Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 4 - Von den Verächtern des Leibes
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- 0:00Unter Kapitel 4 von den Verächtern des Leibes in diesem
- 0:05Abschnitt seiner Rede wendet sich Zarathustra an eine ganz
- 0:08bestimmte Gruppe von Menschen. Er nennt sie, die dort Verächter
- 0:12des Leibes, das sind Menschen, die den menschlichen Körper
- 0:15schlecht reden oder ihn für minderwertig halten.
- 0:19Sie glauben oft, dass der Geist oder die Seele wichtiger und
- 0:22reiner sei als der physische Körper.
- 0:25Zarathustra möchte diese Leute nicht bekehren oder ihnen etwas
- 0:28Neues beibringen. Er sagt ihnen stattdessen sehr
- 0:31direkt, sie sollen ihrem eigenen Weg folgen, der logischerweise
- 0:34darin besteht, dem Körper Lebewohl zu sagen und somit zu
- 0:38verstummen. Zarathustra beginnt mit einem
- 0:41Vergleich zwischen einem Kind und einem erwachten Menschen,
- 0:44ein Kind sagt ganz unbefangen, Ich bin Leib und Seele, das Kind
- 0:49glaubt also, dass der Mensch aus 2 getrennten Dingen besteht,
- 0:53Zarathustra fragt, warum man nicht wie die Kinder sprechen
- 0:55sollte, doch der erwachte. Also derjenige, der wirklich
- 0:59Bescheid weiß und zur Erkenntnis gelangt ist, sieht das anders.
- 1:03Er sagt, ich bin ganz und gar Leib und nichts außerdem, für
- 1:08ihn ist die Seele kein eigenständiges Wesen, das im
- 1:11Körper wohnt, die Seele ist nur ein Wort für etwas, das zum
- 1:14Körper dazugehört. Hier erklärt Nietzsche eine
- 1:18seiner wichtigsten Ideen, er dreht die übliche Rangordnung
- 1:21um, normalerweise denken wir, unser Verstand, also unsere
- 1:25Vernunft, sei das wichtigste. Zarathustra sagt jedoch, der
- 1:30Leib ist die große Vernunft. Der Körper ist ein gewaltiges,
- 1:33kluges System, das viele verschiedene Dinge gleichzeitig
- 1:36tut und dennoch einen einzigen Sinn verfolgt.
- 1:40Unser bewusster Verstand, den wir ihr Geist nennen, ist
- 1:42dagegen nur eine kleine Vernunft, dieser Geist ist
- 1:45lediglich ein Werkzeug des Körpers, so wie ein Spielzeug in
- 1:48der Hand eines größeren, die Menschen sagen oft stolz ich und
- 1:53meinen damit ihr Bewusstsein. Zarathustra erklärt aber, dass
- 1:57hinter diesem ich etwas viel Mächtigeres steht, auch wenn die
- 2:01Menschen das nicht glauben wollen.
- 2:03Dieses Mächtigere ist das gar selbst.
- 2:06Das selbst wohnt im Körper ja mehr noch, es ist der Körper
- 2:10dieses selbst ist der eigentliche Herrscher, die Augen
- 2:13und Ohren sind nur Werkzeuge des selbst, das selbst hört und
- 2:17sieht durch sie, das selbst ist immer aktiv, es horcht, sucht,
- 2:23vergleicht, zwingt. Erobert und zerstört es
- 2:27kontrolliert das kleine Ich, also unser bewusstes Denken.
- 2:32Zarathustra beschreibt dieses Verhältnis, wie das zwischen
- 2:35einem Befehlshaber und einem Ausführer, das selbst ist der
- 2:38unbekannte Weise der Befehle gibt, es benutzt den Geist als
- 2:42Gängelband, also als eine Leine, um sich durch die Welt zu
- 2:46bewegen, ergibt dafür anschauliche Beispiele, wenn der
- 2:49Mensch Schmerz empfindet, ist es eigentlich das selbst, das zum
- 2:53Ich spricht. Es sagt, hier fühle ich Schmerz.
- 2:58Das selbst bringt das ich dazu, darüber nachzudenken, wie man
- 3:02diesen Schmerz beenden kann. Genau dafür soll das ich denken,
- 3:07genauso ist es bei der Freude, wenn das selbst Lust empfindet,
- 3:11sagt es zum ich, hier fühle ich Lust das ich soll nun darüber
- 3:15nachdenken, wie man diesen Zustand öfter erreichen kann.
- 3:19Zarathustra wendet sich nun wieder direkt an die Verächter
- 3:22des Leibes und erklärt ihnen. Warum sie so fühlen, wie Sie
- 3:25fühlen. Er sagt, dass selbst ihre
- 3:28Verachtung des Körpers eigentlich aus dem Körper selbst
- 3:31kommt, es ist das Schaffende selbst, das diese Ablehnung
- 3:35produziert, aber warum tut der Körper das?
- 3:38Zarathustra erklärt, dass das selbst immer schaffen will, es
- 3:42will über sich hinauswachsen, das ist sein tiefster Wunsch und
- 3:46seine ganze Leidenschaft. Nietzsche meint damit den Drang
- 3:50des Lebens, sich weiterzuentwickeln und Stärkeres
- 3:52zu erschaffen. Im Sinne der Entwicklung hin zum
- 3:54Übermenschen bei jenen, die den Körper ablehnen, ist dieser
- 3:58schöpferische Drang jedoch zum Erliegen gekommen.
- 4:01Ihr Inneres bringt die nötige Energie nicht mehr auf der
- 4:04Zeitpunkt, um sich selbst zu übertreffen, ist verpasst.
- 4:08Darum strebt ihr Wesen nun danach, zu schwinden, aus diesem
- 4:12Unvermögen heraus wandelt sich ihre Haltung in Ablehnung, da
- 4:16ihnen das eigene erschaffen und wachsen versagt bleibt, blicken
- 4:19sie voller Missgunst auf das blühende Leben und die Erde.
- 4:23Dieser tiefe Groll manifestiert sich in ihrer verbitterten
- 4:26Sichtweise auf alles Vitale. Zarathustra blickt hinter ihre
- 4:30Fassade, er erkennt, dass ihr innerstes Wesen nach dem Ende
- 4:33verlangt und sich deshalb von der reinen Lebenskraft abkehrt,
- 4:37ihnen fehlt inzwischen die Kraft, über den eigenen Zustand
- 4:40hinaus zu wachsen. Am Ende stellt Zarathustra klar,
- 4:44dass er nichts mit diesen Menschen zu tun haben will, er
- 4:47sagt, Ich gehe nicht euren Weg, ihr Verächter des Leibes.
- 4:52Für ihn sind diese Menschen keine Brücke zum Übermenschen.
- 4:55Sie führen nicht in die Zukunft, sondern in eine Sackgasse.