Latest / Augstein & Blome / Haben die AfD-Wähler nur Wut oder auch Recht?
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- 0:03Liebe Ivy, lieber Augstein, vor der eigentlichen galaktischen Ausgabe unseres
- 0:08Podcasts kommt jetzt ein bisschen Eigenwerbung, denn heute Abend,
- 0:11Donnerstagabend, ist zum einen der Bundeskanzler zum Interview und Gespräch
- 0:15mit echten Menschen im RTL-Programm, die ihn fragen werden, was das alles soll, was er da so macht.
- 0:21Und dann aber kommt am späteren Abend eine Doku, die ich machen durfte mit vielen
- 0:25Kollegen über die AfD und Sachsen-Anhalt, die Wahl. Kein Land für alle,
- 0:31wer verliert, wenn die AfD gewinnt.
- 0:33Und dazu haben wir uns einzelne Passagen aus dem AfD-Wahlprogramm gezogen und
- 0:37nichts anderes, nur diese Passagen zitiert und dann mit Leuten gesprochen,
- 0:41die sich davon angesprochen, vielleicht sogar bedroht, eingeschüchtert fühlen,
- 0:45könnten und eigentlich fühlen müssten.
- 0:47Zum Beispiel ein syrischstämmiger Arzt im Klinikum in Quedlinburg.
- 0:55Der den Satz bekommt im Programm, dass kulturfremdes Fachkräftepersonal im Gesundheitswesen
- 1:04das Wohl der Patienten gefährdet.
- 1:07Das ist schon krass. Und am Ende dieser Doku haben wir einen Betroffenen und
- 1:13einen AfD-Wähler zusammengebracht und die diskutieren lassen. Superspannend.
- 1:18Große, große Sehempfehlung. Blume, das klingt fantastisch. Wo können wir das wann sehen?
- 1:23Das können wir im RTL-Programm sehen.
- 1:27Die Doku ab 23.30 Uhr im Donnerstag.
- 1:32Und bei RTL Plus natürlich, bei unserem riesengroßen Streamer und dann auch
- 1:36bei NTV. Also wir spielen das überall aus, wo man hingucken kann. Und jetzt das Intro.
- 2:03Hallo Blome, hallo Ivy, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Podcasts.
- 2:08Ich bin gespannt auf diese Dokumentation. Der Kollege Blome,
- 2:11jetzt erzähle ich sozusagen aus dem Maschinenraum unserer großartigen Kooperation,
- 2:15hat mir schon viel erzählt von diesen Recherchen zu dieser Reportage.
- 2:20Der Kollege Blome war selber auch draußen, also wie früher sozusagen.
- 2:24Im Feld, im Feld. Mit einem Mikrofon in der Hand hat er sich sozusagen ins blaue
- 2:29Vaterland begeben und dort nachgeforscht.
- 2:32Und das finde ich tatsächlich spannend, weil jetzt mal Spaß beiseite,
- 2:34es ist immer gut, wenn man mal rausgeht und mit den normalen Menschen redet.
- 2:38Von denen ist hier in Berlin, in der Gegend, in der wir uns hier gerade so bewegen,
- 2:42glaube ich, gar nicht so viele gibt.
- 2:43Insofern bin ich auch echt gespannt, wie das ist, wenn hier morgen echte Menschen
- 2:47dem Bundeskanzler echte Fragen stellen, die wahrscheinlich auch total spontan
- 2:51sind und gar nicht irgendwie von der Redaktion vorformulieren.
- 2:54Nein, natürlich nicht. Völlig spontane Fragen.
- 2:57Ist das so? Eigentlich tatsächlich? Ja.
- 3:00Wir gucken bei der Auswahl der Gäste, also der, wenn man so will.
- 3:04Eingeladenen, an diesen Tisch geladenen, achten wir schon darauf,
- 3:08dass sie für bestimmte Themen stehen. Wie macht man das?
- 3:11Man überlegt, worüber könnte man reden wollen. Also Wirtschaft,
- 3:14dann wird man versuchen, entweder einen Unternehmer zu finden.
- 3:16Das ist in diesem Fall geglückt.
- 3:17Der ist auch jemand, der sagt, die AfD finde ich jetzt gar nicht so schlimm.
- 3:20Ich will die wahrscheinlich nicht, aber richtig schlimm finde ich die nicht.
- 3:22Also der deckt die Wirtschaft im Osten ab?
- 3:25Das klingt alles total echt und wie aus der Mitte des Lebens gerissen.
- 3:29Jedenfalls bin ich gespannt, wie der Bundeskanzler dann antwortet.
- 3:31Und man muss da ja auch immer hinhören, weil man immer nicht genau weiß,
- 3:34was er sagt. Es ist auch nicht ganz klar, ob er selber weiß, was er sagt.
- 3:38Deshalb ist er immer wieder für Überraschungen gut. Und Politikerinterviews
- 3:42mit so wichtigen Politikern, darf ich das sagen, gucke ich mir normalerweise
- 3:47nicht an, weil ich finde es immer quälend oder langweilig.
- 3:51Aber jetzt mal für eine Sekunde, im Ernst, das ist eben kein Interview.
- 3:55Wir sind auch skeptisch, was so klassische Sommerinterviews angeht,
- 3:59die wir jetzt alle gesehen haben mit allen Parteichefs, darunter ja auch mit
- 4:03den AfD-Chefs, kommen wir gleich drauf.
- 4:06Da haben wir auch das Gefühl, das Format.
- 4:09Bringt es zu selten wirklich, als dass man es so regelmäßig haben müsste.
- 4:13Da haben wir darauf verzichtet.
- 4:15Unser Format ist eben dieses sogenannte Amtisch mit. Pina Atalay wird das moderieren,
- 4:20und die Stichworte geben.
- 4:21Aber in Wahrheit ist es da eben doch eine Art Gespräch zwischen diesen Bürgern,
- 4:26die bestimmte Problemstellungen, bestimmte Regionen vielleicht auch quasi in
- 4:30sich vertreten und dem Bundeskanzler,
- 4:34der auch mit diesen Menschen ganz anders umgehen muss, umgehen sollte,
- 4:39als mit einem klassischen Journalisten, der ihn mit Fragen bombardiert. Ja, ja, alles gut.
- 4:44Ich wollte jetzt ja nur sozusagen die Hinleitung machen zu den Sommerinterviews,
- 4:47von denen Sie eben schon gesprochen haben.
- 4:49Die AfD, das war jetzt Zufall, das war nicht geplant, hatte jetzt die Chance
- 4:53sozusagen gleichzeitig bei ARD
- 4:55und ZDF mit ihren beiden Kandidaten die Sommerinterviews zu bestreiten.
- 5:00Deshalb Alice Weidel neulich jetzt beim ZDF, Tino Choupalla bei der ARD.
- 5:07Ich habe mir das zuerst gar nicht angeguckt, sondern nur gelesen darüber,
- 5:11weil ich mehr lese als Fernseher.
- 5:12Dann allerdings habe ich es mir nachdem ich es gelesen habe,
- 5:15dann doch noch angeguckt.
- 5:16Und es ist schon, wenn wir ganz kurz mal, meine sieben Bündnis ja immer nicht
- 5:21so über so Medien zu reden, weil sie finden, das interessiert normale Leute
- 5:24gar nicht und das sind immer so Metadebatten.
- 5:26Aber einmal ganz kurz darüber, wie der Kollege Schmiese das Gespräch mit Frau
- 5:31Weidel geführt hat. Im ZDF. Im ZDF.
- 5:35Das fand ich irgendwie wieder mal ein Lehrstück dafür, wie mit dieser Partei
- 5:40in den öffentlich-rechtlichen Medien geredet wird und wie das eigentlich,
- 5:44das ist handwerklich total okay, das ist jetzt überhaupt keine handwerkliche
- 5:47Kritik an den Kollegen Schmiese, der kann das sehr sehr gut,
- 5:49klar das ist sein Job, der kann das viel besser als ich, das ist sozusagen sein
- 5:52Beruf, den beherrscht er auch.
- 5:53Aber er macht das ganz offensichtlich mit einem Mindset, wie man vor fünf Jahren,
- 5:58drei Jahren, zwei Jahren und offensichtlich heute immer noch mit der AfD redet
- 6:02und während ich das zugucke, habe ich das Gefühl,
- 6:05eigentlich geht das so nicht mehr, eigentlich funktioniert das so nicht mehr,
- 6:08weil Frau Weidel, die mir nun wirklich denkbar unsympathisch ist,
- 6:11hatte im Prinzip keine Möglichkeit irgendwas zu sagen, weil er sie permanent
- 6:15unterbrochen hat, weil er immer darauf hinaus wollte, dass sie seine Fragen nicht beantwortet.
- 6:20Das machen die aber immer zu. Das ist das Problem bei so Politikerinterviews.
- 6:24Deshalb habe ich eben gerade gesagt, ich sehe die so ungern,
- 6:26weil sie stellen den Politikern eine Frage und er sagt das, was er sagen will,
- 6:29aber er beantwortet nicht ihre Frage.
- 6:30Vorsicht, da spielt Frau Weidel, und das kann ich aus eigener Erfahrung mehrerer
- 6:35solcher Interviews sagen, in einer vollständig anderen Liga als aller anderen Politiker.
- 6:41Ich kenne niemanden, der so sehr, überhaupt gar nicht, absolut null,
- 6:45auf eine Frage antwortet.
- 6:46Ich habe mich mal mit ihr unterhalten wollen über die Frage,
- 6:50was die AfD mit dem Arbeitslosengeld.
- 6:55Und dem Bürgergeld vorhat, beziehungsweise warum sie ausländischen Mitbürgern,
- 7:00die jahrzehntelang womöglich hier in die Kasse eingezahlt haben,
- 7:03das Bürgergeld streichen will, einfach gar nicht gewähren will,
- 7:06null. Dann sollen die halt hier verhungern, keine Ahnung.
- 7:10Und sie ging einfach überhaupt nicht darauf an. Sie ließ noch nicht einmal zu
- 7:14den Gedanken, dass zwischen Arbeitslosengeld und Bürgergeld oder heute Grundsicherung
- 7:18ein Unterschied sei, dass das zwei verschiedene Systeme sind.
- 7:21Sie hat einfach drüber geredet. Sie hat null geantwortet, bis ich irgendwann
- 7:23aufgegeben habe und gesagt habe, gut, wenn Sie Ihr eigenes verdammtes Programm
- 7:26nicht kennen, dann können wir hier an dieser Stelle es auch abbrechen.
- 7:30Das heißt, das ist wirklich Alice Weidel. Und dann können Sie jetzt zwei Dinge tun.
- 7:35Sie können lachend verzweifeln und sagen, naja gut, dann reden wir halt.
- 7:39Worüber wollen wir reden, Frau Weidel? Worüber können Sie heute reden?
- 7:41Was ist Ihnen so quasi durch den Kopf gegangen? Worüber Sie quasi zielgerichtet
- 7:45reden können? Und ich überlege mir dann eine Frage.
- 7:47So können wir es machen. Das ist nun kein Interview mehr am Stand.
- 7:49Nein, aber hier war es anders.
- 7:50Und der Kollege Schmiese hat natürlich versucht, sie immer wieder auf den Punkt
- 7:54zurückzuführen, wo er sie nicht festnageln wollte oder besiegen wollte.
- 7:59Der wollte ja nur eine Frage loswerden. Ja, aber das ist irgendwie,
- 8:03das Problem ist, wenn es aber nicht funktioniert und man merkt,
- 8:07dass es nicht funktioniert, ganz kurz.
- 8:09Und diese Interviews sind ja so, die werden ja nicht geschnitten.
- 8:12Das ist ja der Witz daran, die dürfen ja auch nicht geschnitten werden,
- 8:14weil das soll ja sozusagen diese 20 Minuten, oder wie viel das ist, müssen ja durchlaufen.
- 8:18Dann wird das natürlich für den Zuschauer und die Zuschauerin ganz schön quälend.
- 8:23Er wollte von ihr wissen, die AfD, die gegen Elektroautos ist und die diese
- 8:27Verkehrswende unsinnig findet und den Verbrenner, weil das praktisch das deutsche Produkt ist.
- 8:34Weiterhin gefördert oder am Laufen halten will, wie geht die damit um,
- 8:39dass in China aber gar keine Verbrenner mehr verkauft werden,
- 8:41sondern nur E-Autos. Und China war unser größter Absatzmarkt.
- 8:44Auf diese Frage hat sie nur mal einfach nicht geantwortet.
- 8:47Und es ist immer wieder ins Wort gefallen.
- 8:50Wenn ich das Interview geführt hätte, hätte ich sie einfach mal ausreden lassen.
- 8:53Und dann hätte ich ihre Antwort so zusammengefasst, dass ich gesagt hätte,
- 8:56gut, ich nehme zur Kenntnis, sie wollen auf meine Frage nicht antworten, dann nächste Frage.
- 9:00Weil das reicht vollkommen. Dann versteht schon jeder, was los ist.
- 9:03Was hier aber passiert ist, dass man das Gefühl hat.
- 9:07Eine nettaussehende Frau, eine blonde nettaussehende Frau, die lächelt,
- 9:10wird permanent unterbrochen.
- 9:12Von einem Mann, einem öffentlich-rechtlichen Fernsehmann, der sie einfach nicht
- 9:17ausreden lässt, weil er ihr immer zu ins Wort fällt.
- 9:18Naja, das ist natürlich kommunikativ, ehrlich gesagt, für die AfD wieder ein
- 9:22Punkt, weil die Leute kommen gar nicht dahin, dass sie sagen,
- 9:25okay, er unterbricht sie aber, weil sie die Frage nicht beantwortet,
- 9:27sondern es bleibt nur hängen,
- 9:29da kann man mal wieder sehen, unsere Alice kann im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
- 9:33nicht ausreden. Verstehen Sie meinen Punkt?
- 9:36Ja, aber Sie müssen schon sehr stark die AfD-Brille aufsetzen,
- 9:39um das so sehen zu können.
- 9:40Habe ich. Ich habe heute die AfD-Brille auf. Die Zuhörerinnen können es ja nicht
- 9:44sehen. Ich habe eine neue Brille und das ist jetzt meine AfD-Brille.
- 9:47Ich sehe jetzt endgültig aus Jana Höfer. Ja, aber ich glaube,
- 9:50mit einer intellektuellen Brille sind Sie in der AfD falsch,
- 9:52wenn ich das sagen darf. Ach, Sie finden es eine intellektuelle Brille. Das finde ich nett.
- 9:56So eine dicke, fette Hornbrille ist, glaube ich, jetzt nicht so AfD-Style,
- 9:59wenn ich das mal so sagen darf.
- 10:01Da ist mehr so Kassenprodukt. Und wenn man sie jetzt einfach ausreden lassen
- 10:04würde, so wie du gesagt hast, Augschen, das du machen würdest,
- 10:07dann wären die 20 Minuten ja vorbei.
- 10:09Da kommst du ja gar nicht zu dem Punkt, überhaupt zu sagen, ja,
- 10:11ich sehe meine Frage an. Naja, es ist natürlich immer situativ.
- 10:16Also noch einmal in Erinnerung eines Interviews, das ich mit ihr geführt habe.
- 10:22Das ging los mit der Frage, ist Hitler ein Linker?
- 10:26Was ja auch eine Mantra der AfD ist, auch eine Mantra von Elon Musk und das
- 10:32war damals der Zusammenhang.
- 10:34Da hatten die beiden sich quasi virtuell im Arm gelegen und gesagt,
- 10:36Hitler war ein Linker, mit dem haben wir gar kein Problem. Und wenn wir rechtsextrem
- 10:39sind, dann ist das ja egal, weil der Hitler war ja ein Linker.
- 10:42Und übrigens genauso schlimm wie Stalin. Und daraufhin habe ich hier versucht
- 10:46zu erklären, was der Unterschied zwischen Stalin und Hitler war, auch im Vorgehen so.
- 10:52Und davon hat sie auch nichts verstanden, das konnte sie einfach gar nicht verarbeiten
- 10:55oder sie wollte es nicht verarbeiten.
- 10:57Und dann habe ich tatsächlich nach fünf, drei, vier, fünf Minuten das gemacht, was Kollege Augstein,
- 11:02da eben vorschlug, gesagt, naja, offenkundig werden wir uns an dieser Stelle
- 11:05hier nicht mehr einig und habe dann aber nochmal gesagt, wie ich es sehe,
- 11:09weil ich das letzte Wort haben wollte an der Stelle, das kann man schon so machen.
- 11:17Eigentlich eine andere Frage, die sich stellt. Nämlich, wenn jemand offenkundig
- 11:22kein Interview geben möchte, warum führen wir dann eins?
- 11:27Wenn offenkundig Alice Weidel nicht bereit ist, auf eine Frage zu antworten,
- 11:30dann kann das ja so sein. Entweder sie weiß es nicht besser,
- 11:33sie will es nicht, sie hat keinen Bock oder ich weiß nicht was.
- 11:35Übrigens kriegt man immer dann sofort die Dusche ab.
- 11:39Sie verschieben gar nicht Ihr Geschäft. Sie wissen gar nicht,
- 11:41worüber Sie reden, Herr Blome, Herr Schmiese.
- 11:44Sie haben gar nicht begriffen, wie das funktioniert. Also Sie werden auch noch
- 11:46beschimpft. Wenn das der Fall ist, finde ich, ist die Frage,
- 11:50machen wir ein Interview oder machen wir keins?
- 11:53Und jetzt müsste doch nach dieser Erfahrung mindestens mal das ZDF hingehen,
- 11:57und sagen, schönen Gruß, im nächsten Sommer machen wir kein Interview mehr mit Ihnen.
- 12:02Gut, dann müsste man halt dieses Format des Sommerinterviews bleiben lassen.
- 12:05Das kann man ja auch machen. Nein, Sie müssten das Format Sommerinterview mit
- 12:09Alice Weidel bleiben lassen.
- 12:10Und den Bums hat das ZDF nicht im Schuh. Das finde ich auch nicht.
- 12:13Ich bin auch nicht Ihrer Meinung.
- 12:13Ich sehe das übrigens auch inhaltlich komplett anders. Ich glaube,
- 12:17es ist immer gut, die Leute sich selber entlarven zu lassen.
- 12:19Das macht man am besten, indem man ganz freundlich ist, sie möglichst ausreden
- 12:23lässt. Dann irgendwann muss man dann vielleicht sagen, so jetzt Entschuldigung,
- 12:25wir wollen aber noch eine nächste
- 12:26Frage stellen, aber alles höflich und zurückhaltend ausreden lässt.
- 12:29Denn sie hat ja einen unendlichen Unsinn geredet. Das Interessante ist ja,
- 12:33wenn man sie dann mal ausreden lässt, ist das, was dabei rauskommt,
- 12:36natürlich auch total gaga, weil sie hat ja ihr Thema mit den Verbrennermotoren eingeleitet.
- 12:41Also sie ist ja gegen diese Energiewende, wie gesagt, gegen die Elektrifizierung.
- 12:56Wir sollen auch alles verpesten, genauso wie die anderen. Wie dumm sind wir
- 13:00denn, wenn wir nicht verpesten, wenn die anderen es tun. Dieser Satz ist ja
- 13:03in sich vollkommen irre.
- 13:04Genauso lustig, ganz kurz, ich habe noch einen, nein, einen muss ich noch, einen muss ich noch.
- 13:08Dann sagt Schmiese, weil das Interview hat ja in Wien stattgefunden.
- 13:11Dann sagt Schmiese, wir sind in Wien.
- 13:13Wien ist bei allen Rankings immer die lebenswerteste Stadt der Welt.
- 13:16Auf Platz 1 oder 2 praktisch. Wer in Wien war, kann das auch bestätigen.
- 13:20Das ist wirklich eine tolle Stadt. Und ich kann mir auch vorstellen,
- 13:22es ist tolles da zu leben.
- 13:23Und das sind auch alle Umfragen. Also Wien ist objektiv sozusagen.
- 13:26Ja, nun kommen Sie mal zum Punkt.
- 13:28Und dann ist Ihre Antwort, ja, ja.
- 13:32Aber wenn die FPÖ gewinnt, dann ist Schluss mit diesem ganzen rot-grünen Quatsch hier in der Stadt.
- 13:38Was natürlich auch total lustig ist, weil es gleichbedeutend mit ist.
- 13:41Ja, aber wenn die FPÖ gewinnt, also die österreichische AfD,
- 13:44die ja in Österreich sehr wichtig ist, aber eben nicht in Wien,
- 13:47dann machen wir Schluss damit. Wir werden schon dafür sorgen,
- 13:50dass Wien nicht mehr die lebenswerteste Stadt ist. Und das ist so komisch.
- 13:54Naja, ich finde es lustig. Das kriegen sie aber nur hin, wenn sie die Frau ausreden
- 13:57lassen. Weil die ist so doof, die bringt sich schon selber zu Fall.
- 14:00Augstein, nein. Sie begreifen es nicht.
- 14:04Ich dachte, wir wären weiter. Ich dachte wirklich, wir beide wären weiter.
- 14:08Und worauf sie ja abheben ist, lass sie sich entzaubern.
- 14:13Das geht nicht ohne den Begriff Glaubwürdigkeit oder Stringenz oder Schlüssigkeit
- 14:18oder irgendwas. Also zumindest keine groben Widersprüche und keinen groben Quatsch.
- 14:23Das Kriterium Glaubwürdigkeit existiert für die AfD aber nicht.
- 14:27Die AfD leistet sich Fett an Wirtschaft, Korruption, Skandale noch und noch,
- 14:31offene Feldschlachten und all das und die Widersprüche von Frau Weidel,
- 14:36müssten längst die Glaubwürdigkeit dieser Partei bei ihrer Anhängerschaft und
- 14:40sowieso im restlichen Publikum zerstört haben. Ist aber nicht der Fall.
- 14:47Also alle Versuche in einem Interview herbeizuführen, diese Frau hat keine Ahnung,
- 14:52beziehungsweise sie verhält sich dauernd in Widersprüchen und erzählt Quark
- 14:55oder Gaga, wie sie gerade sagten, bewirkt bei der Anhängerschaft dieser Frau nichts.
- 15:01Das stimmt, den Anwalt hatte ich auch.
- 15:03Und das ist aber ein entscheidender Punkt, auch für die Interviewführung,
- 15:06auch für die, wenn man so will, den Umgang mit der AfD.
- 15:10Wir haben damals, ich habe damals versucht darzustellen, zu erfragen, warum die AfD,
- 15:18das Arbeitslosengeld drastisch kürzen will und wie sie auf den Trichter kommt,
- 15:24das Bürgergeld für bestimmte Gruppen einfach komplett zu streichen,
- 15:28um quasi zu sagen, jetzt erklären sie mal den Betroffenen, warum sie das machen
- 15:31möchten, das sind nämlich auch ihre Wähler, insbesondere beim Arbeitslosengeld.
- 15:36Ist auch gescheiter, weil sie keinerlei Antwort geben konnte.
- 15:38Ja, die Lehre natürlich dieser Interviews, dieser Sommerinterviews ist,
- 15:43dass die Wähler der AfD entweder sehr, sehr, sehr dumm sind oder sehr, sehr unzufrieden.
- 15:52Also entweder sind sie so doof, dass sie gar nicht merken, wen sie da wählen.
- 15:56Weil ich meine ganz kurz, also Alice Weidel hat ja auch nochmal zu der Frage,
- 15:59wollt ihr wirklich raus aus dem Euro-Raum?
- 16:01Also aus der EU und aus dem Euro-Raum? Ihre Antwort war, in Deutschland war
- 16:07alles viel, viel besser, als es noch die D-Mark gab.
- 16:09Hat sie gesagt, quasi wörtlich. Wobei man sagen muss, ja, das kann man vielleicht
- 16:13so sehen, aber das ist eben auch echt ganz schön lange her.
- 16:16Nein, das stimmt nicht. Da hätte natürlich der Interviewer in diesem Fall einsteigen
- 16:20müssen und sagen, okay, sagen Sie mir immer das Bruttosozialprodukt pro Kopf 1999.
- 16:25Was nämlich 50 Prozent unter dem heute liegt, mindestens.
- 16:30Das heißt, es war nicht alles besser, die Leute waren ärmer.
- 16:33Ich wollte nur sagen, dass die Volkswirtin Weidel also etwas gesagt hat,
- 16:36was wirklich volkswirtschaftlich erkennbar unsinnig ist und es ist den Wählern egal.
- 16:41Die Antwort ist, die wählen die Partei eben nicht wegen des Programms,
- 16:45sondern trotz des Programms oder unter völliger Ignorierung des Programms aus ganz anderen Gründen.
- 16:51Und darüber würde ich gerne mit Ihnen reden. Ja, aber ich glaube,
- 16:53die Prämisse stimmt nicht. Die Leute wählen dieses Programm mindestens mal in
- 16:57größeren Teilen, weil sie es so haben wollen.
- 17:00Die wollen, dass das passiert. Die wollen aus dem Euro raus.
- 17:04Die wollen in Sachsen-Anhalt ein Viertel aller Klinikärzte Ausländer.
- 17:13Die wollen, dass das endet und wenn sie das belastet,
- 17:18gar ihrer Gesundheit, wenn sie dann auf dem Tisch liegen oder im Krankenhaus,
- 17:23richtig schadet, scheint ihnen das egal zu sein. Das scheint ihnen wichtiger zu sein.
- 17:28Moment, das ist zumindest die Erkenntnis, Entschuldigung, nochmal kleine Werbeeinblendung.
- 17:35Dieser Doku, die wir da gemacht haben, auch des Gesprächs mit dem AfD-Wähler,
- 17:40der erst sagte so, ja, das wird schon alles nicht so kommen.
- 17:46Und so heiß gegessen wird das dann ja alles nicht am Ende, wie es gekocht wird.
- 17:51Und dann aber auch irgendwann sagte, na ja, wir wollen schon durchziehen,
- 17:54weil wir wollen ja nicht so sein wie die anderen Parteien, die immer die ganz
- 17:57viel Ankündigung die Hälfte nicht machen.
- 17:59Ich glaube, der größere Teil will das so haben.
- 18:03Die wollen eine Republik haben ohne Ausländer. Die wollen eine Republik haben
- 18:06mit der D-Mark, am liebsten so ungefähr der Gold-Mark.
- 18:09Denn das will die AfD ja laut Ausweis des Programmes auch.
- 18:14Und damit müssen sie umgehen. Aber dann werden wir ja wieder zurück bei der Frage von Augstein.
- 18:20Sind die alle dumm? Weil selbst wenn sie das wollen, sind sie dumm und checken
- 18:25nicht, was das für Konsequenzen für sie wäre.
- 18:27Ja, völlig richtig, Ivy. Vielen Dank für den Hinweis. beziehungsweise es ist auch nicht möglich.
- 18:34Es ist auch unrealistisch. Ganz kurz, aber das ist ein super spannender Punkt,
- 18:37ganz gespannender Punkt.
- 18:37Die Kollegin Rennefanz, von der ich ja wahnsinnig viel halte,
- 18:40die bei Spiegel Online wirklich kluge Kolumbien Die hat mich Jammerwessi genannt.
- 18:43Die hat mich Nikolaus Blome Jammerwessi genannt. Ja, da hatte sie aber recht,
- 18:46das müssen sie jetzt auch mal wegstecken können. Also Grüße gehen an dieser
- 18:49Stelle raus von Frau Rennefanz, da hatte sie nur mal recht, kann ich jetzt auch nicht ändern.
- 18:52Sie sind auch ein kleiner Jammerwessi. Ich kenne sie ja viel,
- 18:54viel besser, als die Kollegin Rennefanz sie kennt und ich kann nur bestätigen,
- 18:57natürlich ist der Kollege Blome in privater Stunde auch mal ein Jammerwessi.
- 19:02Die Kollegin Rendefanz hat also neulich eben auch eine Kolumne,
- 19:04ja wir werden immer hier die Kolumnen zitiert, geschrieben, dass die AfD etwas
- 19:09macht, was sonst keiner mehr macht, nämlich Luftschlösser bauen.
- 19:12Und dass man das der AfD vorwirft, sie baue Luftschlösser,
- 19:16das was ich im Grunde ja eben auch gerade getan habe, und dass das aber eigentlich
- 19:19der Fehler sei, denn die AfD entwickelt sozusagen eine Vision für eine Zukunft
- 19:24und auch wenn das vielleicht noch 30 Jahre dauert und sie weiß nicht,
- 19:27wie sie das finanzieren soll und vielleicht ist es unrealistisch,
- 19:28aber sie hat ein Bild von der Zukunft.
- 19:30Also im Grunde rede ich jetzt gerade den Text des Kollegen Blome und habe meine
- 19:34Position von eben um 180 Grad gedreht.
- 19:36Das kann man natürlich so sehen und.
- 19:40Dann muss man sagen, einer der Gründe, weshalb die anderen Parteien so abkacken
- 19:43im Verhältnis zur AfD, ist ihre Visionslosigkeit, ihr Pragmatismus.
- 19:49So immer so, wir müssen es ganz klein noch der Spiegel strichen,
- 19:51das kann ich nicht finanzieren und das geht nicht wegen der Ukraine und außerdem
- 19:55die Renten und so. Und die AfD sagt, das interessiert mich alles gar nicht.
- 19:58Wir haben ein Bild von Deutschland, wir haben ein Bild von der Zukunft.
- 20:02Und dann sagen die Leute, endlich mal einer, der irgendwie Vision und Hoffnung
- 20:05für die Zukunft entwickelt.
- 20:06Das ist natürlich jetzt ein echt ernsthaftes Thema, über das man reden sollte.
- 20:11Der Wahlslogan der AfD in Sachsen-Anhalt lautet, alles ist möglich.
- 20:17Ja, ist cool. Und das ist jetzt nicht ganz bekloppt. Ist das wirklich so?
- 20:21Ja, Sie können mir schon glauben. Ja, nein, ich höre das zum ersten Mal,
- 20:25weil ich bin lange nicht mehr in Sachsen-Anhalt. Steht über jeder Bühne der AfD, alles ist möglich.
- 20:30In Sachsen-Anhalt jetzt. Ich weiß nicht, ob es in den anderen Bundesländern
- 20:31auch so ist, aber das ist halt dort so. Und hallo Linke, hallo ihr Linken.
- 20:37Das war mal ein FDP-Slogan.
- 20:41Ganz ähnlich gab es das bei der FDP vor ein paar Jahren. Also die Vision,
- 20:46klar, aus der könnte man schon die Luft rauslassen. Ich würde es auch nicht
- 20:49mit dem Taschenrechner probieren, sondern ich würde es über die Frage probieren, wem nutzt was?
- 20:56Und Ivy, dumm,
- 20:58Kann man die Leute nennen und manche sind es wahrscheinlich auch,
- 21:01aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Denn viele, die diese Partei wählen
- 21:04oder ihre Anhänger sind, haben eine Abwägung getroffen.
- 21:08Eine Abwägung getroffen, die heißt, ich will das jetzt haben,
- 21:12ich weiß, dass das mich was kostet, dass das mir an einer oder der anderen Stelle
- 21:16auch Schaden zufügt oder der Gesamtheitsschaden zufügt.
- 21:20Das ist es mir aber wert. Der große Knall, alles mal komplett auf Null zu stellen
- 21:25oder diese Altparteien in Anführungsstrichen wegzuputzen, das ist es mir wert.
- 21:31Ja, Blume, ich glaube, da sind wir irgendwie auf dem richtigen Weg.
- 21:35Es ist eben, ich nehme das auch zurück mit der Dummheit, das war ein polemischer
- 21:40Satz vorhin, der führt im Grunde nirgendwo hin.
- 21:44Ich glaube, es ist die Unzufriedenheit, ist tatsächlich das prägende Movens
- 21:50für diese politische Entwicklung und deshalb Wagenknecht, Sarah Wagenknecht,
- 21:56die hat jetzt ja wahnsinnig viele Interviews gegeben.
- 21:59Bei ihnen, hier bei RTL war sie, sie hat dem Spiegel ein Interview gegeben,
- 22:04sie hat dem Freitag ein Interview gegeben.
- 22:06Und ich habe die jetzt alle gelesen, mir das alles angeguckt und muss wieder
- 22:10sagen, Wagenknecht, wenn sie so redet und Sachen erklärt, ist für mich immer
- 22:13wahnsinnig überzeugend. Ich finde sie irgendwie da immer extrem überzeugend.
- 22:17Sie ist präzise und stark in der Darstellung. Wir haben ja letzte Woche hier
- 22:21über sie geredet, ob sie eine Politikerin ist oder nicht und wie eitel sie ist und so.
- 22:25Aber wenn sie Interviews gibt, ist sie einfach toll.
- 22:27Und sie sagt, dann wurde sie ja dauernd gefragt zur Brandmauer,
- 22:30sie verhelfen der AfD, sie sind der Steigbügelhalter, bla bla bla.
- 22:33Und hat sie gesagt, Leute, was führt ihr hier eigentlich für komische Debatten?
- 22:36Können wir erstmal darüber reden, warum die AfD eigentlich bei 40 Prozent steht?
- 22:41Zitat O-Ton möchte ich gerne vorlesen. Warum gibt es in Deutschland so viel
- 22:44Unzufriedenheit, so viel Wut?
- 22:46Steigende Energiepreise, steigende Mieten, schlechte Schulen,
- 22:49magere Rente und die einzige Antwort der Politik, weitere Kürzungen,
- 22:53weitere Verschlechterungen.
- 22:54Gleichzeitig fließen Milliarden an die Waffenindustrie und in die Ukraine.
- 22:59Es ist doch völlig verständlich, dass die Leute empört sind.
- 23:02Und das, dass es eigentlich eine politische Auseinandersetzung ist über.
- 23:07Kursfragen der deutschen Politik, das wird natürlich an den Rand gedrängt,
- 23:12wenn immer nur gesagt wird, ihr wählt Nazis, die AfD hat unrealistische Programme und so weiter.
- 23:19Im Grunde sind die Leute einfach unzufrieden mit der politischen Realität,
- 23:22so wie sie ist und wie sie repräsentiert wird von den sogenannten Altparteien.
- 23:26Ja, den Vortrag hat sie mir auch gehalten. Und mal abgesehen davon,
- 23:30dass sie dabei auch mit den Wahrheiten und den Fakten sehr, sehr freihändig
- 23:36umgeht und gerne auch mal zur Prämisse ihres Vortrags nimmt,
- 23:39die Erde sei eine Scheibe.
- 23:41Da erinnert sie übrigens massiv an Alice Weidel und an Herrn Krupalla,
- 23:45der ja in dem anderen ARD-Interview sagte, Klimawandel gibt es nicht,
- 23:48das war ein heißer Sommer, das wollt ihr eigentlich.
- 23:52Also Frau Wagenknecht versucht damit doch nur davon abzulenken,
- 23:57dann lassen wir trotzdem für eine Sekunde mal außen vor, ob das jetzt alles
- 24:01stimmt, was sie da beschreibt an Wut und den Gründen und ob das alles so falsch ist, wie sie das findet.
- 24:08Es enthebt sie trotzdem nicht der Frage, ob sie einer Partei in den Sattel hilft
- 24:13und das tut sie, die offen rassistisch ist, im Programm Dinge fordert bzw.
- 24:23Ankündigt, die man ernst nehmen sollte.
- 24:28Und die deswegen nicht ins Amt kommen sollte.
- 24:33Wie alle anderen Parteien ja denken, wie Frau Wagenknecht irgendwie ja auch
- 24:37denkt, weil sie sagt, nein, das ist natürlich alles Quatsch,
- 24:39das wollen wir alles nicht haben, das ist rassistisch, das wollen wir nicht.
- 24:42Sie hilft dieser Partei, deren Programm sie in Teilen rassistisch nennt,
- 24:46in den Sattel und dann sitzen die da erstmal und dann sieht man halt mal weiter.
- 24:51Und den Widerspruch kriegt sie nicht aufgelöst. Sie denkt anders als die AfD
- 24:56in vielen Punkten, zum Glück, würde ich sagen, aber jetzt meiner Meinung.
- 25:01Aber sie ist bereit, das alles beiseite zu schieben und zu sagen,
- 25:04Hauptsache, den 30, 40, 40 Prozent Wütenden wird jetzt Zucker gegeben.
- 25:11Nein, das ist nicht richtig. Wir haben ja letzte Woche über ihr Politikmodell
- 25:14gesprochen, das müssen wir jetzt hier nicht nochmal machen.
- 25:16Sie möchte im Grunde Minderheitenregierungen in Deutschland haben,
- 25:19wo die Parteien ihren Linien treu sind und Regierungen jeweils sich wechselnde
- 25:23Mehrheiten für ihre Projekte suchen und nicht die Parteien ihre Identitäten
- 25:27in diesen unsinnigen großen Koalitionen verlieren.
- 25:30Das finde ich als politische Vision und ein Umbau sozusagen für dieses doch
- 25:35zusehends irgendwie dysfunktional gewordene System total spannend und interessant.
- 25:40Und erstens, zweitens, was sie völlig übersehen, was irgendwie so,
- 25:43ich habe das extra nochmal geguckt.
- 25:45Im Bund haben AfD und Linke zusammen 40 Prozent.
- 25:49Im Osten haben AfD und Linke zusammen annähernd 60 Prozent.
- 25:53So sind die Verteilungen von Wählern, die zum Beispiel gegen diese Ukraine und
- 25:57diese Russlandpolitik sind, gegen diese Militarisierungs- und Aufrüstungspolitik.
- 26:01Im Osten 60 Prozent, im Westen 40 Prozent.
- 26:04Das findet sich aber bei den anderen Parteien gar nicht wieder.
- 26:06Das heißt, was machen Sie denn, wenn Sie der Meinung sind, dass unsere Ukraine-Politik
- 26:10viel zu teuer ist und brandgefährlich ist? Dann müssen Sie Links oder AfD wählen.
- 26:14Und wenn Sie jetzt kein Linker sind, so wie ich zum Beispiel,
- 26:17dann bleibt Ihnen im Prinzip nur die AfD. Und vielleicht schlucken Sie dann
- 26:20den ganzen Rassismus und den ganzen anderen Unsinn, weil Sie sagen,
- 26:22dieses Friedensthema ist für mich so wichtig, weil ich Angst habe um dieses
- 26:26Land, um meine Kinder, um den Frieden.
- 26:28Und die AfD ist die einzige Partei, der ich zutraue, eine andere Russland-Politik
- 26:31zu machen. Was machen Sie denn dann?
- 26:34Dann kaufen Sie eine rassistische Partei. Ja, aber vielleicht kaufen Sie.
- 26:36Und haben Sie für den Rest Ihrer Tage Ihre Finger schmutzig gemacht, Ihre feinen Finger.
- 26:39Naja, Entschuldigung, aber wenn Sie die Grünen wählen, dann wählen Sie eine
- 26:42Partei mit Herrn Hofreiter, der irgendwie so nicht noch mehr Waffen,
- 26:45noch mehr, der gar nicht aufhören kann.
- 26:46Oder wenn Sie FDP wählen, wählen Sie irgendwie Frau Strack-Zimmermann,
- 26:49die nun echt eine echte Extremistin ist, was das Thema Bewaffnung gegen Russland
- 26:54angeht. Und so hören Sie doch auf.
- 26:57Sie wählen immer irgendwelche Leute, die irgendwelche Sachen machen,
- 27:00die Sie dann mitschlucken. Das ist halt dann so. Und vielleicht schlucken die
- 27:02Leute den Rassismus. Aber haben sie nicht das Gefühl...
- 27:04Vielleicht schlucken die Leute den Rassismus, weil ihnen das Friedensthema wichtiger ist.
- 27:07Blume, ich will das nicht rechtfertigen, ich beschreibe das. Richtig.
- 27:12Sagen, was ist. Und verstehen, was der andere sagt. Das ist jetzt der nächste
- 27:16Schritt, next level shit, Kollege Augstein.
- 27:21Ihr ganzer Vortrag kann nur funktionieren, logisch, intellektuell,
- 27:27wenn die AfD eine Partei ist wie jede andere und dann schlucken sie halt mal
- 27:29was mit und bei den anderen müssen sie ja auch was schlucken.
- 27:31Sie haben im Prinzip alle Parteien jetzt gleichgesetzt, die AfD auch.
- 27:35Das kann man machen. Ich finde das aber falsch. Der Befund ist nicht richtig.
- 27:38Diese Partei ist anders als die anderen Parteien.
- 27:41Sie ist wählbar. Sie ist nicht verboten.
- 27:44Sie steht auf dem Wahlzettel. Sie hat großen Erfolg. Ja, ja.
- 27:47Aber sie ist eine Partei anders als alle anderen. Sie möchte auch anders als alle anderen sein.
- 27:52Das heißt, ihre Abwägung, schlucken muss ich ja irgendwo immer eine Kröte,
- 27:56die stimmt nicht, weil die Kröten unterschiedlich sind, beziehungsweise sehr
- 28:00unterschiedlich groß, kategorial anders.
- 28:03Der Kompromiss, den Sie beim Wählen, den Sie, Augstein, beim Wählen der AfD machen müssten.
- 28:11Der korrumpiert sich für den Rest ihrer Tage. Mann, das ist ja rührend,
- 28:14dass sie das sagt. Er spricht ja auch für sie und emotional bin ich auch voll
- 28:17bei ihnen. Ja, I feel you, I dig you und so. Das ist schon in Ordnung,
- 28:21aber sie müssen mich auch nicht konvertieren. Ich bin schon katholisch, alles okay.
- 28:25Ich wähle schon nicht die AfD, keine Sorge.
- 28:27Aber verstehen sie meinen Punkt nicht? Mein Punkt ist, da draußen gibt es offensichtlich
- 28:32Leute, denen ist das mit dem Rassismus nicht so wichtig.
- 28:35Das müssen sie jetzt einfach mal zur Kenntnis nehmen, weil die sind vielleicht
- 28:37selber gar keine Ausländer und haben damit auch vielleicht sozusagen direkt
- 28:40unmittelbar gar kein Problem. Nein, was soll der Quatsch?
- 28:43Die interessiert das vielleicht gar nicht so stark. Dann sagen sie,
- 28:46das müsste sie aber so interessieren.
- 28:47Genauso wie die Grünen sagen, ihr müsst alle uns wählen, wenn ihr das nicht
- 28:51tut, dann nehmt ihr das Klimathema nicht ernst. Das wird für immer an euren
- 28:54Händen, wird das Blut eurer ungeborenen Kinder kleben, weil ihr nicht genug
- 28:59getan habt gegen die Klima.
- 29:00Merken sie nicht, dass sozusagen dieser moralische Totalitarismus sie völlig in die Irre führt.
- 29:06Es ist einfach eine politische... Natürlich ist die AfD eine Partei wie jeder andere. Na klar.
- 29:11Weil sie nämlich einfach zugelassen ist wie jeder andere und sie stellt sich
- 29:14zur Wahl wie jeder andere und dann wird sie nachher sehen müssen,
- 29:17wie sie Politik macht wie jeder andere.
- 29:19Wenn sie anfangen, da kategoriale Unterschiede zu machen, dann landen sie im
- 29:23Aus. Weil es gibt nur Parteien und keine Parteien. Es gibt nicht sozusagen Parteien, die...
- 29:29Besser sind oder wählbarer oder so. Das entscheiden sie doch nicht.
- 29:32Es ist echt interessant.
- 29:36Sie sind in Wahrheit, ganz kurz, liebe Hörerinnen und Hörer,
- 29:39der Kollege Blome ist in Wahrheit woke, er ist alterswoke.
- 29:42Jetzt wo woke, peak woke ist schon vorbei.
- 29:44Sie sind leider woke Apriler Lettre, ist schon durch. Late to the show.
- 29:52Sie haben jetzt einfach nur Ihr Argument nochmal wiederholt,
- 29:54dass Ihr AfD eine Partei sei wie alle anderen, weil sie halt wie alle anderen
- 29:57auf dem Wahlzettel steht. Das finde ich ein bisschen einfach.
- 29:59Das ist einfach viel zu einfach.
- 30:02Man sollte sich vielleicht einfach mal anschauen, was die verschiedenen Parteien wollen.
- 30:06Und ja, der allererste, der den Grünen vorwirft oder vorgeworfen hat,
- 30:11ist mit ihrem Missionarismus beim Klimaschutz drastisch übertrieben zu haben
- 30:14und dafür haben sie auch drastisch die Quittung gekriegt.
- 30:17Super fand ich das, ganz ehrlich. Ich finde, die haben dem Klimaschutz einen
- 30:20Tort angetan und seine gesellschaftliche Mehrheit beschädigt,
- 30:24wenn nicht sogar für lange, lange Zeit verunmöglicht. Klammer zu.
- 30:29Es beim Klimaschutz zu übertreiben, ist aber etwas anderes, als zu sagen,
- 30:34du bist kulturfremd als Arzt und darum bist du eine Gefahr für deine Patienten.
- 30:39Wenn Sie den Unterschied kategorial
- 30:41nicht sehen können, liegt das Problem eher bei Ihnen als bei mir.
- 30:46Wenn Sie nicht sehen können, dass.
- 30:53Das ganze Vorgehen dieser Partei auf Einschüchterung basiert und auf dem Brechen
- 30:59gesellschaftlichen Widerstandes, dann liegt das Problem erneut bei ihnen.
- 31:05Und das macht nur diese Partei. Und das Pfiffige ist ja, die wollen auch exakt
- 31:09gar keinen Millimeter auf die anderen Parteien zugehen, was sie ja müssten,
- 31:12um eine Mehrheit zu bekommen.
- 31:14Sie sagen, wir machen das genau so, wie wir wollen oder gar nicht.
- 31:17Auch das unterscheidet sie.
- 31:19Die Koalitionsunwilligkeit, die Brandmauer, Entschuldigung, letzter Satz,
- 31:24die Brandmauer wird von der AfD selber hochgezogen.
- 31:29Sie wollen in Sachsen-Anhalt mit niemandem koalieren, auch nicht kooperieren,
- 31:34sie wollen die absolute Mehrheit, alles oder nichts und die Bauchweh kommen später.
- 31:40Bäm! Lieber Nikolaus Blome, Sie müssen mich nicht davon überzeugen,
- 31:45dass die AfD eine unangenehme, gefährliche, ich weiß nicht, keine Ahnung,
- 31:50was Partei ist. Das weiß ich alles auch. Habe ich schon mitbekommen.
- 31:53Ich war lange, lange, bevor Sie dabei waren, war ich derjenige,
- 31:57der gesagt hat, diese Partei wird bleiben.
- 31:59Die Partei ist unabhängig von dem Migrationsthema. Sie ist eine rechtsreaktionäre,
- 32:03deutschnationale Partei, die sozusagen das schlechteste politische Erbe,
- 32:08was es in Deutschland gibt, revitalisiert revitalisiert und so weiter.
- 32:11Sie wird nicht von Nazis gewählt, aber sie wird ihre Wähler zu Nazis machen.
- 32:15Das ist alles mein O-Ton.
- 32:17Das habe ich alles schon lange, lange begriffen.
- 32:20Der Punkt ist aber, was sie versuchen, sie versuchen sozusagen eine,
- 32:25es gibt diese Grenze aber nicht, die sie einziehen.
- 32:27Sie sagen, ja die ist zwar zugelassen, aber man darf sie nicht wählen.
- 32:32So funktioniert Politik nicht. Ich habe nicht gesagt, man darf sie nicht wählen.
- 32:35Das klebt, das geht dann immer, es wird immer an ihnen haften bleiben. Ja, it comes at a price.
- 32:41Grün zu wählen kommt auch mit einem Preis. Und dieser Preis ist halt ein bisschen
- 32:46höher, er ist von einer anderen Kategorie.
- 32:49Nein, das sehe ich aber nicht so. Das ist Ihre moralische Kategorie,
- 32:52das ist Ihre moralische Bewertung, die ganz offensichtlich von anderen Leuten
- 32:55nicht geteilt wird und auch Sie.
- 32:57Wir reden hier viel über Meinungsfreiheit und Gedankenfreiheit und wer kann
- 33:01eigentlich was sagen und wer darf was denken und so.
- 33:03Und ich bin ja strikt dafür zu sagen, es gibt Regeln, die schreiben wir auf,
- 33:10auf die einlegen wir uns im demokratischen Verfahren.
- 33:13Und alles, was sozusagen innerhalb dieser Regeln bleibt, die wir aufgeschrieben
- 33:16haben, ist okay. Und wenn diese Regeln verletzt werden, gibt es irgendwelche Sanktionen.
- 33:20Ein anderes Regelwerk darf es nicht geben. Wenn diese Partei zugelassen ist,
- 33:24ist es auch zulässig, sie zu wählen.
- 33:26Naja, aber nein, dann können Sie den Leuten aber keine moralischen,
- 33:29dann hören Sie doch auf. Dann sind das deutsche Staatsbürger,
- 33:32Wahlbürger, die eine legitime Wahlentscheidung fällen.
- 33:35Ja, Augstein, ich erkläre es Ihnen gerne nochmal. Ich habe es Ihnen zwar schon
- 33:39dreimal erklärt, aber okay.
- 33:40Sie sagen vollkommen zu Recht.
- 33:45Diese Partei zu wählen ist legitim, mindestens legal, weil steht ja auf dem Wahlzettel drauf.
- 33:52So gesehen ist sie wie eine Partei wie alle anderen bis runter zur Tierschutzpartei,
- 33:57denn sie steht auf dem Wahlzettel drauf.
- 33:59Mein Argument lautet, stimmt schon, aber nach der Wahl, nachdem das Kreuzchen
- 34:05gemacht ist, dann wird es Abend und dann wird es Morgen und dann geht es weiter.
- 34:13Danach hat das, was da auf dem Wahlzettel sich manifestiert hat, Konsequenzen.
- 34:19Wenn ich auf diese Konsequenzen hinweise, meinetwegen sogar vielleicht davor
- 34:23warne, spreche ich niemandem ab, wählen zu dürfen, wen man wählen will.
- 34:30Aber ich weise darauf hin, dass das a, etwas mit einem selber womöglich macht,
- 34:35und b, ganz reale Konsequenzen in der ganz realen Welt haben wird,
- 34:40die sich am Tag nach der Wahl ja weiter dreht.
- 34:43Und das ist der Punkt. Die Leute wollen, ja, aber das ist doch gut.
- 34:46Danke für die Verklarung, finde ich wichtig.
- 34:48Ich finde es auch wichtig für die Hörerinnen und Hörer, weil ich jetzt sagen
- 34:52kann, die Leute wollen, dass es Konsequenzen hat.
- 34:55Die Leute sind unzufrieden damit, wie die sogenannten Altparteien das machen.
- 35:00Das ist das, was Sarah Wagenknecht sagt. Wenn sie sagt, Leute,
- 35:03statt über Brandmauerdiskussionen zu reden, überlegt euch doch mal,
- 35:06warum wählen in Sachsen-Anhalt 40 Prozent der Leute diese Partei?
- 35:11Für euch ist sozusagen geklärt, die sind böse, die sind Rassisten,
- 35:14deshalb müssen wir uns mit denen gar nicht mehr beschäftigen.
- 35:16Die kapseln wir ab, so als könnten wir die irgendwie so in so einem Kokon spinnen
- 35:20und dann legen wir sie hin und wir machen jetzt Politik nur noch ohne die.
- 35:23Das funktioniert aber nicht. Und das sagt Sarah Wagenknecht in all ihren Interviews.
- 35:28Es hat in der Vergangenheit nicht funktioniert, es wird künftig nicht funktionieren,
- 35:31es hat mit Demokratie ehrlich gesagt auch meiner Meinung nach nichts zu tun
- 35:34und es ist als Signal an diese Wähler auch irgendwie ein großer Mittelfinger,
- 35:38weil es heißt nämlich, Leute ihr könnt wählen was ihr wollt und so,
- 35:40wir machen unsere Politik einfach so weiter wie bisher.
- 35:42Zum Beispiel im Fall Ukraine, zum Beispiel im Fall Russland,
- 35:45wo offenbar annähernd die Hälfte der Deutschen dagegen sind das zu machen und
- 35:48der Rest der Parteien sagt, das interessiert uns scheißdreck, wir machen es aber so.
- 35:52Also ihr könnt wählen wie ihr wollt, wir machen trotzdem immer das gleiche.
- 35:54Also, dann könnte ja, Moment, Moment. Und da kommt dann die AfD und sagt,
- 35:57nee, stopp, aber mit uns nicht. Ja, ist ja vollkommen okay.
- 36:00Wenn sie keine Mehrheit hat, es zu stoppen, dann ist aber Pech gehabt.
- 36:04Dann hat offenkundig eine Mehrheit immer noch Lust, es weiterzumachen,
- 36:07auch wenn es eine knappe Mehrheit ist. Ja, aber...
- 36:09Ja, Moment, dann müsste ja die AfD hingehen und sagen, wow, das ist uns aber
- 36:12echt wichtig, das durchzusetzen. Jetzt suchen wir uns einen Koalitionspartner.
- 36:17Denn dann könnten sie sich ja sofort, zack, das machen. Sofort.
- 36:21Aber sie suchen sich keinen Koalitionspartner. Sie wollen keinen Koalitionspartner.
- 36:25Und dann sind die anderen schuld?
- 36:29Dann sind die anderen Parteien schuld, dass die AfD alleine regieren will?
- 36:33Merken Sie nicht, dass Sie sich aufsteigen? Nein, ich verstehe das schon.
- 36:36Aber ich verstehe es, weil ich natürlich sozusagen gerade, weil ich von der
- 36:39Linken komme, habe ich sozusagen da ein besseres Gefühl für das,
- 36:42was die da machen. Die empfinden sich natürlich als revolutionäre Bewegung.
- 36:45Und wenn Sie sozusagen den Aufwind der Revolution spüren unter Ihren Flügeln,
- 36:49na ja klar, die AfD, dann sind Sie halt nicht koalitionsbereit,
- 36:53da haben Sie gar keinen Bock auf Kompromisse.
- 36:54Und das ist jetzt auch okay? Nein, ich sage nicht, dass es okay ist.
- 36:57Ich beschreibe Ihnen das nur. Also die denken, mit uns ist die neue Zeit.
- 37:00Wir müssen keine Kompromisse machen.
- 37:03Das nennt sich eine revolutionäre Bewegung. Schön, dann ist es jetzt auch noch
- 37:06eine revolutionäre Bewegung. Wenn Sie noch eine andere Kirsche finden,
- 37:08die Sie auf die AfD-Torte stellen können, machen Sie das. Es ist eine rechtsrevolutionäre
- 37:10Bewegung. Ja, okay, noch eine Kirsche drauf. Wunderbar.
- 37:13Aber werfen Sie doch nicht den anderen Parteien vor, dass diese rechtsrevolutionäre
- 37:18Bewegung mit vier Kirschen auf der Torte keine Kompromisse machen will.
- 37:21Nein, ich werfe Ihnen vor, dass Sie nicht darauf eingehen, was die Wähler wollen.
- 37:24Ich könnte mir vorstellen, wenn zum Beispiel die Grünen oder die SPD eine andere
- 37:28Ukraine-Politik machen würden, dass dann die AfD nicht solche hohen Zustimmungswerte
- 37:31hätte. Was denken Sie denn dazu?
- 37:33Das könnte sein. Vielleicht finden die ihre Ukraine-Politik aber richtig.
- 37:40Das nennt sich dann halt Rechthaberei. Aber Blume, bei uns ist es eben so,
- 37:44wie mit Ihnen und Sarah Wagenknecht, da kommen wir nicht auf einen Zweig.
- 37:47Eben Sie haben Sie in einem Nebensatz, haben Sie mir sozusagen,
- 37:50ich habe das schon gemerkt, ich kenne Sie ja ein bisschen, dem Ball zugeworfen,
- 37:53dem Affen Zucker geben. Habe ich doch richtig verstanden, dem Affen Zucker geben.
- 37:56Damit wollten Sie doch auf Ihr Lieblingsthema zu sprechen. Mein Leib- und Magen-Thema.
- 38:01Ihr Leib- und Magen-Thema, nämlich die Zuckersteuer.
- 38:04Ich muss zugeben, es ist jetzt gar nicht so ein Thema, wo ich sofort so anspringe.
- 38:08Aber der Kollege Blome wird Ihnen jetzt, liebe Hörerinnen und Hörer,
- 38:11erklären, warum das ein Riesending ist. Und es ist super, super wichtig,
- 38:14dass wir uns jetzt mit dem Thema Zuckersteuer beschäftigen. Bitte Nikolaus Blome jetzt.
- 38:19Aus 18.000 verschiedenen Gründen ist das das Thema der Woche.
- 38:23Die Zuckersteuer, die Besteuerung von allem Zucker, der überall drin ist,
- 38:26im Tomaten, Ketchup, in der Cola.
- 38:30Und wo ich weiß nicht was. Also das macht auf breiter Front Lebensmittel teurer.
- 38:34Und ich hatte denk, denk, denk immer gedacht, diese Bundesregierung wollte die
- 38:38Leute entlasten. Nein, bei der Erfindung neuer Steuern, da gibt es kein Halten nirgendwo.
- 38:43Und das Beste war, in einem offiziellen Eckpunktepapier, das dann an die anderen
- 38:47Ministerien gegeben war, ging man sogar so weit, eine Zuckersteuer erheben zu
- 38:51wollen auf Produkte, die gar keinen Zucker haben.
- 38:53Die süß sind, ja, aber gar keinen Zucker haben.
- 38:56Also eine Zuckersteuer auf nicht zuckerhaltige Produkte, das ist das,
- 39:00was ich meine, wenn ich sage, wehret den Anfängen.
- 39:04Wehret den Anfängen, lehnt die Zuckersteuer ab. Welchen Anfängen wehret?
- 39:08Ich verstehe Sie jetzt nicht.
- 39:10Diesem Wahnsinn, diesem Dammbruch zuzuschauen. Wir machen eine Zuckersteuer.
- 39:15Ja, und dann machen wir sie auch noch auf Sachen, die nur süß schmecken.
- 39:18Scheißegal, ob da Zucker drin ist oder nicht. Es geht uns ja ums Geld und nicht
- 39:21um die Gesundheit. Entschuldigung, da werde ich jetzt echt zynisch.
- 39:24Das wird ja auch noch gelabelt als Volksgesundheit.
- 39:28Es ist Rip-off. Nichts anderes. Denen fehlt Geld. Und anstatt,
- 39:32dass sie es irgendwo einsparen, wo sie es mit der Gießkanne in die Wüste kippen,
- 39:36Nehmen Sie es den Leuten, noch dazu den sozial Schwächeren, die einfach Lebensmittel
- 39:40kaufen müssen mit einem höheren Anteil an ihrem Gesamteinkommen,
- 39:44nehmen Sie es den sozial Schwächeren einfach auch noch weg.
- 39:47Okay, pass auf. Liebe Hörer und Hörer, gutes Beispiel für Fake News,
- 39:50Very Sad. Sie erinnern sich an Donald Trump.
- 39:55Ich finde übrigens, wir müssen in der nächsten Zeit auch mal wieder über Donald
- 39:58Trump reden, weil es tut mir langsam leid, weil nichts funktioniert,
- 40:01was er anfasst. Der trinkt ungefähr 5 Liter ohne Witz Coke Zero.
- 40:06Diet Coke Zero am Tag.
- 40:09Der muss keine Zuckersteuer darauf zahlen, weil da ist nämlich gar kein Zucker drin.
- 40:12Aber der ist ja auch gärtenschlank geworden. Den Rest des Tages ernährt er sich von Osempik.
- 40:17Also Fake News Very Sad ist die Geschichte, wenn der Kollege Blome sagt,
- 40:21dass die Bundesregierung hat geplant, jetzt plant die Bundesregierung sogar
- 40:26schon Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke.
- 40:28Da kann man mal sehen, der ganze Wahnsinn der Politik und so.
- 40:31Und wenn ich jetzt sage, dass das ist fast so wie bei Nios, dann schmeißt der
- 40:34Kollege Blobe mich hier gleich aus dem geschlossenen Fenster.
- 40:37Aber den Vergleich mag er gar nicht.
- 40:39Ist aber hart dran, denn die Bundesregierung hat das nie geplant.
- 40:42Auch Klingbeil hat das nicht geplant.
- 40:43Nicht mal Klingbeilsministerium hat das geplant. Niemand hat das geplant.
- 40:47Was passiert ist, ist, dass in der Abstimmung zur Frage, wie geht das mit der
- 40:50Zuckersteuer weiter, zwischen den Ministerien Papiere hin und her geschickt
- 40:53wurden und in einem dieser Papiere stand drin und wie wäre das eigentlich,
- 40:57wenn wir die Zuckersteuer auch auf süß schmeckende.
- 41:01Getränke erheben, in denen jetzt aber nicht unbedingt Zucker drin ist.
- 41:04Dann haben die das hin und her geschickt. Dann hat irgendwann einer gesagt,
- 41:07Leute, wir können doch eigentlich nicht Zuckersteuer auf nicht zuckerhaltige
- 41:10Getränke erheben. Das geht irgendwie nicht. Dann hat der andere gesagt,
- 41:12stimmt, dann lassen wir das mal lieben. War eine kacke Idee.
- 41:15Und jetzt kommt der Kollege Blom und sagt, da kann man mal sehen.
- 41:19Darf ich ergänzen? Ich möchte nur Ihren Vortrag ergänzen. Nein,
- 41:22weil der, und dann hat Klingbeil in einem Post bei X, oder wie das heißt,
- 41:28lese ich alles bei Spiegel Online, ich bin ja nicht mehr bei X,
- 41:30glücklicherweise, geschrieben.
- 41:33Darf ich Ihnen mal klären, wie Politik funktioniert? Wir arbeiten da,
- 41:36wir schreiben Sachen auf, das wird alles diskutiert und dann sagt man,
- 41:39der Vorschlag ist gar nicht so gut, den nehmen wir wieder weg und so.
- 41:42Das nennt sich sozusagen Diskussion in einem offenen Rahmen.
- 41:45Wenn jedes von diesen Papieren als Planung der Bundesregierung rausgeht,
- 41:48dann gibt es keine Diskussion mehr, dann können wir gar keine Politik mehr machen.
- 41:52Leute, entspannt euch mal.
- 41:54So, was der Kollege Blome hier macht, ist schon krass eigentlich.
- 41:57Nein, ich höre nur unserem Vizekanzler zu, der in einer Pressekonferenz sagte, ich werde das stoppen.
- 42:04Jetzt müssten Sie erklären, was er da genau stoppt, was ja gar nicht existiert
- 42:08hat. Was ja nur so wolkig als Idee.
- 42:11Er sagte, ich werde das stoppen, mit mir wird das nicht kommen.
- 42:15Das wäre dann aber ja, wenn man so will, eine Binse oder eine Tautologie.
- 42:19Ich stoppe etwas, was gar nicht da ist. Also was machen Sie dann? Wie nennt man das?
- 42:25Liebes Publikum, lest das, wenn es euch interessiert.
- 42:28Bei Instagram ist es sogar gestanden, es stand gar nicht bei X.
- 42:33Minister.LarsKlingbeil heißt sein Account.
- 42:36Da kann man es lesen, da streitet er dann und trotzdem zwei Sätze dazu,
- 42:39wie solche Debatten entstehen. Egal, lassen wir uns darüber jetzt nicht so.
- 42:43Also, lass uns zur Zuckersteuer selber zurückkommen. Ja, gerne. Aber.
- 42:50Ein Kernargument kriegt ja Nahrung, Vorschub, das gegen die Zuckersteuer an
- 42:58sich ins Feld geführt wird.
- 43:00Nämlich, dass danach sie noch was erfinden und danach erfinden sie noch etwas
- 43:03und am Ende erfinden sie eine Steuer auf Lebensführung.
- 43:08Und am Beispiel, ach lass uns doch mal überlegen zumindest und vielleicht sogar gut finden.
- 43:14Und Zuckersteuer, auch auf Getränke, die gar keinen Zucker haben,
- 43:17ist doch genau diese Bewegung, vor der ich warne. Ja, nur wie gesagt,
- 43:20es ist eben, deshalb sage ich Fake News, weil das macht ja eben auch keiner
- 43:23und deshalb müssen sie auch nicht warnen.
- 43:25Sie warnen sozusagen vor Sachen, das nennt man dann eben Populismus oder ich
- 43:29weiß auch nicht oder Boulevard oder keine Ahnung.
- 43:31Ich sage ja immer wieder, man kann den kleinen Nikolaus aus der Bild-Zeitung
- 43:36holen, aber nicht die Bild-Zeitung aus dem kleinen Nikolaus,
- 43:38das ist halt offensichtlich so.
- 43:39Ich warne vor etwas, was der Vizekanzler dann gestoppt hat.
- 43:43Vielleicht können wir es so sagen. Okay, Sie warnen vor etwas,
- 43:45was der Vizekanzler... Uff, uff, uff. Die Zuckersteuer ist natürlich eine total
- 43:50vernünftige Steuer. Es gibt natürlich viele Steuern, die gar nicht so vernünftig
- 43:53sind. Die Zuckersteuer ist vernünftig.
- 43:55Die Leute trinken zu viel süße Sachen. Im Supermarkt stehen die süßen Sachen
- 44:00immer an der Kasse. Übrigens auch für die kleinen Schnapsflaschen.
- 44:02Für wen stehen eigentlich diese kleinen Schnapsflaschen an der Supermarktkasse?
- 44:06Irgendwie, wo sie irgendwie so 0-2 irgendwie so Downcard irgendwie kaufen können,
- 44:10irgendwie so für sie oder mich oder für meine kleine Tochter,
- 44:14ich glaube eher für die Alkoholiker.
- 44:15Natürlich macht der Markt, der Markt und der Supermarkt Dinge und promoviert
- 44:21Dinge, die sozusagen für Menschen echt schlecht sind.
- 44:24Das ist so, weil dem Markt ist das erstmal egal, irgendwie so,
- 44:27ob die Leute dann praktisch fett sind oder irgendwie so mit zerfressener Luft,
- 44:31Speiseröhre im Krankenhaus liegen und so, Hauptsache irgendwie der Hubel stimmt.
- 44:36Wenn dann der Staat kommt und sagt, wir haben auch eine Steuerungsaufgabe in
- 44:41der Gesellschaft, wir steuern auch mit den Steuern das Verhalten der Bürger,
- 44:46dann begrüße ich das. Ich finde das auch richtig, dass Zigaretten immer teurer werden.
- 44:49Ich finde es auch richtig, dass es eine Alkoholsteuer gibt. Die könnte von mir
- 44:52aus auch noch höher sein.
- 44:53Das finde ich alles richtig. Die wird übrigens auch erhöht. Ja,
- 44:55ich finde es auch richtig, dass man das Zeug erst ab 16 oder 18 kaufen kann.
- 44:58Und dass man keine Waffen kaufen kann in Deutschland, finde ich auch richtig.
- 45:01Oder was wollen Sie jetzt sagen? Wollen Sie sagen, freier Zucker für freie Bürger?
- 45:05Die Selbstverantwortung des Bürgers darf nicht eingeschränkt werden.
- 45:08Freie Schnellfeuergewehre und eine Doppel-Diet-Doppel-Coke.
- 45:13Was soll denn dieser Quatsch? Das sind so Debatten aus den 80ern.
- 45:16Sind wir da nicht auch weiter?
- 45:18Ich habe jetzt mal Ihren Ratschlag angenommen, den Sie ja ganz am Anfang dieser
- 45:23kleinen Auseinandersetzung, dieses kleinen Gesprächs, dem Kollegen Schmiese
- 45:26vom ZDF im Gegenüber mit Frau Weidel gegeben haben.
- 45:30Ich habe sie einfach mal reden lassen, damit sie.
- 45:36In ihrem ganzen Gedanken durcheinander einfach mal in Ruhe ausbreiten können
- 45:40und jeder Zuhörer sagen kann, ja stimmt, nein, nein, klar.
- 45:43Ja, also wer gegen Schnellfeuerwaffen im Kindergarten ist und das gesetzlich
- 45:48reguliert, der muss in der logischen Konsequenz auch für eine Zuckersteuer sein.
- 45:54Das haben sie im Prinzip gesagt. Finde ich auch.
- 45:57Ja, weil Schnellfeuergewehre im Kindergarten annähernd so gefährlich sind wie Zucker.
- 46:01Ich glaube, dass durch Dickleibigkeit mehr Leute sterben als durch Schnellfeuergewehre,
- 46:05wenn sie so wollen, ist wahrscheinlich andersrum. Ich glaube aber,
- 46:08das hängt damit zusammen, dass die Schnellfeuergewehre schon im Kindergarten
- 46:10verboten sind. Bei uns. Ja.
- 46:13Das ist ja auch gut so, aber die Leute werden trotzdem immer dicker in Deutschland.
- 46:17Ich meine, gehen Sie mal auf die Straße, angezogene, nackte,
- 46:19keine Ahnung, die Leute werden einfach zu dick und natürlich hilft die Zuckersteuer
- 46:22den Menschen dabei irgendwie abzunehmen.
- 46:25Ist doch total pervers, jetzt mal ganz kurz mal ernst, ist doch total pervers,
- 46:28dass wir jetzt diese Osempik-Medikamente haben, wo für wahnsinnig viel Geld,
- 46:32ja, mit diesen Abnehmenspritzen, man hilft Leuten abzunehmen,
- 46:35während gleichzeitig irgendwie,
- 46:37sie sich vorher irgendwie mit Cola und Fanta irgendwie so dick gesoffen haben.
- 46:41Das ist doch geisteskrank.
- 46:42Dann hilft doch den Leuten lieber von vornherein, dass sie gar nicht erst so
- 46:44dick werden. Dann müssen sie nicht nachher so viel Geld für Osempik ausgeben.
- 46:48Das ist doch echt eine perverse Gesellschaft, in der wir da leben.
- 46:50Sie nennen es pervers, ich nenne es eigenverantwortlich und ja, ich glaube.
- 46:57Der Staat hat eine Steuerungsfunktion, vollkommen richtig und man muss jedes
- 47:01Mal aufs Neue vermessen, ob er diese Steuerungsfunktion ausbauen sollte oder
- 47:07auch mal an einer Stelle wieder zurücknehmen kann.
- 47:10Sie sind der Meinung, die Fettleibigkeit greift in einer Form um sich,
- 47:13dass er jetzt mehr steuern müsste.
- 47:17Wenn Sie es als Kostenargument im Gesundheitssystem sehen, wo natürlich Fettleibigkeit,
- 47:23erhebliche Kosten aufwirft, ja,
- 47:26aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier erstens darum geht,
- 47:31Geld zu machen für einen Haushalt, den man anders sanieren sollte.
- 47:36Und zweitens will ich das Gefühl nicht los, dass nach der Zuckersteuer,
- 47:40wenn sie den Damm gebrochen haben, wenn sie über diese Hürde von Steuerungswunsch
- 47:44hinweggegangen sind, noch ganz, ganz viel anderes kommt.
- 47:47Und dann wird das irgendwie in meiner Fantasie eine Gesellschaft,
- 47:52die der von Karl Lauterbach ähnelt, der kein Salz mehr isst,
- 47:55kein Dings mehr isst, kein Garnichts mehr isst und ich weiß nicht,
- 47:57ob der sehr viel Freude im Leben hat,
- 48:00und vor allen Dingen eine Steuererhöhung auf Lebensmittel,
- 48:04in einer Zeit, wo die Bezahlbarkeit des Lebens so eine große Rolle spielt,
- 48:10auch übrigens bei der AfD, um den Kreis jetzt zu schließen,
- 48:14leuchtet mir überhaupt nicht ein.
- 48:17Sie machen das tägliche Leben teurer.
- 48:21Und das finde ich in der jetzigen krisenhaften Situation, auch der Wirtschaft,
- 48:25wo Leute mehr arbeitslos werden usw., finde ich das einfach falsch.
- 48:29Es ist mindestens der falsche Zeitpunkt.
- 48:31Blume leben wie Karl Lauterbach. Das möchte ich auch nicht. Das ist in der Tat
- 48:35eine dystopische Vorstellung. Aber leben wie in Frankreich. Damit käme ich zum Beispiel ganz gut klar.
- 48:40Und in Frankreich, lieber Kollege Blume, Sie und ich, wir sind ja Frankophil
- 48:43und Frankophon. In Frankreich gibt es bereits eine Zuckersteuer und funktioniert
- 48:49ganz okay, würde ich sagen.
- 48:50Ja, abgesehen davon, dass demnächst da eine rechtspopulistische bis rechtsextreme
- 48:55Präsidentin im Amt sein wird. Oh Gott.
- 48:57Ja, sowas kommt von sowas, möchte ich sagen.
- 49:02Nächste Woche mehr davon. Vielen Dank, Ivy. Danke, Blume. Und tschüss.