Latest / LebensWert - das Jetzt versichern / Berufsunfähig - Drei Gründe, warum der Versicherer nicht zahlt
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- 0:00Also wir haben als Versicherer natürlich die soziale Verantwortung gewissermaßen einem
- 0:04Kunden, der krank geworden ist, zu helfen und das auch bis zum Schluss und dem Kunden
- 0:10auch darzulegen, warum wir jetzt im Falle eine Ablehnung dazu gekommen sind.
- 0:14Dass wir nicht alle Fälle anerkennen aus den genannten Gründen bedingt sich natürlich
- 0:21auch aus, gerade wenn es darum geht, Berufsunfähigkeit liegt der Grund vor oder liegt der Grad der
- 0:27Berufsunfähigkeit bedingungsgemäß vor oder nicht, haben wir natürlich auch eine Verantwortung
- 0:31in Hinblick auf das versicherten Kollektiv.
- 0:34Gleichwohl betrachten wir jeden Fall individuell, es gibt keine Ablehnungsquote, das ist auch
- 0:40mein persönlicher Anspruch, um auch rechtssichere Entscheidungen zu haben.
- 0:44Es bringt uns im Nachhinein nichts, Prozesse zu führen, die wir dann verlieren, nur auf
- 0:49Grund einer bestimmten Quote, die es zu erfüllen gilt, die es nicht gibt und dementsprechend
- 0:56ist es mein Anspruch, individuell mit den Fällen umzugehen, jede Krankheit ist individuell,
- 1:03jeder Beruf ist individuell und jede Entscheidung muss auch individuell sein, das macht die
- 1:08Leistungsprüfung auch so interessant und so spannend, wie sie es sind.
- 1:15Hallo und herzlich willkommen bei Lebenswert, das jetzt versichern.
- 1:18Mein Name ist Shilu Könke und ich bin Host in diesem Podcast.
- 1:23Ich freue mich gemeinsam mit meinen Gästen Themen aus der Gesellschaft aufzugreifen,
- 1:27die direkten Einfluss auf unser Leben und die Lebensqualität haben.
- 1:31Wir sprechen über Fragen rund um mögliche Lebensrisiken, den Lebenswandel an sich, aber
- 1:36auch ganz persönliche Lebensgeschichten.
- 1:38Und darüber, uns das jetzt bewusst zu machen.
- 1:41Das jetzt, also genau diesen Moment, in dem sich alles gut und richtig anfühlt.
- 1:47Viel Spaß beim Zuhören.
- 1:54Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist hierbei Lebenswert immer wieder wichtiger
- 1:59Gesprächsanlass, den wir schon aus allen Sichtweisen und Perspektiven beleuchtet und besprochen
- 2:04haben.
- 2:05Dazu gehörte unter anderem die Sichtweise von Spezialisten für Arbeitskraftabsicherung
- 2:11und von Vermittlern.
- 2:13Wir haben aber auch die Perspektive der Gensett kennengelernt und erfahren, wie die zu dem
- 2:18Thema Berufsunfähigkeitsversicherung steht.
- 2:21Und wir haben den Umgang auf Versichererseite der Leistungsprüfer kennengelernt.
- 2:27Und genau um diese letzte, letzte Sichtweise geht es uns heute.
- 2:32Wir wollen uns nämlich mit der Fragestellung auseinandersetzen, weshalb ein Versicherer
- 2:37einen Antrag des Kunden auf die Auszahlung einer Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung
- 2:44auch einmal ablehnen kann.
- 2:45Was, das muss ich gleich vorweg dazu sagen, in den allerseltensten Fällen passiert, wir
- 2:52sprechen gleich nochmal kurz darüber, lieber Marcel, du sitzt mir heute hier als Gast
- 2:57gegenüber, Dr.
- 2:58Marcel Käse, herzlich willkommen, ich freue mich, dass du hier bist, um meine Fragen
- 3:02zu beantworten.
- 3:03Hallo, Schido, ich freue mich auch sehr, wieder dabei sein zu können.
- 3:05Genau, du sagst wieder, du bist schon einmal Gast hier beim Podcast gewesen, wir haben
- 3:10damals vor rund drei Jahren, meine ich, gesprochen über die qualifizierte Leistungsprüfung.
- 3:16Denn du bist Leiter der Leistungsprüfung hier bei uns im Haus, bei der Hannoverische.
- 3:20Und hast damals aufgeklärt, wie allgemein die Leistungsprüfung auf Versichererseite
- 3:26im Kontext der Berufsunfähigkeitsversicherung eigentlich funktioniert.
- 3:29Genau.
- 3:30Und heute wollen wir genau diese Fragestellung, die in der Breite der Öffentlichkeit, glaube
- 3:37ich, mit Vorurteilen behaftet ist, einmal bewusst da tiefer reinsteigen und aufklären darüber,
- 3:46welche Gründe eigentlich vorliegen, wenn Versicherer den Antrag eines Kunden auf die
- 3:54Auszahlung einer Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung auch einmal ablehnen.
- 3:58Denn dafür gibt es gute Gründe, aber vorweg möchte ich ganz gerne eine Zahl nennen,
- 4:05die in dem Zusammenhang ganz interessant ist.
- 4:07Denn ich habe gerade schon darauf hingewiesen, es herrscht landläufig die wirklich falsche
- 4:14Annahme, dass Versicherer sich einfach vor der Leistung drücken wollen und die Zahlung
- 4:20einfach umgehen wollen, was nachweislich nicht zutrifft, denn die Leistungsquote im Markt
- 4:25ist sehr, sehr hoch bei Versichererseite und liegt regelmäßig über 80 Prozent.
- 4:31In der Hannover-Schül kann man hier auch deutlich einmal sagen, in 2024 sogar bei 88 Prozent
- 4:37Leistungsquote.
- 4:38Das bedeutet, wir sprechen hier über rund 10 Prozent, bei denen eine Leistung abgelehnt
- 4:43wurde.
- 4:44Das müssen wir einmal zur Einordnung vorweg sagen.
- 4:47Definitiv.
- 4:48Das ist mir auch wichtig, dass du das nochmal ansprichst, um einfach mit dem Vorurteil aufzuräumen,
- 4:52dass Versicherer Leistung wegen Berufsunfähigkeit sozusagen ohne Grund ablehnen und Rechtsstreitigkeiten
- 5:01führen.
- 5:02Dort ist es eben gesagt, es sind nur 10 Prozent der Fälle, die abgelehnt werden.
- 5:10Und zu den Gründen, kann man denken.
- 5:12Ja, genau.
- 5:13Genau, gerne.
- 5:14Also, was sind denn die Hauptgründe, die da vorliegen müssen?
- 5:18Also, letztlich lassen sich drei Gründe identifizieren, warum Leistungen abgelehnt
- 5:23werden.
- 5:24Als erster Punkt ist zu nennen, dass der Nachweis der Berufsunfähigkeit nicht erbracht werden
- 5:32konnte.
- 5:33Was Berufsunfähigkeit bedeutet und was dahinter steht in der Prüfung, komme ich gleich noch
- 5:38zu.
- 5:39Der zweite Punkt ist, dass der Versicherer feststellt, dass falsche Angaben bei Beantragung der Versicherung
- 5:49gemacht wurden zum Gesundheitszustand.
- 5:52Und das hat Auswirkungen insofern, wenn ein Kunde falsche Angaben macht, sich gesünder
- 5:58Macht, um den Versicherungsschutz zu erhalten, als sich dann sozusagen im Nachgang herausstellt.
- 6:04Dann stehen Versicherer Gestaltungsrechte zu, um sich vom Vertrag zu lösen zum Schutz
- 6:10der versicherten Gemeinschaft.
- 6:11Da geht es um Anfechtung und Rücktritt vom Vertrag, man spricht eben von der Verletzung
- 6:18der vorvertraglichen Anzeigepflicht, wenn so etwas herauskommt.
- 6:21Und als dritter Punkt lässt sich sagen, dass oftmals vom Kunden die Mitwirkungspflicht
- 6:30verletzt wird.
- 6:31Das heißt, er reicht keine Unterlagen ein, zu sagen Gesundheitszustand und bringt den
- 6:36Versicherer dann leider in die Lage, nicht weiter prüfen zu können und dann entsprechend
- 6:41den Anspruch ablehnen zu müssen.
- 6:44Jetzt hast du als Ersten Grund genannt, dass die Berufsunfähigkeit nicht ausreichend
- 6:51nachgewiesen werden kann.
- 6:52Das bedeutet, dass der Kunde nicht den erforderlichen Grad der Berufsunfähigkeit erreicht, nämlich
- 7:01an, wie, auf welche Art und Weise muss dieser Nachweis erfolgen, beziehungsweise es klingt
- 7:08ziemlich abstrakt und wahrscheinlich ist ja in den meisten Fällen auch der Kunde überzeugt,
- 7:13dass er auf jeden Fall Berufsunfähigkeit, also dass eine Berufsunfähigkeit auf jeden
- 7:18Fall vorliegt.
- 7:19Wie wird dieser Grad nachgewiesen?
- 7:22Genau.
- 7:23Also im Regelfall haben Bu-Verträge eine sogenannte 50-Prozent-Klausel.
- 7:31Das heißt, eine Berufsunfähigkeit liegt nach der Definition dann vor, wenn die letzte
- 7:37Tätigkeit in gesunden Tagen zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann oder
- 7:44anders formuliert, der Beruf kann nur noch zu weniger als 50 Prozent ausgeübt werden.
- 7:50Und sobald diese Schwelle erreicht ist, wird die volle Bu-Rente ausbezahlt.
- 7:57Wie sich dieser Grad dann sozusagen ergibt, ist es erstmal abstrakt, aber irgendwie auch
- 8:06konkret, weil 50 Prozent ist eine konkrete Angabe, aber das hängt eben in der Prüfung
- 8:13stark von der Ausprägung der Erkrankung ab, dem Berufsbild und dem Einfluss der Erkrankung
- 8:22auf den Beruf.
- 8:23Also, lasst uns gerne mal anhand von zwei, drei Beispielen das etwas gleichbarer machen.
- 8:31Ich würde mal anfangen mit einem Profi-Tennis-Spieler, der sich eine Oberarmfraktur zugezogen hat.
- 8:42In dem Fall würde man in der Prüfung erkennen, dass die Tätigkeit als Tennis-Spieler zu 100
- 8:53Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann, denn er macht nichts anderes.
- 8:57Der Tennis kann es aber mit einer Oberarmfraktur nicht mehr tun, das heißt, der würde, wenn
- 9:03dieser Zustand länger als sechs Monate, oder für mindestens sechs Monate, andauert, berufsunfähig
- 9:09sein.
- 9:10Wenn jetzt jemand Malermeister ist und sich eine Oberarmfraktur zugezogen hat, dann gibt
- 9:19es da schon wieder etwas mehr Differenzen in der Bewertung, da würde man vielleicht
- 9:25annehmen, okay, der ist zu 75 Prozent berufsunfähig, weil ein Teil seiner Tätigkeit nicht nur das
- 9:32Streichen ist und das Spachteln von Wänden, das nicht mehr ausgeübt werden kann aufgrund
- 9:39der Oberarmfraktur, sondern er hat auch ein Teil Büro-Tätigkeit, Kundenkontakt, PC-Tätigkeit,
- 9:47die durchaus noch ausgeübt werden kann.
- 9:50Gleichwohl ist natürlich das Streichen, das Malern, das Spachteln, die Haupttätigkeit,
- 9:56insofern wird man hier nicht von 100 Prozent ausgehen können, sondern nur zu 75 Prozent.
- 10:04Gleichwohl wird ja auch die volle Berufsunfähigkeitsrente bekommen.
- 10:07Es ist immer wichtig zu sehen, wie der Beruf ausgeprägt ist.
- 10:13Das ist uns als Versicherer auch wichtig, den Kunden da frühstmöglich abzuholen, um
- 10:19Informationen einzusammeln.
- 10:21Wir haben spezielle Fragebögen, in denen abgefragt wird, wie der Beruf ausgestaltet
- 10:27ist.
- 10:28Ich mache an einem anderen Beispiel noch mal etwas deutlicher, warum das so wichtig ist.
- 10:33Jemand leidet an einer stark ausgeprägten Sozialphobie, kann ich mit Menschen reden,
- 10:39kann ich mit anderen Menschen in Kontakt treten, hat Angst davor, bekommt Beklemmungen und
- 10:47ist sozusagen psychisch erkrankt.
- 10:49Wenn uns jemand, der diese Erkrankung hat und angibt, er ist als Büroangestellter tätig,
- 11:00wird man sich anschauen müssen, wie dieser Beruf ausgestaltet ist.
- 11:05Alleine die Angabe, ich sitze im Büro am PC, wird, wenn wir keine weiteren Angaben bekommen,
- 11:13dazu führen, dass wir den Grad der Berufsunfähigkeit nicht einschätzen können, weil wir nicht wissen,
- 11:20gibt es da Kundenkontakt, gibt es vielleicht eine Führungsverantwortung, gibt es sozusagen
- 11:26als Teil seiner Tätigkeit, Telefonate mit Kunden, Veranstaltungen etc.
- 11:32Je detailreicher uns das mitgeteilt wird, desto besser können wir auch die Einschätzung
- 11:36treffen, dass Berufsunfähigkeit vorliegt oder eben auch nicht.
- 11:41Das heißt, die Ausprägung des Berufs, die prägenden Tätigkeiten sind essentiell für
- 11:47die Bewertung der Berufsunfähigkeit vorliegt und darüber bestimmt sich dann auch letztlich
- 11:52der Grad der Berufsunfähigkeit.
- 11:53Ja, danke, dass du das jetzt ausgeführt hattest, ist glaube ich sehr hilfreich, dass
- 11:59du einmal eine körperliche Beeinträchtigung beschrieben hast und auf der anderen Seite
- 12:03aber eine psychische, denn die Diagnose darüber ist natürlich nicht ganz so eindeutig für
- 12:13jedermann nachvollziehbar, wie wenn ich mir jetzt eine Armfraktur, Oberarmfraktur, zugezogen
- 12:17habe.
- 12:18Das kann jeder sehen.
- 12:19Bei einer psychischen Erkrankung sind die Ursachen eben nicht sichtbar und da ist ja
- 12:24wahrscheinlich auch der Nachweis schwieriger, nehm ich an, oder ist das nicht so?
- 12:32Ja, also wenn man es anhand von Bildgebung festmacht, du hast es eben auch gesagt, bleib
- 12:38mal bei der Faktur, das lässt sich über eine Bildgebung feststellen, wie stark jemand
- 12:43dann auch dadurch beeinträchtig ist, wie stark die Faktur ist oder auch mit einem Bandscheibenvorfall.
- 12:48Es gibt ja auch unterschiedliche Ausprägungen von einem Bandscheibenvorfall.
- 12:51Anhand von der Bildgebung kann man aber sagen, okay, der ist so und so stark ausgeprägt
- 12:57und das hat eine beeinträchtigendste Folge.
- 12:58Das hat man bei einer psychischen Erkrankung insofern nicht.
- 13:02Da gibt es Befundberichte, da gibt es vielleicht Berichte aus einem stationären Aufenthalt,
- 13:10da gibt es Berichte von Psychiatern Psychologen, die sozusagen eine Bewertung auch vornehmen
- 13:18oder sozusagen aufschreiben, wie es der betroffenen Person geht, was sie erzählt.
- 13:24Das macht im Kern natürlich die Entscheidung darüber, inwieweit diese Erkrankung auch so
- 13:32sich manifestiert hat und in einer Schwere vorliegt, die sozusagen zur Berufsunfähigkeit
- 13:38für schwieriger ist.
- 13:40Definitiv.
- 13:41Je mehr Unterlagen uns vorliegen und eingereicht werden, je mehr Anhaltspunkte wir haben,
- 13:47desto leichter ist dann letztlich auch die Entscheidung in diesen Fällen zu treffen.
- 13:52Gleichwohl sind meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team keine Ärzte und auch keine
- 14:02Psychologen.
- 14:03Wir haben ein sehr, sehr hohes Know-how, eine sehr, sehr hohe Expertise im Team und können
- 14:09medizinische Sachverhalte in Hinblick auf den Beruf sehr gut bewerten.
- 14:13Gleichwohl gibt es immer wieder Einzelfälle, wo die Gesellschaft und auch wir an unsere
- 14:17Grenzen stoßen und bevor wir dann eine Entscheidung treffen, sagen wir, okay, wir haben die Möglichkeit
- 14:24hier eine Begutachtung vornehmen zu lassen, mit einem Experten, der sich genau mit diesem
- 14:31Sachverhalten auskennt, in Hinblick auf die Erkrankung, in Hinblick auf das Berufsbild,
- 14:37um dann sozusagen eine Einschätzung zu bekommen aus medizinischer Sicht, insbesondere ob dann
- 14:42Berufs- und Fähigkeit vorlegt oder nicht?
- 14:44Ja, genau.
- 14:45sind eher mehr Informationen als zu wenige hilfreich für euch natürlich, um einzuschätzen,
- 14:52nicht nur über den gesundheitlichen Status oder die Gesundheitshistorie, sondern auch
- 14:56über die konkrete berufliche Tätigkeit, wie du eben beschrieben hast, damit ihr die Einschätzung
- 15:01treffen könnt.
- 15:02Genau.
- 15:03Als zweiten Grund hattest du die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht benannt.
- 15:08Das klingt jetzt so ein bisschen nach Versicherungssprech, ist es auch, und gemeint ist damit natürlich
- 15:13einfach nur, dass du auch schon beschrieben hast, dass der Kunde bei Antragstellung keine
- 15:19wahrheitsgemäßen Angaben über seinen Gesundheitszustand gemacht hat.
- 15:23Daran anschließend die Frage ist es nicht manchmal auch schwierig selber einzuschätzen,
- 15:31wie man gesundheitlich dasteht.
- 15:33Oder ist einem vielleicht auch manchmal gar nicht bewusst, ob man bestimmte Vorerkrankungen
- 15:38mitbringt.
- 15:39Wie gehen Kunden da am besten vor?
- 15:42Hast du da einen Tipp, damit man wirklich wahrheitsgemäß auch bei Antragstellung vorgehen
- 15:47kann und alle Angaben tätig, die notwendig sind?
- 15:50Grundsätzlich ist es so, dass bei Antragstellung auf eine Versicherung, wir reden ja über
- 15:58die Antragstellung zu einer Versicherung und nicht um die Antragstellung auf Leistung,
- 16:02dass der Kunde bei Antragstellung zu der Versicherung Gesundheitsfragen beantworten muss, damit
- 16:07wir eine Einschätzung darüber treffen können, ob wir ihn versichern oder nicht.
- 16:11Die Fragen sind insofern so klar formuliert mit einer beispielhaften Aufzählung zum
- 16:20Beispiel, was den Bewegungsapparat angeht, Rückenbeschwerden, Berüche, Unfälle usw.
- 16:27Das wird alles aufgezählt, um dem Kunden eine möglichst hohe Hilfestellung zu geben,
- 16:32sich auch an gewisse Umstände zu erinnern.
- 16:35Wir fragen jetzt nicht nach dem Schnupfen oder nach einer Erkältung, sondern wir fragen
- 16:40schon nach Gefahr erheblichen Erkrankungen, an die man sich für einen bestimmten Zeitraum
- 16:46– wir sprechen hier in der Regel von fünf Jahren – auch gut erinnern kann, gerade wenn
- 16:51es um zum Beispiel Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörung, psychische Erkrankungen geht.
- 16:57Das wird man nicht so schnell vergessen, zumindest sollte man sich insofern auch anstrengend
- 17:03sich daran zu erinnern – das ist sozusagen auch nur Obliegenheit des Kunden, das wahrheitsgemäß
- 17:11anzugeben und sich einen Blick darüber zu machen, was war denn in den letzten fünf
- 17:16Jahren bei mir los?
- 17:17Natürlich fällt das nicht allen gleich leicht, ich kann dann eine Empfehlung insofern geben,
- 17:24dass wenn man Zweifel hat, ob etwas vorlag und man sich nicht mehr daran erinnern kann,
- 17:31natürlich ausmal die Karteikarte vom Hausarzt anfordern oder auch auf die Krankenkasse zugehen
- 17:37oder Krankenversicherung sich auszugeben lassen, um zu schauen, okay, war ich eigentlich
- 17:43in den letzten fünf Jahren, wenn das der Abfragezeitraum ist, wegen den abgefragten Erkrankungen
- 17:50und Beschwerden in ärztlicher Behandlung.
- 17:53Es geht um Erkrankungen, die in der Regel bei einem Arzt oder Facharzt auch behandelt
- 17:58wurden.
- 17:59Danach wird gefragt, das ist für uns gefährlich, das wollen wir wissen und der Kunde sollte
- 18:06sich insofern daran erinnern können, wenn er das nicht kann, gibt es die Möglichkeit
- 18:12für ihn natürlich eine Krankenkassenauskunft einzuholen oder auch eine Arztauskunft.
- 18:16Also das ist auf jeden Fall ein guter Tipp bei Antragstellung auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung,
- 18:22den eigenen Krankenbericht einmal einzusehen, um sich nochmal zu vergegenwärtigen, was
- 18:28alles vorgefallen ist, wenn man es jetzt ad hoc aus dem Kopf nicht mehr weiß und eben auch
- 18:33Dinge anzugeben, zum Beispiel eine Oberarmfraktur, die schon ausgeheilt ist und unter der ich
- 18:38im Moment nicht mehr leide, kann aber trotzdem nochmal zu spätfolgen kommen.
- 18:43Genau, richtig.
- 18:44Also die Angabe an sich ist erstmal nichts Schlimmes der Versicherer oder wir bewerten
- 18:49das dann anhand der Angaben und trotz Angaben kann es ja sein, dass der Vertrag zu normalen
- 18:56Bedingungen angenommen werden kann und ohne Beitragserhöhung oder Ausstoßklausel dann
- 19:02in den Versicherungsschutz geht.
- 19:04Ja, genau.
- 19:05Aber der Kunde tut sich einen Riesen gefallen damit, im Leistungsfall Klarheit zu haben
- 19:11oder Gewissheit zu haben, dass dieser Punkt sozusagen kein Steuerfeuer darstellt in der
- 19:18Leistungsbrüche.
- 19:19Ja, na klar, denn dann soll es ja auch gerne schnell gehen, dass die Auszahlung dann eben
- 19:23auch geleistet wird.
- 19:24Als drittem Grund hast du den Punkt benannt, dass Kunden sich auch auf die Rückfragen
- 19:30des Versicherers nicht mehr zurückmelden können, das gibt es eben auch, du hast
- 19:35jetzt gerade beschrieben, dass da ja auch detailreichere umfassendere Informationen beigebracht
- 19:41werden müssen natürlich, damit ihr als Leistungsprüfer auch einschätzen könnt, was da konkret vorliegt.
- 19:47Jetzt hast du auch schon den Punkt psychische Erkrankungen angesprochen und wir wissen
- 19:54aus Vorgesprächen mit Betroffenen, aber auch mit den Angehörigen, dass es oftmals
- 19:58schwierig ist, in diesen Fällen schlichtwürdig aus dem Bett aufzustehen morgens.
- 20:04Also das kann man sich gar nicht so vorstellen, aber alle haben es so beschrieben, dass
- 20:08natürlich dort auch eine Antriebslosigkeit da ist, eine Lehre aufgrund derer, die Betroffenen
- 20:18häufig einfach nicht in der Lage sind, die einfachsten Dinge zu tun, geschweige denn eben
- 20:24Dokumente, Unterlagen auszufüllen, die der Versicherer braucht.
- 20:27Gibt es Möglichkeiten, wie man diesen Kunden helfen kann?
- 20:32Ja, die Erfahrungen haben wir in der Vergangenheit gemacht, dass Kunden sich gemeldet haben
- 20:37und gesagt haben, ich weiß gerade nicht, was ich tun soll.
- 20:41Ich bin so erschöpft und antriebslos und leer sozusagen, und ich da auch noch, oder
- 20:48habe keine Kraft dafür, den Antrag ordnungsgemäß zu stellen.
- 20:51Also erstmal haben wir in meinem Team oder hat der Kunde die Möglichkeit, von Anfang
- 20:59an einen direkten Ansprechpartner zu haben oder hat einen direkten Ansprechpartner, der
- 21:06ihn von Beginn der Leistungsantragsstellung bis zum Abschluss begleitet, mit einer festen
- 21:15Telefonnummer, mit einer festen E-Mail-Adresse und sozusagen den Leistungsprüfungsprozess
- 21:21mit ihm durchgeht.
- 21:23Also immer einen verlässlichen Ansprechpartner?
- 21:25Immer einen verlässlichen Ansprechpartner, genau.
- 21:27Daneben haben wir seit letztem Jahr die Möglichkeit auch für die Kunden oder bieten einen Service
- 21:34an über "Medicals Direct", ein Partner von uns, den wir sozusagen anfragen können bzw.
- 21:43beauftragen können zum Kunden zu fahren und den Antragsfragebogen beim Zusammenstellen
- 21:52der Unterlagen zu helfen, den Antragsfragebogen auszufüllen, damit der Kunde nicht alleine
- 21:59ist in der Situation, sondern dann vor Ort bei sich zu Hause jemanden hat, der ihn unterstützen
- 22:04kann.
- 22:05Und das hört sich gut an, d.h. da ist es ein Service, den wir jetzt bieten, kostet der
- 22:11für den Kunden Geld, ist der kostenpflichtig?
- 22:13Nein, der ist kostenlos für den Kunden und kann jederzeit in Anspruch genommen werden.
- 22:18Wenn es also einmal zu einer Ablehnung durch den Versicherer kommt für die Kunden, welche
- 22:25Möglichkeiten haben Kunden in dem Fall vorzugehen, wenn sie die Ablehnung nicht verstehen, wenn
- 22:33sie die Ablehnung vielleicht auch nicht akzeptieren wollen?
- 22:35Also im Fall einer Ablehnung oder anders gesagt, wenn wir als Versicherer feststellen, okay,
- 22:46die Unterlagen reichen nicht aus bzw. die Erkrankung ist, hat nicht den schwere Grad,
- 22:52mit bedingungsgemäße Berufs- und Fähigkeit eintritt, wir haben ja eine Verletzung der
- 22:56vorvertraglichen Anzeigepflicht festgestellt, informieren wir den Kunden erst mal darüber
- 23:02ausführlich über den Sachverhalt, über die uns vorliegenden Unterlagen und über den
- 23:07Inhalt, so wie wir sie verstehen.
- 23:09Das heißt, wir avisieren erst mal eine Ablehnung an und geben dem Kunden zu erkennen, okay,
- 23:18der Fall kann gerade leider nicht positiv für dich entschieden werden, wenn du nichts
- 23:24dazu sagst bzw. wenn wir jetzt keine weiteren Unterlagen von dir bekommen und wir weisen
- 23:33dann den Kunden darauf hin bzw. bieten ihnen die Möglichkeit, unsere avisierte Entscheidung
- 23:39durch einen unabhängigen Versicherungsberater, Rentenberater oder ein Verbraucherschützer
- 23:48überprüfen zu lassen.
- 23:49Auch da übernehmen wir die Kosten, das heißt, wir bewegen uns hier auf Augenhöhe mit dem
- 23:59Kunden, wie im Übrigen, ich hätte es eben gesagt, durch den direkten Ansprechpartner,
- 24:02durch die direkte Ansprechpartnerin, während des gesamten Leistungs- prüfungsprozesses
- 24:07auch bei der Ablehnung, wenn es unangenehm werden kann, sagen wir nicht, okay, wir lehnen
- 24:12jetzt ab und dann machen wir das Ding zu, sondern auch da bleiben wir im Dialog und auf Augenhöhe
- 24:18mit dem Kunden und bieten dann die Möglichkeit, unsere avisierte Entscheidung noch mal vorab
- 24:22überprüfen zu lassen.
- 24:23Das heißt, ihr lasst den Kunden nicht alleine mit einer Entscheidung, die ihr voraussichtlich
- 24:28treffen werdet.
- 24:29Genau, finde ich total wichtig, weil es ja letztlich darum geht, dem Kunden in einer
- 24:36gesundheitlichen Notlage bestmöglich zu unterstützen.
- 24:40Also wir haben als Versicherer natürlich die soziale Verantwortung gewissermaßen, einem
- 24:45Kunden, der krank geworden ist, zu helfen und das auch bis zum Schluss und dem Kunden
- 24:50auch darzulegen, warum wir jetzt im Falle eine Ablehnung dazu gekommen sind, dass wir
- 24:56nicht alle Fälle anerkennen aus den genannten Gründen, bedingt sich natürlich auch aus,
- 25:02gerade wenn es darum geht, Berufsunfähigkeit liegt der Grund vor oder liegt der Grad der
- 25:07Berufsunfähigkeit bedingungsgemäß vor oder nicht, haben wir natürlich auch eine Verantwortung
- 25:11in Hinblick auf das versicherten Kollektiv.
- 25:14Gleichwohl betrachten wir jeden Fall individuell, es gibt keine Ablehnungsquote, das ist auch
- 25:20mein persönlicher Anspruch, um auch rechtssichere Entscheidungen zu haben.
- 25:24Es bringt uns im Nachhinein nichts, Prozesse zu führen, die wir dann verlieren nur aufgrund
- 25:30einer bestimmten Quote, die es zu erfüllen gilt, die es nicht gibt und dementsprechend
- 25:38ist mein Anspruch, individuell mit den Fällen umzugehen, jede Krankheit ist individuell,
- 25:43jeder Beruf ist individuell und jede Entscheidung muss auch individuell sein, das macht die
- 25:48Leistungsprüfung auch so interessant und so spannend wie sie ist.
- 25:52Ja, das ist natürlich eine unglaublich vielseitige Tätigkeit, die ihr da macht und auch sehr
- 25:57viel Verantwortung an der Stelle, die ihr habt gegenüber dem Kunden, gegenüber natürlich
- 26:02auch dem versicherten Kollektiv, du hast es gerade beschrieben.
- 26:05Insofern merkt man an den Ausführungen von dir, wie wichtig es ist, bei Abschluss einer
- 26:12Berufs- und Fähigkeitsversicherung schon sich nicht nur mit dem Tarif auseinander zu
- 26:16setzen und damit, was der im Zweifel kostet, sondern eben auch mit der ganz individuellen
- 26:23Krankheitsgeschichte einmal intensiv zu beschäftigen und zu gucken, welche Anforderungen hat man
- 26:30dann eben auch.
- 26:32Genau.
- 26:33Richtig.
- 26:34Ja.
- 26:35Und das würde ich gerne noch mal von dir wissen, hast du aufgrund deiner beruflichen
- 26:41Tätigkeit und den Einblicken, die du da tagtäglich in der Leistungsprüfung bekommst, hast du
- 26:49eine, du hast ja sicherlich eine sehr differenzierte Sicht auf, auch das Thema Gesundheit für
- 26:54dich selber, Vorsorge für dich selber, gehst du anders mit dir um, gehst du vorsichtiger
- 27:02mit dir um, bist du im Alltag irgendwie dir der Risiken bewusster.
- 27:07Also, weil ich weiß, du machst viel Sport und du bist natürlich irgendwie auch viel draußen.
- 27:13Ich glaube, du gehst joggen, du hast letztes Mal erzählt, dass du gerne Tennis spielst
- 27:18und eben sehr bewegungsfreudig bist, von daher die Frage, wie gehst du da in dem Punkt selber
- 27:25mit dir um?
- 27:26Also vorsichtiger würde ich jetzt nicht sagen, natürlich aus meiner Verantwortung auch als
- 27:31Familienvater und natürlich gewissermaßen auch vorsichtig, würde ich jetzt nicht irgendwie
- 27:38mich in den Wings stecken und vom Werk stürzen, das nicht, aber ich würde es anders formulieren,
- 27:47ich gehe achtsamer mit mir um und weiß um die Bedeutung eines Gesundheitszustands, eines
- 27:57guten Gesundheitszustands, Treibesport, ernähre mich bewusst um sozusagen nicht in eine Situation
- 28:05zu kommen.
- 28:06Das kann immer mal passieren, durch einen Unfall ist niemand irgendwie davor geschützt, aber
- 28:10trotzdem versuche ich achtsam im Alltag zu sein und sozusagen bewusst auch Momente zu
- 28:19erleben, weil ich durch die Tätigkeit auch sehe, wie schnell etwas kippen kann und wie
- 28:24schnell das Leben vielleicht auch aus den Fugen geraten kann.
- 28:28Ja, genau.
- 28:29Ja, das ist gut, wenn man sich das auf jeden Fall unterbewusst immer wieder sagt, wenn
- 28:35man das auch weiß und damit eben wertschätzend umgeht, das ist wichtig.
- 28:40Ja, Marcel, vielen Dank, ich glaube, wir haben jetzt eine sehr gute Übersicht bekommen über
- 28:45die Hauptgründe, die einmal auch eine Ablehnung bedeuten können und wie gesagt, wir haben
- 28:50hier über die knapp 10% aller Fälle gesprochen, mal können es etwas mehr sein, mal etwas
- 28:56weniger je nachdem, aber ich glaube, es hat uns jetzt sehr, sehr gut mal umfassend aufgeklärt
- 29:03darüber, was auf versicherer Seite an Gründen vorliegen muss, damit eine Ablehnung überhaupt
- 29:08möglich ist.
- 29:09Insofern vielen Dank für deine Erläuterungen und deine Zeit, die du heute hier für mich
- 29:16aufgebracht hast.
- 29:17Sehr gerne, danke dir.
- 29:21[Musik]