Latest / BZ am Ohr / Magersucht: Je dünner ich werde, umso fetter fühle ich mich
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- Willkommen bei BZ am Ohr, dem Podcast der Badischen Zeitung. Heute geht es um das Thema Magersucht oder Anorexie. Eine psychische Erkrankung, in die vor allem junge Mädchen reinrutschen, die dann mitunter lebensbedrohlich dünn werden. Es ist ein aktuelles Thema, denn die Zahlen haben sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Und die Pandemie hat diesen Trend noch einmal verstärkt. Mein Name ist Katharina Mayer, ich bin Redakteurin bei der Badischen Zeitung. Ich konnte im Vorfeld bei einer Podiumsdiskussion aus der Reihe Kinderheilkunde im Dialog mit Johanna sprechen. Sie ist 16 Jahre alt, war in Freiburg wegen Magersucht in Behandlung und ist seit einem Jahr stabil. Und sie hat uns eindrücklich ihren Weg in die Krankheit geschildert. Werbung Freiburg Sommer ZMF Die BZ verlost neunmal zwei Konzerttickets für das Zeltmusikfestival und zwar für Didi Bridgewater, Il Civetto oder Amy MacDonald. 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Sie ist leitende Psychologin an der Kinder- und Jugendklinik und ist da verantwortlich für die Kooperation mit der KJP, also mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in der Hauptstraße angesiedelt ist. Dann, es freut mich besonders, dass Sie heute Abend dabei sind. Das ist Johanna, 16 Jahre alt. Sie hat viele Jahre mit der Magersucht gekämpft und ist seit einem Jahr stabil. Hat mir in unserem Vorgespräch gesagt, ich genieße es total zu essen. Ganz toll, dass du heute gekommen bist. Und neben ihr ist Johannas Mutter, die uns sicherlich auch einiges zu den Nöten und Sorgen der Eltern sagen kann. Frau Zimmermann ist jetzt nicht nur Oberärztin an der KJP, sondern auch die behandelnde Ärztin von Johanna. Anorexie ist kein leichtes Thema. Es ist eine dramatische Erkrankung. Und es ist vor allem sehr akut. Die Fälle haben sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt. Und wir sehen seit Pandemiebeginn nochmal eine deutliche Zunahme. Man sagt, es sind jetzt ungefähr 10.000 Erkrankungsfälle pro Jahr. Aber wir haben auch schon gehört, es sind viele Faktoren, die dazu führen können, dass jemand in einer Anorexie rutscht. Gesellschaftliche Faktoren, die man da immer hört, Social Media, auch die Medien mit sowas wie Germany's Next Topmodel. Was oft nicht so sehr im Fokus steht, sind Sportarten. Deshalb haben wir das heute ein wenig ins Zentrum rücken wollen. Es gibt einige Sportarten, man kann sie in der Hinsicht fast als Risikosportarten bezeichnen, bei denen das Gewicht eine große Rolle spielt. Unterschiedlichste Sportarten wie Boxen, wie Skispringen, wie Radfahren, aber eben auch Ballett, das ist oft nicht so sehr im Bewusstsein, dass das sozusagen auch ein Risiko mit sich bringen kann. Darüber wollen wir jetzt mit Frau Michel sprechen. Frau Michel, Sie haben klassisches Ballett getanzt, tanzen immer noch. Sie haben früh angefangen in Ihrer Heimatstadt mit acht und Ihr Ziel war es, professionell zu tanzen. Und dafür haben Sie richtig viel trainiert, fünfmal die Woche trainiert, am Wochenende Auftritte absolviert. Sie waren also wahnsinnig engagiert und haben im Ballett gelebt in vielerlei Hinsicht. Wie ist da Ihre Erfahrung gewesen, was das Thema Gewicht angeht? Genau, also erstmal möchte ich sagen, ich spreche über die Erfahrung in meiner Heimatstadt. Ich tanze ja immer noch und hier sind mir solche Dinge nicht passiert. Aber also es war schon früh, Gewicht war natürlich immer ein Thema und wenn es auf die Aufführung zugeht, wir waren vielleicht 12, 13 Jahre, dann wurde schon gesagt, ja, damit ihr gut ausseht auf der Bühne, dann muss schon auch mal auch ein Apfel nur zum Abendessen reichen. Und damit wir auch kurze Röcke tragen können und unsere Beine zeigen können. Und das hat schon sehr viel Druck aufgebaut. Auch das Outfit, das schwarze Trikot, roter Strumpfhose, allenfalls vielleicht noch ein Röckchen. Und man sieht sich ja nur im Spiegel die ganze Zeit. Es war nicht gewünscht, dass man Unterwäsche, ein BH oder Unterhose unter den Trikots noch trägt. Dann wurden wir rausgeschickt, um das noch auszuziehen. Was natürlich in einer Zeit, wo sich der Körper sehr verändert, der Busen wächst, man vielleicht seine Tage bekommt, was ganz Unbequemes war und auch Angst gemacht hat vor der körperlichen Veränderung. Und wir da wenig Unterstützung erfahren haben. Und später war ich noch viel so auf internationalen Sommerschools, habe eine Freundin kennengelernt, die auf der staatlichen Ballettschule Berlin hier einen Abschluss gemacht hat, also ungefähr mein Alter, das dürfte jetzt auch schon, einige Jahre natürlich her sein und sie hat gesagt, ja, wir hatten eine in der Klasse, Maike. Und da hieß es, so sollte sein wie die und sie hat, sie haben gesagt, die wiegt 38 Kilo, Das ist das Ziel meiner Größe. Es ist gewünscht, dass Tänzerinnen ja durchaus über 1,68 Meter groß sind. Und das ist Wahnsinn. Also was gemacht wird jetzt ist auch rückblickend. Wenn ich mir das jetzt so überlege, ist das, also das ist ja so eine sensible Phase, das Heranwachsen, die Bubertät, das junge Erwachsenenalter, mit was wir da umgeben wurden, hat schon nicht unbedingt einen gesunden Umgang mit dem Körper gelehrt. Sie haben gesagt, es war immer Thema, dass Ihr Körper auch nicht ideal passt. Sie haben sich auch aus diesen Gründen nachher gegen eine Profikarriere entschieden. Sie haben mir gesagt, meine Tochter würde ich nicht ins Ballett schicken Und es ist wirklich schwierig, hinterher wieder Frieden mit seinem Körper zu schließen, wenn man so lange da am Kämpfen war, ein Idealgewicht zu erreichen, was vielleicht einfach man selber gar nicht so erreichen kann mit dem Körper, den man mitbekommen hat. Ich frage mich, was würden Sie den Eltern empfehlen? Viele Mädchen wollen gerne ins Ballett. Jetzt ist mit Sicherheit nicht jedes Ballett schlecht. Worauf sollte man denn achten? Worauf sollte man gucken? Was kann man selbst tun, dass da nicht so ein Problem entsteht? Ja, also es gibt auf jeden Fall ganz unterschiedliche Lehrer und Schulen und ich durfte dann ja auch noch andere Erfahrungen machen und auch irgendwie lernen, dass man auch noch die Dinge lernen kann, wo er mit vielleicht mit zwölf gesagt wurde, wenn man bestimmte Dinge nie lernt oder nicht die Beine dafür hat, dann muss man lernen, das zu kaschieren. Das hat sich dann irgendwann ja doch nochmal anders gezeigt. Aber ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, mit den Lehrern oder mit der Schule in Kontakt zu sein, auch als Eltern. Ich habe hinterher auch noch mal über den Satz nachgedacht, das habe ich einen Sohn und keine Tochter. Oder vielleicht, es macht halt auch wirklich Spaß, aber ich würde wirklich sehr, sehr schauen, mit dem Kind und mit den Lehrern in Kontakt zu sein und vielleicht auch mit den anderen Kindern in der Gruppe und irgendwie versuchen mitzukriegen, wie über dieses Thema gesprochen wird. Weil es sind so wenige, die eine professionelle Qualettkarriere anstreben und die das erreichen. Und es ist so schade, es ist so ein wunderschöner Sport, aber es ist gar kein Sinn da drin, in einem Hobbybereich solche Botschaften zu vermitteln, weil das natürlich den Spaß nimmt und einfach auf eine sehr, sehr liebeziele Phase des Wachstums trifft. Dankeschön dafür schon mal. Johanna, du tanzt auch Ballett. Ich habe gehört, Johannas Ballettlehrerin ist heute Abend sogar auch gekommen. Ich glaube, deine Erfahrungen sind etwas anders. Wie ist dir denn das Thema Gewicht und Dünnsein im Ballett begegnet? Also ich habe ja schon recht früh mit dem Ballett angefangen und hatte auch verschiedene Lehrer durch die Zeit. Ich glaube eben, das, was Sie gerade auch schon gesagt haben, es ist natürlich irgendwo was Schwieriges dran, wenn man sich stundenlang im Spiegel anguckt, in hautengen Kleidern. Aber ich hatte einfach das Glück, dass ich immer sehr gute Lehrer hatte, die auch mir sehr stark vermittelt haben, dass mein Körper nicht unbedingt sehr dünn sein muss, dass ich tanzen kann, sondern eben, dass es einfach ein Hobby ist. und dass es einfach Spaß machen muss. Super. Du bist vor ungefähr fünf Jahren an Magersucht erkrankt. Du warst da noch sehr jung, mit elf, wenn du heute 16 bist. Du hast mir gesagt... Das habe ich so von 100 auf 0 gemacht fast. Ich habe von einem Tag auf den anderen fast nichts mehr gegessen. Vielleicht magst du uns kurz schildern, wie kam es denn dazu? Wie bist du da reingerutscht? Also eben, ich kann auch sagen, dass ich auch nicht diesen einen Auslöser hatte, der das bei mir alles so verschlechtert hat. Was aber bei mir im Kopf noch so geblieben ist, dass die Trennung meiner Eltern schon in der Zeit mir sehr schwer gefallen ist, damit umzugehen. Ich hatte oft das Gefühl bei den ganzen Streitereien und alles, ich habe noch eine kleine Schwester und ich hatte oft das Gefühl, dass ich irgendwie zeigen muss, dass wir auch noch da sind und habe dann dadurch eben so ein bisschen versucht, okay, mit positiven Sachen kommt man leider dann halt manchmal auch nicht so weit. Das ist dann ja gut gemacht, aber jetzt. Und wenn man irgendwie krank ist oder so, wusste ich, da muss man sich drum kümmern. Das ist ja auch zeitaufwendig, da hätte ich mehr Zeit bekommen. Und dann habe ich ja eigentlich so ein bisschen gedacht, okay, was lässt sich gut machen? Und dann bin ich durchs Internet natürlich, ich glaube, das ist bei ganz vielen Menschen so, dass es einfach das Internet ist, das ist ein riesengroßer Einfluss, bin ich eben auf Magersucht, Anorexie gestoßen und habe gedacht, okay, das hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an. Und auch diese Begleiterscheinungen, die man davon natürlich hat, das Dünnerwerden und alles, das hat sich für mich eigentlich ganz gut angehört. Und dann waren es auch noch so Faktoren wie die Pubertät natürlich. Wenn sich der Körper irgendwie schneller wie bei anderen entwickelt oder so, dann kommt man damit manchmal auch vom Kopf einfach nicht hinterher. Du hattest mir geschildert, durch dieses Nicht-Essen so massiv hast du dann Kreislaufprobleme bekommen und bist umgekippt. Dann kamst du drei Tage in die Kinderklinik und anschließend dann erst mal stationär in die KJP. Eine Frage an die Expertinnen in der Runde. Wie typisch ist denn das? Was sind denn klassische Wege, um dann in die Therapie zu kommen? Viele der Betroffenen sehen sie ja zuerst in der Essstörungsambulanz an der KJP. Wie geht es dann weiter? Genau, also die Essstörungssprechstunde bei uns, da kommen entweder die Jugendlichen, eher überwiegend die Eltern oder auch zugewiesen durch den Kinderarzt, wo wir erstmal das Erstgespräch machen, um zu schauen, liegt denn möglicherweise auch eine Magersucht vor, wie schwer ist der Jugendliche schon in der Essstörung drin und gibt es denn aber auch körperliche Ursachen erstmal für die Magersucht, sodass wir dann relativ schnell Kontakt auch mit Frau Krug aufnehmen in der Kinderklinik, weil jede psychische Erkrankung ist es wert, einmal zu schauen, gibt es denn eine körperliche Ursache. Nicht, dass gleich immer gedacht wird, es ist nur die Psyche, sondern dazu gehört, um das einmal auszuschließen, aber auch um auszuschließen, wenn dann klar ist, es ist eine Magersucht, wie schwer körperlich betroffen ist denn der Jugendliche. Das heißt, wie ich es vorhin gesagt habe, wie sind die Pulse, da machen wir uns sehr große Sorgen, wenn die sehr niedrig sind oder eben auch über den Herzbereich, dass dann Untersuchungen stattfinden, ob es da schon Beeinträchtigungen gibt. Von daher ist es Frau Krug, die unsere Ansprechpartnerin ist. Das heißt, Kinder und Jugendlichen stellen sich bei Ihnen vor und kommen dann aber erst mal an die Uniklinik, wo Sie sie sehen, in welchem Zustand sind denn die Patientinnen oft, wenn sie zu Ihnen kommen. Ich sage jetzt Patientinnen mit großem I, aber tatsächlich reden wir ja auch über den ganz überwiegenden Teil Mädchen. In Vorbereitung auf den heutigen Abend habe ich nochmal unsere Statistiken angeguckt und wir haben so pro Jahr etwa 50 anorektische Patientinnen hier, von denen etwa drei Viertel über die Erstsprechstunde bei uns angemeldet werden und etwa ein Viertel direkt, sei es über den Kinderarzt oder über unsere Notfallambulanz durch die Familie oder die Eltern dann selber vorgestellt werden. Und letzten Endes alle, aber insbesondere dieses eine Viertel, was nicht über die KJP kommt, die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die sind häufig schon in einem akut sehr schlechten körperlichen Zustand, aber auch in einem sehr dramatisch-psychischen Zustand, sodass die oft in der Akutkrise kommen. Also da ist dann vorher sozusagen so viel an familiärem, wir können nicht mehr oder es ist eskaliert oder die Kinderärztin, der Kinderarzt sagt, das ist mir jetzt vollkommen zu heiß und das ist absolut gefährdend. Wir brauchen jetzt erstmal eine Abklärung und auch sozusagen einen sicheren Ort. Das heißt, die Kinder, muss ich jetzt mittlerweile sagen, was wir sehen, und ich glaube, da würden uns die Kolleginnen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie zustimmen, das Krankheitsalter zu Beginn wird, glaube ich, nicht nur gefühlt, sondern wird deutlich jünger. Wir sehen hier ähnlich wie bei dir, Johanna, aber mittlerweile wirklich in einem großen Umfang junge Patientinnen, die mit zehn oder mit elf schon wirklich das Vollbild einer Anorexie haben. Und das hatten wir, ich sage jetzt mal früher, vielleicht so gefühlt vor fünf bis zehn Jahren in diesem Umfang nicht. Das heißt, es erfolgt bei Ihnen die körperliche Untersuchung und sobald dann ein Platz frei ist, geht es für viele dann doch stationär häufig zurück in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Was erwartet die Patientinnen dort? Natürlich je nach Zustand. Aber in der ersten Phase geht es wahrscheinlich um zunehmend, zunehmend, zunehmend. Ich glaube, das würde Johanna sofort bestätigen. Ja, darum geht es tatsächlich, um Zunehmen. Das hört sich so profan an und trotzdem ist es die schwierigste Aufgabe, sowohl für die Patienten als auch für das Team mit dem Patient, weil wir wollen was, was der Patient nicht möchte. Und das ist immer die größte Schwierigkeit, da alle in ein Boot zu holen. Gerade bei einer doch dann schwerwiegenden körperlichen Thematik, sodass es am Anfang, wie gesagt, darum geht zuzunehmen, zu essen. Und da hilft es manchmal oder müssen wir manchmal als Behandlungsteam einfach sehr streng sein, weil klar ist, die Magersucht ist mit dem Patienten streng. Dann hilft es auch, wenn wir das auch sind. Und am Anfang ist es aber trotzdem schwer zu trennen, wo ist denn eigentlich der Patient und wo ist die Magersucht, weil der Patient es manchmal auch nicht unterscheiden kann und dann die Strenge eher sehr nervig erscheint. Und wie gesagt, das erschwert manchmal den Behandlungseintritt, aber wir stehen da zur Seite, gucken eben die körperliche Seite auch nochmal an, was braucht es, wie viel bewegen dürfen sich die Patienten, um eben da nicht noch in eine größere Gefährdung zu rutschen und da müssen wir schauen, geht es denn, dass der Patient überhaupt isst oder muss Nahrung auch durch eine Sonde zugeführt werden, ist der Patient überhaupt freiwillig da oder unfreiwillig und muss trotzdem behandelt werden. Das sind so Entscheidungskriterien, die wir am Anfang erst mal feststecken müssen tatsächlich. Und dann im Verlauf mit Therapievereinbarungen, wo ganz klar geregelt wird, was mit den Patienten passiert. Oft sind ja mehrere Klinikaufenthalte nötig, bis die Betroffenen wieder stabil sind und wirklich auf den Weg der Heilung kommen. Johanna, wie war das denn bei dir? Du hast mir geschildert. Du warst zweimal stationär in der KJP, das erste Mal schlimm und beim zweiten Mal kamst du dann innerlich auf den Weg der Besserung. Magst du uns kurz schildern, wie es dir da ergangen ist? Was ist so schwierig gewesen? Was war vielleicht dann auch beim zweiten Mal anders und besser und was hat dir geholfen, da wieder auf den guten Weg zu kommen? Ja, sehr gerne. Der erste Aufenthalt war für mich sehr schwer, weil ich einfach erstmal überhaupt gar nicht wusste, was erwartet mich da. Das ist natürlich, man kommt in so eine geschlossene Gesellschaft eigentlich fast schon rein, weil die kennen sich ja da alle schon eine gewisse Zeit, manche länger, manche nicht so lang, aber man merkt das schon, wenn man da reinkommt, dass die sich alle gut kennen. Und da ist es natürlich auch erstmal ein bisschen gruselig vielleicht auch manchmal, aber man merkt auch ganz schnell, dass da echt tolle Leute auch sind. Ich weiß noch, als ich das erste Mal in die KLP gekommen bin, habe ich die Frau Zermann gefragt, wie lange ich denn da bleiben muss. Und dann hat sie gesagt, hast du irgendeine Idee, wie lange? Und dann habe ich gesagt, zwei Wochen. Und das waren dann im Endeffekt doch nicht so zwei Wochen. Und dann war ich das erste Mal auf Emminghaus, auf der geschlossenen Station. Und ja, da würde ich sagen, meine Essstörung war noch nicht so sehr, wie sie später mal wurde. Einfach dadurch, dass man auf so Stationen, wo viele essgestörte Menschen sind, erstmal total irgendwie auch den Zugang zur Realität verliert, weil man ist da teilweise eingeschlossen, muss man ja so sagen. Und wenn man dann nur Menschen im Untergewicht sieht oder so, dann wird das irgendwann natürlich auch normal Und dann hat man irgendwie nicht mehr so den Bezug zu einem richtigen Körper, wie er eigentlich gesund aussieht. Und dann der zweite Punkt, der für mich sehr schwierig war, war einfach, weil ich Heimweh hatte. Ich habe zu Hause eine Hündin, ich habe meine Mama zu Hause und ich war einfach sehr, sehr gerne zu Hause. Und wenn man dann gegen seinen Willen in so einem Umfeld festgehalten wird, ist das schon am Anfang sehr schwierig. Vor allen Dingen, weil man ja auch diese anorektischen Gedanken dann hat und gegen den Willen von Anorexie gehandelt wird, was das alles natürlich noch schwieriger macht, wenn man sagt, ich habe mir oft gedacht, wie komme ich hier denn wieder raus? Also so schnell wie möglich raus, dass ich alles so weitermachen kann oder dass die Anorexie alles so weitermachen kann, wie sie es geplant hat oder wie sie es gerne hätte. Was bei mir diese ganze Sache, glaube ich, im Endeffekt noch ein bisschen zugespitzt hat, war halt eben diese Verhaltensweisen von anderen Patienten, die man auch aufnimmt, weil zum Beispiel beim Essen, wenn man dann sieht, wie andere ihr Essen loswerden oder wenn die Zimmernachbarin sagt, du kannst ein bisschen was trinken, dann ist da mehr Gewicht auf der Waage im Endeffekt. Das hatte ich alles nicht und dann habe ich mir natürlich schon gedacht, die haben das alle und ich nicht. Ist das dann überhaupt so valide? Also ich muss das ja auch alles haben, dass das überhaupt eine richtige Essstörung ist. Das war in meinem Kopf so. Und das ist, ja, das hat das bei mir einfach alles nochmal so ein bisschen zugespitzt. Und ich glaube, es ist auch eine ganz wichtige Sache, ob man freiwillig da ist oder ob man nicht freiwillig da ist. Weil ich war ja nicht freiwillig da. Und habe auch in der ersten Zeit die Arbeit so ein bisschen verweigert mit den TherapeutInnen und mit allen möglichen Leuten, die mir da einfach helfen wollten. Und die Anorexie hat mir die Zeit auch so ein bisschen schwer gemacht und im Endeffekt habe ich mich dann beim ersten Aufenthalt auch so ein bisschen rausgemogelt. Ich würde da gerne mal einhaken. Das war jetzt nicht gerade der beste Effekt der Klinik, der jetzt da gerade geschildert wurde, wenn sozusagen der Lerneffekt über die Mitpatientinnen die Essstörung erst mal verstärkt. Ist das ein Risiko bei Klinikaufenthalten? Also vielleicht sprechen wir erstmal drüber, weil das ist ja immer die Frage, aus welchem Blickpunkt sieht man, ob ein Klinikaufenthalt erfolgreich war oder nicht. Und in dem Fall, was wir geschafft haben, war, dass Johanna erstmal an Gewicht zugenommen hat. Wir hatten es vorhin zunehmen, zunehmen, zunehmen. Das haben wir geschafft, weil es wichtig ist, aus dem Untergewicht rauszukommen. Gleichzeitig, und so hat es Johanna ja auch beschrieben, dieses Tricks lernen von anderen Patienten, das sehen wir auf allen Stationen tatsächlich. Und das macht ja das Wesen der Magersucht auch aus, nicht nur im Internet, sich gleichzeitig in den Wettbewerb zu begeben, sondern auf Station auch. Also wer schafft es denn zum Beispiel, kürzer die Ruhezeit einzuhalten oder eben morgens vor dem Wiegen doch nochmal mehr zuzutrinken. Und was dann hilft, ist tatsächlich Aufklärung und mit den Patienten offen zu sein, auch wenn es für sie schwer ist, dann überhaupt zuzugeben, dass die Essstörung doch wirklich sehr trickreich ist und oft einem eingibt, was man denn dann noch tun soll, um dem vermeintlichen Patientenziel nahe zu kommen. Und deswegen, wie gesagt, es kommt darauf an, aus welcher Richtung man das sieht und sicherlich ist immer die Frage, wer dann nochmal mitverantwortlich ist für einen zweiten Aufenthalt, aber Aufklärung, Krankheitsaufklärung ist immer wichtig, auch wenn wir wissen, dass am Anfang, wenn die Patienten sehr untergewichtig sind, gar nicht so viel ankommt von den Therapiegesprächen. Ich glaube, das kannst du sicherlich auch nochmal bestätigen und trotzdem ist es wichtig, immer wieder darüber zu berichten, Was sind auch die Gefahren? Was macht eine Essstörung aus? Wie ist es bei dir, auch wenn wir wissen, dass es schwierig ist, für die Patienten zuzugeben, dass getrickst wird? Dein zweiter stationärer Aufenthalt war sechs Monate insgesamt? Ja, ungefähr. Und du hast gesagt, in der ersten Zeit, ich war nur auf dem Zimmer, ich habe da heimlich Sport gemacht die ganze Zeit, damit ich ja nicht zunehme, bis dir dann auch verboten wurde, alleine auf dem Zimmer zu sein. Und dann wurde es aber besser. Was, Was ist passiert? Ja, also der Anfang war für mich natürlich wieder schwierig, weil ich auch in einem nochmal schlechteren Zustand gekommen bin, wie ich überhaupt im ersten Aufenthalt mal war. Und da ging es die erste Zeit eben einfach nur darum zuzunehmen. Also ich war auch sowohl geistig als auch körperlich zu überhaupt gar nichts mehr in der Lage eigentlich. Und ich muss auch ehrlich sagen, ich kann mich an die Zeit, an die ersten paar Wochen oder Monate ganz schlecht erinnern auch einfach. Aber an was ich mich erinnern kann, ist, dass ich, obwohl ich nicht freiwillig da war, habe ich mich mit meiner Therapeutin gut verstanden. Wir konnten gut zusammen arbeiten. Ich habe irgendwann auch, habe ihr sehr dann vertraut. Ich bin auch immer noch bei ihr jetzt. Und einfach die Leute auf Station. Das war vielleicht so ein bisschen das Doofe bei meinem ersten Aufenthalt. Da hat es einfach nicht so gepasst. Das ist natürlich, das wechselt ständig, wer ist da, wer geht wieder. Und da hatte ich einfach das Riesenglück, dass ich super viele tolle Leute da hatte. Und was für mich auch nochmal ein großer Unterschied war, dass es eine offene Station war, weil klar, auf geschlossenen Stationen, die sind für die erste Zeit manchmal einfach notwendig. Aber auf einer offenen Station ist schon nochmal auch ein anderes Klima. Genau, Dankeschön. Und da habe ich mich persönlich einfach viel wohler gefühlt. Irgendwann, ja, also der Anfang war eben schwer, so mit Bewegungsdrang und ein bisschen Tricksen hier und da. Aber irgendwann habe ich dann auch so gemerkt, wenn man ehrlich ist, bringt das einem viel mehr. Weil mein großer Wunsch immer war ja, dass ich nach Hause kann. Und nach Hause darf man nur, wenn das Gewicht passt und sonst auch alles andere. Und das war für mich so ein bisschen meine Motivation. Klar kann man das nicht vom einen aus dem anderen Tag ausschalten, aber ich habe einfach auch Eigenmotivation gebraucht. Überhaupt die Anorexie loswerden zu wollen, weil ich glaube, wenn man das selber nicht will, ist es ganz, ganz schwer, da überhaupt den Patienten dann in dem Fall rauszuholen oder die Patientin. Und, Irgendwann habe ich dann eigentlich auch gemerkt, dass es in der KWP gar nicht so schlimm ist, wie ich es das erste Mal gedacht habe. Ich hatte dann auch ein tolles Bezugsteam, also die Betreuer, die da auf mich aufgepasst haben. Und sobald man dann auch mal mehr Freiheiten bekommt, habe ich dann auch eigentlich gemerkt, dass es sich echt lohnt, zuzunehmen und irgendwie gegen die Krankheit anzukämpfen. Weil klar, am Anfang darf man nicht raus. Man kriegt vorgeschrieben, was man ist, ob man überhaupt ist. Das ist schon echt deprimierend und irgendwie auch so ein extremer Kontrollverlust erst mal. Aber wenn man dann merkt, okay, wenn ich mitmache, dann kriege ich was im Gegenzug dafür. Das ist also der Erfolg Ihrer Strategie, die Sie genannt haben, verhandeln, verhandeln, verhandeln. Also absolut. Also es ist verhandeln. Ich hatte es vorhin gesagt, in der Therapievereinbarung geht es manchmal so wie auf dem Bazar. Da möchte der Therapeut und die Patientin möchte manchmal das Gegenteil oder noch viel mehr. Und da geht es wirklich um knallharte Fakten. Und ein Therapievertrag ist insofern ein Vorteil, als dass auch alle unterschreiben, wie es sich so in dem Vertrag gehört und damit sich aber auch verpflichten, zum einen das Behandlungsteam auch zu behandeln und der Patient aber auch die Behandlung anzunehmen. Und da wird, wie Johanna schon gesagt hat, darüber gesprochen, ist gerade normales Essen möglich oder braucht es eine Sonde? Was darf man dann, wenn bestimmte Gewichte pro Woche erreicht werden? Das heißt, wir rechnen das dann immer pro Woche aus durch regelmäßiges Wiegen. Da wird der Ausgang bestimmt. Da wird auch geguckt, wie geht es nach Hause? Was kann man an welchen Aktivitäten? Kann man teilnehmen? Welches Bewegungsausmaß darf ich haben? Und es macht schon Sinn, gerade wenn die Patienten, so wie es jetzt Johanna auch beschrieben hat, am Anfang erstmal keine eigene Motivation haben, dass wir tatsächlich externe Motivaturen brauchen, die es uns dann leichter macht in der Behandlung. Auch wenn wir dann, ich habe es vorhin auch gesagt, die strengen sind und diejenigen, die halt eben ganz viel wollen und die Patienten nicht. Aber über diese Verbindlichkeit dieser Therapievereinbarung gelingt es doch nicht. Ich würde jetzt gerne noch auf die Rolle der Eltern schauen. Früher hieß es oft, wenn eine Magersucht aufgetreten ist oder ist im familiären System was schief gelaufen. Die Eltern fühlen sich oft sehr schuldig, viel mehr als bei anderen psychischen Erkrankungen. Mittlerweile hat aber ein Umdenken eingesetzt. Es gibt Experten, die sagen, Magersucht ist eigentlich wie Krebs. Das kann jede Familie treffen. Und die Eltern, auch im Zuge dieses Umdenkens, werden jetzt immer stärker als Co-Therapeuten eingesetzt. Nochmal eine Frage an Sie. Wie binden Sie die Eltern ein und wie machen Sie die Eltern fit für diese Rolle? Das stelle ich mir ja gar nicht so einfach vor. Also es ist auch tatsächlich keine einfache Aufgabe. Und wie machen wir die Eltern fit? Indem wir, und da haben Sie vollkommen richtig berichtet, dass sich das System ein bisschen geändert hat, wir beziehen die Eltern einfach noch mehr von Anfang an ein. Am Anfang oder früher, wenn wir über früher sprechen, haben wir eher als Ziel, als Motivation für die Behandlung gesehen, irgendwann mal nach Hause die Patienten gehen zu lassen. Mittlerweile ist es so, dass wir relativ am Anfang der Behandlung schon die ersten Mahlzeiten zu Hause einüben mit den Eltern. Das heißt, wir haben Elterngespräche, Telefonate, wir machen mit den Familien auch auf Station auch Familienessen zum Beispiel, wo einfach auch geübt wird, wie funktioniert eine gemeinsame Mahlzeiteneinnahme. Wenn man sich das früher vorstellt, zu Hause ist es so, dass entweder gar keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr stattgefunden haben oder ständig nur noch diskutiert wird, dass das, was auf dem Teller liegt, eigentlich viel zu wenig ist und das Kind aber sagt, das interessiert mich nicht, ich will nicht mehr. Und dann gar nicht mehr gesprochen wird am Esstisch. Das heißt, wir versuchen durch dieses Familienessen auch wieder Normalität an den Tisch zu bringen und die Eltern auch insofern einzubinden, als dass es nochmal eine Regelmäßigkeit gibt. Weil wir sprechen am Anfang über sechs Mahlzeiten am Tag, die begleitet sein müssen. Und dafür braucht es, um auch nachvollziehen zu können, warum ist das so wichtig, auch da eine Krankheitsaufklärung. Was wir neu haben, haben wir auch letzte Woche darüber gesprochen, ist das Elterntraining und das habe ich schon mitgenommen für mich, es ist kein günstiger Zeitpunkt, das während der Besuchszeit mit den Patienten stattfinden zu lassen, weil die Patienten natürlich zu Recht sagen, ja Moment mal, das ist doch die einzige Zeit unter der Woche, da besuchen meine Eltern mich und dann sollen die auch noch in den Elterntraining sitzen, das ist nicht so zielführend, habe ich mitgenommen. Aber das ist tatsächlich was, was wir immer regelmäßig stattfinden lassen, um einfach auch dieses Fachwissen auf Elternebene gut transportieren zu können und dann immer mitnehmen über die Gefahren, aufklären. Fragen beantworten, gleichzeitig Fragen stellen. Und was wir auch immer wieder machen, ist, je mehr die Patienten zu Hause essen, die Eltern auch bitten, Fotos von den Mahlzeiten zu machen, nicht weil wir unbedingt gucken wollen, ob irgendwas im Drei-Sterne-Bereich angerichtet ist auf dem Teller, sondern um zu gucken, ist denn die Portionsgröße auch adäquat oder denken alle, das passt eigentlich und es ist eigentlich zu wenig auf dem Teller. Sie sind als Mutter hier heute Abend und damit als genauso eine Co-Therapeutin. Mich würde interessieren, wie ging es Ihnen denn mit den Klinikaufenthalten? Sie haben gesagt, Johanna war da nicht glücklich. Trotzdem hat sie ganz klar Hilfe gebraucht. Nach einem missglückten ersten Versuch und längeren Aufenthalt mussten Sie dann sogar nochmal im zweiten zustimmen. Wie ging es Ihnen damit? Sie waren ja auch sehr präsent in dieser Zeit. Also Sie waren oft auch in der Klinik und haben auch viel Zeit investiert. Ja, das kann man so sagen. Ich habe auch zu der Zeit meinen Beruf pausiert. Also ich arbeite an der Uni Freiburg und konnte da einfach mich beurlauben lassen. Ne, stimmt gar nicht, Krankengeld habe ich in dieser Zeit bekommen. Ich war krankgeschrieben, habe Krankengeld bekommen, also auch weniger Geld. Und. Wie viele Nachmittage waren Sie denn in der Klinik, um Johanna zu besuchen oder zu betreuen? Als Laie denkt man immer eher, die Kinder sind dann weg und die Eltern dürfen nur ganz selten mal schnuppern kommen. Nee, also ich war insgesamt anderthalb Jahre krankgeschrieben, wegen der Johanna. Besuchstage, aktuell weiß ich es nicht, wie sie sind, aber. Also drei bis vier, je nachdem auf welcher Station man ist. Genau, die Wochenenden, also auch wirklich Stunden. Ich saß viel einfach mit Johanna in der KWP im Garten. Wir haben einfach die Zeit rumgebracht. War das dann eine Entlastung, wenn dann Mahlzeiten eher bei Ihnen zu Hause eingenommen wurden, so wie es Frau Zimmermann jetzt geschildert hat, dass man dann zu Hause ist? Also das muss von Beginn an gut durchdacht werden, sowas. Bei uns war das alles ein bisschen schwierig. Johanna hatte zu Anfang eine Sonde, ganz lang. und ich sag mal, in dieser Zeit sind sowohl die Kinder, aber genauso die Eltern in einem völligen Ausnahmezustand. Also Eltern haben den schwierigsten Job, In meinem Fall war ich es mehr oder weniger alleine, den schwierigsten Job, weil man halt, es ist halt das Kind. Und ich glaube, also ich gebe es zu, ich mag die Johanna wirklich sehr, sehr, sehr gerne. Und für mich war irgendwie von Anfang an klar, alles andere kommt danach. Also da sage ich auch, hätte ich ein krebskrankes Kind, wäre wahrscheinlich für die meisten hier eine Selbstverständlichkeit, dass sie den Job mal pausieren, vielleicht für ein halbes Jahr, um einfach da zu sein. Und es muss einem bewusst sein, dass alles hinten anstehen muss. Gleichzeitig muss man aber auch auf sich achten. Weil sonst, genau, die ganzen Hamsterräder, die da so im Hintergrund laufen, da kommt eins zum anderen. Sie hatten gesagt, es war eine richtig schwere Zeit für Sie. Es ist großartig, dass Johanna heute wieder so gut dasteht. Wenn Sie jetzt zurückblicken, was würden Sie den anderen Eltern mit auf den Weg geben? Was kann helfen, was kann unterstützen in so einer schweren Situation? Sie haben mir gesagt, man muss sich wirklich richtig schlau machen. Ist das ein Punkt? Immer selber mitdenken. Also alle Ärzte, jedes Personal, das sind alles Menschen, die haben gute Tage, schlechte Tage, da ist die Oma gestorben, was weiß ich. Immer selber mit dabei sein. Und ich glaube, das hilft auch total, weil natürlich jede Familie sehr individuell ist und auch individuelle Ressourcen hat, wenn wir daran denken, wie es nach Hause geht, wer kann was leisten. Jetzt wie bei Ihnen, das war ja auch ein Kraftakt, der Sie viel Kraft gekostet hat und klar war, ich muss aber so lange durchhalten, weil es eben ja nicht nach zwei Wochen wieder erledigt ist. Und auch das Thema Mitdenken finde ich ein ganz wichtiger Punkt, weil wir sind dann auch in unserem Alltag, wir berichten das mit vielen Patienten gemeinsam, mit Eltern gemeinsam und für uns sind viele Themen ja fachlich einfach so präsent, dass wir dann auch gar nicht immer sofort daran denken, das ist noch wichtig, das ist noch wichtig, deswegen lohnt es sich auch selber, wie Sie sagen, sich zu informieren. Was bedeutet das generell, dass ich ein magersüchtiges Kind habe und was bedeutet das aber auch für mich und meine Familie auf individueller Ebene? Ja, ja. Kenne deinen Feind, war immer so mein Motto. Das wollte ich immer. Ich wollte wissen, mit was ich es zu tun habe. Und ich glaube zu Beginn, also an Eltern, ich glaube, man kann das nicht alleine schaffen, als Familie. Viele schämen sich, denken, ich habe was falsch gemacht. Können sie denken, sie können sich auch schämen. Weitergehen muss es trotzdem. Und das heißt professionelle Hilfe, sich auch da leider wirklich selber schlau machen müssen. Es geht ja um mein Kind. In der Klinik ist es ein Kind von wie viel auf der Station sind, aber es ist mein Kind, also mein Engagement ist nach wie vor gefordert und es geht nur gemeinsam und auch dann nur, wenn es ineinander läuft. Und da sind viele Faktoren. Wir hatten das Jugendamt mit am Start. Heute muss ich sagen ... Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn man mir die Entscheidung gelassen hätte. Ich kann das nicht beantworten. Welche Entscheidung meinen Sie jetzt? Also es hieß dann irgendwann, Johanna hatte irgendwann eine Erziehungsbeiständin übers Jugendamt. Und somit waren wir ans Jugendamt angeknüpft. Und somit hatte das Jugendamt immer ein Auge drauf. Und der zweiten Aufenthalt, der war nicht freiwillig. Johanna kam im Rollstuhl und jetzt habe ich den Fahnen verloren. Als wir uns dann gesehen haben auf Station, ich habe es auch letzte Woche gesagt, ich bin tatsächlich erschrocken, weil Johanna körperlich noch in einem schlechteren Zustand kam als beim ersten Aufenthalt und da war klar, wir müssen schauen, reicht das Setting wirklich zu Hause, genügen die ambulanten Unterstützungen, die das Jugendamt bereitstellt oder braucht es vielleicht doch einfach eine spezialisierte Einrichtung, die sich genau auf dieses Thema fokussiert und eben Essstörungspatientinnen oder dann in dem Fall junge Mädchen einfach behandelt. Und das war bei Johanna ja dann auch Thema. Und es gibt, muss man sagen, ganz viele Einrichtungen, die sich auf diesen Bereich spezialisieren. Nicht so viele, wie man gerne hätte, weil auch da die Plätze einfach sehr rar sind. Und es gibt sehr wenige im Bereich Freiburg. Aber es kann eine Unterstützung sein, wenn klar ist, ambulant reicht es nicht. Und die Familie braucht dann doch nochmal mehr. Music.