Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #10 Folge 19: Die Selbstmedikations-Lüge: Die wahre Wunde hinter deiner Sucht
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen. Ich freue mich riesig, dass du
- 0:02heute wieder da bist, um dir Zeit für dich und deine Themen
- 0:06zu nehmen. Hallo, auch von meiner Seite.
- 0:08Heute tauchen wir ja tief ein, so richtig tief in dieses
- 0:12Konzept der Selbstmedikation bei sucht.
- 0:15Die Grundlage dafür ist ein, wie ich finde, sehr eindringlicher
- 0:18Artikel von Gabriel von Nelix Berlin, und die Kernidee ist ja,
- 0:23was, wenn sucht nicht einfach Schwäche ist, sondern vielleicht
- 0:26als Versuch beginnt, tiefe seelische Wunden zu.
- 0:30Ja zu betäuben. Genau eine sehr wichtige
- 0:32Perspektive. Unsere Quelle, also der Artikel
- 0:35von Gabriel, die Selbstmedikationslüge warum
- 0:38deine Sucht als Medizin für eine tiefere Wunde begann und ganz
- 0:42wichtig, das müssen wir vorwegschicken.
- 0:44Wir reden hier über sensible Themen.
- 0:45Absolut Trauma psychische Erkrankungen sucht, das geht
- 0:50tief. Deswegen bitte achte gut auf
- 0:53dich, während du uns zuhörst. Nimm dir Pausen, wenn du merkst,
- 0:56du brauchst das. Das ist total OK.
- 0:59Unbedingt. Was wollen wir heute hier?
- 1:01Wir wollen gemeinsam verstehen, warum diese Sichtweise auf sucht
- 1:05so, na ja, so wichtig ist. Nicht als Entschuldigung, das
- 1:09ist, glaube ich, wichtig. Nein, genau nicht als
- 1:11Entschuldigung, eher als Erklärung.
- 1:13Ja, als Erklärung. Es geht darum, diese oft
- 1:16verborgenen Zusammenhänge zwischen Schmerz und sucht zu
- 1:19beleuchten, so wie Gabriel es eben auch tut.
- 1:22In seinem Artikel Mhm und das bringt uns direkt zu einem ganz
- 1:25entscheidenden Punkt gleich am Anfang.
- 1:28Gabriel, der ja hinter Nelix Berlin steht, der schreibt nicht
- 1:32nur aus der Theorie, oder? Nein, überhaupt nicht.
- 1:35Er ist selbst betroffen, erkennt, sucht, erkennt
- 1:38psychische Herausforderungen aus eigener jahrelanger Erfahrung.
- 1:4228 Jahre sucht und Recovery. Das teilt er ja auch sehr offen.
- 1:46Genau, und das macht seine Perspektive so authentisch.
- 1:51Er macht das ja, um eine ehrliche Verbindung aufzubauen
- 1:54und um dir, unserem Hörer, zu zeigen, Hey, du bist damit nicht
- 1:58allein. Das ist durchlebt, nicht nur
- 2:01Angelesen, das spürt man. Absolut.
- 2:03Okay, dann lass uns mal dieses Konzept Selbstmedikation genauer
- 2:07anschauen. Was meint Gabriel denn damit?
- 2:10Das ist ja mehr als, Na ja, die Kopfschmerztablette bei Bedarf.
- 2:13Ja, vielmehr es beschreibt einen Mechanismus, der oft total
- 2:18unbewusst abläuft, also der gezielte Einsatz von Substanzen,
- 2:22Drogen, Alkohol, aber vielleicht auch Verhaltensweisen, um
- 2:26psychischen Schmerz zu lindern. Schmerz, der anders vielleicht
- 2:30kaum auszuhalten wäre. Genau, denk an tiefe Ängste, so
- 2:33ne lähmende Lehre oder die Echos von Traumata.
- 2:37Gabriels Punkt ist ja. Der Griff zur Substanz dient
- 2:41nicht primär dem Rausch selbst. Sondern.
- 2:43Sondern er soll ne innere Qual betäuben.
- 2:46Also vielleicht trinkt jemand nicht wegen des Alkohols an
- 2:48sich, sondern um, sagen wir mal, soziale Ängste für einen Abend
- 2:53auszuschalten. Ah OK, Gabriel nennt das ja den
- 2:56Versuch so ne Art Amateurarzt für die eigene Seele zu sein.
- 3:00Man spürt n Schmerz ne Wunde und verschreibt sich selbst was
- 3:03dagegen. Richtig, nur ist die selbst
- 3:06verschriebene Medizin eben Gift. Langfristig zumindest.
- 3:10Das ist der Kern oder dass sucht aus dieser Perspektive eben kein
- 3:14Charakterfehler ist, keine willensschwäche, Nein, sondern
- 3:17der gescheiterte Versuch, eine tiefere Verlatzung irgendwie zu
- 3:20versorgen. Genau das ist der
- 3:22Perspektivwechsel, den Gabriel anstößt.
- 3:24Weg von dieser reinen Willensschwächedebatte, die ja
- 3:27auch viel Schuld erzeugt, hin zur Frage, welcher Schmerz liegt
- 3:32da eigentlich drunter. Welche Funktion, welchen Zweck
- 3:35sollte die Substanz ursprünglich mal erfüllen?
- 3:38Das kann sicher entlastend sein. Diese Sichtweise aber nimmt sie
- 3:42auch die Verantwortung. Nein, das ist wichtig.
- 3:45Sie entlastet vielleicht von lähmenden Schuldgefühlen, aber
- 3:48sie nimmt nicht die Verantwortung für den Weg der
- 3:50Heilung, sie zeigt eher, wo man ansetzen muss.
- 3:53Verstehe. Und das ist ja nicht nur so
- 3:56eine. Na ja, eine gefühlte Wahrheit.
- 3:59Dieser Link zwischen Sucht und psychischem Leid, der ist ja
- 4:02wissenschaftlich ziemlich gut belegt.
- 4:05Gabriel nimmt ja auch zahlen. Richtig, die Zahlen sind
- 4:07wirklich deutlich. Es gibt Studien zum Beispiel von
- 4:10Semsar aus den USA, die zeigen über die Hälfte, also mehr als
- 4:1450% aller Menschen mit einer schweren Suchterkrankung, haben
- 4:18mindestens eine weitere psychische Diagnose.
- 4:21Wow, die Hälfte. Ja.
- 4:23Angststörungen, Depressionen, posttraumatische
- 4:25Belastungsstörungen. Man nennt das Komorbidität oder
- 4:29Doppeldiagnose. Die Sucht kommt halt selten
- 4:31allein. Das ist n enorm wichtiger Punkt.
- 4:34Und dann ist da noch diese Sache mit den belastenden
- 4:36Kindheitserfahrungen dieser ACES adverse childhood Experiences.
- 4:41Ja, die hast du erwähnt. Wer 4 oder mehr solche
- 4:44Erfahrungen gemacht hat, also Missbrauch, Vernachlässigung,
- 4:48Gewalt im Elternhaus, solche Dinge hat ein drastisch erhöhtes
- 4:52Risiko später. Weiter eine Sucht zu entwickeln.
- 4:54Wie hoch? Bis zu zehnfach höher bei
- 4:56Drogenabhängigkeit. Das zeigt einfach, wie tief die
- 4:59Wurzeln von sucht oft in frühem Schmerz liegen können.
- 5:03Puh, das ist heftig. Und die
- 5:04Selbstmedikationshypothese selbst, die ist ja auch nicht
- 5:07neu von Dr. Edward Kantian, sagtest du.
- 5:10Genau kansian die ist schon seit den 80er Jahren im Umlauf und
- 5:14sie ist nach wie vor eine zentrale Säule im Verständnis
- 5:17von Sucht. Warum?
- 5:18Weil sie eben genau diesen gezielten, wenn auch oft
- 5:21unbewussten Griff zur Substanz erklärt.
- 5:24Es geht darum, ganz bestimmte innere Defizite oder
- 5:28schmerzzustände, wenn auch nur kurzfristig, zu managen, zu
- 5:32lindern. Und was Kantian und ja, auch
- 5:35Gabriele betonen, das fand ich besonders interessant.
- 5:37Die Wahl der Droge ist oft nicht völlig zufällig.
- 5:40Ja, das ist faszinierend. Es scheint fast so, als würde
- 5:43die spezifische Wirkung der Substanz auf einen ganz
- 5:47spezifischen Schmerz abzielen wie ein Schlüssel, der auf ein
- 5:51bestimmtes Schloss passt, sozusagen.
- 5:53Gabriel gibt da ja Beispiele im Artikel Opiate, also Heroin oder
- 5:58auch tilidin, Mhm. Die wirken ja stark dämpfend.
- 6:01Einhüllend machen ruhig. Und laut der Hypothese greifen
- 6:04Menschen eher dazu, die vielleicht unter Extreme.
- 6:07Immer innerer Zerrissenheit, leiden oder unkontrollierbarer
- 6:11Wut. Aggression, genau die.
- 6:12Droge schafft dann so ne Art künstliche Wattepackung ne Ruhe
- 6:16die sonst nicht da ist. Und umgekehrt bei Stimulanzien,
- 6:20Kokain, Amphetamine. Ja, die puschen ja, erzeugen
- 6:24Euphorie, ein Gefühl von grandiosität, Energie.
- 6:28Das passt dann oft zu Menschen, die vielleicht gegen tiefe
- 6:30Depressionen ankämpfen, gegen Minderwertigkeitsgefühle oder so
- 6:34ne erdrückende innere Leere. Die Droge überdeckt das Defizit
- 6:39dann kurzzeitig, gibt einen künstlichen Schub.
- 6:41Exakt, sie füllt scheinbar das Loch.
- 6:43Und der Klassiker Alkohol oder Beruhigungsmittel?
- 6:46Benzodiazepine wie Tavo. Die nimmt man oft gegen soziale
- 6:51Ängste oder generelle Ängste, Panikattacken.
- 6:55Sie dämpfen die Angst, lösen Hemmungen, machen kurzfristig
- 6:59lockerer. Das ist echt ein interessanter
- 7:01Gedanke für die Selbstreflexion. Also wenn du vielleicht ne
- 7:04bevorzugte Substanz hattest oder hast, könnte das ein Hinweis
- 7:07darauf sein, welche Art von seelischem Schmerz du unbewusst
- 7:12versucht hast oder versuchst zu lindern.
- 7:14Genau. Es ist natürlich keine simple 11
- 7:17Gleichung, das wär zu einfach, aber es kann n Anhaltspunkt
- 7:20sein. Ein Anstoß, tiefer zu schauen.
- 7:23Ja. Sich zu fragen, welche Wirkung
- 7:26habe ich eigentlich gesucht, was wollte ich damit erreichen,
- 7:29welche Gefühle wollte ich verstärken oder eben betäuben?
- 7:33Das kann ein Wegweiser sein, um die eigentliche Wunde dahinter
- 7:37besser zu verstehen. Okay also am Anfang scheint
- 7:39diese selbstgebastelte Medizin ja irgendwie zu wirken, sonst
- 7:43würde man es ja nicht wieder tun.
- 7:45Klar, kurzfristig gibt es oft eine Erleichterung.
- 7:48Aber Gabriel beschreibt ja dann sehr eindringlich, wie das Ganze
- 7:51kippt. Der klassische Teufelskreis
- 7:53eben. Absolut.
- 7:54Das Scheitern dieser Strategie ist ja fast vorprogrammiert.
- 7:58Es gibt da so ein typisches Muster, das viele kennen werden.
- 8:01Nämlich. Erstens die Toleranzentwicklung.
- 8:04Man braucht immer mehr von der Substanz für den gleichen
- 8:07Effekt, die Dosis steigt, die Nebenwirkungen, die Schäden
- 8:11nehmen zu. Klar.
- 8:12Und dann? Zweitens, und das ist das
- 8:15wirklich Paradoxe. Die Substanz verschlimmert
- 8:18langfristig oft genau das Problem, dass sie ursprünglich
- 8:21lindern sollte. Wie meinst du das?
- 8:23Na ja, der Alkoholentzug zum Beispiel löst massive
- 8:25Angstzustände und Panik aus. Genau das, wogegen man
- 8:28vielleicht getrunken. Hat.
- 8:29Ah verstehe. Oder der Kokain Crash nach dem
- 8:32Hoch stürzt in tiefste Depression und
- 8:34Antriebslosigkeit. Schlimmer als das Gefühl davor.
- 8:37Vielleicht war. Die ursprüngliche Wunde wird
- 8:39also tiefer gekratzt, nicht geheilt.
- 8:42Und drittens? Drittens blockiert es die
- 8:44persönliche Entwicklung. Man lernt keine gesunden Wege,
- 8:47keine Skills, um mit Stress, mit schwierigen Gefühlen oder
- 8:50Konflikten umzugehen, weil ja immer die chemische Krücke da
- 8:53ist, auf die man zurückgreift. Die emotionale Reife stagniert
- 8:56quasi. Ganz genau.
- 8:59Und viertens, und das ist oft das Endstadium, die sucht selbst
- 9:03wird zum Hauptproblem, der ursprüngliche Schmerz, die
- 9:07Wunde, tritt völlig in den Hintergrund, alles dreht sich
- 9:10nur noch um die Beschaffung, den Konsum, das verheimlichen.
- 9:14Die Nebenwirkung, also die Sucht, wird zur Hauptkrankheit.
- 9:18Puh, das klingt wirklich nach einer massiven Falle.
- 9:21Eine Abwärtsspirale. Wie kommt man da denn wieder
- 9:24raus? Gabriel spricht ja von diesem
- 9:26Weg, vom Selbstmediziner zum Selbstheiler was bedeutet das
- 9:30konkret? Im Kern ist es eine fundamentale
- 9:33Neuausrichtung der Aufmerksamkeit und Energie.
- 9:36OK. Weg von der reinen
- 9:38Symptombekämpfung, also diesem ständigen Kampf gegen den
- 9:41Suchtdruck, gegen das Verlangen hinzu Ursachenheilung also was
- 9:46ist die Wunde hinter der sucht, was tut da eigentlich weh?
- 9:49Das erfordert wahrscheinlich erst mal Mut dahin zu schauen.
- 9:53Oh ja, Mut und ne gehörige Portion schonungslose
- 9:57Ehrlichkeit mit sich selbst. Das ist oft der schwierigste
- 10:00Schritt. Gabriel schlägt ja auch konkrete
- 10:02Schritte vor im Artikel um diese, wie er es nennt, richtige
- 10:06Medizin zu finden. Also nicht das Gift, sondern die
- 10:10echte Hilfe. Ja, das ist sehr hilfreich.
- 10:13Der erste Schritt ist quasi werde zum Detektiv deiner
- 10:16eigenen Seele. Klingt gut.
- 10:18Wie geht das? Frag dich nicht nur, warum
- 10:21konsumiere ich, sondern ganz gezielt, welchen spezifischen
- 10:25Schmerz will ich damit betäuben? Ist es Angst?
- 10:28Lehre ein Trauma, Scham, Wut. Was ist es genau?
- 10:33Radikale Ehrlichkeit, wie du sagtest?
- 10:35Genau. Und zweitens such dann die
- 10:38passende echte Hilfe für diese Wunde.
- 10:41Also wenn die Wunde Angst heißt, also professionelle Hilfe für
- 10:44die eigentliche Ursache suchen. Unbedingt.
- 10:47Und drittens? Ersetze die chemische Krücke
- 10:50durch echte Skills durch echtes Handwerkszeug.
- 10:53Was meinst du mit Skills? Lerne gesunde
- 10:55Bewältigungsstrategien. Wie gehe ich mit Stress um,
- 10:58wenn. Wie reguliere ich meine
- 11:00Emotionen, ohne zur Flasche zu greifen?
- 11:02Wie kommuniziere ich meine Bedürfnisse, bau dir einen
- 11:05nachhaltigen Werkzeugkoffer für die Seele auf.
- 11:08Das braucht Zeit, nehme ich an. Absolut.
- 11:10Das ist ein Prozess und der vierte Punkt von Gabriel
- 11:13akzeptiere die mögliche Doppeldiagnose.
- 11:16Dass eben oft sucht und eine psychische Wunde gleichzeitig da
- 11:20sind. Genau.
- 11:21Und beides braucht Behandlung. Idealerweise integriert also
- 11:26gleichzeitig und aufeinander abgestimmt.
- 11:30Such dir also Hilfe, Therapeuten, Kliniken, die
- 11:34Erfahrung mit beidem haben. Das ist sicher ein
- 11:37anspruchsvoller Weg, keine Frage.
- 11:39Ja, aber es ist eben einer, der zur Wurzel des Problems führt
- 11:43und dadurch echte, nachhaltige Veränderung ermöglichen kann.
- 11:48Nicht nur an der Oberfläche kratzt.
- 11:50Gabriel hat ja auch einen FAQ Bereich in seinem Artikel.
- 11:53Lass uns da mal ein paar wichtige Punkte rausgreifen, die
- 11:56sicher viele unserer Hörerinnen und Hörer umtreiben, so als
- 11:59hätte uns ein guter Freund diese Fragen gestellt.
- 12:01Ja, machen wir das. Das ist oft sehr erhellend.
- 12:04Erste Frage, die kommt bestimmt. Oft ist dann mein Trauma oder
- 12:08meine Depression sozusagen Schuld an meiner Sucht.
- 12:10Ah, die Schuldfrage, ja, die ist heikel.
- 12:14Also Schuld ist wirklich ein schwieriges Wort in dem
- 12:19Zusammenhang. Ich würde sagen, es geht nicht
- 12:22um Schuldzuweisung. Sondern.
- 12:24Die Wunde, das Trauma, die Depression, was auch immer es
- 12:27ist, ist eher eine Ursache, ein starker Risikofaktor, etwas, das
- 12:32den Boden bereitet hat, auf dem die sucht dann wachsen konnte.
- 12:35OK. Dieses Wissen soll einem aber
- 12:38nicht die Verantwortung nehmen. So nach dem Motto, Ich kann ja
- 12:40nichts dafür, sondern es soll die Verantwortung lenken, es
- 12:44soll ein Wegweiser sein, OK, hier liegt die Wurzel, hier muss
- 12:47ich ansetzen, wenn ich wirklich heilen will.
- 12:50Verstehe also keine Entschuldigung, sondern eine
- 12:53Erklärung, die den Weg weist. Genau, nächste Frage.
- 12:57Ich nehme aber ärztlich verschriebene Medikamente, zum
- 13:00Beispiel Antidepressiva. Ist das dann auch
- 13:03Selbstmedikation? Das ist eine wichtige
- 13:05Abgrenzung, glaube. Ich ja extrem wichtig und die
- 13:08Antwort ist ein ganz klares Nein, das ist das Gegenteil von
- 13:12schädlicher Selbstmedikation, warum?
- 13:14Weil hier noch einer professionellen Diagnose eine
- 13:18passende geprüfte Substanz unter ärztlicher Kontrolle und
- 13:22Begleitung eingesetzt wird. Das Ziel ist die Behandlung
- 13:26einer spezifischen Grunderkrankung, also Heilung
- 13:29oder zumindest Stabilisierung. Es ist also eine kontrollierte
- 13:33therapeutische Maßnahme. Richtig.
- 13:36Während die suchtbasierte Selbstmedikation ja
- 13:38unkontrolliert ist, oft mit schädlichen Substanzen oder in
- 13:42schädlichen Bosen erfolgt und primär auf das kurzfristige
- 13:46Betäuben, das Namk machen abzielt, koste es, was es wolle.
- 13:51Das ist ein fundamentaler Unterschied zur ärztlich
- 13:53begleiteten Therapie. Gut, dass wir das geklärt haben.
- 13:57Nächste Frage, die trifft den Kern des Teufelskreises, aber
- 14:01die Droge hilft mir doch, sie löst mein Problem, warum sollte
- 14:05ich denn damit aufhören? Ja, das hört man oft und die
- 14:07Antwort ist, weil diese vermeintliche Lösung eine
- 14:11gefährliche Illusion ist. Eine Illusion.
- 14:14Ja, sie betäubt vielleicht kurzfristig den Schmerz, das
- 14:18stimmt, aber sie löst absolut nichts an der Ursache, gar
- 14:22nichts, im Gegenteil, sie. Schafft neue Probleme.
- 14:25Massiv neue Probleme gesundheitlich, sozial,
- 14:28finanziell. Und sie vertieft oft sogar die
- 14:31ursprüngliche Wunde, wie wir vorhin besprochen haben.
- 14:34Gabriel benutzt dieses Bild vom brennenden Haus, das man
- 14:37versucht mit Benzin zu löschen. Oh ja, das ist stark.
- 14:41Kurz gibt es vielleicht eine riesige Stichflamme, die kurz
- 14:44die Sicht auf das eigentliche Feuer verdeckt, aber am Ende
- 14:47brennt einfach alles noch viel schlimmer.
- 14:50Die vermeintliche Lösung ist in Wahrheit das eigentliche
- 14:53Brandmittel. Das macht die Notwendigkeit des
- 14:55Ausstiegs des Aufhörens sehr, sehr deutlich.
- 14:58Ja, denn nur ohne diese ständige Betäubung durch die Substanz hat
- 15:02man überhaupt die Chance, die eigentliche Brandursache zu
- 15:04finden und zu löschen, also die Wunde zu versorgen und heilen zu
- 15:08lassen. Eine letzte FAQ noch.
- 15:11Kann ich denn nicht einfach erst die Sucht behandeln und mich
- 15:14dann später um die Wunde kümmern?
- 15:16Also 1 nach dem anderen? Das war früher oft der Ansatz,
- 15:20ja, aber heute weiß man der modernste und oft erfolgreichste
- 15:25Ansatz ist die integrierte Behandlung.
- 15:27Also beides gleichzeitig angehen.
- 15:29Genau oder zumindest sehr eng verzahnt.
- 15:32Eine reine Suchttherapie, die die psychische Ursache komplett
- 15:36ausblendet, scheitert leider oft.
- 15:39Weil der Grund für den Konsum ja bestehen bleibt.
- 15:41Der Druck ist dann immer noch da.
- 15:42Richtig, umgekehrt braucht man natürlich oft eine gewisse
- 15:46Stabilität, vielleicht eine stabile Abstinenz, um überhaupt
- 15:50die Kraft zu haben, sich den schmerzhaften Wunden zuzuwenden.
- 15:54Aber beides gehört untrennbar zusammen und sollte idealerweise
- 15:57Hand in Hand behandelt werden. Das leuchtet ein OK.
- 16:01Lass uns zum Fazit kommen, dass Gabriel in seinem Artikel zieht,
- 16:05das ist ja auch noch mal. Sehr kraftvoll.
- 16:08Er sagt ja sinngemäß, Deine Sucht ist nicht dein
- 16:11eigentliches Problem, nicht dein Feind.
- 16:14Sondern sie ist wie ein brutaler, aber ehrlicher
- 16:17Wegweiser. Ein Wegweiser zu genau der
- 16:20Stelle in deiner Seele, die dringend Heilung braucht.
- 16:23Das ist eine unglaublich wichtige und hoffnungsvolle
- 16:26Botschaft, finde ich. Sie lädt dazu ein, diesen
- 16:29zermürbenden Selbsthass, den viele Betroffene Empfinden,
- 16:33endlich loszulassen. Weil die Selbstmedikation ja mal
- 16:36als Überlebensversuch angefangen.
- 16:38Hat genau ein Versuch mit untauglichen, ja giftigen
- 16:42Mitteln, aber die Intention dahinter, diesen unerträglichen
- 16:45Schmerz irgendwie zu beenden, die war zutiefst menschlich.
- 16:49Ein Versuch, sich selbst zu helfen, der leider nach hinten
- 16:53losging. Und Recovery, also Genesung,
- 16:56bedeutet dann. Diese alten, kaputten Werkzeuge
- 16:59wegzulegen. Und neue Gesunde zu lernen und
- 17:03anzuwenden und vor allem neugierig und vielleicht sogar
- 17:08mitfühlend auf den Schmerz dahinter zu blicken, ihn nicht
- 17:12mehr nur weghaben zu wollen, sondern zu verstehen, was er
- 17:15einem sagen will. Es ist also nicht das Ende, wenn
- 17:18man die sucht als Wegweiser sieht, sondern der Anfang der
- 17:22eigentlichen Heilungsreise. Exakt.
- 17:25Und die Sucht zeigt nur, wo die Reise hingehen muss.
- 17:28Wow, das ist wirklich eine tiefgreifende Perspektive.
- 17:32Bevor wir zum Schluss kommen, wenn dir, Liebe Hörerin, lieber
- 17:36Hörer, dieser Beitrag gefallen hat, wenn du die Arbeit von
- 17:39Nilex Berlin wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig
- 17:42über deine Unterstützung freuen. Ja, das wäre.
- 17:44Toll. Du kannst Gabriel ganz einfach
- 17:46helfen, indem du vielleicht diesen Beitrag auf Social Media
- 17:48teilst oder uns hier auf Spotify oder Apple Podcasts eine
- 17:51Bewertung oder ein Like gibst. Das hilft ungemein bei der
- 17:54Sichtbarkeit. Das.
- 17:55Genau und wichtig zu wissen. Das Projekt Nelix Berlin wird
- 17:59komplett allein von Gabriel finanziert und erstellt, also
- 18:04jede Form der Unterstützung hilft ihm wirklich dabei, mit
- 18:07diesem Projekt nicht nur sich selbst, sondern eben auch
- 18:09anderen Betroffenen zu helfen. Sein persönliches Motto, das ihn
- 18:14antreibt, ist ja auch sehr passend, aus allem schlechten in
- 18:17seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 18:20Eine starke Motivation und natürlich findest du im
- 18:24Originalartikel auf Nilixberlin. De auch noch mal alle Quellen
- 18:28und weiterführende Hilfsangebote.
- 18:30Das ist auch wichtig, ja. So, dann sind wir für heute am
- 18:32Ende. Vielen Dank, dass du dir die
- 18:35Zeit genommen hast und uns zugehört hast.
- 18:37Das war ja doch eine ziemlich intensive Auseinandersetzung.
- 18:40Absolut, aber wichtig. Vielleicht noch ein letzter
- 18:44Gedanke zum Mitnehmen. Gerne.
- 18:46Wenn sucht, wie wir besprochen haben, oft ein fehlgeleiteter
- 18:49Versuch war, einen tiefen Schmerz zu lindern, welchen
- 18:53Schmerz in dir könntest du vielleicht heute damit beginnen,
- 18:57einfach mal mit etwas mehr Mitgefühl und Neugier zu
- 19:01betrachten, ihn nicht sofort weg haben zu wollen, sondern ihn
- 19:05erst mal nur wahrzunehmen? Das ist n schöner Gedanke.
- 19:09Manchmal ist es ja schon der Erste.
- 19:11Klitzekleine Schritt zur Veränderung.
- 19:12Genau, einfach nur hinschauen ohne Urteil.
- 19:16Ein guter Impuls. Pass gut auf dich auf und bis
- 19:18zum nächsten Mal. Mach s gut.