Latest / Gin And Talk / Aurelia Hölzer über Eis, Abgeschiedenheit und die Antarktis
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- 0:00Speaker 1: Der Moment, wo ich dachte, oh Gott!
- 0:01Speaker 1: Ich kann hier nicht weg.
- 0:02Speaker 1: Den hatte ich eigentlich die ganze Überwinterung nicht.
- 0:05Speaker 1: Also die ganzen acht Monate, die wir allein waren, hatte ich den nicht.
- 0:08Speaker 1: einen Tag tatsächlich.
- 0:10Speaker 1: Man ist einfach von der Realität aus Eis, Wind und Licht umgeben, von der unglaublichen Reinheit, von einer Weite, die einen raus sucht, dass man wirklich ganz real das Gefühl hat Wir wohnen im Universum Das Weltall ist unsere Nachbarschaft.
- 0:26Speaker 1: Wir sind in den Sternen und kleben hier auf so einer kleinen Kugel als Ameisen, die in der Zeitachse der Welten Wimpern schlag sind.
- 0:35Speaker 1: Also die eigene Wichtigkeit wird ganz, ganz klein.
- 0:37Speaker 0: Herzlich willkommen!
- 0:39Speaker 0: Mein Name ist Daniel Fürk und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Episode Genertalk begrüßen zu dürfen.
- 0:46Speaker 0: Mein heutiger Gast ist Aurélia Hölzer.
- 0:49Speaker 0: Die Gefäßschirurgin ist eigentlich Oberärztin an einem Universitätsklinikum.
- 0:54Speaker 0: Seit ihrer Jugend hat sie aber eine stark ausgeprägte Faszination für Polargebiete.
- 0:59Speaker 0: Nach einem Sebertical in Alaska und Nord-Norwegen überwintert sie, sie Jahrzehntzweiundzwanzig in der Antarktis.
- 1:07Speaker 0: Als Stationsleitung der Neumeier Station Drei des Alfred-Wegener Instituts für Polare und Meeresforschung war sie zudem auch die einzige Ärztin des neuen köpfigen Überwinterungsteams.
- 1:18Speaker 0: Vierundfünfzig Wochen verbrachte sie insgesamt in der Eisigen Kälte, sieben Monate davon abgeschnitten von der Außenwelt.
- 1:25Speaker 0: Ohne jede Möglichkeit zurückzukehren – nicht einmal im Notfall!
- 1:29Speaker 0: Ihre Erfahrungen in dieser Welt aus Eis und Licht hat sie nun in ihrem Buch Polarschimmer aufgeschrieben.
- 1:35Speaker 0: Ich wollte von ihr wissen wie man sich auch einen solchen Aufenthalt vorbereitet was passiert wenn wirklich etwas schief geht?
- 1:41Speaker 0: Und ob die Faszination für die eisige Natur und ihre Besonderheiten je nachlässt.
- 1:47Speaker 0: Wenn dir diese Episode von Gin & Talk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcast hörst.
- 1:54Speaker 0: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören – schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 2:16Speaker 0: Mach es dir gemütlich,
- 2:18Speaker 1: lehne dich zurück und tauche
- 2:20Speaker 0: ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:33Speaker 0: Lieber Aurelia!
- 2:33Speaker 0: Ich freue mich sehr dass wir uns heute hier zumindest virtuell treffen können um über deine Erlebnisse sprechen zu können was du da so alles mitgemacht hast und gesehen hast.
- 2:47Speaker 0: Da kommen wir aber gleich dazu.
- 2:48Speaker 0: erstmal herzlich willkommen.
- 2:49Speaker 1: Danke für die Einladung.
- 2:50Speaker 1: ich freue mich
- 2:51Speaker 0: Du hast in der Antarctis überwintert.
- 2:56Speaker 0: Das klingt jetzt erstmal sehr abstrakt für jeden, der noch nie da war was auf die allermeisten Menschen natürlich zutrifft.
- 3:03Speaker 0: eigentlich bist du Gefäßchirurgin?
- 3:06Speaker 0: Wie kam's denn überhaupt dazu?
- 3:07Speaker 0: fangen wir mal ganz von vorne an.
- 3:10Speaker 1: das ist eine lange Geschichte die ich kurz gefasst eigentlich so in drei Etappen zusammenfassen könnte.
- 3:17Speaker 1: Das erste war ein Buch, was ich als Kind gelesen habe über eine Überwinterung auf Spitzbergen und es hat für mich diese Begeisterung für die Polaregionen losgetreten, die einfach ewig nicht dran kamen.
- 3:29Speaker 1: Und dann, als ich Oberärztin an der Uniklinik war und einen Sabbatjahr gemacht hab da ist mein ganzes Leben auseinander geflogen alle Pläne.
- 3:36Speaker 1: und dann habe ich mich auf den alten Traum besonnen und bin nach Alaska gegangen, nach Nordnorwegen.
- 3:42Speaker 1: Das war der dritte Punkt und der zweite.
- 3:44Speaker 1: Und der Dritte war eine Schnapsidee im Internet zu googeln, ob es nicht irgendwelche Arztstellen auf Spitzbergen gibt?
- 3:50Speaker 1: Und da sprangen mir die Stellenanzeige für die Forschungsstation in der Antarktis also Süden entgegen und so kamen der Traum durch ne ganz andere
- 4:02Speaker 1: Tür.".
- 4:02Speaker 0: Und dann bist du nach diesem Serbertikelnach der Zeit in Alaska und Nordnorwegen bist du dann in der Antarktis.
- 4:12Speaker 0: Du warst Stationsleitung der Neumeier Station Drei des Alfred-Wegener Instituts für Polar und Meeresforschung.
- 4:20Speaker 0: Was passiert denn auf dieser Station eigentlich?
- 4:22Speaker 0: Für diejenigen, die noch nie davon gehört haben also was genau ist Sinn und Zweck dieser Station?
- 4:30Speaker 1: Also im Grunde wird das System Erde erforscht Von Instituten mit dem Alfred Wegener Institute also die Zusammenhänge von Ozean, Atmosphäre, Eis und Klima.
- 4:42Speaker 1: Und da die Polaregionen so ein bisschen die Küche für unser Klima sind oder eine ganz wichtige Rolle spielen muss man auch an den Orten an denen keiner wohnt und kaum einer wohnen will eben Daten erheben.
- 4:55Speaker 1: Dafür ist die Station da.
- 4:56Speaker 1: die trägt einen wichtigen Mosaikstein für den Verständnis vom Großen Ganz bei und ganz konkret sind das wissenschaftliche Observatorien zu Wetter, zur Luftchemie zum Klima wirksame Gase und Erosole gemessen werden.
- 5:10Speaker 1: Und zur Geophysik also Erdbeben und Erdmagnetfeld und viele Nebenprojekte.
- 5:15Speaker 1: Das läuft den Jahr durch und im Sommer ist natürlich die Antarkt des Zugänglich.
- 5:20Speaker 1: dann sind viel mehr Wissenschaftler, viel mehr Techniker da und dann laufen noch ganz viele andere Projekte.
- 5:25Speaker 0: Jetzt hast du dich ja mit dem Thema Medizin dort auch beschäftigt, hast auch dich mit der Frage beschäftigt.
- 5:33Speaker 0: Die dann so ein bisschen in Richtung fast schon Weltraummedizin ging?
- 5:37Speaker 0: Wieso testet man sowas genau da?
- 5:40Speaker 0: wegen der Abgeschiedenheit weil keine Versorgung von außen möglich ist.
- 5:45Speaker 0: oder warum macht man das ausgerechnet dort?
- 5:48Speaker 1: also die Überwinternden können viele Monate nicht weg auch nicht im Notfall und leben in einer kleinen Gruppe, in einer sehr lebensfeindlichen Umgebung.
- 5:59Speaker 1: Und das macht es so ähnlich eine Raummission wie's auf der Erde halt nun mal sein kann.
- 6:05Speaker 1: Also alles Szenarien gibt ja immer wieder Testcamps
- 6:08Speaker 1: usw.,
- 6:08Speaker 1: die sind nie absolut.
- 6:09Speaker 1: Das heißt wenn in diesen Testcams für irgendwelche Weltraummission jemand durchdreht oder jemanden Herzinfarkt bekommt wird er rausgenommen.
- 6:17Speaker 1: bei uns nicht weils halt nicht geht Und die Dunkelheit kommt noch dazu.
- 6:22Speaker 1: Die macht auch viel mit dem Gehirn und deswegen erforschen die NASA, die Charité Berlin und die Uni München Veränderungen, die dort passieren.
- 6:31Speaker 1: Veränderung am Gehirnen und Veränderungs- am Immunsystem vor allem.
- 6:38Speaker 1: Und diese Studien weiterzuführen war eine meiner Aufgaben.
- 6:43Speaker 0: Man kommt da mehrere Monate nicht weg, hast du schon gesagt.
- 6:49Speaker 0: Egal was ist also man kann da einfach nicht weg.
- 6:53Speaker 0: wie bereitet man sich denn darauf eigentlich vor?
- 6:55Speaker 0: Weil gut jetzt könnte man sagen vielleicht passiert in dem halben Jahr nicht viel aber andererseits gibt es ja auch unvorhergesehene Dinge und vielleicht hat der ein oder andere davor ja dann direkt mal Panik.
- 7:09Speaker 0: was wäre wenn?
- 7:10Speaker 0: die Frage stellt man sicher dann immer ganz gerne Kann man sich da überhaupt vernünftig darauf vorbereiten auf die Situation zu sagen, ich bin jetzt für mehrere Monate mitten im Nirgendwo.
- 7:22Speaker 0: Im wahrsten Sinne des Wortes auch die Zahl der Aktivitäten, die ich dort machen kann an Freizeit oder ähnliches sind ja sehr beschränkt.
- 7:33Speaker 0: wie bereitet man sich?
- 7:34Speaker 1: Nein wenn ich das sage
- 7:36Speaker 0: okay
- 7:37Speaker 1: aber dann können wir später noch...
- 7:39Speaker 0: Aber wie bereidet man sich darauf vor?
- 7:41Speaker 1: Ich glaube, man muss damit okay sein ins Unbekannte zu gehen.
- 7:48Speaker 1: Sich darauf einzulassen, dass man nicht weiß was passieren wird.
- 7:51Speaker 1: Damit muss man irgendwie okay sein und jeder macht es irgendwie denke ich im Vorfeld anders mit sich aus.
- 7:59Speaker 1: bei mir war die Hauptürde tatsächlich die Vorstellung das eine meiner Mitüberwinterenden, die ich ja dann noch gar nicht kannte zur Bewerbungszeit dass einem von denen was passieren könnte, was ich als Ärztin und Chirurge nicht retten kann.
- 8:14Speaker 1: Und das sich mich davon oder dass ich daran mein Leben lang im Grunde unter dieser Böde dann gehe... Das ist eine furchtbare Vorstellung!
- 8:25Speaker 1: Und letzten Endes habe ich mich auch darauf eingelassen, dass ich dieses Restrisiko nicht ausschließen kann.
- 8:33Speaker 1: Es ist ganz etwas anderes wenn man seine besten Freunde operiert als wenn man fremde Menschen operiert.
- 8:39Speaker 1: Das war für mich in der Vorbereitung wichtig und alles, was mein Risiko angeht damit war ich
- 8:44Speaker 0: fein.
- 8:45Speaker 0: Du hast auch mal erzählt dass es immer neue Leute sind die dort überwintern damit man eben nicht diese Gruppendynamik hat das der eine schon alles weiß und die andere vielleicht noch gar nichts weiß und dann einer den Ton angibt.
- 8:58Speaker 0: sozusagen Ich als Laie würde sagen, ist es nicht viel einfacher wenn man einfach nur Leute dahin schickt oder Großteils Leute dahinschickt zur Überwinterung die schon öfter da waren und sich auskennen.
- 9:11Speaker 0: Oder ist das wirklich so ein Vorteil wenn alle in dieses Unbekannte hinein starten?
- 9:15Speaker 1: Also ich kann nur aus unserer Erfahrung sprechen.
- 9:18Speaker 1: Ich bin ja nicht von Seiten des Instituts diejenige die das konzipiert aber es lebt unglaublich vom Zauber der Gemeinsamkeit, vom gemeinsamen Entdecken, vom Staunen.
- 9:32Speaker 1: Vom sich gemeinsam zurechtfinden in dieser anfangs ja völlig fremden Welt.
- 9:36Speaker 1: wir waren alle noch nie dort Wir haben alle noch nicht überwintert und es lebt auch davon tatsächlich dass man weiß das hier ist einzigartig.
- 9:45Speaker 1: Dieser tag kommt nie wieder.
- 9:47Speaker 1: also wir haben glaube ich wirklich das ganze Jahr genossen und das als ein unglaubliches Privileg empfunden überhaupt dort sein zu dürfen.
- 9:55Speaker 1: Deswegen glaube ich, die Einmaligkeit ist sinnvoll.
- 10:02Speaker 0: Wann war denn eigentlich der erste Moment wo du realisiert hast?
- 10:06Speaker 0: Ich bin jetzt hier wirklich weit weg von allem und ich komme hier wirklich nicht weg und dann vielleicht entweder gesagt hast auch doch es eigentlich auch mal schön so oder vielleicht sogar ein bisschen ins Grübeln gekommen bist und gesagt hast oh das ist wirklich noch lange die Zeit die ich hier bin.
- 10:25Speaker 1: Am ersten der Moment, wenn das letzte Flugzeug die Sommerbewohner abholt und dann sind wir alle mit zur Landebahn gekommen.
- 10:37Speaker 1: Und wir hatten irgendwie Transparenz mit guter Heimkehr und haben gewunken und sind noch neben dem Flugzeug hergerannt und dann hebt es ab und verschwindet als kleiner Punkt im Himmel.
- 10:48Speaker 1: Dann bleibt man als kleine Gruppe übrig.
- 10:52Speaker 1: Ja, ein sehr stiller Moment.
- 10:55Speaker 1: Aber auch einen Moment den wir sehr gefeiert haben weil wir haben uns genau darauf beworben und genau darauf hatten wir Bock.
- 11:01Speaker 1: also der moment wo ich dachte oh Gott Ich kann hier nicht weg den hatte ich eigentlich die ganze überwinterung nicht.
- 11:08Speaker 1: Also die ganzen acht Monate die wir allein waren hatte ich den nicht.
- 11:11Speaker 1: einen tag tatsächlich.
- 11:12Speaker 0: Wie sieht denn da so'n alltag aus?
- 11:14Speaker 0: gibt's überhaupt Alltag?
- 11:16Speaker 0: Also hat man sowas wie Routinen wenn man dort ist oder ist eigentlich jeder Tag so ein bisschen anders.
- 11:21Speaker 1: Es gibt recht viel Routine, es gibt ja gesetzte Aufgaben.
- 11:24Speaker 1: Wir haben einfach einen Haufen Arbeit und jede Position ist ja nur einfach besetzt außer die Geophysik.
- 11:30Speaker 1: also da sind ja Ingenieure, Wissenschaftler an Koch und Chirurg Und jeder hat so ein bisschen seinen eigenen Takt der sich aus dem entsprechenden Beruf herleitet.
- 11:42Speaker 1: in meinem Fall war der Alltag im Grunde Morgens erst mal gucken, was macht das Wetter?
- 11:48Speaker 1: Gibt es neue Satellitenbilder übers Eis.
- 11:51Speaker 1: Gibt's Neuespalten kommt ein Eisberg vorbeigefahren die friert die Buch zu und dann E-Mails checken.
- 11:57Speaker 1: manchmal kam auch Anfragen von außen und dann gibt es immer wiederkehrende Aufgaben Sicherheitsequipment durchchecken, Brandschutz durchchecken.
- 12:06Speaker 1: Mich ums Hospital kümmern.
- 12:08Speaker 1: Den anderen helfen Öffentlichkeitsarbeit machen Wasserhygiene testen.
- 12:13Speaker 1: also da gibt es so Sachen die kommen in regelmäßigen Abständen und die müssen einfach abgearbeitet werden Die Fahrtrassen kontrollieren und neu ausflaggen dass wir auch bei schlechten Wetter sehen wo unsere sozusagen Wege sind die ja auch einfach nur Eis und Schnee sind.
- 12:27Speaker 1: aber sie ruten eben solche Sachen und dann kommt eben auch unvorhergesehenes.
- 12:32Speaker 1: Irgendjemand braucht Hilfe oder irgendjemand brauche halt doch mal ein Arzt, das ist jetzt ja kein... Tagesfüllendes Geschäft bei neuen Leuten die alle gesund sind?
- 12:41Speaker 0: Sobald man vor die Tür geht es ist hier nicht unbedingt die menschenfreundlichste Umgebung Es ist unglaublich kalt es ist wahnsinnig windig ist es die meiste Zeit im Winter dunkel.
- 12:55Speaker 0: gab's denn da auch Situationen wo deine Medizinische Expertise wirklich zum Einsatz kamen, also unabhängig von jetzt mal kleinen Checkups und vielleicht eine Erkältung die mal jemand hat und irgendwo Unterstützung gebraucht hat.
- 13:10Speaker 0: Sondern wo es dann mal wirklich auch ernster wurde?
- 13:13Speaker 1: Also wir haben keine dramatischen Unfälle gehabt aber kleinere Sachen sind ja immer mal.
- 13:21Speaker 1: Aber das einzige war tatsächlich ein Flugzeugingenieur der Bei uns hängen blieb vom letzten Flugzeug, das bei uns tanken wollte um den Kontinent zu verlassen.
- 13:30Speaker 1: Der sehr krank war.
- 13:31Speaker 1: der hatte eine Erkrankung die tödlich sein kann und die auf Herz und Nieren schlägt Und die war sehr verschleppt.
- 13:38Speaker 1: und bei dem um den habe ich mir wirklich Sorgen gemacht weil Ich nicht genau wusste ob der Die kurve kriegt.
- 13:44Speaker 1: aber Den haben wir dann anbehandelt und Das ging.
- 13:49Speaker 1: Aber dass war eigentlich das.
- 13:50Speaker 1: das war die einzige Wirklich schwere Erkrankungen.
- 13:53Speaker 0: Wie muss man sich die medizinische Ausstattung vor Ort vorstellen?
- 13:58Speaker 0: Also was hättest du da im Ernstfall überhaupt an Equipment zur Verfügung?
- 14:04Speaker 1: Man hat ganz viel, also ich hatte einen OP Röntgengerät für Knochen im OP für normale Untersuchungen und Zähne Zahnbohrer, Ultraschallgerät, EKG-Labor muss sich natürlich alles selber bedienen und man kann dort sehr viel machen.
- 14:21Speaker 1: Also man kann Infektionen behandeln, man kann Augenohren, Magenprobleme behandeln.
- 14:26Speaker 1: Man kann blind da im rausnehmenden Bruch stabilisieren.
- 14:28Speaker 1: Man kan sogar einen Kopf aufbohren wenn jemand eine Hirnblutung hätte.
- 14:34Speaker 1: also das Limit ist eigentlich dass es nur zwei Hände gibt wobei einer der Koch und die Geophysikerin, meinen Krankenhausteam waren.
- 14:42Speaker 1: Die haben auch viel geholfen, die war noch wirklich gut aber die haben natürlich nicht zehn Jahre Erfahrung und wissen sofort was sie machen müssen.
- 14:48Speaker 1: Und das Limit ist natürlich auch dass es keine Blutbank gibt.
- 14:50Speaker 1: Das heißt schwere Verletzung kann man dort kaum oder nicht
- 14:53Speaker 1: behandeln.".
- 14:54Speaker 0: Du hast vorhin schon erzählt deine Faszination für Polargebiete ging eigentlich schon als Jugendliche los.
- 15:00Speaker 0: du hast damals das Buch von Christiane Ritter eine Frau erlebt die Polarnacht gelesen.
- 15:08Speaker 0: Irgendwie entstand da diese, diese Faszination in dir.
- 15:12Speaker 0: Jetzt ist es ja oftmals so wenn man dann die Realität erlebt dass das den Vorstellungen die man sich damals irgendwie so in seinem Kopf gemacht hat nicht so ganz entspricht oder vielleicht irgendwelche Dinge ganz anders sind oder vielleicht sogar noch schöner sind oder weniger schön Gab's da Punkte, wo du im Realitätscheck sozusagen gesagt hast ja so hab ich es mir vielleicht dann doch nicht vorgestellt.
- 15:38Speaker 1: Also ich habe mir von Anfang an eigentlich nicht vorgestellt dass das ähnlich wird wie bei ihr weil sie in der Bretterhütte auf Spitzbergen saß und ich auf einer raumschiffartigen Forschungsstation in der Antarktis.
- 15:51Speaker 1: Und allein landschaftlich ist Ohne, dass ich jemals vorher in der Antarktis war.
- 15:55Speaker 1: Vorher schon klar gewesen, dass das was völlig anderes ist als die arktischen Breiten, die ich kenne – also Alaska und Nordnorwegen -, dass es atmosphärisch ein ganz anderer Schnack ist.
- 16:07Speaker 1: Und auch wenn ich noch kein Gefühl dafür hatte, hat sich total bestätigt.
- 16:10Speaker 1: Das ist eine ganz andere Welt, auch wenn's Eis und Schnee hat und auch flach sein kann.
- 16:17Speaker 1: sehr menschenfernes und sehr außerirdisch anmutendes.
- 16:21Speaker 1: also man hat gefühlt man wohnt im weltraum in so einer weite.
- 16:24Speaker 1: Und das ist ein kontinent der nie besiedelt war, der millionenjahre altes eis hat er größer als europa das hat das drückt sich alles in der atmosphäre durch und diese gemütlichkeit die man vielleicht von so einer überwinterung ableiten mag die felte auch weg.
- 16:41Speaker 1: ich habe die station total geliebt und auch die antarkt es als atmosphere.
- 16:45Speaker 1: aber dieses dieses Kuschelige, was man so im Winter mit Nordeuropa verbindet oder sowas ist dort nicht.
- 16:53Speaker 1: Und was natürlich auch ein entscheidender Unterschied ist, ist einfach die Gemeinschaft.
- 16:58Speaker 1: Die Gemeinsschaft aus neuen Menschen, die so einen neuen köpfiger Vogelschwarm werden – das ist ein ganz wichtiger Punkt da unten und einer der schönsten Geschenke, die man in der Überwinterung mitnehmen kann.
- 17:11Speaker 0: Jetzt ist es ja die meiste Zeit ziemlich dunkel.
- 17:15Speaker 0: hat man denn eigentlich dann irgendwann überhaupt noch so ein Gefühl für Tag und Nacht oder verschwimmt das alles so ein bisschen.
- 17:23Speaker 0: Und man verliert da die Tageszeiten, wie muss man sich das vorstellen?
- 17:30Speaker 0: Also
- 17:30Speaker 1: es geht grundsätzlich so einiges flöten.
- 17:32Speaker 1: Man hat ja auch recht wenig mit Deutschland zu tun ab und zumal aber man ist da schon abgekoppelt dann hat man ja eigentlich auch die Wochenstruktur erschließt sich nur daraus, dass es Montagsnudeln, Freitagfisch und Samstagseintopf gibt.
- 17:48Speaker 1: Ansonsten ist es einfach eine Aneinanderreihung von Zeitscheiben in denen's mal dunkel- und mal hell ist.
- 17:55Speaker 1: Und wenns da natürlich fast nur noch dunkel is, also wir hatten mittags schon immer noch Dämmerungen... Dann gerät da vieles aus den Fugen!
- 18:02Speaker 1: Also da bin ich vom Biorhythmus von der Konzentrationsfähigkeit, vom ganzen mentalen Setting her schon wirklich verändert gewesen in der Zeit.
- 18:14Speaker 1: Definitiv!
- 18:16Speaker 0: Kann man denn da eigentlich irgendwo auch aus medizinischer Sicht vorbeugen dass man gerade gegen diese mentalen Herausforderungen auch was macht?
- 18:25Speaker 0: Also wenn nach Nordeuropa schaut dann nehmen ja ganz viele Leute ganz proaktive Vitamin D zum Beispiel ein um da irgendwo diesem Lichtmangel auch vorzubeugen.
- 18:36Speaker 0: Gibt's da Dinge, die man auf der Station macht um da ja die Leute einigermaßen fit zu halten und mental auch fit zu erhalten?
- 18:46Speaker 1: Definitiv.
- 18:47Speaker 1: also es gibt Schrauben an denen kann man nicht drehen.
- 18:49Speaker 1: das ist das Setting.
- 18:50Speaker 1: ne, die Dunkelheit immer das gleiche Haus Immer lebensfeindliche Umgebung Und die Schrauben an den man drehen kann Das is Beispielsweise Bewegungen.
- 19:00Speaker 1: Also Vitamin D haben wir auch genommen.
- 19:01Speaker 1: aber Bewegung ist gut fürs Hirn Und natürlich für die Psyche, beides muss man so ein bisschen hegen und pflegen.
- 19:08Speaker 1: Und tatsächlich das soziale.
- 19:10Speaker 1: Das soziale damit steht und fällt die mentale Gesundheit weil wir haben niemanden sonst.
- 19:15Speaker 1: D.h.,
- 19:16Speaker 1: Wir sind unser Ein- und Alles.
- 19:18Speaker 1: Wenn man sich da nicht wohl fühlt, nicht getragen fühlt oder geborgen fühlt.
- 19:22Speaker 1: Nicht verstanden gesehen eingebunden fühlt Dann kann alles ins Rutschen geraten.
- 19:27Speaker 1: und das ist es auch tatsächlich.
- 19:29Speaker 1: Spaß haben nette Aktion machen, wo wir wieder bei der Freizeit sind.
- 19:33Speaker 1: Wo wir ganz viel gemacht haben.
- 19:36Speaker 1: Und das stabilisiert und macht einfach glücklich.
- 19:44Speaker 1: Der Rest geht damit einher und ist eine ziemlich interessante Erfahrung muss ich sagen.
- 19:49Speaker 0: Erfordert das aber nicht auch wahnsinnig viel Disziplin zu sagen nach zwei Monaten oder so?
- 19:55Speaker 0: Machen wir immer noch neue Dinge dort neu soziale Aktivitäten neben der Forschungsarbeit die ja ohne ihn weitergeht aber dass man dann auch wirklich noch die Motivation hat zu sagen ach komm jetzt machen wir heute nochmal einen.
- 20:08Speaker 0: Filmabend oder irgendwie in den Spieleabend und was auch immer man alles dort so machen kann.
- 20:15Speaker 1: also ich glaube so der Antrieb wird schon insgesamt ein bisschen lahmer, Es haben die meisten ein bisschen weniger Schwung, aber in Summe war da immer noch ganz viel vorhanden.
- 20:26Speaker 1: Und wir haben da unheimlich viel gemacht von irgendwelchen Escape Rooms, die organisiert wurden Schlitzeljagden, Zeltkämmd draußen alle mögliche Aktionen in der Werkstatt gebastelt uns gegenseitig Kurse gegeben Filme gedreht festgefeuert Mottoabende.
- 20:44Speaker 1: Wir haben eine Nachrichten also einen Kalender zu Mittwinter hingedreht, den wir online gestellt haben auf unseren Blog.
- 20:51Speaker 1: Wo wir einfach unsere Arbeiten vorstellen Quatsch gemacht haben Rezepte alles mögliche und dann in Nachrichtensendung für mit dem Mittwinther Tag selber.
- 21:02Speaker 1: Und sowas hat uns natürlich wahnsinnig über Wasser gehalten und es hat einfach auch ihr wird sich Spaß gemacht weil man halt Also hier hat man ja gar nicht ständig Leute vorretig, ein ganzes Haus voller Werkzeuge, voller Sachen mit denen man improvisieren kann und in so einer Gruppe viel auf die Beine zu stellen.
- 21:19Speaker 1: Das hatten wir eigentlich den ganzen Winter durch ja trotz'n bisschen Larmarschigkeit in der
- 21:23Speaker 1: Dunkelheit.".
- 21:24Speaker 0: Wie muss man sich... Du hast es gesagt, so eine Art raumschiffartiges Gebilde in dem ihr da in dieser Station gelebt und gearbeitet habt.
- 21:34Speaker 0: Wie muss ich das Innen vorstellen?
- 21:36Speaker 0: Also was ist da alles drin in dieser Station?
- 21:39Speaker 1: Im Grunde alles was wir brauchen also unten im zweiten Stockwerk unter dem Eis.
- 21:45Speaker 1: Es gibt zwei Unter- und zweieinhalb über dem Eis.
- 21:48Speaker 1: Da ist die Garage, da stehen die Fahrzeuge Und im
- 21:52Speaker 1: U.I.,
- 21:52Speaker 1: also erste Etage unter dem Eis, da sind dann beispielsweise Lagerräume, Sportraum, Batterieladeraum, Gefahrstofflager solche Dinge Werkstatt.
- 22:03Speaker 1: und in den oberen Stockwerken sind dann Blockheizkraftwerk, Hospital, Schlafzimmer, Labore auch noch mehr Lageräume, noch mehr Werkstätten.
- 22:14Speaker 1: Also die Station hat alles was man technisch zum Leben braucht also für Strom machen, Wasser machen, Wärme machen.
- 22:21Speaker 1: Für Krankenhausapotheke, Wissenschaft und wohnlich sein.
- 22:26Speaker 1: das ist ein all in one Haus aber sehr technisch natürlich.
- 22:30Speaker 1: Stahltreppen über Lüftungsrohre das Heizkraftwerk brummt wenn man da auf dem Flur davor steht usw.
- 22:37Speaker 1: Aber es hat trotzdem Man denkt es am Anfang nicht, wenn man zum ersten Mal reinkommt.
- 22:41Speaker 1: Aber das hat eine wahnsinnige Gemütlichkeit und wenn der Sturm kommt dann bebt das alles.
- 22:47Speaker 1: also dann wird das ganze Haus so ein bisschen geschaukelt wie so'n verander Zug.
- 22:51Speaker 0: Es steht ja quasi auf Stelzen richtig.
- 22:54Speaker 0: Was hast du denn außerhalb des Hauses so alles erlebt?
- 22:59Speaker 0: Also es gibt natürlich sehr viel Schnee und Eis drum herum.
- 23:03Speaker 0: Du hast aber gerade auch schon erzählt, es gibt eine Bucht die nicht allzu weit entfernt ist.
- 23:08Speaker 0: Die gerne auch mal zufrieden wenn's dann richtig kalt wird.
- 23:12Speaker 0: Es gibt zumindest mal Pinguine in der Nähe, die ab und zu vorbeikommen.
- 23:19Speaker 1: Genau also wir waren ganz viel draußen weil das einfach unglaublich schön ist.
- 23:24Speaker 1: man kann sich gar nicht vorstellen was für ne Schönheit diese stille hat Dieser Ort, der so ganz sein eigenes ist.
- 23:32Speaker 1: Also das Eis hat so eine lebendige und so ne vollkommene Ausstrahlung.
- 23:38Speaker 1: Da kann man sich gar nicht satt sehen und dann ändert sich ja auch ständig durchs Jahr oder je nach Tag auch des Licht, des Wetter.
- 23:45Speaker 1: unfassbare Stürme unglaubliche Sternenhimmel stundenlange Sonnenuntergänge also da kriegt man nie genug davon rauszufahren.
- 23:53Speaker 1: Und mit dem Licht ändert es sich auch ganz krass die Atmosphäre.
- 23:59Speaker 1: Das heißt, man hat eigentlich gar nicht.
- 24:00Speaker 1: Wir hatten glaube ich nie das Gefühl von Monotonie außer wenn es jetzt mal drei Wochen am Stück stürmt oder so was es auch öfter tut dann schon und die Pinguine war natürlich großartig Die Brüten auf der zugefrorenen Bucht da sind ja... ...von denen natürlich die Hälfte irgendwann fressengeht, die andere Hälfe weiterbrütet.
- 24:20Speaker 1: aber die haben wir ganz viel besucht Und sie kamen auch immer vorbei, weil wir Messarbeiten auf der Bucht gemacht haben.
- 24:24Speaker 1: oder wenn wir draußen zu tun hatten dann kam da immer mal wieder eine Delegation, um zu quatschen und auch uns zu gucken.
- 24:32Speaker 0: Was ihr natürlich auch viel gesehen habt waren Polarlichter und die unglaubliche Sternenkulisse natürlich auch weil es gab ja keine Lichtverschmutzung in dem Sinne.
- 24:45Speaker 0: das heißt ihr habt da einen freien Blick auf ein wahnsinniges Spektakel gehabt.
- 24:52Speaker 0: sieht man sich da eigentlich irgendwann vielleicht nicht satt, aber verliert es irgendwann die Faszination oder bleibt das immer so wie beim ersten Mal?
- 25:01Speaker 1: Eigentlich nicht.
- 25:02Speaker 1: Es ist immer der Wahnsinn!
- 25:04Speaker 1: Also es gab immer ein bisschen einen stehenden Milchigrünbogen im Süden.
- 25:10Speaker 1: Den gab's fast immer und für den sind wir schon dann irgendwann nicht mehr aufgestanden.
- 25:14Speaker 1: Aber man kann sich an diesen ganzen Stimmungen nicht sass sehen.
- 25:21Speaker 1: Die Sternenhimmel unfassbar, auch weil die Luft so total trocken ist.
- 25:26Speaker 1: Die Polarlichter sind der Wahnsinn.
- 25:28Speaker 1: aber selbst wenn es einfach nur tinten-schwarz ist bei tiefen Wolken und das einfach stürmt und die ganze Welt mit so einer Urgewalt aus den Fugen ist, selbst wenn man sich da einfach aufs Dach legt in den Windschutz von dieser Wetterballonhalle diesen orangenen Aufbau und sich einfach dieses schwarze Tosen anguckt oder zu sehen gibt's dann ja nichts.
- 25:50Speaker 1: Aber einfach in dieser Atmosphäre ist es unfassbar toll, eigentlich bei jedem Wetter.
- 25:54Speaker 0: Was macht das mit einem selbst?
- 25:57Speaker 0: Also wenn man hier in Deutschland ist den ganzen Tag irgendwie auch mit Nachrichten und Dingen die passieren versorgt ist und alle fünf Sekunden irgendwas Neues passiert wo man sich auch irgendwie dazu verhalten muss.
- 26:13Speaker 0: natürlich ihr wart dort auch online Ihr habt natürlich auch mitbekommen was auf der Welt so passiert.
- 26:19Speaker 0: aber setzt das Ganze nicht auch noch mal in eine andere Relation, dass man da dann für eine Zeit so fern von allem ist?
- 26:28Speaker 1: Also für mich war es so, dass ich völlig abgekoppelt war von der Menschenwelt.
- 26:37Speaker 1: Die sich ja sehr um die eigenen Belange dreht.
- 26:39Speaker 1: und wenn man die Nachrichten hört, man fühlt sie Also man ist einfach von der Realität aus Eis, Wind und Licht umgeben.
- 26:47Speaker 1: Von der unglaublichen Reinheit, von einer Weite die einen raus suchen dass man wirklich ganz real das Gefühl hat wir wohnen im Universum Das Weltall ist unsere Nachbarschaft Wir sind in den Sternen Und kleben hier auf so einer kleinen Kugel als Ameisen Die in der Zeitachse der Welten Wimpernschlag sind.
- 27:07Speaker 1: also die eigene Wichtigkeit wird ganz ganz klein Und ansonsten besteht das Leben auf ganz konkreten Aufgaben, ganz konkrete Probleme.
- 27:18Speaker 1: Die man eben löst.
- 27:19Speaker 1: und wenn da Sachen sind die man nicht lösen kann wie beispielsweise drei Wochen Sturm oder so oder die letzten Orangen sind aus dann wird das mit einem Schulterzug ignoriert.
- 27:28Speaker 1: also man rennt nicht gegen Wände die man einrennen kann.
- 27:32Speaker 1: Das hat etwas sehr Entspanntes weil man in vielerlei Hinsicht ist man ausgeliefert und hat darin trotzdem riesige Spielräume Und das sind so die Koordinaten, die dann ganz groß werden.
- 27:44Speaker 1: Die Distanz, die Spielräume und dass man sich einfach Sachen, die man nicht ändern kann, einfach hinnimmt.
- 27:51Speaker 1: Ganz entspannt!
- 27:51Speaker 1: Gab
- 27:52Speaker 0: es denn auch Dinge, die dir wirklich gefehlt haben vor Ort in der Zeit?
- 27:56Speaker 0: Also wo du dann irgendwann gemerkt hast, oh das wäre jetzt schon irgendwie
- 28:00Speaker 0: schön?!
- 28:01Speaker 1: Nee überhaupt nicht... Wir hatten einen wahnsinnigen Spaß dran mit dem zu improvisieren was da ist.
- 28:08Speaker 1: Also dann war z.B die Salzstangen aus, wir haben ganz viel Salzstang immer gegessen und da haben wir selber welche gebacken.
- 28:13Speaker 1: oder man nimmt sich das nichts Beste und überlegt sich was kann man da alles draus machen?
- 28:17Speaker 1: gefrorene Mangos ja?
- 28:19Speaker 1: Die waren irgendwie das ganze Jahr der Renner und es macht total Spaß die Dinge zu feiern bis sie weg sind.
- 28:25Speaker 1: und dann feiert man eben das nächste.
- 28:27Speaker 1: Und mir war das ganze Ja durch.
- 28:29Speaker 1: auch wir haben keine Steine keine Erde keine Pflanzen dort.
- 28:33Speaker 1: Aber mir war das ganze Jahr bewusst, was für ein wahnsinniges Privileg es ist an diesem Ort zu sein.
- 28:39Speaker 1: Also da kommt ja kein Mensch hin und das alles sehen und erleben zu dürfen oder dort zu Hause sein zu dürfen.
- 28:45Speaker 1: Das war... Und es ist eben im Jahr, was abläuft die Uhr.
- 28:49Speaker 1: irgendwann hat man Gefühl dafür dass die Uhr tickt gerade wenn so die Sonne wieder aufgeht und man weiß in zwei Monaten kommen hier wieder Menschen her dass man einfach das Gefühl hat, um Gottes Willen diese kostbare Zeit läuft ab.
- 29:01Speaker 1: Es ist eher genau umgekehrt, dass man denkt den Rest hin.
- 29:03Speaker 1: Den habe ich noch bis ans Ende meines Lebens.
- 29:05Speaker 1: Das hier nicht!
- 29:07Speaker 0: Also es ist kein... Jetzt ist dann endlich bald vorbei und ich komme wieder nach Hause sondern es ist eher ein Ohje-Ich würde am liebsten noch paar Monate ranhängen.
- 29:17Speaker 1: Ja also die Überwinterung hätte ich gerne noch ein bisschen länger gehabt.
- 29:23Speaker 1: Aber ich glaube ja ist eigentlich eine gesunde Dosis.
- 29:27Speaker 1: Mein Vorgesetzter hat mal gesagt, als ich so ein bisschen bedrückt war zum Ende der Überwinterung und wir telefoniert haben meinte naja.
- 29:33Speaker 1: Für immer bleiben ist auch keine Lösung und damit hat er schon recht.
- 29:37Speaker 1: also ein Jahr ist eine gute Portion.
- 29:39Speaker 0: wenn du mal in die Selbstreflektion gehst und das hast du ja sicherlich danach auch irgendwo gemacht gibt's Dinge wo du heute sagen willst dass hat mich verändert.
- 29:52Speaker 0: also das hat irgendwie einen Einfluss auch nachhaltig auf dich, wo du heute Dinge vielleicht anders siehst.
- 29:59Speaker 0: Wo du anders vielleicht mit dir selbst umgehst oder mit deiner Umwelt umgehest?
- 30:04Speaker 1: Also ich finde es wahnsinnig wichtig dass man irgendwie nett zueinander ist.
- 30:11Speaker 1: Dass man sich schön macht das man sich unterstützt so dass Man milde ist.
- 30:16Speaker 1: Das finde ich irgendwie unglaublich wichtig und Ich find das hat viel zu wenig Stellenwert hier.
- 30:21Speaker 1: Es ist viel zu... Funktional unsere Welt viel zu sachorientiert und das ist mir auf jeden Fall geblieben.
- 30:29Speaker 1: Und grundsätzlich finde ich einfach viele Sachen tatsächlich nicht mehr so wichtig, die wir Menschen irgendwie unglaublich dringend finden und von denen unser Leben so dominiert wird.
- 30:41Speaker 1: es passiert mir schon auch total aber Ich bin immer wieder rausgesucht dass ich mich an diese Perspektive erinnere Wenn man wie von außen auf die Menschenwelt guckt und denkt ab so etwas, was wir hier machen.
- 30:53Speaker 1: Und so wichtig bin ich nicht!
- 30:56Speaker 1: Also das bleibt
- 30:57Speaker 1: schon.".
- 30:58Speaker 0: Du hast ja vorhin schon beschrieben es war eine sehr kleine Gruppe mit der ihr da wart.
- 31:02Speaker 0: und weil du's gerade auch ansprichst dass es wichtig ist, dass wir irgendwie gut miteinander umgehen?
- 31:10Speaker 0: Ist das nicht am Anfang eine gewisse Herausforderung wenn man weiß okay das ist jetzt quasi meine Auswahl an menschlicher Interaktion für die nächsten Monate.
- 31:21Speaker 0: Und man weiß nicht so genau, komme ich denn mit den Menschen überhaupt wirklich klar?
- 31:26Speaker 0: Mag ich die finde ich dir vielleicht doof.
- 31:28Speaker 0: also am Ende menschelt es ja da überall irgendwie auch.
- 31:32Speaker 0: oder ist das dann wirklich dieses Setting dass man sagt okay das is halt jetzt so und wir sitzen alle irgendwie im gleichen Boot und das verbindet dann wieder.
- 31:41Speaker 1: Also ich glaube wir hatten wahnsinnig Glück miteinander Wir haben auch ganz viel draus gemacht, beides.
- 31:48Speaker 1: Weil das fällt einem nicht in den Schoß da muss man sich ein Jahr lang wirklich immer Mühe geben.
- 31:54Speaker 1: aber dass wir gut miteinander sind und dass wir es schön miteinander haben, das war uns allen eine ganz, ganz hohe Priorität und da lässt sich keiner einfach mal so gehen weil ihm danach ist.
- 32:05Speaker 1: also natürlich darf man auch mal nichts sein bestes selbst sein so dass man irgendwie für die Gruppe und fürs Gelingen des Ganze sich wirklich ins Zeug liegt.
- 32:14Speaker 1: Das ist irgendwie selbstverständlich, das geht auch mit der Aufgabe eines Überwinternden ein Heer.
- 32:20Speaker 1: Das gehört einfach dazu!
- 32:22Speaker 1: Und es geht nicht darum ob ich jetzt gerade immer recht hatte oder ob mir jetzt gerade jemand blödt gekommen ist sondern wie wird's gut?
- 32:29Speaker 1: Wie haben wir es schön?
- 32:32Speaker 1: Wenn alle das Leben Flutscht es irgendwie auch und das wird wie die Kultur, die sich einbürgert.
- 32:40Speaker 1: Dass wir uns schön machen, dass wir uns unterstützen und nicht umerziehen.
- 32:44Speaker 1: Man muss die Leute so lassen, wie sie sind.
- 32:46Speaker 1: Wir alle sind wie wir sind.
- 32:47Speaker 1: Keiner möchte umgebogen werden und da unten geht's gleich dreimal nicht.
- 32:51Speaker 1: Und man kann da unheimlich viel Spaß haben und eine ganz starke Verbundenheit aufbauen.
- 32:57Speaker 1: Also mein Überwinterungsteam würde ich jederzeit mein Leben und meinen Frohsinn wieder in die Hände
- 33:04Speaker 1: legen.".
- 33:05Speaker 1: Den vertraue ich zutiefst bis heute, also das ist geblieben.
- 33:11Speaker 0: Du warst dann dreivierteljahr in Deutschland danach oder zurück in der Heimat und dann hattest dich direkt wieder in die Antarktes gezogen.
- 33:21Speaker 0: du warst vier Monate lang auf einer Expedition zur Kohnenstation und hast da dann auch noch mal einiges erlebt.
- 33:30Speaker 0: Was hat sich denn zwischen diesen beiden Expeditionen unterschieden?
- 33:34Speaker 0: Gab es da Dinge, die dich dann nochmal wirklich auch überrascht haben bei dieser neuen Expedition?
- 33:39Speaker 0: Gab's da Dinge dir auch ganz anders vielleicht noch einmal waren?
- 33:42Speaker 1: Also im Grunde war alles anders.
- 33:44Speaker 1: also der Sommer ist ja sowieso eine völlig andere Saison.
- 33:49Speaker 1: Da sind Flugzeuge da kommt das jährliche Versorgungsschiff.
- 33:55Speaker 1: So eine Saison Expedition ist sehr viel zweckgebundener als eine Überwinterung, in der man die krasse Einsamkeit hat, die im Sommer fehlt.
- 34:04Speaker 1: So einsam die Antarktis auch ist.
- 34:05Speaker 1: also in meinem Empfinden war ich natürlich den krassen Wintervergleich hatte und natürlich auch vom sozialen her.
- 34:10Speaker 1: es ist ganz anders.
- 34:12Speaker 1: Man wird nicht so Familie aber es war sehr spannend weil ich natürlich immer ortsständig war in der überwinterungen an Neubeier und ich habe immer nach Süden geguckt wo diese Krasse Wo die Einsamkeit noch ergreifender ist und noch irgendwie fremder wirkt.
- 34:30Speaker 1: Und dann bin ich halt im Jahr drauf da hingefahren, na?
- 34:34Speaker 1: Und auch so unterwegs zu sein mit dem Pistenbully, mit hinten dran Wohncontainern eigene Tankstelle dabei, eigenen Generator dabei wirklich zehn Tage und auf den Eisbuckel rauf der dreitausend Meter hohes Eis wo oben dann auch wirklich die Luft dünn ist weil man relativ nah am... Am Pol ist sozusagen, er hat gesamtheitlich gesehen.
- 34:57Speaker 1: Das war eine ganz neue Erfahrung und das war ganz toll auch des Inland zu sehen am Kotters Gebirge vorbei und so.
- 35:04Speaker 1: Ist zwar der gleiche Kontinent aber was völlig anderes?
- 35:08Speaker 0: Jetzt bist du ja einige Zeit schon wieder zurück.
- 35:11Speaker 0: wie blickst du denn in die Zukunft?
- 35:13Speaker 0: kribbelt es dich schon wieder in den Fingern dass du sagst ich würde schon gerne mal wieder irgendwie ins Eis, egal welche Region es dann am Ende ist.
- 35:22Speaker 1: Also im Moment bin ich möchte ich in Deutschland bleiben auch aus einfach familiären Gründen und aus unterschiedlichen Gründen möchte auch wieder Gefäßchirurgie machen was jetzt ja auch mache.
- 35:33Speaker 1: aber natürlich ist das Eis einfach eine große Liebe.
- 35:37Speaker 1: damit's wird schon in irgendeiner Form irgendwo wieder dran kommen.
- 35:40Speaker 0: Das heißt auch privat zieht sich dann eher in den Norden für den Urlaub als an den Strand.
- 35:47Speaker 1: Ich mag fast alles.
- 35:48Speaker 1: Also tatsächlich, ich bin viel auch in Westafrika unterwegs gewesen.
- 35:53Speaker 1: Ich war in China, Myanmar und habe in Bordeaux und Trinidad studiert neben Deutschland.
- 35:58Speaker 1: also ich mag ganz ganz Vieles aber die sehr einsamen Regionen haben trotzdem schon besonderen Platz.
- 36:07Speaker 0: ist das eigentlich was man dann im Rückblick zurück in der Heimat auch irgendwo in seinen Alltag stärker integriert?
- 36:16Speaker 0: allein sein, dieses auch das Alleinsein zu genießen irgendwo diese Einsamkeit auch irgendwo einen Raum im Alltag danach findet.
- 36:26Speaker 1: Also ich habe mich in der Antarktis eigentlich gar nicht einsam gefühlt weil ich natürlich die Gruppe hatte und im Grunde immer jemand da ist wenn man möchte.
- 36:38Speaker 1: aber Ich hatte schon immer aufs Bedürfnis nach Rückzug.
- 36:42Speaker 1: Das kann man ja auch in einer Überwinterung gut haben.
- 36:46Speaker 1: Aber die Ortseinsamkeit, diese völlige Abgeschnittenheit von der Zivilisation.
- 36:53Speaker 1: Darauf habe ich immer
- 36:54Speaker 1: Hunger.".
- 36:55Speaker 0: Wie lange braucht man denn da eigentlich wenn man zurückkommt und dann auch das erste Mal vielleicht wieder in einer Großstadt ist?
- 37:02Speaker 0: Wie lang braucht man den bis man sich da wieder irgendwie akklimatisiert hat mit diesem Lärm der Großstadt dem vielen Menschen umgehen zu
- 37:12Speaker 0: können?".
- 37:13Speaker 1: Also ich glaube bei mir hat es vier, fünf Monate gedauert und mehr hat die Kleinstadt völlig gereicht.
- 37:18Speaker 1: Da reichte ein Kleinstad-Supermarkt da reichten Parkplatz einen Marktplatz egal was das ist.
- 37:25Speaker 1: alles sehr Menschen geprägt und sehr voll und sehr eng fühlt sich an Und irgendwie auch fremd weil die Perspektive man hat das Gefühl Die Leute haben eine Perspektiva als würden sie in einem Labyrinth rumlaufen und nicht sehen was drüber ist.
- 37:40Speaker 1: Und wenn man so weit rausgesunmt war, dann ... das kam mir ganz fremd vor.
- 37:46Speaker 1: Ich hab mich sehr unzugehörig gefühlt zu den Menschen die hier leben und es hat Monate gedauert bis ich da halbwegs angekommen war.
- 37:56Speaker 1: Großstadt habe ich trotz allem genossen.
- 37:58Speaker 1: wir waren zur Nachuntersuchung für diese NASA-Studie auch in Berlin.
- 38:03Speaker 1: Da haben wir uns getroffen und das fand ich eigentlich super.
- 38:06Speaker 1: also ich finde es eine menschenmasse in der Großstadt ist ja auch wie ein Element.
- 38:11Speaker 1: Das kann ich sehr genießen.
- 38:13Speaker 0: Ich danke dir, dass du uns einen Einblick gegeben hast wie dein Leben dort in der Antarktis tatsächlich mitten im Eis war und bin schon sehr gespannt wenn du dann irgendwann mal auf die nächste Expedition gehst was du dort erleben wirst und dann berichten wirst.
- 38:32Speaker 0: Danke für deine Zeit.
- 38:33Speaker 1: Sehr gerne!
- 38:39Speaker 0: Das Gespräch zu Ende.
- 38:41Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören!