Latest / Im Bett mit Buch / Verrat
Transcript
- 0:02Einen wunderschönen und doch recht kalten Guten Morgen, liebe
- 0:08Monique. Tag Kurt.
- 0:12Wie geht es dir heute? Ich habe es ewig nicht gesehen.
- 0:15Du mir geht's stabil. Wie geht's dir?
- 0:21Ich liebe ja die russische Antwort darauf, die Hisse nu.
- 0:25Normal, das heißt so viel wie ey, alles echt richtig gut.
- 0:30Doch mir geht's eigentlich auch ganz gut.
- 0:33Die Stimme ist ein bisschen angeschlagen, aber was soll man
- 0:35machen, es ist ja nach wie vor Winter, aber dementsprechend ist
- 0:41alles im Besten. Eigentlich kann man sich gar
- 0:46nicht beschweren und als hoffen wir natürlich auch, dass ihr
- 0:50liebe Hörer und Hörerinnen euch wirklich über gar nichts
- 0:53beschweren könnt und. Und einfach zufrieden und
- 0:56glücklich irgendwo sitzt und uns zuhört, wie wir uns mal wieder
- 1:01um Kopf und Kragen reden. In der neuesten Folge unseres
- 1:05Podcasts im Bett mit Buch ist dir aufgefallen, Monique, dass
- 1:10wir bei unserer letzten Folge vor 2 Wochen einfach mal
- 1:12überhaupt nicht erwähnt haben, dass wir auch n Namen haben.
- 1:15Ja, ja. Aber es passt, weil ich vergesse
- 1:18ja auch immer die Autoren oder die die Titel der Bücher zu
- 1:21sagen. Ich wollte gerade sagen, weil
- 1:22ich dachte, es war next Level. Erst vergessen wir nur die Titel
- 1:24zu sagen, jetzt wie der Podcast heißt.
- 1:28Wir sind sehr froh, liebe Hörerinnen und Hörer, dass ihr
- 1:29uns trotzdem gefunden habt. Oh Gott, das sollen wir auch
- 1:34noch. Ich habe vergessen, wie ich
- 1:35heiße. Ich weiß es noch.
- 1:37Du heißt kurz. Dankeschön und Monique, Ich
- 1:39werde dir verraten, wie du heißt, nämlich Monique ist eine
- 1:44Überraschung. So ein hübscher Name.
- 1:47Wo kommt der denn? Her?
- 1:49Ja, das müssen wir tatsächlich mal die Verantwortlichen Fragen.
- 1:52Und wie immer sitzt im Studio natürlich auch unser Produzent
- 1:56der Liebe Götz, der uns gerade darauf hingewiesen haben, dass
- 1:59wir beide Namen haben, so auch er einen wunderschönen guten
- 2:02Morgen, lieber Götz. So, und jetzt sitzen wir beiden
- 2:08wieder hier zusammen. Jedes Mal, wenn wir uns treffen,
- 2:11hab ich das Gefühl, wir haben uns wirklich mindestens 10
- 2:13Wochen nicht unterhalten, weil ich schon wieder so viel
- 2:15Redebedarf habe, aber sie haben sich n gutes Zeichen.
- 2:22Und wir haben uns, wir haben natürlich wieder ein
- 2:24zauberhaftes Thema in unserem kleinen Rucksack dabei.
- 2:29Ja, das haben wir und ich dachte gerade bei bei deiner Begrüßung,
- 2:34vielleicht können wir ja so darauf kommen, dass wir uns
- 2:36immer so freuen, wenn in unserem Leben alles in Ordnung ist und
- 2:39wir uns so freuen, wenn in dem Leben unserer Lieben und unserer
- 2:42Freunde und Freundinnen alles in Ordnung ist.
- 2:44Aber stell dir mal vor, es wäre in der literarischen Welt so.
- 2:48Dass im Leben der Hauptfiguren einfach alles in Ordnung ist.
- 2:53Für 5 Minuten ist das total angenehm, aber dann wird es
- 2:56wirklich langweilig. Geb ich dir vollkommen recht,
- 2:59das stimmt, das ist doch wie heißt dieser berühmte Ausspruch
- 3:03irgendwie mit mit ist es nicht bei Thomas Mann sogar.
- 3:07Dass Familien im Unglück da und es ist immer unterschiedlich.
- 3:11Es ist halt toll, okay und Familien im Glück ist irgendwie
- 3:14immer das gleiche. Es wird sicherlich ein Zitat
- 3:17sein, was sehr viel besser im eigentlichen klingt, als ich es
- 3:20gerade halbwegs oder nur viertelwegs reproduzieren
- 3:24konnte, aber du hast recht und es gibt in der Literatur
- 3:27natürlich mannigfaltige Möglichkeiten, das Leben von
- 3:30Protagonisten und Protagonistinnen so richtig
- 3:33durcheinander zu nerven. Gibt es und 1 der ganz, ganz
- 3:38großen Themen haben wir uns heute vorgenommen.
- 3:40Und wie es manchmal so ist, wenn man vor ganz großen Themen
- 3:42steht, denkt man sich erst ja mega und dann warte mal, was
- 3:50passt denn da eigentlich dazu? Also so ging es mir jeden ich.
- 3:53Bin so beruhigt, weil es mir auch jemand, man dachte das ist
- 3:56n Thema, da müssen wir gar nicht nachdenken.
- 3:58Es gibt Millionen von Titeln. Ich glaube, wenn man von
- 4:05Shakespeare die Komödien weglässt, dann ist alles,
- 4:08worüber Shakespeare geschrieben hat, eigentlich dieses Thema,
- 4:13und dann sitzt man da und denkt sich, ich hab doch so viele
- 4:15Bücher gelesen, aber das ist irgendwie passt das alles nicht,
- 4:18weil man es noch treffender haben will.
- 4:21Aber ich habe hoffentlich doch 34 Titel dabei, die dich noch
- 4:25überraschen können und andersrum du auch.
- 4:29Ja. Wie heißt denn das Thema?
- 4:31Willst du es uns verraten? Oh Gott, das war zu blöd.
- 4:36Unser Thema heißt Verrat. Ja.
- 4:40Ja, also wenn man was mal auseinandernimmt, Verrat.
- 4:43Also da steckt ja auch der Rat drin, also ja.
- 4:46Hast du ne Ahnung wo das Wort herkommt?
- 4:48Nee, schade, das hätte man mal nachschauen können.
- 4:51Ne, also die Etymologie das und das schön.
- 4:53Schön, dass uns das jetzt einfällt.
- 4:55Bisschen spät können vielleicht die Regie mal kurz nachgucken
- 4:58und uns das ins Ohr flüstern. Und wir tun so, als ob wir
- 5:00selber drauf gekommen. Wären aber also was es bedeutet.
- 5:03Vielleicht können wir damit ja anfangen, ne und das irgendwie
- 5:05mal mal klarzuziehen hier bei so einem großen Thema.
- 5:08Also Verrat bedeutet ja rein praktisch, dass ein.
- 5:13Bestehendes Loyalitätsverhältnis ein bestehendes
- 5:16Vertrauensverhältnis gebrochen wird und ist damit eigentlich
- 5:21eine der übelsten Sachen, die einem passieren kann, weil die
- 5:25Vorstellung, dass, dass es jemanden oder etwas jemanden
- 5:31gibt, auf den ich mich wirklich verlasse, auf die Loyalität, die
- 5:34ich mich verlassen kann, auf das Vertrauensverhältnis, dem ich
- 5:36etwas anvertraue und. Und der bricht das dann und
- 5:39verrät das. Aua ja.
- 5:42Das ist tatsächlich also. Denn um also zumindest auf
- 5:46dieser persönlichen Ebene um verraten werden zu können, musst
- 5:50du ja vorher vertraut haben, denn ein Verrat, wenn man eh
- 5:53nicht vertraut hat, ist jetzt nicht so.
- 5:56Wirkungskalkuliertes Risiko. Richtig, richtig.
- 5:59Und aber das ist tatsächlich mal eine sehr, sehr, sehr, sehr
- 6:02präzise Zusammenfassung. Ich hätte vielleicht also
- 6:06zumindest was jetzt einen persönlichen Verrat ausgeht.
- 6:09Man kann natürlich Verrat auch noch ein bisschen weiter fassen,
- 6:15also der Verrat von Geheimnissen, also auch
- 6:18Staatsgeheimnissen, also natürlich die klassische
- 6:21Spionageliteratur, ist natürlich voll mit mit Verrat, ich habe da
- 6:25auch was im Gepäck. Es gibt den Verrat an sich
- 6:31selbst. Das ist natürlich jetzt n
- 6:33bisschen komisch, mit irgendwie mit, mit Treue und Loyalität,
- 6:37aber da geht es ja eher darum, dass man sozusagen seinem
- 6:41eigenen selbst entsprechend nicht richtig lebt, weil man
- 6:45Kompromisse eingehen muss, und da ist es wieder schon so n
- 6:48wechselfeld ne ist dann irgendwie eher das Thema
- 6:50Kompromisse oder kann man hier wirklich noch vom Thema Verrat
- 6:53reden? Aber ich glaube, da liegt es
- 6:56dann immer wahrscheinlich an der Innensicht der Protagonisten, ob
- 6:58die das selber als Verrat sehen. Ne?
- 7:01Ja, und dann hast du natürlich noch.
- 7:03Also du hast Verrat auch auf so einer moralischen Ebene als
- 7:06Möglichkeit, auf einer religiösen Ebene auch ne genau
- 7:10politisch hast du schon gesagt, Staat, Partei, Revolution, was
- 7:14man da alles verraten kann. Ich hab gerade ganz viele Bücher
- 7:17gelesen hintereinander weg, die alle sozusagen.
- 7:21In der DDR spielen und da ist Verrat so ein durchgehendes
- 7:24Thema haben wir auch häufig nichts drin, weil das vielleicht
- 7:27noch mal woanders gut passt. Aber das war, das war also es
- 7:30waren 3 Bücher hintereinander und bei allen dreien ist es so
- 7:33stark hervorgestochen wie essenziell, was was für n
- 7:37essenzieller Lebensbestandteil das war, ob man sozusagen als
- 7:40Verräter betrachtet wurde oder nicht und in ganz alltäglichen
- 7:44Sachen, also jetzt gar nicht. Gar nicht die großen
- 7:47Staatsgeheimnisse, sondern irgendwie schon schon angefangen
- 7:50bei den kleinen Sachen. Ne was dann gleich mit dieser
- 7:53mit dieser großen Keule erschlagen beziehungsweise
- 7:55gelabelt wurde. Und das ist ja so ein weites
- 7:57Feld. Also weil auch eine kleine
- 7:59Indiskretion ist ja eigentlich schon ein Verrat, und das ist
- 8:03natürlich immer die Frage, also wo setzt man, wo setzt man die
- 8:07Grenze, also wann beginnt wirklich ein Verrat, aber ich
- 8:10glaube, das kann tatsächlich nur jeder Mensch für sich selbst.
- 8:13Beantworten. Und auf der anderen Seite ist
- 8:15aber so, wenn du Indiskretion sagst und dann denke ich an
- 8:18Klatsch und Tratsch, der ja von Indiskretion lebt, und das ist
- 8:22aber sprachlich und gesellschaftlich ist es ja ein
- 8:26Mittel, um Nähe herzustellen, also.
- 8:30Auf Kosten der Personen, die man verrät in Anführungsstrichen.
- 8:35Ja, da würde ich jetzt mal. Also die.
- 8:38Das das kommt dann ja auf Kosten.
- 8:40Also damit machst du es auch gleich wieder groß.
- 8:41Also war aber rein rein semantisch bedeutet es ich
- 8:45vertraue dir etwas an über eine andere Person, ich stelle jetzt
- 8:49Nähe zu dir her und das ist etwas das Kommunikation wäre
- 8:53ohne das nicht. Im gesellschaftlichen
- 8:56Zusammenhang nicht möglich. So das ist etwas was was, was
- 8:59auch im gewissen Sinne so n so n weiß ich nicht so n
- 9:02gesellschaftliches Schmiermittel.
- 9:04Richtig geht. Und das ist schon auch die
- 9:06andere Seite von Verrat, weil wir das eben auch brauchen.
- 9:09Irgendjemand muss uns ja dann, nennen wir es mal anders, ein
- 9:12Geheimnis verraten, das klingt schon gleich nicht so furchtbar.
- 9:15Richtig, richtig und vor allen Dingen, wenn man es dann noch in
- 9:18Zusammenhang setzt mit der. Dazugehörigen nötigen kleinen
- 9:23Cousine, nämlich der Neugier, ja, also der Verrat bringt ja
- 9:27als Schmiermittel der Person gegenüber, der ein Geheimnis
- 9:32verraten wird, ja nur Spaß, wenn da auch die Neugier auf der
- 9:34anderen Seite ist, sozusagen die oder die Sensationslust an
- 9:38dieser kleinen Indiskretion, Indiskretion auch Freude zu
- 9:41haben. Also dementsprechend kann auch
- 9:44so ein kleiner Verrat. Auf jeden Fall Spaß bringen.
- 9:51Auf jeden Fall kann auch ein großer Verrat richtig viel Spaß
- 9:53bringen, wenn wir ihn in der Literatur erleben.
- 9:56Denn da ist es safe, würde ich sagen.
- 9:59Ja, also für uns, für uns, ne man man sitzt relativ
- 10:02unbeteiligt dabei, kann mitleben, aber das.
- 10:05Beteiligt? Nee, aber unbeteiligt doch.
- 10:06Nicht nee, ich meinte also unbeteiligt nicht.
- 10:08Also man man, man, man lebt mit, man fiebert mit.
- 10:13Aber es ist natürlich trotzdem ne sehr sichere Sache, weil du
- 10:15kannst das Buch zu machen und bist dann selber wirklich nicht
- 10:18persönlich davon betroffen, was gerade geschehen ist.
- 10:21Aber es ist so, wie wir das bei unserer letzten Folge hatten, am
- 10:25Rand also 1 der reichhaltigsten Themen, die man, glaube ich,
- 10:33haben kann in der Literatur und auch in anderen Kunstformen.
- 10:37Es ist natürlich immer ganz spannend, wenn man mal so n
- 10:39bisschen recherchiert. Ich weiß noch, dass wir bei dem
- 10:41Thema Identität, da kam ich ja irgendwie dahinter, dass ja das
- 10:47wohl n Lebensthema von Max frisch war, der so sehr damit
- 10:51spielte und beim Thema Verrat habe ich irgendwie beim
- 10:56Recherchieren rausgefunden, dass dieses Thema wohl insbesondere
- 11:00neben Shakespeare insbesondere ean mcuwen wahnsinnig umtreiben
- 11:05muss, also. Bücher von EAN MC Ewan wurden,
- 11:09wenn man mal schaut, was gibt es denn so in der Weltliteratur?
- 11:11Zum Thema Verrat wurden überdurchschnittlich oft
- 11:14genannt, was ich ganz spannend fand, ich kann es überhaupt
- 11:17nicht bestätigen, weil ich, ich weiß nicht wie es dir geht, ich
- 11:21bin kein EAN MC Ewan Leser. Also ich hab n paar Sachen von
- 11:24ihnen gelesen, die hab ich auch gern gelesen.
- 11:28Und ja, also also ich les den schon ganz gerne, aber ich warte
- 11:31jetzt auch nicht sehnsüchtig auf seine neuesten Bücher und ich
- 11:33habe bei weitem nicht alles gelesen.
- 11:35Also so eine Handvoll vielleicht.
- 11:37Ich kann mich aber auch an viele nicht mehr erinnern, ich kann
- 11:39mich an Abbitte erinnern und dann an dieses wunderbare Buch
- 11:44mit dem Klimaforscher Gott, ich komme jetzt nicht auf den Titel,
- 11:51das ist ja wunderbar vorbereitet.
- 11:54So wie wir immer sind, bestens vorbereitet und schlagfertig bis
- 12:00in die letzte Sekunde so und entschuldige kurz die
- 12:04Unterbrechung, Liebe Monique, bevor wir weitermachen.
- 12:07Es ist mittlerweile Anfang März, also zumindest in dem Moment, in
- 12:11dem dieser Podcast erscheint und ihr ihn hören könnt.
- 12:14Und es hat nichts daran geändert.
- 12:16Die ersten 2 Monate, dass wir aus dem Jahre 2025 leider immer
- 12:21noch vollkommen pleite sind. Gut, das ist n bisschen
- 12:24übertrieben, ne, aber ihr wisst wo die Reise hingeht.
- 12:27Ihr könnt euch denken, dass wir natürlich unglaublich viel
- 12:29Freude haben an diesem Podcast, aber ihr könnt euch auch denken,
- 12:33dass da natürlich n bisschen Arbeit und Zeit mit drin steckt
- 12:35und natürlich auch Produktionskosten.
- 12:38Und wenn ihr uns denn unterstützen wollt, so werden
- 12:40wir euch nachher noch mal darauf hinweisen, wie das am besten und
- 12:43am einfachsten möglich sein könnte.
- 12:45Und wenn ihr uns finanziell unterstützt, dann bekommt ihr
- 12:47von uns nicht nur eine kleine Auswahl an Lesezeichen, sondern
- 12:50auch eine. Handgeschriebene Karte von uns
- 12:53und die steckt in einem bunten Briefumschlag, der die Post im
- 12:58Allgemeinen rasend vor Wut macht.
- 13:00Das ist richtig und ihr wisst ja nicht, was geschieht in der
- 13:04weiteren Zukunft. Vielleicht sind gerade diese
- 13:07handgeschriebenen Postkarten mit Unterschrift wirklich was wert
- 13:11beim übrigens ein tolles Buch von Caddie Smith, der
- 13:14Autogrammhändler oder sie nicht war, ihr zweites Buch, da geht
- 13:17es genau um Menschen, die. Mit Autografen und Autogrammen
- 13:21und und und. Briefen und so weiter und
- 13:23schriftlichen Briefen handeln. Tolles Thema übrigens auch
- 13:27zurück zu Verrat. Zurück zu Verrat.
- 13:29Ich hab hier ne kleine Liste mit den zentralen Werken der
- 13:32Weltliteratur, die sich um Verrat drehen.
- 13:36Also Shakespeare, hast du schon gesagt, ne, also alle Dramen, es
- 13:38wird immer verraten Hamlet 1 meiner allerliebsten Bücher
- 13:41überhaupt, mein liebstes Shakespeare Buch, Julius Caesar,
- 13:44natürlich Brutus verre Caesar aus politischer Überzeugung.
- 13:48Othello wird verraten. Dann haben wir in Dante die
- 13:54göttliche Komödie, also im tiefsten Höllenkreis, da landen
- 13:57die Verrenten. Da gibt es einen eigenen
- 13:59Höllenkreis, ne. Das schon auch noch mal da
- 14:02zeigt, wie wie. Gesagt hat ja übrigens Monique
- 14:05dieses Buch gelesen. Ich bin nachhaltig beeindruckt,
- 14:08immer noch. Ja, mit Anfang, Mitte, 20 oder
- 14:11so, als man sich noch so so eine Sachen vorgenommen hat.
- 14:15Faust. War so.
- 14:16Faust selber verrät ja eine Menge moralischer Normen und ja,
- 14:20verrät ja auch Gretchen. Ja.
- 14:22Und dann habe ich ja noch Brecht.
- 14:23Das Leben des Galilei, also Galilei, verrät die Wahrheit
- 14:26unter Druck ich auch sagen würde, ja, Brecht kommen, jetzt
- 14:30sind wir ein bisschen moralisch, aber aber im Prinzip ja genau
- 14:34das, das sind alles Bücher, über die wir heute nicht reden, das
- 14:39stimmt, aber was natürlich spannend ist, also Verrat, das
- 14:44das. Wenn der rauskommt, das ist ja,
- 14:47als wenn als wenn ne Bombe platzt ne Konfliktschuld.
- 14:50All das wird Hochgeworfen und bringt natürlich so n komplettes
- 14:53Personentableau in diesem Buch auch durcheinander.
- 14:56Bringt ja erst mal n bisschen ja Spannung rein n bisschen Drama,
- 14:59N bisschen Bewegung, man kann den moralischen Kompass darin
- 15:02ausrichten oder ne schon wie wie moralisch flexibel bestimmte
- 15:07Personen sind und gleichzeitig kann damit auch ne bestehende
- 15:11Ordnung im Grunde destabilisiert werden.
- 15:14Und das nicht immer nur im negativen Sinne.
- 15:16Also ich finde auch im Positiven, gerade beim Thema
- 15:19Geheimnisverrat, in diesem Falle werden ja oft Geheimnisse
- 15:23verraten, die Schambesetzt sind, also und oftmals kann so ein
- 15:29Geheimnisverrat diesen Scham im Endeffekt eliminieren, weil
- 15:34vielleicht die Person, die dieses Geheimnis eigentlich
- 15:36getragen hat, sieht, ach. Das war jetzt nur für mich
- 15:39dramatisch und nicht für alle anderen, dass ich meine Frau
- 15:42betrogen habe oder ist ja egal welches Thema, das kann also
- 15:46sozusagen wirklich auch ein ein Katalysator sein, nicht nur für
- 15:50Disruption und Umbruch, sondern tatsächlich auch für eine
- 15:54positive Entwicklung. Genau, oder?
- 15:55Also wenn wenn wir Verrat als Widerstand sehen, zum Beispiel
- 15:58beim Thema Whistleblowing oder so ne.
- 16:00Also es ist ja durchaus etwas was.
- 16:05Nach also was, was moralisch richtig sein kann, was ne, es
- 16:09hängt ja immer ne Menge ne Menge dran ne also und und diese
- 16:12Debatte darüber, dieses erforschen, wann ist das
- 16:15eigentlich richtig und wann ist es nicht richtig und und kann
- 16:18man das überhaupt beantworten? Ist natürlich also es ist schon
- 16:20super für für die Litauen. Storastisch weil es so volatil
- 16:24ist. Also ich gerade gerade dieses
- 16:26Whistleblowing, also ich hab auch 1, da geht es auch um so n
- 16:28staatsgeheimnisverrat oder Staatsverrat vielleicht mehr.
- 16:31Und ist ja auch immer der im Auge des Betrachters, ne, also
- 16:34das sozusagen derjenige, der der Whistleblower ist oder die die
- 16:39Staatsverräterin ist, macht das ja nicht meistens einfach nur
- 16:42aus Jungs und Tollerei, sondern hat ja eigentlich auch
- 16:45moralische Ambitionen dahinter und es ist dann also die einen
- 16:50finden es gut, die anderen empfinden es wirklich als Verrat
- 16:53und ich glaube, das ist ja auch etwas.
- 16:56Was gesellschaftlich sehr verhandelbar ist.
- 16:58Also ich vielleicht das, was vor 50 Jahren als Verrat galt, ist
- 17:02jetzt kommilfot und etwas, was auf jeden Fall verlangt wird.
- 17:06Andersrum gibt es glaube ich Sachen, die mittlerweile als
- 17:10Verrat angesehen werden, die früher eigentlich sogar kein
- 17:13Problem waren und das betrifft aber natürlich jetzt nicht nur
- 17:16das Thema Verrat, sondern eigentlich alles, was ein
- 17:20gesellschaftliches Zusammenleben betrifft, ist es immer.
- 17:23Eine Frage der Diskussion und der Frage der Gesellschaft, wo
- 17:27wir gerade stehen. Und dementsprechend ist Verrat
- 17:29eigentlich wirklich immer ein ganz gutes Thermometer, auch zu
- 17:33gucken, wo steht eine, also zumindest in diesen großen
- 17:36gesellschaftlichen Verratsthemen jetzt natürlich nicht, wenn ich
- 17:38irgendwie das Geheimnis meiner Freundin verrate, das hat dann
- 17:42andere Ebenen, aber es ist auf jeden Fall klar, es ist ein
- 17:46extrem breites Feld, was wir hier beackern können.
- 17:52Und das ist halt auch so ne so die die die Frage, also der der
- 17:54Identifikation, also ich glaube so auf n auf n ersten Blick
- 17:58würde niemand sagen, dass er sich jetzt gerne mit einem
- 18:00Verräter identifizieren möchte und im innersten Höllenkreis
- 18:04schmoren oder sowas. Aber wenn wir dann bei den
- 18:06Sachen, die du gerade angesprochen hast,
- 18:08Whistleblowing oder wenn wir jetzt an die Definition von
- 18:12Verrätern in Regimen denken oder so, ist es natürlich was völlig
- 18:15anderes und da würde ich doch Dante dann auch gerne mal
- 18:17fragen, warte mal. Wo ist denn da?
- 18:20Wo ist denn da in deinem inneren Höllenkreis die moralische?
- 18:23Richtig also ein, ein, ein ein großes Thema.
- 18:26Da hatte ich mal tatsächlich n relativ spannendes Seminar zu
- 18:29meinen seligen Studentenzeiten in Geschichte, da ging es um die
- 18:33gesellschaftliche Aufarbeitung von Widerstand im Dritten Reich,
- 18:38insbesondere anhand der Stauffenbergschen Verschwörung
- 18:44sag ich jetzt in Ermangelung eines besseren Wortes.
- 18:47Und wie es bis in die 60er Jahre hinein dieser Verrat aus dem
- 18:55Militär heraus als unehrenhaft gesehen wurde.
- 19:00Trotz also trotzdem, man sagte klar natürlich, Hitler böse,
- 19:04Nazis schlimm und so weiter, aber ihr habt einen Eid
- 19:06geschworen, und diesen Eid habt ihr verraten, und dass es
- 19:10wirklich mehr als 2530 Jahre brauchte, bis überhaupt in der
- 19:13gesamtgesellschaftlichen. Zumindest westdeutschen
- 19:16bundesrepublikanischen Diskussion ein ein, ein, ein,
- 19:21ein. Ein Wechsel gab in der Sicht der
- 19:23Dinge, dass man sagte, Nein, die moralische Last ist so viel
- 19:26höher als dieser dämliche militärische Eid, dem man
- 19:29geschworen hat, wieder natürlich genau gesellschaftliche
- 19:32Veränderung, also das ist ist vollkommen richtig, und da wäre
- 19:37wirklich die Frage, was hätte Dante daraus gemacht.
- 19:41Denn ich glaube auch zu Dantes Zeiten gab es tatsächlich sehr
- 19:45viele moralische Ambivalenzen, was dieses Thema angeht.
- 19:50Es ist also wirklich ein ziemlich spannendes, großes
- 19:54Thema, aber wie schön, dass es auch dir so ging und nicht, dass
- 19:57man dann denkt, ah, da habe ich gleich 40 Bücher, die ich hier
- 19:59bespreche und dann fängt man an und denkt, so was nehme ich denn
- 20:04man, man möchte ja dem anderen auch was Schönes, eigentlich was
- 20:08schönes, aber was auf jeden Fall.
- 20:10Was Tolles präsentieren am Buch und Ich bin wie jedes Mal auf
- 20:16jeden Fall sehr gespannt, nicht unbedingt gespannt darauf, was
- 20:19ich dir präsentieren werde, denn das weiß ich hoffentlich schon
- 20:22vorher. Obwohl ich also dampfplauderer,
- 20:25du kannst sicherlich ich auch ohne, aber ich bin sehr
- 20:29gespannt, was du mir präsentieren wirst.
- 20:34Ja. Super.
- 20:35Also ich kann gerne mit einem Buch anfangen.
- 20:38Ich habe 2 dabei, aber. Ich habe ein guter alter
- 20:42Tradition, natürlich ein 2 mehr dabei, aber fang du mal bitte.
- 20:46Genau, genau. Wir wollten ja vielleicht aus
- 20:48diesem Teufelskreis rauskommen. Genau das ist nur, weil du immer
- 20:51mehr mitbringst, was du anfangen kannst.
- 20:53Mehr ist mehr. Na warte mal, da kommt noch ein
- 20:56Thema, da bringe ich so viel mehr mit.
- 21:01Aber jetzt bin ich gespannt. Ich freue mich sehr, ich lehne
- 21:04mich zurück und lasse dich wirken.
- 21:07Okay also mein erstes Buch, ist von einer Autorin, die gerade
- 21:10schon mal angesprochen wurde in einem völlig anderen
- 21:12Zusammenhang, nämlich ja, Zandy Smith, Oh schön, ja, und zwar
- 21:16das Wort, das Wort, das Buch betrug, es ist das erste Buch,
- 21:20das ich von ihr gelesen habe, bis jetzt auch das einzige
- 21:23erstaunlicherweise, und es ist ihr erster historischer Roman,
- 21:27ansonsten schreibt sie ja mir ja.
- 21:31Aktuell aktuelle Gesellschaftsromane so so nennen
- 21:35möchte. Der Roman spielt im
- 21:36viktorianischen England und verknüpft sowohl also reale
- 21:41Vorkommnisse aus dieser Zeit mit mit einer fiktiven, mit einer
- 21:44literarisierten Handlung. Im Zentrum steht der tichborn
- 21:49Prozess. Habe ich noch nie von gehört.
- 21:52Ich vorher auch nicht, aber war wirklich ein großes Ding.
- 21:54Da hat ein Mann vorgegeben, ein verschollener Aristokrat zu
- 21:58sein, also dieser Aristokrat war auf einer, Ich glaube, der
- 22:00wollte nach Australien auf dem Schiff oder auch nur an
- 22:04Australien vorbei, das weiß ich nicht mehr genau und dieses
- 22:09Schiff hat Schiffbruch erlitten und alle sind davon ausgegangen,
- 22:12dass er tot ist. Aber nach 10 Jahren meldet sich
- 22:14ein Mann und sagt, Ich bin dieser verschollene Tichborn.
- 22:20Ja, ich wiege jetzt das Doppelte.
- 22:22Ich spreche kein Französisch mehr, ich habe meine gute
- 22:25Wortwahl vergessen und mein Tattoo ist auch weg, aber ey,
- 22:28ich bin es. So klingt erstmal glaubwürdig,
- 22:32ja. Genau und groß wurde das dadurch
- 22:35auch, dass seine eigene Mutter gesagt hat, ja, das ist mein,
- 22:39das ist mein Junge so und dadurch wurde es wirklich zu
- 22:42einem riesigen und sehr aufsehenerregenden Prozess in.
- 22:45In in England. Und da hat sich wirklich die
- 22:49Bevölkerung so in 2 Lager gespalten, also Leute die die
- 22:52gesagt haben, also bitteschön, das ist doch keiner von uns, das
- 22:56ist n australischer Fleischer, was soll das ganze und und auch
- 23:01gerade viel aus aus, aus prekären Schichten, aus der Aus
- 23:05der Arbeiterschaft, die gesagt haben, natürlich ist das einer,
- 23:08ihr gönnt es ihm nur nicht nur weil da jetzt die letzten Jahre
- 23:10so nicht gelebt hat. Und das waren gut besuchte
- 23:13Prozesse gewesen. Und da nimmt uns Sady Smith mit
- 23:16hin. Aber nicht nur.
- 23:18Also das Ganze ist eingewoben in eine im Grunde eine große
- 23:24Gesellschaftserzählung aus dem viktorianischen England.
- 23:28Wir haben eine Hauptfigur, die also Eliza, die die die Cousine
- 23:37eines sehr berühmten Schriftstellers ist.
- 23:39William Anthworth und die bei ihm im Haushalt irgendwann lebt,
- 23:47um seine vielen Kinder mit großzuziehen, vor allen Dingen
- 23:51nach dem Tod, nach dem Tod seiner Frau und die eben auch
- 23:57dieses schriftstellerische, Viktorianische England mit sehr
- 24:01viel Klugheit und einer gewissen distancierten Ironie betrachtet.
- 24:09Also da kommen dann halt immer die ja, die Schriftsteller
- 24:11zusammen und tun so, als ob sie sich leiden können.
- 24:13Und sobald die anderen Weg sind, wird natürlich mächtig über die
- 24:17anderen hergezogen. Es gibt eine sehr geniale
- 24:20Nebenrolle für Charles Dickens, der da aber als Mensch nicht so
- 24:24gut bei Weg kommt, also ich musste auch viel darüber
- 24:26nachdenken, warum ich immer gedacht habe, Charles Dickens
- 24:30wäre ein netter, sympathischer Mensch gewesen.
- 24:33Wenn wir da salismus glauben können, war das nicht so und wir
- 24:38sind quasi im großen Teil des Lebens bei Eliza dabei.
- 24:41Und Eliza beobachtet sozusagen diesen tischbaum Prozess, geht
- 24:45auch zu diesen Prozesstagen hin, und das ist immer noch nicht
- 24:48alles, weil es kommt noch ne ganz andere Ebene mit rein,
- 24:50nämlich die Ebene der Sklaverei und der Kolonialisierung.
- 24:54Und das macht sie fest als Erzählerin an einer Figur, die
- 24:59diesen Verschollenen ihr hört. Jetzt meine Anführungsstriche
- 25:05hoffentlich raus, diesen verschollenen Adligen beisteht,
- 25:08und das ist ein ein ehemaliger Diener der Familie, der also
- 25:14schon den kleinen Jungen kannte und der jetzt sagt, Ich weiß es
- 25:18ganz, ganz sicher, dass er es ist.
- 25:20Und Eliza möchte eigentlich rausfinden.
- 25:23Warum dieser Mann das Macht, der ihr vorkommt wie das ehrlichste
- 25:27Wesen, das es auf der Welt geben kann.
- 25:29Sie ist total fasziniert von ihm und wir gehen dann eben auch mit
- 25:33in diese Geschichte dieses Mannes, der ursprünglich aus
- 25:38Jamaika kommt, und erfahren unglaublich viel über die
- 25:43Kolonialgeschichte und über die Sklavereigeschichte Jamaikas und
- 25:47wie die Engländer sich eben. Ja, benommen haben in dieser
- 25:51Zeit und auch, wie sozusagen diese Debatte dann in England
- 25:55geführt wird. Es gibt dann ja schon die
- 25:58ersten, auch wahrnehmbaren Gegner der Slaverei und das, das
- 26:04ist sehr, sehr spannend, sie ist sprachlich ist es durchaus
- 26:09anstrengend, also sie begibt sich sprachlich auch schon
- 26:12wirklich in die Zeit rein, in der sie schreibt, das.
- 26:17Man kann super drin eintauchen, aber man muss es auch machen.
- 26:20So ne das ist braucht schon ein bisschen ein bisschen ein
- 26:27bisschen Zeit und es sind ganz kurze Kapitel, also manchmal ist
- 26:31ein Kapitel wirklich nur eine Seite lang und dadurch hat das
- 26:33Ganze so was sehr facettenreiches, also es ist,
- 26:37als ob ich in so einen Mosaik blicke, ne und dann gibt es
- 26:39immer. Jetzt also auch aus
- 26:42unterschiedlichen Zeiten die Episoden aneinander gereiht und
- 26:45erst als Ganzes zusammen wird es sozusagen dieser sehr, sehr
- 26:49große, so viel betrachtenden Roman, und das Ganze passiert
- 26:56ohne Kitsch. Also, das ist wirklich
- 26:59beeindruckend, so ein sehr, sehr realistisch wirkendes
- 27:07Gesellschaftsportrait aus dieser Zeit.
- 27:10Das klingt total großartig, also vor allen Dingen in Anbetracht
- 27:14der Tatsache, ich habe das Buch nie gelesen, also oh Gott, man
- 27:17kann ja auch nicht alles lesen und habe aber eine wirklich
- 27:19große Sympathie für Lady Smith, finde ich eine unfassbar tolle
- 27:23Autorin und also man kann sich auch richtig vorstellen, die ist
- 27:27ja auch sprachmächtig genug, um einen wirklich auch in die
- 27:30Sprachwelt des 19 Jahrhunderts irgendwie mit reinzunehmen und
- 27:35ich finde aber bei allen ihren Büchern.
- 27:38Ist es so eine? Also nicht bei allen ihren
- 27:40Büchern, sondern bei denen, die ich gelesen habe, ist es diese
- 27:45groß, also was Anglo Amerikaner wirklich so gut können, ist
- 27:49diese Mischung an Anspruch und Zugänglichkeit, dass man nicht
- 27:55verdummt beim Lesen, aber trotzdem am am Ball bleibt,
- 27:59mitgenommen wird, es ist zugänglich genug, dass man auch
- 28:02Spaß daran hat, dass es nicht in Arbeit ausartet.
- 28:06Und trotzdem fühlt sich der Kopf sehr befriedigt oder nach so
- 28:10einem Saty. Smith Buch Tolle Geschichte.
- 28:13Ich habe von diesem Fall noch nie gehört, tichborn ja.
- 28:15Tichborn ja, das. Ist auch ein erstaunlicher,
- 28:17erstaunlicher Name und nur eine Nachfrage, weil das diese dieser
- 28:24Gerichtsprozess kannst du mir noch sagen wie der angestoßen
- 28:29wurde, also wer der. Wer verklagt ihn auf Betrug?
- 28:32Ist es der Staat oder ist es irgendeine Privatperson oder wie
- 28:36kommt es zu einem Prozess, nur weil jemand behauptet, ich bin
- 28:39der? Lass mich mal überlegen, ich
- 28:41weiß es gar nicht mehr. Waren es die anderen Verwandten?
- 28:44Also es wird ja dann auch um das.
- 28:45Erbe gehen logischerweise ne. Der.
- 28:50Ich glaube nicht, dass es der Staat war, aber da kann ich mich
- 28:52tatsächlich nicht nicht so genau daran erinnern.
- 28:54Aber Geld ist immer. Geld und Ländereien.
- 28:58Also funktioniert immer ein guter.
- 28:59Grund ja, und also wenn man, wenn man wirklich dieses Thema
- 29:02Verrat, also klar, der Titel ist jetzt schon sehr naheliegend mit
- 29:06Betrug, das spielt natürlich auf diesen tischbaren Prozess an,
- 29:10aber aber das Thema Verrat steckt da an ganz vielen Ebenen
- 29:13noch mal anders mit drin. Also es gibt eine Ebene, wo
- 29:16Eliza selber. Begeht sie ein Verrat an sich,
- 29:20begeht sie also ne. Das ist schon da gibt es eine
- 29:24sehr schöne und auch sehr traurige Geschichte, die da mit
- 29:28rein spielt, dann natürlich die die Frage, ob der der Bogel,
- 29:34also der der ehemalige Diener, der Jamaikaner begeht, deren
- 29:39Verrat eigentlich, in dem er so sozusagen zu diesem Tichborn
- 29:44steht, der unmöglich. Derjenige sein kann, das ist
- 29:49nicht, das ist ja nicht, das ist ja nicht möglich, ne, also davon
- 29:53gibt es ganz, ganz viele Ebenen, die immer wieder so reinspielen
- 29:56und und die sie eben dadurch, dass sie das nicht chronologisch
- 30:00erzählt, die sich dann auch immer wieder ineinander
- 30:04verschieben und und es wird immer komplexer, es wird einfach
- 30:07immer komplexer und es passt ja. Sehr, sehr gut zu unserem Thema
- 30:10heute. Ist das toll?
- 30:12Es ist ganz erstaunlich, weil es hat natürlich ein bisschen
- 30:14Reminiszenz an die Geschichte der Zaren, Tochter Anastasia
- 30:20auch, also wie das, wie, das ja auch die die Herzen von so
- 30:24vielen Menschen berührt, diese Frage ist das, gelogen, ist, das
- 30:28wahr ist. Und diese Lagerbildung, die da
- 30:30entsteht und Menschen sich ja wirklich inhaltlich richtig
- 30:33fetzen können, wo man sagt, kann dir doch eigentlich egal sein.
- 30:38Aber es macht was, also diese Unsicherheit eines
- 30:42Identitätsbetrugs macht, glaube ich, sehr tief in allen Menschen
- 30:45was aus, warum diese Themen dann auch so unglaublich eine
- 30:50Gesellschaft beschäftigen können und auch über ne längere Zeit du
- 30:53sagst, das war jetzt ja nicht nur irgendwie so ein Gerichtstag
- 30:55oder ein Prozess, sondern das zog sich ja ein bisschen hin,
- 30:57ne? Das genau das zog sich ein
- 30:59bisschen hin. Und das das, also dieser,
- 31:01dieser, dieser andere Schauplatz, also wirklich diese
- 31:04Lager in Jamaika, diese Plantagen.
- 31:08Das ist wie wie vieles, was wir in den letzten Jahren über
- 31:14Sklaverei lesen konnten, in der Literatur etwas, was mit so
- 31:19einer brutalen Ehrlichkeit beschrieben wird, die es vorher
- 31:23nicht gab. Und das ist, das tut weh, und es
- 31:28ist aber auch gut, es so zu lesen.
- 31:31Toll, das klingt wirklich, wirklich, wirklich fantastisch.
- 31:35Vielen Dank für diese. Nie gelesen.
- 31:38Klar, natürlich, den Titel kenne ich und wir hatten das Buch auch
- 31:40im Laden, als es erschien und wie immer Sady Smith ist ja auch
- 31:45eine sehr erfolgreiche Autorin, also auch der Buchhändler in mir
- 31:47mag sie sehr gerne, und das ist natürlich oftmals die Gefahr bei
- 31:50solchen Autoren und Autorinnen, wo du weißt, ach, die Leute
- 31:53kaufen das von alleine, da muss man sich nicht drum kümmern,
- 31:56dass manchmal wirklich solche Sachen an einem Vorbeigehen und
- 32:00dementsprechend ist es das finde ich ja das tolle daran, dass wir
- 32:04uns hier. Publikum sozusagen hinsetzen
- 32:08können und nicht die ganze Zeit von dir lernen kann.
- 32:09Das ist wirklich zauberhaft toll, das ist wirklich schön,
- 32:12ich muss noch nicht mal für Zahlen voll gut.
- 32:15Apropos entschuldige, das ist ein zu Gutes.
- 32:18Apropos ein kurzer Hinweis nur natürlich, liebe Hörer und
- 32:24Hörerinnen, dass die, die uns auch schon länger folgen, wissen
- 32:27das natürlich alle Informationen zu den Büchern, ihren
- 32:30Übersetzern, Verlagen, Lieferbarkeit et cetera PP
- 32:32findet ihr in unseren Shownotes. Wie auch die Informationen
- 32:38darüber, wie ihr uns unterstützen könnt, wenn ihr das
- 32:41wollt. Das würde uns natürlich sehr
- 32:44freuen und unsere Arbeit auch ein wenig erleichtern und uns
- 32:48vor allen Dingen auch helfen, diese dämliche Frage zu
- 32:52beantworten, ob wir werbefrei bleiben wollen oder ob wir
- 32:55irgendwie dazu übergehen müssen, auch Werbung zu schalten, also
- 32:59all das, was. Findet ihr in unseren Shownotes
- 33:01und wie immer auch der Hinweis darauf, dass es auch einen
- 33:05Instagram auftritt von unserem Podcast gibt.
- 33:08Ihr könnt euch denken, wie dieser Instagram auftritt heißt,
- 33:11nämlich im Bett mit Buch alles mit unterstrichen.
- 33:13Aber auch ohne Unterstrichen mit den.
- 33:16Unterstrichen. Meinst du Generation x bitte
- 33:20also so viel Zeit muss sein? Ist übrigens total spannend.
- 33:23Ich hatte jetzt meinen langen Artikel gelesen.
- 33:25Von einer Generation X Frau, die sich darüber beschwerte, dass
- 33:30wir x ler vollkommen untergehen in dieser Generationendebatte.
- 33:36Und das würde ja sehr viel dazu auch erzählen über unsere
- 33:39Generation, wie wir uns selbst wahrnehmen und dass man sich
- 33:41immer so klein macht und blablabla, und ich dachte nur,
- 33:44wieso beschwerst denn du dich drüber?
- 33:46Ich finde das fantastisch, alle diese Generationenkonflikte,
- 33:49alle streiten miteinander Boomer gegen.
- 33:51Gegen keine Ahnung, Millennials gegen jetzt kommen auch noch die
- 33:54Generation A und alles und nur wir, die wir ja nichts anderes
- 33:58gemacht haben, außer in den Neunzigern zu feiern, werden
- 34:02komplett ignoriert. Das ist doch toll und das heißt
- 34:05auch nicht, dass wir uns irgendwie zu klein empfinden
- 34:07oder so, nein. Und es gibt es gibt das
- 34:09allerbeste Buch, dass es überhaupt über eine Generation
- 34:12gibt, über uns, ne, also von Douglas.
- 34:14Couple douglas couple who coint the name douglas couple con.
- 34:18Schade, dass der nichts mehr schreibt.
- 34:19Ein so so toller Autor. Wirklich toll okay also ich
- 34:24werde nicht versprechen, aber mich bemühen, diesen unterstrich
- 34:27nicht zu erwähnen. Dabei ist das Wort unterstrich
- 34:29einfach so was Schönes wie Unterhose zurück, aber zu
- 34:35unserem eigentlichen Thema unseres Podcasts, nämlich Bücher
- 34:38und Monique, Ich finde das total fantastisch, dass du jetzt
- 34:42gerade mit Lady Smith angefangen hast und dem Buch betrug, denn
- 34:47thematisch. Es ist wirklich unfassbar nah an
- 34:51dem Buch, was ich ausgesucht habe als nächstes, denn wir
- 34:56spielen in der gleichen Zeit. Wir sind im viktorianischen und
- 34:59etwas später, also dann ist es dann Edward, glaube ich,
- 35:03Zeitalter und insbesondere sprechen wir über einen
- 35:08Menschen, der mehr oder weniger als erster und einziger die
- 35:14Debatte über die Sklaverei angestoßen hat und.
- 35:18Und auch zum einem zumindest für England wohlgefälligen Ende
- 35:22geführt hat das nämlich England Sklaverei verboten hat und auch
- 35:25weltweit bekämpft hat. Und zwar reden wir über ein
- 35:29Buch, was das Leben von Sir Roger Caysmond behandelt.
- 35:33Geschrieben wurde das Buch von einem der großen Autoren der
- 35:38Weltliteratur, nämlich dem Peruaner Mario Vagasiocha,
- 35:41ungefähr zur gleichen Zeit wie Zady Smith, also er hat 2010
- 35:45geschrieben, ich glaube, betrug ist vielleicht n bisschen
- 35:46später, ich bin nicht ganz sicher.
- 35:48Wann es erschienen ist und eine kurze Zusammenfassung für alle,
- 35:54die Roger Casmand nicht kennen. Roger Casmand ist irischer
- 36:00Geburt, ist also im viktorianischen England groß
- 36:05geworden und hat also sozusagen seine Herzens und auch andere
- 36:08Bildung dort bekommen, geht in den diplomatischen Dienst, hat
- 36:11also eine ordentliche Ausbildung, ist auch durchaus
- 36:13etwas privilegierter. Und sein erster Posten, nämlich
- 36:18als junger Konsul, verschlägt ihn in den Kongo.
- 36:23Oder, wie es damals hieß, Kongo Freistaat, was ja noch nicht mal
- 36:28die Kolonie eines Landes war, sondern es war ja die
- 36:30persönliche Kolonie von Leopold, dem Zweiten von Belgien, das
- 36:34heißt, das Baby gehörte gar nicht Belgien, sondern es
- 36:36gehörte Leopold, und ich glaube, dass mittlerweile viele unter
- 36:41uns wissen, dass also gerade dieses.
- 36:44Kongo unter Leopold ist ja eigentlich das Schlagbild für
- 36:48die totale Entmenschlichung an Sklaverei und Ausbeutung von
- 36:52Menschen. Und genauso saß auch Roger
- 36:56Caysman, der minutiös die brutalsten Misshandlungen.
- 37:01Dokumentiert hat. Veröffentlicht hat seine eigene,
- 37:05am Anfang doch recht kleine politische Wucht.
- 37:09Mit reingeworfen, hat Fürsprecher gesucht hat wirklich
- 37:12dafür als Aktivist im besten Sinne gearbeitet hat.
- 37:15Dass dieses Elend ein Ende haben muss, und er hat es geschafft.
- 37:21Seine Berichte wurden international bekannt, sie haben
- 37:24die Weltgemeinschaft insbesondere der englischen Welt
- 37:27aufgerüttelt, zutiefst verstört. Und dazu geführt, dass England
- 37:32als erster Staat anfing, das zu unterbinden und zu verbieten.
- 37:37Das hat jetzt den Groß Staat Großbritannien jetzt nicht
- 37:40unbedingt zu einem wirklich sofortigen Rechtsstaat und einer
- 37:44Blüten reinen Demokratie gemacht, aber es hat auf jeden
- 37:46Fall extrem viel getan, damit war es aber für ihn nicht
- 37:51vorbei, denn er dachte sich, was ich einmal kann, das kann ich
- 37:55auch zweimal. Und hier kommt der Zusammenhang,
- 37:56warum wahrscheinlich Mario Wagasiossa auf ihn kam.
- 37:59Denn sein nächster Posten ging nach Peru, und in Peru gab es
- 38:04die Peruvian Amazon Company, die ich glaube in diesem Falle
- 38:08wirklich britisch war. Aber das kann ich jetzt
- 38:11tatsächlich nicht bestätigen, aber auch hier deckt er
- 38:16Grausamkeiten auf, er deckt Brutalitäten auf, er direkt
- 38:19Ungerechtigkeiten auf und auch hier mit der Mitwirkung der
- 38:23britischen Regierung. Wird es öffentlich gemacht und
- 38:28unterbunden, also gleich zweimal wirklich ein riesiger Erfolg und
- 38:34dann passiert was sehr, sehr faszinierendes in seinem Leben
- 38:38oder aus unserer Zeit heraus faszinierendes, denn das passt
- 38:41in die Diskussion, die wir jetzt haben.
- 38:42Gerade die postkoloniale Diskussion, er ist ihre im
- 38:46britischen Dienst, und er sieht immer mehr.
- 38:50Die Ähnlichkeiten der Kolonialisierung zu der
- 38:55Besetzung Irlands oder dem Dazugehören Irlands zum
- 38:58britischen Königreich. Und er entwickelt sich zum
- 39:01irischen Nationalisten und zu jemand, der gegen die britische
- 39:05Kolonialisierung Irlands kämpft. Und ich finde es sehr
- 39:09beeindruckend, weil diese Diskussion ist ja jetzt auch
- 39:11recht virulent, also gerade was die Frage Irland angeht.
- 39:16Also extrem spannend. Das Vagaciosa, das schon 2010
- 39:21geschrieben hat oder noch viel spannender, dass Roger Caseman
- 39:24im Anfang des 20. Jahrhunderts sind wir
- 39:27mittlerweile zu diesem Schluss selber kam und er radikalisiert
- 39:33sich, und das ist natürlich auch eine spannende Geschichte, finde
- 39:36ich auch aus der jetzigen Zeit heraus, wo wir oft beobachten.
- 39:40Dass Menschen, die einen eigentlich guten Ansatz haben,
- 39:44die also die Welt verbessern werden oder wollen und es dann
- 39:47auch tun, irgendwann an einen Punkt geraten, wo sie sich
- 39:51radikalisieren. Nicht alle natürlich ne, aber
- 39:54diesen Punkt gibt es ja und damit auch viele Leute nicht nur
- 39:59Befremden, sondern auch hinter sich lassen und vereinsamen und
- 40:03immer weiter radikalisieren. Bei Accasement führt es dazu.
- 40:09Dass er im Jahre 1916 beziehungsweise schon vorher,
- 40:12also der Erste Weltkrieg hat angefangen.
- 40:15Das Caseman beschließt, der Feind meines Feindes ist mein
- 40:20Freund. Lustigerweise wurde das im
- 40:22Zweiten Weltkrieg auch noch mal probiert und er geht nach
- 40:25Deutschland und bittet um deutsche Unterstützung für den
- 40:28irischen Freiheitskampf gegen die Briten.
- 40:31Wirklich große Parallelen gab es im Zweiten Weltkrieg.
- 40:34Auch die Deutschen sind natürlich Feuer und Flamme
- 40:36dafür, weil das ist natürlich geil, wenn da ne zweite Front
- 40:39für die Briten auch noch in Irland, also was heißt zweite ne
- 40:42siebte bis 12. Front für die Briten noch
- 40:44entsteht, ist das natürlich ne fantastische Idee für das
- 40:47deutsche Kaiserreich. Caseman selber ist allerdings
- 40:50mittlerweile so blind für Realitäten, dass er a gar nicht
- 40:56sieht, dass das moralisch höchst fragwürdig ist.
- 41:01Gerade die Deutschen, die jetzt ja auch nicht unbedingt der
- 41:05Garant für eine irische Unabhängigkeit und Demokratie
- 41:08sind, sondern selber ja auch n imperialer Staat waren, gerade
- 41:11die Deutschen zu bitten und er sieht einfach überhaupt nicht,
- 41:15dass auch der Großteil seiner irischen
- 41:18Unabhängigkeitsmitstreiter die Idee wirklich richtig scheiße
- 41:21finden, was er auch nicht sieht in seiner Hybris ist.
- 41:25Dass die Briten jetzt wirklich nicht doof sind, denn auf
- 41:30Dummheit gründest du kein Weltreich.
- 41:32Die sind natürlich auch relativ geschickt und sie wissen ganz
- 41:35genau, was er macht, denn auch die haben ihre
- 41:38Geheimdienstmitarbeiter auch die haben ihre Informanten und sie
- 41:41lassen ihn einfach mal machen, weil sie ja wissen, super, dann
- 41:44verrät er ja noch n Paar mehr Leute und es passiert was
- 41:47passieren muss. Es ist das Jahr 1916 also er
- 41:50probiert irgendwie mit einem deutschen U Boot jetzt Irland
- 41:53einzunehmen. Und wird Hops genommen und wird
- 41:56wegen Hochverrat. Da ist das Wort Verrat wegen
- 42:00Hochverrat angeklagt. Der Josser beschreibt, ich
- 42:05finde, er macht es historisch sehr, sehr schön, denn er hat 2
- 42:08Ebenen die eine Ebene ist. Er wird Hops genommen und kommt
- 42:13ins Gefängnis und sitzt in der Todeszelle und das Ganze geht
- 42:18über ein paar Wochen. Wo er noch die Hoffnung hat, er
- 42:22hat ja so viele Fürsprecher eigentlich, er hat so viel Gutes
- 42:25getan und er lebt natürlich von der Hoffnung, dass es eine
- 42:28politische Intervention geben wird, dass irgendjemand ihm den
- 42:31Hals rettet. Er hat mittlerweile aber
- 42:34vergessen, dass er wirklich so vielen Leuten vor den Kopf
- 42:36gestoßen hat, durch seine eigene Radikalisierung, dass wirklich
- 42:38nicht mehr richtig viele Leute Lust haben, ihn zu unterstützen
- 42:41und gleichzeitig, und das ist historisch spannend.
- 42:45Die Briten haben also natürlich seine persönlichen
- 42:48Habseligkeiten entfernt und finden etwas.
- 42:52Das nennt sich seitdem The Black Diaries und seitdem die gefunden
- 42:57wurden, gibt es einen Streit darüber, ob diese Black Diaries
- 43:00wirklich historisch ne Tatsache sind oder ob jemand sie
- 43:04gefälscht hat, um Caseman zu Schaden, denn diese Black
- 43:08Diaries bestehen aus. Im Endeffekt seinen schwulen
- 43:12Liebschaften, die er natürlich alle unter Verschluss gehalten
- 43:15hat und die aber alle in diesen Diaries Einzug finden.
- 43:19Und die werden natürlich von seinen politischen Gegnern jetzt
- 43:21genutzt, um sie seinen potenziellen Unterstützern
- 43:25zuzustreuen und zu sagen, ja, der ist so moralisch, ja so eine
- 43:28Nulpe, den könnt ihr gar nicht weiter unterstützen mit dem
- 43:32durchschlagenden Erfolg, dass seine Unterstützung wirklich
- 43:36sehr den Bach runter geht und er am Ende tatsächlich wegen
- 43:39Hochverrats. Getötet wird und diesen Wochen,
- 43:45in denen sehr wenig passiert, handlungstechnisch, denn er
- 43:49sitzt dort und reminisiert über sein Leben, setzt Vagaciosa
- 43:54entgegen, seine Lebensgeschichte, Jahrzehnte,
- 43:57also sehr viel Handlung, und das Ganze ist immer im Wechselspiel,
- 44:01also er reminisiert dann kommen wieder Vergangenheit und so
- 44:03weiter also eine relativ klassische Erzählform
- 44:06tatsächlich, die in diesem Falle.
- 44:10Wirklich sehr, sehr, sehr gut funktioniert, weil er dieses
- 44:13langsame, in den Wochen des Wartens oder des Hoffens und des
- 44:18Wartens auf den Tod natürlich diese sehr handlungsintensiven
- 44:23Jahrzehnten, die ja casement unbestreitbarer Weise gehabt
- 44:26hat, entgegenzusetzen. Und Vagasjossa ist klug genug,
- 44:32nicht zu werten, er. Stellt unseren Roger Caysmond
- 44:38weder als den strahlenden Helden vor, der ein ideales und dann
- 44:43halt verraten wurde, noch stellt er ihn uns einfach nur als
- 44:47vollkommen scheuklappenbehafteten Radikalen
- 44:51vor, sondern er setzt die Mitte dazwischen an und präsentiert
- 44:54uns einen Menschen, der einfach natürlich wie jeder Mensch.
- 45:00Alle Facetten von gut bis Böse bedient und auch in sich selber
- 45:05natürlich viele gegenseitige Facetten einander bekämpfen und
- 45:10er geht sogar darauf ein, Vargassiossa, dass er sagt, wir
- 45:14wissen, dass diese Black Diaries nicht unbedingt historisch so
- 45:19ganz klar ihm zuzuschreiben sind, aber.
- 45:23Sie sind eine so perfekte psychologische Erklärung für
- 45:26das, was Roger Caysman umtrieb, dass er sozusagen für sich in
- 45:31der Zeit immer diesen Makel selber entdeckte und probiert.
- 45:35Durch besonders viel Aktionismus diesen Makel halt zu überdecken
- 45:39oder was Gutes zu machen. Und es ist psychologisch
- 45:43brillant. Insbesondere weil Vagasjossa,
- 45:47das wurde diesem Buch dann auch von den wenigen kritischen
- 45:50Stimmen, die meisten haben es schon wirklich sehr, sehr gut
- 45:52gefunden. Es gab halt immer wieder die
- 45:54Kritik, es wäre zu dokumentarisch und zu wenig
- 45:59dramatisch, da bin ich ja immer schon mal erst mal n Freund
- 46:01davon, also wenn es einfach wirklich sehr, also er schreibt
- 46:04wirklich, man könnte es fast vergleichen mit sowas wie
- 46:08kaltblütig von von Truman capoti also es ist ein ein
- 46:11Tatsachenbericht. Der sehr nicht trocken, aber
- 46:15sehr reportagenhaft darüber kommt und eben nicht probiert,
- 46:19eine künstliche Dramatik aufzubauen.
- 46:21Das Leben war schon dramatisch genug, was er da führte, sondern
- 46:25probiert zu eruieren, wie kommt ein Mensch zu so einem Lebensweg
- 46:30und wirklich eine spannende, sehr brillante Geschichte.
- 46:34Es ist auch wirklich 1 von seinen.
- 46:38Spätwerken wenn man die so nennen darf, also auf jeden Fall
- 46:411 der wichtigsten wurde. Haufenweise übersetzt war auch n
- 46:44riesen Erfolg zurecht und einfach so schön, weil es so gut
- 46:48gerade passte zu dem Buch von Seady Smith, was du gerade
- 46:52hattest. Also die gleiche Zeit auch, also
- 46:54gerade das Thema der Sklaverei in diesem Falle nicht Jamaika,
- 46:57aber Kongo und Peru. Also eigentlich eine schöne
- 47:01Ergänzung als Doppelpack. Ja, absolut.
- 47:03Und also wir haben uns, wir haben das nicht voneinander
- 47:06gewusst. Nein, nein, nein, das ist reiner
- 47:08Zufall, das könnt ihr uns glauben.
- 47:12Was für eine Lebensgeschichte. Wahnsinn.
- 47:14Ne Wahnsinn, ja. Und ich finde auch gerade
- 47:17diesen, diesen diesen Ansatz, also was bringt einen Menschen
- 47:20dazu, so zu werden, so zu handeln, also sowohl.
- 47:25Am Anfang so stark für eine Form von Modernisierung, von
- 47:31moralisch besserem, moralisch verantwortlichem Handeln
- 47:37einzutreten und und seinen eigenen Staat im Grunde dazu zu
- 47:42nötigen, da aktiv zu werden und und und und sich deutlich nach
- 47:48vorne zu bewegen, wenigstens in diesem einen Punkt.
- 47:50Als dann auch hin zur Radikalisierung.
- 47:54Und gerade dieser Punkt, den finde ich so spannend, denn das
- 47:58ist in einer gerade, in einer Zeit, in der wir jetzt sind und
- 48:01lustig, weil wir hatten ja gerade festgestellt, wir
- 48:03Generation ixle, die also wirklich äußerst unpolitisch
- 48:06waren, ich komme nachher noch zu einem Buch, was genau das
- 48:09beschreibt, aber in einer Zeit, wo politischer Aktivismus, wie
- 48:14es jetzt gerade ist, ja sehr viel Raum einnimmt und auch
- 48:19finde ich in der jetzigen Zeit sich immer die Frage stellt, wo.
- 48:24Hört Aktivismus auf. Wo beginnt belinde Radikalität,
- 48:28also wann beginnst du Sachen zu tun, von denen eigentlich nur
- 48:30noch du der Meinung bist, dass das wirklich das Richtige ist,
- 48:33die Welt zu retten, während die Welt um dich herum sagt, so
- 48:36nicht so eine gute Idee und das zu eruieren, finde ich, finde
- 48:42ich toll, weil es wirklich auch hilft.
- 48:45Gegenseitig mal n bisschen Verständnis zu entwickeln, also
- 48:48vielleicht von Aktivisten das Verständnis zu entwickeln für
- 48:51Leute, die eben nicht so politisch drauf sind, wie auch
- 48:54von Menschen, die er die Meinung haben, lass mich doch in Ruhe
- 48:58vielleicht mal zu sehen, wie wichtig natürlich dieser
- 49:01Aktivismus eigentlich auch ist. Also es ist n ne sehr sehr
- 49:05spannende Nummer, die der Wagasiossa uns da wirklich
- 49:08geschenkt. Hat.
- 49:09Und es ist ja auch, ich weiß nicht, ob es vorkommt, aber es
- 49:11ist ja eben auch, also er wird ja auch vorher.
- 49:15Bei der bei der Abschaffung der der der der Sklaverei, bei bei
- 49:19seinen ganzen Bemühungen, bei seinem Kampf genügend Leute
- 49:22gehabt haben, die ihm gesagt haben, das ist doch totaler
- 49:24Bullshit, was du da machst. Das das, das ist die natürliche
- 49:28Weltordnung, so muss das Ganze sein und wie lange kann man das
- 49:32unterscheiden bei seinen Kämpfen und natürlich also die
- 49:36Unabhängigkeit Irlands und und dass die, dass die gewollt war,
- 49:39die ist ja die, die die, die ist ja berechtigt, das heißt auch
- 49:42dieses Bestreben. Ist ja quasi in einer Linie mit
- 49:47dem, was er vorher gemacht hat. Und es ist ja die Frage so, wenn
- 49:52der so häufig diese Kritik ausblenden musste, um sich zu
- 49:56fokussieren auf sein Ziel, ne, also wann kann ein Mensch denn
- 49:59nicht mehr einschätzen? Wann Kritik wirklich berechtigt.
- 50:02Wann Kritik wirklich berechtigt ist.
- 50:04Das ist schwierig, das ist schwierig, ja.
- 50:06Und deshalb ist das vielleicht auch eine Frage, die einfach
- 50:08immer aktuell bleibt, weil. Wichtig.
- 50:10Wir uns da glaube ich, ja evolutionär nicht
- 50:13weiterentwickelt. Haben, und das ist natürlich
- 50:16wirklich die die Frage, die wir auch jeder in seinem eigenen
- 50:19Leben, die Frage der eigenen Hybris, also dieses Ich habe
- 50:24recht, ich kann mich nicht irren und.
- 50:29Das ist ja spätestens der Moment, wo es für mich schwierig
- 50:32wird, wenn jemand mir allen Ernstes glaubhaft machen will,
- 50:36dass er oder sie im als einziger Mensch im im, im im Bewusstsein
- 50:42des vollen Rechts ist und gar nicht einsieht, dass vielleicht
- 50:45andere Menschen andere Wahrheiten haben, andere
- 50:47Umstände haben, andere Beweggründe haben.
- 50:50Die kann man negieren, die kann man schlecht finden, aber man
- 50:52darf sie nicht ausblenden und wenn du sie ausblendest, dann
- 50:56darfst du dich nicht darüber wundern, wenn du wirklich keine
- 50:58politische Mehrheit findest, weil du einfach allen anderen
- 51:01vor den Kopf stößt, selbst denen, die eigentlich das
- 51:03gleiche Ziel verfolgen wie in diesem Falle geschehen ist.
- 51:06Es gab ja irische Revolutionäre, die Revolution gab es ja, oder
- 51:09der Versuch eines Aufstandes, aber wenn du merkst, dass alle
- 51:13deine Mitstreiter wirklich sagen, ist das so eine gute
- 51:17Idee. Aber genau genau, es bleibt
- 51:21immer aktuell und es gibt Zeiten, wo es ein bisschen
- 51:25weiter hochkocht und es gibt Zeiten, wo es vielleicht so ein
- 51:31bisschen, weil sie dann unpolitischer sind, einfach so
- 51:33ein bisschen runter köchelt, aber es kommt immer, immer
- 51:36wieder. Super spannend.
- 51:40Was sind wir heute wieder, Dieb. Das sind wir tatsächlich.
- 51:47Wir sind Wahnwitzig Deep und Monika, Ich bin ich bin sehr
- 51:52gespannt, also wirklich, es ist wieder 1 dieser Nummer, wo wir
- 51:54uns gegenseitig nicht verraten haben, was wir machen und ich
- 51:57bin extrem gespannt was du jetzt.
- 52:00Machst okay ich habe ein Buch von einer meiner
- 52:03Lieblingsautorinnen dabei, aber keins meiner Lieblingsbücher von
- 52:07der Lieblingsautorin. Ich habe von Mergot, Edward,
- 52:11Penelope und die 12 Märkte dabei.
- 52:15Nie gelesen, noch nie großartig toll.
- 52:17Es ist, es streift so n bisschen so n Genre, dass wir ganz am
- 52:20Anfang mal besprochen haben. Also es ist im Grunde ne also
- 52:23klar Penelope, die Frau von Odysseus, also die die Erzählung
- 52:29griechischer Mythen aus der Sicht der Frauen diesmal eben
- 52:34von ja einer der feministischen Autorinnen schlechthin, wenn man
- 52:38das so sagen kann von Michael Edward, und es ist ne super gute
- 52:41Idee gewesen. Und man kann es auch gut lesen.
- 52:44Aber also ist jetzt nicht ihr bestes Werk, aber es kann ja
- 52:48nicht alles das beste Werk sein, das.
- 52:50Stimmt, es kann trotzdem gut sein.
- 52:53Es ist. Es ist OK.
- 52:56Es ist OK, es ist interessant. Also der Roman erzählt die
- 53:00Geschichte der Penelope, klar, ne, aus der griechischen
- 53:04Mythologie und erzählt die auch quasi neu und das schafft sie
- 53:08wirklich richtig gut. Richtig reinzugehen in die
- 53:10Penelope und ihr auch so ne innere Stimme zu gehen, die ihr
- 53:13ganzes Leben betrachtet. Also es ist ja auch mit ihrem
- 53:15Elternhaus schon relativ schwierig, wo sie herkommt, ist
- 53:19da auch als als kleines Mädchen, junges kleines Mädchen glaub ich
- 53:23dem dem Tod sehr knapp entronnen, auch durch die über.
- 53:30Über also, wie sagt man das so? Ihre Mutter war doch so ein
- 53:33Wasserwesen gewesen, na ja, sie wird jedenfalls gerettet und
- 53:37heiratet später Odysseus, das war jetzt nicht ihre
- 53:39Entscheidung, es war keine große Liebesheirat, Odysseus hat
- 53:42eigentlich auch um ihre Cousine, glaube ich, Helena Gefreit, okay
- 53:49hat dann aber relativ schnell eingesehen, dass er das sowieso
- 53:51nicht wird bei bei Helena und hat dann ja auch diesen.
- 53:56Pakt angestoßen dass all diese Freier und Helena in dem Fall,
- 54:00dass Helena was passiert, sozusagen eingreifen müssen, und
- 54:03das geht zu sehr großen Verwerfungen auch im Leben der
- 54:08Penelope. Und zu sehr viel Weltliteratur.
- 54:11Und zu sehr viel Weltliteratur. Ja, unsere Penelope hier
- 54:16berichtet aus dem Jenseits ein paar 1000 Jahre, ich glaube 3000
- 54:21Jahre später. Aus ihrem Leben mit Odysseus und
- 54:27ihrer Rolle als ja als treue Ehefrau und den ganzen Intrigen,
- 54:31die es gab und so und wie traumatisch es auch für sie war,
- 54:35als junge Frau dann nach Ithaka gebracht zu werden, so eine
- 54:38Felseninsel und zu den Schwiegereltern, also da hatte
- 54:41sie wirklich keinen Bock drauf, sie fand das eigentlich vorher
- 54:44ganz schön und sie hätte eigentlich auch da bleiben
- 54:45sollen, aber Odysseus wollte halt zurück und sie?
- 54:51Beschreibt. Also ich liebe ja Odysseus, wir
- 54:53hatten das Thema schon mal. Ich finde ihn so großartig, aber
- 54:55sie beschreibt Odysseus dann eben auf ne Art und Weise, die
- 54:59wirklich weh tut. Also er ist halt, er hat kurze
- 55:02Beine, die sind auch noch n bisschen krumm, dann ist er
- 55:06gerissen, gewieft, selbstverliebt, mitunter brutal,
- 55:12sehr machtbewusst also all das, was wir den Helden sagen, von
- 55:17Odysseus nicht. In dieser negativ konnotierten
- 55:21Art und Weise von ihm wahrnehmen, aber sehr wohl von
- 55:23ihm wahrnehmen, so dass das durchaus, also man weiß einfach,
- 55:27das stimmt schon, das ist, wenn man die Geschichte einfach mal
- 55:29andersrum erzählt, dann dann. Dann tun sie lässt einfach seine
- 55:34positiven Seiten weg. Nein, nicht.
- 55:36Ganz. Nicht ganz.
- 55:37Okay sie lässt sie nicht ganz weg.
- 55:39Also Penelope wird von ihren Mägden vor der Hochzeitsnacht
- 55:45sehr viel Grauenhaftes darüber erzählt.
- 55:48Was dann passieren wird und sie hat wirklich große Angst davor.
- 55:50Und so einer ist Odysseus nicht. Odysseus ist halt ein Schnacker
- 55:55auch und erzählt ihr Halt Geschichten und er nimmt ihr
- 55:58diese ganze Angst. Und das sind schon sehr schöne,
- 56:01intime Momente zwischen den beiden und auch Momente, die
- 56:05Penelope gerne erlebt. Es sind halt nur viel zu wenige,
- 56:08weil dieser Mann ja für 20 Jahre verschwindet.
- 56:11Ja. Und sie da alleine zurückbleibt
- 56:15mit dem mit dem Sohn. Und dass der ganze Trouble eben
- 56:19wegen Helena wieder, die ja auch jetzt keine wirklich enge
- 56:24Freundin von Penelope ist und auch nicht sehr gemocht wird.
- 56:28Und Penelope regt sich sehr darüber auf, was Helena bewusst
- 56:34für Unheil stiftet und was für ne man.
- 56:36Kann sich ja die Familie nicht aussuchen.
- 56:38Ja, man kann sich die Familie nicht aussuchen.
- 56:41Na ja, und dann sind die 10 Jahre Krieg rum in Troja und es
- 56:44spricht sich auch rum und auch die Rolle, die Odysseus dabei
- 56:47gespielt hat, dass er ihn sozusagen beendet hat und dann
- 56:49kommt er aber nicht nach Hause so er kommt einfach nicht nach
- 56:53Hause und dann fangen halt die Freier an Ithaka zu belagern und
- 56:57ihr ist vollkommen klar, die sind jetzt nicht wegen ihr da,
- 56:59sie ist jetzt eben auch kein kein junges Mädchen mehr und.
- 57:06Sie muss sich allerlei einfallen lassen, um nicht einen von
- 57:08diesen Männern heiraten zu müssen, weil die sagen, ja, du
- 57:11hast einen Mann, na, wo ist er denn ne, so wo, wo ist er denn?
- 57:15Und die, die nisten sich da ein, die Fressen wirklich das Land
- 57:18leer, vergewaltigen die Märkte, die nehmen.
- 57:20Sich über das, was die Selbstverständlichkeit ist,
- 57:23Wahnsinn. Wahnsinn.
- 57:24Und ja, Penelope, ne wirklich sehr kluge Frau.
- 57:28Insofern passt sie ja auch sehr, sehr gut zu Odysseus und es.
- 57:32Möchte ich ihm zu gut halten, dass er das sehr wohl erkannt
- 57:35hat? Die, die ja also einmal an
- 57:36diesem Tuch webt für Laertas, also ne, die wirklich an vielen
- 57:42arbeitet um um sich davor zu heiraten, dann zu zu um sich
- 57:47davor zu drücken, Entscheidungen zu treffen, jemand anderen zu
- 57:49heiraten, während Odysseus durch die Weltgeschichte, durch die
- 57:52Weltmeere gondelt und nachher ja mit Geschichten nach Hause
- 57:56kommt, von irgendwelchen Riesen und Götterninnen und sonst was,
- 57:59und sie denkt sich ja, Kneipen und Huren willst du jetzt nicht
- 58:01erzählen. Man denkt sich ja, also ja, wer
- 58:03weiß, wie groß war die Geschichte wirklich von
- 58:05Odysseus, und in diesem Buch gibt es immer wieder
- 58:10einsprengsel, die wirklich auch angelehnt sind daran, wie eben
- 58:14die Ilias und auch die Odyssee geschrieben sind.
- 58:16Es gibt also so n so n Chorus und dieser Chorus besteht aus
- 58:20den 12 Mägden, die von Odysseus und seinem Sohn getötet werden,
- 58:25und zwar wegen Verrats und diese diese Mägde waren.
- 58:32Bis dahin ja im Dienste von Penelope.
- 58:35Es gibt einige, zu denen sie auch ein ganz gutes Verhältnis
- 58:38hatte, aber es war auch immer schwierig.
- 58:40Also Penelope hat es halt an Freundinnen gemangelt, weil die
- 58:43gab es halt einfach nicht auf Ithaka, die Märkte waren ja
- 58:45Untergeben, die haben ihr eigenes Leben geführt und
- 58:49mussten ja auch gehorchen und ja, also es ist auch eine
- 58:54Geschichte von von von viel Einsamkeit und als Odysseus dann
- 58:59zurückkommt. Will er die Verräterinnen
- 59:02bestrafen, die nicht zu seiner, die nicht zu ihm gehalten haben,
- 59:05und er will die Frauen bestrafen, die mit den mit, also
- 59:09diesen Freiern, die Penelope freien wollten und die Märkte
- 59:14dann vergewaltigt haben, wenn ihnen danach war, und diese
- 59:18Märkte will er bestrafen, weil die sind ja quasi mit diesen mit
- 59:20seinen Feinden ins Bett gegangen.
- 59:21Immer wieder faszinierend also diese diese Idee des Denkens
- 59:25erschließt sich mir einfach gar nicht, muss ich sagen.
- 59:27Und im Grunde? Ist ist quasi der Abschluss
- 59:31dann, dass sozusagen Odysseus eben 3000 Jahre später, also in
- 59:37der Jetztzeit, deswegen vor Gericht.
- 59:40Steht. Oh, das ist eine schöne Idee.
- 59:42Also super schöne Idee des Buches.
- 59:44Es liest sich auch gut, diese der Chorus der Märkte ist halt
- 59:50ja mythisch und ein bisschen anstrengend und man kann es gut
- 59:54lesen und es ist also es ist ein gutes Buch, es ist unterhaltsam,
- 59:57es ist eine schöne Perspektive und.
- 1:00:01Hätte noch besser sein können. Wäre auch schön gewesen, aber
- 1:00:04das. Ist das, was du sagtest, denn
- 1:00:06dass dass die Edward natürlich ist sie gebildet genug dafür,
- 1:00:10dass sie diesen Chorus nimmt, was ja so ein integraler
- 1:00:13Bestandteil jeder antiken Dramen ist?
- 1:00:16Es ist ja immer dieser Chorus, der dabei ist, und ich finde es
- 1:00:19eine schöne Idee, den mit zu übernehmen und gleichzeitig,
- 1:00:23aber normalerweise ist ja der Chorus besteht ja oftmals aus
- 1:00:26unbeteiligten Personen oder Beobachtern und.
- 1:00:28Und in diesem Falle aber einen Chorus zu machen aus Frauen, die
- 1:00:32im Endeffekt ja schon ein Bestandteil der tatsächlichen
- 1:00:35Geschichte sind, also die Opfer sozusagen wunderbar, wunderbar.
- 1:00:39Und, und und. Man kommt dann auch nicht umhin,
- 1:00:42glaube ich. Aber mir ging es jedenfalls auch
- 1:00:44so. Also hat überhaupt dann diese
- 1:00:46Märkte spielen ja nur eine ganz, ganz nukleare Rolle überhaupt
- 1:00:52in, in, in der Odyssee und wenn. Also das Buch zeigt uns
- 1:00:58natürlich, wie wie Geschichtserzählung aus der
- 1:01:01Sicht von Männern passiert, auch aus der Gesicht, aus der Sicht
- 1:01:04von von Gewinnern und so weiter ne wie wie Frauen wirklich
- 1:01:08marginalisiert werden, keine Stimme bekommen und so was.
- 1:01:11Also man hätte natürlich auch irgendeine einzelne Magd
- 1:01:17rauspacken können und aus ihrem Leben.
- 1:01:20Und dem, was sie macht, was ja auch geholfen hat, damit
- 1:01:23Penelope überhaupt wieder und Odysseus überhaupt zurückkommen
- 1:01:27konnte, ne Heldengeschichte erzählen können.
- 1:01:29So so ist es ja nicht und das sind aber Entscheidungen, die ja
- 1:01:36Homer irgendwann getroffen hat, dann nicht alleine, sondern in
- 1:01:39seinem ganzen gesellschaftlichen Kontext, und es bringt schon die
- 1:01:42Frage, also wer schreibt denn eigentlich über wen Geschichten
- 1:01:45und welche Geschichten erfahren wir schon noch mal?
- 1:01:48Richtig brutal nach vorne. Sind immer wiederkehrend, also
- 1:01:51tatsächlich auch da ein immer wiederkehrendes Thema ist ja die
- 1:01:54Geschichtsschreibung, wer ist also auch die, die die
- 1:02:00Zentrierung, er ist natürlich klar, der Gewinner schreibt die
- 1:02:03Geschichte, Wir sind im Moment ja ein in einer Ebene, wo ja
- 1:02:06probiert wird, auch sozusagen die Geschichte von unten oder
- 1:02:09die Gegengeschichte oder die Geschichte der Verlierer zu
- 1:02:13notieren. Und merken aber schon wieder,
- 1:02:17wie es in gewissen Teilen der Welt auch wieder kippt und
- 1:02:20plötzlich wirklich abstruseste Gewinnergeschichten erzählt,
- 1:02:23wenn man denkt, ja klar, wenn man 90% der Realität ausblendet,
- 1:02:26dann sind wir ungefähr dort Mensch toll, aber also wie
- 1:02:30schade, also es ist aber nicht so, dass schade, meine ich, in
- 1:02:33dem Sinne, dass jetzt du nicht sagst, das ist so Bam Edward
- 1:02:37Burner, sondern es ist ein gutes Buch, aber sie kann echt besser,
- 1:02:42oder? Aber trotzdem.
- 1:02:45Also ich meine, wenn ihr euch entweder für Odysseus oder
- 1:02:47generell für Malgut Edward interessiert, kann man das sehr
- 1:02:50gut lesen. Cool, sehr, sehr cool.
- 1:02:53Was hast du denn noch dabei? Ich habe 2 noch noch 2 dabei,
- 1:02:59die ich aber auch jetzt nicht in vollster Länge dir
- 1:03:04entgegenwerfen möchte. Den einen einfach, weil er so
- 1:03:09unfassbar viel Spaß bringt. Und du weißt ja, dass ich auch
- 1:03:11Bücher gerne mag, die einfach Spaß bringt.
- 1:03:13Das ist wirklich eine totale Räuberkanone, passt aber gut zum
- 1:03:16Thema Verrat, denn es ist eine Spionagegeschichte und Spionage
- 1:03:22lebt ja im Endeffekt von Geheimnisverrat oder Verrat von
- 1:03:25anderen und Doppelagenten und so weiter und es ist ein von mir
- 1:03:28wirklich, wirklich so gern gemochter deutscher Autor
- 1:03:32Christoph Magnusson, ein sehr, sehr lustiger Autor.
- 1:03:36Und das Buch wird in dem Moment, liebe Zuhörerschaft, in dem ihr
- 1:03:41diesen Podcast hört, gerade vielleicht 23 Wochen erst auf
- 1:03:44dem Markt sein und ich wette, ihr werdet auch Kritiken hören
- 1:03:51zu diesem Buch, die darauf eingehen, das ist ja keine
- 1:03:53Literatur, und das ist ja irgendwie wirklich, das sind ja
- 1:03:56hanebüchene Geschichten et cetera, PP, wo man sagt.
- 1:04:00Ja, genau darum geht es also. Es ist also einem einem Autoren,
- 1:04:05der ganz klar macht, dass hier wirklich was Unterhaltsames
- 1:04:09schreiben wirft, vorzuwerfen, dass er was unterhaltsames
- 1:04:12schreiben wird, das ist also, das ist, wie einem, keine
- 1:04:15Ahnung, einem SPD Politiker vorzuwerfen, dass er SPD Politik
- 1:04:18macht, das ist doch sinnlos. Also ich meine dafür ist er doch
- 1:04:20angetreten und Christoph Magnussen finde ich macht immer
- 1:04:23sehr kluge aber wirklich Unterhaltung die Spaß bringt.
- 1:04:27Und wir haben die Geschichte, da sind wir jetzt bei der
- 1:04:30Generation X. Wir sind Anfang der 90er Jahre
- 1:04:33und unser Held ist ein junger, sehr, sehr junger Dichter, Jakob
- 1:04:38Dreiser, der also seine Kindheit und Jugend damit verbracht hat
- 1:04:42zu wissen, dass die Welt endet. Die Sowjetunion wird kommen, der
- 1:04:45kalte Krieg, der Atomkrieg, wir werden alle sterben, also der
- 1:04:48wirklich in diese 80er Jahre betonwelt aufwächst, wo wir
- 1:04:54wissen, die Geschichte hat. Hat bald n Ende.
- 1:04:57Es ist alles furchtbar und also Angst vor dem Osten und dann
- 1:05:02kommt die wende 8990 dann in Russland 9192 er Jakob hat in
- 1:05:08der Schule was ich sehr beeindruckend finde, dass es in
- 1:05:11dieser Schule in den 80er Jahren russischunterricht gab, das ist
- 1:05:14n bisschen unwahrscheinlich, aber Gott warum nicht also in
- 1:05:17Westdeutschland, er hat also Russisch gelernt, hat einen
- 1:05:20russischen Austausch gemacht und trifft dort auf.
- 1:05:23Das ist überhaupt für ihn die beste Nummer, die passieren
- 1:05:26konnte. Er wird zusammengesetzt mit
- 1:05:28einem russischen Mädchen in Sankt Petersburg, die wie er
- 1:05:32schon als jugendliche Lyrik lebt.
- 1:05:37Es geht nicht darum, so ein paar Liebesgedichte zu schreiben,
- 1:05:39sondern beide Wissen von sich und voneinander, es ist ein
- 1:05:44Lebenselixier und wir werden alles daran setzen, Lyrik zu
- 1:05:48leben und auch davon leben zu können und natürlich.
- 1:05:52Beginnen sie, sich gegenseitig Gedichte zu schreiben, Russisch,
- 1:05:55Deutsch, und es passt natürlich so perfekt ins Narrativ der
- 1:05:58Zeit. Ne, die 90er Jahre, alle sind
- 1:06:01friedlich, alle lieben mittlerweile einander und schaut
- 1:06:03mal hier diese beiden, er und sie, und sie ist Russin und er
- 1:06:06ist Deutsch und sie schreiben zusammen und das ist alles so
- 1:06:08tiefsinnig und sie werden wirkliche Stars, also zumindest
- 1:06:12in der Literaturszene hier jetzt mal kurz Klassiker, bevor
- 1:06:16irgendeiner von euch beiden mich fragt, ja, das Buch hat auch
- 1:06:19einen Namen. Das Buch heißt bis ans Ende der
- 1:06:22Geschichte, und das ist natürlich ein zauberhafter
- 1:06:24Titel, denn wir alle wissen ja von den Diskussionen in den
- 1:06:27Neunzigern. Jetzt ist das Ende der
- 1:06:28Geschichte, ich weiß jetzt nicht, wie, heißt der Historiker
- 1:06:30noch mal, der sich zu dieser unglaublich blöden, aus der hat
- 1:06:32nen japanischen Nachnamen. Ich komme gerade nicht drauf.
- 1:06:34Zu dieser blöden Aussage geführt hat.
- 1:06:36Jetzt ist das Ende der Geschichte erreicht, wo man
- 1:06:38denkt, wie in aller Welt kann man so was doofes behaupten,
- 1:06:42aber natürlich n toller Titel. Und so, das ist die
- 1:06:45Vorgeschichte, unser Held 90er Jahre landet, ist gerade in Rom,
- 1:06:49lebt dort, hat auch nicht viel zu tun und dann wird er
- 1:06:53angeworben von einem deutschen BND Agenten, der selber eine
- 1:06:58relativ wechselvolle Geschichte zu seinem eigenen Geheimdienst
- 1:07:01hat, mittlerweile auch zum Doppelagent wurde, also
- 1:07:04gleichzeitig auch für die Russen gearbeitet hatte.
- 1:07:06Und diesem BND Agenten geht eine Sache vollkommen ab, nämlich die
- 1:07:10Kunst der Konversation und des Menschen an sich binden.
- 1:07:13Und er erkennt aber sofort, dieser Jakob Reiser kann das und
- 1:07:17ich brauche ihn dafür, um Leute an mich zu binden, also wirbt
- 1:07:20den an. Jakob selber ist n bisschen
- 1:07:22gelangweilt von seinem Lyrikerleben, wo er alles machen
- 1:07:24kann und findet das irgendwie ne total amüsante Idee das zu
- 1:07:27machen und was beide nicht wissen können.
- 1:07:30Jakob ist ein Naturtalent, okay in allem, was Spionage angeht.
- 1:07:37Im Gegensatz zu seinem Lehrer sozusagen, der wirklich kein
- 1:07:41Naturtalent ist, sondern sich unfassbar dämlich anstellt.
- 1:07:44Und dann geht eine Räuberpistole los, die so dermaßen übertrieben
- 1:07:50ist und so wahnsinnig lustig. Glaubwürdigkeit ist jetzt nicht
- 1:07:54unbedingt das das Größte. Was dieses Buch ausmacht.
- 1:08:00Aber es bringt so viel Spaß, denn der Germeshausen, so heißt
- 1:08:06der BND Mitarbeiter, will jetzt für seine eigene Tasche
- 1:08:09arbeiten, und was er da vorhat, ist an sich eine ganz lustige
- 1:08:13Idee, kann aber eigentlich nur nach hinten losgehen, gäbe es
- 1:08:16nicht Jakob, der also wirklich einen Hasen nach dem anderen aus
- 1:08:19dem Hut zaubert und einfach eine Situation nach der anderen
- 1:08:22rettet. Diesem Doppelgespann werden noch
- 1:08:252 Frauen an die Seite gestellt. Einmal ein Love Interest von
- 1:08:30Germeshausen, die selber die Ex Gattin eines amerikanischen
- 1:08:34Botschafters ist und dann eine aus unfassbar reicher Mailänder
- 1:08:38Familie stammende Frau, die irgendwann angefangen hat,
- 1:08:43Italienischunterricht für russische Lernende.
- 1:08:47Zu geben und natürlich eigentlich auch KGB Agentin ist.
- 1:08:51Also wir haben wirklich ein Mischmasch an verschiedenen
- 1:08:54Interessen und Agentendasein und das ganze, und das ist bei
- 1:08:58Christoph Magnussen wirklich eine große Kunst.
- 1:09:01Du musst es ja schaffen, so eine Räuberpistole bis zum
- 1:09:04konsequenten Ende zu erzählen, amüsant zu bleiben und trotzdem
- 1:09:08ein wirklich gutes Ende zu finden und keins.
- 1:09:11Also oftmals sind bei solchen Geschichten ist das Ende, dass
- 1:09:14man denkt, so, Oh, ernsthaft jetzt.
- 1:09:17In diesem Fall aber fantastisches Ende, der
- 1:09:20eigentlich schon wieder der Beginn für ein neues Buch ist.
- 1:09:23Das ist richtig, richtig toll. Also ich bin wirklich in einem
- 1:09:26Rutsch durch mit diesem Buch und möchte ein großes Loblied darauf
- 1:09:30singen, weil es einfach nur Spaß bringt und unglaublich viel
- 1:09:35Erzählfreude und Fantasie hat und es gibt nur ein zweites,
- 1:09:39weil mir das beim Thema Verrat doch wichtig war, einmal noch
- 1:09:43auf dieses Buch hinzuweisen, was wahrscheinlich 95% der.
- 1:09:47Aller Menschen, zumindest in Deutschland schon gelesen haben,
- 1:09:50nämlich der epochale, sehr dünne Roman Der Vorleser von Bernhard
- 1:09:54Schlink, denn das ist ja wirklich auch ein Buch über
- 1:09:58Verrat, also nur kurz zusammengefasst, 50er Jahre, wir
- 1:10:02haben einen 15 jährigen Jungen, der beginnt eine Liebesaffäre
- 1:10:04mit einer weitaus älteren, Mitte 30 jährigen Frau, Schaffnerin
- 1:10:08und deren Ablauf sieht immer so aus, er liest dir was vor.
- 1:10:12Sie gehen ins Bett, danach duscht sie sich oder badet sie
- 1:10:15sich, und das geht über einige Zeit hinweg und Jahre später
- 1:10:20erst ist er als junger Jurastudent Zeuge eines
- 1:10:24Naziprozesses, und dort sitzt sie als eine KZ Aufseherin, die
- 1:10:29wirklich, wirklich unrecht gemacht hat, und sie ist.
- 1:10:36Weiß ich gar nicht, ich will es gar nicht spoilern, vielleicht
- 1:10:38für die Leute, die es noch nicht gelesen haben, denn es ist
- 1:10:40wirklich wert, denn es ist es fordert uns Leser und
- 1:10:43Leserinnen, selber eine Entscheidung zu treffen, eine
- 1:10:46extrem moralische Frage und die Grundfrage, die sich stellt,
- 1:10:51unserem Helden ist, soll er ein Geheimnis verraten, was diese
- 1:10:56ehemalige KZ Aufseherin betrifft, was sie aus lauter
- 1:11:00Scham wirklich verschweigt, dieses Geheimnis.
- 1:11:03Mit diesem Geheimnisverrat könnte er ihre nicht ihre Schuld
- 1:11:08relativieren. Aber ihre Strafe, die ist so
- 1:11:11viel höher als die Strafe, die ihre ganzen Kolleginnen, die das
- 1:11:14gleiche gemacht haben, er könnte sie vor sich selbst retten, wenn
- 1:11:17er ihr Geheimnis verraten würde und die Diskussion, die dieses
- 1:11:22Buch nach sich gezogen hat, ging so hoch her, dass es alleine das
- 1:11:28ist ja schon Garant dafür, dass es wirklich was geweckt hat und
- 1:11:31angestoßen hat in den Menschen und.
- 1:11:32Und der Schling ist ein so kluger Erzähler, insbesondere in
- 1:11:36diesem Buch, denn er überlässt jegliche Verantwortung uns
- 1:11:41Lesern und Leserinnen, also wie wir uns entscheiden, zu welchem
- 1:11:44Schluss wir bei diesem Buch kommen.
- 1:11:46Er wertet nicht, und das ist brillant und wirklich ein
- 1:11:49wichtiges Thema zum Buch Fantastische Verführung mit Kate
- 1:11:53Winslet richtig, es gab 2010, glaube ich noch mal.
- 1:11:56Das Ganze, das Ganze war eh schon Welterfolg, ist glaube ich
- 1:11:59auch im amerikanischen Curriculum für Schulen und
- 1:12:02Universitäten mit drin. Und diese Verfilmung mit Kate
- 1:12:05WINS wird eh eine Tolle. Ich wollte gerade sagen,
- 1:12:07Autorin, alle Welt, alle sind Autorin, eine tolle
- 1:12:09Schauspielerin hat dieses Buch also insbesondere im
- 1:12:12Internationalen natürlich noch mal zu neuen Höhen getrieben,
- 1:12:18aber es ist natürlich auch schon einige Jahre alt, ich glaube,
- 1:12:21Mitte der 90er wurde es geschrieben, also es ist jetzt
- 1:12:2330 Jahre alt und. Und vielleicht gibt es ja doch
- 1:12:26noch den einen oder die andere, die dieses Buch noch nicht
- 1:12:29gelesen haben. Und das ist wirklich ein
- 1:12:32dringender Wunsch von mir, dass so viele Menschen wie möglich
- 1:12:35dieses sehr wichtige und gleichzeitig sehr zugängliche
- 1:12:38Buch tatsächlich mal lesen wollen.
- 1:12:46Das ist also meine, ist vor allen Dingen, das sind meine
- 1:12:51beiden deutschen Beiträge. Zum Thema Verrat und auch hier
- 1:12:57übrigens beim Schlink nur gerne, weil man will ja nicht nur auf
- 1:13:00den Inhalt eingehen, sondern auch den Stil.
- 1:13:03Schlink macht natürlich genau das, was mir so gut gefällt, es
- 1:13:05ist ein sehr nüchterner, sehr präziser, sehr unwertender, fast
- 1:13:09dokumentarischer Tonfall, der uns Leser ernst nimmt.
- 1:13:14Ich mag es nicht, wenn mir gesagt wird, was ich denken
- 1:13:17soll, und da ist Schlink genau der richtige Autor dafür.
- 1:13:22Der einfach sagt, Denk du mal selber nach, ich gebe dir hier
- 1:13:24nur einfach mal die Geschichte und was du daraus machst ist
- 1:13:28jetzt in deiner eigenen Verantwortung sehr toll.
- 1:13:31Ja, und damit, liebe Monique sind wir glaube ich durch und am
- 1:13:41Ende unserer Folge es fehlt noch die Möbel, es fehlt noch die
- 1:13:46Möbelhaus Werbung darf ich einmal probieren es richtig
- 1:13:49hinzubekommen. Probier es kurz.
- 1:13:53Das Buch fürs Bett. Yes, hast du.
- 1:13:59Heute hast du heute ein Buch fürs Bett dabei.
- 1:14:02Ich habe tatsächlich ein Buch fürs Bett dabei.
- 1:14:07Ist zugegebenermaßen jetzt nicht für das um Gottes Willen.
- 1:14:10Ich bin müde und will nur noch 3 Seiten lesen, sondern es ist der
- 1:14:14Bettaufenthalt, der nach dem Schlafen und dem Frühstück am
- 1:14:19Sonntagmittag beginnt und dich wieder zurück ins Bett bringt,
- 1:14:22und zwar mit einem guten Buch und ich Reise 100 Jahre in die
- 1:14:28Vergangenheit zu einem wirklichen Klassiker der
- 1:14:32Literatur und einem wirklichen. Schlüsselroman der klassischen
- 1:14:38Moderne nicht unbedingt, was den Inhalt angeht, sondern was den
- 1:14:44Stil und die Schreibweise angeht.
- 1:14:46Und ich rede von der weltberühmten Autorin Virginia
- 1:14:49Wolff und ihrem fantastischen Buch, Es gäbe jetzt so viele,
- 1:14:53was würdest du vermuten, mit was ich jetzt um die Ecke komme?
- 1:14:56Oh, das machst. Du extra, weil du.
- 1:14:57Genau weiß ich, habe dieses Buch nicht gelesen.
- 1:15:00Okay, du hast recht, wir haben vorher darüber geredet.
- 1:15:02Hast du jetzt gemeint, es geht um Mrs. Delaway?
- 1:15:06Ich gebe zu, ich habe Mrs. Standaway auch erst im Studium
- 1:15:08gelesen und es hat sich mir Festgebrannt als Buch, und zwar
- 1:15:14die Form. Wie sie schreibt.
- 1:15:19Die Handlung ist relativ kurz erzählt, es geht um Misses
- 1:15:23delaway, ein Tag im Leben von Misses delaway.
- 1:15:26Am Abend hat sie eine Große bei sich zu Hause, eine große
- 1:15:32Abendgesellschaft, die sie empfangen muss, und sie ist in
- 1:15:34den Vorbereitungen für diesen Abend, dieser gesamte Tag und
- 1:15:38diese Vorbereitung sind aber natürlich nur.
- 1:15:42Im Endeffekt eine Ausrede in Anführungsstrichen für Virginia
- 1:15:45Wulff, um einen inneren Monolog zu starten.
- 1:15:48Den Misses delaway hat und sie reminisiert im Endeffekt über
- 1:15:54ihr Leben und in diesem Fall, wir hatten das ganz am Anfang
- 1:15:57unseres Podcasts ja auch. Ist das Thema Verrat am eigenen
- 1:16:02selbst. Sie geht wirklich ihr Leben
- 1:16:05durch und überlegt über die Momente, wo sie sich selbst
- 1:16:09verraten hat, wo sie ihre eigenen Leidenschaften verraten
- 1:16:11hat, wo sie eine frühere Liebe verraten hat, weil sie sich dazu
- 1:16:16entschieden hat, das gemütliche Leben zu gehen, mit einem
- 1:16:18sicheren, soliden Mann, der ihr also nichts Böses will, der sie
- 1:16:22auf jeden Fall versorgen wird, der aber auch in der Quintessenz
- 1:16:25eigentlich relativ langweilig ist.
- 1:16:28Und so geht sie durch diesen Tag und auf der anderen Seite haben
- 1:16:35wir einen Kriegsheimkehrer, möchte man nicht mehr sagen, das
- 1:16:38Ganze spielt schon Mitte der 20er Jahre war ein Kriegsveteran
- 1:16:41aus dem Ersten Weltkrieg, der zutiefst traumatisiert ist.
- 1:16:45Und auch wir gehen in seiner Innenwelt im Endeffekt auch
- 1:16:48durch diesen Tag, und er hadert nicht damit, dass er sozusagen
- 1:16:53sich selbst verraten hat, sondern dass er im Endeffekt von
- 1:16:56dem Staat, für den er gekämpft hat.
- 1:16:57Hat verraten wird, denn sein Trauma wird nicht ernst
- 1:17:00genommen. Ach, war so n paar Wochen Ruhe
- 1:17:02und dann ist der Junge wieder auf dem auf dem Damm und das
- 1:17:06Ganze wird insbesondere dargestellt in der Person seines
- 1:17:09Arztes, der einfach sein Trauma überhaupt nicht ernst nimmt und
- 1:17:12wir sind jetzt Mitte der 20er in einer Zeit wo also wir wissen
- 1:17:15Kriegstraumata diese dieses Thema ist erst seit dem Ersten
- 1:17:19Weltkrieg ein Thema, aber das ist auch schon n paar Jahre her
- 1:17:22und es dürfte auch eigentlich schon bei dem englischen
- 1:17:24Hausarzt angekommen sein, dass die Kriegsheimkehrenden
- 1:17:27traumatisiert sind. Am Ende dieses Tages hört Mrs.
- 1:17:32Delaway auf ihrer eigenen Abendveranstaltung von der
- 1:17:36Geschichte eben dieses traumatisierten Kriegsheimkehrer
- 1:17:40Septimus Heeps heißt der, Glaube ich, mit Nachnamen, der am Ende
- 1:17:45des Buches den Freitod wählt, und das löst bei ihr noch mal
- 1:17:51eine komplette Neubewertung ihrer eigenen Geschichte aus,
- 1:17:54und das ist spannend. Was das Buch aber wirklich zu
- 1:17:57einem Meilenstein der modernen Literatur macht und darum so
- 1:18:01lesenswert ist, ist, dass eigentlich Virginia Wolff allein
- 1:18:07und eigenhändig die Form des Bewusstseinsstroms, also der der
- 1:18:12Stream of consciousness, erfunden hat.
- 1:18:14Also ein, es ist nicht mehr handlungsorientiert, es ist
- 1:18:17nicht mehr ganz klar, in wessen Kopf und in welcher Geschichte
- 1:18:20wir sind. Sondern wir mäandern mit ihr von
- 1:18:23einer Figur zur nächsten, die eine Figur berührt, vielleicht
- 1:18:27nur die nächste oder gibt ihr, Übergebt ihr was und dann sind
- 1:18:29wir plötzlich im Kopf der nächsten Person.
- 1:18:31Und so ist eine eine Erzählform erfunden worden, die eigentlich
- 1:18:36erst 8090 Jahre später in ihrer vollsten Blüte im Serien
- 1:18:42übernommen wurde. Also es gibt.
- 1:18:44Unfassbar gute Serien, die wirklich die Hälfte einer Folge
- 1:18:48damit verbringen können, wie wir wirklich von einer Person
- 1:18:51einfach nur zur nächsten schweben und das ganze, und das
- 1:18:54ist immer ganz erstaunlich, wenn man erzählformen für so
- 1:18:57selbstverständlich nimmt und vorher nie gesehen hat, wer hat
- 1:18:59es eigentlich erfunden? Und Virginia Wolff wurde von
- 1:19:03konservativer Seite Gefrasht für diesen Roman, für diese
- 1:19:07Unerzählbarkeit, für diese Langeweile, für diese
- 1:19:09Handlungsarmut, für dieses innere Geblubbere und das
- 1:19:12Monologisiere. Und erst wirklich, dass man erst
- 1:19:16so viel später mitbekommt, wie revolutionär sie im Endeffekt
- 1:19:22die moderne Literatur geformt und geändert und bestimmt hat.
- 1:19:27Alleine durch dieses eine Buch. Natürlich gab es davor schon
- 1:19:30Bücher, die sowas auch gemacht haben, in kleinerer Form und
- 1:19:33danach auch, aber es gibt sie einfach, diese schlüsselwerke,
- 1:19:36und ich finde, ab und an ist es auch mal wert, sich n bisschen
- 1:19:40zu bemühen und es ist wirklich. Nicht so zugänglich.
- 1:19:44Es ist wirklich ein bisschen Arbeit, aber ich finde, man darf
- 1:19:46es auch wirklich in der deutschen Übersetzung lesen.
- 1:19:48Man muss nicht ins Original gehen, das ist vielleicht doch
- 1:19:51ein bisschen zu viel des guten, aber wenn man mal einen Tag im
- 1:19:55Bett einfach Zeit hat und sich ein Buch dazu nehmen möchte,
- 1:19:59dann möchte ich euch allen das auch dir, Liebe Monique
- 1:20:01empfehlen, dieses Buch fürs Bett misses Delaway von Virginia
- 1:20:06Wolf. Und das ist jetzt mein Vorsatz
- 1:20:08für die nächsten 2 Wochen. Fantastisch, Yes.
- 1:20:14Damit habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte und geh
- 1:20:17jetzt nach Hause. Haben wir noch irgendwas wildes,
- 1:20:22was wir uns gegenseitig erzählen möchten, oder?
- 1:20:25Solange die Mikros an sind. Ja, nein, alles andere machen
- 1:20:31wir privé und entlassen euch, liebe Hörer und Hörerinnen, in
- 1:20:35einen hoffentlich wunderschönen Tag oder Abend oder Nacht.
- 1:20:38Was immer ihr machen wollt. Gehabt euch wohl und ich freue
- 1:20:41mich auf euch in 2 Wochen. Bis in 2 Wochen.
- 1:20:44Ciao. Im Bett mit Buch ist eine
- 1:20:49Produktion von irgendwas ist immer Konzept und Produktion.
- 1:20:53Götz Gring Muth, Daimer Redaktion und Host Moni, Lukas
- 1:20:58und Kurt von Hammerstein.