu groß, um das je akzeptieren zu können. Ein Spaß beiseite. Ich habe ja zum Glück die Erfahrung machen können. Ich habe sieben Jahre gespielt im Orchester, im West-Eastern Divan Orchestra. Aber es war nicht am dritten Pult, tatsächlich Satz vorne. Aber das soll jetzt nicht unbedingt so entscheidend sein. Ich habe auch teilweise hinten gespielt. Tatsächlich, es gab einen Turnier, wo ich am zweiten gespielt habe, am dritten Pult und einmal sogar ein Konzert ganz hinten am letzten Pult. Das heißt, habe ich alles schon erlebt. Es ist tatsächlich lustigerweise, also es ist eine sehr, sehr andere Erfahrung, ganz vorne zu sitzen und ganz hinten zu sitzen. Und ich muss sagen, es ist fast interessanter ganz hinten, weil man den Klang viel intensiver mitbekommt. Man ist viel mehr im Gesamtklang eingebettet. Vorne ist so ein bisschen, man hört nicht alles ganz vorne. Und wenn man im letzten Puls sitzt, ist es ein sehr, sehr, sehr so eingebettetes Gefühl. Also ich muss sagen, das ist beides toll. Was ich mir heute vorstellen könnte, ob ich mir heute noch vorstellen könnte am dritten Prozessin. Also im Moment macht mich das nicht so an. Also ich würde doch lieber jetzt im Moment noch meine Solo-Karriere verfolgen. Aber wer weiß, vielleicht eines Tages, vielleicht eines Tages kitzelt es mich dann doch. Und ich setze mich irgendwo in ein Orchester. Also ist nichts ausgeschlossen. Okay. Sie sind ja jetzt in dieser Saison Schwerpunktkünstler bei der Elbphilharmonie. Es gibt fünf Konzerte. Das erste ist jetzt mit dem Mala Chamber und mit dem Haydn C-Dur. Dann kommen die Rokoko-Variationen mit dem WDR. Dann gibt es Lutoslawski mit dem Iceland Orchestra. Dann gibt es Kammermusik mit Ihrem Vater und einem Ensemble. Auch persisches, interessantes Ding zum Abschluss. Wie viel Mitsprache recht haben Sie eigentlich bei der Auswahl oder bei dieser Bündelung dieses Schwerpunktpakets? Ist das jetzt einfach nur der pure Zufall, dass Sie mit all diesen Orchestern unterwegs sind und dann sagt man sich, na gut, dann machen wir einen Schwerpunkt draus? Oder war das so, dass Sie konkret darauf hingeplant haben, um zu sagen, also ich fange mit Heiden an und also Rokoko-Variationen gehen immer, das mache ich dann auch noch. Wie ist es gelaufen, diesen Schwerpunkt für die Elbphilharmonie zu bilden? Es ist ein bisschen eine Mischung, eine Mischung aus Zufall und Planung. Also man schaut, es sind ja, also außer bei dem Mother Chamber Orchestra ist es ein Einzelkonzert. Aber die anderen Sachen, also dieses WDR und Iceland sind Tourneen. Das heißt, wir spielen auch in anderen Städten, in anderen Ländern. Und wegen dem Schwerpunkt, ich glaube, es war so ein bisschen, weil ich Schwerpunkt Künstler in Hamburg war, haben wir dann gesagt, okay, wir haben dieses Programm, wir gehen auf Tournee und wir würden sehr gerne auch nach Hamburg kommen. Und so hat man dann mich quasi eingeladen, mit diesem Tourneeprogramm auch nach Hamburg zu kommen, aus dem Grund, dass ich ein Schwerpunktkünstler war. Aber es ist nicht so, dass wir, weil ich Schwerpunktkünstler war, die ganze Tournee darum herum geplant haben. Nein, die Tournee war zuerst und dann schaut man halt, wo kann man das überall hinbringen. Man wird ja nicht überall eingeladen. Aber wenn man Schwerpunktkünstler ist, dann öffnen sich die Türen natürlich und sagen, ja, komm doch bitte mit dem Programm auch. Ich glaube, sie schauen so ein bisschen in meine Saison und schauen, welche Programme sind interessant auch für die Elbphilharmonie, welche Stücke hatten wir noch nicht in der Saison und so weiter. Und ich glaube, es kam auch viel von der Elbphilharmonie, diese Wünsche einfach. Ah, okay, du bist auf der Tournee mit WDR und spielst Rokoko, das hätten wir gerne. Wir würden dich gerne mit dem Konzert bei uns haben und dann sage ich natürlich, sehr, sehr gerne. Und das Gleiche mit Iceland. Das. Marla's Jimbrough Orchestra, das ist ein Einzelkonzert, diesen auf Tournee mit einem anderen zu listen und ich habe dann gesagt, wir haben dann gesagt, wir würden gerne in Hamburg mit euch spielen und die haben das irgendwie eingeplant. Und das letzte Konzert, das war komplett meine Idee, das wurde aus dem Nichts aufgebaut, dieses persische Konzert mit meinem Vater. Das ist ein Ensemble, das spielen wir jedes Jahr irgendwo, ein, zwei Konzerte. Und meistens ist es so, wenn ich Artist in Residence bin oder Fokuskünstler, dass sich der Konzertsaal auch wünscht, dass ich eine andere Seite von mir zeige, nicht nur eben die klassischen Stücke spiele, die ich immer spiele. Und da habe ich mehrere Optionen, die ich dann meistens rausschmeiße. Ich habe mein Filmmusikprogramm, das ich mache so mit acht Cellisten und Verstärkung und Live-Elektronik. Das ist ein Programm, das ich gerne mache. Und eins der anderen ist eben dieses perlische Programm, das ganz anders ist, total nicht klassisch, so World-Music, Volksmusik und so Fusion-Music. Und ich mache da immer die Vorschläge. Und vor allem für die Elbphänomene anscheinend war dieses perlische Programm so interessant. Und sie haben sich dann gewünscht, dass ich dieses Programm nach Hamburg bringe. Und für mich auch natürlich eine große Freude, das machen zu dürfen, mit meinem Vater gemeinsam. Also für mich hätte sich das nie ergeben, Es wäre auch gar nicht möglich gewesen und so, mit meinem Vater zusammen auf einer Konzertbühne zu stehen. Das hätte böse geendet, wahrscheinlich. Aber wie ist es für Sie? Ich stelle es mir schwierig vor. Nein, also mein Vater und ich beide sind absolute Stoiker und das habe ich natürlich von ihm geehrt und das macht alles viel einfacher. Also ein stoisches Leben ist ein sehr ruhiges und einfaches Leben. Das heißt, sie sind da ganz ruhig, also keine Konflikte, keine Probleme. Natürlich nervt er mich manchmal, aber ich atme einfach schief durch und lasse es gehen. Und wir treten uns da überhaupt nicht auf die Beine und hatten bisher noch nie Probleme. Also wahrscheinlich wäre es schwieriger, wenn wir beide total emotional wären. Und das wäre natürlich schwierig, aber zum Glück sind wir beide sehr stoisch und dadurch hatten wir noch nie einen Konflikt. Da Sie das vorhin mit den drei Tagen erwähnt haben, ahne ich die Antwort, aber nichtsdestotrotz, wie faul sind Sie eigentlich beim Üben? Müssen Sie sich dahin prügeln oder eher wegprügeln nach zehn Stunden und sich sagen, eigentlich sollte ich vielleicht jetzt mal schlafen oder was essen? Wie halten Sie das? Nein, also wegprügeln musste ich mich noch nie. Es gab eine Phase in meinem Studium in Basel, wo ich wirklich bis nach Mitternacht geübt habe und noch weiter hätte üben können, aber dann einfach zu müde war und konnte nicht mehr. Also da hatte ich wirklich eine Phase, wo ich 6, 7, manchmal 8 Stunden am Tag geübt habe. Das war die intensivste Phase meines Lebens. Von 19 bis 22, 23, so in die Richtung. Mittlerweile ist es sehr optimiert. Mittlerweile ist mein Mantra, work smarter, not harder. Also ich kann mehr erreichen mit weniger Zeit mittlerweile. Ich versuche sehr, sehr fokussiert und optimiert zu arbeiten. Keine Sekunde ist verschwendet und keine Sekunde extra. Wenn ich das Gefühl habe, ich habe das erreicht, was ich heute erreichen will, weg mit dem Cello. Ich sitze da nicht noch da, okay, was kann ich jetzt noch machen? Nein, dann weg und dann mache ich hier was anderes. Dann sitze ich mich ans Computer und komponiere Filmmusik. Und das ist dann wieder was, wo ich dann die Zeit vergesse und dann ist es schon Mitternacht. Also es ist selten so, dass ich beim Üben die Zeit vergesse. Die Zeiten sind leider lange vorbei, weil ich mittlerweile, wenn ich übe, genau weiß, was ich will. Und das ist so ein sehr fokussierter Prozess und sehr optimiert. Und es passiert selten, dass ich die Zeit da vergesse. Wie würden Sie mir Ihren Cello-Klang beschreiben, wenn Sie das müssten? Also jetzt könnten Sie ja. Oder überhaupt den Klang eines Cellos. Den Klang eines Cellos allgemein würde ich natürlich, wie alle sagen, wie eine menschliche Stimme beschreiben. Es ist sehr fair, sowas zu sagen. Nicht nur wegen dem Timbre, aber lustigerweise auch wegen den Stimmlagen. Das Cello ist das einzige Instrument, das wirklich von der tiefsten Seite, der tiefste Ton, das könnte ein tiefer Bass sein, bis zur allerhöchsten Lage, das könnte ein Koloratursopran sein, das alle Stimmlagen der menschlichen Stimme von weiblich bis männlich abdeckt. Und nicht drüber hinaus geht. Natürlich, das Klavier hat das natürlich auch, aber das Klavier kann noch tiefer gehen, kann in eine Richtung gehen, wo eine menschliche Stimme nie singen könnte. Aber das Cello endet genau da, wo die menschliche Stimme auch endet. Und das ist sehr, sehr spannend. Deswegen ist eine menschliche Stimme sehr, sehr passend. Und mein Klang selber zu beschreiben ist schwierig. Ich versuche lieber zu sammeln, was Leute mir über die Jahre gesagt haben. Also einer hat gesagt, ich war vielleicht ein Kritiker oder so, hat gesagt, das klingt ein bisschen wie Karamell. Und dann eine Freundin von mir hat, nach einem Konzert kam sie zu mir und war ganz euphorisch und sie hat dann angefangen zu beschreiben, wie jemand, der Butter. Auf dem Herd kocht, aber man muss immer aufpassen, dass es eben, wenn man zu, viel die Flamme aufdreht beim Butter, dann verbrennt das ja, dann riecht das nicht gut und man muss aufpassen bei der Butter, dass es genau die richtige Temperatur ist und du rührst dann immer also wie ein schmelzender Butter und das ist so ein bisschen auch, natürlich denke ich nicht an Butta, aber es ist schon, was du sagst, stimmt schon was, dass man immer an die Grenzen muss. Man muss ein bisschen an die Grenzen, aber wenn man es zu weit geht, dann kommt eben dieser üble Geruch des Buttas. Und das will man nicht. Also man muss immer so ein bisschen, ständig ist ein lebender Organismus. Die rechte Hand ist wie der Atem. Und da sucht man die Farben in der rechten Hand mit dem Bogen. Und man muss da ständig an die Grenzen schauen und wie weit kann ich gehen und wie weit nicht. Und reagieren. Ständig reagieren. Es ist auch nicht so, dass man im Übelzimmer das entdeckt und dann auf der Bühne nur abliefert, sondern man muss das auf der Bühne weitermachen. Dieses Suchen, Hört nicht auf auf der Bühne, das beginnt dann eigentlich erst, weil im Konzertsaal klingt ja wieder alles anders. Das heißt, ständiges Suchen nach einer Farbe und wie ein Kochen auf einem Herd, so in die Richtung. Okay, ich habe mal einen Liedtext mitgebracht. Ich weiß nicht, ob Sie den kennen als Österreicher hier in Hamburg, kennt den womöglich jeder. Du spieltest Cello in jedem Saal in unserer Gegend. Ich saß immer in der ersten Reihe und ich fand dich so erregend. Irgendeine Ahnung, von wem das sein könnte? Das Udo Jürgens? Fast Udo Lindenberg. Ja, sorry, sorry, sorry, genau. Irgendein Udo. Ich verwechsel die zwei immer. Aber ja, ich habe schon mal davon gehört. Manchmal werde ich der, wenn ich in Norddeutschland bin, ist schon oft passiert, dass ich rumlaufe und dann ruft mir jemand nach. Du spielst Cello. Ich habe den Song noch nie gehört, aber anscheinend klingt das so in die Richtung. Ja, doch, doch. Ja, genau. Ich habe mich nur gefragt, ob Sie den kennen, aber scheinbar nur bedingt. Und die andere Frage, die dann damit verbunden ist, gibt es sowas wie Groupies bei Ihnen? Also, die meisten meiner Groupies sind im Alter von 60 und 70 Jahren alt. Und ich liebe das sehr und es ist immer sehr, sehr süß, mit so älteren Damen danach zu sprechen. Also man muss sich das nicht so vorstellen wie ein Rockkonzert. Natürlich gibt es auch junge Leute im Publikum und natürlich gibt es auch viele Studenten im Publikum. Aber Groupies wie ein Rockkonzert, wo sie dann aufgereiht sind, Backstage und so, nein, das gibt es in der Klassik nicht. Ah, falschen Beruf gewählt. Leider. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Cello spielen? Ist das dann so ein Gefühl von unbesiegbar, unwiderstehlich, unsterblich? Es gibt doch sicher auch Abende, deswegen frage ich das, wo Sie sich denken, also die Engel höre ich heute nicht mehr singen, das ist jetzt nur was, um die Miete reinzukriegen. Wie gehen Sie mit diesen Abenden um? Und wie ist dieses Gefühl, wenn andererseits, wenn Sie merken, heute bin ich aber sowas von gut, Ja, leider gibt es Höhen und Tiefen. Das stimmt tatsächlich. Es gibt Abende. Und interessanterweise hat das selten was damit zu tun, wie gut ich vorbereitet bin. Leider. Wenn es so einfach wäre, dann gäbe es ja wenig Probleme. Dann müsste ich mich einfach nur besser vorbereiten. Aber manchmal bin ich auf Tournee und spiele ein Stück drei, vier Mal. Und das erste Konzept läuft super und ich fühle mich toll. Und am nächsten Tag spiele ich das gleiche Stück mit dem gleichen Orchester, im gleichen Saal. Und ich fühle mich schlecht auf der Bühne. Es ist ganz, ganz komisch. Es ist nicht so, dass ich das Stück weniger gut kann. Ich habe es ja im Vorabend gerade gespielt und fühle mich gut. Es ist einfach nur eine Kopfsache. Das meiste passiert im Kopf. Es ist eine mentale Sache. Ablenkung und Fokus. Und dann fühlt man sich nicht so gut. Aber dann habe ich natürlich über die Jahre gelernt. Ich glaube, das ist natürlich das Zeichen eines Profis für mich. Und da versuche ich auch immer, mich selber gut einzureden auf der Bühne. Jetzt musst du zeigen, dass du ein Profi bist. Und Profi sein oder erfahren sein heißt ja nicht, dass man fehlerfrei spielt oder dass man perfekt spielt, sondern dass man lernt, mehr und mehr mit schlechten Situationen umzugehen. Dass man lernt, auch wenn man eine Ferie gemacht hat oder wenn man sich nicht gut fühlt, dass man dennoch schafft, sich zusammenzureißen, weil jeder hat schlechte Momente. Es geht eher darum, wie man mit denen umgehen lernt. Und ich habe da so verschiedene Techniken, die ich mir auf der Bühne dann einrede, um mich wieder in den Moment reinzuziehen und einfach loszulassen, diese negativen Gedanken und so weiter. Und das funktioniert, da sind es ein bisschen anstrengender, diese Konzerne sind ein bisschen anstrengender, aber dennoch rede ich mir immer oft ein, dass, Im Publikum niemand was davon weiß und es ist meine Verantwortung, jetzt immer noch mein Bestes zu geben, weil im Publikum sitzen die Leute da und denken sich wahrscheinlich, boah, der hat aber sehr viel Spaß dafür, ne? Die denken sich wahrscheinlich, der ist voll im Moment, ich habe ja keine Ahnung, was in meinem Kopf gerade so abgeht. Das ist das eine. Und dann natürlich gibt es die Höhen, wo man spielt und das gibt es auch, einige Konzerte und manche erinnere ich mich ganz, ganz klar, wo ich mir denke, boah, es gibt nichts Besseres als das auf der Welt. Und ich habe mich noch nie so gut und so frei und so selbstbewusst auf der Bühne gefühlt. Und hier kommt das Allertraurigste. Dass die wenigsten Leute den Unterschied merken auch. Ich habe auch schon Freunde und Bekannte im Publikum gehabt, die bei beiden Konzerten waren. Im ersten fühle ich mich mies, im zweiten fühle ich mich wie ein Gott. Und ich frage die, was war das beste Konzert? Die sagen, das erste war besser. Und das war sehr, sehr wichtig. Das wäre wichtig, zu lernen und zu wissen, dass es im eigenen Kopf immer um tausendmal extremer alles ist, als es in der Realität ist. Wenn man denkt so, oh, ich spiele gerade so schlecht, und dabei klingt man ganz in Ordnung. Und dann denkt man am nächsten Tag, oh, ich spiele so verdammt gut, dabei klingt man einfach nur ganz in Ordnung. Also beides Mal klingt man einfach nur in Ordnung. Also am besten nicht zu viel Wichtigkeit auf das, wie fühle ich mich in dem Moment, nicht zu viel Wichtigkeit auf das legen, sondern einfach nur den Moment genießen. Und es ist weder so gut, wie man denkt, noch so schlecht, wie man denkt. Es ist einfach ein Moment, den die Leute genießen und man soll versuchen, das selber auch zu genießen, so wie es geht. Das Gemeine und Tragische dabei ist ja aber doch nach so einem Konzert, das ideal verlaufen ist, dass danach das Loch, in das man dann fällt, umso größer ist, weil sie ahnen oder wissen dann ja womöglich, also so gut wird es nicht jeden Abend, jetzt habe ich den Salat und muss gegen mich selbst anspielen und diesen Berg wieder rauf. Das kann schon passieren, aber es ist nicht so, dass es dieses so gut wird nicht jeden Abend ist eigentlich nicht die Einstellung für mich, sondern es geht ja, mein Kriterium ist ja gar nicht mehr so gut oder schlecht, sondern es geht mehr darum, wie frei ich mich auf der Bühne fühle, wie sehr ich den Moment genießen kann und wie sehr im Moment ich bin. Und das ist schon erreichbar eigentlich jeden Abend. Das kann man schon machen. Also ich würde nicht zu schnell aufgeben für mich selber und sagen, okay, das schaffe ich nur einmal im Monat. Also meine Ambition ist das schon, jedes Konzert schaffen zu können. Ich muss zumindest daran glauben, ob es dann wirklich funktioniert. Das kann ich nicht immer beeinflussen. Aber ich glaube zumindest daran, dass es möglich ist. Und das ist der einzige Gedanke, der mich am Leben hält. Sonst könnte ich gleich aufgeben. Halten Sie sich inzwischen für erfolgreich oder ist die Selbstkritik immer noch stärker? Nein, also nach objektiven Kriterien würde ich schon sagen, definitiv ich bin erfolgreich. Was heißt erfolgreich? Ich kann davon leben, das ist schon mal ein großer Erfolg. Ich spiele mit tollen Orchestern und ich habe einen Kalender, der sehr voll ist. Also die drei Sachen, die man sich so wünscht, habe ich. Deswegen, ja, ich bin in dem, was ich machen wollte und machen will, erfolgreich. Aber das ist ja nicht unbedingt das, wonach ich suche. Also es ist eher so zupellig passiert. Und wie gesagt, ich habe andere Träume. Ich will jetzt mehr, ich will auch jetzt einfach mehr kreativ sein. Ich will, ich will mehr Musik schaffen. Ich will auch neue Stücke mit Komponisten erarbeiten und so weiter. Aber wenn man jetzt sagt, ich will einfach nur Cellist und einfach nur Cellist sein, dann habe ich ein Glück in meinem Leben, dass ich es zum Erfolg geschafft habe, ja. Ich komme jetzt mal zu so einem Packen einfacher, vielleicht nicht einfacher, aber kurz beantwortbarer Fragen. Die erste wäre eigentlich, wofür geben Sie unvernünftig viel Geld aus? Manchmal für gewisse Kleidungsstücke, ja, ist unvernünftig. Und manche elektronische Sachen, also wie so eine Heimkinoanlage und ein gutes Soundsystem oder Sachen fürs Studio, also elektronische Sachen. Aber ich persönlich würde es ja nicht als unvernünftig bezeichnen. Also das ist eine gute Frage. Ah, ich sage Ihnen, wofür ich unvernünftig viel Geld ausgegeben. Jetzt kommst du. Für Flüge. Weil ich finde, Flüge sind unvernünftig teuer geworden. Unverschämt teuer. Deswegen gebe ich unverschämt und unvernünftig. Sie wären schockiert, wenn ich ihnen sage, wie viel Geld ich für Flüge monatlich ausgebe. Weil ich ja nicht nur für mich kaufen muss, sondern auch für mein Cello. Ich zahle doppelt. Und es würde die Leute schockieren, wie viel Geld, wie unverschämtlich Geld da aus dem Fenster fliegt. Hm, falsches Instrument gewählt. Wieder mal, ja. Was ist ihm völlig egal? Oh, das ist eine gute Frage. Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Das ist mir völlig egal. Also, ja, gewisse Sporthatten sind mir völlig egal. Basketball ist mir völlig egal. Du hast Sport. Für Fußball ist mir nur unter dem Jahr völlig egal, aber wenn dann eine EM oder WM kommen, ist mir dann plötzlich nicht mehr egal. Wie die meisten Leute. Dann plötzlich ist man Fußball für einen Monat. Das ist in Österreich, glaube ich, schwierig, ne? Soweit ich weiß. Aber dennoch ist es immer so eine Solidarisierung. Also für ein, für ein, zwei Wochen sind plötzlich alle Fußballfans in Österreich und hoffen tatsächlich, dass wir es irgendwie schaffen. Und jedes Mal ist es gleich, ich glaube dieses Jahr, ich glaube dieses Jahr, irgendwie kommt dann dieser Traum trotzdem mal. Aber sonst gibt es viele Sportarten, die mir völlig egal sind. Was anderes fällt mir nicht ein. Sonst ist mir wenig. Völlig egal. Haben Sie irgendwas? Formel 1. Ah, das ist mir nicht völlig egal, lustigerweise. 4.1 verfolge ich tatsächlich. Oha, na gut, also viel Spaß damit. Fünf Fragen, fünf Antworten. Kurz und knapp und gar nicht einfach. Mal noch ein paar Fragen, wo Sie, ich habe fünf Fragen, da können Sie immer zwischen dem einen oder dem anderen auswählen. Piano oder Pforte? Pforte. Das Lieblingsinstrument und das eigene, also bei Ihnen das Cello, gilt nicht. Dann wahrscheinlich Piano, aber es ist auch mein eigenes. Dann vielleicht die Oud. Oud ist ein Instrument aus dem Nahen Osten. Gitarren ähnlich. Wissen Sie noch, was Sie mit Ihrer ersten professionellen Gage gemacht haben? Das ging an meinen Vater. Ich habe das nie gesehen. Bis heute nicht gesehen. Bier oder Champagner? Was ist bei Ihnen das Cellisten-typischste? Sie haben ja keinen Knutschleck am Hals wie die Geiger, aber gibt es was, woran man Sie als Cellospieler erkennen kann? Ja, genau, das sogenannte Cellodaumen. Man hat hier am Daumen so einen Himmelswind. Genau, das kommt von der sogenannten Daumenlage. Da muss man nämlich die Seiten, auf der Seite des Daumens, muss man die Seiten reindrücken. Und das ist immer wie so eine Puberthet, das ist eine Cellopubertet, durch die jeder gehen muss, wo der Körper sich verändert dadurch und unheimlich schmerzhaft ist. Puberthet an sich ist ja nicht so schmerzhaft, aber das ist die Cellopubertet, die schmerzhaft ist. Man muss monatelang diesen Schmerz ertragen, dass die Seite sich in den Daumen reinschneidet und dann auch manchmal blutet, bis sich das Ganze vernarbt. Und irgendwann vernarbt sich das und dann spürt man nichts mehr. Und dann kann man spielen. Das ist eine krasse Zellokubertette, die alle durchgehen. Und also, wenn es nicht mehr wehtut, ist man Profi? Ja, dann ist man die Zellokubertette zu Ende. Und dann ist es Profi, genau. Welche Superkraft hätten Sie gern? Zeitreisen. Und welchen Rat würden Sie Ihrem, der ist ja noch nicht so lange her, Ihrem 20-Jährigen selbst geben? Dem Kian mit 20? Kau, Bitcoin. Ja, es ist nicht zu spät dafür, aber... Viel davon. Hm, okay. Und zum Abschied würde ich eigentlich gerne nochmal wissen von Ihnen, was ist das Schönste am Cello-Spielen und was ist das Schlimmste am Cello-Spielen? Also das Reisen ist absolut mit Abstand das Schlimmste. Finanziell gesehen ist es unverschämt. Und das Schönste ist einfach, ist alles der Klang, die Abwechslungsreichheit des Instruments, das fast unerreicht ist von anderen Instrumenten. Ich glaube, es gibt wenig Instrumente, die so abwechslungsreich sind und so versatil, ist das ein deutsches Wort, wie das Cello. Und das ist wahrscheinlich das Schönste. Man kann alles damit machen, also Klassik sowieso, aber man kann auch Pop, man kann auch Rock, man kann auch Jazz. Und Volksmusik, man kann alles damit machen. Man kann es wie eine Gitarre zupfen, also das Cello kann alles. Da fällt mir doch noch was ein. Ich bin im Ruhestand Bläser, also Klarinettist, ich habe keine Ahnung, aber ist das so, dass man diesen Klang wirklich körperlich spürt, weil sie ja das Instrument am Körper haben und diese Vibrationen sich auf, innen und über den Körper so verteilen? Oder ist das gar nicht so, wie ich mir das denke? Doch, teilweise schon. Also die Tiefenfrequenzen vor allem. Je tiefer die Frequenzen, desto mehr spürt man das. Und interessanterweise ist ja der Kontaktpunkt des Cellos ziemlich genau am Herz und leicht darunter, aber sehr, sehr nah am Herz der Kontaktpunkt. Also man spürt das in der Brust, die Vibrationen. Vor allem, wenn man die tiefen Seiten spielt, die unterste Seite, die zweitunterste. Dann vibriert das schon am Körper. Und das ist ein sehr, sehr angenehmes Gefühl tatsächlich. Ja gut, also dann, das ist mir entgangen. Aber nichtsdestotrotz, fein. Wir haben alles durch. Ich habe sehr viel gelernt. Ich wollte nochmal daran erinnern jetzt. Also ihr Konzert ist am 17. September mit dem Mahler Chamber und dann gibt es im Januar den Tchaikovsky, dann kommt Rokoko und dann geht das bis in den Mai mit ihrem Vater am Abschluss dann in der Elbphilharmonie. Also ich bin sehr gespannt auf den ersten Termin und vielen Dank für das ganze Gespräch und ich weiß nicht, was man sagt unter Cellisten, Hals- und Beinbruch, Mast- und Schobbruch, keine Ahnung, irgendeinen Spruch wird es geben, aber passen Sie auf sich auf und mit den Bitcoins, vielleicht finden Sie noch welche. Ja, ich suche mal. Dankeschön. Alles klar, vielen Dank. Ein Podcast von Funke. 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