Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Siebentes Hauptstück - 420-426
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- 0:00Unterkapitel 420 Wer leidet mehr?
- 0:05Dieser Abschnitt behandelt einen Konflikt, einen Streit zwischen
- 0:09einem Mann und einer Frau. Nietzsche fragt, Wer leidet in
- 0:13einer solchen Situation? Mehr.
- 0:15Er unterscheidet 2 Arten des Leidens die Frau leidet am
- 0:19meisten unter der Vorstellung, dass sie dem anderen, also dem
- 0:21Mann, wehgetan hat, ihr Schmerz kommt aus dem Gefühl, verletzend
- 0:25gewesen zu sein. Der Mann hingegen leidet am
- 0:28meisten unter der Vorstellung, dass die Frau leidet.
- 0:32Ihn schmerzt es nicht so sehr, dass ihm wehgetan wurde, sondern
- 0:35er hält es kaum aus, sie unglücklich oder leidend zu
- 0:38sehen. Deshalb, so Nietzsche, bemüht
- 0:41sich der Mann oft sofort, sie zu trösten, durch Tränen,
- 0:44schluchzen oder einen verstörten Gesichtsausdruck, er tut dies
- 0:48paradoxerweise, um ihr Herz schwer zu machen, also um
- 0:52Mitleid zu erregen und so die Situation zu befrieden.
- 0:57Unterkapitel 421 Gelegenheit zu weiblicher Großmut Nietzsche
- 1:05stellt hier eine gewagte Überlegung über die Ehe an,
- 1:08indem er sich über die üblichen Sitten seiner Zeit hinwegsetzt.
- 1:12Er fragt, ob es für Männer nicht natürlicher und vernünftiger
- 1:14wäre, mehrmals hintereinander zu heiraten, auch verschiedene
- 1:18Lebensphasen mit verschiedenen Frauen zu teilen.
- 1:21Er schlägt vor, dass ein Mann zuerst etwa im Alter von 22
- 1:25Jahren. Ein älteres Mädchen heiraten
- 1:27sollte. Diese Frau wäre ihm geistig und
- 1:30moralisch überlegen, sie könnte seine Führerin sein und ihn
- 1:34durch die gefährlichen Jahre der Jugend leiten, eine Zeit voller
- 1:37Ehrgeiz, Hass, Selbstverachtung und wilder Leidenschaften.
- 1:42Die Liebe dieser ersten Frau würde sich später ganz in eine
- 1:45mütterliche Zuneigung verwandeln, und nun kommt die
- 1:48Gelegenheit zur Großmut, also zur Großzügigkeit.
- 1:52Diese erste Frau müsste es nicht nur ertragen, sondern sogar
- 1:55fördern. Dass der Mann, wenn er in die
- 1:5730er kommt, eine Verbindung mit einem ganz jungen Mädchen
- 2:00eingeht. Die erste Frau würde dann
- 2:02helfen, dieses junge Mädchen zu erziehen.
- 2:05Nietzsche hält die Ehe für die 20er Jahre eines Mannes für
- 2:08notwendig für die 30er Jahre für nützlich, aber für das spätere
- 2:12Leben oft für schädlich, weil sie die geistige Rückentwicklung
- 2:15des Mannes fördern kann. Unter Kapitel 422 Tragödie der
- 2:21Kindheit Nietzsche beschreibt hier ein trauriges Schicksal,
- 2:26das besonders edle und ehrgeizige Menschen treffen
- 2:28kann. Es kommt nicht selten vor, dass
- 2:31solche Menschen schon in ihrer Kindheit einen sehr harten Kampf
- 2:34führen müssen. Dieser Kampf findet statt, wenn
- 2:37ein Kind eine höhere Gesinnung hat als seine Eltern, das Kind
- 2:40muss dann seine eigenen edleren Ansichten gegen einen Vater
- 2:44durchsetzen, der vielleicht niedrig denkt, zum Schein neigt
- 2:48oder lügt. Oder das Kind lebt in einem
- 2:50ständigen Konflikt mit einer kindischen oder zornigen Mutter.
- 2:55Nietzsche nennt hier den berühmten Dichter Lord Byron als
- 2:57Beispiel für jemanden, der so etwas erlebt hat.
- 3:01Wenn jemand eine solche Kindheit erlebt hat, so Nietzsche, wird
- 3:04er es sein Leben lang nicht verwinden, also nicht verkraften
- 3:08können, der Schmerz liegt in dem Wissen, dass der größte und
- 3:12gefährlichste Feind, den man je hatte, ausgerechnet in der
- 3:15eigenen Familie war. Jemand, der einem eigentlich am
- 3:19nächsten stehen sollte. Unterkapitel 423 Eltern, Torheit
- 3:27in diesem Abschnitt geht es um die Torheit, also die Dummheit
- 3:31oder Fehleinschätzung von Eltern.
- 3:34Nietzsche stellt fest, dass die Eltern oft diejenigen sind, die
- 3:37ihren eigenen Kindern die falscheste Beurteilung
- 3:39entgegenbringen. Es ist eine Tatsache, dass
- 3:42Eltern sich oft am meisten irren, wenn es um ihre Kinder
- 3:44geht. Nietzsche versucht dies zu
- 3:47erklären. Er fragt, liegt es vielleicht
- 3:50daran, dass Eltern zu viele einzelne Erfahrungen mit dem
- 3:53Kind haben und diese nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen
- 3:56können? Er vergleicht das mit Reisenden
- 3:59in fremden Ländern, wenn man nur kurz dort ist, erkennt man die
- 4:03allgemeinen typischen Eigenschaften eines Volkes gut,
- 4:06je länger man aber dort lebt und das Volk kennenlernt, desto mehr
- 4:10verliert man den Blick für das typische und sieht nur noch
- 4:13Details. Man wird Nahsichtig und hört
- 4:16auf, Fernsichtig zu sein. Vielleicht urteilen Eltern
- 4:19deshalb falsch über ihr Kind, weil sie ihm nie fern genug
- 4:22stehen, um es objektiv zu sehen. Eine andere Erklärung wäre die
- 4:26Gewohnheit, Menschen denken über Dinge, die sie täglich umgeben,
- 4:30oft nicht mehr tief nach, die gewohnheitsmäßige
- 4:34Gedankenlosigkeit der Eltern könnte also der Grund sein,
- 4:36warum ihre Urteile über die Kinder oft schief und falsch
- 4:39sind unter Kapitel. 424 aus der Zukunft der ehe Nietzsche wendet
- 4:49sich hier an die Frauen, die für die Rechte und die Bildung des
- 4:52weiblichen Geschlechts kämpfen. Die freigesinnten Frauen ergibt
- 4:56ihnen einen Rat für die Zukunft der ehe, er stellt sich eine
- 5:00ideale Ehe der Zukunft als eine Seelenfreundschaft vor, in
- 5:04dieser Ehe leben 2 Menschen verschiedenen Geschlechts
- 5:06zusammen, um gemeinsam eine neue Generation zu Zeugen und zu
- 5:10erziehen. Nietzsche glaubt jedoch, dass in
- 5:13einer solchen Hochgeistigen Ehe das sexuelle, also das
- 5:16Sinnliche, nur noch ein seltenes Mittel für einen höheren Zweck
- 5:20sein wird. Wenn das so ist, befürchtet er,
- 5:23dass der Mann eine zusätzliche Befriedigung seiner natürlichen
- 5:26Bedürfnisse braucht, er spricht hier vom Konkubinat, das
- 5:30bedeutet ein eheähnliches Verhältnis oder eine sexuelle
- 5:33Beziehung außerhalb der Hauptehe Nietzsche argumentiert so.
- 5:38Wenn ein Mann seine Ehefrau nur danach auswählt, dass sie seine
- 5:41sexuellen Bedürfnisse befriedigt, dann wählt er sie
- 5:44wahrscheinlich nach falschen Kriterien aus, die der Erziehung
- 5:47der Kinder und der geistigen Partnerschaft schaden.
- 5:50Eine gute Gattin, die Freundin, Helferin, Mutter und Verwalterin
- 5:55sein soll, kann nicht gleichzeitig nur die Geliebte
- 5:57für das sexuelle Vergnügen sein, das wäre zu viel verlangt.
- 6:02Nietzsche zieht einen Vergleich zum antiken Griechenland zurzeit
- 6:05des Perikles. Dort hatten die Männer ihre
- 6:08Ehefrauen für Haus und Familie, suchten aber für geistreiche
- 6:11Unterhaltung und Reize die Gesellschaft anderer Frauen wie
- 6:14der Aspasia. In der Zukunft könnte es
- 6:17umgekehrt sein, die Ehefrau ist die geistige Freundin und das
- 6:21Sinnliche findet woanders statt, Unterkapitel, 425, Sturm und
- 6:29Drangperiode der Frauen. In diesem Abschnitt beschäftigt
- 6:33sich Nietzsche mit der Frage, was passieren würde, wenn Frauen
- 6:36in den hochentwickelten Ländern Europas über mehrere
- 6:39Jahrhunderte hinweg die gleiche Erziehung und Bildung erhielten
- 6:42wie Männer. Er sagt, dass man durch
- 6:44Erziehung fast alles aus dem Menschen machen kann, wenn
- 6:48Frauen also lange Zeit genau wie Männer erzogen würden, dann
- 6:51würden sie irgendwann auch alle typisch männlichen Stärken und
- 6:54Tugenden annehmen. Allerdings gibt Nietzsche zu
- 6:57bedenken, dass sie damit auch alle männlichen Schwächen und
- 7:00Laster übernehmen müssten. Das bedeutet, man kann diese
- 7:03Veränderung zwar erzwingen, aber der Weg dahin wäre schwierig.
- 7:08Nietzsche nennt diese Übergangszeit eine Sturm und
- 7:10Drangperiode. Das ist ein Begriff, der
- 7:13eigentlich eine wilde, gefühlsbetonte Zeit in der
- 7:16deutschen Literatur bezeichnet, hier aber für eine Phase des
- 7:19Chaos und der Unordnung steht. Nietzsche fragt sich besorgt,
- 7:23wie wir diese Übergangszeit aushalten sollen.
- 7:26Er glaubt, dass dieser Zustand vielleicht Jahrhunderte dauern
- 7:29könnte. In dieser Zeit würden die Frauen
- 7:31ihre alten Eigenschaften verlieren.
- 7:34Er spricht von weiblichen Narrheiten und
- 7:36Ungerechtigkeiten, die er als ihr uraltes Angebinde
- 7:39bezeichnet, also als das Erbe, das Frauen seit Urzeiten mit
- 7:43sich tragen. In dieser Übergangsphase hätten
- 7:46die Frauen diese alten Eigenschaften noch nicht
- 7:48abgelegt, aber das Neue, das sie durch Bildung gelernt haben,
- 7:51würde auch noch nicht richtig funktionieren, die alten
- 7:54Eigenschaften wären also noch stärker als das neue.
- 7:57Das eigentliche Problem sieht Nietzsche darin, dass die Männer
- 8:00in dieser Zeit sehr wütend werden könnten.
- 8:04Er spricht davon, dass der Zorn das eigentliche männliche Gefühl
- 8:07in dieser Zeit sein wird, die Männer würden sich darüber
- 8:10aufregen, dass durch die Beteiligung der Frauen alle
- 8:13Bereiche der Kultur wie Kunst und Wissenschaft verwässert
- 8:16werden. Nietzsche nennt das
- 8:18Dilettantismus, ein Dilettant ist jemand, der eine Sache nur
- 8:22als Hobby betreibt und kein echter Fachmann ist Nietzsche
- 8:26befürchtet eine Überschwemmung und Verschlammung der Kultur
- 8:30durch Unfachmännisches tun. Er warnt davor, dass die
- 8:33Philosophie durch dummes Gerede kaputt gemacht würde und die
- 8:36Politik noch parteiischer und fantastischer würde, als sie
- 8:39ohnehin schon ist. Auch die Gesellschaft würde sich
- 8:42auflösen der Grund dafür ist, dass die Frauen bisher die
- 8:45Bewahrerinnen der alten Sitte waren, sie haben Traditionen
- 8:49aufrechterhalten, wenn sie nun aber versuchen, in allem anders
- 8:52zu sein und die Sitten aufgeben, machen sie sich lächerlich.
- 8:56Nietzsche schließt mit dem Gedanken, dass Frauen ihre
- 8:58größte Macht immer durch die Sitte, also durch Tradition und
- 9:02Gewohnheit hatten. Wenn Sie das aufgeben, müssten
- 9:06sie erst etwas Neues finden, um ihre Macht zurückzugewinnen.
- 9:11Unter Kapitel 426 Freigeist und Ehe in diesem kurzen Abschnitt
- 9:18stellt Nietzsche die Frage, ob sogenannte Freigeister überhaupt
- 9:22mit Frauen zusammenleben oder heiraten werden.
- 9:25Ein Freigeist ist für Nietzsche ein Mensch, der sich von
- 9:27traditionellen Denkweisen gelöst hat und selbstständig nach
- 9:30Wahrheit sucht, auch wenn diese unbequem ist.
- 9:34Nietzsche glaubt im Allgemeinen nicht daran, dass Freigeister
- 9:37für die Ehe gemacht sind. Er vergleicht sie mit den
- 9:40wahrsagenden Vögeln des Altertums.
- 9:43Im antiken Griechenland beobachtete man den Flug von
- 9:46Vögeln, um die Zukunft zu deuten Nietzsche meint damit, dass
- 9:50Freigeister die Wahrheiten der Gegenwart aussprechen und Dinge
- 9:53klar sehen. Sein Fazit ist, dass diese
- 9:56Menschen es vorziehen müssen, allein zu fliegen.
- 9:59Das bedeutet, sie bleiben lieber unabhängig und ungebunden,
- 10:02anstatt sich in einer Ehe festzulegen.