Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 3: Die Unzeitgemässen 1
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- 0:00Etzehomo wie man wird, was man ist.
- 0:03Kapitel 3 warum ich so gute Bücher schreibe Unterkapitel die
- 0:08unzeitgemessen Abschnitt 1 in diesem Abschnitt spricht
- 0:15Friedrich Nietzsche über eine Gruppe von 4 frühen Schriften,
- 0:18die er unzeitgemäße Betrachtungen genannt hat.
- 0:22Der Begriff nun unzeitgemäß, bedeutet hier, dass sich diese
- 0:25Texte ganz bewusst gegen den damaligen Zeitgeist also gegen
- 0:29die vorherrschenden Meinungen, Moden und Trends seiner eigenen
- 0:32Zeit gerichtet haben. Nietzsche beginnt damit, dass
- 0:36diese 4 Schriften sehr kämpferisch sind, er möchte
- 0:39damit beweisen, dass er niemals ein weltfremder Träumer war,
- 0:43stattdessen macht es ihm Freude, metaphorisch gesprochen sein
- 0:47Schwert zu ziehen und in den geistigen Kampf zu ziehen.
- 0:50Er fügt hinzu, dass sein Handgelenk gefährlich frei sei,
- 0:53damit meint er im übertragenen Sinne, dass er in Debatten und
- 0:57Texten sehr geschickt. Blitzschnell und treffsicher
- 0:59formulieren und angreifen kann wie ein guter Fechter.
- 1:03Dann geht er ausführlich auf die erste dieser unzeitgemäßen
- 1:06Schriften aus dem Jahr 1873 ein. Diese war ein direkter Angriff
- 1:11auf die damalige deutsche Bildung.
- 1:14Nietzsche sagt, dass er schon damals voller Verachtung auf
- 1:16diese Art der Bildung herabgeblickt hat, für ihn hatte
- 1:20die deutsche Bildung keinen echten Sinn, keine tiefe
- 1:22Substanz und kein echtes Ziel. Sie war für ihn nichts weiter
- 1:27als das Gedankenlose Nachplappern der allgemeinen
- 1:29öffentlichen Meinung. Nietzsche erklärt hierzu einen
- 1:32bestimmten historischen Zusammenhang.
- 1:34Kurz zuvor hatte Deutschland den Krieg gegen Frankreich in den
- 1:37Jahren 1870 und 1871 gewonnen, viele Deutsche glaubten nun in
- 1:43ihrem Siegestaumel, dass dieser militärische Erfolg mit Waffen
- 1:47auch beweisen würde, dass die deutsche Kultur und Bildung der
- 1:50französischen überlegen sei. Nietzsche nennt diesen Glauben
- 1:54ein bösartiges Missverständnis. Ein militärischer Sieg bedeutet
- 1:58für ihn auf gar keinen Fall, dass man auch eine bessere oder
- 2:01höhere Kultur hat. Danach spricht er über die
- 2:04zweite unzeitgemäße Schrift aus dem Jahr 1874 hier bringt er
- 2:09schonungslos ans Licht, was an der modernen Art und Weise, wie
- 2:12Wissenschaft betrieben wird, gefährlich ist und wie es das
- 2:16lebendige Leben regelrecht annagt und vergiftet.
- 2:19Nietzsche sieht die moderne Wissenschaft als eine riesige,
- 2:21entmenschlichte Maschine. Er kritisiert die absolute
- 2:24Unpersönlichkeit der Arbeiter in der Wissenschaft, auch die
- 2:28moderne Arbeitsteilung lehnt er streng ab.
- 2:30Arbeitsteilung bedeutet, dass jeder Wissenschaftler nur noch
- 2:33ein winziges Spezialgebiet bearbeitet und den Blick für das
- 2:36große Ganze verliert. Laut Nietzsche macht dieser
- 2:39Mechanismus die Menschen krank und engstirnig, er warnt davor,
- 2:43dass dabei der eigentliche Zweck.
- 2:45Nämlich die Schaffung einer echten und hohen Kultur.
- 2:48Völlig verloren geht die moderne Wissenschaft sollte eigentlich
- 2:52nur ein Mittel sein, um Kultur zu erschaffen, aber dieses
- 2:55Mittel ist in seinen Augen grob und barbarisch geworden.
- 2:59In diesem Text erkennt Nietzsche auch zum allerersten Mal den
- 3:02sogenannten historischen Sinn als eine Krankheit und als ein
- 3:06Zeichen des kulturellen Verfalls.
- 3:09Der historische Sinn war im 19. Jahrhundert extrem beliebt und
- 3:12beschreibt die ständige, fast schon wissenschaftliche
- 3:15Besessenheit von der Vergangenheit und der
- 3:17Geschichte. Für Nietzsche lähmt diese
- 3:20Überbetonung der Vergangenheit die Menschen, sie hindert sie
- 3:23daran, im hier und jetzt lebendig, stark und schöpferisch
- 3:28zu sein, schließlich wendet sich Nietzsche der dritten und
- 3:31vierten Unzeitgemäßen Schrift zu.
- 3:34In diesen Texten möchte er aufzeigen, wie ein viel höherer
- 3:37und besserer Begriff von Kultur aussehen könnte, um diesen
- 3:41wahren Begriff der Kultur wiederherzustellen, zeichnet er
- 3:44das Bild von 2 ganz bestimmten Vorbildern.
- 3:47Diese Vorbilder stehen für die härteste Form der Selbstsuche
- 3:50und der strengen Selbstdisziplin, er nennt sie
- 3:53unzeitgemäße Typen in höchster Vollendung diese Typen zeichnen
- 3:58sich dadurch aus, dass sie voller Verachtung auf alles
- 4:00blicken, was in ihrer Zeit als großartig gefeiert wurde.
- 4:05Sie verachten das neu gegründete Deutsche Reich, die
- 4:07oberflächliche Bildung, das Christentum, den damals
- 4:11allmächtigen Reichskanzler Otto von Bismarck und den rein
- 4:14materiellen oder gesellschaftlichen Erfolg.
- 4:17Nietzsche nennt am Ende die Namen dieser beiden Vorbilder,
- 4:20es sind der Philosoph Arthur Schopenhauer und der Komponist
- 4:24Richard Wagner, aber im allerletzten Satz dieses
- 4:27Abschnitts macht Nietzsche eine sehr wichtige auflösende
- 4:30Bemerkung, er sagt Schopenhauer und Wagner.
- 4:34Oder mit einem einzigen Wort zusammengefasst.
- 4:36Nietzsche. Das bedeutet, dass er, als er
- 4:39über diese beiden berühmten Männer schrieb, in Wirklichkeit
- 4:42über sich selbst und über sein eigenes geistiges Ideal
- 4:45gesprochen hat. Er hat die Namen und Personen
- 4:48von Schopenhauer und Wagner, also wie Masken benutzt, um
- 4:51seine eigene innere Entwicklung und seine eigenen hohen Ziele zu
- 4:54beschreiben.