Latest / Im Bett mit Buch / Nachts wach
Transcript
- 0:05Hallo Kurt. Hallo Monique und Hallo, liebe
- 0:08Zuhörer und Zuhörerinnen. Herzlich Willkommen in unserem
- 0:11Podcast im Bett mit. Buch.
- 0:16Wir sind Monique und. Kurt.
- 0:20Kurt, das bin ich. Ich bin jemand, der Bücher
- 0:22verkauft. Und ich bin Monique und ich lese
- 0:26sehr gerne Bücher und im Moment mal, ich kaufe auch Bücher.
- 0:28Was uns zu einem perfekten Match macht und wir freuen uns, dass
- 0:32ihr wieder eingeschaltet habt. Zu unserer neuen Folge von
- 0:34unserem Podcast im Bett mit Buch und unser heutiges Thema ist 1
- 0:39der schönsten Themen vielleicht überhaupt nachts wach.
- 0:43Kann das wirklich immer schön? Also als Thema ist es natürlich
- 0:46schön, aber ist es wirklich immer schön nachts wach zu?
- 0:48Sein ist überhaupt nicht schön, nachts wach zu sein, wenn man es
- 0:50nicht sagen möchte. Aber als Thema ist es natürlich
- 0:53total schön, sowohl für unseren Podcast als jetzt auch generell
- 0:56in der Literatur. Und hast du eigentlich gewusst,
- 0:59dass dass diese es gibt so ne ganz typische Stunde, in der man
- 1:03nachts aufwacht und nicht wieder einschlafen kann, dass es dafür
- 1:06auch NN Begriff gibt? Und kennst du diese Stunde
- 1:09überhaupt? Mein mein.
- 1:12Lebensrhythmus ist so dermaßen verschoben, dass es sowieso
- 1:14keine Stunden für mich gibt, weil ich normalerweise mehr erst
- 1:17um 03:00 Uhr nachts ins Bett gehe.
- 1:19Aber ich glaube, das ist die Stunde zwischen 3 und 4.
- 1:21Aber ich weiß nicht, wie sie heißt.
- 1:23Das ist die Stunde zwischen 3 und 4, und die heißt
- 1:25Wolfsstunde. Oh, das kann ich gut verstehen.
- 1:28Ich werd auch gerne zwischen 3 und 4 zum Wolf, da fällt mir
- 1:33ein, ich hab ein fantastisches Werwolf Buch mal gelesen, das
- 1:35ist aber leider nicht mehr lieferbar, so viel nur zum Thema
- 1:38Nacht und die Wolfsstunde. Die Wolfsstunde, die.
- 1:42Ist wahrscheinlich nicht unbedingt positiv besetzt.
- 1:45Das ist ganz unterschiedlich. Es kommt so n bisschen drauf an,
- 1:49was man draus macht. Es gab jetzt auch gerade.
- 1:52In der Zeit in dem Wochenmagazin in in der Nummer 14 n größeres
- 1:57Stück über die Wolfsstunde, wo das auch n bisschen medizinisch
- 2:00beleuchtet wird. Warum wachen wir eigentlich
- 2:02genau zu dieser Zeit auf oder warum wachen viele Menschen zu
- 2:05dieser Zeit auf und können dann nicht gleich wieder einschlafen?
- 2:10Und da gibt es auch so n kleinen Recap aus der Literatur darüber.
- 2:15Wer hatte dieses Problem schon mal?
- 2:17So zum Beispiel ist Cervantes Kafka, über den wir heute nicht
- 2:20reden wollen. Das ist gut für die geistige
- 2:24Gesundheit unser allein. Oder auch Cäsar.
- 2:28Und diese Überlieferungen sind natürlich bekannt, weil die in
- 2:31dieser Zeit was anderes gemacht haben und darüber auch ja
- 2:34Aufzeichnungen vorhanden sind. Also du gehst sowieso erst um 3
- 2:38schlafen. Ja, ich hab das Glück, dass ich
- 2:40ja sehr, sehr spät erst aufstehen muss beziehungsweise
- 2:42das Glück. Ich hab ja meinen Laden selber
- 2:44aufgemacht und die Fakten festgelegt und für mich ist ich
- 2:50weiß, dass es viele Menschen gibt mit wirklichen
- 2:52Schlafproblemen und da ist es überhaupt gar kein lustiges
- 2:54Thema, nachts wach zu sein, wenn man nicht kann.
- 2:57Ich bin freiwillig sehr gerne nachts wach, denn ich genieße
- 3:00es, diese stillen Stunden zu haben, wo ich ihr könnt es euch
- 3:04denken, häufig lese. Und das Gefühl habe, allein zu
- 3:10sein, aber nicht einsam. Man lässt mich in Ruhe, aber um
- 3:13mich herum. Natürlich sind ja immer noch,
- 3:15wir leben ja in einer Großstadt, sind immer noch unglaublich
- 3:17viele Menschen, man fühlt sich also gar nicht alleine, man hat
- 3:20aber diese Ruhe, keiner ruft an, man muss gar nicht
- 3:24kommunizieren, man ist ganz auf sich selbst zurückgeworfen, also
- 3:28in einem positiven Sinne, und ich nutze diese Stunden sehr, um
- 3:32jetzt nicht nur zu lesen, ich bin jetzt nicht so vorbildlich,
- 3:34ich daddel auch gerne einfach rum, aber.
- 3:37Ich genieße diese Stunden, aber das sind ja natürlich im
- 3:40Endeffekt, ob du jetzt von 10 bis 12 dein Ding machst oder
- 3:43halt von 1 bis 3 ist ja einfach nur eine verschobene Stunde,
- 3:47wenn man das den Luxus hat, spät aufstehen zu dürfen.
- 3:50Ja, und es gibt das tatsächlich gar nicht so selten, dass die
- 3:55Nacht ohnehin zweigeteilt ist, also dass man sozusagen erstmal
- 3:59einen. Ersten normalen Schlaf hat in
- 4:02die Nacht hinein dann diese Wachphase zwischen 3 und 4 oder
- 4:07eben zwischen 14:30 Uhr und 4 und dann noch mal eine zweite
- 4:10Schlafphase hat, und das war wohl auch mal sehr en vogue
- 4:14gewesen in früheren Jahrhunderten und.
- 4:19Das ist ja dann auch ne Zeit n bisschen wie du es beschreibst.
- 4:21Sie gehört einem ganz alleine. Ne, die restliche Welt schläft
- 4:24oder ist eben woanders alleine wach, behelligt einen jeweils
- 4:28nicht mit e Mails oder oder anrufen, wobei auch nur nicht
- 4:32mit e Mails wenn man das E Mail Postfach nicht aufmacht fürchte
- 4:35ich. Das ist ja zum Glück einem
- 4:38selbst überlassen. Da muss man dann aber auch
- 4:41streng witzig sein, 8003 und dann kann man da Sachen machen
- 4:45zu. Also bestenfalls zu dem man
- 4:49sonst nicht kommt. Und da gibt es ein paar schöne
- 4:52schöne Beispiele in der Literatur.
- 4:55Was fangen die mit dieser Stunde an oder richten die sich diese
- 4:58Stunde vielleicht sogar extra ein, um Raum zu haben für ein
- 5:04zweites Leben oder für ein Leben, das keinen Platz hat in
- 5:06ihrem Sonstigen? Ja, Tages, sonnenbeschienenen
- 5:11leben. Hast du was da zum?
- 5:13Also tatsächlich jetzt so explizit für diese Stunde.
- 5:16Hab ich ein Buch, das ich vor n paar Jahren gelesen habe, Cosan
- 5:20Whitehead mit dem Buch Harlem Shuffle eigentlich geht es
- 5:25natürlich nicht um diese Wolfsstunde in dem Buch, das ist
- 5:28die Geschichte von spät in den 60er Jahren.
- 5:32Von einem Mann, der sich wirklich, wirklich abmüht, um
- 5:35ein bürgerliches Leben zu haben. Er wohnt in Harlem, er hat
- 5:41geheiratet, seine Frau ist schwanger, seine Frau kommt aus
- 5:44ein bisschen besser gestellten Verhältnissen als er, sein Vater
- 5:48war eher, ich glaube, was er, ich glaube, er war ein
- 5:51krimineller, er war gesucht, er ist zu groß geworden, aber er
- 5:53möchte wirklich ein bürgerliches Leben führen, er hat ein
- 5:55Möbelladen aufgemacht und denkt viel drüber nach, wie man jetzt
- 5:58eben. Besonders gut Möbel verkaufen
- 6:01kann, um damit erfolgreich zu sein.
- 6:03Er will in ne bessere Gegend umziehen und wird aber immer
- 6:06wieder eingeholt von seiner Geschichte, von seiner Familie,
- 6:09von den Dingen die da dran hängen und es gibt dann eben
- 6:14einfach einen Teil in diesem Buch, da sagt er, ich muss, ich
- 6:19weiß gar nicht, was so explizit sagt, aber er trennt sozusagen
- 6:21sein Leben mit seiner Frau von diesem anderen leben, dass er
- 6:25eben auch noch führen muss und da so.
- 6:27Er ist ganz normal mit ihr zu Abend.
- 6:28Er geht mit ihr zeitig schlafen, sie ist schwanger, sie braucht
- 6:31viel Schlaf und dann steht er nachts noch mal auf, verfolgt
- 6:34seine eigenen Pläne, von denen meine Frau wirklich nichts
- 6:37wissen darf, und wenn die dann erledigt sind, geht er wieder
- 6:40schlafen und steht morgens wieder mit ihr auf.
- 6:42Also tatsächlich Schlafphase, wach sein.
- 6:45Zweite Schlafphase sind es sinistere Dinge, die er in
- 6:49dieser Stunde macht oder eigentlich ganz harmlos?
- 6:52Nee, so harmlos sind die nicht. Und er braucht auch diese.
- 6:58Also ich glaube, er braucht wirklich diese Trennung von
- 7:02seinem regulären Leben. Ne, das ist so n bisschen für
- 7:05ihn vielleicht auch leichter damit umzugehen, durch diese
- 7:09ganz rigorose Trennung, durch dieses nicht gesehen werden und
- 7:11dann hat natürlich die Stadt New York, dann hat natürlich ein
- 7:14stadthavir Harlem nachts auch noch mal ne andere Realität als
- 7:18am Tage und die braucht er auch für die Pläne, die er dort.
- 7:22In der Nacht verfolgt. Das wär spannend.
- 7:24Also ich bin n großer Fan von Colson Whitehead, muss ich
- 7:26sagen, insbesondere natürlich Underground rayroad, wo es auch
- 7:31oftmals dunkel ist, aber jetzt nicht zwingend durchgehend
- 7:35nachts, das hab ich allerdings tatsächlich nicht gelesen, das
- 7:38heißt, Na vielen dank, Monique ist ja nicht so, dass ich kein
- 7:41Stapel Bücher habe, das ist also 1, was ich jetzt auch auf jeden
- 7:46Fall noch mal lesen möchte. Das ist Harlem Shuffle von
- 7:49Coatson Whitehead das ist erschienen.
- 7:52Ich nehme an, bei BTB, wahrscheinlich ist es bei.
- 7:56BTB erschienen und wir packen es euch.
- 7:57Aber wie immer in die Shownotes. Richtig, und natürlich mit allen
- 8:00Angaben auch zum Übersetzer oder der Übersetzerin.
- 8:04Vielen Dank für diese Nummer, spannend, ja erstaunlich mit
- 8:07dieser Wolfsstunde, das ist mir wirklich noch gar nicht.
- 8:12So untergekommen auch diese. Ich kann mir auch denken, diese
- 8:16Verzweiflung in der Nacht, die einen ja auch ergreifen kann,
- 8:19wenn man aufwacht und nicht mehr schlafen kann.
- 8:22Ich hab normalerweise einen recht gesunden Schlaf, das
- 8:26passiert mir wirklich alle 15 Jahre mal.
- 8:29Was mir tatsächlich in dieser Woche passiert ist, dass ich
- 8:32nicht schlafen konnte, Gedanken, Tennis, das ist ja das
- 8:35Furchtbarste und das hab ich nie und dieses Mal hatte ich es.
- 8:40Will jetzt gar nicht sagen oder weiter da reingehen warum?
- 8:43Weil das ist furchtbar langweilig und schmerzhaft und
- 8:45hat mit Zähnen zu tun, entsetzlich.
- 8:50Und was machst du, was machst du wenn du nachts wach liegst und
- 8:53du kannst nicht schlafen und du hast natürlich dann nicht
- 8:56natürlich, aber in meinem Falle hab ich dann noch jemanden neben
- 8:58mir liegenden man jetzt auch nicht unbedingt stören will.
- 9:02Also dachte ich mir, OK, was soll es raus aus dem
- 9:05Schlafzimmer, raus aus dem Bett und entgegen unserem Podcast
- 9:09habe ich dann mit Buch auf Sofa verbracht.
- 9:15Eine schlaflose Nacht für mich und passenderweise war es
- 9:18tatsächlich ein Buch, was ich gelesen habe in dieser Nacht
- 9:20über jemanden, der auch eine komplette Nacht nicht schläft
- 9:23und ich dachte, Wow, OK, das ist, das ist tatsächlich mal n
- 9:26schöner Zufall. Das ist ein ganz neues Buch von
- 9:30einem von mir sehr hochverehrten Schweizer Autoren.
- 9:33Da sind sie wieder, die Schweizer Lukas Meisel, der ist
- 9:36für mich so n bisschen der der König der Novelle, also der ist
- 9:39wirklich auf da knapper Form 140 Seiten hat es wahrscheinlich
- 9:44ungefähr vielleicht n bisschen weniger eine komplette
- 9:48Geschichte so spannend zu erzählen weiß, dass es
- 9:51eigentlich egal ist, ob man gerade schlafen kann oder gar
- 9:53nicht schlafen kann, weil man es wirklich unbedingt durchlesen
- 9:56muss. Und das Buch heißt wie ein Mann
- 9:59nichts tat und so die Welt rettete.
- 10:02Ganz ehrlich, Freunde, der Titel klingt für mich eher so wie der
- 10:06Mann, der aus dem Fenster sprang und so weiter und so nach nach
- 10:09heiterer Unterhaltungsliteratur, was ich normalerweise nicht tun
- 10:13würde. Ich finde dieser Titel wird dem
- 10:15Buch nicht gerecht, weil er macht was vor an an lustig
- 10:22haarigkeit, was das Buch nicht ist.
- 10:25Es ist vom Titel her aber natürlich korrekt, denn es
- 10:27handelt tatsächlich von einem Mann, der in einem ganz
- 10:30bestimmten Punkt nichts tat und damit die Welt rettete.
- 10:34Es handelt nämlich von dem in der Sowjetunion 1983 an einem
- 10:41geheimen Atomstandort stationierten Mann Stanislaw
- 10:46Petrow. Diesen Mann gab es wirklich den
- 10:49Fall, den Lukas Meisel beschreibt, gab es auch
- 10:52wirklich. Stanislaw Petrow war von Anfang
- 10:56an beschäftigt an den Anti Abwehr Programmen der
- 11:01Sowjetunion gegen amerikanische Raketen, Frühwarnsysteme,
- 11:04Satelliten et cetera PP er hat sie auch mit programmiert und
- 11:07mittlerweile sitzt er also in diesem geheimen Städtchen und
- 11:11überwacht nachts in Nachtschichten, wenn er gerade
- 11:13mal dran ist. Die Flugbewegungen
- 11:17amerikanischer Raketen, so sie denn da sein, um dann halt
- 11:21sofort reagieren zu können, um dann halt auf den berühmten
- 11:24roten Knopf zu drücken. Sehr schön hab ich in diesem
- 11:27Buch gelernt, es gibt diesen roten Knopf gar nicht, also der
- 11:30ist da, aber die Kabel sind abgeschnitten, weil kein Mensch
- 11:33diese Verantwortung haben sollte, also seine.
- 11:36Chain of Command wäre gewesen, seinen Befehlshabenden Offizier
- 11:40anzurufen. Der hat dann die Direktdurchwahl
- 11:42in diesem Falle zu Andropow und Andropow war jemand, der auch
- 11:46ohne Probleme auch auf den roten Knopf drücken könnte.
- 11:50Es ist jetzt diese Nacht 1983 er springt ein für einen kranken
- 11:55Kollegen und die Welt kann dankbar sein, dass Petrow
- 11:58eingesprungen ist. Denn er hat die Nachtschicht als
- 12:01Leiter und es passiert das, was eigentlich nur in Übungen
- 12:05passiert ist und nie passiert ist.
- 12:07Der Alarm geht los, eine Rakete aus Amerika steuert Richtung
- 12:12Moskau oder Richtung Sowjetunion, und er behält n
- 12:16klaren Kopf und sagt, Na ja, lass uns erst mal schauen, ist
- 12:19das n Fehlalarm, ich geh mal den Programm durch die Computer,
- 12:22also den Computer durch die Programmierung durch.
- 12:24Er findet keinen augenscheinlichen Grund dafür,
- 12:26dass es n Fehlalarm sein könnte, aber irgendwas in ihm sagt, hier
- 12:30läuft was falsch, das ist der Computer, das ist jetzt nicht ne
- 12:33Rakete und dann eskaliert das Ding dahingehend das noch ne
- 12:38Rakete noch ne Rakete noch ne Rakete am Ende sind 50 Raketen.
- 12:42Virtuell in der Luft und er muss sich entscheiden.
- 12:45Und er merkt doch, dass Rumoren seiner Mannschaften unter ihm,
- 12:50die also auch sagen, wir müssen was tun und er sagt jetzt mal
- 12:51alle ruhig Blut und er bleibt wirklich kühl bis zum geht nicht
- 12:57mehr und am Ende dieser durchwachten Nacht, an der er
- 13:01kühl bleibt, an der dann die Raketen mittlerweile auch auf
- 13:05den Radarschirmen erscheinen müssen, die sie natürlich auch
- 13:08zur Echtzeitkontrolle haben. Hat er recht?
- 13:12Nichts erscheint auf den Radaren und er hat durch seinen kühlen
- 13:17Kopf sozusagen tatsächlich dadurch, dass er nichts tat, die
- 13:20Welt gerettet. Also mir ist die Geschichte
- 13:22schon mal vor Jahren untergekommen, dass es diesen
- 13:24Fall mal gab und was der Lukas Meisel dort tut, ist also sehr,
- 13:30sehr, sehr korrekt. In unglaublich klarer, toller
- 13:34Schweizerdeutsch, also nicht schweizerdeutsch hab ich mag
- 13:36Schweizer Autoren so gerne, weil sie durch ihre leichte
- 13:39Entfernung zum Schriftdeutschen doch sehr viel präziser
- 13:41schreiben und nicht so zum Blubbern neigen, wie ich es
- 13:44gerade tue. Entschuldigung, also es ist ein
- 13:47knapp geschriebenes Buch über einen spannenden Mann, wo er
- 13:50herkommt und natürlich insbesondere über diese Nacht,
- 13:53die er wach bleibt und damit uns alle gerettet hat und mir dafür
- 13:57dankbarerweise meine nicht durchschlafene Nacht sehr
- 14:00versüßt hat. Ich glaube, so kühl kühlen Kopf
- 14:05bewahrende Männer und Frauen, aber mir fallen jetzt gerade
- 14:09tatsächlich mehr nur Männer ein, denen ich es wünschen würde, in
- 14:12der klareren, kühleren Kopf zu bewahren, damit wir alle ruhiger
- 14:15schlafen können. Wo habe ich mit diesem Satz
- 14:19angefangen? Also auf jeden Fall könnten wir
- 14:20davon gerade noch ein Paar mehr gebrauchen oder an den richtigen
- 14:24Stellen. Ich.
- 14:26Glaube, dass wir in diesem kühlen Kopf schon bei vielen
- 14:29Männern und Frauen an den entscheidenden Positionen haben,
- 14:31nämlich immer in den Momenten, wo uns nichts passiert und wir
- 14:33nichts mitbekommen. Wahrscheinlich werden sehr viele
- 14:36Gefahren abgewendet, die wir erst im Nachhinein, also auch
- 14:40die Geschichte von dem Petrov hätten wir ja nie mitbekommen,
- 14:42wäre die Sowjetunion nicht untergegangen und man hätte sie
- 14:45dann öffentlich machen können. Also ich glaube, viele Sachen
- 14:48sind so unter Geheimhaltung, wo Menschen wirklich mit kühlen
- 14:52Kopf richtig reagiert haben. Wir den Luxus haben, uns
- 14:56tatsächlich immer noch über Bücher unterhalten zu können,
- 14:59das ist wahr. Im Petraf war ja dann aber auch
- 15:02jemand, der nachts arbeiten musste.
- 15:04Anders als unser Held bei Groß Meuchert, der das eigentlich
- 15:08nicht musste. Es gibt ein ganz, ganz
- 15:11wunderbares Buch, das von der Nachtarbeit handelt, das heißt
- 15:16Schlichtarbeit, und ist von Thorsten Nagelschmidt, ich hab
- 15:20es vor ein paar Jahren geschenkt bekommen und ich hab es
- 15:22verschlungen. Muss ich sagen und mir geht es
- 15:25heute noch so. Immer wenn ich das in die Hand
- 15:26nehme und Auflage nur n bisschen darin blättere, lese ich mich
- 15:29sofort wieder fest und fange wieder an in diesen
- 15:32Episodengeschichten der Berliner Nacht zu lesen.
- 15:37Hast du es auch gelesen? Ich hab es nicht gelesen.
- 15:38Ich hab es natürlich im Laden. Es war glaube ich auch ne Zeit
- 15:42lang das Buch. Es gibt immer Berlin liest ein
- 15:45Buch, das ist immer so ein ein Buch im Jahr, was dann?
- 15:49Billig gesagt, promotet wird. Das war dann auch der Thorsten
- 15:51Nagelschmidt Superautor auch n großartiger Mensch.
- 15:55Das Buch selber hab ich nicht gelesen, aber es handelt sich
- 15:57hier um fiktionale Geschichten oder hat er Geschichten von
- 15:59Nachtarbeitern einfach aufgezeichnet und literarisiert
- 16:04ja. Also er war tatsächlich viel in
- 16:07der Nacht unterwegs mit mit Nachtarbeitern und
- 16:09Nachtarbeiterinnen und ich. Kann jetzt nicht genau sagen
- 16:13wieviel nur nur literarisiert ist und wieviel Fiktionales.
- 16:18Auf jeden Fall ist es auf ne sind diese unterschiedlichen
- 16:20Geschichten, das ist n bisschen so wie wie n alten Robert Ortman
- 16:23Film gucken Shortcuts oder so ganz wunderbar miteinander
- 16:27verwoben, die fließen ineinander und man ist ne komplette
- 16:31Berliner Nacht relativ im Zentrum der Stadt unterwegs,
- 16:34also Mittel Friedrichshain, Kreuzberg in in in in dieser
- 16:38Ecke einmal in einem Hostel, man ist mit einer älteren Frau, die
- 16:42Pfandflaschen sammelt, unterwegs mit einem Türsteher von einem
- 16:47Club, mit einem Dealer, mit einer Rettungssanitäterin und
- 16:54auch mit einer Frau, die Essen ausliefert, wenn ich mich nicht
- 16:58nicht sehr falsch erinnere, und ich nehme an.
- 17:01Also das Cover gibt es ja, obwohl es gibt es gar nicht.
- 17:04Ja, wenn ich noch mal drauf gucke, Taxifahren ist
- 17:07wahrscheinlich auch ein Thema, oder?
- 17:09Das weiß ich gar. Nicht mehr, das weiß ich gar
- 17:11nicht mehr. Wenn es dann Taxifahrer gibt,
- 17:13dann hab ich die möglicherweise vergessen, das wäre für mich.
- 17:16So eine der ersten. Also irgendwie Notaufnahme, Müll
- 17:21und Taxifahrern wäre für mich irgendwie, obwohl natürlich
- 17:24klar, Türsteher, Barleute, Kurfürstenstraße, Frauen die
- 17:28dort stehen ist ja auch, obwohl die auch tagsüber arbeiten, aber
- 17:31ist natürlich auch ne klassische Nachtsarbeit.
- 17:33Das ist spannend, also ist leider wirklich an mir
- 17:35vorbeigegangen. Aber das ist natürlich immer der
- 17:37faule Buchhändler, der sieht, dass sein Buch sich von ganz
- 17:40alleine verkauft. Na ja, Gott hab ich.
- 17:42Hab ich in dieser Folge schon 2 Bücher gelesen, die du nicht
- 17:45gelesen hast? Tatsächlich, meine Güte.
- 17:47Ja, ich bin ich bin. So n bisschen ich bin so n
- 17:49bisschen much hier. Also auf jeden Fall ne
- 17:52unbedingte Leseempfehlung von mir für für dieses Buch Arbeit.
- 17:56Es macht total viel Spaß mit den Leuten unterwegs zu sein, auch
- 18:00wenn das n. Jetzt kein lustiges Buch ist ne,
- 18:03das ist schon von einer harten Realität geprägt, aber wir
- 18:08begleiten die Leute sehr, sehr nah.
- 18:13Die wir sonst. Eigentlich gar nicht so nah,
- 18:14erleben aber natürlich von ihrer Arbeit profitieren.
- 18:17Denn wenn wir ausgehen, wenn wir feiern gehen, wenn wir in
- 18:20anderen Städten in weiß ich nicht Hostels übernachten oder
- 18:22so, da arbeiten natürlich auch viele Menschen daran.
- 18:25Dass wir all das können, ist toll.
- 18:28Also ne Würdigung wirklich von von wichtigen Jobs, die oftmals
- 18:31an uns vorbeigehen. Und ich liebe ja Episodenhaftes
- 18:35erzählen, also vor allen Dingen, wenn sie gut miteinander
- 18:37verwoben sind und keine Ahnung, die Figur aus Story 1 in Story
- 18:4017 noch mal irgendwie zufällig einem begegnet.
- 18:43Sowas genieße ich sehr, das ist natürlich auch etwas um den
- 18:47Überblick zu behalten, was man besser im Stück liest.
- 18:49Also eine Nacht durch, aber auch toll wahrscheinlich durch die
- 18:52Episoden, dass man einfaches Weglegt und. 2 Tage später sich
- 18:56die nächste Episode erst gibt oder hast du es in einem Rutsch
- 18:58gemacht? Ich glaub ich hab das in.
- 18:59Einem Rutsch gelesen. Ich konnte das nicht weglesen,
- 19:01also auch nachts. Wach auch nachts wach.
- 19:03Genau. Das ist toll, das ist echt
- 19:07Wunderschönes. Gibt natürlich auch noch andere
- 19:08Gründe, nachts wach zu sein, also nicht nur, weil man wegen
- 19:12Zahn nicht schlafen kann oder weil man arbeiten muss, so wie
- 19:15jetzt in den Fällen der Bücher, die wir hatten.
- 19:18Mir ist noch ein Buch eingefallen, was ich auch für
- 19:21Ewigkeiten gelesen habe und was mich zutiefst beeindruckt hat.
- 19:25Es handelt eigentlich nicht vom wach sein nachts, aber es ist
- 19:31ein Thema ganz groß in diesem Buch, dieses Nachts warten und
- 19:37nachts warten ist ja eigentlich was entsetzliches und vor allen
- 19:41Dingen, wie in diesem Buch, auf das, was man wartet.
- 19:45Das Buch, von dem ich reden möchte, heißt der Lärm der Zeit.
- 19:49Das ist von Julian Barns, also einem der erfahrensten und
- 19:53großen britischen Schriftsteller.
- 19:56Julian Barns schreibt eigentlich gerne, sonst auch so elegante
- 19:59Gesellschaftsnummern aus Großbritannien oder dem alten
- 20:03England, aber in diesem Falle ist der Lärm der Zeit eigentlich
- 20:07eine Biografie oder ein Abschnitt einer Biografie über
- 20:13Schostokowitsch. Den berühmten russischen
- 20:16Komponisten des 20. Jahrhundert, der unter Stalin
- 20:20gelebt hat und gearbeitet hat und einer der wenigen Künstler,
- 20:23der tatsächlich die Stalin Zeit überlebt hat.
- 20:26Denn Stalin stand, glaub ich, ziemlich auf Schostakowitsch,
- 20:30übrigens auch n Mensch, der nachts nicht geschlafen hat,
- 20:32Stalin, der hat ja gerne dann auch nachts Leute angerufen, die
- 20:36ihm dann was vorspielen mussten, das ist wirklich toll, ich würd
- 20:39auch gern Diktator sein, das ist ja super, kommt mal vorbei mit
- 20:42eurem Sinn von New Orchester, ich hab hier n Saal über und
- 20:44dann bespaß. Hast mich mal und
- 20:46Schostakowitsch war also mal in Gnade, mal nicht in Gnade.
- 20:49Und das Thema dieses nachts wachsein wird so eindrücklich
- 20:53beschrieben. Wenn du Angst hast auf der
- 20:57Deportationsliste zu stehen und gar nicht mehr in deinem Bett
- 21:01schläfst, sondern auf deinem gepackten Koffer im Flur, dass
- 21:07wenn die Leute klopfen an deiner Tür, du nicht auch noch deine
- 21:10gesamte Familie irgendwie furchtbar aufwecken musst,
- 21:12sondern du einfach sofort mitgehen kannst.
- 21:14Was ja schon ein eine entsetzliche Idee ist, dass du
- 21:18sozusagen dich schon darauf vorbereitest, deportiert zu
- 21:22werden in einem Leben, wo du gar nicht sicher sein kannst.
- 21:26Selbst wenn du gerade in Gnaden bist.
- 21:28Von der machthabenden Person. Das ist ja trotzdem irgendwie
- 21:31gerade och Gott, dann ging es gerade Stalin schlecht, oder es
- 21:34gab irgendwie gerade zu wenig Komponisten in den Gulags.
- 21:37Na ja, dann nehmen wir halt Schostokowitsch mit und gerade
- 21:39wenn man so ne exponierte Figur in der Kultur ist.
- 21:42Dass alles mit Argus Augen beobachtet wird, was du machst.
- 21:46Jede Symphonie, die du schreibst, jedes Stück, was du
- 21:50machst, wird politisiert. Du musst dann erst mal in den
- 21:52Zeitungen nachlesen, ob es überhaupt erlaubt wird, das
- 21:55Stück, was du spielst oder nicht, denn du weißt dann ganz
- 21:57genau, es geht durch die Hände von vielen Kritikern, und wenn
- 22:00in der brav da, dann steht, es ist konterrevolutionär.
- 22:02Ja, Pech gehabt. Dann wird es halt, wenn du Glück
- 22:04hast, einfach nur nicht gespielt, wenn du Pech hast, hat
- 22:07das tatsächlich richtig harte Konsequenzen.
- 22:11Also es ist im Endeffekt die Biografie eines Künstlers unter
- 22:14diktatorischen Zeiten und für mich hat sich aber wirklich
- 22:17dieses dieses Bild des nachts wachsein sehr sehr eingebrannt
- 22:23und einfach zu warten, untätig zu warten und zu hoffen, dass
- 22:27diese Nacht vorbeigeht. Und ich glaube, dass viele
- 22:30Bücher, die sich insbesondere mit Unrechtsregime, mit
- 22:35Diktatur, ich mein, Wir kennen es selber, viele Bücher, die das
- 22:38Dritte Reich behandeln, das Thema ist ja immer wieder, wird
- 22:42ja immer wieder angesprochen, dieses nachts abgeholt werden.
- 22:47Das ist wirklich gruselig, und wir können sehr, sehr froh sein,
- 22:50dass wir im Moment in Zeiten leben, wo es.
- 22:54Also ich glaube uns wahrscheinlich seltener
- 22:55passiert, dass irgendjemand kommt, um uns nachts abzuholen,
- 22:59außer es sind gute Freunde, die einfach noch mal kurz n Bier mit
- 23:01einem Trinken wollen und dann OK, aber dafür sitze ich nicht
- 23:04auf dem Koffer und warte drauf, dann müssen die schon ordentlich
- 23:08klingeln. Also das ist noch mal so n Ding
- 23:13des nachts wach bleiben. Und wie gesagt, alle Bücher, die
- 23:18wir hier besprechen, die nachher noch mal in den Shownotes
- 23:20landen, mit Übersetzern und Titeln, und ich und Verlagen
- 23:24eignen sich hervorragend dafür, wenn man selber einfach nachts
- 23:28wach bleibt, sie zu lesen und. Gleichzeitig ist dieses nachts
- 23:33wach sein ja auch ne ne super Möglichkeit für n Autor, für ne
- 23:37Autorin deine Figur noch mal in einen völlig anderen Kontext zu
- 23:41stecken und sie. Sie von der anderen Seite zu
- 23:45zeigen, ja andere Möglichkeiten zu geben, als das am Tag möglich
- 23:50ist, so sie eben auch ja vielleicht gezwungen ist,
- 23:52arbeiten zu gehen, wenn man sich nicht ständig irgendwelche
- 23:55Superreichen oder ja vermögenden Privatier ausdenkt, als als
- 24:03Hauptprotagonisten. Ja, ich mein.
- 24:05Kann mal nett sein, aber auch das wird wahrscheinlich
- 24:07irgendwann langweilig. Und ich meine, selbst die müssen
- 24:10vielleicht nachts ab und an Sachen erledigen und natürlich
- 24:14das Spannende ist, dass diese Nacht, und wir hatten es ja am
- 24:17Anfang auch diese stillen Stunden, die man mit sich selbst
- 24:20verbringt, sehr einladend zur Selbstinspektion.
- 24:25Und das ist natürlich ein wirklich, wirklich dankbares
- 24:30Thema für Bücher. Sobald man in innere Monologe
- 24:33gehen kann, die auch glaubwürdig sind, wenn sie nachts geschehen,
- 24:35dann ganz ehrlich, wer hat zwischen Einkaufen, kochen und
- 24:40arbeiten gehen noch Zeit, 2 Stunden lang zu kontemplieren
- 24:43über das eigene Leben, das passiert in Romanen in Paris der
- 24:4650er Jahre, aber ich würde sagen.
- 24:48Man kann es ja parallel immer als zweite Spur im Kopf
- 24:50mitlaufen lassen, aber. Multitasking, das kannst du als
- 24:54Frau, aber ich mein ich bitte nicht gleichzeitig, das kann ich
- 24:57nicht, das hat Max Goll schon gesagt.
- 25:01Es ist lustigerweise bei dem Überlegen zu Büchern, die
- 25:07Handeln von Menschen, die nachts wach bleiben, bin ich diesmal
- 25:11sehr russisch gewesen, also jetzt der, der Barnes schreibt
- 25:17über Russland. Der Meisel schreibt über
- 25:20Russland oder Sowjetunion in diesem Falle und ich hab noch n
- 25:24drittes Buch auch über die Sowjetunion auch nachts wach
- 25:27bleiben, aber diesmal wenigstens auch von einem Sowjetbürger,
- 25:30also einem Russen geschrieben und das ist, muss ich zugeben,
- 25:35ich glaube für mich das wichtigste Buch, was überhaupt
- 25:39existiert, und das ist das Buch der Meister und Margarita.
- 25:43Von Michael Buiba jetzt hörst du ein ganz.
- 25:45Ganz großes Seufzen von mir, weil es tatsächlich, seitdem ich
- 25:4821 bin, auf meiner Liste steht und ich es ein paar Mal
- 25:52angefangen habe und dann ist immer irgendwas passiert und ich
- 25:56konnte es nicht weiterlesen und ich konnte es aber auch nicht
- 25:58mit dieser ganz langen Pause dazwischen lesen und ich dachte
- 26:01immer, ich warte, bis ich wieder so, also so eine schöne Lesezeit
- 26:04habe oder so ne irgendwie im im Urlaub oder so.
- 26:09Und ich habe es bisher noch nicht geschafft.
- 26:11Also es. Steht sozusagen anklagend bei
- 26:14diesen realen. Anklagend bei mir im im
- 26:17Schlafzimmer. Das würde vielleicht auch
- 26:20klären, warum ich manchmal so unfassbar schlecht schlafe.
- 26:23Es ist. Diese Klage, es ist diese laute
- 26:25Klage in deinem Ohr, diese Klage.
- 26:27Natürlich. Also ich fand ich ich war ich
- 26:32hab es mehrfach gelesen, ich bin mittlerweile auch ein ein
- 26:37Sammler dieser Bücher. Ich probiere dieses Buch in
- 26:41jeder Sprache, in die es übersetzt wurde, zu bekommen.
- 26:43Ich bin noch nicht sehr weit gekommen, ich glaub ich hab 1415
- 26:47Übersetzungen irgendwie aus dem finnischen skandinavischen
- 26:49Sprachen, rumänisch, japanisch, aber ich probiere also weiter
- 26:52wer dir eine. Freude machen will, der bringt
- 26:55eine, bringt Meister und Margarita.
- 26:58Auf keltisch keltisch. Ja, Thai chinesisch, aber das
- 27:03wird wahrscheinlich ne Auslandspresse aus Taiwan sein,
- 27:06weil ich kann mir vorstellen, dass das Buch im Festland China
- 27:09gar nicht erlaubt ist. Wenn ich mir immer die Zeit
- 27:12nehme, dann schreib ich mal eine Liste der Sprachen, in denen ich
- 27:16das Buch noch nicht habe. Bei uns sind die Shownotes und
- 27:18wir freuen uns über Geschäft. Ins Deutsche wurde dieses Buch
- 27:25mittlerweile mindestens. Also ich kenne jetzt nur von
- 27:29zweien. Zweimal übersetzt.
- 27:33Die neue Übersetzung muss es mir verzeihen, dass ich sagen muss,
- 27:38sie ist sehr viel korrekter übersetzt, ich hab das Glück n
- 27:42bisschen russisch zu können und das so n Hauch bewerten zu
- 27:45können, natürlich nicht wie n Profi.
- 27:47Aber dass ich schon anhand des Sprachrhythmus und erlesen kann,
- 27:52dass die neue Übersetzung sehr viel korrekter ist, aber die
- 27:56alte Übersetzung aus den 60er Jahren bringt viel mehr Spaß,
- 28:00ist viel flüssiger, ist ein sehr viel schöneres Leseerlebnis und
- 28:04es geht bei diesem Buch für mich auch zu großen Stücken mehr um
- 28:09die Handlung. Ganz kurz umrissen wir haben die
- 28:1220er Jahre in Moskau, die Sowjetunion ist noch jung.
- 28:17Aber der Autor Michael Bulgakow ist sich schon dessen bewusst,
- 28:20dass er in einem Unrechtsstaat lebt und trotz aller Hoffnungen,
- 28:26die natürlich in den Anfang der 20er Jahre noch die neuen Zeiten
- 28:31gebracht haben und es beginnt damit, es spielt wirklich über
- 28:36den Verlauf eigentlich von 24 Stunden und der Teufel besucht
- 28:40Moskau. Es ist natürlich nicht der
- 28:42Teufel, es ist eher ein schwarzer Magier, der allerdings
- 28:45auch Möglichkeiten, also es geht auch ins Fantastische, der also
- 28:47schon Möglichkeiten hat, Sachen zu machen, die nicht erklärbar
- 28:50sind und der treibt sein Unwesen und seinen Schabernack in in
- 28:55Moskau und das ganze Buch ist natürlich eine wunderbare
- 29:01Allegorie da. Darauf zu schreiben, was
- 29:05funktioniert, nicht in einem Staat, der alles irgendwie
- 29:08naturwissenschaftlich und sachlich erklären will.
- 29:10Auch Sachen, die einfach nicht zu erklären sind, sie aber
- 29:13irgendwie verpackt. Also es ist eine verpackte
- 29:16Anklage eigentlich an diesem Staat, bei Bulgakow muss man
- 29:20wissen, er hat es etwas später geschrieben, und bulgakow war
- 29:23jemand wie Schostakowitsch, der immer so an der.
- 29:28Kippe stand verboten zu werden also Stalin fand glaub ich
- 29:32Schostakowitsch schon n bisschen cooler als Bulgakow und Bulgakow
- 29:38hatte Glück, dass er ursprünglich Arzt war, also
- 29:41gelernt hat. Mediziner, das ist immer
- 29:42hilfreich diesen Beruf zu haben, denn du wirst gebraucht, aber er
- 29:47war auch jemand, der also immer auf der Kippewand, weil er auch
- 29:50oftmals zu ostentativ staatsfeindlich war, was heißt
- 29:53Ostentativ also ab und dann hat er einfach mal gesagt was ihm
- 29:56nicht so passt. Und es ist herrlich zu lesen,
- 30:00einmal als Satire darauf, wie die Moskauer Regierung und der
- 30:03Staat immer wieder probieren, all die Sachen, die Wohland, so
- 30:06heißt Unser Teufel oder schwarzer Magier, den Unfug, den
- 30:11er treibt, den irgendwie erklären zu wollen, also Sachen,
- 30:14die du einfach nicht erklären kannst.
- 30:15Aber sie müssen irgendwie in dieses Raster reinpacken.
- 30:18Das Buch übrigens heißt Meister und Margarita, nicht wegen
- 30:21Wohland, sondern unsere Hauptfigur.
- 30:25Ist ein ein Mann, der eigentlich erst nach einem Drittel des
- 30:29Buches überhaupt auftaucht, der in der psychiatrischen Klinik
- 30:32saß und seinen Namen vergessen hat.
- 30:34Und das einzige, was er weiß, dass seine da Freundin Margarita
- 30:37ihn Meister genannt hat und darum es handelt also eigentlich
- 30:41von dem Meister, dessen Namen wir nicht kennen.
- 30:44Einem Mann, der auch nicht ganz gern gesehen ist in diesem neuen
- 30:48Staat. Und Margarita und dem Teufel.
- 30:51Also wir haben 3 Leute und die verbringen auch eine nicht
- 30:56durchschlafene Nacht zusammen, die natürlich in einem riesigen
- 30:59Hexensabbat endet, also es ist. Zusammengefasst wäre es Fantasy,
- 31:05was man aber wirklich nicht als Bezeichnung für dieses Buch
- 31:09nehmen kann. Es gilt tatsächlich als eines
- 31:12der großen russischen Klassiker des 20.
- 31:15Jahrhunderts und ich bin gar nicht, also trotz meiner
- 31:19Vorliebe zu Russland und russische Literatur finde ich
- 31:22jetzt russische Weltliteratur, manchmal auch relativ mühselig.
- 31:26Also Dostojewski ist für mich ungefähr die Entsprechung
- 31:28unseres Kafkas und unbedingt den Kopf an die Wand Schlangen,
- 31:32jetzt kommt. Zur Sache alter Bulgakow
- 31:35wiederum kommt relativ schnell zur Sache und wenn ihr ein Buch
- 31:40mal lesen wollt, was auf jeden Fall auf dem Kanon steht, wie es
- 31:43so schön heißt, aber trotzdem Spaß bringt, der Meister
- 31:47Margarita und wie gesagt, meine Empfehlung nehmt die
- 31:50Übersetzung, die etwas älter ist und nicht ganz so korrekt ist.
- 31:53Die ist bei Luchterhand erschienen.
- 31:56Und wenn ihr es aber ganz korrekt haben wollt und ihr die
- 31:59Literatur Buffs seid, dann sei euch sehr ans Herz gelegt.
- 32:03Die neue Übersetzung, die erst bei Galiani und jetzt im
- 32:05Taschenbuch bei Kiwi erschienen ist.
- 32:07Aber wie immer, alles landet am Ende in den Shownotes.
- 32:10Auch die Namen der Übersetzer, denn die, das darf man einfach
- 32:14mal, vielleicht so mitten rein sagen, auch wenn es nichts mit
- 32:16Thema Nacht zu tun hat. Eine irrsinnig wichtige Aufgabe.
- 32:21Literaturbetrieb übernehmen, die meistens nicht genannt werden.
- 32:26Mittlerweile ändert es sich ein bisschen, also auch
- 32:28Literaturkritiker haben gelernt und eigentlich werden Übersetzer
- 32:32und Übersetzerinnen immer dann genannt, wenn es gerade mal nach
- 32:35hinten losgegangen ist. Aber es wird viel zu wenig
- 32:38erwähnt, wenn Übersetzer und Übersetzerinnen wirklich
- 32:40fantastische Arbeit machen. Ich habe selber mal probiert zu
- 32:43übersetzen und festgestellt, oh nee, das kann nicht 0.
- 32:48Und ich, das hat meine Hochachtung vor diesem Beruf
- 32:50wirklich noch mal erhöht. Und er ist, glaube ich, auch
- 32:54noch nicht mal so dufte bezahlt. Ich glaube.
- 32:56Auch nicht. Und vielleicht machen wir
- 32:58wirklich auch mal eine Sonderfolge mit besonders guten
- 33:02gelungenen Übersetzungen oder vielleicht auch Büchern.
- 33:05Vielleicht kannst du es einschätzen oder vielleicht
- 33:07kriegen wir da auch noch ein paar Tipps, wo die Übersetzungen
- 33:09auch vielleicht besser sind, das ist original oder noch mal eine
- 33:14Besonderheit hinzugefügt bekommen.
- 33:18Ich glaube aber, wenn ich mich gerade so reden höre, da haben
- 33:21wir noch ein bisschen Recherchearbeit vor uns, da
- 33:22haben wir noch ein bisschen. Was vor uns?
- 33:23Es gibt natürlich auch Übersetzerpreise, da kann man
- 33:25sich es natürlich billig machen, aber ich glaube, wenn wir da mal
- 33:28in uns gehen, dann finden wir sicherlich Übersetzungen.
- 33:32Bei denen wir fassungslos den Kopf schütteln und sagen, wie
- 33:34kann man so fantastische Arbeit hinlegen, überhaupt diese Worte
- 33:38zu finden und übersetzen heißt ja nicht einfach nur stumpf
- 33:42irgendwie aus der aus der Ausgangssprache in eine
- 33:45Zielsprache zu übersetzen, sondern du musst ja innerhalb
- 33:48der Rhythmik deiner eigenen Sprache und innerhalb der Regeln
- 33:51deiner eigenen Sprache trotzdem genau das Gefühl übermitteln, es
- 33:55geht ja nicht nur um den Inhalt und den Sinn, es geht ja auch um
- 33:58das Gefühl, es geht um die Rhythmik, es geht darum, wie
- 34:01lang sind. In in.
- 34:03In welchem Level werden sie gelesen und geschrieben?
- 34:06Also das ist echt diffizile Arbeit und ich finde es auf
- 34:09jeden Fall echt mal ein Thema wert.
- 34:11Übrigens mir ist noch gerade eingefallen, ein Grund,
- 34:16lustigerweise ist uns der noch nicht mal eingefallen für
- 34:18Großstadtkinder, aber wir sind wahrscheinlich einfach viel zu
- 34:20alt zum feiern. Nachts nicht schlafen, weil du
- 34:23einfach durchfeierst. Ich meine ganz ehrlich, das ist
- 34:26doch ein Riesenthema. Ich meine also ich fällt dir
- 34:30irgendwas ein zum zum Thema nachts nicht schlafen wegen
- 34:35wegen feiern. Ich weiß gar nicht, ob das so
- 34:38ein ist, das so ein literaturthema, Oh, das ist eher
- 34:40ein. Filmthema ja, also Filme.
- 34:42Würden mir ein paar einfallen, aber jetzt Bücher tatsächlich
- 34:45gar nicht. Und vielleicht liegt es aber
- 34:49auch daran, dass ich tatsächlich Nächte durchfeiern, schon noch
- 34:53hin und wieder mache, aber nur, wenn ich weiß, ich hab dann 2
- 34:56Tage Zeit mich zu erholen, da muss man ehrlich sein, ne, das
- 35:00ist das ist nicht mehr mit 4 Stunden Schlaf aufzuholen, nee,
- 35:04nee. Aber ich muss zugeben, stimmt,
- 35:06gerade letztes Wochenende durfte ich mal wieder bis 04:30 Uhr
- 35:10Alter die 2 Tage danach war nicht schön, aber bis 04:30 Uhr
- 35:13war es auf jeden Fall klasse. Und ich war erstaunt, welche
- 35:16öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin doch noch fahren.
- 35:18Wieder fahren um. 04:30 Uhr wieder fahren, Sie fahren
- 35:21wieder. Es ist ja schon mal wieder
- 35:23morgens, wo andere Menschen arbeiten gehen diese Armen.
- 35:25Ja, ich hatte mal so ein bisschen überlegt und bin.
- 35:30Auch wirklich nur auf ein Buch gekommen, aber auf dieses Buch
- 35:32bin ich sehr, sehr gerne gekommen.
- 35:34Handelt natürlich auch nicht nur vom Nachts feiern und nachts
- 35:37wach sein, aber das ist Herr Lehmann, der alte Klassiker
- 35:40Herr. Lehmann.
- 35:41Sven Regener also einer der Klassiker der neuen deutschen
- 35:44Literatur. Das Buch Was Sven Regener
- 35:48abseits vom Musiker sein, glaube ich wirklich mit Krawumms auf
- 35:52den deutschen Literaturmarkt und also in die Herzen vieler Leser
- 35:55und Leserinnen geworfen hat. Es gibt auch ne hervorragende
- 35:59Verfilmung. Ich glaube vom Book Film bringt
- 36:03auch wahnsinnig viel Spaß, aber echt Freunde, wenn ihr das Buch
- 36:06noch nicht gelesen habt, holt es euch einfach mal was heißt holt
- 36:09es euch mal. Das klingt furchtbar, kauft euch
- 36:11das Buch im örtlichen unabhängigen Buchhandel, wollte
- 36:15ich sagen. Und lest es und habt unglaublich
- 36:18viel Spaß damit. Das ist eine so herrliche
- 36:21Beschreibung, nicht nur herrlich, sie ist auch tragisch
- 36:23gleichzeitig, also es ist ja nicht nur alles Party und schön,
- 36:26sondern es gehen auch einige Personen tatsächlich so n
- 36:30bisschen Hobbs durch, vielleicht zu viel Nachtleben.
- 36:36Aber grob gesagt, es ist einfach im Endeffekt Kreuzberg, Ende der
- 36:4080er kurz vorm Fall der Mauer und einfach das Biotop
- 36:46Kreuzberg. Und Herr Lehmann hat mich Herr
- 36:48Lehmann der auch, aber Herr Regener, Sven Regener hat
- 36:51wirklich ein Händchen für Situationskomik, also es ist
- 36:55eine große Freude und wenn irgendwo mal bei euch, wo auch
- 36:59immer ihr Leben mögt, der Regener auf eine Lesereise geht,
- 37:04egal zu welchem Buch, er wird sich.
- 37:05Glaube ich nicht. Herablassen noch mal aus Herr
- 37:07Lehmann zu lesen, er schreibt ja auch neue Bücher, geht hin, hört
- 37:11ihn euch an, denn Boy kann der Mann lesen, es ist wirklich eine
- 37:14One Man Show, ein großer Spaß, ich glaube der könnte auch
- 37:17Telefonbücher vorlesen und ihr würdet immer noch quietschen vor
- 37:19lachen, also falls ihr mal eine Veranstaltung seht wo irgendwo
- 37:23der Regener bei euch in der Stadt auftaucht, kauft euch ein
- 37:25Ticket, hört ihn euch an, toller Autor, ja auf jeden Fall.
- 37:28Ganz egal, was er, was er liest. Oder ich würde auch noch sagen,
- 37:30ganz egal was er singt, also auch wenn er jetzt nicht mit
- 37:33seiner. Band Element of Crime singt,
- 37:35sondern zum Beispiel in diesem wunderbar deutsch italienischen
- 37:39Projekte Gucci Gang singt. Ich weiß nicht, ob du das
- 37:42kennst, da werden da werden quasi relativ bekannte Lieder
- 37:47deutsche Lieder ins Italienische übersetzt von Francesco Wilking
- 37:52und dann eben mitunter mit den mit den Interpreten
- 37:56interpretinnen selbst gesungen. Es ist fantastische Musik, es
- 38:00sind fantastische Konzerte, große Partys, große Feiern.
- 38:04Ich hab zweimal auch das Vergnügen gehabt, Sven Regner
- 38:06damit auf der Bühne zu sehen, der dann eben auf Italienisch
- 38:11seine seinen Song gesungen hat. Und da dachte ich auch, er
- 38:15könnte auch ein Telefonbuch singen.
- 38:18Kann er italienisch? Oder sind das einfach wie n
- 38:21guter Opernsänger? Du lernst die Texte, das weiß
- 38:23ich nicht. Das weiß ich nicht und das hat
- 38:25auch keine Rolle gespielt. OK, also.
- 38:26Es macht. Es macht.
- 38:28Viel Spaß. Es ist ne detailfrage.
- 38:29Aber Herr Regner, falls Sie das hören, schreibt uns doch mal,
- 38:32wie es ob ihr Italienisch steht. Aber großartig also auch wieder
- 38:36n Grund, tatsächlich einfach mal nachts wach zu bleiben.
- 38:39Man muss ja nicht immer nur lesen, obwohl das natürlich ne
- 38:41tolle Beschäftigung ist. Nachts mit Buch im.
- 38:44Zu sein. Man kann auch feiern und ehrlich
- 38:47gesagt, wenn die Party langweilig ist, nehmt einfach
- 38:49ein Buch. Man sollte sowieso immer ein
- 38:50Buch dabei haben. Ja, das wäre vielleicht auch
- 38:53noch mal eine Kategorie, welches welches, welches Buch sollte man
- 38:57immer dabei haben, es muss ja reichen um vielleicht 20 Minuten
- 39:01Wartezeit auf die Bahn zu überbrücken.
- 39:03Gleichzeitig darf es jetzt eben auch nicht gerade der neue Carl
- 39:05Owe Knauss glatt sein, weil der passt nicht in die Handtasche.
- 39:08Das stimmt, und. Vor allen Dingen, vorausgesetzt
- 39:10man hat überhaupt ne Handtasche. Ja, was machst du?
- 39:12Denn ohne Handtasche, wie nimmst du n Buch mit?
- 39:15Also. Ich hatte tatsächlich, aber das
- 39:18ist auch schon ewig her, über Jahre in meinem keine Ahnung von
- 39:2218 bis 24 oder so, immer ein Reclam Heftchen von Kurt
- 39:27Schwitters dabei, ja. Tolle.
- 39:29Kurt Schwitters mit seinem Gedicht an der Blume.
- 39:34Oh Anna, du geliebte meiner 27 Sinne.
- 39:36Ich liebe dir, das hatte ich immer dabei und das ist toll,
- 39:39weil das Reclam Heftchen sind eh ne tolle Sache tatsächlich um
- 39:42sie nachts mit dabei zu haben, denn du brauchst noch nicht mal
- 39:44n handtäschchen passt auch in jede Hosentasche rein und es
- 39:47muss jetzt ja nicht immer das gleiche Buch sein, aber Reclam
- 39:51hat sich diversifiziert, es gibt also jetzt nicht nur die
- 39:54Klassiker und man muss noch mal den zerbrochenen Krug über sich
- 39:57ergehen lassen, das ganze verschüttete Wasser.
- 40:00Und das Käthchen. Man kann also auch neuere Texte
- 40:03fremdsprachentexte zweisprachigen Texte eh n toller
- 40:05Verlag und wenn man tatsächlich mal auf die ausgefallene U Bahn
- 40:10warten muss oder im im Berghain ist in der Schlange einfach
- 40:13nicht schnell genug vorangeht, einfach.
- 40:14Wär mal interessant ob Türsteher darauf reagieren, wenn da
- 40:17lesende Leute sind, die waren cool.
- 40:19Ich hatte gerade. Den gleichen Gedanken also, wenn
- 40:21ihr irgendwie die Erfahrung gemacht habt oder Türsteher
- 40:23Türsteherin am Backend seid und ihr lasst Leute eher rein, wenn
- 40:26sie lesen in der Schlange, dann würden wir das zu gerne wissen
- 40:30und dann würden wir natürlich auch gern wissen, welches Buch
- 40:33hilft denn richtig? Richtig genau gibt es Titel, auf
- 40:36die ihr besonders Abfahrt. Das ist ja, das ist ne, das ist
- 40:41ne sehr sehr schöne Idee, also lasst es uns auf jeden Fall
- 40:43wissen. Aber auch bei uns wird es hier
- 40:46langsam glaube ich spät. Es ist es ist nachts, das Buch
- 40:51wartet, das Bett wartet, das Bett wartet.
- 40:54Gibt es denn Bücher, die dich nicht schlafen lassen?
- 40:59Ja, also ist aus verschiedenen Gründen vielleicht ne.
- 41:03Es gibt Bücher, die einen einfach so aufwühlen, also
- 41:06positiv aufwühlen, die einen nicht schlafen lassen.
- 41:10Ich kenne aber auch Bücher, die einfach so ärgerlich sind, weil
- 41:16sie einfach so so entweder einfach schon von vornherein
- 41:19schlecht geschrieben sind, oder wir hatten uns heute auch im
- 41:23Laufe des Tages noch mal drüber unterhalten.
- 41:25Bücher, die ne richtig tolle Prämisse haben, die n richtig
- 41:29tollen Wort Idee haben und es so komplett verhunzen.
- 41:34Das also, das sind tatsächlich Sachen, da werde ich richtig
- 41:36emotional. Dass ich dann denke, nee, das
- 41:41lässt mich jetzt wirklich, das lässt mich jetzt nicht schlafen.
- 41:45Hast du solche Bücher auch? Also ehrlich gesagt, ich liebe
- 41:48es schon, wenn ich n Buch lese und das mich so mitreißt, dass
- 41:52ich nicht schlafen kann und auch nicht mehr schlafen will.
- 41:55Es ist mir dann wirklich egal. Ich denke ja.
- 41:57Gut, dann ist der nächste Tag halt übel, aber ich muss dieses
- 42:00Buch jetzt weiterlesen. Ich muss es zu Ende lesen, das
- 42:04sind schon das, das schafft nicht jedes Buch ne OK, du hast
- 42:08Recht. Das kenne ich natürlich auch.
- 42:10Klar, wo man wirklich dann mitten in der Nacht zur
- 42:14Wolfstunde sagt, OK, nee. Mir egal.
- 42:17Ich lese jetzt einfach durch. Ich glaube wahrscheinlich viele,
- 42:19viele, viele von uns kennen das mit Harry Potter ja, wobei ich
- 42:24zugeben muss, hier kommt jetzt eine Transparenz auf den du
- 42:28hast. Nicht gelesen.
- 42:29Doch die ersten 4 Teile. Und dann konntest du aufhören
- 42:33und dann habe ich auf ich. Weiß gar nicht warum ich glaube,
- 42:35dann hat sich so viel in meinem Leben geändert und ich weiß
- 42:38immer noch nicht, wie es ausgeht.
- 42:40Irgendjemand hat mir gesagt, Dumbledore stirbt.
- 42:44Um Gottes Willen, danke dorscht ich meine, irgendeiner muss ja
- 42:47am Ende sterben. Ich hab, ich weiß es immer noch
- 42:50nicht, das ist verrückt. Das ist wirklich, das ist
- 42:53wirklich verrückt. Ich hab das angefangen zu lesen,
- 42:56ich hab den 2. Band zuerst gelesen, ich hatte
- 42:58den 1. Band meiner damals zehnjährigen
- 43:00Schwester geschenkt, weil mir ne Kollegin Katie ihre Mutter ist
- 43:06Tretin gewesen, gesagt hat du das Lesen bei uns gerade die
- 43:09Kids alle die stehen Schlange in Deutschland war das noch nicht
- 43:12so n großes Thema und ich dachte Oh ja.
- 43:13Cool. Ich möchte sowieso, dass meine
- 43:15Schwester liest und hab ihr dieses Buch geschenkt und sie
- 43:17hat es einfach nicht gelesen. Und wie undankbar, wie undankbar
- 43:21absolut. Und ich hab dann mit dem 2.
- 43:23Band angefangen, weil ich dachte, Na ja, den ersten, den
- 43:25hat meine Schwester, kann ich mir immer noch ausleihen und war
- 43:27so begeistert, dass ich wirklich manchmal einfach in der Wohnung
- 43:32stand und Sätze laut vorgelesen hab, weil ich die so anrührend
- 43:37und schön fand, also gerade ne der 2.
- 43:39Band ist der Band mit mit Dobby, also es hat mich.
- 43:42Das hat mich sofort gekat. Dann hab ich mir den Essmann von
- 43:46meiner Schwester geschnappt, hab den gelesen und dann ging es
- 43:49auch aber auch schon los, dass diese Bücher einfach noch nicht
- 43:51fertig geschrieben waren. Es hat mich irre gemacht und ich
- 43:54hab dann wirklich zu denen gehört, also die erst so am
- 43:56Buchladen dann anstanden um die zu kaufen am ersten Tag und ich
- 44:01bin da voll reingefallen in dieses Fieber, hab alle
- 44:04Vorabversionen gelesen, hab dann irgendwann mir auch.
- 44:08Wenn die Bücher am Sonntag erschienen sind, die morgens um
- 44:1106:45 Uhr nach Hause liefern lassen, damit ich sofort lesen
- 44:14kann, den ganzen Tag und den letzten Band hab ich dann auch
- 44:18auf Englisch gelesen. Ich lese eigentlich nicht so
- 44:20viel auf Englisch, weil ich dachte, ich warte doch kein
- 44:23Jahr, bis das übersetzt ist. Ich kann gar nicht warten, ist
- 44:26übrigens. Eigentlich noch ne schöne Idee,
- 44:28vielleicht auch mal für n Thema Fortsetzungsromane und wenn man
- 44:31das Glück hat sie zu lesen, wenn Sie alle schon geschrieben sind,
- 44:34da bin ich ja dankbar für also die Stadtgeschichten jetzt.
- 44:38Aber wie furchtbar es ist, ich hatte diese eine Stephen King
- 44:42Reihe, der dunkle Ton, oh oh mein.
- 44:43Gott, ja, und dann musst du wieder.
- 44:45Ein Jahr warten und vor allen Dingen bei ja, reicht doch.
- 44:47Gar nicht. Stephen King hat damals gesagt,
- 44:48nach dem 3. Band, wenn er in diesem Tempo
- 44:52weiterschreibt, braucht er ungefähr 120 Jahre um fertig zu
- 44:56werden und da habe ich aufgehört, weil ich dachte, ich
- 44:57halte das nicht als, das ist vollkommen.
- 44:59Verständlich, und ich hatte das Problem.
- 45:01Dann kam wieder ein neues raus und du musstest eigentlich die 3
- 45:03Bände davor schon wieder lesen, weil du ja vollkommen das ist ja
- 45:06so komplex. Auch vollkommen vergessen hast,
- 45:09worum es geht. Mir den möchte ich noch
- 45:12unterbringen und das finde ich ganz interessant, weil ich
- 45:14wirklich nicht mehr sagen könnte, worum es in diesem Buch
- 45:16überhaupt geht. Aber es gab ein Buch, Das hat
- 45:20sich in mir festgefressen als das Buch.
- 45:25Bei dem ich wirklich bis 07:00 Uhr morgens durchgelesen habe.
- 45:28Und da bin ich vielleicht auch gar nicht der einzige.
- 45:30Das ist von einem mittlerweile gar nicht mehr schreienden
- 45:33Autorin Carlos Ruiza von der Schatten des Windes, ja, ich
- 45:37weiß überhaupt nicht mehr, worum es geht, aber ich weiß, dass ich
- 45:39nicht aufhören konnte, Freunde, lest dieses Buch und schreibt
- 45:45uns doch mal bitte noch mal kurz, worum es geht, wir sind zu
- 45:48faul zum selber googeln. Aber das war für mich wirklich
- 45:52ein. Ich kann hier nicht auf ein ganz
- 45:54ganz. Tolles Buch.
- 45:55Ich habe auch, glaube ich, fast alle, die danach kamen, von
- 45:58ihnen gelesen, die waren auch alle sehr schön.
- 46:01Ich weiß auch nicht mal, worum es ging, aber die haben mich
- 46:03alle sehr angefasst. Ja, die waren.
- 46:05Also ich hatte 1 noch danach, aber dann war tatsächlich für
- 46:09mich Zeit aufzuhören, wie es auch jetzt für uns Zeit sein
- 46:12sollte aufzuhören. Leider.
- 46:14Aber wir müssen noch. Wir müssen noch über das heutige
- 46:19Buch fürs Bett sprechen. Ja, es gibt.
- 46:21Natürlich noch dieses eine Buch am Ende einer jeden Show von
- 46:26uns, nämlich welches Buch nimmst du heute Nacht mit ins Bett?
- 46:33Meine Empfehlung für diese Folge ist das Buch Die offene See oder
- 46:38sparen wir uns den Artikel einfach nur offene See von
- 46:41Benjamin Myers. Bei dumont erschienen.
- 46:44Das ist für mich, seitdem es erschienen ist, wirklich 1 der
- 46:48schönsten Bücher, die ich je gelesen habe.
- 46:50Es ist auch übrigens 2020 im deutschen Buchhandel, also der
- 46:53unabhängigen Buchhandlungen zum Lieblingsbuch der Unabhängigen
- 46:56gewählt worden. Ich probiere mich kurz zu fassen
- 47:02vor, abgesagt. Es gibt es als Taschenbuch und
- 47:04es ist n relativ schmales Buch, das ist ja für mich immer eine
- 47:07ganz wichtige Prämisse, damit es einem nicht irgendwie auf die
- 47:09Schnauze fällt, wenn man dann die 8 Kilo nicht mehr halten
- 47:12kann mit der linken Hand. Das Buch handelt von einem
- 47:16sechzehnjährigen Jungen, es ist der erste Nachkriegssommer 1946
- 47:21in England, in Nordengland, der kommt aus einem Minendorf.
- 47:25Und für ihn ist klar, nach der Beendigung seiner Schule, er hat
- 47:27jetzt noch die Sommerferien und danach geht es für ihn in die
- 47:29Mine, in den Bergbau, wie für alle dort im Dorf.
- 47:31Das geht aber nicht, der ist so n Naturkind, das geht nicht, da
- 47:34kann ich in die Mine, er beschließt diesen Sommer zu
- 47:38nutzen, um einmal in seinem Leben, also die letzten 2 freien
- 47:41Monate, um einmal in seinem Leben ans Meer zu wandern, das
- 47:43ist jetzt nicht so weit von seinem Dörfchen in Nordengland
- 47:47aus, aber er macht sich los und es beginnt als Wunderschönste.
- 47:52Nature Writing möchte man es fast nennen, also dieser
- 47:54beginnende englische Sommer, und er wandert durch durch dieses
- 47:57Grüne, immer satter und goldener werdende Land.
- 48:01Und kurz bevor am Meer landet, stößt du über das Cottage einer
- 48:04alten Dame, die ist aus seiner Sicht ne alten Dame, ich geh mal
- 48:06davon aus, die ist ungefähr Ende 40, die nimmt ihn auf.
- 48:10Die sagt, OK, Junge, Guck mal, also du brauchst ja irgendwo, wo
- 48:13du unterkommen kannst. Ich geb dir hier einfach mal n
- 48:15bisschen Kost und Logis und n bisschen Arbeit.
- 48:17Du kannst mal bei mir im Garten aufräumen, was sie ihm aber
- 48:20eigentlich gibt und das macht das Buch so fantastisch ist.
- 48:23Sie gibt ihm Bildung, sie gibt ihm Literatur und das
- 48:27wichtigste, sie gibt ihm die Kraft des freien Denkens.
- 48:32Und die Kraft des für sich selbst einstehens, dass sie
- 48:35sagt, Dein Leben, nicht das Leben deiner Eltern, nicht deine
- 48:38Großeltern, dein Leben. Es ist für ihn also ein ganz,
- 48:42ganz wichtiger Wendepunkt seines Lebens mit 16, dass er weiß, er
- 48:46kann sein eigenes Leben führen, auf der anderen Seite, und das
- 48:49Macht das Buch so schön, hilft auch er ihr über eine Situation
- 48:53hinweg, denn sie ist in Trauer und hat nie wieder richtig ins
- 48:56Leben finden können. Ich will jetzt nicht zu tief
- 48:59gehen, aber erst durch seine Hilfe schafft auch sie es, ihr
- 49:02Leben weiterzuführen. Und das ist ein so positives
- 49:06Buch, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu sein, weil es
- 49:09einfach mit so herrlich britischer Zurückhaltung auch
- 49:12geschrieben ist. Das ist für mich wirklich ein Go
- 49:15to Titel für alle Menschen, die einfach mal wirklich richtig
- 49:19beseelt und glücklich aus einem Buch herausgehen können.
- 49:22Und wie könnte man besser einschlafen, als wenn man
- 49:24richtig beseelt und glücklich ist.
- 49:26Es klingt, es klingt wirklich wunderbar und ich finde, das ist
- 49:29auch ein ganz, ganz toller Abschluss für unsere Show heute.
- 49:33Denn wie könnten wir euch, liebe Hörerinnen und Hörer, besser
- 49:37nach Hause schicken oder ins Bett schicken mit einem Buch als
- 49:40mit dem Gedanken, lest euch eine eigene Freiheit an, eine eine
- 49:44innere Freiheit, eine Äußere, ein eigenes Leben, das euch
- 49:48gehört, in dem ihr machen könnt, was ihr wollt, indem ihr euch
- 49:51selbst verwirklichen könnt, und erinnert euch in all dem, was
- 49:53das Leben uns immer wieder abverlangt, an.
- 49:56Zwängen und Tagschichten und Nachtschichten daran, dass es
- 50:00Euers ist richtig. Es ist Euers und in gewissen
- 50:04Rahmen habt ihr auch die Möglichkeit es selber zu
- 50:07beeinflussen. In diesem Sinne.
- 50:09In diesem Sinne. Im Bett.
- 50:12Im Bett. Mit Buch Schlaft schön.
- 50:14Gute Nacht Freunde, diesmal bin ich es noch mal und ich muss
- 50:20mich entschuldigen, denn mir ist in dieser Folge ein Fehler
- 50:23unterlaufen. Die Verfilmung des wunderbaren
- 50:28Buchs Herr Lehmann von Sven Regener, die war gar nicht unter
- 50:32der Regie von Detlef Buck, sondern Regie geführt hat
- 50:36Leander Hausmann. Detlef Buck wiederum war
- 50:39natürlich der beste Nebendarsteller des Jahres in
- 50:43seiner Darstellung der Figur des besten Kumpels von Herrn Lehmann
- 50:47namens Karl. Bitte entschuldigt den Fehler.
- 50:55Im Bett mit Buch ist eine Produktion von irgendwas ist
- 50:58immer Konzept und Produktion. Götz Gring, Modalma Redaktion
- 51:03und Hosts Moni, Lukas und Kurt von Hammerstein.