Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 010 Tarot in der Literatur - Folge 4: "Das Parfum" | mit Tino Wiesinger
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- Petra: Hallo zusammen, heute stellen euch Tino und ich Patrick Süskins Roman Das Parfum vor. Einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts. Man kann glaube ich durchaus sagen, dass es eines der kühlsten und unbarmherzigsten Bücher über Macht und Isolation ist. Ein Text, der wirklich jede Form von Mitgefühl konsequent verweigert. Patrick Süskind wurde 1949 in Ambach am Atchdanberger See geboren. Er wuchs in einem sehr literarisch geprägten Umfeld auf. Sein Vater war Schriftsteller und Journalist. Bereits 1981 wurde Süßkind mit dem Theatermonolog Der Kontrabass bekannt, einem bitterironischen Stück über Isolation und Selbstentfremdung. Das Parfum erschien 1985 als sein erster Roman und machte ihn schlagartig international berühmt. Das Buch wurde in 48 Sprachen übersetzt und 1987 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. Süskind selbst lag sehr wenig an Auszeichnungen oder auch an Öffentlichkeit. Bezeichnenderweise lehnte er somit auch mehrere bedeutende Literaturpreise ab, darunter den Toucan-Preis der Stadt München, den französischen Preis für das beste Debüt sowie den FAZ-Literaturpreis. Diese Entscheidungen waren für ihn keine Provokation, sondern einfach Konsequenz. Süskind wollte, dass der Text spricht und nicht seine Person. Und genau diese Haltung spiegelt sich auch in das Parfum. Der Roman verweigert Nähe, er verweigert psychologische Erklärung und vor allem moralische Einordnung. Jean-Baptiste Grenry ist keine Figur der Entwicklung, sondern der Konsequenz. Er beobachtet, sammelt, kontrolliert und bleibt innerlich leer. Süßkind erzählt diese Geschichte mit klinischer Präzision, was den Text besonders verstörend macht. Heute lebt Süßkind zurückgezogen, hauptsächlich am Starnberger See und im südfranzösischen Montoglio. Er ist mit der Verlegerin Tanja Graf verheiratet und hat einen Sohn. Viel mehr weiß man über ihn nicht, denn Interviews gibt er seit Jahrzehnten nicht mehr. Übrigens, als wirklich starker Gegensatz Neben seinen literarischen Texten arbeitete er mit Regisseur Helmut Littl an mehreren Drehbüchern, darunter so ikonischen Serien wie Monaco Franze und Cléroyal sowie dem Film Rossini. Im Letzteren zeichnete er mit dem neurotischen Bestsellerautor Jakob Windisch ein ikonisch verfremdetes Personenportrait seiner selbst. Und hier blieb er sich dann wieder treu der Premiere. blieb er fern. Nach diesem kleinen Überblick zurück zum Roman Das Parfum, dieser wirklich radikalen Erzählung über Wahrnehmung, Macht und die Abwesenheit von Empathie. Und damit starten wir mit unserem Tarot basierten Literaturspecial, in dem wir Granulil nicht psychologisch erklären, sondern archätypisch lesen. Lieber Tino, leg los! Tino Wiesinger: Ja, liebe Petra, also ich finde, wir haben dem Parfum jetzt eigentlich einen Roman, der völlig anders ist als die anderen. haben sonst auch wirklich immer, du hast es gesagt, sonst haben wir Entwicklungen uns anschauen können von Personen. Das funktioniert hier nicht so richtig. Ich bin auch immer vorsichtig zu sagen, ein Roman oder ein anderes literarisches Werk oder auch künstlerisches Werk ist ein Meisterwerk. Diesen Begriff Meisterwerk würde ich hier aber beim Parfum definitiv benutzen wollen, weil es wirklich ungewöhnlich ist. Es ist ein absolut ungewöhnlicher Roman. Denn es geht ⁓ das olfaktorische, ⁓ den Geruchssinn. Und welcher Roman beschäftigt sich schon mit dem Geruchssinn? Klar, wenn wir an irgendwelche Sinne denken, dann denken wir an das Sehen, an das Hören, an das Fühlen. Aber irgendwie an das Riechen, an den Geruch denken wir kaum. Und deswegen ist es für mich so, als ich diesen Roman zum ersten Mal gelesen habe, so völlig ungewöhnlich gewesen. Und allein wie der schon anfängt. Es fängt damit an, es wird Paris beschrieben und Paris als die stinkendste Stadt überhaupt, weckig und stinkend. Es ist nicht unbedingt sehr positiv für Paris dargestellt, aber es ist glaube ich auch die Realität im 18. Jahrhundert. Wenn man da teilweise durch die Städte gelaufen ist, dann hat es gestochen, auch nach Exkrementen und so weiter. Und das Bezeichnende ist Grenouille, der Protagonist wird in oder an einem Fischstand geboren, was ja auch nicht unbedingt der beste schönste Geruch ist, sondern sehr intensiv. er wird da geboren und wird einfach in die Fischreste geworfen letztendlich. Das heißt, schon wirklich direkt zu Beginn erkennt man, dass da überhaupt kein Gefühl, keine Liebe ist. Er wird wie Müll, Ja, seine Mutter wird dann dafür hingerichtet und er wächst ohne ... Mutterfigur, ohne wirkliche Mutterfigur auf, ohne Liebe. Und was das mit Menschen macht, ich glaube, das sieht man in sehr pervertierter Form in Grenoilles. Denn man kann es zusammenfassen auch unter Wahnsinn. Die Figuren, irgendwie in literarischen Werken wahnsinnig werden, die sind ja oft schon in der Kindheit geprägt. Und das ist bei Grenouille tatsächlich auch so. Und er wird aber kalt. Er entwickelt eine absolute Kälte. Er wird nicht irgendwie depressiv oder absolut... Er wird absolut kalt und berechnend. Petra: Es ist der Kampf uns Überleben in der Rheinkultur und mehr ist an Tiefe nicht. Tino Wiesinger: Ja, und ich finde, wenn man sich da anschaut, in welchen Verhältnissen wächst er da eigentlich auf und in welchen Verhältnissen ist er geboren, da sind wir eigentlich schon direkt beim ersten Archetyp und zwar beim Archetyp des Teufels. Dieser Teufel, der ⁓ Einerseits natürlich... Also es ist ein anderer Teufel als den, den wir sonst haben. Sonst haben wir da den Aspekt der Verführung zum Beispiel auch mit drin. Den haben wir jetzt hier in meinen Augen gar nicht, aber wir haben hier diesen Aspekt der Macht. Und zwar braucht Grenouille Macht, ⁓ überhaupt gesehen zu werden. Er muss irgendwie sich in dieser Gesellschaft durchsetzen, weil er sonst nicht gesehen... im wörtlichen Sinne nicht gerochen wird. Ich wir kennen das, wir können einen Menschen nicht riechen, dann meinen wir damit, dass wir ihn nicht mögen. Aber hier ist es wirklich wortwörtlich gemeint. Er hat keinen Geruch und damit auch keine Identität. ihn gibt es eigentlich gar nicht wirklich. wird direkt zu Beginn irgendwie in diese Fischabfälle geworfen, dann kommt er in ein Waisenhaus, bzw. Waisenhaus kann man nicht sagen, da wächst bei dieser Madame Gaia auf, wird von ihr großgezogen, aber da gibt es schon direkt Mordanschläge von den anderen Kindern. Er überlebt das aber alles. Aber er überlebt das nicht wirklich als Mensch. Er überlebt das als ja Aber kein wirklich nettes Tier wird auch im Roman häufiger als ZEG. der Zeck bezeichnet, wie eine Zecke, der blutsaugend irgendwie ist, andere aussaugt, aber selber irgendwie überhaupt gar nichts letztendlich Positives hervorbringt sozusagen oder positiv gesehen wird. Und das ist eine krasse Geschichte und deswegen muss er sich anderweitig durchsetzen und er ist eigentlich ein sehr positiver Teufel zunächst erstmal, weil man denkt, ja gut, dass du es bis hierhin überhaupt geschafft hast. Und du brauchst diese Teufelsenergie, ⁓ dich überhaupt in dieser Gesellschaft zu behaupten. Und er wird dann, also wir gehen jetzt mal nicht nach dem Inhalt vor, sondern wirklich nach den Figuren, also jetzt nicht erstmal chronologisch, sondern tatsächlich, wie die Person dann, was mit den Personen passiert. Er wird dann zum König der Schwärter. Dieser König der Schwerter ist jemand, der hier in dem Fall eigentlich eine negative Schattenenergie hat, denn er wird sehr berechnend und sehr klar in seinem Handeln. Er hat ein großes Ziel, weil er selber nicht riecht, nach nichts riecht, hat er das Ziel, das beste Parfum der Welt überhaupt zu erschaffen. Und er will, ja, was will er überhaupt mit diesem Parfum? Viele würden jetzt sagen, er will Liebe erfahren. Das ist sehr positiv gesehen. Ich würde sagen, er will überhaupt erstmal eine Identität. Er möchte überhaupt erstmal gesehen oder wahrgenommen werden, so richtig, als Mensch wahrgenommen werden. Und es geht ⁓ Macht. es ist eine pervertierte Form der Wahrnehmung. Er möchte einfach Macht haben über andere. Denn wirklich Liebe erfährt er überhaupt nicht. Liebe ist absolut für ihn etwas Fremdes. Petra: Letztendlich geht er ja auch für dieses Bestreben nach Macht und Manipulation im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Also alles, was menschlich ist, gar nicht an ihn. Also er ist wirklich so besessen davon, das zu machen. Das ist dann der Teufel, der eigentlich immer wieder durchschlägt. Tino Wiesinger: Mmh, ja. Ja, ist wirklich, du hast Recht, mit einer Besessenheit verbunden, die man teilweise gar nicht wirklich erklären kann. In der Literaturwissenschaft wird es eben mit dieser fehlenden Mutter erklärt, aber ich glaube, da steckt auch noch viel mehr dahinter, was gar nicht für uns sichtbar ist, weil er einfach erstmal unmenschlich ist. Das ist eine unmenschliche Teufelsenergie, er da hat und die er zum Vorschein, indem er eben der König der Schwerter ist. Er sehr kalt, agiert. Und ja, auch in Verbindung mit den sieben Schwertern. Denn er macht das auf eine heimliche Art und Weise. Er eignet sich Wissen an über das Herstellen von Parfums. Und er ist ja dann bei diesem Baldini und lernt von Baldini. Aber er macht es nicht auf so eine gemeinschaftliche Art, sondern er versucht es sich beizubringen oder er versucht durch Baldini Dinge zu lernen, denen er dann am Ende Macht ausüben kann. Petra: Und er ist ja auch überzeugt, ist fast zu viel, aber er denkt noch nicht mal drüber nach, die Konsequenzen seines Handelns, sondern stiehlt sich im wahrsten Sinne des Wortes ja dort auch wieder raus und sagt, okay, jetzt habe ich genug gemacht, jetzt mache ich weiter und ich schaffe das. Tino Wiesinger: Ja, klar, es hat was mit Stehlen zu tun. Er bringt ja dann sogar eine Katze ⁓ also die Katze von Baldini, indem er da die dann versucht, ich weiß gar nicht, zu destillieren und daraus irgendwie auch einen Duft herzustellen. Er ist da in der Hinsicht besessen. Er riecht, er selber hat einen unheimlich guten Geruchssinn. Er riecht alles. Er kann an Metallen riechen und riecht da irgendwas. Und er ist der Ansicht, man kann doch alle Düfte destillieren. Und ja, da geht er wirklich über Leichen. Und zwar hier die sieben Schwerter. Er will Dinge erreichen. Und zwar auf eine Petra: und Tino Wiesinger: sehr perfide Art und Weise und das ist eine sehr extreme Form der Siebenschwerter für mich. Irgendwann verlässt er dann auch Baldini, warum sehen wir gleich noch, aber er geht dann in eine Höhle. Und das ist eine sehr eindrückliche Szene. Denn wenn man diese Szene liest, man oft das Gefühl, er ist Gott selbst. Er ist der Schöpfer, der eine olfaktorische Welt erschaffen möchte. Der mithilfe seines guten, wirklich hervorragenden Geruchssinns etwas erschaffen möchte. Und er glaubt, so lese ich zumindest diese Szene, Ja, schon Gott selbst zu sein. Und an wen denken wir da eigentlich in erster Linie erstmal nicht an den Eremiten? Denn der Eremit ist eher demütig, der ist unterwirklich und möchte seine Aufgabe erfahren. trotzdem geht er da in dieses Eremitentum, in diese Höhle, ist da auch eine Zeit lang ⁓ noch mehr seinen Geruchssinn und seine Fähigkeiten auszuarbeiten und hat halt diese pervertierte Art zu erkennen, was seine Aufgabe im Leben ist. Der umgekehrte Eremit definitiv. Und ja, es ist schon ziemlich heftig. Es ist so eine negative Selbstsuche, die er da an dieser Höhle betreibt. Wie so ein was sich zurückzieht, ⁓ dann richtig anzugreifen. ja, Ende greift er richtig an, also auf eine ganz besondere Form, da kommen wir aber auch gleich noch drauf zu sprechen. Was macht er, ⁓ letztendlich dieses beste Parfum der Welt herzustellen? Ja, er bringt letztendlich oder Frauen ⁓ weil er nämlich glaubt, dass diese Frauen diesen reinen schönen Duft ausströmen und den möchte er festhalten können. Und es beginnt schon damit, dass er dieses Mirabellen ⁓ tötet und zwar auf eine sehr schnelle Art und Weise. Er bringt sie Petra: ...sense. Tino Wiesinger: Es riecht nach Mirabellen, es riecht nach mädchenhafter Unschuld letztendlich. Und durch dieses Mirabellen-Mädchen direkt relativ am Beginn des Romans erfährt er oder kriegt überhaupt erst mit, was Gerüche überhaupt mit einem machen können. Dass sie auch einen wirklichen psychologischen Einfluss auf jemanden haben. Menschen haben einen irgendeinen. Petra: Dass sie einnehmen für eine Person, die ihnen umhüllt, welche Gefühle sie ihnen bringen. Tino Wiesinger: Wenn man sich heute auch ein paar Fümmerwerbungen anschaut, dann geht es darum, es geht ⁓ Verführung, es geht auch ⁓ Menschen für sich einzunehmen. Es geht weniger in Werbung darum, ich rieche jetzt selbst gut, sondern es geht eher darum, ⁓ andere Menschen für sich einzunehmen. Und das erkennt Petra: Ich gebe mir den Duft, von dem ich glaube, dass er mich für jemand anderen eben auch sehr sexy, spannend, annehmbar, das was ich unterstützen möchte. Tino Wiesinger: Und das erkennt er zum ersten Mal bei diesem Mirabellenmädchen. Das Mirabellenmädchen hat keinen Namen, weil sie auch für Grenouille keine Identität hat. Das ist einfach nur ein weibliches Wesen, was ihn einnimmt, was für ihn absolut toll riecht. Da erfährt er zum ersten Mal, dass Gerüche auch Gefühle auslösen können. Das ist natürlich dann das typische Ass der Kelche. Diese Gerüche, die etwas in einem auslösen. Das erfährt er zum ersten Mal. Es ist so dieser erste Eindruck. Und was macht er? selber überhaupt keine Empathie für andere Menschen. Hat er auch selber nie erfahren. Und deswegen bringt er sie Ja, vielleicht aus Versehen, man weiß es nicht, aber klar, wir sind beim Tod, er bringt sie ⁓ und erkennt dann aber Folgendes, dass dieser Duft nicht konserviert bleibt, sondern der schwindet dann irgendwann, der verfliegt, Düfte verfliegen nun mal und er hat aber das Ziel, er will die konservieren und als er dann zu Giuseppe Baldini kommt, erfährt er ja, wie kriege ich das Sinn, Düfte zu konservieren. Und was ist denn Baldini für ihn überhaupt? Baldini ist derjenige, der ihm etwas beibringen kann, von dem er erhofft, irgendwas zu lernen. Denn er ist ein richtiger Parfümeur, wirklich Magie in seine Düfte hinein zu bringen. Und da sind wir klar bei Magier. Der Magier ist derjenige, der Düfte herstellen kann. Da steckt auch Alchemie mit drin. Denn wie kriege ich es hin, einen Duft überhaupt zu gestalten? Da gibt es die Herznote, die Kopfnote und was da sonst noch alles gibt. bin jetzt selber nicht so der Parfü-Experte, aber das lernt er da. Und Baldini erkennt relativ schnell, dass Grenuider auch eine Begabung hat, Düfte zu erkennen und auch Düfte zu kreieren. Er macht das ja auch sehr schnell, ohne dass er irgendwelche Dinge abmisst und so. Was man da eigentlich machen müsste, er schüttet da einfach irgendwas zusammen und kann dann da was brauen, was unfassbar gut Petra: Ja. und er kann es selber reproduzieren ohne, eigentlich wie du sagst, normalerweise dokumentiert man es, aber er hat diese absolute Nase und diese Gespür zu sagen, wie viel brauche ich denn von jedem. Das treibt natürlich jeden, der es wissenschaftlich betreibt, in den Wahnsinn. Tino Wiesinger: Man kann es als Talent bezeichnen, als Intuition, die er da hat. Ich würde ihr aber auch sagen, es hat was Wahnsinniges. Da steckt ja auch das Wort, in Wahnsinnig steckt das Wort Sinn drin. Er hat einen wahnsinnigen Sinn sozusagen. Woher dieser absolute Geruchsinn kommt, das wissen wir nicht. Aber er hat ihn. Und natürlich erhofft sich Baldini davon auch zu profitieren. Er hofft sich von diesem Teufel-Crenui, von dieser Kälte, die er auch ausströmt, selber zu profitieren. Und da sind wir bei den drei Münzen. Die drei Münzen, die zeigen, ⁓ guck mal, wir können doch zusammen was kreieren, wir können zusammen etwas schaffen. Aber das ist nicht das Ziel von Grenouille. Der denkt nicht an andere, ⁓ will nur von Baldini profitieren. Und er hat einen Besitzanspruch, wie eben der Teufel auch. Der Teufel sitzt ja da auf so einem kleinen Sockel im Rider-Wade-Smith-System. Und er hat eigentlich den Anspruch, dass dieser Sockel immer größer wird, dass er immer besser wird, dass er immer höher aufsteigt, immer göttlicher wird. Das hat schon was von vorhin zu Petra: die Karte auch nochmal nehmen. Tino Wiesinger: Da ist dieser Sockel, da ist und er will, dass er größer wird. Und er bindet quasi Baldini an sich durch sein Talent, seine Inspiration, die er da liefert. Petra: Leicht kattern. ⁓ selbst immer mehr zu lernen und zu forschen und für sich eigentlich den Nutzen rauszuziehen. Tino Wiesinger: göttlich zu werden, kann man sagen. Und das erinnert mich als Theologe natürlich auch hier an den Turmbau zur Babel. Dass irgendwann, je höher Valdini, Quatsch, Valdini hier Grenouille steigt, irgendwann muss dieser Turm zusammenbrechen. Und er bricht tatsächlich zusammen, jedenfalls erstmal für Valdini. Das Haus stürzt ein und er stirbt darunter. Aber Grenouille ist dann schon über alle Berge, der ist weg. Aber das Haus stürzt ein, Baldini braucht man nicht mehr. Grenouille braucht ihn nicht mehr und kann jetzt eigene Wege gehen. Und kann selbst göttlich werden, nachdem er Baldini ausgenutzt hat. So, und dann kommt eben diese Eremiten-Szene, er sieht sich selbst als göttlich und letztendlich geht er dann weiter. Also er geht schon auf so eine Art Reise. Es hat auch ein bisschen was mit Entwicklung zu tun, aber nicht Selbstentwicklung, sondern er entwickelt nur seine Fähigkeiten, die er sowieso schon hat irgendwie. Er entwickelt die immer weiter und er sammelt vor allem. Er sammelt ja für seinen perfekten Duft und das macht er, indem er Mädchen umbringt. So und dann gibt Petra: ⁓ Tino Wiesinger: genau. Und wenn du Essenzen vermengst, dann entsteht eben irgendwann ein Duft. Und relativ am Ende des Romans gibt es dann noch mal ein bisschen Identität, damit eben der Leser wahrscheinlich auch Mitgefühl selber noch entwickeln kann und da auch so Er das Gefühl, das ist nicht alles nur kalt, er kommt jetzt in eine andere Welt, die eigentlich sehr viel Wärme ausstrahlt. Und zwar in diese Regie-Welt. In Form von Lor, dieser Tochter, und Antoine, ihrem Vater. Und die beiden haben eigentlich eine sehr innige Beziehung zueinander. Wir haben eine... Tochter, die noch sehr unschuldig wirkt, aber sehr gefühlvoll wirkt. Und wir haben einen Vater, der schon ziemlich reif ist und der Tochter den Weg zeigen möchte, aber eben auf eine sehr herzliche Art. Und da sind wir in einer absoluten Kelchenergie, die in die Jean-Baptiste Grenouille dann hineinkommt. Wir hatten diese Kelchenergie ja schon direkt am Anfang bei den Mirabellen-Mädchen, da fängt die Kelchenergie an. Und nachdem dann Grenouille sich weiterentwickelt hat, seinen Geruchssinn vielleicht noch verschärft hat, seine Fähigkeiten vertieft hat, geht er in eine tiefere Kelchenergie, nämlich dann bei den Hofkarten der Kelche, einmal beim Pagen. Das ist Lor, diese Tochter, die noch naiv, aber sehr gefühlvoll ist. Und wir sind beim König der Kelche, beim Vater von Lor. So. Und das ist eigentlich eine sehr herzliche Sache, da könnte er eigentlich auch... erfahren, dass da auch Mitgefühl herrscht, dass da sich andere ⁓ andere sorgen, dass da Menschlichkeit herrscht. Aber nein, nimmt er nicht wahr. Das kann er nicht wahrnehmen. Er kann Gefühle nicht wahrnehmen. weiß aber, das was er kann ist, er kann den Geruch ⁓ Vielleicht stehen Gefühle ja auch immer mit dem Geruch in Verbindung. Er sieht das Gefühl nicht, aber kann den entsprechenden Geruch... Petra: Reinheit. Tino Wiesinger: wahrnehmen, herauslesen. Das kann er. Und er glaubt jetzt nur noch eine Essenz, die ihm fehlt, dadurch zu kriegen, indem er diesen Paz und der Kelche bringt. Und dann hat er im Prinzip alles das, was er braucht, ⁓ den perfekten Duft herzustellen. Er bringt Laura ⁓ und dann haben wir eben mehr als nur dieses Mirabellenmädchen, das man als Leser ja auch gar nicht so gut kennt. Laura hat ja eine wirkliche Identität, deswegen hat sie auch einen Namen. So. Und wir haben einen Vater, der dann absolut verzweifelt ist. So. Damit hat aber Grenouille alles das, was man braucht. was er braucht, ⁓ jetzt wirklich Gott zu sein. Er hat die Reise überstanden, er hat jetzt alles geschafft. Er ist quasi jetzt für sich schon am Ziel angekommen. Aber er erkennt eins nicht. Er erkennt nicht, die Heldenreise, dass das erstens gar keine wirkliche Heldenreise ist, die er da Petra: die Super-Essence zusammenzuholen. Tino Wiesinger: unternimmt, denn er ist kein wirklicher Held, sondern er sucht ja letztendlich nur Identität und will das aber durch absolute Perversion erreichen. Er erkennt nicht, dass er noch getäuscht ist, denn wir sind eigentlich erst beim Mond angekommen. Er muss jetzt mit seinen Fähigkeiten, müsste er eigentlich etwas positives anfangen können. Er könnte der größte Parfümer aller Zeiten sein, wenn er zurückgehen würde und sagen würde, ich fange damit wirklich mal was an. Wenn er aus seinem Wahnsinn heraus treten würde. Petra: Und selbst das wäre schon pervers zu sagen, mit den Essenzen der Mädels, die er umgebracht hat, versucht er jetzt etwas Gutes zu machen. Da ist man nämlich dummerweise schon so in den Bann gezogen, dass man ja selber sagt, er könnte noch, aber er hat ja diesen Schritt, also längst schon alles überschritten, was ethisch sein kann. Tino Wiesinger: Richtig. Das hast du jetzt an mir auch gemerkt. Ich erzähle das so. Er hat halt die Mädchen-Zeit umgebracht. Der hat auch natürlich dann Einwirkungen auf mich als Leser. Dass man denkt, naja, ist ja fast schon legitim, was er da macht. Der hat ja jetzt alles. Er geht über Leichen, aber Perfektionserreste. Ja, aber er macht mit diesem Parfü nicht für die Welt. Petra: Ich sag nur dieses. Ja. Es bleibt teuflisch, sagen wir es mal so. Tino Wiesinger: Er wird jetzt nicht der größte Parfüm mehr aller Zeiten, sondern er möchte ja selber einen Geruch, eine eigene Identität entwickeln. Und wenn er jetzt so schlau wäre und würde sagen, ach komm, einen Tropfen, nur einen Mini-Tropfen, noch nicht mal einen Tropfen, wäre schon viel zu viel, den gebe ich mir. Und damit habe ich eine Identität. glaube, dieser eine Tropfen würde dann schon Monate bis Jahre reichen, damit er jetzt endlich mal wahrgenommen werden würde. Aber das macht er nicht. Er kommt... Petra: Das ist gar nicht die Intention, schwangerweise. Tino Wiesinger: Er glaubt ja, er hat jetzt alles erreicht und er schüttet das gesamte Parfum, was er so hat, über sich, ⁓ diese absolute Göttlichkeit auszustrahlen. Absolute Perfektion, das Beste, was überhaupt möglich ist. Ja und was passiert? Es kommt zu dieser ganz krassen Szene ganz am Ende, diese Massenorgie. Die Leute fallen über Grenouille her und sie fressen ihn letztendlich auf. Aber was steckt denn eigentlich hinter dieser ganzen Aktion? Wir haben diese pervertierte Selbstsicherheit, die Grenouille hat. Er sitzt da oder er steht da und denkt jetzt habe ich alles was ich brauche und das ist für mich sind die neun der Kelche auch. Die neun der Kelche, sitzt da ganz selbstsicher, jetzt bin ich Gott. Petra: natürlich nicht in der Form, wie man es wünscht, sondern im Gekehrten. Tino Wiesinger: hat so eine innere Ruhe, die er dann ausstrahlt und jetzt glaubt jetzt habe ich Identität, jetzt habe ich Göttlichkeit erlangt. Und er schüttet quasi alles aus. Er glaubt auch, die Heldenreise, seine eigene Heldenreise jetzt überstanden zu haben. Und die letzte Karte der Heldenreise ist die Welt. aber auch natürlich wieder umgekehrt, denn es endet ja nicht positiv. Wobei ich nicht weiß, ob es nicht für ihn sogar positiv endet, weil er jetzt wirklich wahrgenommen wird. Für die Menschen aber, es endet in einer Kannibalen Szene. Er wird aufgefressen und Petra: Es ist ja auch da nochmal das Verstörende, dass auch die empathischen Menschen ⁓ ihn herum plötzlich zu reintriebgesteuerten Wesen, ich möchte nicht sagen degradiert werden, aber durch diesen Duft eben sich verwandeln und alles, was ansonsten an Ethik ist, plötzlich überhaupt keine Rolle mehr hat. Tino Wiesinger: Also die Frage ist, was sagt uns das denn überhaupt? Ich glaube, wir können uns selber darüber Gedanken machen, was unser Teufel ist, der uns da dann doch auch manchmal verführt. Petra: wie viel Genre-Baptisten in jedem von uns steckt und wie sehr man manchmal durch Konventionen und anderes sich reglementiert, verurteilt, der das wirklich absolut empathielos auslebt, aber ganz zum Schluss eigentlich alle selber mit ein Spielbälle werden. Tino Wiesinger: glaube, da müssen wir uns gar nicht so weit fortbewegen in der heutigen Zeit. können wir in uns selbst gucken, wir in die Politik gucken, wir können in die Wirtschaft gucken, wir können in jeden Bereich reingehen. Und das ist ja auch der Grund, warum das Parfum heute noch so eine Wirkung auf uns hat. Welche Auswirkungen hat eigentlich unser Machtbewusstsein auf uns selbst? Und sind wir nicht alle im Wahnsinn unterworfen. Und ich finde, was fehlt uns? Uns fehlt eben oftmals dann vielleicht auch diese Kelchenergie. Einerseits dieses Ast der Kelche, dann den Pagen, dann den König, die wir da eben auch hatten in den Figuren. Petra: eben keine Moral. Tino Wiesinger: Ich glaube, wenn wir dieses absolute Machtstreben haben, dann sollte unser Ziel dann trotzdem sein, mal ein bisschen mehr Empathie und auf das Gefühl zu achten. Und das drückt für mich das Parfum aus. ja, wenn ich mir überlege, warum sprühen wir uns mit Parfum ein? Vielleicht sollten wir doch dann eher auch mal darauf gucken, dass wir mehr auf uns achten und nicht so wie wir auf andere wirken, sondern ich genieße es auch, diesen Duft einzuatmen und zu genießen und nicht nur nach außen irgendwie besonders toll zu strahlen, sondern wir können uns auch mit Parfum einsprühen, wenn wir allein zu Hause bleiben in dieser Eremitenhöhle. Warum machen wir das? Petra: zeigt sich auch so schön, Essenzen, die ihr an den Mädchen erschnuppert, ja ihre eigenen Essenzen und nicht die Parfums, die sie tragen. Also es spiegelt ja auch hier nochmal diese Rolle wieder, was jeder von uns schon in sich hat oder was ihn vielleicht attraktiv macht. Und es gibt jemand, der sagt, ok, und daraus mache ich jetzt ein Parfum, ⁓ zu verführen. Und ich glaube, da ist die zentrale Karte wieder der Teufel. Und alle lassen sich verführen. Tino Wiesinger: Mmh. Warum müssen wir uns überdecken mit irgendwelchen anderen Düften? Auch das Raumspray oder Duftkerzen. Ich bin ja so ein Fan von Duftkerzen eigentlich. Und mag es, wenn es dann hier in der Wohnung auch, zum Beispiel, was weiß ich, zur Weihnachtszeit oder zu bestimmten Zeiten im Jahr, wenn es dann auch entsprechend duftet. Aber... Dann überlege ich mir gerade zur Weihnachtszeit, wenn ich dann so eine Duftkerze anzünde, die irgendeinen Plätzchen-Duft ausstrahlt, vielleicht sollte ich dann doch eher mich mal in die Küche stellen und Plätzchen backen. Das ist mehr Identität, das ist mehr Weihnachten als jede Duftkerze, jedes Parfum der Welt, was dann da ausgestrahlt wird. Petra: Ja, aber es löst eben Erinnerungen und Verlangenen, Sehnsüchte, entführt Düfte in eine Welt, in der ich mich gerne befinde. Vielleicht wird jeder von uns beim nächsten Mal, wo er einen Raumspray oder einen Duftspray oder Parfum benutzt, sagen, ⁓ mein Gott, was will ich damit wirklich auch sagen? Tino Wiesinger: Aber damit sind wir eigentlich am Ende, aber noch nicht ganz, denn wir haben natürlich auch wieder Karten gezogen, ⁓ dem Motto, was möchte uns jetzt eigentlich der Roman noch weiter mitgeben. Und ich finde, da solltest du anfangen, denn du hast eine Karte gezogen. Petra: Ja, bei mir fiel die Neu der Stäbe raus, die sich so für mich auch sehr gut erschlossen hat, dass hier jemand sozusagen sich aus der Gesellschaft rausgenommen hat und man sagt ja bei der Neu der Stäbe ist es ja manchmal auch gefühlt. Es könnte ja auch sein, man kann sich mal umdrehen und wieder einreihen. Aber ich glaube, diese Überlegung findet hier bei Jean-Baptiste gar nicht statt, sondern es ist wirklich ein Rausgehen. Die Gesellschaft interessiert auch nicht, eigenbrötlerisch sein, eigenen Weg gehen. Und dass dahinter eine Konvention vielleicht auch sein könnte, ist überhaupt nicht seins. Tino Wiesinger: immerhin tritt er heraus. Er tritt aus seinem Umfeld heraus und er will etwas aus sich machen. Bei mir wird er dann zum Ritter der Stäbe. Dieser Ritter der Stäbe hätte ja immer noch die Möglichkeit, was positives dann aus sich zu machen. Petra: Ja. Tino Wiesinger: kennen da viele Geschichten, aus dann wirklich ⁓ was wird. Oliver Twist zum Beispiel, der dann eigentlich in der gleichen Situation aufwächst wie Jean-Baptiste Grenouille, aber aus ihm wird dann noch was Positives. Aber jetzt der Ritter der Stäbe, Jean-Baptiste Grenouille, Ritter der Stäbe, der tritt nur Petra: Ja. Tino Wiesinger: hervor mit seinem eigenen Willen wirklich jetzt das göttliche zu erreichen. Das beste, bestmögliche, ohne auf andere zu achten. Er schlägt quasi mit seinem Stab ⁓ sich, er schlägt, tötet diese Frauen ⁓ sein Ziel zu erreichen. Und das ist ein Ritter der Stäbe, der überhaupt gar nicht weiß, was er damit anrichtet, der Verfolgung seines eigenen egoistischen Ziels. Ja. Petra: Definitiv. Damit sind wir jetzt wirklich am Ende angekommen, sagen vielen Dank fürs Zuhören. Hoffen wir konnten euch ja inspirieren, ist bei diesem Roman ein hartes Wort, aber vielleicht verschiedene Aspekte aufzeigen, sich nochmal mit einem Thema, was bis heute tatsächlich verstörend ist, auseinanderzusetzen und Vielleicht habt ihr ganz andere Ansichten. Wir freuen uns über Kommentare, über Abos und eure Meinung und sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal. Tino Wiesinger: Bis zum nächsten Mal, ciao!