Latest / Hinreichend verdächtig / Die Stimme am Telefon
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- Viele, die da drauf reinfallen, die leiden wirklich jahrelang an diesen Taten, die verlieren so ein bisschen das Vertrauen auch. Es hat sich halt in den letzten Jahren schon extrem professionalisiert, wie die Täter vorgehen. Auch wenn die aus dem Ausland anrufen, dann sprechen die manchmal wirklich konzentfrei Deutsch. Die haben dann irgendwie die Nummern getarnt, so dass es sogar aussieht, als würden die aus Deutschland oder sogar aus der Region anrufen. Ich glaube, man unterschätzt, wie selbstsicher die Täter auftreten können. Und die haben das ja komplett durchgeplant Und die sind ja auf jede Antwort vorbereitet. Hinreichend verdächtig. Der True Crime Podcast der Rheinischen Post und der Staatsanwaltschaft Duisburg. Hallo und herzlich willkommen zurück bei Hinreichend verdächtig. Mein Name ist Lili Stegner. In diesem Podcast gehen wir nicht nur echten Kriminalfällen auf den Grund, sondern wir tauchen richtig tief ein. Wir beleuchten die Ermittlungen, die letztendlich zur Anklage geführt haben. Und wir untersuchen, was die Gesetzestexte zu dem Fall und den Hintergründeten sagen. Dafür habe ich immer zwei Gäste bei mir, einmal jemand aus der Staatsanwaltschaft in Duisburg und einmal einen Gerichtsreporter aus unserer Lokalredaktion in Duisburg. Die Fälle, die wir hier betrachten, die sind immer abgeschlossen und damit auch rechtskräftig entschieden. Wir analysieren, wie der Fall öffentlich wahrgenommen wurde und wie die Staatsanwaltschaft ermittelt und die Anklage formuliert hat. Und ganz nebenbei haben wir so eben auch die Gelegenheit, juristische Fachbegriffe zu diskutieren, die, naja, man vielleicht öfter mal liest, aber vielleicht nicht immer so ganz versteht. Wie zum Beispiel auch den Begriff hinreichend verdächtig. Funktionieren tut das alles nur, weil wir einen Sponsor haben. Das ist Synlab Leverkusen, die auch dafür gesorgt haben, dass diese Folge hier erscheinen kann. Meine Gäste heute sind Duygu Diciseme, Staatsanwältin hier in Duisburg und Alexander Trisch, Redakteur hier in der Lokalredaktion. Heute sprechen wir über ein Phänomen, von dem ihr sicher auch schon mal gehört habt, dem sogenannten Enkeltrick bzw. dem Betrug an älteren Menschen. Wie gesagt, kommen da zumeist ältere Menschen zu Schaden und wenn euch das irgendwie emotional belastet, dann hört die Folge vielleicht lieber nicht alleine an. Starten wir aber wie immer erstmal mit der Beschreibung des Falls. Was ist passiert? Wir beginnen heute ausnahmsweise einmal beim Opfer der Tat. Frau Schneider, wie immer haben wir alle Namen im Fall geändert, ist eine ältere Dame, die in der kleinen Gemeinde Weringen im Kreis Augsburg lebt. Mitte November 2022 erhielt sie gegen Nachmittag einen Anruf auf ihrem Festnetztelefon zu Hause. Ihre Verwunderung muss groß gewesen sein, als sich ein Mann meldete, der sagte, er sei von der Polizei. Er erzählte ihr, dass in der näheren Umgebung zahlreiche Wohnungseinbrüche stattgefunden hätten und dass es Grund zur Annahme gebe, dass auch sie ins Fadenkreuz dieser Einbrecher geraten sei. Doch genau dafür sei die Polizei ja da. Der Mann sagte, er wolle ihr helfen. Denn wenn es nichts zu stehlen gäbe, dann würde sie vermutlich auch von den Einbrechern verschont werden. Deswegen forderte der vermeintliche Polizist Frau Schneider auf, ihre Wertsachen zusammenzusuchen und der Polizei zur Aufbewahrung zu übergeben. Dem kam Frau Schneider nach und packte ihren wichtigsten Besitz in eine Plastiktüte. Schmuck im Gesamtwert von mindestens 5000 Euro, darunter eine goldene Halskette, zwei Armbänder, ungefähr zehn teilweise aus Weißgold gefertigte Ringe, die unter anderem besetzt waren mit einem blauen Saphir und Brillanten, ein paar goldene Ohrringe, Bargeld im Wert von 2000 Euro und die EC-Karte zu ihrem Girokonto. Die verlangte der Polizist am Telefon. Und auch die Pinnummer zu diesem Konto fragte der Mann ab. Frau Schneider vertraute ihm. Der angebliche Polizist blieb die ganze Zeit am Telefon und erklärte ihr, sie dürfe weder aus dem Fenster sehen, noch andere Personen vom Geschehen informieren, da nur so die Ergreifung dieser vermeintlichen Einbrecher auch gelingen könne. Und hier kommen unsere Angeklagten ins Spiel. Ralf und sein Bruder Andreas standen in Kontakt mit dem angeblichen Polizisten. Denn nicht die Beamten holten diese Plastiktüte von Frau Schneider ab, sondern sie. Der Anrufer, der übrigens bis heute nicht bekannt ist und vermutlich aus dem Ausland agiert hat, hatte die beiden engagiert, schickte sie dann mit der EC-Karte von Frau Schneider zum nächsten Bankautomaten, wo sie so viel Geld abhoben, wie es das Tageslimit erlaubte. Knapp 2000 Euro. Ralf und Andreas gaben die Beute dann an andere Abholer weiter, die ebenfalls bis heute unbekannt bleiben. Für ihre Mitarbeit an der Tat bekamen sie eine vorher verabredete Pauschale von 1.000 Euro, zusätzlich zu den Fahrt- und Hotelkosten. Frau Schneider blieb nicht die einzige Geschädigte. Nur drei Wochen später erleichterten die beiden Brüder eine weitere Frau um Schmuck im Wert von mindestens 1.400 Euro, zwei Sammlermünzen und auch hier ihre EC-Karte mitsamt des Pins. Und dabei blieb es auch nicht. Mindestens eine weitere geschädigte Person kam noch hinzu, mit sehr ähnlichem Vorgehen. Zurückbleiben Menschen, die nicht nur ihre wertvollsten Gegenstände verloren haben, sondern sich auch selbst schwere Vorwürfe machen wegen ihrer Leichtgläubigkeit und ängstlicher und misstrauischer durchs Leben gehen. Ab wann war der Angeklagte hinreichend verdächtig? Du, wie kam der Fall zu euch? Wie habt ihr davon erfahren? Das Ganze hat sich ja gar nicht hier in der Gegend abgespielt. Genau. Du hast ja schon zu Recht gesagt, dass sich die Tat Mitte November in Augsburg abgespielt hat, sodass dort zuständig erstmal die dortige Staatsanwaltschaft war. Wir haben Kenntnis von dem Verfahren erst ein paar Wochen später, so Anfang, Mitte Dezember erlangt, nachdem nämlich die beiden Brüder wegen einer anderen Tat festgenommen wurden und wir dann ein Handy, was wir bei den beiden aufgefunden haben, ausgewertet haben. So hatten wir dann konkrete Anhaltspunkte für die Tat zum Nachteil der Frau Schneider. Und wie kam es dann zur Festnahme? Also ihr habt dann irgendwie erfahren, dass diese beiden, wir nennen sie Ralf und Andreas, da mit drin hängen. Aber was ist dann passiert, um die zu finden? Das war ja dann schon eine Zeit lang später. Ja, wir haben die beiden in der Nacht vom 8.12.2022 festgenommen. Das war auch eine ganz interessante Geschichte. Das war so, dass in der Nacht sich eine männliche Person in schwarz gekleidet und teilweise maskiert, sich an einem Geldautomaten in Oberhausen befand. Und weil diese Person sich sehr auffällig verhielt, ist die zwei Streifenpolizisten aufgefallen. Die sind zu ihm hingegangen, haben ihn angesprochen. Er wollte erst fliehen, das ist ihm aber nicht gelungen. Und dann wurde er durchsucht und dann hat man eine Karte einer Geschädigten aus Kassel gefunden. Und er hat dann nach entsprechender Beschuldigtenbelehrung auch eingeräumt, dass er mit der Karte Geld abheben wollte und daran aber jetzt gehindert wurde durch die Polizei. Und dann machte er auch direkt vor Ort Angaben zu den beiden Brüdern. Er sagte, dass die beiden Brüder in einem Auto in der Nähe der Bank auf ihn warten würden und dass sie ihn auch beauftragt hätten, die Karte einzusetzen. Und dann konnten wir tatsächlich auch diesen Angaben folgend auch die beiden Brüder in einem Auto antreffen und auch vorläufig festnehmen. Das heißt, es kam alles zustande, weil der sich irgendwie unnatürlich da am Bankautomaten rumgedrückt hat oder ja, seltsam sich verhalten hat. Genau, die Polizeibeamten haben geschildert, dass diese Person, ich nenne sie jetzt mal mitbeschuldigte Person, dass sie sich sehr auffällig verhalten hat, weil sie die ganze Zeit auf dem Geldautomaten was eingetippt hat, aber immer wieder auch aufs Handy geguckt hat. in der anderen Hand noch einen Zettel hatte. Das heißt, das war so gegen ein Uhr nachts. Das kam den beiden Beamten sehr auffällig vor. Ja, verstehe. Das ist auch vielleicht nicht das Übliche, wenn man an Bankautomaten geht mit der eigenen Karte. Unsere beiden Angeklagten, Ralf und Andreas, sind ja nicht die Drahtzieher dieser Tat. Haben Sie das von Beginn an dann klargestellt, als ihr mit ihnen gesprochen habt? Nein, das haben sie leider nicht. Sie haben sich im Ermittlungsverfahren gar nicht eingelassen, sodass wir zum Zeitpunkt der Ermittlungen gar keine Kenntnis zu den Hintermännern hatten oder zu den konkreten Tatdetails. Das hat sich erst im Laufe des Gerichtsprozesses ergeben. Da haben sie sich dann überwiegend geständig eingelassen. Und da haben sie auch eingeräumt, dass sie ihre Abholaufträge aus dem Ausland bekommen haben und pro Tat mit einer Summe von 1.000 Euro entlohnt wurden. Habt ihr das geahnt, dass die beiden nicht die Drahtzehe sind? Nee, da muss ich auch zugeben. Ich bin in meiner Anklageschrift ganz klar davon ausgegangen, dass sie mit an der Organisation der Tat beteiligt waren. Ich habe auch deswegen eine täterschaftliche Tatbegehung angenommen. Letztlich hat dann aber das Landgericht anhand der Feststellungen, die sich in der Hauptverhandlung ergeben haben, anders geurteilt. Spannend, ja. Also ich meine, sie hätten sich auch vorher äußern können dazu. Was sind denn dann so eure nächsten Schritte in der Ermittlung? Ihr habt dann diese beiden, du hast gerade gesagt, du hast sie jetzt zumindest mitverantwortlich gesehen. Wie läuft das ab, so eine Ermittlung, wenn ihr gar keinen Anhaltspunkt habt, wer da noch mit drinstecken könnte? Ja, wir hatten ja jetzt hier die Sondersituation, dass wir eine mitbeschuldigte Person haben, die ja sich auch selbst belastet hat, aber auch die beiden Brüder Reif und Andreas belastet hat. Das war schon mal der erste Anhaltspunkt. Und da wir auch teilweise die Angaben ja schon in der Nacht verifizieren konnten, war das schon sehr hilfreich, weil er sagte, die warten in einem Auto und dann haben wir die auch in einem Auto angetroffen. Was wir dann noch gemacht haben, wir haben Durchsuchungsmaßnahmen durchgeführt, sowohl in dem Auto, in dem sich die beiden Brüder befanden, als auch in den Wohnräumlichkeiten der beiden. Und da haben wir ja unter anderem ein Handy sichergestellt und dieses Handy war jetzt für unsere Ermittlungen Gold wert. Das war nämlich das sogenannte Abholer-Handy. Das haben die beiden Brüder, die als Abholer eingesetzt waren, regelmäßig genutzt, um von dort die Anweisungen und Aufträge zu erhalten. Und dieses Handy haben wir dann sehr zeitnah ausgewertet und die Auswertung ergab nämlich dann die beiden anderen Taten. Das heißt, wo die dann quasi die Infos drauf bekommen haben. Demnächst solltet ihr da und da sein, wie zum Beispiel bei dieser Frau in Augsburg, ist ja auch eine Wegstrecke für die beiden. Genau, da gab es ganz klare Anweisungen, ihr müsst dann und dann dahin gehen, ihr müsst die Karte so einsetzen, die und die Summe muss abgehoben werden, eine weitere Summe in Höhe von 1000 Euro muss weiter überwiesen werden oder es gab auch Anweisungen, für wie viel Geld sie den Schmuck verkaufen sollen. Also schon alles ziemlich durchorganisiert, muss man ja sagen. Alex, solche Fälle passieren ja leider immer wieder. Wie oft hört ihr denn von solchen Enkeltrick-Fällen? Hier in Duisburg würde ich sagen, kommt es schon bei uns mehrfach im Monat an. Alle paar Wochen gibt es da einen größeren Fall. So generell mit Zahlen ist das ein bisschen schwierig, weil... Man da nie ganz sicher ist, wird jetzt der klassische Enkeltrick gemessen oder die falschen Polizisten oder dieser Schockanruf. Und vieles wird ja auch gar nicht zur Anzeige gebracht, entweder weil es gar nicht funktioniert hat oder weil die Leute sich irgendwie ja auch schlecht damit fühlen und jetzt denken, so das ist ihnen total peinlich. Es geistert so eine Zahl im Internet rum, dass es so 2000 Fälle von Enkeltrick im letzten Jahr in NRW gab. Was man vielleicht sagen kann, was relativ erfreulich ist, dass die meisten dieser Fälle schief gehen. Also ungefähr 98 Prozent der Enkeltricks klappen nicht. Und es gibt auch immer wieder Meldungen von Senioren, die sich da absolut vorbildlich verhalten und da nicht drauf reinfallen oder sogar die Täter in eine Falle locken und dann die Polizei anrufen und erstmal mitspielen. Und dann, ja, das Gefährliche ist ja gerade, dass die Leute irgendwann vor der Tür stehen und was abholen wollen. Und wenn dann die Polizei rechtzeitig da ist, kann man denen natürlich dann recht schnell auf die Schliche kommen. Ja, Wahnsinn. Ich muss da immer dran denken, meine Großmutter wurde auch mal angerufen und hat es deshalb gemerkt, weil der Anrufer oder die Anruferin, die sich als mich ausgegeben hat, Hochdeutsch gesprochen hat. Und das tun wir zu Hause nicht. Hast du denn mal mit jemandem sprechen können, der schon mal von so einem Enkeltrick zum Opfer oder zum versuchten Opfer wurde? Wir haben es versucht vor ein paar Jahren schon mal und es ist relativ schwierig, die Leute zum Reden zu bringen, weil es denen, wie gesagt, extrem peinlich ist. Es gibt auch viele Fälle, wo dann die eigene Familie das nicht mehr weiß und die das dann einfach gar keinem sagen. Ich habe tatsächlich mal ein größeres Interview mit jemandem gemacht von der Polizei, der genau diese Fälle betreut und da ermittelt. Und der sagte mir auch, also viele, die da drauf reinfallen, die leiden wirklich jahrelang an diesen Taten, die verlieren so ein bisschen das Vertrauen auch. Und das ist ja auch klar, also es hat sich halt in den letzten Jahren schon extrem professionalisiert, wie die Täter vorgehen. Auch wenn die aus dem Ausland anrufen, dann sprechen die manchmal wirklich akzentfrei Deutsch. Die haben dann irgendwie die Nummern getan, sodass das sogar aussieht, als würden die aus Deutschland oder sogar aus der Region anrufen. Viele sagen sich natürlich, wenn man das jetzt so liest und hört, naja, darauf falle ich gar nicht rein, das ist ja völlig absurd. Wieso sollte ich denn irgendjemandem da jetzt Geld überweisen? Aber ich glaube, man unterschätzt, wie selbstsicher die auftreten können, die Täter. Und das spart dann auch viel so Überzeugungskunst. Also die haben das ja komplett durchgeplant und die sind ja auf jede Antwort vorbereitet. Ja, ja. Und wie du sagst, ist ja auch eine hochemotionale Sache. Also wenn man zum Opfer wurde, schämt man sich vielleicht, dass man leichtgläubig wurde, verliert Vertrauen in die Menschheit. Aber ich glaube auch, wenn man davon hört und weiß, dass man selber in diese, ja, in die potenzielle Opferkategorie passen würde, weil man nun mal irgendwie älter ist. Kann man auch relativ schnell Angst bekommen, dass das mal passiert. Ist das was, was ihr bei euren Lesern manchmal mitkriegt? Schon ja, wobei ich eher sagen würde, wir kriegen es dann eher von den Kindern mit, also dass die sich Sorgen machen, dass ihre Eltern darauf reinfallen könnten, was auch da ist, glaube ich. Die Gefahr, dass es gar nicht so um den klassischen Enkeltrick geht, sondern eher um, da kommen jetzt diese falschen Polizisten oder diese falschen Handwerker nach Hause und die klingeln dann vor der Tür, weil das ist ja…, Also es erfordert ja viel mehr Mut, sage ich jetzt mal, jemanden von der Tür wegzuschicken, als einfach am Telefon aufzulegen. Und wenn da die Tarnung, sage ich mal, nahezu perfekt ist, die Leute irgendwie eine Uniform anhaben und einen gefälschten Ausweis, also ich meine, wer weiß schon, wie ein Polizeiausweis aussieht. Kriegt man jetzt im Regelfall nicht jeden Tag zu sehen, das stimmt. Welche Maschen gibt es denn noch so? Du hast gerade schon gesagt, es gibt diesen klassischen Enkeltrick, weshalb es auch so heißt, Oma, Oma, ich brauche Geld. Es gibt diese falschen Polizisten, über die wir auch hier quasi sprechen. Es gibt falsche Handwerker, falsche Telefonanbieter, was auch immer. Was gibt es denn noch so für Maschen? Also ich fand, eine der erschreckendsten war ganz am Anfang der Corona-Pandemie, dass es sofort Leute gab, die die Pandemie ausgenutzt haben und sich dann irgendwie als infiziert da am Telefon dargestellt haben und gesagt haben, ja, ich liege hier im Krankenhaus und ich kann das Zimmer nicht verlassen und die Behandlung ist so teuer und haben dann quasi diesen Enkeltrick mit der Pandemie kombiniert und dann gefordert, dass schnell was überwiesen werden soll. Und ja, besonders krass sind halt die Fälle, wenn es wirklich um ganz, ganz viel Geld geht. Also wenn es wirklich so in den sechsstelligen Bereich geht. Und jetzt eine kurze Pause. Vielleicht mit etwas Werbung. Music. Was macht das auf? Wir sprechen hier natürlich über den Betrug an älteren Menschen. Duygo, wie groß ist dieser Tatbereich denn bei euch? Ist das so, kommt das so häufig vor, wie man manchmal den Eindruck hat oder täuscht das? Nee, das ist bei uns wirklich ein großes Thema. Das macht sich auch an unserer Arbeit bemerkbar. Ich würde auch sagen, dass wir mehrfach in der Woche mit solchen Taten auch zu tun haben. Wir haben auch dafür hier in unserer Behörde ein eigens dafür eingerichtetes Sonderdezernat in der Abteilung der organisierten Kriminalität. Und da werden überwiegend diese Taten und Fälle auch bearbeitet. Ich kann jetzt keine konkreten Zahlen nennen, aber ich könnte von einem ganz aktuellen Fall berichten, der sich noch vor ein paar Tagen ereignet hat. Da hat eine 66-Jährige Geschädigte, also das Alter ist jetzt doch ein bisschen anders. Gar nicht so alt. Genau. Eine 66-jährige Geschädigte aus Mühleim wurde angerufen von einem falschen Justizmitarbeiter. Und da wurde gesagt, ja, ihr Sohn hat einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Sie könnten ihn freikaufen mit einer hohen Kautionssumme. Als die Geschädigte dann gesagt hat, ja, das mache ich auf jeden Fall und auch gesagt hat, dass sie im Tresor in der Bank was hätte, was sie herausgeben kann, hat der falsche Justizmitarbeiter, der ja auf dem Festnetz angerufen hatte, gesagt ... Mein Staatsanwalt ruft sie dann gleich auf dem Handy an. Dann kam auf das Handy der Anruf des falschen Staatsanwalts. Ach, Wahnsinn. Ja, und der, und das ist nämlich auch eine bekannte Masche, der hat dann die Geschädigte telefonisch zur Bank begleitet, damit sie ja nicht auflegt oder das Ganze auffliegt. Der Kontakt abbricht zwischen denen. Genau, als sie noch zu Hause war, war es am Festnetz. Als sie die Wohnung verlassen hat, war es dann am Handy der falsche Staatsanwalt. Der hat dann genaue Anweisungen gegeben und dann ist sie auch zum Tresor gegangen und da war er die ganze Zeit dran und hat dann gesagt, ja, was haben Sie denn da? Und dann hat sie gesagt, ja, ich hätte hier Gold. Und dann hat sie gesagt, gut, ich schicke einen Sachverständigen raus, der trifft sich an dem und dem Ort mit Ihnen, ganz in der Nähe der Bank. Und da können Sie Ihre Wertgegenstände herausgeben und ja, dann kam es zu einer Übergabe von einem Goldbarren im Wert von knapp 40.000 Euro. Wahnsinn. Das heißt, wir sehen da drin, es gibt ganz unterschiedliche Maschen, es gibt ganz unterschiedliche Opferprofile. Also wie gesagt, die Dame war jetzt noch gar nicht alt. Und es sind auch sehr unterschiedliche Schadensbeträge. Also wenn wir jetzt eben in unserem Fall, der uns zugrunde liegt bei Frau Schneider, ging es in Anführungsstrichen nur um ein paar tausend Euro. Hier sind es 40.000 Euro. Das ist ja schon nochmal eine andere Hausnummer. Ja, auf jeden Fall. Man muss sagen, da gibt es auch Variationen, was die Forderungen angeht, der Anrufer am Telefon. Mal ist es wirklich nur die EC-Karte mit der PIN-Nummer, die gewünscht wird, mal ist es Geld, Bargeld, mal ist es Gold, mal ist es Schmuck. Das ist ganz unterschiedlich. Und manchmal ist es auch so, so wie es jetzt in dem Fall war, dass man einfach sagt, was haben Sie da, was könnten Sie sofort herausgeben, ohne groß jemanden von der Bank einzuschalten. Denn das birgt ja die Gefahr, dass dann jemand, ein Bankmitarbeiter, eine Bankmitarbeiterin sagt, hey, irgendwie passt das Ganze nicht, warum braucht sie denn jetzt auf einmal 50.000 Euro? Und dann würde sie den Beutetransfer verhindern können und das wollen die Täter ja unbedingt vermeiden. Ja, ich glaube, die meisten Bankmitarbeiter werden heute auch geschult auf solche Fälle, dass das auffällt, wenn jemand so plötzlich viel Geld abhebt oder mit einer komischen Begründung, ohne irgendwie was zu sagen, an sein großes Depot ran will. Ja, auf jeden Fall. Es gibt auch inzwischen Aufklärungsarbeit, die wir als Pressesteller der Staatsanwaltschaft mit ein paar Banken in Oberhausen durchgeführt haben, eben um alle zu sensibilisieren dafür, dass die Situation vorkommt, kann das ältere Geschädigte kommen und sagen, was auch passiert, ich brauche 100.000 Euro bar, ich muss mein Haus renovieren. Dass dann einfach die Person, der das gesagt wird, hellhörig wird. Ja, verstehe. Jetzt ist das ja so ein Bereich, wo es total oft für euch, oder ich stelle es mir zumindest vor, dass es sehr frustrierend ist, weil ihr gar nicht unbedingt an die Drahtse hier rankommt, weil das oft ganz verschlungene Wege sind. Die Menschen, die vor Ort in Erscheinung treten, kennen ja oft die Hintermänner nicht mal. Wie geht ihr damit um? Was könnt ihr tun? Das stimmt auf jeden Fall, dass es sehr frustrierend ist, gerade wenn man diese Fälle bearbeitet. Was wir machen können ist, wir können den Geldfluss verfolgen, sowohl im Inland als auch im Ausland. Denn das Geld wird in der Regel vom Abholer sehr schnell weitergeleitet an die Hintermänner. Den Geldfluss können wir verfolgen. Dafür sind zum Beispiel Zahlungsbelege, die wir im Rahmen von Durchsuchungsmaßnahmen auffinden, sehr hilfreich. Was wir auch machen können, ist die Auswertung der Handys der Abholer, denn die kommunizieren in der Regel über das Internet, also über Social Media und da können wir über das Handy auch Erkenntnisse gewinnen zu den Hintermännern. Und dann versuchen rauszufinden, wo die sitzen, damit man da zumindest einen Anhaltspunkt hat. Genau. Es geht ja hier auch um Betrugsfälle, das ist ja erstmal der juristische Terminus, der da in Erscheinung tritt. Welche gesetzlichen Bestimmungen gibt es denn da? Welche Möglichkeiten habt ihr? Also welche Strafen können da potenziell verhängt werden? Ja, der Betrug ist in § 263 StGB geregelt. In Absatz 1 ist der einfache Betrug geregelt. Der sieht vor Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. In Absatz 3 haben wir unter anderem den gewerbsmäßigen Betrug normiert. Und das ist ein besonders schwerer Fall des Betrugs. Und der sieht vor Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Und in Absatz 5 haben wir den bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betrug geregelt. Und da sieht das Gesetz vor, Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Da haben wir es auch direkt mit einem Verbrechenstatbestand zu tun. Und wie kann man unterscheiden zwischen diesen einzelnen, ja, ich sag mal, Betrugsarten? Ja, wir müssen prüfen für die Voraussetzung der Gewerbsmäßigkeit, ob die Täter sich daraus eine Einnahmequelle verschaffen wollten. Durch welche sie sich den Lebensunterhalt finanzieren wollen, also etwas Erhebliches. Und bei der Voraussetzung der Bandenmäßigkeit müssen wir prüfen, ob sich wirklich mindestens drei Personen zusammengeschlossen haben, um gleichgelagerte Taten zu begehen. In diesem Deliktsfeld ist uns aus jahrelanger Erfahrung bekannt, dass da so ein Netzwerk hintersteckt. Die sind hierarchisch streng organisiert. Das heißt, wir wissen, es gibt eine ganz klare Aufgabenverteilung und jede Aufgabe ist ausschlaggebend für das Gelingen der Tat, sodass wir dann in der Regel die Bandenmäßigkeit und die Gewerbsmäßigkeit auch bejahen können. Ich glaube, zumindest auf Polizeiseite gibt es auch ganz bestimmte Begriffe für diese verschiedenen Aufgaben, die die haben. Also Keiler, glaube ich, mich noch zu erinnern, als ich da mal mich mit beschäftigt habe. Also wirklich ganz dezidierte Begriffe für die, die erstmal den Keil reintreiben und die dann irgendwie versuchen, das Geld oder die Beute oder was auch immer dann wegzuholen. Genau. Bei der Polizei wird der Anrufer oder die Anruferin Keiler genannt. Diese Begrifflichkeit finden wir auch in unseren Akten. Dann gibt es den Logistiker. Der Logistiker ist derjenige, der in der Regel auch im Ausland sitzt und vom Keiler beauftragt wird, einen Abholer zu finden, sobald er merkt, dass sich eine Geschädigte auf die Betrugsmasche einlässt. Und dann gibt es klassisch noch den Abholer. Es gibt hin und wieder auch noch weitere Rollen, zum Beispiel den Fahrer. Also wenn ein extra Fahrer organisiert wird, ein Observanten. Aber das ist wirklich eine Aufgabenverteilung, die uns auch bekannt ist und die ändert sich in der Regel auch nicht. Was sich ändert, ist dann nur die Story quasi, die erzählt wird. Ja. Es geht ja hier auch oft um Hehlerei. Kannst du uns vielleicht mal kurz erklären, was das eigentlich so genau ist? Ich fürchte nämlich, das ist einer dieser Begriffe, der auch unter dieses hört man oft, aber versteht man vielleicht gar nicht unbedingt fehlt. Der Straftatbestand der Hehlerei liegt dann vor, wenn eine Person eine Sache, die ein anderer gestohlen hat zum Beispiel oder sonst betrügerisch erlangt hat, kauft, verkauft, sich verschafft, einem Dritten verschafft oder anderweitig veräußert, um sich oder einen Dritten zu bereichern. Und in unserem Fall ging es darum, weil der ältere Bruder, der Ralf, auch sich der Hehlerei schuldig gemacht hat, indem er nämlich die Goldmünzen, die von einer Geschädigten entgegengenommen worden waren, von seinem Bruder Andreas, dann anschließend beim Juwelier verkauft hat. Das heißt, mit diesem Diebesgut dann noch weiter versucht hat, Geschäfte zu machen. Genau, ja. Und das ist hier manchmal der Fall, aber es ist natürlich auch ein Tatbestand, der in ganz anderen Kontexten auch vorkommt. Genau, ja. Ja, was sind denn die Kriterien, um nochmal auf das Thema Betrug zurückzukommen, wo fängt denn der schwere Betrug an? Also ist das eine Grenze von einem Geldwert, der dahinter steht oder wie ist da die Unterscheidung? Ja, es kommt ganz darauf an, ob die Voraussetzungen des Absatz 3 unter anderem nämlich die Gewerbsmäßigkeit vorliegen oder auch das Handeln als Mitglied einer Bande. Das heißt, wir müssen gucken, ob erschwerend zu dem einfachen Betrug noch Umstände hinzukommen, die den Betrug ganz untechnisch gesagt zu einem besonders schweren Fall des Betrugs machen. Da schauen wir dann, worauf die Tatbegehung angelegt war, ob man mehrere Taten, die gleich gelagert werden sollten, begeht, mit was für einem Gewinnstreben an die Sache herangetreten wurde und wie viele Personen da mitwirken. Und all diese Umstände müssen wir im Ermittlungsverfahren und später auch bei Gericht nachweisen. Also ich stelle mir das auch wahnsinnig schwierig vor, weil man ja dann bei so Leuten wie in unserem Fall eben Ralf und Andreas auch ziemlich viel erstmal über die rauskriegen muss, um das alles so bewerten zu können. Ist das was, was die einmal machen? Ist das was Gewerbsmäßiges? Also das erfordert ja schon auch, dass man relativ viel weiß über die Menschen, die man da vor sich sitzen hat und das gerade in einem Bereich, wo die... Naja, oft nicht unbedingt so auskunftsfreudig sind oder auch vieles gar nicht wissen. Ja, das stimmt. Also das ist auch wirklich eine Schwierigkeit in diesen Fällen im Ermittlungsverfahren. Denn klar fragen wir polizeiliche Erkenntnisse ab. Also das heißt, ob die Personen auch schon mal vorher in der Vergangenheit irgendwo anders als zum Beispiel Abholer tätig waren. Aber es kommt natürlich auch vor, dass ganz, ich sag mal, unbescholtene Bürger als Abholer erstmalig tätig werden. Und dann haben wir gar keine Erkenntnisse dazu, mit wem sie sich zusammengetan haben, von wem sie den Auftrag erhalten haben. Das ist schon schwierig, gerade wie du ja sagst, wenn die Personen sich im Ermittlungsverfahren gar nicht einlassen. Alex, solchen Taten kann man ja wirklich sehr gut mit einer breiten Information begegnen. Also je mehr Leute wissen, dass es sowas gibt, je mehr Leute über die Maschen Bescheid wissen, desto mehr Leute werden wahrscheinlich auch schneller hellhörig, wenn ihnen sowas mal passiert. Berichtet ihr auch präventiv über solche Themen? Also gar nicht am Fall, sondern vielleicht auch so als Warnung zwischendrin? Ja, also das machen wir immer wieder mal und es gibt natürlich auch die ganze Zeit Workshops der Polizei oder von anderen Institutionen, die da was anbieten und den Leuten erklären, was sie denn tun können, um sich zu schützen. Ich glaube, so ein bisschen die Berichterstattung selber über die Fälle wirkt auch schon präventiv, weil die Polizei dann auch schon immer mit reinschreibt, ja, lassen Sie einfach niemanden in Ihre Wohnung, rufen Sie im Zweifel Ihre Kinder oder Ihre Enkel vorher an, bevor Sie da irgendwie Angst bekommen. Und die Polizei holt ja auch keine Wertsachen ab zu Hause normalerweise. Und ich glaube, dass da in den letzten Jahren schon was passiert ist. Ich habe auch mal gehört, dass man auf der Mittlerseite ganz froh ist, dass es so Sendungen wie Aktenzeichen XY gibt, die auch relativ viel von älteren Leuten geschaut werden und die natürlich dann auch irgendwann da schon ganz Bescheid wissen, wie das alles läuft. Das Thema aufgegriffen haben, ja. Was ist denn so der krasseste, der fieseste Fall, der dir bisher so untergekommen ist in diesem Bereich? Also das, sag ich mal, Gemeinste, was ich mal so mitbekommen habe, ist, und da glaube ich, kann man sich wirklich kaum vorschützen, weil das dann nochmal fieser ist, wenn es so einen doppelten Betrug gibt. Also wenn man erst versucht, mit falschen Handwerkern oder falschen Telekom-Mitarbeitern da irgendwie vor der Tür aufzulaufen und dann wirkt das alles ein bisschen zu verdächtig und dann die alten Personen schicken die Leute dann weg und ein paar Stunden später oder am nächsten Tag kommt dann nochmal jemand, der sich dann als Polizist ausgibt und sagt, na, hier waren die Tage irgendwie Einbrecher unterwegs und die haben hier versucht, die Leute zu betrügen. Können wir uns mal bei ihnen in der Wohnung umschauen, alles nur zur Vorsichtsmaßnahme und dann wird da irgendwie, einer lenkt dann die Person ab und der andere klaut dann irgendwas. Also das ist dann schon wirklich richtig fies, vor allem, weil die älteren Leute ja gerade bei der Polizei auch so ein…. So einen extrem krassen Respekt haben. Und was ich auch noch weiß, ist, dass man sich jetzt, glaube ich, gerade Sorgen macht, was das Thema künstliche Intelligenz angeht, dass es da auch möglich ist, wenn man sich jetzt im Internet, sage ich mal, so ein bisschen recherchiert zu den Leuten und da irgendwie jemanden findet, der mit denen verwandt, dass schon mal irgendwo ein Video aufgenommen hat. Da dann irgendwie die Stimme runterlädt, das dann klont und dann wirklich auch genau mit der Stimme der Kinder anruft. Dann wird es natürlich auch verdammt schwierig, das irgendwie zu durchschauen. Ja, das wird fast unmöglich. Also da muss man vorher wirklich irgendwie ein Code-Wall ausmachen untereinander, um dem auf die Schliche zu kommen. Wo können sich Menschen denn hinwenden, wenn sie Angst haben, zum Opfer zu werden oder vielleicht sogar gewonnen sind? Du hast gerade gesagt, die Polizei bietet da Workshops und Infoveranstaltungen an. Gibt es noch irgendwo Hilfen? Genau, da gibt es ja extra die Kriminalprävention. Es gibt aber auch regelmäßig was von der Verbraucherzentrale, von Bürgervereinen, vom Weißen Ring, der ja Betroffene von Straftaten hilft. Vielleicht kann man mal so einen Tipp sagen. Die Leute, also die Täter kriegen ja oft die Informationen so aus dem Telefonbuch. Muss man ja sagen, in der heutigen Zeit auch so ein bisschen verrückt, dass da einfach so ein Datensatz online steht mit Telefonnummern und Adressen der Leute. Und vielleicht braucht es das ja gar nicht. Und man kann sich da relativ einfach auch wieder austragen lassen oder seinen Namen abkürzen. Und dann haben die zumindest keinen Zusammenhang zwischen Telefonnummer und Adresse. Das macht es dann vielleicht ein bisschen schwieriger. Kommen wir wieder zurück zu unserem Fall. Wie geht es aus? Du, wie lautete denn das Urteil im Fall von Ralf und Andreas? Ralf wurde durch das Landgericht wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrug in zwei Fällen und wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Und Andreas, der jüngere Bruder, wurde wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrug in zwei Fällen sowie wegen zweifacher Geldwäsche zu einer Gesamtfreistraft von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Bei ihm wurde aber auch nochmal die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wegen seiner Betäubungsmittelabhängigkeit angeordnet. Verstehe, das heißt, es stehen auch immer noch andere Umstände dahinter. Du hast gerade das Drogenproblem schon angesprochen, aber ich glaube, einer der beiden Brüder hatte auch schon ein relativ ausführliches Vorstrafenregister. Genau, das war der Reif. Also sie waren beide vorbestraft. Beide hatten ein Betäubungsmittelproblem. Bei Reif sah die Situation anders aus, denn da waren schon in der Vergangenheit sämtliche Therapien gescheitert, Weswegen dann jetzt in der Hauptverhandlung, nachdem er begutachtet wurde, festgestellt wurde, dass es keine günstigen Therapieaussichten gibt und dass man auch eine Therapiewilligkeit bei ihm nicht mehr feststellen kann. Wohingegen bei dem jüngeren Bruder die Therapiewilligkeit und die Erfolgsaussichten bejaht wurden. Das heißt, da hat man nochmal eine Chance gesehen, dass es vielleicht funktioniert und bei seinem älteren Bruder eher nicht mehr. Genau. Konnten denn, ich weiß nicht, ob du das weißt, ob das euch bekannt ist als Staatsanwaltschaft, aber konnten denn wenigstens noch ein paar der Gegenstände an die Opfer zurückgegeben werden? Gerade bei Schmuckstücken ist es ja auch oft gar nicht nur der materielle Wert, sondern oft auch ein emotionaler Wert. Leider nicht wirklich. Also wir haben ein paar Bankkarten sichergestellt und herausgegeben, aber die Schmuckstücke oder das Gold konnten wir nicht mehr sicherstellen oder überhaupt finden. Es konnte nur ein geringer Bargeldbetrag bei den beiden Angeklagten noch sichergestellt werden. Das bedeutet aber jetzt nicht, dass das für die Zukunft ausgeschlossen ist, also dass die Geschädigten nicht mehr an Geld kommen, denn das Landgericht hat sogenannte Einziehungsentscheidungen angeordnet. Das heißt, das Landgericht hat genauestens geprüft, was die jeweiligen Angeklagten pro Tat erlangt haben. Und diese erlangte Summe wurde dann der Einziehungsentscheidung zugrunde gelegt. Damit sichert sich dann der Staatenanspruch auf die Zahlung dieser Summe und würde dann in einem späteren Vollstreckungsverfahren diese Summen an die Geschädigten auskehren. Und hier gab es auch erhebliche Summen. Beim Ralf wurden knapp 15.000 Euro angeordnet und bei Andreas 74.000 Euro. Aber das betrifft ja dann quasi den Gegenwert der Gegenstände oder der Geldwerte, die eben gestohlen wurden. Die haben die beiden ja aber, also zumindest in der Theorie sollten die beiden ja nur diese 1000 Euro bekommen als Entlohnung quasi. Vieles von dem Geld ist ja eigentlich auch bei den Hintermännern gelandet. Da gibt es wahrscheinlich wenig Möglichkeit, da irgendwie dran zu kommen, oder? Genau, man muss aber für die Einziehungsentscheidung prüfen, ob zum Zeitpunkt der Tatbegehung etwas erlangt worden ist und da in den Fällen, wo die beiden Angeklagten als Abholer tätig waren, das Erlangte bejaht werden konnte, konnte man dann diese Summen entsprechend zugrunde legen, aber das sind bei weitem nicht die Summen, die bei ihnen hängen geblieben sind quasi. Ermittelt ihr denn noch gegen die Hintermänner? Gibt es da noch Chancen drauf, dass man da noch irgendwie beikommt? Im Grunde sind eigentlich in diesem Tatkomplex die Ermittlungen abgeschlossen, aber da teilweise Geldbeträge ins Ausland transferiert wurden, dauern in einem gesonderten Verfahren die Ermittlungen diesbezüglich an. Alex, wir haben gehört, in diesem Prozess ist ganz viel erst im Laufe des Prozesses rausgekommen, weil sich die beiden Angeklagten vorher kaum geäußert hatten. Warst du mal bei einem ähnlichen Prozess? Weil mich würde es mal interessieren, ob solche Täter Reue zeigen dann innerhalb eines Prozesses. Ja, ich glaube, es ist schwierig, weil, ich sag mal so, die wirklich richtigen Kriminellen sind ja eigentlich die Hintermänner und die Leute, die dann da vor Ort irgendwie was machen, weiß ich jetzt nicht genau, würde ich mal schätzen, sind ja eher so Kleinkriminelle, die ganz schnell irgendwie Geld brauchen, um irgendwie Schulden zu bezahlen oder sonst irgendwas. Wie würdest du das denn einschätzen, Duigo? Haben die irgendwie Reue gezeigt oder waren die abgeklärt? Also ich habe die beiden Angeklagten zum ersten Mal bei einem Haftprüfungstermin gesehen. Da hatte ich den Eindruck, das ist denen total egal, was da passiert. Die konnten auch nicht nachvollziehen, dass sie überhaupt in Haft sind. Den Eindruck hatte ich dann zu diesem sehr frühen Zeitpunkt der Haftprüfung. In der Hauptverhandlung später hatte man schon eher den Eindruck... Dass die beiden Reue zeigen, natürlich auch das Ganze drumherum. Es war angeklagt zum Landgericht, die beiden hatten mehrere Verteidiger, mit ihnen saßen ja noch mehrere Personen auf der Anklagebank, also ich glaube, das hat einen ganz anderen Eindruck hinterlassen und da haben die sich ja auch geständig eingelassen und man hatte schon den Eindruck, dass ihnen das zu dem Zeitpunkt zumindest leid tat. Ja, immerhin. Wenigstens vielleicht eine späte Erkenntnis. Alex, das Thema ist gefühlt zumindest nicht mehr ganz so präsent wie noch vor ein, zwei Jahren. Hängt vielleicht auch mit der Pandemie zusammen. Was meinst du? Muss das wieder mehr in die Öffentlichkeit? Also schaden wird es bestimmt nicht. Aber es hat sich, würde ich jetzt mal sagen, auch so ein bisschen gewandelt und sich da auf jeden Fall auch was getan, was die Wirkung der Prävention angeht. Vielleicht müsste man sich in Zukunft dann noch Gedanken machen über andere mögliche Betrugsmaschen. Und vielleicht ist es jetzt gerade noch ganz gut, dass viele ältere Leute noch gar nicht so viel mit dem Smartphone und mit verschiedenen Apps unterwegs sind und im Internet. Weil da kann ja wirklich noch viel, viel mehr passieren, dass man irgendwie gefälschte E-Mails kriegt, auf irgendwelche Links klickt, irgendwo sein Passwort rausgibt. Und das könnte dann, glaube ich, so die nächste größere Sache sein. Fishing-Betrug definitiv auch mal ein Thema, was wir uns hier mal angucken können zu gegebener Zeit. Ich danke euch beiden, Duygo und Alex, für die Einblicke in diesen Fall und auch ein großes Dankeschön an unsere Zuhörer für eure Aufmerksamkeit. Wenn ihr Gedanken habt zu den Fällen, Themen, die wir mal besprechen sollen, Lob, Kritik, was auch immer, Meldet euch gerne unter podcasts at rheinische-post.de oder schreibt es bei uns in die Kommentare. Mein Name ist Lili Stegner und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal auch dabei seid, wenn wir neue Fälle aufklären. Bis dahin. Tschüss. Hinreichend verdächtig.