Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / KI und neue Kriegsführung: Entscheiden Maschinen bald allein über Leben und Tod?
Transcript
- 0:06Es ist Donnerstag, der 16. Juli. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:11Die Lage international mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:14Think Tank European Policy Center.
- 0:16Hallo Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gassel. Ich bin Steffen Gassel,
- 0:19diplomatischer Korrespondent des Stern.
- 0:21Liebe Hörerinnen und Hörer, heute wird der Podcast etwas länger als gewohnt.
- 0:24Herr Mölling und ich haben uns nämlich gedacht, wir würden gern mal wieder etwas
- 0:27machen, was wir schon länger nicht mehr gemacht haben, einen Deep Dive.
- 0:31Eine Folge also, in der wir uns vom aktuellen Geschehen ein Stück weit lösen,
- 0:35um ein bisschen mehr in die Tiefe zu gehen, als dass in den normalen 20 Minuten
- 0:38die Lage sonst möglich ist.
- 0:41Zu einem Thema natürlich, das aktuell relevant ist und mit dem Ziel,
- 0:45sozusagen Ihnen gewissermaßen ein Stückchen Einordnung dessen zu geben,
- 0:51was Sie in der Aktualität sozusagen täglich mitkriegen, was Sie in den Nachrichten
- 0:55ein Stück weit sehen und über ein Thema zu sprechen, was sozusagen ein Stück
- 0:59weit hinter der Aktualität liegt,
- 1:01und das ein bisschen besser zu verstehen
- 1:04mit Herrn Möllings Einordnung und Expertise. Worum soll es gehen?
- 1:08Um die Art, wie sich die Kriegführung verändert.
- 1:13Ich habe dem Deep Dive meinen folgenden Titel gegeben. Drohnen,
- 1:16Sensoren und KI. Wie sieht der Krieg der Zukunft aus und wie gut sind wir dafür gerüstet?
- 1:22Herr Mölling, wir merken es ja alle, die Art, wie Kriege geführt werden,
- 1:26verändert sich rasant. Man kann da sozusagen in den TV-Nachrichten ein Stück
- 1:30weit manchmal sogar dabei zusehen.
- 1:32Und ich fange vielleicht mal, tun wir Journalisten ja gerne etwas szenisch an
- 1:36mit sozusagen zwei Episoden, die oder zwei Ereignissen, die wir in letzter Zeit
- 1:40mitkriegen konnten, die vielleicht auch viele unserer Hörerinnen und Hörer gesehen
- 1:44oder von sie gelesen haben vielleicht.
- 1:46Einmal neulich in Russland, ukrainische Drohnenschwärme suchen,
- 1:50Also Moskau, St. Petersburg, natürlich auch noch andere Orte heim.
- 1:53Die Luftabwehr, wenn vorhanden, konnte man in Social Media teilweise bei zugucken,
- 1:59ballert dann teils wild durch die Gegend und man hat den Eindruck,
- 2:02macht alles nur noch schlimmer.
- 2:03Jedenfalls hatte das in Moskau teilweise den Anschein, dass die teilweise dann
- 2:07noch statt die Drohnen abzuschießen, ihre eigenen Öltanks da mit in Brand geschossen haben.
- 2:11Das war das eine Beispiel. Zweites Beispiel, neulich irgendwo im Luftraum über dem Iran,
- 2:18Ein US-Pilot im Cockpit einer F-35, also des modernsten Kampfflugzeugs der Welt,
- 2:24berichtet von Erlebnissen, die eigentlich wirken, als wären sie aus einem Science-Fiction-Film.
- 2:30Eine Drohnenformation in Form einer Qualle, jedenfalls hat er das so beschrieben,
- 2:35greift also das US-Flugzeug an mit größeren Drohnen weiter oben und kleineren,
- 2:41die so wie Tentakel offenbar da unterhängen.
- 2:45Der Pilot muss den Schleudersitz auslösen und wird nachher mit riesigem Aufwand
- 2:50hinter feindlichen Linien dann geborgen.
- 2:52Und derweil sind auch noch die US-Stützpunkte und alliierte Staaten in der Golfregion schutzlos.
- 2:59Angriffen iranischer Billigdrohnen natürlich zur gleichen Zeit ausgesetzt gewesen.
- 3:02Da sind Radare, Fluggerät für zig Milliarden Dollar von Billigdrohnen kaputt gemacht worden.
- 3:08Herr Mölling, und diese Parallelen, einerseits das in Russland,
- 3:11einerseits andererseits das im Iran, Die sind ja schon ziemlich frappierend.
- 3:16Kann man hier etwas salopp formuliert sagen, in beiden Fällen haben sich die
- 3:19Generäle der Armeen für den Krieg von gestern vorbereitet und sind kalt erwischt worden?
- 3:26Ich glaube, das kann man in beiden Fällen nicht sagen, weil.
- 3:31Die Entwicklung der Drohnen, das ist ja sozusagen, wenn Sie so wollen, genau das Paradoxe.
- 3:39Dass die Drohnen jetzt so eine besondere Rolle einnehmen, ist ja erstmal eine
- 3:43Entwicklung, die vor allen Dingen durch den Konflikt in der Ukraine beschleunigt worden ist.
- 3:49Also die Drohnen gab es schon ganz lange, die haben, wenn Sie so wollen,
- 3:52einen Dornröschenschlaf gehabt.
- 3:54Wenn man sich heute die Shahed-Drohnen oder die Iran-Drohnen,
- 3:58die die Russen und die Iraner benutzen, anguckt, dann ist das eigentlich das
- 4:02äußere Design einer deutschen Drohne aus den 1950er, 1960er Jahren.
- 4:07Man hat bloß keine richtige Anwendung dafür gehabt. Und jetzt,
- 4:11teilweise aus der Not geboren und im Krieg aus der Kriegsnot und sozusagen den
- 4:16Bedarfen geboren, hat man angefangen, diese Sachen weiterzuentwickeln.
- 4:20Parallel dazu gab es schon einen Strang, auch das muss man sagen,
- 4:23wo ganz einfache, simple Drohnen, also viel kleiner als die Geran- oder Scherad-Drohnen,
- 4:30genutzt worden sind, zum Beispiel durch die Kämpfer von ISIS.
- 4:34Also man hat dann irgendwann angefangen, die sogenannten improvisierten,
- 4:39das deutsche Wort kenne ich gar nicht mehr, improvisierten Sprengsätze,
- 4:44nicht mehr nur irgendwo zu platzieren, sondern sie mit Drohnen zu transportieren.
- 4:48Also man ist da völlig pragmatisch und doktrinenlos. Also man hält da nicht
- 4:53an irgendwelchen Ideologien im Grunde genommen fest. Das kann man sich im Krieg nicht leisten.
- 5:00Wir sehen, glaube ich, in beiden Fällen einfach auch die Abwesenheit effektiver Abwehr.
- 5:06Also wir haben in beiden Fällen, also gerade bei der Ukraine,
- 5:10Flugabwehr reicht nicht mehr aus.
- 5:12Wogegen die Flugabwehr nun ist, im Speziellen, das ist, ich will nicht sagen, egal.
- 5:17Aber wir haben systematisch, gerade im Westen, solche Systeme mit Flugabwehrkanonen einfach abgerüstet.
- 5:23Im Prinzip ist die technische Lösung, die ist technologisch verfügbar.
- 5:27Das ist nicht das Problem. Wir sind bloß jetzt nicht in der Lage,
- 5:30das so schnell nachzurüsten.
- 5:32Aber das Problem ist sozusagen eher ein Problem, das sich über Zeit dann irgendwann wieder lösen wird.
- 5:36Die andere Dimension ist, glaube ich, und das ist bei dem Iran-Fall so,
- 5:39es trifft aber auch für die Ukraine zu.
- 5:42Es gibt eine Kontinuität im Krieg, die ungebrochen ist und die hier auch wieder,
- 5:47zum kompletten Durchschlag kommt.
- 5:48Das ist vor allen Dingen auch ein Krieg der Informationen und ein Krieg der Bilder.
- 5:52Also das, was wir berichten oder was Sie berichten, ist das,
- 5:57was Ihnen als Information zur Verfügung gestellt wird. Das fliegt ja nicht durch
- 6:00den luftleeren Raum und Sie greifen das auf, sondern wir alle sind Projektionsfläche von Propaganda.
- 6:07Und man musste sich das ganz klar vorstellen.
- 6:10Die wird nicht nur von jemandem anderes produziert, sondern jeder Sender sucht einen Empfänger.
- 6:17Die wird auch für den Empfänger genau produziert. Der soll genau das denken, was wir darüber denken.
- 6:23Und das verpennen wir. Wir tun so, als ob wir durch Zufall an einem Kriegsschaufenster
- 6:28vorbeischlendern und wir würden dort irgendetwas sehen.
- 6:30Nee, auch die Werbung bei Karstadt oder KDW, die ist ja für uns gemacht.
- 6:36Ich glaube, das ist der wesentliche Punkt. Der Hass ist eine Kontinuität,
- 6:39die wiederum auch zeigt, wie wichtig der Mensch in dem Zusammenhang ist und
- 6:41soziale Gruppen und so weiter und so fort.
- 6:43Das darf man, glaube ich, nicht vergessen. Deswegen ist eine der wichtigsten
- 6:46Entwicklungen auch die mediale Begleitung, die sich stark, glaube ich,
- 6:50zurzeit verändert gegenüber Krieg, wo es eben nicht nur um Krieg geht,
- 6:54sondern eben auch im Hintergrund um die Diskussion, die wir jetzt auch führen.
- 6:57Welche Technologie ist denn die richtige? Und das hat ja wiederum was damit
- 7:01zu tun, dass wir in Deutschland, in Europa gerade in der Aufrüstungskurve sind.
- 7:04Und die Frage ist nicht nur, was passiert im Kriegsschauplatz,
- 7:07sondern wie sollten wir uns darauf eigentlich einstellen? Und machen wir eigentlich
- 7:10das Richtige in dem Zusammenhang? So, jetzt zurück zum Iran.
- 7:13Naja, ich meine, jetzt kann man sagen, der Iran ist wahrscheinlich eine der
- 7:18Kriegsschauplätze oder diese Kampagne wird wirklich in die Geschichtsbücher
- 7:21als die schlechteste und dümmste eingehen, die man je gesehen hat wahrscheinlich.
- 7:25Aber es ist eben keine griechische Tragödie, sondern es ist wirklich eine Soap, die wir da gerade sehen.
- 7:30Dramatisch aufgrund der Folgen, aber wirklich schlecht.
- 7:33Dass der amerikanische Pilot darüber fliegt, liegt an der Fehlannahme,
- 7:36dass man Luftüberlegenheit gehabt hat.
- 7:39Und dann kommt jetzt natürlich, kann man sagen, das Traditionelle zum Tragen,
- 7:42Luftüberlegenheit definiert, als da gibt es keine Flugabwehr mehr.
- 7:45Und dann kann es mal sein, dass so eine Drohnensache kommt, aber...
- 7:49Ich kenne keinen Bericht, der sagt, die Iraner nutzen systematisch Drohnen jetzt,
- 7:54um Luftüberlegenheit von anderen zu kompromittieren im Grunde genommen.
- 8:00Diese Kampagne als auch die letzte Kampagne gegen den Iran, also letztes Jahr
- 8:05der Zwölftagekrieg, sind eigentlich eher ein Ausdruck für das Gegenteil.
- 8:09Nämlich für eine klassische Luftkampagne, strategische Bomber,
- 8:15Ausschalten von Flugabwehr und dann alles platt machen. Wenn man einen Plan
- 8:19gehabt hätte, hätte man auch gewusst, was man eigentlich platt machen sollte.
- 8:22Mit normalen Kampfflugzeugen. Da haben Drohnen keine Rolle gespielt.
- 8:26Dass die Drohnen jetzt wiederum im Golf eine Rolle spielen, hat was damit zu
- 8:29tun, dass erneut die Abwehrmöglichkeiten zu gering gewesen sind.
- 8:34Die sind zwar vorhanden gewesen, aber man hat eben sich offensichtlich nicht
- 8:38auf einen solchen langen und tiefen Konflikt eingestellt, sodass man irgendwann
- 8:42an die Grenze gekommen ist.
- 8:43Und Hemmeling, in dem, was Sie gerade gesagt haben, waren jetzt schon eine ganze
- 8:46Reihe wichtiger Punkte ja drin, die wir auch im Verlauf noch etwas vertiefen
- 8:50wollen. Einerseits die Frage nach der Aufrüstung, so wie sie gerade läuft.
- 8:55Was brauchen wir, was brauchen wir nicht und warum?
- 8:57Andererseits auch der Punkt der Propaganda, der total wichtig ist.
- 9:01Was kriegen wir gezeigt? Warum kriegen wir was gezeigt? Wie gehen wir damit um?
- 9:05Wie kritisch müssen wir dem gegenüber treten? Ein Reizwort, was in dieser ganzen
- 9:10Debatte um neue Kriegsführung oder neu erscheinende Kriegsführung,
- 9:13muss man vielleicht sagen, ja immer wieder auftaucht, was Sie noch nicht angesprochen haben.
- 9:18Will ich aber mal sozusagen dem voranstellen, künstliche Intelligenz, KI.
- 9:23Das spielt ja in dem Zusammenhang eine riesige Rolle.
- 9:26Und ich saß vor einigen Wochen in Tallinn bei einer Konferenz zusammen mit einem
- 9:32US-Konteadmiral AD, Mark Montgomery.
- 9:35Der hat in seiner Militärkarriere bei der Marine unter anderem Flugzeugträger
- 9:40gesteuert und hatte sonst hohe Posten inne.
- 9:43Und der hatte eine griffige Formulierung, die ich seitdem immer wieder höre,
- 9:48in the loop, on the loop, out of the loop.
- 9:52Vielleicht, Herr Mölling, können Sie gleich mal ein bisschen erklären,
- 9:55was das bedeutet, was für eine Denke da dahinter steht und auch etwas grundsätzlicher was sagen.
- 10:01Es ist ja häufig zu lesen, dass es ein neues Wettrüsten gibt mit KI und dass
- 10:08sich das gerade dabei ist, sozusagen gegenseitig aufzuschaukeln.
- 10:11Die eine Seite schafft solche Systeme an, die immer leistungsfähiger werden.
- 10:16Die andere Seite versucht nachzuziehen und das ist sozusagen ein sich gegenseitig,
- 10:20verstärkendes Phänomen. Wie bedrohlich ist das und wie verändert das die Art,
- 10:25wie Kriege in Zukunft geführt werden? Was für einen Effekt hat das und was konkret ändert sich?
- 10:30Also, wo fängt man an? Also die KI, künstliche Intelligenz oder Automatisierung.
- 10:38Gibt es schon länger im Verteidigungsbereich, aber in sehr, wie soll man sagen,
- 10:45nicht so prominenten Dingen für Logistik.
- 10:48Also die künstliche Intelligenz ist ja insbesondere dazu da,
- 10:51um sozusagen Routinen zu beschleunigen und solche Geschichten.
- 10:53Das ist, glaube ich, der wichtige Punkt. Deswegen gibt es das in der Logistik,
- 10:56da wo man Entscheidungen schnell treffen muss. Und das ist der wichtige Punkt,
- 10:58dass man sieht, die künstliche Intelligenz kann mir helfen, schneller zu entscheiden,
- 11:02vor allem schneller als der Gegenüber.
- 11:05Deswegen ist dieses Loop, der Begriff kommt oder wird oft verwendet,
- 11:09wenn es um Entscheidungen geht.
- 11:12Da gibt es im Englischen oder im Amerikanischen den sogenannten OODA-Loop.
- 11:16Das heißt auf gut Deutsch ungefähr sowas wie beobachten, orientieren,
- 11:21entscheiden und handeln. Das ist sozusagen einmal eine Kette.
- 11:25Da ist die Frage, welche Rolle spielt der Mensch, gerade wenn es um die Entscheidung
- 11:28geht, einen anderen Menschen zu töten.
- 11:31Das ist nach unseren ethischen Maßstäben etwas, was ein Mensch entscheiden muss
- 11:34und nicht eine Maschine.
- 11:36Daraus kommt die ganze Geschichte. Gleichzeitig ist immer, wenn der Mensch ins Spiel kommt...
- 11:41Die Frage, wie schnell bin ich denn? Denn derjenige, der als Zweites schießt,
- 11:46der ist möglicherweise meistens der Verlierer in dem Zusammenhang.
- 11:49Also geht es auch um die Geschwindigkeit, schneller zu sein als der andere.
- 11:53Und das ist eine Idee, die die technologische Entwicklung sicherlich schon sehr
- 11:57lange prägt, aber gerade durch die Digitalisierung nochmal eine ganz besondere
- 12:02Verstärkung bekommen hat.
- 12:03Also derjenige, der schneller ist beim Aufklären, beim Finden eines Zieles und
- 12:06dann beim Schießen auf das Ziel,
- 12:08der ist derjenige, der im Grunde auf dem Schlachtfeld siegreich sein kann.
- 12:12Und deswegen gibt es viele Überlegungen, den Menschen zu entlasten,
- 12:16an jedem Punkt dieser oder in jeder Phase dieses Loops, dieser Schleife,
- 12:20durch Automatisierung und oder künstliche Intelligenz.
- 12:23Also künstliche Intelligenz ist dann auch eine Form von Automatisierung.
- 12:27Jetzt kriege ich wieder Ärger, weil sie sagen, das ist schon ganz anderes.
- 12:29Aber so muss man sich vereinfacht eigentlich vorstellen.
- 12:32Und deswegen stellt sich die Frage, wo ist es ethisch vertretbar und militärisch
- 12:36immer noch sinnvoll, Menschen in der Entscheidung drinnen zu haben.
- 12:41Das wäre in the loop. Dann gibt es das on the loop. Das heißt,
- 12:44der Mensch beobachtet von oben noch die Entscheidungsfindung,
- 12:48hat das vielleicht selber mal irgendwann konzipiert, ist aber ansonsten im Grunde
- 12:51genommen raus. Aber er kann auch die Verantwortung auch dafür letztendlich.
- 12:56Und das heißt, er kann auch noch eingreifen in diese Entscheidungsfindung.
- 13:00Oder es gibt eben das andere Out of the Loop. Das ist das, was viele meinen
- 13:04zurzeit schon zu entdecken in der Ukraine, wo das System im Grunde genommen
- 13:08komplett für sich alleine entscheidet.
- 13:10Und das sind die drei wesentlichen Unterschiede. Und die setzen uns natürlich
- 13:14im westlichen Friedenszustand unter Druck, weil wir eine Debatte wahrscheinlich
- 13:18bald wieder anfangen werden zu führen.
- 13:20Bei vielen Leuten grummelt es ja auch bei diesem Thema KI und Waffen.
- 13:24Wie weit es zwischen dem Spannungsverhältnis ethisch richtig und militärisch
- 13:28effektiv über den Einsatz von künstlicher Intelligenz eigentlich entschieden
- 13:33werden soll. Für die Ukraine stellt sich diese Frage in dem Sinne deutlich weniger.
- 13:37Ich will nicht sagen nicht, aber sie stellt sich deutlich weniger,
- 13:40weil die sagen, naja, also wir müssen schneller sein als der andere.
- 13:44Ja, bei uns hat die ethische Erwägung eine direkte Folge, nämlich dass unsere Leute tot sind.
- 13:50Das kann ich niemandem als ethisch gerechtfertigt erklären. Und ich glaube,
- 13:54das ist die interessante Spannung, die sich für uns in dieser neuen Debatte
- 13:58aufmachen wird, dass man sagt, naja, das, was ihr ethisch verlangt,
- 14:01ist, unsere Leute sollen ethisch sterben und die anderen sollen unethisch gewinnen.
- 14:04Ich überspitze es jetzt mal, aber darauf wird es hinauslaufen,
- 14:07denn wir haben es immer in solchen Diskussionen durch die Vereinfachung,
- 14:11eine notwendige Vereinfachung immer mit so einer Duellsituation zu tun.
- 14:14Da spielen andere Sachen, also eine komplexere Situation mit mehr Akteuren spielt
- 14:18dann keine Rolle in der Zusammenarbeit. Aber das ist der große Zusammenhang
- 14:21und der Kern dieser ganzen Debatte, egal wo die KI zum Einsatz kommt.
- 14:25Total guter Punkt, dass Sie daran nochmal unterstreichen.
- 14:29Wenn man gerade im Krieg steckt, hat man eine ganz andere Gesprächsgrundlage,
- 14:34mal salopp gesagt, als wenn man sich über Szenarien, die hoffentlich nie eintreten,
- 14:39Gedanken macht und wie man dann damit umgehen würde. Das.
- 14:45Ist eine gute Rampe für meine nächste Frage. Es gibt ja mal sehr schematisch
- 14:51sortiert zwei Sorten von Experten, die sich,
- 14:55beschäftigen mit diesen ganz neuen Phänomenen, Drohnen, die automatisch,
- 14:59halbautomatisch mit KI gesteuert oder teilweise gesteuert unterwegs sind.
- 15:04Die einen sagen, naja, was da in der Ukraine oder am Persischen Golf oder im
- 15:10Gaza-Krieg oder im Sudan oder wo auch immer alles passiert, das ist ja alles sehr interessant.
- 15:14Aber für uns im NATO-Zusammenhang in Mitteleuropa ist das nicht eins zu eins relevant.
- 15:20Denn wir wollen ja, wenn wir denn mal müssten, einen ganz anderen Krieg führen,
- 15:26einen Krieg gewissermaßen auf Distanz.
- 15:28Wir wollen eben genau nicht so einen Nahkampf, so einen Abnussungskrieg haben
- 15:32oder hineingeraten, wie der in der Ukraine zu beobachten ist,
- 15:36sondern wir wollen den Gegner, Klammer auf Russland, Klammer zu, im Fall der Fälle.
- 15:43Lange stoppen, bevor das überhaupt soweit kommt, auf dem eigenen Territorium idealerweise.
- 15:49Jedenfalls lang bevor Deutschland als Territorium Kriegsschauplatz würde.
- 15:54Und darum brauchen wir so Dinge wie weitreichend Raketen, das Beste,
- 15:58was wir haben können in der Luftabwehr, gute Aufklärung via Satellit oder andere
- 16:03Systeme und eine Software, die das alles gut miteinander integriert.
- 16:08Und eben zum Beispiel Drohnen, von denen jetzt alle sprechen und die alle so
- 16:11aufregt, die brauchen wir vielleicht gar nicht so dringend.
- 16:14Das ist sozusagen mal die eine Seite, sehr schematisch, wie gesagt.
- 16:17Dann gibt es die andere Seite, die sagen, diese Vorstellung,
- 16:20dass man diesen Distanzkrieg im Fall der Fälle, so wie man sich das irgendwie
- 16:23als NATO lange vorgestellt hat,
- 16:25dass man davon ausgehen kann, dass man den noch so wird führen können,
- 16:29wenn es denn zu einem Konflikt mit Russland käme, das ist eine gefährliche Illusion.
- 16:33Die Kriegführung verändert sich dank KI in Kombination mit Drohnentechnik und anderen Dingen total.
- 16:39Wir müssen dringend von der Ukraine lernen, zum Beispiel gerade,
- 16:42was deren Command- und Control-Fähigkeiten angeht.
- 16:45Also Sensoren, Beobachtung, Erfassung von dem, was im relevanten Raum passiert,
- 16:51die man dann einspeisen kann in Systeme, die einem helfen, eine richtige Antwort zu finden.
- 16:58Herr Merlin, können Sie das mal so ein bisschen sortieren, diese beiden Seiten?
- 17:01Wer hat da Recht, wer hat da Unrecht? Gehen da Dinge durcheinander?
- 17:03Es ist ein bisschen von beiden. Wie sehen Sie das?
- 17:06Vielleicht muss man so mal anfangen. Also das Zusammenschalten von Sensoren,
- 17:14mir das sogenannte Lagebild, also was passiert da eigentlich, verbessert.
- 17:19Das ist keine Erfindung der Ukraine. Also wir haben zurzeit, glaube ich,
- 17:23in einigen Teilen der Debatte so eine Überfokussierung, als ob man entdeckt
- 17:29sozusagen Krieg und was da passiert neu oder zum ersten Mal,
- 17:33weil man jetzt bei der Ukraine sozusagen irgendwo mit dabei ist und das mit zuguckt.
- 17:37Das ist zwar auf der einen Seite
- 17:38verständlich, weil der Mensch viel durch Zuschauen und Imitieren lernt.
- 17:44Man darf aber gewissern, es gibt Menschen, die beschäftigen sich schon länger,
- 17:49mit Krieg und haben sich die Kriege der letzten Jahrhunderte im Grunde genommen angeguckt.
- 17:53Und da ist vieles von dem, was wir in der Ukraine sehen, auch nichts anderes
- 17:57als das, was man vorher schon versucht hat.
- 17:59Also die Fusion von Sensoren machen die Amerikaner seit Jahrzehnten und machen
- 18:03das extrem gut. Das muss man schon sagen, das sieht man an den Fähigkeiten,
- 18:07die sie zur Aufklärung haben.
- 18:09Nicht so sehr das Problem des Kriegsbildes.
- 18:11Ich glaube, von daraus kann man überleiten zu der Übertreibung,
- 18:15dass wir zurzeit es quasi mit
- 18:17einer täglichen Revolution der militärischen Angelegenheiten zu tun haben.
- 18:22Das ist im Bereich der Militärstudien immer mal wieder so ein Begriff,
- 18:28im Englischen Revolution in Military Affairs, wo man denkt, dass ganz revolutionäre
- 18:32Veränderungen stattfinden.
- 18:33Ich glaube, wir können zum jetzigen Zeitpunkt erstmal nur davon sprechen,
- 18:37dass wir eine Verschiebung sehen des Kriegsbildes, aber eben keine Revolution.
- 18:40Das ist nicht komplett neu, sondern hier werden Dinge schrittweise ersetzt.
- 18:44Und ich glaube, keiner sagt, dass die Drohnen nicht eine Rolle spielen.
- 18:48Sie spielen jetzt ja auch schon eine Rolle in der Planung der Militärs,
- 18:50wo sie sagen, nicht, wir brauchen die Drohnen, sondern wir brauchen vor allem
- 18:54als erstes mal Abwehr gegen die Drohnen.
- 18:56Weil ich bislang einen Plan habe, wie ich Krieg führen will.
- 19:01Und wenn mein Gegner etwas Neues kann, dann muss ich mir überlegen,
- 19:03wie kann ich trotzdem das, was ich machen will, eigentlich weitermachen.
- 19:07Also ist die erste Möglichkeit eine Abwehr dieser neuen Fähigkeit.
- 19:11Also das ist Drohnenabwehr oder Flugabwehr.
- 19:14Ganz klassisch an vielen Punkten einfach mit Maschinenkanonen.
- 19:18So, das ist das, was sich im Grunde genommen, glaube ich, verschiebt.
- 19:21Das heißt, der Mix dessen verschiebt sich oder ich würde sogar sagen,
- 19:24er erweitert sich. Da wird kein einziges anderes Waffensystem obsolet,
- 19:28sondern ich habe einfach ein neues Waffensystem oder eigentlich eine Munition
- 19:32betritt das Schlachtfeld.
- 19:34Und in zehn Jahren ist es völlig normal, dass wir Drohnen haben werden,
- 19:37zumindest diese kleinen, weil sie quasi eine Form von intelligenter Munition sind.
- 19:41Das haben wir aber ehrlich gesagt bei Artillerie-Munition auch schon in den
- 19:45letzten Jahren und Jahrzehnten gehabt. Das haben wir bloß nicht so ausgewälzt,
- 19:48weil es einfach teuer gewesen ist.
- 19:50Also von daher diese Idee der Verschiebung.
- 19:56Da muss man, glaube ich, sehr vorsichtig mit sein. Das bedeutet nicht,
- 19:59Dass man nicht aus anderen Gründen diese, ich sag mal, diese Spanne,
- 20:02die sie eben richtigerweise aufgemacht haben zwischen eigentlich wollen wir,
- 20:06eigentlich plant die NATO einen kurzen, hochintensiven Krieg gegen Russland,
- 20:11wenn wir angegriffen werden,
- 20:13weit bevor Armeen überhaupt aufeinander prallen.
- 20:17Und damit auch Infanterien und aufeinander geschossen wird mit Gewehren oder
- 20:22so, lange, lange, tausende von Kilometern vorher.
- 20:26Das ist eigentlich die grundsätzliche Idee. Und diese Idee hat natürlich eine
- 20:30große Lücke in dem Augenblick, in dem die Amerikaner.
- 20:34Die Munition, die Raketen, die man braucht, um das zu machen,
- 20:37nicht mehr zur Verfügung stellen und auch die Aufklärungsmittel nicht mehr zur Verfügung stellen.
- 20:41Das ist die Situation, vor der wir jetzt gerade stehen, die auch unseren Verteidigungsminister
- 20:45so nervös macht, aus gutem Grund, weil das ein wesentlicher Pfeiler unserer
- 20:49Verteidigung im Grunde genommen gewesen ist.
- 20:51Wenn der wegfällt oder zum jetzigen Zeitpunkt erstmal nicht da ist,
- 20:55dann rutscht man viel mehr weg von diesem hochintensiv und kurz,
- 20:59in weniger intensiv und lang, also Abnutzungskrieg im Grunde genommen,
- 21:04indem man dann reinrutscht.
- 21:07Und das ist eine Situation, die man natürlich eigentlich vermeiden will.
- 21:11Das heißt, wir haben auf der einen Seite jetzt die Herausforderung,
- 21:13einen Krieg in einer Übergangsphase für Europa etwas anders zu planen mit dem, was wir haben.
- 21:19Das fällt unter diesem Begriff Fight Tonight, also was wir heute Abend auf den Hof stellen können.
- 21:24Und gleichzeitig zurückzukommen in die, ich sag mal, komfortable Kriegsführungsfähigkeit,
- 21:29nämlich den Gegner lange zu bekämpfen, bevor wir Infanteriesoldaten gefährden
- 21:34müssen in einem Gefecht quasi Mann gegen Mann.
- 21:38Herr Mölling, Rüstung und Aufrüstung.
- 21:40Wir haben bisher immer von der Planung gesprochen. Was kommt auf uns zu?
- 21:44Wie müssen wir darauf reagieren?
- 21:46Ich würde gerne nochmal auf eine andere Ebene kommen. Rüstung ist ja immer auch ein Geschäft.
- 21:51Und wir in Deutschland nehmen gerade hunderte Milliarden in die Hand,
- 21:55um sozusagen in atemberaubender Geschwindigkeit binnen weniger Jahre aufzurüsten.
- 22:00Nachzurüsten, um diese Fähigkeiten, von denen Sie gerade gesprochen haben,
- 22:04die uns gerade abhanden kommen, zu ersetzen und eben diese Drohkulisse aufzubauen bzw.
- 22:09Auftritt zu erhalten, von der wir hoffen, dass die Russland auch zukünftig dann
- 22:13davon abschreckt, die NATO anzugreifen,
- 22:17wenn sich die USA weiter aus dem Bündnis zurückziehen sollten.
- 22:20Aber so viel Geld weckt natürlich immer auch viele Begehrlichkeiten.
- 22:25Und es gibt ja, wenn man so will, zwei Arten von Firmen, die jetzt profitieren wollen.
- 22:31Das sind einmal die etablierten großen Rüstungsschmieden.
- 22:35Rheinmetall, MBDA, TKMS, KNDS, der Abkürzung gibt es ja da sehr viele.
- 22:43Wenn man so will, ist das die alte, in Anführungszeichen, Rüstungsszene.
- 22:47Die bauen, wenn man es mal salopp sagt, gerne Sachen, die sehr groß und sehr teuer sind.
- 22:52Und zwar so groß und so teuer, dass es eigentlich nur geht, wenn der Staat mit
- 22:56Steuergeld da reingeht und bestimmte Garantiezusagen macht.
- 23:01Und die übrigens auch so groß und teuer sind, wenn mal was daneben geht.
- 23:04Und dafür gibt es ja in jüngster Zeit einige anschauliche Beispiele bei dem
- 23:08deutsch-französischen Kampfstedt-Projekt, bei den neuen U-Boot-Fregatten,
- 23:12die gebaut werden sollten für die Bundesmarine und man findet sicher noch weitere.
- 23:17Und dann gibt es auf der anderen Seite eine ganz andere Szene aus kleinen und
- 23:21mittelgroßen Start-ups, die es noch nicht so lange gibt, von denen sich viele
- 23:24gerade in den allerletzten Jahren erst gegründet haben.
- 23:27Mit einer direkten Anbindung an die Ukraine, teils sogar sozusagen an einzelne
- 23:32kämpfende Brigaden, mit denen
- 23:33die kooperieren und wo sie sich sozusagen Innovationen auch herholen.
- 23:38Kombiniert dann teilweise mit großen Tech-Firmen, zum Beispiel wie diesem US-Branchengiganten
- 23:43Unreal, der eigentlich mal eine Softwarefirma von Haus aus ist,
- 23:46die dann aber dazu übergeht, und zwar binnen kürzester Zeit,
- 23:50kaum anderthalb Jahre, einen autonomen Kampfjet mal eben so zu entwickeln und
- 23:55hinzustellen, den hat die US-Armee in den letzten Monaten getestet und will den jetzt anschaffen,
- 24:00der dann außerdem auch einen Bruckteil dessen kostet, was man für so eine F-35 dann ausgeben muss.
- 24:05Und die finanzieren sich nicht durch den Staat und sind da wesentlich unabhängiger,
- 24:09sondern die operieren natürlich mit privaten Investitionen.
- 24:13Herr Mölling, wenn man sich diese Konkurrenzkonstellation mal anschaut zwischen
- 24:17den alten und den neuen Playern in der Rüstungsszene, was hat die für einen
- 24:22Effekt, wenn jeder versucht, sozusagen ein möglichst großes Stück von dem neuen
- 24:25großen Kuchen abzubekommen.
- 24:27Also Beispiel deutsches Sondervermögen, deutsche Milliardeninvestitionen in
- 24:32den nächsten wenigen Jahren. Und wie groß ist die Gefahr.
- 24:37Dass wir eine Menge Geld ausgeben für Systeme, die wir im Ernstfall vielleicht
- 24:42gar nicht mehr brauchen, weil wir uns zu viel vom Alten oder zu viel vom Neuen da bestellen.
- 24:47Wie vermeiden wir, dass wir uns sozusagen für den Krieg von gestern rüsten oder
- 24:50für einen Krieg, der morgen vielleicht dann doch nicht stattfindet?
- 24:52Ja, also wenn der Krieg morgen nicht stattfindet, dann ist das ja schon mal
- 24:56gut. Dann können wir vielleicht annehmen, dass unsere Abschreckung erfolgreich
- 25:00gewesen ist, auch wenn man das nie weiß.
- 25:02Ich glaube, das ist dann sozusagen der Allgemeinplatz, den man machen muss.
- 25:05Die Zukunft ist allgemein ungewiss.
- 25:09Also das heißt, Fehler und Fehleinschätzungen können passieren.
- 25:12Man kann sich aber versuchen, systematisch darauf vorzubereiten,
- 25:16indem man viele Zukunfte durchdenkt.
- 25:18Und ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt.
- 25:21Es gibt Menschen, die werden dafür bezahlt, das zu machen.
- 25:24Das machen die vielleicht nicht immer total perfekt, aber das Gegenteil ist
- 25:29das, was wir zurzeit eben überleben, dass man sagt, der Krieg vor der Haustür
- 25:33ist das, was mich als nächstes ereilen wird.
- 25:34Das ist, glaube ich, das Schlimmste, weil das wäre ja genau das,
- 25:37wo dann mein Gegner sagt, ah, die planen nur für das, dann machen wir es aber ganz anders.
- 25:42Also ich vergesse immer, dass sich das Krieg immer bedeutet,
- 25:45dass es da auch noch jemand anders da draußen gibt,
- 25:47der ganz dezidiert mir sozusagen nach dem Leben trachtet und der dafür eine
- 25:53sehr effektive Strategie sich ausdenkt, weil er selber ja nicht dabei draufgehen will.
- 26:00Die Unternehmen, Sie haben das eigentlich sehr schön beschrieben,
- 26:03Wir haben einen wachsenden Kuchen und die einen sind quasi schon drin in dem
- 26:08Kuchen und futtern den schon auf. Und die anderen, die wollen rein.
- 26:13Die müssen jetzt ganz laut trommeln, damit sie da irgendwie reinkommen an diese Töpfe.
- 26:19Und ich will gar nicht sagen, die anderen verdrängen, aber sie müssen im Grunde
- 26:22genommen irgendwo zeigen, dass das, was sie anbieten als Lösung, gebraucht wird.
- 26:27Entweder, weil es besser ist, als das, was die anderen machen oder weil es sozusagen
- 26:31eine neue Bedrohung gibt. Das sind wir eigentlich genau bei den Drohnen.
- 26:36Und da tobt, glaube ich, zurzeit auch die lauteste Schlacht,
- 26:39die wir gerade sehen. Da muss man, glaube ich, auch nochmal hinzuschieben.
- 26:43Die größten Gewinner in diesem ganzen Spiel zurzeit, die schon ganz viel von
- 26:49den Töpfen abkriegen, die da aufgemacht worden sind, ist im Grunde genommen die Medienindustrie.
- 26:53Also wir haben einen solchen Zuwachs an Redaktionen, an Menschen,
- 26:57die in Redaktionen arbeiten, an Outlets, an Konferenzen.
- 27:00Da wird so viel Geld zurzeit rausgekippt, einfach um an diesen Topf dran zu
- 27:05kommen, an den größeren Topf dran zu kommen.
- 27:07Das ist unglaublich. Ich beobachte das zurzeit leider nur anekdotisch.
- 27:11Irgendwann nehme ich mir mal die Zeit und werde das mal versuchen,
- 27:13einigermaßen nachzuvollziehen.
- 27:15Aber da geht gerade viel Investition schon da rein, um überhaupt an diese Töpfe dran zu kommen.
- 27:20Für die kleinen Startups ist das natürlich total wichtig, weil die Startups
- 27:25nicht ihr eigenes Geld verbrennen, sondern das Geld anderer Leute.
- 27:28Und sie müssen rechtfertigen, dass sie das gemacht haben, indem sie irgendwann
- 27:31einen Auftrag bekommen.
- 27:32Also wir haben viele Unternehmen, die nennen sich auch noch Startups,
- 27:36teilweise sind sie schon ganz lange am Markt und haben viel Geld eingesammelt,
- 27:39aber es ist Geld anderer Leute.
- 27:41Aber das Geld kann zurückgezogen werden. Und das Geld wird zurückgezogen,
- 27:44wenn die nicht in absehbarer Zeit einen Auftrag bekommen vom Staat.
- 27:50Und darum geht es zusammen. Aber wenn ich ganz kurz mal einhaken darf,
- 27:53ich will Sie gar ungern unterbrechen.
- 27:55Aber wenn also über 15 Jahre eine Fregatte, ich habe den Namen vergessen,
- 28:00es ging mit F-126, entwickelt wird, erst von der einen Firma in Holland, später von Rheinmetall,
- 28:08und da Milliarden an, sage ich mal, Vorschuss reingeht und Steuergeld,
- 28:13was dann nachher aber nicht zu einem Schiff führt, was irgendjemand gebrauchen
- 28:17kann für die Zwecke, die man dringend erfüllen muss.
- 28:19Das ist ja auch verbranntes Geld, nämlich in dem Fall Steuergeld.
- 28:22Total, aber ohne das Steuergeld, also die heutigen Drohnenhersteller hätten
- 28:26ja gar nicht angefangen, ein so komplexes System zu entwickeln.
- 28:28Wir vergleichen gerade das größte Waffensystem, das es gibt,
- 28:32also ein Schiff, was im Grunde genommen eine Ansammlung unterschiedlichster
- 28:36Waffensysteme ist, mit einem Munitionsstück.
- 28:40Also eine Drohne ist im Wesentlichen eine Munition.
- 28:44Das ist so ein Unterschied zwischen Grasnarbe und Stratosphäre.
- 28:49Das muss man sich, glaube ich, immer wieder klar machen.
- 28:52Ich erlebe das leider in diesen Diskussionen immer wieder, dass man ganz schnell
- 28:55von der strategischen Ebene, wir führen Krieg und wollen große Effekte erzielen.
- 29:00Und dann kommt man mit einem einzelnen Munitionsaspekt um die Ecke.
- 29:04Das muss man, glaube ich, sehr klar machen. Die Drohne,
- 29:08insbesondere die Kleinstdrohne, ist nichts anderes als eine weiterentwickelte.
- 29:15Artilleriegranate, die langsamer fliegt, die aber verfügbar gewesen ist,
- 29:19gerade für die Ukrainer.
- 29:20Und das ist immer vergleichbar, aber nicht mit nichtem Gleichzusetzen mit einem
- 29:26Kriegsschiff, das über, ich weiß nicht was, zehn unterschiedliche Waffensysteme
- 29:29plus eigener Sensorik und so weiter und so fort verfügt.
- 29:33Das ändert nichts daran, dass die Kritik...
- 29:37Oder mein Eindruck ist, dass wir bei Kampfschiffen an die Grenze gekommen sind,
- 29:43an die Grenze der Komplexität dessen, was als Rüstungsprojekt noch machbar ist, weil sie in Europa,
- 29:49glaube ich, zum jetzigen Zeitpunkt kein einziges laufendes Marine-Rüstungsprojekt
- 29:53haben, das auch nur ansatzweise gut läuft.
- 29:58Und weil Marine-Projekte von vornherein einfach riesenteuer sind,
- 30:02versenkt man auch unendlich viel Geld in dem Zusammenhang.
- 30:05Es gibt keinen Privatinvestor auf der ganzen Welt, der, glaube ich,
- 30:09in ein Zerstörer- oder Fregattenprojekt investiert, weil das Versenken von zwei
- 30:13Milliarden, da müssen sie sich schon leisten können.
- 30:17Da müssen sie sagen, das habe ich sozusagen, plus die Aussicht oder wenn Sie
- 30:21in die Vergangenheit gucken, die maritimen Rüstungsprojekte,
- 30:25alle so, na, nicht so richtig gut.
- 30:28Nicht nur in Deutschland, auch in ganz Europa muss man einfach sagen,
- 30:31die laufen tatsächlich nicht wahnsinnig gut.
- 30:34Und von daher haben wir nicht nur unterschiedliche Arten von Unternehmen,
- 30:38sondern wir haben letztendlich auch unterschiedliche Arten von Produkten,
- 30:41die die dann verkaufen. Das muss man, glaube ich, auch mit dazu nehmen.
- 30:45Das, was wir bei den Drohnen sehen, das ist bei anderen Sachen auch so,
- 30:48die neu jetzt dazukommen. Das, wenn wir jetzt nach den fliegenden Drohnen kommen,
- 30:51jetzt die fahrenden Drohnen, die werden alle durch einen Prozess der militärischen Härtung gehen.
- 30:58Das heißt, sie fangen an und nehmen was und packen es auf das Gefechtsfeld.
- 31:02Wir reden alle ganz viel über die Innovationsfähigkeit der Ukrainer.
- 31:06Alle zwei Wochen was Neues. Ja, woran liegt das?
- 31:09Das ist ein Härtungsprozess. Wir erleben live den Härtungsprozess,
- 31:13weil die Dinger auf einmal nicht mehr überlebensfähig sind, weil der andere
- 31:15was Besseres entwickelt hat.
- 31:17Wird die Drohne dadurch billiger? Nee, sie wird teurer, weil ich eine höhere
- 31:21Geschwindigkeit oder eine größere Höhe mit der Drohne erreichen muss.
- 31:25Oder ich muss dann bei den gefahrenen Fahrzeugen, ich muss die anfangen zu panzern,
- 31:29oder schneller fahren zu lassen. Oder wie schütze ich eigentlich das System?
- 31:32Dann wird es wieder teurer, es wird schwerer, es braucht mehr Energie.
- 31:36Und dann bin ich auf einmal in einem System drin, wo ich dann doch auf einmal
- 31:40nicht mehr vierstellig, sondern fünfstellig oder sechsstellig an Summe aufrufe pro System.
- 31:45Das heißt, der Innovationszyklus, von dem ja so oft die Rede ist,
- 31:48der sich immer beschleunigt, ist auch ein Kostentreiber.
- 31:51Ich kann das jetzt nicht nachvollziehen, aber das wäre meine These.
- 31:54Also zumindest bei dem, was wir in bestimmten Segmenten an Entwicklung sehen.
- 31:58Und auch, wenn wir jetzt nochmal zurückgehen, wie andere militärische Systeme sich entwickelt haben.
- 32:04Also der Doppeldecker, mit dem man angefangen hat, im Ersten Weltkrieg zu fliegen,
- 32:09das würde sich heute keiner mehr trauen, das zu machen.
- 32:12Weil man einfach sagen muss, naja, wir wissen ja, was passiert.
- 32:15Der ist ja mit einer Schrotflitte runterholbar.
- 32:18Also fange ich an, den Meer zu panzern. Da muss ich einen dickeren Motor vorne
- 32:21reinringen. Irgendwann passt der Motor nicht mehr. Dann muss ich sozusagen die
- 32:24Flächen neu ausjustieren, weil das Gewicht nicht mehr richtig passt und so weiter und so fort.
- 32:29Und so bin ich im Grunde genommen in einer.
- 32:35Perfektionierungsentwicklung eigentlich drin. Die Frage ist, kann ich die stoppen?
- 32:39Und sage ich, ich gehe statt auf Klasse,
- 32:43das wäre qualitative Weiterentwicklung, auf Masse und sage, nö, das ist mir jetzt egal,
- 32:49ich schmeiße den anderen einfach sozusagen zu Tode, egal mit wie viel das ist,
- 32:54es wird schon irgendwie reichen und ich gehe auf die billigste Produktionsmethode
- 32:58und ich glaube, das ist was.
- 33:02Wo ja auch die Ukraine offensichtlich nicht sagt, nee, nee, wir lassen das hier
- 33:06sein, sondern die auch an ihre Grenzen gerät und sagt, naja,
- 33:09wir kommen hier halt gar nicht mehr durch mit den Drohnen, weil die eben elektronisch
- 33:12angegriffen werden und deswegen nicht mehr funktionieren.
- 33:15Die elektronische Kriegführung ist dann in Anführungsstrichen keine billige
- 33:19Waffe, aber sie ist eine erneute Ergänzung und zielt auf die Schwäche eines Waffensystems.
- 33:25Und jetzt sehen Sie auch, warum dieser Fokus auf das eine Waffensystem totaler
- 33:30Quatsch ist, Weil es gibt immer den Verbund der einzelnen Waffensysteme,
- 33:35weil jedes System hat seine Stärken, aber es hat gleichzeitig auch seine Schwächen.
- 33:40Und diese Schwächen werden wiederum kompensiert durch ein anderes Waffensystem.
- 33:43Wenn ich das andere Waffensystem nicht habe, dann kommen wir zurück zu Iran
- 33:47und Ukraine Flugabwehr. Wenn ich das auf einmal nicht mehr habe,
- 33:50dann habe ich eine Vulnerabilität.
- 33:52Die will ich zwar eigentlich nicht haben. Ich weiß, dass ich die habe.
- 33:55Ich weiß auch, wie ich sie wegbekommen kann.
- 33:57Anders wäre es, wenn ich eine Innovation hätte, wo alle davorstehen und sagen
- 34:00so, oh shit, jetzt weiß ich aber auch nicht, was ich damit umgehen soll.
- 34:04Lassen Sie uns gerne nochmal zurückkommen zu der Frage, Deutschland rüstet auf.
- 34:07Wie geht das richtig oder wie gut können wir eigentlich vorwegnehmen?
- 34:11Und das muss man ja versuchen, wenn man aufrüstet.
- 34:14Mit was für einem Bedrohungsszenario es man im Zweifelsfall zu tun bekommt?
- 34:18Stellen wir uns vielleicht einfach mal vor, ein Angriff Russlands auf die NATO,
- 34:23beginnt nicht mit irgendwelchen schweren Kolonnen, die.
- 34:27Weit hinten am Ural anfangen in Richtung Westen zu rollen, sodass wir es mit
- 34:32Satellitenaufklärung oder wie auch immer sehen und rechtzeitig aus der Ferne reagieren können.
- 34:38Sondern stattdessen passiert ein Angriff auf Deutschland mit Drohnenschirmen sehr plötzlich.
- 34:43Die starten vielleicht von irgendwelchen zivilen Schiffen, die in der Ostsee
- 34:48oder in der Nordsee oder womöglich auch auf irgendwelchen Sattelschleppern an
- 34:52der Autobahnraststätte stehen.
- 34:54Hat man ja alles schon gesehen in letzter Zeit, solche Aktionen.
- 34:59Und stürzen sich auf kritische Infrastruktur, auf Umspannwerke,
- 35:03auf Flughäfen, auf Trinkwasserversorgung oder wichtige Brücken.
- 35:07Das ist ja nicht aus der Luft gegriffen. In Polen gab es einen solchen Angriff
- 35:12mit, ich glaube, etwa zwei Dutzend Drohnen.
- 35:15Da sind dann Kampfjets aufgestiegen und haben versucht, die runterzuholen,
- 35:19teilweise auch mit Erfolg.
- 35:21So ähnlich ist das ja auch bei Drohnenangriffen des Irans Richtung Israel praktiziert
- 35:26worden. Das ist natürlich ein unglaublicher Aufwand.
- 35:28Setzt auch voraus, dass man eine gewisse Flugstrecke hat. Die Dinger sind relativ
- 35:32langsam, aber ein bisschen Zeit braucht man ja, um dann mit diesen teuren Jets
- 35:36die billigen Drohnen da abzufangen.
- 35:38Das kann also eigentlich nicht die ideale Lösung sein. Und wenn es auf kurze
- 35:43Distanz sein muss, funktioniert es sowieso nicht. Das haben wir sozusagen kurze
- 35:46Distanz, persischer Golf.
- 35:47Da ist einfach gar nicht Zeit, auch wenn die Dinger langsam fliegen,
- 35:50mit Kampfjets was zu tun.
- 35:51Wenn wir uns eigentlich also so ein Szenario vorstellen, Deutschland wird mit
- 35:55Drohnen angegriffen, die hier irgendwo in der Nähe auf einmal losfliegen.
- 35:59Wie können wir uns für sowas wappnen? Wo kriegen wir die Sachen her,
- 36:03die wir da verbrauchen und wer muss die dann eigentlich bedienen und können wir das schon?
- 36:10Also ich fange mal ganz vorne an. Ich glaube, Sie weisen zu Recht darauf hin,
- 36:15dass wir uns zur Zeit erstmal sozusagen mit einem klassischen hochintensiven,
- 36:20Krieg befassen und den versuchen zu verhindern.
- 36:25Da sind wir, glaube ich, auf einem guten Weg. Und das andere,
- 36:27was Sie ansprechen, ist das, was jetzt sozusagen dringend folgen muss,
- 36:31wo wir ja auch bei uns national eine,
- 36:34erhemmliche Debatte gehabt haben um die Frage, wer macht denn jetzt eigentlich
- 36:38die Drohnenabwehr und haben wir eigentlich ausreichende Mittel dazu?
- 36:42Und ich glaube, viele der Fragen, ist mein Eindruck, sind bislang nicht gelöst,
- 36:46weil natürlich die Frage ist, dürfen kritische Infrastrukturbetreiber,
- 36:50die ich weiß nicht was betreffen.
- 36:52Die BASF oder die E.ON oder sonst irgendjemand, dürfen die mit aktiven Schutzmaßnahmen
- 36:57oder sogar Angriffsmaßnahmen, also elektronische Kriegführung,
- 37:01ihre Installationen eigentlich schützen?
- 37:04Oder wer macht das eigentlich? Ich glaube, da haben wir zurzeit noch ein riesiges
- 37:07schwarzes Loch, weil wir die damit verbundenen Externalitäten,
- 37:13wenn man es mal so technokratisch bezeichnen will, gerade nicht betrachten wollen.
- 37:17Also natürlich werden sie sofort eine Diskussion haben, ja, was ist denn,
- 37:19wenn dann irgendjemand diese abgeschossene Drohne auf den Kopf fällt?
- 37:22Klar, die Wahrscheinlichkeit ist wahrscheinlich extrem gering, dass das passiert.
- 37:26Da müsste man wahrscheinlich mal die Versicherungsleute fragen.
- 37:29Die werden einem das ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist.
- 37:31Aber so eine Debatte mit dem Potenzial zur Überhitzung werden wir haben.
- 37:35Und ich glaube, wir müssen sie einfach anfangen zu führen, weil das,
- 37:37was Sie gerade beschrieben haben als Szenario, ist zum jetzigen Zeitpunkt,
- 37:40weil wir das andere Szenario verhindern, das Wahrscheinlichere.
- 37:45Ja, auch weil wir da eine große Schwäche haben. Ja, unser Gegner beobachtet
- 37:48uns und sagt, na guck mal, wir
- 37:49haben ja gesehen, wie ihr reagiert und weil ihr nicht in der Lage seid,
- 37:53die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen ihr operiert,
- 37:56zu verändern, können wir so weitermachen und uns in den Rahmenbedingungen weiter bedingen.
- 38:01Das heißt, die Rechtssicherheit Deutschlands ist Stärke und Schwäche zugleich.
- 38:05Das gilt auch für alle anderen, um uns drum herum.
- 38:07Die Unfähigkeit zwischen Bund und Ländern, eine sehr effektive Art von Regulation
- 38:14herbeizuführen, plus Bundespolizei auch noch für die Installationen rund um
- 38:19Wasser- und Schienenwege.
- 38:23Garantiert dem Gegner, dass wir berechenbar bleiben in dem Zusammenhang.
- 38:26Und wie kann man damit umgehen? Naja, also einen bestimmten Teil wie der Lastwagen.
- 38:32Der dann gar nicht mit einem russischen Kennzeichen, sondern was weiß ich,
- 38:35was mit einem spanischen Kennzeichen an der Autobahnraststätte steht, kann man den erfassen?
- 38:39Naja, man kann natürlich anfangen, wenn man sagt, wir reduzieren den Datenschutz,
- 38:43dann kann man sagen, natürlich gucken wir, wer alles über die deutschen Autobahnen fährt.
- 38:48Und wenn wir sehen, dass ein Truck mit spanischem Kennzeichen zwar an der Passage
- 38:521 vorbeigefahren ist, an der Passage 2 aber nicht mehr und das schon seit drei
- 38:57Tagen nicht mehr, dann suchen wir den vielleicht mal. Weil da könnte ja irgendwas dran sein.
- 39:01So, und die Frage ist, bin ich bereit, nicht nur die Manpower,
- 39:06die ich nachher brauche, um die Polizei loszuschicken, sondern die Informationsdichte
- 39:10herzustellen, um solche Sachen verhindern zu können.
- 39:14Und das ist in Deutschland, glaube ich, gerade ein Riesenproblem, gerade bei uns.
- 39:18Weil wir beim Thema Datenschutz aufgrund unserer Vergangenheit,
- 39:22sowohl in Deutschland des Dritten Reichs als auch in Ostdeutschland,
- 39:27eine hohe Sensibilität haben für der Staat Nutzdaten des Individuums.
- 39:32Für was denn eigentlich genau?
- 39:34Das ist, glaube ich, der sehr nicht-militärische Hintergrund, den wir da haben.
- 39:39Und die Frage ist, können wir uns das in Zukunft leisten? Denn das,
- 39:43was Sie beschreiben, ist ja wie so eine Mikroebene.
- 39:45Unheimlich schwer, unheimlich diffus, sowas zu fassen zu kriegen.
- 39:49Und unsere Geheimdienste weisen ja zurecht, also ich finde zurecht darauf hin,
- 39:54dass ihnen da teilweise dann auch die Hände gebunden sind, den Schutz der kritischen
- 39:59Infrastrukturen, aber auch der Bürgerinnen und Bürger besser zu gestalten.
- 40:03Er wäre besser machbar, wenn wir bestimmte Möglichkeiten schaffen würden.
- 40:08Total wichtige Ebene, dass Sie darauf hinweisen. Sie haben jetzt ganz anders
- 40:12geantwortet, als ich mir das vorgestellt habe.
- 40:14Aber wirklich ein wichtiger Punkt, die Frage nach den Abwehrwaffen oder Systemen,
- 40:20die man braucht, stellt sich ja womöglich dann wirklich erst als zweites und
- 40:23als erstes die Frage, okay, wie kriegen wir eigentlich Daten oder Informationen, die wir brauchen?
- 40:27Und wenn wir sie nicht haben, stehen irgendwelche Systeme Nutzlust da,
- 40:30weil wir gar nicht die Grundlage haben, um sie einzusetzen.
- 40:34Noch mal zurück auf die Frage sozusagen der Hardware gewissermaßen.
- 40:38Mal vorausgesetzt, diese Datenprobleme würden gelöst und diese schwierigen Fragen
- 40:45würden geklärt und man hätte dann sozusagen ein System, was greifen kann.
- 40:49Wer würde uns denn die Abwehrsysteme, die wir dann in dem Fall einsetzen müssten, wohl eher bauen?
- 40:55Eher eine Firma Rheinmetall oder ein anderes Dickschiff der Rüstungsindustrie?
- 41:00Oder sind wir da eigentlich besser dran, uns in dieser Start-up-Szene umzusehen
- 41:06und diese neuen Unternehmen, die da auf dem Markt sind und deren etwas andere
- 41:09Kompetenzen zu nutzen und da vielleicht auch einzukaufen?
- 41:13Das ist, glaube ich, gar kein Entweder-Oder. Oder ich glaube,
- 41:15das ist so, wenn die, also die Startups, das ist ja der, also der große Vorteil
- 41:21von Startups ist, dass sie gerade die alten Dickschiffe sozusagen in Wallung
- 41:25bringen. Das ist ja schon mal gut, da haben wir schon mal ein bisschen Bewegung im Markt.
- 41:28Und am Ende des Tages geht es ja darum, was der Nachfrager, das ist der Staat,
- 41:34das sind die Sicherheitsbehörden inklusive der Bundeswehr, was die eigentlich
- 41:38brauchen. Und die werden im Grunde genommen jetzt in den nächsten Monaten eine
- 41:42Marktentscheidung treffen.
- 41:43Das heißt nämlich, Sie sagen, welche der Lösungen, die die Startups anbieten, nehmen wir.
- 41:48In diesem speziellen Fall, den Sie jetzt gerade ansprechen, also wenn man sich.
- 41:52Jetzt auf eine Lösung einigen könnte,
- 41:54ich spinne jetzt mal, wir bauen im Grunde genommen Flugabwehrtürme in den Dörfern
- 41:59und Städten auf, die in der Lage sind, im Zweifelsfalle mit einer schnellfeuernden
- 42:04Maschinenkanone jede Drohne runterzuholen.
- 42:06Das ist eine Lösungsmöglichkeit. Ich sage auch gar nicht, dass die total effektiv
- 42:09ist. Dann brauchen Sie ein bisschen Radar oder Sensorik.
- 42:13Da werden Sie, muss man mal gucken, da gibt es ja klassische Hersteller,
- 42:17vielleicht geht das auch billiger.
- 42:19Und dann ist viel von dem, was Sie da machen können, da brauchen Sie wahrscheinlich
- 42:22gar kein Startup. Dann nehmen Sie einfach einen klassischen Maschinenbauer und
- 42:25sagen so, das ist das, was ich brauche.
- 42:28Und der geht dann vielleicht nochmal zu Heckler und Kochen, lässt sich ein bisschen
- 42:30erklären, wie ich sowas auch so gestalten kann, dass es nicht unendlich teuer
- 42:35ist und lange haltbar ist bei wenig Nutzung. So, das sind ja wahrscheinlich
- 42:38die Herausforderungen, die ich dann habe.
- 42:40Und kombiniere das mit einem Sensor. Das ist echt keine Rocket Science.
- 42:43Ja, ich meine, das ist das, was der Gepard-Flagpanzer vor, ich weiß nicht was,
- 42:4740 Jahren schon gekonnt hat.
- 42:49Und das bis heute kann. Also von daher, wenn man das will, dann kriegt man das
- 42:53schon hin. Das Problem ist dann eher wieder die rechtliche Dimension.
- 42:56Also mache ich das jetzt zur KI? Mache ich das automatisch?
- 43:00Und wer gibt die Freigabe für die ganze Geschichte, wenn wir wissen,
- 43:04dass zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland bei den Drohnen überfliegen,
- 43:07ich bleibe jetzt mal nur bei den Drohnen, wir eigentlich zehn Minuten Reaktionszeit
- 43:10haben zwischen dem Entdecken der Drohne und dem Wiederverschwinden der Drohne.
- 43:15Und wie stelle ich mir die Zukunftsszenarien vor? Und wenn ich das Drohnenproblem
- 43:19glaube, im Griff zu haben, was kommt denn dann eigentlich als nächstes?
- 43:22Weil das ist ja, jetzt fokussieren wir uns wieder auf das, was wir gerade kennen.
- 43:27Oder ich tue das jetzt gerade auch, weil es so einfach in der Beschreibung ist
- 43:30und den Menschen haben wir es vor Augen.
- 43:32Aber in Wirklichkeit sind die Sachen ja interessant, wenn uns jemand sozusagen
- 43:36Treffen beeinflussen will, wo wir verwundbar sind.
- 43:40Dann ist was anderes verwundbarer. Gibt es ein anderes Instrument,
- 43:44das uns treffen kann, das dann eben nicht mehr die Drohne ist,
- 43:46sondern es ist dann, ich weiß nicht was. Ich meine, der gesamte Bereich der
- 43:50Cyberangriffe bleibt ja noch da, Drohne hin oder her.
- 43:55Ein letzter Punkt, den ich noch ansprechen möchte, der von dieser konkreten
- 44:00Abschreckungsplanung ein Stück weit wegführt, der aber, glaube ich,
- 44:03total wichtig ist und viele Leute beschäftigt.
- 44:05Man könnte das erlaubt drüber schreiben.
- 44:08Stell dir vor, es ist kein Krieg, aber es passiert doch was.
- 44:13Zwei Beispiele aus letzter Zeit. Im Baltikum sind in den vergangenen Monaten
- 44:16mehrfach ukrainische Drohnen eingeschlagen,
- 44:18die offenbar von Russlands elektronischer Kriegsführung abgelenkt worden waren,
- 44:22die womöglich Richtung Sankt Petersburg oder da in die Gegend der Ölhäfen an
- 44:25der Ostsee der Russischen eigentlich unterwegs waren.
- 44:29Runtergekommen sind die dann jenseits der NATO-Grenze, aber nicht irgendwo an zufälligen Orten.
- 44:35Eine davon hat in Estland ein Kraftwerk getroffen. Eine andere hat in Lettland
- 44:40sich auf ein großes Öllager da in Grenznähe gestürzt.
- 44:44Die Drohnen haben also ganz offenbar selbstständig ähnliche Stile gesucht wie
- 44:48die, die sie in Russland treffen sollten.
- 44:51Und zuletzt sind dann mehrfach NATO-Kampfjets im Baltikum aufgestiegen,
- 44:54um solche in Anführungszeichen wild gewordenen Drohnen abzufangen.
- 44:59Zweites Beispiel, Anfang Mai im Ionischen Meer, Stückchen südlich von Korfu.
- 45:03Da gibt es eine Insel, die heißt Levkada, eine griechische Insel.
- 45:07Die Gegend ist ein Kreuzfahrt-El Dorado.
- 45:11Erinnern sich sicher viele noch an mein Schiff 4 und mein Schiff 5,
- 45:15die im März im persischen Golf festhingen und da vom Krieg erwischt wurden.
- 45:19Die schippern jetzt gerade genau in der Gegend zwischen Adria und Kreta hin
- 45:22und her mit tausenden Leuten an Bord.
- 45:24Und noch natürlich viele andere Kreuzfahrtschiffe auch, da ist es ja sehr schön.
- 45:28Anfang Mai haben griechische Fischer an der Küste von Levkada frühmorgens in
- 45:33einer Höhle da an der Küste was Seltsames entdeckt.
- 45:38Und es stellte sich raus, es war eine ukrainische Seedrohne. Motoren liefen noch.
- 45:43Die haben die abgeschleppt in den nächsten Hafen und dann der Küstenwache und
- 45:49weiteren kompetenten Leuten aus dem griechischen Militär dann übergeben.
- 45:53Und was fanden die an Bord? 100 Kilo Sprengstoff, Zünder, Steuerungs-KI,
- 45:59Starlink Terminal, irgendwelche optischen Sensoren.
- 46:03Also im Grunde genommen die schwimmende Variante dessen, was im Baltikum los
- 46:06war, eine halb autonome Bombe in einer Gegend, wo man sie ja nun wirklich nicht
- 46:11haben will. Und der griechische Verteidigungsminister war auch öffentlich ziemlich
- 46:14stocksauer und hat gesagt...
- 46:16Wenn das Ding ein Kreuzfahrtschiff getroffen hätte, dann läge das jetzt am Meeresgrund
- 46:20und wie viele Tote hätten wir dann zu betrauern? Worauf will ich hinaus?
- 46:25Wir stecken ganz offenbar in so einer Umbruchszeit, was die Systeme,
- 46:30die im Krieg eingesetzt werden oder eingesetzt werden können, angeht.
- 46:33Und in so einer Zeit wird viel ausprobiert, nicht nur im Abwehrkrieg an der
- 46:38Front zwischen Russland und der Ukraine, sondern auch an anderen Orten.
- 46:43Und das Risiko, dass dabei ein großer Kollateralschaden auf einmal passiert,
- 46:49dass etwas passiert, was keiner will, aber vielleicht nicht zu vermeiden ist,
- 46:55das scheint ja ziemlich erheblich zu sein.
- 46:58Wie bewerten Sie das, Herr Möhrling, und was kann man tun, um das zu minimieren?
- 47:03Ich habe das auch übrigens den vorhin erwähnten Konteradmiral gefragt.
- 47:07Und der hat mir gesagt, ja, ja, ich war da, eigentlich wollte ich nie auf dem Kreuzfahrtschiff.
- 47:10Ich bin ja schon beruflich die ganze Zeit auf schwimmenden Maschinen,
- 47:14aber dann wollte es die Familie und wir sind von Venedig in die Türkei gefahren.
- 47:17Vor ein paar Jahren würde ich das wieder machen, sagte er zu mir,
- 47:21ja, ich kann ja schwimmen, aber meine Enkel, wenn sie mich fragen,
- 47:24würde ich die nicht mitnehmen.
- 47:25Ich bleibe jetzt bei der schwimmenden Drohne, über die ich die Details nicht kenne.
- 47:29Aber im Prinzip ist es, glaube ich, kein großes Problem, auch dieses System
- 47:34zu härten, wenn es nicht schon gehärtet ist. Das heißt, was heißt das in dem Zusammenhang?
- 47:39Nicht, dass dieses Schiff, wenn es einfach irgendwo drauf fährt,
- 47:42dass es dann explodiert. Das ist ja eine amerikanische Vorabendserienvorstellung.
- 47:48Also ich kann dem System, so wie ich jeder Bombe sagen kann,
- 47:51unter welchen Bedingungen sie explodieren soll und unter welchen Bedingungen
- 47:54sie nicht explodieren soll,
- 47:56kann ich das natürlich einem solchen System, gerade wenn ich jetzt sage,
- 47:59da ist auch KI mit drin gewesen, wie auch immer, da ist ein Computer mit drin,
- 48:03dann kann ich eine sehr klare, wenn-dann-Definition des Ziels machen.
- 48:07Und selbst wenn das nur über Bilderkennung geht, glaube ich,
- 48:11dass Bilderkennungssoftware heute in der Lage ist, zu unterscheiden, dass es ein Tanker ist,
- 48:17Und das ist ein Kreuzfahrtschiff. Oder das ist der Tanker, den du treffen sollst.
- 48:22Ich glaube, dass das sehr einfache Aufgabenstellung in die Grunde genommen ist.
- 48:26Dass die Systeme mal sozusagen Blindgänger erzeugen, das gehört zu dieser Geschichte
- 48:34mit dazu und auch zu der Tatsache, dass dieser Krieg in der Ukraine eigentlich ein globaler Krieg ist.
- 48:39Die Ukraine hat es rausgetragen, die Russen tragen es raus, weil sie die ökonomische
- 48:46Versorgung ihres Krieges globalisieren durch die Ölversorgung.
- 48:50Also dieser Krieg funktioniert ja nur, solange Russland sein Öl exportieren kann.
- 48:55Das macht dann diese Versorgungswege zu den entsprechenden Vulnerabilitäten,
- 49:01die die Ukraine angreifen.
- 49:03Und dass man dann Tanker angreift, die möglicherweise übrigens auch unter griechischer
- 49:06Frage fahren, ist dann eine Situation, wo man sagt, ja,
- 49:12also ich kann zurzeit, ich traue mir jetzt kein moralisches Urteil zu,
- 49:16aber man sagt, naja, das ist halt die eine Seite der Medaille und das andere
- 49:19ist die andere Seite der Medaille, die man in diesem Zusammenhang hat.
- 49:22Das muss man sich einfach, glaube ich, einfach transparent vor Augen führen.
- 49:26Und jetzt kann man, glaube ich, von den Ukrainer eine Erklärung verlangen und
- 49:28vor allen Dingen eine Verbesserung verlangen, wo man sagt, alles,
- 49:30was wir hier einsetzen, ist wirklich nur gegen spezifische Ziele gesichert und
- 49:35wir können das auch demonstrieren.
- 49:39Aber ich glaube, das, worauf ich hinaus will, ist, ich würde das nicht überdrehen,
- 49:46diese Geschichte, dass wir jetzt
- 49:47quasi immer und überall von solchen Low-Tech-Geschichten bedroht wären.
- 49:54Das ist möglicherweise etwas anderes als die Drohne, die in Estland auf das
- 50:00Ölfeld gefallen ist und etwas anderes als die kleinen Drohnen,
- 50:03die hier, oder größeren Drohnen, die hier in Deutschland und Europa sind.
- 50:07Über unsere Köpfe dann und wann hinwegfliegen. Das sind, glaube ich,
- 50:09alles unterschiedliche Dinge, die alle das Gleiche als Effekt haben. Sie machen Angst.
- 50:16Und das ist natürlich eine schlechte Geschichte. Deswegen ist die Einordnung,
- 50:20dessen eine total wichtige Geschichte.
- 50:23Und ich glaube, da werden wir uns wahrscheinlich auch in den nächsten Sendungen
- 50:26noch ein bisschen drum bemühen müssen.
- 50:27Das ist ganz sicher, Herr Mölling. Wenn Sie jemanden für diesen Sommer auf eine
- 50:31Kreuzfahrt Venedig-Kreta einladen würde, würden Sie ohne Bedenken an Bord gehen?
- 50:35Ich mag keine Kreuzfahrten, sowieso nicht. Nein.
- 50:42Aber wenn Sie mich sozusagen auf einen Flug einladen würden,
- 50:45dann würde ich das sicherlich machen.
- 50:48Gut, und allen anderen wünschen wir friedliche Kreuzfahrten im Mittelmeer.
- 50:53Das war die Lage international für heute. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Möhrling.
- 50:57Ich glaube, es war richtig gut an der Stelle und auch jetzt zum jetzigen Zeitpunkt,
- 51:03diesen Deep Drive zu machen und eine ganze Reihe der Fragen anzusprechen,
- 51:07die wir ja in den aktuellen Folgen letztlich immer wieder streifen und auf die
- 51:10wir, Sie sagen es gerade richtig, sicher auch in der Folge noch wieder zurückkommen werden.
- 51:15Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, Hinweise, Fragen oder Anregungen für mich
- 51:18oder für Herrn Mölling oder für Moritz Gartmann und den Hostkollegen,
- 51:22der nächste Woche hier wieder am Mikrofon sein wird, haben, dann schreiben Sie
- 51:25uns gern oder mir in dem Fall an steffen.gassel at stern.de.
- 51:30Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und
- 51:34überall sonst, wo Sie gern Podcasts hören.
- 51:36Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.