Latest / ntv Wirtschaft / Vorzeigebranche in Gefahr: Was passiert mit unseren Auto-Jobs?
Transcript
- 0:04Die Autoindustrie war lange ein Jobmotor Deutschlands. Doch ausgerechnet ein
- 0:09Festhalten am Verbrenner könnte uns viele Arbeitsplätze kosten.
- 0:14Außerdem, die Deutsche Bank meldet einen überraschend hohen Milliardengewinn.
- 0:18Und an der Börse startet eine Thyssen-Krupp-Tochter in die Eigenständigkeit. Hallo und willkommen.
- 0:25In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:29die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:34Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:39Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:43geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:50Was wird aus den Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie?
- 0:53Die Forschungsorganisation ICCT hat errechnet, wenn die EU-Staaten doch länger
- 0:59am Verbrenner festhalten, wie gerade ja diskutiert wird,
- 1:02und wenn sie die geplanten CO2-Standards für Neuwagen um fünf Jahre verzögern würden,
- 1:08dann könnten dadurch bis 2035 bis zu 185.000 Jobs verloren gehen.
- 1:15Allein in Deutschland wären demnach etwa 77.000 Stellen gefährdet.
- 1:20Hält die EU dagegen an den geplanten CO2-Vorgaben fest, könnten sogar neue Jobs entstehen.
- 1:27Dabei braucht die Herstellung eines Elektroautos weniger Arbeit als die eines
- 1:31Verbrenners. Wie passt das zusammen?
- 1:34Was spricht für das Verbrenner aus? Und welche Arbeitsplätze verschwinden oder bleiben?
- 1:39Darüber hat Sibylle Schaar mit Albert Waas vom Beratungsunternehmen BCG gesprochen.
- 1:45Fürchten Sie auch, dass ein Festhalten am Verbrenner Deutschland ganz,
- 1:48ganz viele Jobs kosten würde?
- 1:50Zunächst sehe ich natürlich grundsätzlich eine Herausforderung für die Automobilindustrie.
- 1:53Und unabhängig vom Festhalten am Verbrenner oder zum Wechsel zum Elektroauto,
- 1:58sehen wir einen zunehmenden Druck,
- 2:01der sich am Ende des Tages auch auf die Arbeitsplätze auswirken wird.
- 2:04Und Fakt ist, man muss innovativer werden und wir brauchen den Wandel hin zur
- 2:09Elektromobilität, um global und auch in Europa Marktanteile halten zu können.
- 2:14Wir brauchen diesen Wandel, haben Sie gerade gesagt. Vielleicht können wir das.
- 2:17Mal ein bisschen runterbrechen auf die Berufsbilder.
- 2:20Welche drei Berufe werden in der deutschen Autobranche in zehn Jahren am dringendsten
- 2:26gesucht und welche drei werden vielleicht deutlich seltener gebraucht?
- 2:29Also ich fange mal an, was wir definitiv weniger brauchen werden.
- 2:32Das ist die reine operative Arbeit, also sprich die Menschen an der Produktionslinie.
- 2:38Wir sehen zum einen, dass die Produktion immer stärker ins Ausland verlagert,
- 2:41dass wir am Standort Deutschland auch nicht wettbewerbsfähig sind,
- 2:44was Lohnkosten anbelangt und Arbeitszeit in der Summe.
- 2:50Und gleichzeitig haben wir auch nochmal eine starke Automatisierung über Robotik, Leichtbau, Roboter.
- 2:56Das heißt, dort werden Arbeitsplätze unter Druck geraten.
- 2:59Auf der anderen Seite haben wir einen sehr starken Wandel in Richtung Digitalisierung,
- 3:05KI, künstliche Intelligenz, die Einzug
- 3:07hält. Das heißt, wir brauchen mehr Jobprofile, die in der Lage sind.
- 3:12Mit KI-Agenten zu bauen, Prozesse zu digitalisieren.
- 3:17Und da haben wir tatsächlich einen großen Nachholbedarf. Nachholbedarf,
- 3:20gerade auch mit Blick nach Asien. Wir sehen es, China gilt als der große Wettbewerber.
- 3:25Was machen die chinesischen Hersteller aktuell deutlich besser als die Deutschen?
- 3:30Und was können wir uns vielleicht auch einfach abschauen?
- 3:32Also wir sehen im Kern zwei Vorteile der chinesischen Hersteller.
- 3:36Das sind zum einen natürlich die Kosten entlang der kompletten Lieferkette.
- 3:41Das heißt, chinesische Automobilhersteller können Fahrzeuge signifikant günstiger
- 3:46entwickeln und produzieren und haben dadurch natürlich einen Wettbewerbsvorteil.
- 3:50Und auf der anderen Seite ist es die Innovationskraft. Wir sehen einfach sehr
- 3:54attraktive Fahrzeuge, insbesondere im Innenraum, im Infotainment,
- 3:59im digitalen Ökosystem, sind uns Chinesen in vielen Fällen einige Jahre voraus.
- 4:05Was können wir uns abschauen? Ich glaube, wir können die Chinesen nicht mit
- 4:08ihren eigenen Waffen schlagen. Das heißt, wir sollten nicht anfangen,
- 4:12chinesische Hersteller eins zu eins kopieren.
- 4:15Ja, wir müssen die Kostenlücke schließen und kleiner machen,
- 4:19aber auf der anderen Seite müssen wir innovativer werden.
- 4:21Und Innovation heißt nicht, das, was China heute hat, eins zu eins kopieren,
- 4:26sondern Innovation heißt wieder Vorreiter werden mit eigenen Entwicklungen.
- 4:31Und das ist eine Riesenchance, die wir hier am Standort in Deutschland auch
- 4:34haben. Man darf die Chinesen nicht kopieren, das kann nicht der Weg sein.
- 4:37Sind Sie denn zuversichtlich, dass dieser Wandel in der deutschen Autoindustrie
- 4:41gelingen wird und man diese Chance wirklich nutzt?
- 4:44Ich bin grundsätzlich Optimist, ich bin zuversichtlich, wenn ich mir den Standort
- 4:47Deutschland anschaue. Wir haben extrem viel Talent, wir haben sehr gute Universitäten,
- 4:52wir haben gut ausgebildete junge Menschen, die mit viel Motivation und Elans in die Jobs starten.
- 4:59Und wir haben auch nach wie vor eine sehr resiliente Automobilindustrie und
- 5:02einen starken Mittelstand. Insofern, wir haben die Grundvoraussetzungen.
- 5:06Wir werden mit Sicherheit noch ein, zwei, drei Jahre durch einen Tal der Tränen gehen.
- 5:11Und dann bin ich aber davon überzeugt, dass die deutsche Automobilindustrie
- 5:15stärker denn je aus dieser Krise hervorkommen wird und auch wieder global Marktanteile
- 5:20halten und gewinnen werden können.
- 5:22Wie groß der Druck auf die Branche ist, das zeigen auch neue Zahlen von Mercedes.
- 5:27Der Gewinn stieg im dritten Quartal zwar sogar um rund 28 Prozent,
- 5:31auf etwa 1,5 Milliarden Euro.
- 5:34Aber die Stuttgarter kamen auch von einem niedrigen Niveau mit Sonderbelastungen.
- 5:38Tatsächlich hat Mercedes jetzt sogar weniger Autos verkauft als im Vorjahresquartal.
- 5:44Und auf dem wichtigen chinesischen Markt brach der Absatz um fast ein Drittel ein.
- 5:49Wegen dieses schwachen China-Geschäfts und steigender Kosten hat Mercedes seine
- 5:53Gewinnprognose für dieses Jahr gesenkt.
- 5:56Während die Autobauer also weiter um Absatz und Arbeitsplätze kämpfen,
- 6:00übertrifft die Deutsche Bank die Erwartungen.
- 6:03Auch die meldet nämlich einen satten Milliardengewinn. 1,9 Milliarden Euro nach
- 6:09Steuern im dritten Quartal.
- 6:11Und das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet.
- 6:14Auch die Erträge fielen mit rund 8,3 Milliarden Euro etwas besser aus als prognostiziert.
- 6:21Im Gesamtjahr könnte die Bank
- 6:22ihr Ertragsziel damit übertreffen und profitabler sein als angenommen.
- 6:27Und vom Deutschlands größter Bank geht es direkt rüber an die Frankfurter Börse.
- 6:32Die hat ihren wohl größten Neuzugang in diesem Jahr begrüßt.
- 6:35Der von ThyssenKrupp abgespaltene Werkstoffhändler TK Axelis ist an die Börse gegangen.
- 6:42Der erste Kurs lag bei 27,80 Euro. Anschließend ging es zeitweise weiter nach oben.
- 6:48Bewertet wurde das Unternehmen zum Start mit knapp 1,8 Milliarden Euro.
- 6:53Damit ist der ja auch zuletzt heftig umstrittene Umbau von ThyssenKrupp aber
- 6:57längst nicht abgeschlossen.
- 6:59Konzernchef Miguel Lopez bereitet auch für das frühere Kerngeschäft die Abspaltung vor.
- 7:05Er will die Stahlsparte möglichst bald an die Börse bringen.
- 7:08Und an der Börse hat er mit Frank Mayer über die Pläne gesprochen.
- 7:12Wie weit sind Sie in dieser Transformation? Was kommt da demnächst alles noch ans Parkett?
- 7:17Also wir haben heute mit TK Axelis unsere Material-Service-Sparte hier an die Börse gebracht.
- 7:25Und wir sehen in diesem Geschäft eine sehr große Notwendigkeit bei unseren Kunden
- 7:34über die sogenannte Resilienz der Lieferketten sich abzusichern.
- 7:38Und damit sehen wir ein sehr gutes Potenzial nach vorne.
- 7:41Und wir bereiten natürlich die nächsten Schritte vor und haben am 28.
- 7:47September in London den ersten Kapitalmarkttag gehabt von unserer Stahlsparte.
- 7:54Das kam sehr gut an und wir bereiten jetzt unsere Stahlsparte als nächstes für den Börsner vor.
- 8:00Ist das jetzt so ein Umfeld an der Börse, wo man sagt, ja, Stahl läuft wieder
- 8:05oder könnte es kipplich werden wegen der internationalen Lage auch?
- 8:10Also ich denke, dass wir erstmal intern unsere Hausaufgaben gut gemacht haben
- 8:14mit den Plänen zur Kostenreduzierung auf der einen Seite und auf der anderen
- 8:20Seite die Europäische Union.
- 8:24Mit der Anhebung der Zölle und auch mit der Reduzierung der Importquoten einen
- 8:30sehr großen, guten Schritt gemacht haben, um Stahlproduktion in Europa tatsächlich zu halten.
- 8:36Das ist ein, wenn nicht sogar der wichtigste Werkstoff, den wir alle haben für
- 8:42alle möglichen Industrien.
- 8:44Und deswegen muss eine Versorgung,
- 8:46in Europa, außer Europa sichergestellt sein. Und da hat die Europäische Union,
- 8:51eine sehr gute Arbeit geleistet.
- 8:53Aber das ist ja ein Teil von dem, was man vorher nicht gut gemacht hat.
- 8:56Inwieweit spüren Sie diese Einflüsse von der Politik und von der EU,
- 9:01die Standortbedingungen auch?
- 9:03Wie stünde ThyssenKrupp da, wenn es nicht diese politischen Interventionen gäbe?
- 9:07Ja, man muss sagen, in dem Fall sind es ja die richtigen Schritte,
- 9:15um den europäischen Industriestandort zu erhalten.
- 9:20Und was wir wollen als ThürsenKrupp ist, dass wir weitere Schritte tun,
- 9:25Made in Europe zu verfolgen und natürlich die Handelspartnerschaften mit anderen Ländern.
- 9:34Bestehen zu lassen, aber auf Augenhöhe.
- 9:36Und deswegen sind die Industriepolitik in Europa, um die Industrien zu schützen
- 9:42und zu halten, die wir in Europa brauchen.
- 9:45Und wir sind ein Industriestandort.
- 9:47Das ist wichtig und das sehen wir vermehrt positiv von der Politik.
- 9:54Herr Lopez, diese Reformen, die angekündigt worden sind, vor vielen Monaten
- 9:58spüren Sie, da müssen Sie ja zuerst auch mit so spüren.
- 10:00Spüren Sie was im Geschäft, dass sich da was verändert hat? Also im Moment sind,
- 10:04die Endmärkte immer noch schwierig.
- 10:08Also wir sind natürlich sehr, sehr verbunden mit der Automobilindustrie.
- 10:12Als Beispiel zwischen 40 und 50 Prozent der gesamten Stahlproduktion von ThyssenKrupp
- 10:17geht in die Automobilindustrie.
- 10:19Und da spüren wir natürlich schon, dass die Erholung auf sich warten lässt.
- 10:23Also die Impulse sind gesetzt, aber ich glaube, wir brauchen nochmal ein paar
- 10:29beschleunigende Elemente, die das dann auch sicherstellen.
- 10:33Ein guter Schritt war in der letzten Woche die entsprechende Vereinbarung zwischen
- 10:39Herrn Merz und Herrn Macron zur Automobilindustrie.
- 10:43Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 10:47Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.