Latest / BZ am Ohr / Ärger um die Bezahlung von Hebammen - was ist dran an der Kritik?
Transcript
- Sie begleiten den ersten Atemzug eines neuen Lebens. Sie erleben Schmerz und Angst, aber auch unendliches Glück. Sie geben unzähligen Frauen Vertrauen in ihren eigenen Körper. Und sie stehen in den Wochen nach der Geburt mit Rat und Tat zur Seite. Hebammen sind für unser aller Start ins Leben super wichtig. Und trotzdem gab es in den letzten Monaten enorm viel Ärger um die Bezahlung von Hebammen. Worum da genau gestritten wurde, warum eine Geburtsklinik in Baden-Württemberg in der Folge sogar schließt und welche Kliniken in Südbaden betroffen sind, darüber sprechen wir heute bei BZ am Ohr, einem Podcast der Badischen Zeitung. Mein Name ist Dora Schölz, ich bin Redakteurin bei der BZ und mit mir im Studio sind heute Sophia Martin. Sie ist seit zweieinhalb Jahren als freiberufliche Hebamme im Freiburger Umland unterwegs. Hallo Sophia. Hallo. Und mit dabei ist auch Carolin Ströbel. Sie ist seit neun Jahren Hebamme und arbeitet seit drei Jahren als Dienstbeleghebamme am Ortenau-Klinikum in Offenburg und ist außerdem Paar- und Sexualberaterin in Freiburg. Hallo Carolin. Hallo ihr beiden. Schön, dass ihr da seid. Herzlich willkommen. Zum Einstieg würde ich euch gerne fragen, ob ihr in eurem Berufsleben als Hebamme vielleicht einen Moment erinnert, der euch ganz besonders berührt hat oder der euch besonders in Erinnerung geblieben ist. Mir fällt gerade eine ein. Der ist so eine Mischung zwischen Beruf und persönlich. Und zwar habe ich eine sehr gute Freundin bei der Hausgeburt begleiten dürfen, ihres ersten Kindes. Und wir haben uns schon gekannt, lange bevor sie ihren Mann gekannt hat. Und dann dort in diesem häuslichen Umfeld zu sein, wir haben keine Risikofaktoren, wir haben den perfekten Rahmen, die Mama fühlt sich wohl, der Papa ist auch mit dabei und diese enge Beziehung und diese Doppelrolle von Hebamme, aber auch sehr gute Freundin und da dabei sein zu dürfen, ihr erstes Kind zu empfangen hier auf der Welt. Ja, es wird mir, glaube ich, immer in Erinnerung bleiben und war ein großes Geschenk. Ja, sehr emotional wahrscheinlich. Ja, voll. Ich hatte letztens ein Telefonat mit einer Frau, die bei mir geboren hat und da ist mir erst mal bewusst geworden, wie besonders das eigentlich war. Die hat ihr drittes Kind spontan bei mir geboren und im Grunde haben die, also das Paar hat gar nicht viel von mir gebraucht, weil ich einfach gemerkt habe, die sind so in ihrem Ding, in ihrer Kraft und das haben die auch ausgedrückt. Und es war eine Geburt im Hebammenkreis, das heißt eine zweite Hebamme ist dazugekommen und kein Arzt oder Ärztin. Und am Ende braucht es echt noch viel Power und Kraft, weil es ein Sterngucker-Baby war. Und wir haben echt gekämpft miteinander, dass das so geht und es hat geklappt. Und im Nachhinein habe ich von der Frau erfahren, dass das einfach so heilsam war, auch von den Geburten, die sie davor hatte. und dass sie tiefgreifend verändert hat zu spüren, wir glauben an sie. Wir lassen sie nicht los und kämpfen mit ihr in dieser Geburt. Und da habe ich gemerkt, boah, das ist einfach so eine Power, so eine Kraft, die da einfach auch entsteht während Geburten. Ja, wow. Jetzt hast du gerade, Sophia, auch schon Hausgeburt angesprochen. Die Aufgaben von Hebammen sind ja ganz vielfältig. Vielleicht könnt ihr mal so kurz ein bisschen stichwortartig sagen, was genau ihr eigentlich tut, weil ihr seid beide Hebamme, aber ihr arbeitet ganz unterschiedlich. Willst du anfangen? Ich kann gerne anfangen. Also im Grunde begleiten Hebammen die Schwangerschaft und schauen, ob da alles regelrecht verläuft, auch den Bedarf der Schwangeren. Da kommen ganz viele Themen auf. Was brauche ich denn für ein Kind? Welche Ausstattung? Und aber auch so die Themen, wie werden wir Eltern? Was ist uns da wichtig? Also Elternschaft an sich ist ja ein Riesenthema und auch dafür ist die Hebamme eine Ansprechperson. Das begleite ich aktuell nicht. Also das wären zum Beispiel Hausbesuche. Und eine Hebamme macht auch Wochenbetten, da kann Sophia bestimmt auch noch was dazu sagen, weil ich es auch gerade nicht begleite. Und ich begleite Geburten in einem Kreißsaal, also als selbstständige Hebamme. Und genau, ab dem Moment, wo die Frau bemerkt, hey, ich habe Wehen oder einen Blasensprung, kontaktiert sie uns im Kreißsaal und durch die Geburt hinweg die Wehenbetreuung, Fragestellung, was brauchst du gerade, um gut durch die Geburt zu gehen? Fragen nach Schmerzmitteln oder auch das Kind, wie ist es denn positioniert? Braucht es da irgendwie eine Veränderung? müssen wir turnen. Also ein Kind flutscht nicht einfach, sondern da muss man manchmal auch einfach unterstützen, Hand anlegen. Also wir stehen da nicht nur, sondern das ist richtig intensive Arbeit. Genau, und wenn das Kind auf der Welt ist, dann schauen wir, dass die Placenta-Periode regelrecht verläuft, was es da braucht. Und klar, Stillzeit, Stillbeginn, U1, wir untersuchen das Neugeborene, schauen, hey, ist das alles so, wie es sein soll? Und genau, so im Grunde. Da bist du eben an der Klinik, aber nicht fest angestellt, sondern als Dienstbeleghebamme. Ganz genau. Also der Unterschied ist, also die allermeisten Kliniken in Baden-Württemberg haben angestellte Hebammen. Das heißt, die Haftpflichtversicherung zahlt die Klinik und ich bin selbstständig. Das bedeutet, ich habe ein höheres Einkommen, weil ich mit der Krankenkasse insofern abrechne und selbstständig bin und alle meine Sozialabgaben selber zahlen muss. Und wir als Hebammenteam, wir organisieren uns selber. Wir sind ungefähr in Offenburg, 45 Hebammen. Das ist jetzt aktuell ein bisschen weniger hier auch. Genau, darüber sprechen wir gleich noch. Genau, und ich bin selbstständig, bin also nicht von der Klinik angestellt, darf die Räumlichkeiten nutzen, um dort Geburten zu betreuen. Genau, und Sophia, du bist auch freiberuflich, aber eben nicht an einer Klinik unterwegs. Genau, ja, ich decke ziemlich fast jeden Bereich ab, den man so machen kann im freiberuflichen Arbeiten. Ich finde es ganz schön, Salutogenese ist so ein Begriff der Zeit und die Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung und so. Das Philosophieren darüber, was ist krank sein, was ist gesund sein. Und genau da haben wir als Hebammen in der Schwangerschaft, während der Geburt, im Wochenbett, im gesamten ersten Lebensjahr bis zum Ende der Ernährung des Kindes, also wenn eine Frau drei Jahre stillt, dann hat sie Hebammenanspruch bis zum Ende. Bis zu dem Punkt, wo sie nicht mehr stillt. Oh wow, okay, das wusste ich gar nicht. Genau. Und das ist viel der Beruf der Gesundheitserhaltung, der Gesundheitsanerkennung. Wir haben keine kranken Frauen in der Regel. Wir haben gesunde, junge, in der Kraft stehende Frauen. Und diese Gesundheit anzuerkennen, die Frau anzukennen als Expertin ihres Körpers, mit ihrer Geschichte das Kind anzuerkennen als Kind, lebendiges Wesen in der Frau. Die beiden sind 24 Stunden zusammen und da knüpft sich ein tiefes Band, das dann darüber hinausgeht, wo man anknüpft bei Geburt. Oft ist so der Blick auf der Frau und das Kind wird halt die Herztöne gehört. Genau, aber es ist ein Mensch, der noch nie hier gelebt hat auf dieser Welt und der nie wieder hier leben wird. Und auch da so eine achtsame Begleitung von dem Kind. Genau, schon in der Schwangerschaft, während der Geburt, wirklich das Kind mit einem zu beziehen und auch im Wochenbett und darüber hinaus. Und ganz konkret ist es meine Rolle, würde ich sagen, diese Gesundheit im Blick zu haben und zu stärken und zu fördern. Und es kann ganz unterschiedlich aussehen. Also es ist ganz wie Beratung. Es ist einfach da sein, es ist zuhören. Es ist Stressreduzieren, Stress ist oft damit der größte Risikofaktor für Zivilisationskrankheiten, und auch für Risikofaktoren in der Schwangerschaft, Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes. Ja und auch ein gestresstes System ist so ein Kind von Anfang an in einem dauergestressten System. Dann wird es auch in diesem Nervensystem, prägt jede Körperzelle. Ja, also große Verantwortung, große Aufgaben. Ich stelle mir das auch nicht leicht vor mit dieser Verantwortung irgendwie immer im Hinterkopf und dann aber natürlich auch Termine jonglieren, bei Notfällen auch spontan eingreifen müssen, emotional viel mittragen, viel aushalten auch. Was motiviert euch denn? Was ist für euch so das, wo ihr sagt, auch wenn es mal hart ist oder wenn ich privat vielleicht auch anders um die Ohren habe, was motiviert euch da in diesem Beruf so viel zu geben? Also ich erkenne einfach, wie wichtig und sinnvoll der Start ist, nicht nur für das Kind oder die Familie, sondern also für das ganze System. Je nachdem, wie ein Kind geboren werden konnte oder durfte, kann das eine Familie und eine Frau und damit meine ich so die Identität und die innere Stärke so sehr antreiben oder auch schwächen. Und es ist einfach total wichtig, dass wir Frauen in ihrer Kraft und in ihrer Selbstermächtigung wahrnehmen und auch ernst nehmen und sie als starke, kluge Geschöpfe unterstützen und nicht so fremdbestimmt, sondern dass wir zuhören und wahrnehmen und daraus erwachen halt einfach total stabile Menschen, die auch ein Selbstbewusstsein in die Welt tragen können, in die Familien, als Mutterrolle oder auch als Frau. Und ich glaube, das ist eine ganz große, wichtige Rolle, irgendwie wahrzunehmen, was braucht diese Familie, um zu wachsen und wirklich sich in sich stabil zu fühlen. Und da braucht es einfach einen sehr achtsamen, wachsamen Blick im Kreißsaal oder eben auch in der Hausgeburtshilfe, um zu schauen, wie können wir das schützen. Und genau die Auswirkung, die schätze ich riesengroß ein. Wenn da gestärkte Menschen, Frauen hervorgehen, wo eine gute Bindung stattfinden kann und nicht eine gebrochene Frau, die am 25. November eine Rose niederlegen muss, weil sie Gewalt in der Geburtshilfe erfahren hat. Das ist nicht, was ich möchte, sondern ich möchte eine starke Gesellschaft und dazu gehört halt einfach auch eine stabile, gute, selbstbestimmte Geburt. Ja, wie ist das bei dir? Ich glaube, was mich mit am meisten motiviert, ist wirklich eine Begeisterung. Da wirklich begleitend da zu sein, zu merken, das funktioniert von alleine. Also wir haben nicht so viel Kontrolle, gerade in der Frühschwangerschaft. Wir können staunend zugucken, was da passiert. Ja, und auch was das aussagt über... Die Gesundheit von dem Körper, von dem Baby, dieses wir machen nicht, wir sind. Also dieses wir schaffen nicht, nicht eine Schwangerschaft immer mehr schaffen, sondern Schwanger sein und dieses Sein zu begleiten und staunen zu dürfen. Für mich ist immer so ein eindrückliches Bild. Man ist in Kontakt mit dem Baby bis zum letzten Moment vor Geburt und es ist ein Zentimeter, zwei Zentimeter Abstand zwischen dem Baby im Unsichtbaren und zwischen uns. Und wir können uns nicht vorstellen, dass da ein fertiger kleiner Mensch drin ist. Und dann ist Geburt und dann ist dieser Mensch da und keiner im Raum kann sich vorstellen, dass dieses Kind so vom Verstand her, dass das hier in dem Bauch war. Und es ist ganz egal, wie viele hunderte Mal man dabei war oder auch wie viele 15 Kinder, übertrieben gesprochen, man geboren hat. Es ist ein Prozess, den wir rein von unserem Verstand und rein vom Rationalen nicht verstehen können, sondern echt so ein Staunen darüber. Und auch das anzuerkennen von, hey, es ist Gesundheit, wir wollen das bewahren und wir wollen interdisziplinär, also mit anderen Berufsgruppen natürlich reagieren, wenn wir Risikofaktoren haben, aber eine große Motivation von Fürsprecher für Gesundheit anzuerkennen. Das motiviert mich. Ja, Stichwort Gesundheit. Es gibt ein nationales Gesundheitsziel von 2016, Gesundheit rund um die Geburt. Da wird die besondere Bedeutung von Hebammen sehr betont, unter anderem indem man eben eine hebammgeleitete Geburtshilfe mit frauenzentrierter Begleitung oder Betreuung fördert. Dass also ein Arzt, eine Ärztin erst dazukommt, wenn es wirklich nötig ist, dass erstmal die Hebamme und die Frau das für sich irgendwie die Geburt begleiten. Das macht man eben immer dann, wenn keine absehbaren Risikofaktoren da sind. Und das begünstigt eben laut diesem Gesundheitsziel auch die Gesundheit auf mehreren Ebenen. In Südbaden gibt es auch immer mehr Kliniken, die auf diese Hebammenkreissäle setzen. In Offenburg gibt es das, in Freiburg sowohl am Josefs und der Diakonie als auch in der Uniklinik. Im St. Elisabettenkrankenhaus in Lorach gibt es das allerdings noch nicht. Jetzt sollte man meinen, dieser wichtige Hebammenberuf wird angemessen entlohnt. Was verdient ihr denn? Also man muss dazu sagen, wenn man so über den Lohn spricht als selbstständige Hebamme, dass das Einkommen einfach jeden Monat unterschiedlich ist, das zum einen und dass als selbstständige Hebamme ich brutto deutlich mehr verdiene, als ich dann letztlich übrig habe. Also ich kann einfach mal sagen, ich habe ungefähr 3000 Euro Fixkosten im Monat, die ich erstmal zahle. Also für Versicherungen? Für Versicherung, Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung und so weiter und die Beiträge steigen. Und ich komme raus von einem Nettogehalt, muss ich leider schätzen, aber es ist sehr unterschiedlich, zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Und da muss ich auf jeden Fall noch Rücklagen legen, zurücklegen für Urlaub, für Krankheitsmomente, weil das zahlt mir natürlich keiner. Genau, du bist eben nicht fest angestellt, das heißt, wenn du nicht arbeitest, dann verdienst du auch nichts. Ganz genau. Was ist bei dir auch so, Sophie? Ja, ich habe es auch mal ausgerechnet. Ich glaube, bei mir ist es sogar noch ein Tick mehr. Also ich kam auf zwischen 4.000 und 5.000 Euro Fixkosten im Monat, was schon ein Haufen Geld ist. Weil du Hausgeburten betreust und da die Versicherung so teuer ist. Genau, wir haben dieselbe teure Versicherung. Genau, aber viel mehr als das. Also ich habe allein 1.300 Euro Krankenversicherung zum Beispiel im Monat und das summiert sich. Und dadurch hat man viele Einnahmen, dadurch zahlt man viele Steuern. Aber diese vielen Ausgaben sind da drin nicht berechnet. Das heißt, man wird hoch eingestuft auch oft. Aber eben das Brutto und Netto variiert sehr stark. Ich meine, man muss auch immer sagen, ich glaube, diese Frage von wie viel verdient ihr, ist immer schwer zu sagen, weil wir nicht so einen 40-Stunden-geregelten Job haben. Fast jede Hebamme, die ich kenne, vor allem in der Hausgeburtsbegleitung, die wirklich alles abdeckt mit Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit, würde ich sagen, arbeitet oft mehr als 40 Stunden, weil alles dazu gehört. Also du organisierst komplett deine eigene Selbstständigkeit, du musst Material, Labor, Qualitätsmanagement... Abrechnung, Dokumentation. Also das ist das, was mir spontan einfällt. Aber es sind ganz, ganz, ganz viele Aufgaben. Wenn ich da rechnen würde, wie viele Stunden ich arbeite, wäre ich wahrscheinlich in vielen Wochen in den letzten zweieinhalb Jahren eher bei 60, 70 Stunden gewesen. Und deshalb variiert das stark. Manchmal kommen alle Kinder auf einmal. Jetzt letzte Woche alle vier, fünf Wochen Bettbetreuungen innerhalb von ein paar Tagen. Und dann ist wieder ein paar Wochen nice, ruhiger. Aber es ist eine schwierige Frage. Es kommt nämlich darauf an, wie viel arbeitet man. Und ich würde sagen, wirklich Hausgeburtshebamme ist man aus Leidenschaft und aus Berufung und nicht um einen Beruf zu machen. Und man investiert sehr viel rein, sehr viel im Sichtbaren, sehr viel im Unsichtbaren. Also ich habe sehr viele... Teamtreffen zum Beispiel, wo wir uns austauschen, Fallbesprechung, Supervision. Wir treffen alle Hausgeburtshebammen in Freiburg. Also wir haben unterschiedliche Teamtreffen. Also es sind ganz, ganz, ganz, ganz viele Sachen, die damit einhergehen, die man nicht so trennen kann zwischen Arbeitszeit und ganz viel Nicht-Vergütetes. Und genau, der Stundenlohn ist mäßig. Also er wurde jetzt von 60 auf 70 Euro angehoben, zum Beispiel in der Schwangerschaft. Wenn man jetzt aber bedenkt, was man alles für Ausgaben hat und was man alles für Dinge zu tun hat, die man nicht vergütet kriegt und das vergleicht mit anderen selbstständigen Personen, also zum Beispiel Autowerkstatt 80 Euro, Steuererklärer 220 Euro die Stunde. Also es sind im Vergleich mit anderen selbstständigen Berufen, ist auch der neue Vertrag noch deutlich drunter. Ja, genau. Über den Vertrag will ich ja auch mit euch sprechen. Vielleicht noch zuerst eine Zahl. Laut Arbeitsagentur verdient eine Hebamme in Baden-Württemberg im Median 4.500 Euro brutto. Kann man jetzt diskutieren, ob das zu wenig ist oder nicht. Genau, Stichwort Vertrag, der Hebammenhilfevertrag. Das ist der Vertrag, der euren Verdienst regelt. Der wird abgeschlossen zwischen den Hebammenverbänden und der GKV, also dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Und seit November gilt da jetzt ein neuer Vertrag, um den gab es sehr viel Ärger. Bevor wir über das Warum sprechen, vielleicht sprechen wir erstmal über den Zweck des neuen Vertrags. Was soll der Vertrag eigentlich bezwecken? Also der Vertrag regelt im Grunde unser Einkommen und dient dem Zweck. Also der wurde jetzt verändert, weil einfach jede Berufsgruppe in einem gewissen Abstand eine Lohnsteigerung bekommen sollte. Das heißt, da finden einfach Gespräche statt, um nochmal zu evaluieren, was ist gerade passend, auch in Anbetracht der Tatsache, dass Kosten generell auf der ganzen Welt steigen, Inflation und so weiter. Und die letzte Erhöhung gab es 2018 im Januar. Das heißt, das ist auch schon sehr viele Jahre her und dementsprechend war es auch an der Zeit, dass da eine neue Verhandlung stattfindet. Im besten Fall zu unserem Guten, also zum Besseren und nicht zu einer Verschlechterung. Aber da können wir gleich nochmal drüber sprechen, warum wir es kritisieren. Genau. Die GKV sagt, es soll eben euer Verdienst gesteigert werden. Es soll aber auch die 1 zu 1 Betreuung bei der Geburt gestärkt werden. Vielleicht könnt ihr nochmal zwei Sätze dazu sagen, warum ist diese 1 zu 1 Betreuung so wichtig? Ich kann gar nicht starten. Wir haben in der Hausgeburtshilfe sogar oft eine 2 zu 1 Betreuung. Also wir gehen zu zweit zur Geburt in der Regel. Ich meine, es kommt natürlich darauf an, 1 zu 1 Betreuung in welchem Setting, weil es einfach so unterschiedlich ist, wirklich dieses eine Frau oder eine schwangere Person in der gesamten Schwangerschaft kennenzulernen, zehn Monate zu begleiten und dann die 1 zu 1 Betreuung ist natürlich nochmal ein Unterschied als in der Klinik eine 1 zu 1 Betreuung. Deshalb kann ich von meiner außerklinischen Perspektive nur teilen, obwohl ich natürlich klinisch ausgebildet bin und das da auch erlebt habe. Es ist einfach ein Ausnahmezustand, es ist eine Grenzerfahrung und es hat Potenzial für ganz vieles, das hast du vorher auch schon angedeutet. Es hat Potenzial zu stärken und zu kräftigen und wirklich Selbstbewusstsein zu geben, in diesem Staat Eltern sein. Und es hat auch das Gegenteil, es hat Potenzial für das Gegenteil, weil man wirklich der Geburt so, es ist nicht mit dem Verstand, man kann nicht sagen, ich will jetzt eine Pause. Und genau, es ist eine Hingabe der Frau eigentlich, was da körperlich passiert und ein Zulassen und keine Kontrolle haben eigentlich. Und es ist so wichtig, da jemand da zu sein, der diesen Rahmen hält und auf den die Frau blicken kann und Vertrauen hat und dass nicht, wenn viel los ist oder mal kurz reinkommen. Sich so abbricht dieser Kontakt. Ja, sondern in dem Moment ist es schwer für die Frauen, für sich selbst Fürsprecher zu sein. Und es braucht einen Fürsprecher. Und ich würde sagen, aus meiner Perspektive ist das mit einer der wichtigsten Gründe für die 1 zu 1 Betreuung. Und auch nicht, damit die ein schönes Geburtserlebnis hat oder ein positives, sondern weil das wirklich prägt und weil das den Beziehungsaufbau prägt von Mutter und Kind, wie die Geburt wahrgenommen wurde oder eben wie sie es auch als Übergriff oder…, positiv und es steht und fällt eigentlich mit dem, ist jemand da. Ja, es gibt ja durchaus auch Frauen, die ihre Geburt als traumatisierend empfinden. Ja, und nicht nur ein paar, sondern jede dritte. Also wenn man so Zahlen erhebt im klinischen Kontext. Und eine 1 zu 1 Betreuung ist ein würdigen davon. Wir müssen die Frauen in der Situation sehen und wir müssen da sein. Wir müssen sie begleiten und wir müssen Fürsprecher sein für sie. Würdest du da noch was ergänzen? Ja, ich glaube, ich kann noch dazu sagen, dass es super wichtig ist, dass wir eine 1-zu-1-Betreuung haben und auch weiter ausweiten. Und der Ziel von dem neuen Vertrag war, das ja zu unterstützen. Ich frage mich bei der ganzen Sache aber auch, warum bei Angestelltenhebammen, dass es da gar keine Regelung gibt. Also ich würde sagen, in angestellten Kreißsielen ist es ziemlich gang und gäbe, dass eine Hebamme zwei Geburten, vielleicht sogar drei gleichzeitig betreuen muss. Und da gibt es keine gesetzliche Regelung. Das heißt, bei uns freiberuflichen Hebammen und wir in Offenburg, wir sind in jedem Dienst fünf Hebammen und können wirklich sehr, sehr, sehr oft eine 1 zu 1 Betreuung gewährleisten. ist uns auch total wichtig. Und ich frage mich aber, ob das so ein vorgeschobenes Argument ist vom GKV, eine 1 zu 1 Betreuung zu unterstützen, weil wenn man das wirklich wollen würde, dann würde man gesamt schauen, wo wird wie betreut und wie können wir das unterstützen. Und es braucht mehr Hebammen und es braucht vor allem einen besseren Personalschlüssel. Also wir brauchen einfach mehr Hebammen in den Kliniken, weil es kommen einfach die meisten Kinder in den Kliniken zur Welt. Das sind. Ich weiß nicht, 96 Prozent aller Geburten. Und da brauchen wir Hebammen, wir brauchen gute Arbeitsbedingungen und nicht Gehaltskürzungen. Also wir haben einen 1 zu 1 Zuschlag für eine Geburt, den bekommen wir aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und die Voraussetzung ist, dass wir wirklich eben nur diese eine Frau betreuen. Und das ist halt einfach realitätsfern, wenn man in einem Krankenhaus arbeitet, wo 2000 Babys im Jahr geboren werden. Und wir Hebammen, wir geben unser Bestmöglichstes, um irgendwie Frauen durch die Geburt zu betreuen und sollten da keinen Nachteil bekommen. Und die Frau selbstverständlich auch nicht. Aber es ist einfach nicht realistisch zu sagen, jede Frau muss eine 1-zu-1-Betreuung bekommen, auch wenn sie das Recht dazu haben sollte. Ganz klar sind die Bedingungen dafür einfach nicht geschaffen und daran sollte man was ändern. Weil man die Geburten einfach nicht so planen kann. Man kann das nicht planen, genau. Jetzt hast du gerade schon diesen Bonus angesprochen für die 1-zu-1-Betreuung. Der größte Kritikpunkt am aktuellen Hebammenhilfevertrag ist eben die Bezahlung von Beleghebammen, dass die deutlich weniger verdienen als vorher. Bei uns hier in Südbaden gibt es tatsächlich nur am Ortenau-Klinikum in Offenburg das Belegssystem. An allen anderen Kliniken, auch am Ortenau-Klinikum in Laar und Achern, sind die Hebammen fest angestellt. Ich habe dazu auch einmal die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg gefragt. Dieser Verband hat 3600 Mitglieder und die Vorsitzende Ruth Hofmeister hat mir folgendes dazu gesagt. Genau dadurch fallen den Beleghebammen oder haben die Beleghebammen durch diesen Vertrag erhebliche Einkommenseinbußen mit den Echtdaten, die wir jetzt auswerten konnten oder die Abrechnungsdienstleistung jetzt auswerten konnten nach Inkrafttreten des Hebammenvertrags, wo dann das, was wirklich auch abgerechnet und ausgewertet werden konnte und verglichen werden konnte mit den Abrechnungen vor Inkrafttreten des Hebammenhöhepertrags. Verlieren Beleghebammen im Schnitt 15%. Und da muss man so sagen, der Vertrag, der jetzt in Kraft getreten ist, wird verglichen mit einem Vertrag, der 2018 galt. Das heißt, das sind Abrechnungshöhen, die 2018 gegolten haben. Und wenn man jetzt denkt, seit 2018 bis heute sind massive Teuerungen passiert, das ist fatal für die Beleghebammen. Und das bedeutet, dass die Beleghebammen in Breite so nicht mit diesem Hebammenhilfevertrag existieren können, weil die als selbstständige Unternehmerin, was Beleghebammen sind, sie damit nicht sinnvoll wirtschaften und überleben können. Ja, Carolin, vielleicht kannst du das mal so ein bisschen plastisch machen, warum diese Einkommenseinbußen, obwohl doch eigentlich der Stundenlohn steigen sollte. Der Stundenlohn ist gestiegen von 56 Euro auf 74. Jetzt gibt es aber eine Regelung, dass wir Dienstbelegheber nicht 100 Prozent davon bekommen. Also wir bekommen das einfach nicht, was festgelegt wurde, sondern wir bekommen nur 80 Prozent für die erste Frau, die wir betreuen. Und man muss sich klar machen, dass alles, was wir tun, müssen wir transparent machen, den Krankenkassen schicken und dafür bekommen wir eben das Geld. Und die erste Frau, die ich betreue, die einen Blasensprung zum Beispiel hat, die kommt zu mir in den Kreißsaal und ich bekomme eben nicht diese 74 Euro, sondern ich bekomme 59 Euro. 80 Prozent davon. Ich bekomme 80 Prozent davon. Wenn ich jetzt eine zweite Frau habe, die vielleicht, was auch immer, leichte Wehen hat, in der Latenzphase ist, dann muss ich sie betreuen. Ich möchte sie auch betreuen. Ich bekomme aber nur 30 Prozent dafür. Das sind 22 Euro. Für genau die gleiche Arbeit und die gleiche Verantwortung und für genau die Summen, die wir vorhin genannt haben. Und eine dritte Frau kann ich für maximal eine Stunde abrechnen. Eben eine Frau, die einen Notfall hat und kommt und ich sie betreuen muss. Und auch für die bekomme ich nur 30 Prozent. Wenn man das alles zusammenrechnet, komme ich auf einen niedrigeren Stundenlohn. Und wir in Offenburg haben uns jetzt anders organisiert. Wir hatten immer Rufdienste. Jede Hebamme hat erst mal zwei Hebammen betreut. Wenn eine dritte Frau kam, kam die nächste Hebamme. Und so ging das immer weiter. Das machen wir jetzt nicht mehr. Wir haben keine flexiblen Rufdienste mehr. Es war total super, weil wir uns individuell auf das Geburtsgeschehen einstellen konnten. Hebammen wurden aus dem Freie eben gerufen oder aus dem Rufdienst. Oder sie durften wieder gehen. jetzt sind wir fünf Hebammen immer da, weil jede Hebamme dann eben eine Frau hat und um sie 80 Prozent abzurechnen. Unabhängig davon, ob da wirklich ein Bedarf ist oder auch nicht. Wir haben natürlich auch Frauen im Kreißsaal, die eingeleitet werden, die gar nicht 24-7 eine Betreuung brauchen. Und dementsprechend sind wir einfach viel mehr präsent, ohne auch unbedingt gebraucht zu werden. Das heißt, ihr habt mehr Leerlauf. Wir haben deutlich mehr Leerlauf. Natürlich freue ich mich, mit meinen Kolleginnen zu frühstücken und da zu sitzen. Aber ich möchte meine Zeit gerne auch sinnvoll nutzen und auch bedarfsgerecht. Also im Sinne, wenn ich wirklich gebraucht werde, bin ich da. Und ansonsten bin ich auch einfach gerne zu Hause und nicht im Kreißsaal und sitze Zeit ab, nur um irgendwie Geld zu verdienen. Beziehungsweise ich verdiene ja kein Geld, wenn ich einen Leerlauf habe auch. Ich finde, das muss man echt differenziert betrachten. Also Dienstbeleghebamme in der Klinik ist nicht gleich Dienstbeleghebamme in der Klinik. Also ich will gar nicht angreifen oder gar nicht. Aber nur so vom Verständnis unter den Hebammen war es schon bekannt, dass wenn man im Dienstbelegsystem ist, Das ist so der Ort, wo man überdurchschnittlich Geld verdient. Also auch als Hebamme, gerade im Vergleich zum Angestellten einer Klinik, ist da im Netto schon... Deutlich, deutlich, deutlich mehr dabei. Und ich finde, deshalb muss man bei diesen Dienstbeleghebern, also die Krankenkassen, ich verstehe schon auch, dass sie so sagen, wir müssen irgendwie einen Ausgleich machen, warum bekommen die so viel mehr als das andere und dass sie da keine Lust haben und es eher eine Geldumverteilung gibt. Ohne jetzt, ich bin nicht in einem System, ich kann nichts verurteilen, aber nur so aus der Perspektive, dass man echt die Kliniken auch angucken muss. Also ich komme ja aus Rottweil, da kam es dann in der Zeitung, dass da ein Belegsystem geschlossen hat, Und dass gerade Kliniken, die nicht viele Geburten betreuen, einfach insgesamt nicht so viel im Pool haben und dann eher an der Existenz, am Existenznot kommen vielleicht als jetzt große Kliniken, die viele Geburten haben. Und genau zum Beispiel auch in Bayern gibt es sehr viele Dienstbelegmodelle oder eigentlich ausschließlich. Und das ist schon was, was unter EBAM auch so bekannt war von da gibt es schon deutlich mehr. Natürlich eben man hat ein größeres Risiko, man ist selbstständig. Aber in diesem Ganzen finde ich es schon auch nochmal wichtig, das ganz kurze Beleuchten. Hey, man muss eigentlich genauer hingucken. Das muss ein bisschen differenzieren. Ja, das ist der Hauptkritikpunkt, eben die Bezahlung von Beleghebammen. Es gibt auch noch andere Kritikpunkte, die unter anderem auch die Hebammen im Wochenbett betreffen. Insgesamt mehr Bürokratie, auch die Beratung über WhatsApp oder SMS ist schwieriger geworden. Sophia, du bist ja im Freiburger Umland tätig. Vielleicht kannst du mal so ein bisschen sagen, welche Veränderungen gab es da auch? Stichwort ländlicher Raum. Inwiefern ist da die Arbeit unattraktiver geworden? Das wird schwieriger für die Frauen, aus Perspektive der Frauen. Es ist so, die Kilometer wurden eingeschränkt. Also man kann 25 Kilometer immer fahren und 50 nur mit Begründung. Also die Kilometer, die einem die Krankenkasse dann erstattet. Genau, ja. Und das wurde auch ein bisschen angehoben auf ungefähr 90 Cent pro Kilometer. Also so mehr als Spritgeld. Aber jetzt im Vergleich zu der Zeit, die es braucht zu fahren, jetzt nicht einen Stundenlohn. Genau, und wir fahren oft weit mit der Hausgeburtshilfe. Wir haben einen Radius von knapp einer Stunde. Um Freiburg rum. Um Freiburg rum. In Freiburg ist der außerklinische Bedarf gut abgedeckt. Und auch der Wochenbettheber, also auch da ist es schwierig, eine Wochenbettheber mitzufinden. Aber es ist möglicher als jetzt zum Beispiel, wir betreuen gerade eine Familie bei Lörrach. Und die finden, da gibt es ein ganzes Tal, das ist nicht abgedeckt mit irgendeiner Hebamme, also weder Vorsorge noch Schwangerschaftsbekleidung noch Geburt noch Wochenbett. Und die haben natürlich ein großes Problem, die haben echt gerungen und gesucht und wir fahren ein bisschen mehr als eine Stunde und haben eigentlich gesagt, das ist uns zu weit weg. Aber die haben so sehr diese Klarheit und diesen Wunsch von wir wollen zu Hause gewähren, dass die sagen, hey, wir haben wirklich, wir sammeln Geld für uns, für eure Fahrtkosten, weil es uns wichtig ist. Und das ist schon sowohl, also eben Hausgeburtshilfe sind 0,4 Prozent. In Deutschland, glaube ich, es sind nicht viele. Aber trotzdem ist eine Einschränkung der Wahl des freien Geburtsortes auf jeden Fall, der damit einhergeht und aber auch für Wochenbetreuung. Es ist schon schwierig für Frauen, die eher im ländlichen Bereich wohnen, wirklich Betreuung überhaupt zu haben oder überhaupt zu finden. Und das Stichwort Kurse, das ist ja auch ziemlich viel kritisiert worden. Wer von euch mag dazu was sagen? Also ich soll was dazu sagen. Ich selber betreue keine oder ich mache keine Kurse, aber Kolleginnen haben mich gebeten, das auch anzusprechen, weil das Thema ist, dass ausgefallene Stunden, wo Frauen nicht kommen, aus welchen Gründen auch immer, den Frauen nicht mehr in Rechnung gestellt werden dürfen. Und man muss ja wissen, dass eine Hebamme einen Raum mietet. Das ist ihre Arbeitszeit. Sie plant auch einfach das, was sie in dieser Zeit verdient. Und Ausfallstunden darf sie eben der Frau jetzt nicht mehr in Rechnung stellen. Die Krankenkasse wird diese ausgefallene Stunde aber auch nicht zahlen. Und das kommt dann dazu, dass eine Hebamme einfach sagt, Kurse lohnen sich auch nicht mehr, weil die Kosten, die bleiben total gleich, aber die ausgefallenen Stunden ersetzt mir niemand. Und das ist natürlich irgendwie auf eine Weise unfair, wenn eine Frau nicht zur Kursstunde kommt, was ja völlig in Ordnung ist, aber niemand kommt dafür auf, außer die Hebamme letztlich. Und es ist ja ohnehin schon schwer, einen Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs oder auch in einem Rückbildungskurs zu finden. Ja, total. Auch in Freiburg. Voll. Ich gebe Geburtsvorbereitungskurse und eine Frau muss sich nicht mehr abmelden. Also sie muss einfach nicht erscheinen. Ich habe den Platz reserviert für sie. Die hat sich monatelang vorher schon angemeldet. Der Platz hätte eine andere Frau haben können und sie hätte einfach vielleicht keine Lust. Also wirklich, es braucht keinen Grund. Und ich habe keine Möglichkeit, den Platz zu ersetzen oder auch finanziell zu ersetzen. Und ich würde sagen, in der Geburtsvorbereitungsarbeit ist eine höhere Eigenmotivation. Also Frauen, genau, Paare entscheiden sich bewusst, einen Geburtsvorbereitungskurs zu machen und das tun das im Vorhinein so organisieren. Wollen sagen, hey, dieser Raum ist für mich, gerade beim ersten Kind oder auch bei weiteren Kindern, wenn der Alltagstrubel da ist, diese Zeit ist für mich und ich will sie investieren. Das heißt, da ist sozusagen der Ausfall nicht ganz so hoch, aber auf jeden Fall total auch da. Aber in der Rückbildung, ich glaube, Rückbildungskurse werden echt eingehen. Ich glaube, es werden sehr, sehr, sehr viele Hebamme aufhören, Rückbildungskurse zu geben, weil es da der Standard ist. Es ist der Standard, dass das Kind krank ist, dass es zu viel ist, dass der Fokus woanders als auf seinem eigenen Beckenboden liegt. Also so acht Wochen nach Geburt ist auch total logisch. Aber das heißt, das ist schon ziemlich bitter, da nur zehn Frauen, glaube ich, annehmen zu dürfen im Kurs. Und dann fehlt die Hälfte oder es fehlt jedes Mal mindestens eine oder zwei. Das sind jetzt auch nicht so krasse Summen, die man dadurch verdient. Also auch davor war es eher so mäßig lukrativ und mehr Idealismus, das anzubieten. Und jetzt wird es eigentlich immer mehr utopisch. Das ist schon auf jeden Fall ein bedenklicher Trend. Dabei ist Rückbildung so wichtig. Voll und auch, das macht auch keinen Sinn. Also so, wenn ich eine Dienstleistung anbiete und sich jemand verbindlich anmeldet. Und dann einfach nicht erscheint, weil, sagen wir mal, worst case, keine Lust. Und ich als selbstständige Person mit meinem Risiko dann darauf sitzen bleibe, das ist in keinem anderen Beruf. Also, dass wir rein rechtlich da nichts einfordern dürfen, diese 10 Euro pro Frau oder wie viel auch immer das ist, das ist auch nicht eine Menge Geld. Das finde ich echt schade. Insgesamt im Gesundheitssystem ist ja auch einfach nicht genug Geld. Also die Krankenkassen, der GKV, sagt, das Ziel des Hebammenvertrags oder des Hebammenhilfevertrags ist, dass die Hebammen mehr verdienen sollen. Die Ausgaben für Hebammenleistungen sind auch zwischen 2016 und 2024 von 588 auf 800 Millionen Euro gestiegen. Die GKV sagt, auch die Ausgaben pro Geburt steigen. Und laut GKV soll auch mit dem neuen Vertrag jetzt, soll es mehr Ausgaben von über 100 Millionen Euro geben. Gleichzeitig ist es aber auch so, Deutschland hat eins der teuersten Gesundheitssysteme in Europa. Die Kosten steigen, auch wegen des demografischen Wandels, weil die Leute immer älter werden. Es wird immer teurer. Kliniken müssen schließen, Kliniken werden zusammengelegt, Geburtshilfen werden zentralisiert. Es gibt Kürzungen an allen Ecken und Enden. Gerade wird ja auch viel diskutiert über die PsychotherapeutInnen, die weniger verdienen, 4,5 Prozent weniger Honorar. Die demonstrieren und wehren sich auch, ganz ähnlich wie ihr auch in den letzten Monaten. Leider hat mir die GKV auf genau diese Frage nicht geantwortet, aber was denkt ihr, dann geht der GKV auch einfach ganz banal ums Geld sparen? Definitiv. Also ich glaube, in einem anderen Grund hat es nicht. Und so sehr ich versuche, irgendwelche guten Gründe vom GKV zu finden wie 1 zu 1, Betreuung, muss ich sagen, es geht meistens ums Geld bei solchen Geschichten. Und es geht auch um ein anderes Thema und das ist die Wertschätzung von uns arbeitenden Frauen. Und das ist ein ganz großes Thema und auch so ein sehr wunder Punkt, weil wenn man sich überlegt, warum können die Krankenkassen, warum kann der GKV das machen? Dann muss ich sagen, da sitzen hauptsächlich Männer, die nicht wissen, was es bedeutet, so eine schwere Arbeit zu machen und auch was es bedeutet, ein Kind auszutragen und zu gebären. Da fehlt einfach die Wertschätzung. Es fehlt die Wertschätzung für uns Frauen, die in pflegenden, arbeitenden Berufen sind. Und das zieht sich von Anfang bis Ende durch. Und es geht meistens ums Geld und darum, wie man irgendwelche Profite schlagen kann, leider auf Kosten von unseren Schultern. Und ich hatte auch im Vorfeld recherchiert und ich glaube, mich zu erinnern, dass die Kosten, die auf die Hebammenarbeit zurückzuführen sind, aus diesem ganzen Pool, das sind glaube ich 0,2 Prozent. Weil die Krankenkassen, die haben ganz, ganz viele Ausgaben und wir sind ein Teil davon, das ist mir bewusst, aber es ist ein verschwindend geringer. Aber dass bei uns gespart wird, wundert mich trotzdem nicht, weil es halt einfach genau die Stelle ist, dass man einen Job, wo die meisten Frauen sind oder weiblich gelesene Personen, dass man da die Gelder streicht und denkt, wird schon irgendwie gehen. Ich glaube auf jeden Fall, das ist deren Job zu sparen. Also das ist ihre Arbeit. Ich glaube, das ist auch kein verdecktes Motiv. Ich glaube, dass mit dem neuen Vertrag schon auch da so rumprobiert wurde, wie wir müssen es anheben. Also es ist wirklich eben unterirdisch, was davor so der Stundenlohn ist im Vergleich zu anderen Berufen, gerade anderen selbstständigen Berufen. Und das betrifft ja die Vergütung. Aber dass sie eben da so ein bisschen rumgebastelt haben an der Umverteilung und das glaube ich ist so ein bisschen groß in den Medien, dieses wie kann es sein, dass es eine Verbesserung von einem Vertrag gibt und dann bekommen die Dienstbeleghaben Hebammen plötzlich weniger und ich sage, hey, das ist eine Arbeit wir haben Verantwortung für zwei Menschen also für Überleben und Tod, also es ist eine krass große Verantwortung und alle Hebammen sollten das verdient haben, wie das Dienstbelegsystem davor war, einfach wirklich gut vergütet zu sein. Aber ich glaube, dass es eher so... Dieses auf dem Papier, wir geben mehr Geld aus, die Löhne steigen an, wir erwerten manche Dinge auf. Und da will ich auch total was Positives dazu sagen, noch gleich. Aber dass sie auch versucht haben, über Umverteilung sozusagen da so ein bisschen sich rauszuwinden vielleicht. Ja, wir sprechen auf jeden Fall gleich noch über positive Dinge und Vorteile des Vertrags. Vielleicht erst noch zum Verfahren sozusagen des Abschlusses des Vertrags. Es gibt nämlich mehrere Hebammenverbände. Es gibt den Deutschen Hebammenverband, den DHV. Das ist der größte Verband mit ungefähr 22.000 Mitgliedern bundesweit. Da bist du Mitglied, Carolin. Dann gibt es noch den Bund Freiberuflicher Hebammen. Der hat ungefähr 1.000 Mitglieder. Da bist du Mitglied, Sophia. Und dann gibt es auch noch das Netzwerk der Geburtshäuser. Das vertritt aber laut DHV nur 35 der ungefähr 150 Geburtshäuser deutschlandweit. Und alle drei Verbände können aber oder sitzen mit am Tisch bei diesen Verhandlungen. Und man konnte sich dann auf einen neuen Vertrag nicht einigen. Deshalb hat dann letztlich eine Schiedsstelle den neuen Vertrag ausgearbeitet. Und vor allem der DHV war damit sehr unzufrieden. Ich habe dazu auch Ruth Hofmeister, die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, gefragt, was sie dazu denkt. Und in den Verhandlungen ist es so, dass alle drei Verbände eine Stimme haben, aber hinter jeder Stimme natürlich unterschiedlich viele Hebammen stehen, nämlich in zwei Fällen sehr wenige und in einem Fall sehr, sehr viele. Und das macht natürlich auch was wie die Finanzressource ist, diejenigen, die da verhandeln, gut auszustatten, mit Hintergrundinformationen, mit juristischer Expertise. Und das ist ein sehr großes Ungleichgewicht tatsächlich. Es ist gar nicht, dass diese Hebammenverbände untereinander zerstritten sind oder so, sondern es ist vielmehr, GKV natürlich viele Möglichkeiten hat, diese Hebammen gegeneinander auszuspielen und den beiden kleinen Verbänden, die zum Beispiel die Beleghebammen quasi nicht vertreten. Partialangebote zu machen, die für die natürlich auch viel attraktiver sind, wenn sie nicht für alle verhandeln müssen. Oder natürlich oft auch Angebote bekommen, die sie gar nicht sozusagen in aller Tragweite durchkalkulieren können, weil der gesundheitsökonomische Hintergrund da natürlich nicht finanzierbar ist mit nicht so arg vielen Mitgliedsbeiträgen. Genau, und das hat in diesen Verhandlungen schon auch dazu geführt, dass das sehr ungleich aufgestellt war Und dass deshalb auch sehr ungünstige, in Teilen sehr ungünstige Ergebnisse da rauskommen konnten. Und es wirft schon auch natürlich große Fragen auf, wie muss Politik Selbstverwaltung ausgestalten, damit die funktionierende Ergebnisse für eine Versorgung, für eine gute Versorgung bringen. Ja genau, dann sprechen wir doch jetzt über die Vorteile des neuen Vertrags. Sophia, du hast mir im Vorfeld gesagt, insbesondere für Hausgeburten, die du ja auch betreust, ist es jetzt besser geworden. Ich würde nicht die Hausgeburten herausstellen und sagen, besonders die sind besser geworden, sondern besonders die Wochenbettbetreuung und die ist viel, viel, viel besser geworden. Und das ist wirklich ein Alleinstehungsmerkmal eigentlich, also allein die aufsuchende Wochenbettbetreuung in Deutschland. Das gibt es in anderen Ländern nicht in der Form, in der Ausführung, in der Möglichkeit von so vielen Besuchen. Wirklich gestärkt durch den neuen Vertrag. Also ich kann ein Beispiel bringen, davor war es eine Pauschale. Man hat immer 38 Euro brutto bekommen, egal wie lange man da war. Es war so angesetzt auf 20 bis 30 Minuten. Und gerade wenn man bei einer Frau die Ambulant in der Klinik gebärt oder auch zu Hause gebärt, das erste Kind den ersten Besuch hat, das ist keine Seltenheit, dass man da wirklich eineinhalb, zwei Stunden dort ist, weil alles Neuland ist. Und vor allem, weil es beim Stillen zum Beispiel, wenn eine Frau den Mund hat zu stillen, nicht so ein Thema ist von naja, dock mal an und dann ist fertig. Das war wirklich, weil die Grundlage, die ersten Stillmomente, die Technik von dem Baby, das es auch noch nie gemacht hat und von der Mama, die es auch noch nie gemacht hat, die essentiell sind. Weil wenn da am Anfang in den ersten 1, 2, 3 Tagen eine falsche Saugtechnik an der Brustwarze ist zum Beispiel, dann hat die wunde Brustwarzen. Dann ist es super schwierig, aus dem Teufelskreis Lauf rauszukommen. Das heißt, auch da war ganz viel Idealismus und ganz viel für dieses Kind, für diese Mama, investiere ich diese Zeit und bin da und bin achtmal länger da. Mein Partner war so, herzlichen Glückwunsch, du hast heute wieder achtmal länger gearbeitet, als du Geld verdient hast, so aus Spaß. Und das ist wirklich so gewürdigt durch den neuen Vertrag. Und das erfüllt mein Herz richtig mit Freude. Das ist ein ganz anderes Arbeitsgefühl. Ich darf in den ersten drei Tagen, werde ich jetzt wirklich zwei Stunden bezahlt. Und das sind von 38 Euro, habe ich jetzt mal ausgerechnet. Ich hatte kürzlich sonntags einen zweistündigen Besuch am ersten Lebenstag. Habe ich von 38 Euro plötzlich 170 für genau das Gleiche, was ich tue. Und das ist wirklich eine Aufwertung, das ist eine Wertschätzung. Das ist was, das passt schon fast nicht mehr in unsere Zeit rein. Und das ist das, was ich auch am Anfang gesagt habe. Unser Job als Hebamme ist es nicht, Krankheit zu behandeln, sondern es ist wirklich die Förderung von Gesundheit von Mutter und Kind. Und das ist ganzheitlich. und da zu sagen, hey, das ist uns wichtig, das wollen wir in Deutschland fördern, wir wollen es nicht nur abschaffen, so wie in den anderen Ländern auch, sondern wir wollen da wirklich rein investieren und wir wollen dieses Zeitkontingent erweitern und wirklich bedarfsgerecht eins zu eins das fördern. Das ist für mich ein ganz anderes Arbeitsgefühl und ich glaube für jede freiberuflich arbeitende Hebamme im Wochenbett wirklich eine Wohltat. Da bin ich sehr dankbar dafür. Genau, du hattest gefragt mit, wie ist bei der Hausgeburt. Da ist tatsächlich ambivalent. Also die Pauschale, wir werden als Pauschale bezahlt für eine Hausgeburt, bekommen wir so und so viel Geld. Aber was tatsächlich schlechter geworden ist oder vielleicht auch nicht so gut durchdacht, dass gerade Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, oft eine lange Geburt haben. Und das ist mit der größte Vorteil aus meiner Perspektive an der Hausgeburt. Die Frauen müssen nicht überlegen, wann ist richtig Geburt, wann geht es richtig los und ich muss umziehen oder ich darf in die Klinik. Denn wenn man es das erste Mal macht, weiß man ja gar nicht, wie sich die Wehen dann anfühlen. Genau und auch, weil es beim ersten Kind so eine Pionierarbeit ist, der Körper. Du gehst das erste Mal in die Öffnung, in die Weitung und der Topf vom Beckenboden ist halten, eng zu. Und vor allem in der ersten Schwangerschaft, wenn da noch zunehmend Gewicht draufkommt. Und es ist wirklich, wir haben nicht selten Geburten vom ersten Kind, die über zwei Tage verlaufen. Und dann ist es notwendig, dass die Kontraktionen immer wieder weniger werden, die Wellen. Und es so ein Spiel ist von, es ist mehr und es ist weniger und es ist total egal, wie weit der Muttermund auf ist, weil die Geburt braucht die Zeit, die sie braucht. Und wir sind da und schauen, ist alles in Ordnung oder müssen wir umziehen in die Klinik? Gibt es irgendeine Besonderheit? Und das können wir jetzt eigentlich so gut wie gar nicht mehr abrechnen. Also diese Zeit von, oder stellen wir uns auch mal vor, eine Geburt vom ersten Kind geht 30 Stunden, gibt es auf jeden Fall. Und man merkt, ich bin jetzt echt erschöpft, ich merke für die Frau, für das Kind, für diesen Verantwortungsbewussten. Ich gebe an meine Kollegin ab und bekomme meine Kollegin sozusagen diese Pauschale, diese, keine Ahnung, 800 Euro oder so für die Geburt. Und die Kollegin davor bekommt 20 Euro die Stunde. Und wenn sie da jetzt 10 Stunden in Betreuung war. Und das ist auf jeden Fall ein Kritikpunkt. Das heißt, ich würde nicht sagen, die Hausgeburt wird dadurch gestärkt. Die Pauschale wird angehoben. aber die langen Betreuungszeiten oder gerade wenn man hingeht und wieder heim geht und wieder hingeht wenn man hingeht und wieder heim geht kann man eigentlich die Zeit, die man davor war zum Beispiel gar nicht abrechnen, also wirklich gar nicht und das ist, da müssen wir uns jetzt gerade echt umsortieren und echt überlegen, wie machen wir das weil es einfach so fest Teil unserer Arbeit ist oder zum Beispiel auch wenn eine Frau ja wirklich keine gute, eine negative Geburtseffahrung gesammelt hat, und merkt, ich möchte eine vertraute Hilfe mit in die Klinik nehmen. Dann gab es bisher die Möglichkeit, Hilfeleistung bei Wien, dass man sozusagen die Frauen bei Geburt zu Hause begleitet, betreut und dann mit ihr in die Klinik umzieht. Und ab da hat man privat abgerechnet, weil dann die Klinik bezahlt wurde sozusagen. Und diese Möglichkeit von dem Zuhause Betreuen bei Wien gibt es auch nicht mehr. Ich sehe schon, es ist komplex. Es ist sehr komplex. Zum Thema Wochenbett wollte ich auch noch sagen, Studien zeigen dass vor allem früh entlassene Frauen bei regelmäßiger Hebammenbetreuung weniger postnatale Depressionen und eine größere Zufriedenheit, mit der Unterstützung erleben und sich sicherer fühlen, auch im Umgang mit dem Baby und in ihrer Mutterrolle. Also Wochenbettbetreuung ist definitiv wichtig. Wichtig. Jetzt ist es ja so, es gab eben in den letzten Monaten einen massiven Protest. Der DAV hat auch Rechtsmittel eingelegt gegen den neuen Hebammenhilfevertrag. Die GKV sagt, man habe die Bedenken auch ernst genommen und inzwischen gibt es eine neue Einigung, die jetzt zum April in Kraft tritt. Da ist unter anderem enthalten, dass es diesen Bonus auch bei schnellen Geburten gibt und eben bei Schichtwechsel. Man muss die telefonische Beratung nicht mehr dokumentieren. Also wenn man mit der Frau telefoniert hat, muss man nicht hinterher noch vorbeifahren, um sich eine Unterschrift zu holen. Kann man dann sagen, so unterm Strich, Widerstand lohnt sich und es lohnt sich irgendwie, sich zu wehren und auf die Straße zu gehen? Ja und nein. Also ich bin auf jeden Fall immer dafür, dass man auf die Straße gehen sollte und Protest einlegen sollte, wenn man das Gefühl hat, da passt was nicht. Aber zufrieden sind wir noch nicht. Eine Sache, die du noch nicht erwähnt hattest, die jetzt nachgebessert wurden, das sind die ambulanten Leistungen. Im letzten Hebammen-Hilfe-Vertrag war es so geregelt, dass wir Dienstbeleghebammen keinerlei ambulante Leistung abrechnen dürfen. Das bedeutet ... Unser tägliches Geschäft, es kommt täglich ganz viele Frauen in den Kreißsaal mit ambulante Fragestellung, durften wir nicht abrechnen. Also ambulante Fragestellung heißt dann, die hat dann vielleicht Magenkrämpfe und denkt, es könnten schon Wehen sein und dann untersucht ihr sie kurz und dann geht sie immer wieder nach Hause. Absolut und davon gibt es ganz viele Beispiele. Weniger Kindsbewegung, eine vaginale Blutung, fraglich, ob die Geburt losgeht und so weiter. Und wir in Offenburg, wir haben uns so umgestellt, dass wir eine Hebammenambulanz errichtet haben, Aber wir haben auch nicht genug Hebammen, um die 24 Stunden am Tag geöffnet zu haben. Dementsprechend haben wir ganz viel kostenlos oder ehrenamtlich auch gemacht. Das muss man sich mal überlegen. Und die neue Regelung sieht vor, dass wir ambulante Leistungen abrechnen dürfen wieder unter bestimmten Voraussetzungen. Der 1 zu 1 Zuschlag, den bekommen wir, auch wenn das eine schnelle Geburt war und das Kind in einer Stunde statt in vier geboren ist oder oder. Wir sind immer noch nicht zufrieden, weil der neue verhandelte Stundensatz, den bekommen wir immer noch nicht. Und dafür gibt es für mich eigentlich gar keine Erklärung, weil wir einfach so eine komplexe Arbeit haben, dass ich gar nicht verstehe, warum wir 80 Prozent verdienen sollten. Und in Anbetracht der Tatsache, dass der DHV 88 Euro Stundenlohn gefordert hat, sind wir davon immer noch weit entfernt. Wir können das mit anderen Berufsgruppen vergleichen. Sophia hatte vorhin schon ein Beispiel genannt, von einem Dachdeckermeister oder wer auch immer. Die verdienen alle deutlich mehr und ich denke, wir in unserem wirklich anspruchsvollen Beruf brauchen einfach auch eine passende Bezahlung dafür. Und genau, deswegen sind wir noch nicht zufrieden. Es fühlt sich an wie ein Trostpflaster, dass überhaupt was nachgebessert wurde. Aber ja, ich wünsche mir, dass da noch mehr hingeschaut wird, was es wirklich braucht. Ja, der DAV hofft jetzt eben auf den nächsten Vertrag, der dann für 2028 verhandelt wird. Und gleichzeitig würde ich auch nicht sagen, es war ja eine Zeit lang in den Medien so, lass uns den wieder rufen. Und ich war so, auf gar keinen Fall. Also so, ja, es gibt echt Dinge, die sind nicht gut, auf jeden Fall. Und da muss man nacharbeiten. Aber es gab wirklich Petitionen, gefühlt die Hälfte der Frauen aus meinem Bekanntenkreis hatten, dass alle in ihrem Status hie ich aber diese Petitionen unterschrieben, stoppt den Hebammenhilfevertrag. Und dann war ich so, hey, da hat man richtig lange gearbeitet. Es wurde, ja, er ist nicht perfekt, man muss ihn ambivalent sehen, man muss ihn differenziert sehen, man muss wirklich daran weiterarbeiten. Aber dieses mediale, gesellschaftliche Stoppt den Vertrag. und ich wurde ganz oft von fast jeder Familie darauf angesprochen, ihr Armen, oh nein, der Hebammenvertrag und so. Und ich war so, hey, es ist vieles auch gut. Und ich will nicht, dass dieser Vertrag gestoppt wird. Ich will, dass dieser Vertrag instand ist und auch das Positive daran herausheben, aber dass man da weiter arbeitet. Wenn man jetzt mal so in die Zukunft guckt, ist es ja schon so, dass es auch Folgen gibt auch von diesem neuen Vertrag und von der Diskussion darum. Laut dem baden-mürttembergischen Hebammenverband haben von 20 Beleghebammenteams im Land elf ihre Belegverträge gekündigt. Zehn davon gehen jetzt in Angestelltenverhältnisse und eine Geburtsklinik schließt. Das ist Tettnang am Bodensee mit 700 Geburten im Jahr. Da kommt zu der Kündigung des Hebammenteams noch die Insolvenz des Klinikträgers dazu. Also hat sicherlich beides damit reingespielt. Zum Vergleich in Offenburg sind es ungefähr 2000, 2.200 Geburten im Jahr. Ihr seid 41, 45 Hebammen. Die Klinik hat mir gesagt 41. Der Pressesprecher hat mir auch gesagt, es gäbe da jetzt keine weiteren Auswirkungen, dass Hebammen gekündigt hätten, wegen des Vertrags sei ihnen nicht bekannt. Ich habe allerdings gehört, dass schon zwei Kolleginnen jetzt gekündigt haben bei euch. Nicht nur wegen des Vertrags, aber der Vertrag war da so ein bisschen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Stimmt es? Ja, also du beschreibst es ganz richtig. Der Vertrag war einfach so genau der Tropfen, der den Hebammen gesagt hat, das führt für mich zu weit, das schaffe ich nicht weiter. Und es haben Hebammen gekündigt und ich würde sagen, sehr viele denken darüber nach, wie kann es alternativ weitergehen, weil ich würde es auf jeden Fall als Krise bezeichnen, als Krise der Unsicherheit, wie geht es weiter und auch so das Thema, wir müssen uns schützen, wir müssen für uns kämpfen. Das hat so viel Energie gekostet und innere, emotionale Arbeit, dass wir Hebammen erschöpft sind. Wir können nicht mehr kämpfen und ich glaube, deswegen denken schon viele darüber nach, hey, wo kann ich sonst noch arbeiten oder was kann ich tun, um nicht so an eine Grenze zu stoßen, weil das sollte ja nicht Sinn und Zweck sein von unserer Arbeit. Und wir sind aktuell weniger Hebammen, als wir gerne wären. Das hat auch schöne Gründe. Vier Hebammen sind schwanger und andere gehen in Rente. Aber der Hebammenhilfevertrag hat in manchen Kolleginnen auf jeden Fall ausgelöst. So ein Stopp. Und eindrücklich war für mich schon auch ein Dienst mit einer Kollegin, die geht dieses Jahr in Rente und die ist aus Leib und Seele Hebamme. Und eines Nachts saß sie da vor diesen Abrechnungsbögen und guckt mich an und sagt, Caro, was soll ich machen? Ich verstehe es nicht. Und die hat einfach geweint. Sie hat geweint aus Verzweiflung, dass sie nach 50 Jahren Hebamme sein, nochmal alles abrechnungstechnisch neu denken muss. Also so ein wahnsinniger Bürokratieaufwand und das zu einer Erschöpfung sorgt, wo wir einfach eh nicht genug Kapazitäten haben, dafür auch noch... Ja, zu stehen und das aufrechtzuerhalten. Und genau, also ich hoffe, es kündigen nicht noch mehr, sondern dass wir es irgendwie schaffen, so als Team zusammenzustehen, zu sagen, ja, es ist eine Krise, aber wir gehen daraus hervor als gestärktes Team. Das würde ich mir total wünschen. Und ich würde mir auch wünschen, dass Hebammen sich trauen, irgendwie selbstständig als Dienstbelegheber mitzuarbeiten, weil es bringt so viele Freiheiten. Also wir haben lange Dienste, wir haben intensive Geburten, Aber die Freiheit, die wir da auch haben, das bietet eben das Dienstbeleghebammensystem, dass ich auch drei, vier Tage frei habe und nicht rufbereit bin. Das ist wirklich ein totaler Luxus und ich kann und mag es mir auch gar nicht mehr anders vorstellen. Und da kann ich wirklich Mut machen, dass dieser Job einfach so toll, so stark ist und dass es Freizeit und Ausgleich braucht und dass wir den auf jeden Fall haben. Stichwort Nachwuchs, deine Kollegin Ingrid Vogt, die ist leitende Hebamme bei euch in Offenburg, Mit der habe ich telefoniert. Die macht das seit 2008 und die hat mir gesagt, sie hat jetzt zum ersten Mal keine Bewerbungen. Also sie hat sich in all dieser Zeit immer quasi den Nachwuchs aussuchen können und jetzt... Ja, es geht niemand mehr in die Freiberuflichkeit, hat sie gesagt. Ja, ich glaube, die Leute haben Angst. Also die Hebammen, und ich kann es auch wirklich verstehen, in so einer Krise, wo alles in den Medien rot leuchtet, da als Berufsanfängerin oder auch als Hebamme zu sagen, ich begebe mich jetzt in eine Freiberuflichkeit, das ist ein Schritt. Und ich mag trotzdem ermutigen, sich zu informieren, nachzufragen. Ich finde unser Team total toll und ich finde, dass wir so starke Geburten begleiten können, gerade im Level 1 auch. Also Level 1 heißt dann auch eben Hochrisikogeburten. Genau, wir haben Hochrisikogeburten und Schwangerschaftswochen ab der 23. Und man könnte meinen, das ist alles so pathologisch, aber so nehme ich es nicht wahr. Sondern die Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen und die vielen Hebammen, die wir sind, die bieten uns einfach auch eine gewisse Stärkung und Sicherheit, dass wir auch an Grenzen gehen können. Was zum Beispiel in Verläufen, wenn es um Zeit geht, die Endphase, die Pressphase, Also wenn die außergewöhnlich lange ist oder es einfach einen bestimmten Bedarf an Schmerzmitteln gibt, das können wir alles bieten und leisten und deswegen bin ich auch gerne in Offenburg. Ja, vielleicht abschließend nochmal so einen Blick rausgesumpt quasi, denn wir führen ja diese ganze Diskussion auch mit dem Hintergrund, dass es eh schon nicht genug Hebammen gibt. Also es gab 2025 eine große Studie zum Hebammenberuf, die hat gesagt, der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen. Und das war ja vor dem neuen Vertrag. Laut dieser Studie machen 83 Prozent der Hebammen ihren Job gern, aber fast jede zweite Hebamme denkt darüber nach, den Beruf zu wechseln. Ich habe jetzt mal Ruth Hofmeister vom Hebammenverband Baden-Württemberg gefragt, wie es hier aussieht. Sie sagt, es gibt keine strukturell landesweit erhobenen Zahlen, aber es gebe laut Frau Hofmeister in Baden-Württemberg jedenfalls nicht zu viele Hebammen, insbesondere im ländlichen Raum. Ich habe sie dann auch gefragt, wie schwierig ist es denn, eine Hebamme zu finden. Bis zum nächsten Mal. Das ist regional unterschiedlich, insbesondere in Zeiten wie in den Sommerferien oder um die Weihnachtszeit ist es überall schwierig eine Hebamme zu finden. Und dann gibt es Regionen, städtische Regionen, die ein bisschen besser versorgt sind. Und es gibt aber ländliche Regionen, zum Beispiel in der Ortenau, je weiter man in die Täler kommt oder in den ländlichen Regionen, auch rund um den Bodensee oder auch in Stadtteilen in Stuttgart, wo es einen ganz erheblichen Hebammenmangel gibt und wo Familien es wirklich richtig schwierig haben, eine Hebamme zu finden. Es ist regional unterschiedlich, aber es ist weiterhin so, dass Familien sich frühzeitig um eine Hebamme kümmern sollten und dass Familien unterversorgt bleiben. Ja, Sophia, du hast ja vorhin schon Kreis Lorach angesprochen. Auch da hat mir die leitende Hebamme Pietra Betting gesagt, es gibt eh schon nicht genug Hebammen für die Wochenbettbetreuung und sie vermutet, dass es auch künftig weniger werden. In der Ortenau gibt es sogar eine Vermittlungsstelle vom Landkreis. Ja, was sagt ihr? Also denkt ihr selber auch ans Aufhören oder wie blickt ihr da in die Zukunft? Auf gar keinen Fall. Nee, ich denke auf gar keinen Fall ans Aufhören. Das ist wirklich ein Beruf, den ich liebe. Ich habe vorher am Anfang schon gesagt, das machen viele aus Leidenschaft und nicht aus irgendwas muss man halt arbeiten. Ich glaube, der löst ganz viel Unsicherheiten aus, der Vertrag. Ich finde es wichtig, wirklich, wenn man da so drüber redet, zu gucken, freiberufliche Hebamme ist nicht gleich freiberufliche Hebamme. Es ist nicht alles schlecht, es gibt auch Chancen. Und natürlich in so einem Umbruch bei einem e-intensiven Beruf überlegt man sich, wenn man davor auch so war, aber es kostet echt viel und es kostet viel Hebammen zu sein, aber es gibt auch viel Hebammen zu sein, dass man da ans Aufhören denkt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der neue Vertrag auch voll die Chance hat, auch darüber nachzudenken, wieder einzusteigen. Ja, wirklich einfach, die Wochenbettbetreuung hat sich bisher überhaupt nicht gelohnt, nicht ansatzweise. Und dass es auch eine Chance ist, zu sagen, hey, diese Stärkung von der Wochenbettbetreuung. Wie ist das bei dir, Carolin? Du arbeitest ja auch gar nicht mehr nur als Hebamme. Ja, genau. Also auf deine Frage, ich will es fast nicht aussprechen, aber ja, ich habe auf jeden Fall darüber nachgedacht, ob ich so diesen Hebammenberuf noch weitermachen kann. Ich liebe ihn und es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben und ich möchte bitte immer Geburten begleiten können oder Familien. Aber diese Erschöpfung und diese Auseinandersetzung mit diesem Vertrag hat mich schon auch mit meinem Team an Grenzen gebracht, wo ich gemerkt habe, wow, ich glaube, ich muss auch auf mich gucken. Und aktuell möchte ich nicht aufhören, aber das Gefühl, eine Pause zu brauchen, das ist auf jeden Fall da. Und ja, vielleicht kann ich irgendwann auch eine Auszeit nehmen, so wie das viele brauchen und das ist, glaube ich, auch gut. Aber genau neben der Hebammenarbeit mache ich noch Paar- und Sexualberatung und würde sagen, das ist so ein zweites Standbein, was mir auch total Freude macht. Ja, der Hintergrund ist schon auch, dass ich verschiedene Facetten so im Leben, in Beziehungen aufgreifen möchte und begleiten möchte und eben nicht nur sozusagen Hebammenarbeit, sondern ein breiteres Spektrum. Und genau, ich werde meinem Team auf jeden Fall noch erhalten bleiben, aber ich kann jede Kollegin verstehen, die sagt, so kann ich das gerade nicht weitermachen und ich glaube, viele wollen nicht für den Rest ihres Lebens aufhören mit der Hebammenarbeit, sondern brauchen einfach mal eine Pause vom sich einsetzen und kämpfen, neben dem, was Geburt ja auch ist, nämlich eine Stärke, eine Präsenz darstellen, sehr aufmerksam sein und dann noch diese Umstände. Ich glaube, das kann schon auch zu viel sein für den Moment. Ja, das glaube ich. Dann Caroline, Sophia, ich sage an dieser Stelle Danke. Vielen, vielen Dank zum einen, dass ihr hier wart. Und danke aber auch stellvertretend für alle Mütter und stellvertretend an alle Hebammen für die großartige Arbeit, die ihr leistet. Das ist so wichtig und so wertvoll. Und vielen, vielen Dank. Danke auch dir, dass du dir diesen Thema annimmst und es publik machst. Ja, auch von meiner Seite. Vielen Dank. Genau, es war eine Freude, hier zu sein. Vielen Dank für das spannende Gespräch. Und euch sage ich natürlich auch ganz vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei BZ am Ohr.