Latest / Gin And Talk / Nina Bachmann über Kunst, Inspiration und Kreativität
Transcript
- 0:01Speaker 1: Man geht immer davon aus, der Künstler ist eben der rotweintrinkende, rauchende Atelier abhängende Larifari-Künstler.
- 0:11Speaker 1: Aber ich glaube das ist bei den Wenigsten eigentlich so weil viele davon ausgehen dass der Künder, der Maler oder der Zeichner sowieso schon wenig Geld hat grundsätzlich und nicht viel Geld zum Leben braucht.
- 0:24Speaker 1: dann schaffte es jetzt auch noch so.
- 0:27Speaker 1: Also ich könnte mir auch vorstellen, dass es nicht mehr so diese typischen Sammler gibt die man sich vorstellt.
- 0:33Speaker 1: Die in ihrem Kreis verkehrt und dann bei einem schönen Glas Champagner eben sich die Bilder anschauen sondern das ist auch total viele Leute sind die mittlerweile total jung sind und ihren Fokus auf Kunst sammeln legen.
- 0:50Speaker 0: Herzlich willkommen!
- 0:51Speaker 0: Mein Name ist Daniel Fürk und bevor wir gleich rüber an unseren Bartresen gehen, und ja tatsächlich.
- 0:56Speaker 0: Wir sind heute endlich mal wieder an unserem Bartresenn.
- 1:00Speaker 0: Möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen?
- 1:03Speaker 0: Nina Bachmann isst Künstlerin!
- 1:05Speaker 0: Und jeder der diesen Podcast aufmerksam verfolgt kennt mindestens eines ihrer Werke nämlich unser Gen & Talk Logo unsere Cover Grafik sozusagen.
- 1:15Speaker 0: Nina macht aber eigentlich ganz andere Dinge und malt großartige Bilder tolle Skulpturen, über die wir heute sprechen möchten.
- 1:23Speaker 0: Es geht um Inspirationsquellen.
- 1:25Speaker 0: Wir wollen darüber reden wie auch die aktuelle Situation sie zu neuen Wegen, neuen Ideen bewegt.
- 1:34Speaker 0: Nina und ich kennen uns noch aus Schulzeiten, kennen uns jetzt dann bald irgendwie um die achtzehn Jahre schon.
- 1:41Speaker 0: Und ich freue mich deshalb umso mehr dass ihr heute den Weg zu uns gefunden hat!
- 1:45Speaker 0: Und wünsche euch viel Spaß beim Zuhören.
- 1:47Speaker 0: und schön das ihr alle wieder mit dabei seid.
- 1:51Speaker 0: Zwei Menschen, eiskalte
- 1:53Speaker 1: Drinks und eine Menge Zeit für ein persönliches
- 1:57Speaker 0: Bargespräch.
- 1:59Speaker 0: Herzlich
- 1:59Speaker 1: willkommen an unseren Bartresen!
- 2:02Speaker 0: Herzlich Willkommen
- 2:03Speaker 1: zu einer neuen Folge Gin &
- 2:06Speaker 0: Talk.
- 2:07Speaker 0: Mach es dir gemütlich,
- 2:09Speaker 1: lehne dich zurück
- 2:10Speaker 0: und tauche
- 2:11Speaker 1: ein in die verrucht düstere Atmosphäre
- 2:15Speaker 0: unserer Studio-Bar.
- 2:24Speaker 0: Liebe Nina ich freue mich sehr dass du heute hier bei uns an der Bar bist.
- 2:27Speaker 1: Vielen Dank für die Einladung.
- 2:29Speaker 1: Und
- 2:29Speaker 0: es ist besonders schön, dass du heute hier bei uns an der Bar bist.
- 2:32Speaker 0: Du bist nämlich seit langem endlich mal wieder der erste Gast, der hier vor Ort an der bar ist.
- 2:37Speaker 0: also umso schöner das du da bist!
- 2:39Speaker 0: Ich habe es vorhin im Intro schon einmal kurz gesagt, die allermeisten Hörer, die diesen Podcast aktiv verfolgen haben, schonmal mindestens eins deiner Werke gesehen, nämlich unser Genantalk Logo.
- 2:50Speaker 0: Eigentlich machst du aber ja richtige Kunst, obwohl ja auch das Logo schon quasi Kunst ist.
- 2:57Speaker 0: Zumindest wenn es nach mir geht.
- 3:00Speaker 0: Magst Du mal für diejenigen, die noch nicht gesehen haben was Du sonst zum Mars beschreiben?
- 3:04Speaker 0: Was deine Kunst eigentlich ist?
- 3:06Speaker 1: Sehr gerne!
- 3:07Speaker 1: Also mittlerweile male ich analoge Bilder auf Leinwand meistens mit Acrylfarbe oder baue Skulpturen aus Modiviermasse Und angefangen hat das eigentlich alles mit Grafik-Design am Computer und es dann hat sich entwickelt über das iPad.
- 3:26Speaker 1: Malerei am iPad, wieder zurück zur analogen Malerei.
- 3:30Speaker 0: Inzwischen sind deine Bilder und Skulpturen auch auf der ganzen Welt unterwegs.
- 3:34Speaker 0: Wenn man deine Instagram-Stories aufmerksam verfolgt, sieht man da immer mal wieder schöne Geschichten wo deine Kunst landet.
- 3:42Speaker 0: Dein Stil zu beschreiben fällt mir als überhaupt nicht Kunstexperten gar nicht einmal so leicht.
- 3:47Speaker 0: deshalb kannst du vielleicht mal einfach beschreiben wie Du deinen Stil selbst ziehst?
- 3:52Speaker 1: Selber den Stil beschreiben ist immer ein bisschen schwierig aber ich würde sagen erst recht naiv.
- 3:59Speaker 1: Es sind meistens gelbe Figuren zu sehen mit exzentrischen Gesichtsausdrücken, die meistens in einer überschwänglichen Laune positive Dinge tun.
- 4:12Speaker 1: Und alles ist eigentlich recht bunt und farbenfroh.
- 4:15Speaker 0: Das erinnert manchmal auch an so einen Comic-Stil fast schon.
- 4:19Speaker 0: Man kann jetzt nicht wirklich sagen dass deine Motive zurückhaltend oder dezent sind?
- 4:25Speaker 1: Nee das darf schon ruhig knallen!
- 4:28Speaker 0: Wenn wir mal ganz weit zurückgehen in deiner Lebensgeschichte sozusagen.
- 4:32Speaker 0: Wir kennen uns ja noch aus der Schulzeit von damals und ich würde jetzt mal behaupten, dass unsere Kunstlehrer und Kunstleererinnen eher weniger dazu beigetragen haben das du heute Kunst machst.
- 4:45Speaker 0: Deshalb wann ist denn bei dir die die Faszination entstanden?
- 4:50Speaker 0: Die Lehrer haben dazu wahrscheinlich wenig beigeteilt oder?
- 4:55Speaker 1: Nee, würde ich jetzt auch nicht sagen, zumindest habe ich keine wirkliche Erinnerung daran.
- 4:59Speaker 1: Ich glaube geprägt wurde ich aus dem älterlichen Haushalt.
- 5:03Speaker 1: Meine Eltern waren sehr Kunst- und Kulturaffin Und mein Papa hatte eine oder hat eine riesengroße Schallplattensammlung aus den sechziger Jahren mit wilden Covern und wilden Schriftarten, und selbstgedruckten Postern usw.
- 5:19Speaker 1: Und das fand ich ... Als Kind ist es natürlich je trashiger, desto besser.
- 5:24Speaker 1: Es ist natürlich spannend, und ich hab das immer abgemalt selber Schriften entworfen.
- 5:29Speaker 1: Ich glaub, daher kam das auch mit meinen Eltern in Ausstellungen gegangen und ins Theater
- 5:34Speaker 1: usw.,
- 5:35Speaker 1: wobei das eigentlich jetzt nie ein konkretes Thema war, sondern es war einfach Teil von unserer Familie.
- 5:41Speaker 1: Man durfte sich natürlich auch ... komplett ausprobieren und genau also viel.
- 5:47Speaker 1: wirklich viele hat die schule jetzt nicht dazu beigetragen.
- 5:49Speaker 1: aber man merkt ja ist man jetzt vielleicht eher der musiker oder der maler glaube ich es merkt man schon recht früh.
- 5:56Speaker 1: Ich habe mich einmal im gitarre spielen ausprobiert, aber das war dann doch nicht meins.
- 6:02Speaker 1: Genau und dann wusste ich eigentlich recht schnell dass das irgendwas in die richtung wird oder werden soll Und hab allerdings erst mal nach der Schule angefangen, europäische Ethnologie zu studieren.
- 6:14Speaker 1: Weil ich es mir irgendwie selber nicht richtig zugetraut habe im kreativen Bereich und eine Mapemacher für Bewerbungen.
- 6:20Speaker 1: Genau!
- 6:20Speaker 1: Dann hab' ich's doch probiert... ...und dann hat das irgendwann
- 6:23Speaker 1: geklappt.".
- 6:24Speaker 0: Ja oder man merkt irgendwann dass weder Kunst noch Musik irgendwie funktionieren?
- 6:28Speaker 0: So war's bei mir, wobei ich das mit der Gitarre ja jetzt immerhin mal wieder versuche.
- 6:32Speaker 0: Mal schauen was dabei rauskommt.
- 6:35Speaker 0: Bei dir war's so, dass du irgendwann auch gesagt hast voll und ganz von der kunst leben du hast eine zeitlang auch für ne.
- 6:45Speaker 0: Grafikagentur gearbeitet hast da grafikauftrags arbeiten quasi gemacht um auch dein lebensinhalt zu finanzieren.
- 6:53Speaker 0: aber irgendwann kam dann der punkt dass du gesagt hast nie ich möchte jetzt wirklich nur noch meine kunst machen und möchte keine auftragsarbeiten mehr machen.
- 7:02Speaker 0: wann kamen der punkt und warum kam dieser punkt oder diese entscheidung bei dir hoch?
- 7:09Speaker 1: glaube oder ich vermute, dass der Punkt kam weil ich in der Agentur gearbeitet habe.
- 7:14Speaker 1: In einer Grafik- oder Werbeagentur und das ist dieses übliche nonstop am Computer sitzen und Kundenwünsche erfüllen.
- 7:24Speaker 1: zumeist ist es unschaffbar weil die Kunden dann eher immer Wünsche haben die man irgendwie nicht erahnen kann und das hat mich irgendwie auf eine gewisse Art und Weise einfach gar nicht erfüllt oder überhaupt nicht.
- 7:38Speaker 1: Mich hat das eher negativ, es hatte negative Auswirkungen auf meine Stimmung und auf meine Arbeitslust und ich habe dann quasi nebenher, neben der Agenturarbeit immer wieder selber illustriert und angefangen ein Stil zu entwickeln parallel weil mich.
- 7:56Speaker 1: das war für mich einfach ein guter Ausgleich.
- 7:58Speaker 1: Ich wusste eigentlich recht früh, dass ich mich irgendwann selbstständig machen will.
- 8:03Speaker 1: Allerdings ist es auch schwierig wenn man jetzt nicht so einen richtigen Peil hat in welche Richtung es gehen soll.
- 8:08Speaker 1: also Grafikdesign okay aber ich will dann auch keine Visitenkarten gestalten.
- 8:14Speaker 1: mein ganzes Leben.
- 8:15Speaker 1: deswegen habe ich das für Arbeitserfahrung natürlich auch wegen Geld vier Jahre, vierenhalb Jahre lang durchgezogen Und parallel versucht eben meine eigene Selbstständigkeit aufzubauen, um dann irgendwann den Schritt wagen zu können irgendwie von der Kunst zu leben.
- 8:35Speaker 0: Ich erinnere mich noch an das Gespräch mit Doris Dörrje die gesagt hat dass es für sie zum Beispiel sehr sehr wichtig ist in ihrem quasi Schaffungsprozess eine gewisse Routine drin zu haben also dass sie sich wirklich jeden Tag in der Früh hinsetzt und eine Stunde lang einfach schreibt wie ist es bei dir Deiner Kunst, hast du da auch so gewisse Routinen?
- 8:57Speaker 0: oder wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?
- 9:01Speaker 1: Also ich versuche auf jeden Fall eine Routine zu schaffen.
- 9:05Speaker 1: Das ist manchmal natürlich nicht so einfach aber ich versuch wie jeder normal arbeitende auch mir in der frühen Wecker zu stellen in meinen Studio-Atelier zu gehen und anzufangen direkt und zu produzieren.
- 9:19Speaker 1: Man muss das auch erst lernen, dass man auch viel produziert.
- 9:22Speaker 1: Würde ich mal sagen für die Tonne kann nicht jedes Bild gut werden aber so eine gewisse Produktionsroutine ist total wichtig.
- 9:30Speaker 1: da ist dann manchmal auch Quantität vor Qualität.
- 9:33Speaker 1: genau das ist eigentlich so die Routine die ich versuche für aufstehen arbeiten gehen und dann mich auch manchmal zwingen eben Schluss zu machen und auch mal ein Feierabend zu genießen.
- 9:44Speaker 1: also man geht immer davon aus der Künstler ist eben der Rotweintrinkende rauchende Atelier, abhängende Larifari-Künstler.
- 9:55Speaker 1: Aber ich glaube das ist bei den wenigsten eigentlich so...
- 9:59Speaker 0: Wenn man sich da eine Bilder und Skulpturen anschaut dann sieht man eigentlich oder zumindest sehe ich immer zwei große Metathemen sozusagen.
- 10:08Speaker 0: Das eine sind vermeintliche gesellschaftliche Tabuthemen also man sieht sehr oft zum Beispiel entblöste Frauen und das andere sind Bilder die sehr vollgepackt sind, auf denen sehr viel passiert.
- 10:22Speaker 0: Ich frage mich immer, willst du damit vielleicht auch so ein bisschen diese verrückte Zeit in der wir Leben abbilden?
- 10:29Speaker 0: In der so wahnsinnig viel passiert und in der alle auch ein Stück weit überfordert sind mit dem was passiert?
- 10:37Speaker 0: Ist das etwas, was du als Thema ein Stück im Kopf
- 10:40Speaker 0: hast?"?
- 10:41Speaker 1: Ja, ich glaube schon.
- 10:42Speaker 1: Also was ich selber fühle ist einfach auch dieser ganze Konsum den man den ganzen Tag hat und eben diese Überschwangen und der Reichtum an Dingen Genau.
- 10:58Speaker 1: Also auf jeden Fall dieses Rauschhaftige, was man hat in seinem Leben oder die Suche nach dem Rausch, der ja von vielen irgendwie erstrebenswert ist und je reicher man ist, desto besser kann man sich berauschen, destso einfacher.
- 11:13Speaker 1: Und das ist mir auch irgendwie wichtig darzustellen dass es einfach auch dieser Trash in diesem Reichtum den wir alle versuchen zu erstreben, der aber letztendlich gar nichts über einen aussagt, sondern der einfach irgendwie nur eine Bubble an eine leere Hülle ist mit exzentrischen Emotionen die man nach außen trägt.
- 11:38Speaker 1: Aber letztendlich hat das eigentlich gar nichts wirkliches Charakter eine Charakterstärke.
- 11:44Speaker 1: Das versuche ich in meinen Bildern darzustellen, die Leute glaube ich schauen sich das an und denken sich erst mal ja ist positiv und irgendwie ist sie auch ganz witzig und die Figuren haben gerade total Spaß.
- 11:56Speaker 1: und dann im nächsten Moment ist man sich vielleicht aber auch doch unsicher ob es jetzt ernst gemeint ist oder ob man sich selber darin sieht oder ob Ob man sucht?
- 12:08Speaker 0: Also auch so ein Stück weit die Absurdität unserer Zeit, in der wir alle immer mehr wollen.
- 12:14Speaker 0: Immer das nächste höhere Ziel erreichen wollen und uns dann wundern dass es sich nach kurzer Zeit eigentlich wieder genauso anfühlt wie vorher nur dass wir dann das wieder nächsthöhere Ziel anstreben.
- 12:25Speaker 1: Ja absolut also dieser ewige Konsum und die Suche nach noch mehr noch absurderen besseren Champagnerflaschen
- 12:38Speaker 0: Das ist ja auch ein Thema, was uns momentan generell als Gesellschaft sehr beschäftigt.
- 12:42Speaker 0: Auch das Thema Nachhaltigkeit wie wir mit unserer Umwelt umgehen aber auch wie wir miteinander umgehen und wie wir da besser werden können.
- 12:52Speaker 0: Auch die Pandemie hat ja viele dieser Themen quasi nochmal uns ins Bewusstsein gerufen, hat zumindest temporär viele dieser Absurditäten, die wir davor als unseren Alltag angesehen haben stückweit zurückgedreht.
- 13:06Speaker 0: Denkst du denn dass wir uns dieses zumindest ansatzweise Dinge in Frage stellen und zu Hinterfragen so ein bisschen zumindest an der einen oder anderen Stelle beibehalten auch wenn die Pandemie irgendwann mal vorbei ist?
- 13:20Speaker 1: Ja, irgendwie will ich es hoffen.
- 13:21Speaker 1: Irgendwie bin ich trotzdem skeptisch.
- 13:23Speaker 1: Ich hab oft das Gefühl ... Man hätte da jetzt was mitnehmen können.
- 13:28Speaker 1: Mutig vorangehen können.
- 13:30Speaker 1: Mit seinen Mitmenschen zu lernen vielleicht wieder nähezuzulassen.
- 13:36Speaker 1: aber so vom Grundgefühl hatte ich das nur ganz kurz und mittlerweile oder sonst.
- 13:44Speaker 1: das Gefühl war eher eben dieses egoistische Verhalten der Menschen, die eben auf der Suche sind nach Events und nach Konsum.
- 13:57Speaker 1: Und noch mehr und noch Schriller und noch knalliger.
- 14:02Speaker 1: Ich bezweifle das dass die Pandemie da jetzt irgendwas zurückschrauben konnte.
- 14:08Speaker 1: also wenn man sieht wie viel Pakete bestellt werden zum Beispiel als ein Punkt dann bezweife ich dass das irgendwie mit Nachhaltigkeit Rücksicht zusammenpasst oder in Zukunft besser wird.
- 14:25Speaker 0: Genau, das ist genau diese Absurdität unserer Zeit und ich finde du schaffst es großartig diese Themen in deinen Bildern einzufangen.
- 14:33Speaker 0: Ist es eigentlich was, was deine Zielgruppe quasi?
- 14:37Speaker 0: Deine Käufer... Fans, sozusagen auch wirklich verstehen oder sehen die eher die schönen bunten Bilder und freuen sich dass sie an die Wand hängen können.
- 14:49Speaker 0: Also musst du diese Botschaft erklären?
- 14:51Speaker 0: Oder wird die auch ohnehin schon verstanden.
- 14:54Speaker 0: also
- 14:55Speaker 1: bisher hatte ich das Gefühl verstehens die meisten leute dass in meinen bildern auf jeden fall eine große portion ironie mit schwingt.
- 15:03Speaker 1: wenn sie es nicht verstehen dann ist es auch okay.
- 15:06Speaker 1: aber ich hatte schon das gefühl dass die leute sich eben unsicher angesprochen fühlen und diesen Sarkasmus da drin auch erkennen.
- 15:16Speaker 0: Gibt es Motive, die du gerade im Kopf hast wenn du an diese Pandemie-Situation denkst?
- 15:21Speaker 0: Also spielt sich die auch ein Stück weit in deinen Bildern wieder oder wird es Werke geben, in denen diese Situation ein Thema sein wird?
- 15:29Speaker 1: Also so bewusst kann ich das jetzt glaube ich gar nicht sagen.
- 15:32Speaker 1: also bestimmt spielt das irgendwie mit rein.
- 15:34Speaker 1: Aber ich habe jetzt keine expliziten Corona-Motive gemacht.
- 15:38Speaker 1: Beziehungsweise in der ersten Welle habe ich ein paar Motive gemacht, wie man sich fühlt wenn man quasi alleine zu Hause sitzt und sein Wein trinkt und so.
- 15:49Speaker 1: aber das war jetzt eher ein bisschen einfach rumprobiert und geschaut, wie Man Sich Fühlt.
- 15:56Speaker 1: Aber jetzt in meinen Malereien in letzter Zeit würde ich sagen fließt es bestimmt irgendwie mit ein.
- 16:04Speaker 1: Kann ich jetzt nicht unbedingt auf die Pandemie zurückführen?
- 16:07Speaker 0: Kunst hat ja eine ganze Menge an möglichen Inspirationsquellen.
- 16:12Speaker 0: Durch die Pandemie sind ja viele davon auch weggefallen, also es gab keine Veranstaltungen, es gab keinen Konzert, es gibt keine sozialen Zusammenkünfte größerer Art und so weiter.
- 16:24Speaker 0: ist etwas was dir auch aufgefallen ist dass man quasi dadurch, dass man mehr zu Hause war, mehr alleine war.
- 16:32Speaker 0: Dass dir da vielleicht auch so ein Stück weit die Inspirationsquellen vielleicht gefehlt haben oder gab es dafür dann andere?
- 16:40Speaker 1: Ja also ich habe das schon öfter gemerkt, dass einem der Input gefehlet hat und dass einem die Menschen gefähls haben.
- 16:47Speaker 1: aber ich fand auch teilweise konnte man sich total gut auf Themen fokussieren, die man mal umsetzen möchte Man konnte sich irgendwie viel besser damit auseinandersetzen.
- 16:59Speaker 1: Also ich liebe Trash TV und da kam ich mir dann auch nicht blöd vor, wenn ich einfach mal ein Abend so was angeschaut habe als Input für meine Bilder die ich male.
- 17:10Speaker 1: aber ich würde sagen ja also es natürlich spielt das irgendwie mit rein oder hat das gefehlt.
- 17:15Speaker 1: Aber es gab auch irgendwie positive Auswirkungen, dass man sich alleine konzentriert an den Schreibtisch gesetzt hat und skizziert.
- 17:23Speaker 0: Die Pandemie hat ja natürlich auch deine... ... zunft sehr getroffen und beeinflusst.
- 17:29Speaker 0: Du konntest zum Beispiel auch keine Ausstellungen machen oder ähnliches.
- 17:33Speaker 0: der Kontakt zu deinen Käufern, zu deinen Kunden hat weitestgehend gefehlt zumindest analog.
- 17:40Speaker 0: virtuell musste dann viel ersetzt werden.
- 17:42Speaker 0: du hast zum Beispiel in der Zeit auch ein Online Shop aufgebaut... ...und verkaufs dort nun auch teilweise deine Kunst.
- 17:50Speaker 0: Wir haben viel über Musiker gehört in der Pandemie.
- 17:53Speaker 0: Wir haben viele über Gastronomen gesprochen, über Schauspieler.
- 17:57Speaker 0: aber Malerinnen Zeichner-Zeichnerinnen waren ganz selten nur ein Thema gerade auch wenn es um Hilfen und Unterstützung ging.
- 18:07Speaker 0: Legt das vielleicht daran dass Kunst gerne auch mal als Luxus gut angesehen wird und man vielleicht vermeintlich davon ausgeht, dass es denen sowieso gut geht.
- 18:18Speaker 0: Weil sich das Leute an die Wand hängen oder kaufen, die ohnehin Geld haben also, dass solche Künstler vielleicht sowieso abgesichert sind?
- 18:27Speaker 1: Also ich glaube, es war eigentlich genau das Gegenteil, weil viele davon ausgehen, dass der Künstlern, der Maler oder der Zeichner sowieso schon wenig Geld hat grundsätzlich und nicht viel Geld zum Leben braucht, dann schaffte das jetzt auch noch so.
- 18:43Speaker 1: Ich glaube die Leute vergessen dass der Maler eben oder der Zeichner genau die gleichen Steuernzahl und Versicherungen hat und selbstständig ist und Kinder und Auto und Haus und keine Ahnung wie ein normal Angestellter.
- 18:56Speaker 1: ich glaube das nur ganz wenige davon als Maler profitieren oder so davon leben können, dass man sagt okay der verkauften Bild und dann passt es auch in der Pandemie.
- 19:09Speaker 1: Damit kommt er schon gut über die Runden.
- 19:11Speaker 1: Ich glaube das ist nur ein kleiner Bruchteil und der Rest wäre oder ist angewiesen genauso auf Soforthilfen und Unterstützung und eigentlich dann vielleicht auch Gastrot-Shops, die ja dann auch weggefallen sind oder irgendwelche anderen Einnahmequellen.
- 19:27Speaker 1: Und ja, das ist glaube ich alles ein bisschen in Vergessenheit geraten oder beziehungsweise die Lobby fehlt.
- 19:32Speaker 0: Ich habe vorhin schon gesagt du hast in der Pandemie dir auch einen eigenen Online-Shop aufgebaut bist jetzt auch auf Instagram viel aktiver.
- 19:41Speaker 0: Früher war es ja immer so, man hatte bei Kunst oft eine Art Zwischenhändler.
- 19:45Speaker 0: Man hatte den Galeristen der die Kunst quasi ein Stück weit kuratiert hat für seine jeweilige Zielgruppe, der Werke ausgewählt hat, die dann auch für den Künstler verkauft und vermarktet hat.
- 19:58Speaker 0: Heute ist es ja so dass der Künstlern viel öfter in den direkten Kontakt mit seinen potenziellen Käufern tritt glaube ich auch viel wichtiger geworden, dass man jetzt selber aktiv wird.
- 20:10Speaker 0: Dass man selber in den Ring springt und quasi seine Kunst vermarktet, bekannt macht, viel mehr selbst kommuniziert.
- 20:20Speaker 0: wie siehst du das?
- 20:22Speaker 1: Das ist mir natürlich am Anfang auch total schwer gefallen.
- 20:24Speaker 1: diese Vermarktungen auf Instagram da bin ich jetzt vielleicht nicht der Typ dafür dachte ich zumindest.
- 20:30Speaker 1: aber man muss sich dann glaub ich irgendwann eingestehen, dass es einfach mittlerweile Teil ist von seinem Beruf, dass man da total viel Zeit drauf verbringt.
- 20:40Speaker 1: Auch viele Sammler, die dich einfach direkt anschreiben und da geht es dann gar nicht mehr über Galerien.
- 20:46Speaker 1: Und das gehört irgendwie mittlerweile einfach dazu.
- 20:49Speaker 1: Man muss das ein bisschen ausblenden und das einfach zum Job dazuzählen.
- 20:55Speaker 1: Dann geht's schon!
- 20:58Speaker 1: Also ich versuche oder ich poste auch keine privaten Sachen sondern bleibt bei der Arbeit.
- 21:04Speaker 1: Und genau das habe ich mittlerweile eben eingesehen oder lernen müssen auch, dass es einfach ein wichtiger Teil ist und man sich wenn man das einigermaßen regelmäßig macht, sich auch wirklich gut helfen kann dann
- 21:17Speaker 1: selber.".
- 21:17Speaker 0: Ist das auch etwas was heute schon viel mehr in den Entstehungsprozess deiner Kunst mit einfließt?
- 21:23Speaker 0: Also dass du dir schon beim Malen eines Bildes zum Beispiel Gedanken machst wie du das dokumentieren kannst... Content produzieren kannst, den du dann auch rund um dieses Werk auf Instagram und Co verwenden kannst?
- 21:35Speaker 1: Absolut.
- 21:36Speaker 1: Eigentlich müsste ich es noch viel mehr machen.
- 21:38Speaker 1: meistens vergesse ich's dann auch wenn man dann so drin ist in der Malprozess oder in irgendeinem anderen kreativen Prozess dann vergess ich dass sich vielleicht mal kurz die Kamera nehmen müsste was aber eigentlich wahrscheinlich die Leute die das anschauen am meisten interessiert.
- 21:56Speaker 1: einen Blick hinter die Kulissen.
- 21:58Speaker 1: Ich bin jetzt auch kein Instagram-Meister, aber ich glaube das ist total wichtig.
- 22:03Speaker 1: Das müsste ich dann noch mehr machen und habe mir endlich eine Kamera besorgt.
- 22:09Speaker 1: Genau müsste es einfach mal angehen!
- 22:11Speaker 0: Ist ja auch eine Sache die man dem Käufer schön mit anbieten kann.
- 22:14Speaker 0: also dass man sagt hier ist das Bild und ich hab übrigens hier noch ein Video produziert das die Entstehungsgeschichte dieses Werkes mitdokumentiert und dass man das quasi wirklich wie so einen Teil des Packages quasi direkt mit anbietet, um dann auch für die Nachwelt festzuhalten wie dieses Bild eigentlich entstanden ist oder?
- 22:34Speaker 1: Ja absolut.
- 22:35Speaker 1: also ich glaube dass das eigentlich total wichtig ist.
- 22:38Speaker 1: Ich unterschatze auch manchmal wie viel Zeit da eigentlich drauf gehen müsste.
- 22:42Speaker 1: deswegen versuche ich es wahrscheinlich zu vergessen oder verdrängs.
- 22:46Speaker 1: aber das ist schon also Wahnsinn wieviel wenn man jetzt eine normale Arbeitswoche nimmt wie viel Zeit für eben so Orgasachen, Instagram-Fotos, Bearbeitung von Fotos, Fotosposten, Text überlegen.
- 23:02Speaker 1: Wie viel Zeit da draufgehen müsste und ich vermute auch dass sich wahrscheinlich noch viel mehr damit machen könnte wenn nicht das wirklich noch forcieren würde.
- 23:13Speaker 1: Aber das ist mir dann auch irgendwie eine Nummer zu viel, glaube ich.
- 23:17Speaker 0: Wie siehst du so Themen wie zum Beispiel virtuelle Ausstellungen vielleicht sogar mit Virtual Reality und ähnlichen Technologien um auch einen virtuellen Raum zu schaffen indem man dann potenzielle Käufer treffen kann um mit ihnen zu sprechen um auch da die Kommunikation selbst in Zeiten der Pandemie aufrecht erhalten zu können?
- 23:35Speaker 1: Ja finde ich gut würde ich glaube ich jedem empfehlen dass man vor allem jetzt während Corona, ich hab das einmal gemacht mit den Isa-Kindly Jungs.
- 23:44Speaker 1: Die haben eine Online-Bar gemacht und drei meiner Bilder eben auch ausgestellt.
- 23:49Speaker 1: Und es war auf jeden Fall sauwitzig!
- 23:52Speaker 1: Man ist mit neuen Leuten in Kontakt gekommen.
- 23:56Speaker 1: Ich könnte mir schon vorstellen, dass das mittlerweile oder in Zukunft dann ... noch mehr an Gewicht bekommt, vor allem vielleicht auch einfach international.
- 24:06Speaker 1: Bevor man die Bilder einmal um den ganzen Welt schickt würde wahrscheinlich ein hoch auflösendes Foto auch reichen für eine virtuelle Galerie und dann für potenzielle Kunden.
- 24:17Speaker 1: denen das dann direkt zu schicken bevor es dann wie einmal um die welt fliegt und dann wieder zurückzufliegen um dann wieder zum Kunden zu fliegen könnte ich mir als nachhaltige Variante gut vorstellen.
- 24:29Speaker 0: Ich habe vorhin schon mal kurz angesprochen, dass deine Werke inzwischen auch die ganze Welt verkauft werden.
- 24:34Speaker 0: Ist das dann auch wirklich Instagram?
- 24:37Speaker 0: Wo die Leute auf dich aufmerksam werden, wo du sichtbar wirst?
- 24:40Speaker 0: oder sind es andere Quellen, wo diese Kunden ... wo diese Käufer dann auf dich Aufmerksamwerden?
- 24:46Speaker 1: Es ist eigentlich also die Grundquelle ist eigentlich schon Instagram und im Moment läuft es über eine englische Galerie auch unter anderem die wiederum aber auch über Instagram auf mich aufmerksam geworden ist.
- 25:00Speaker 1: Ich glaube, dass es eigentlich irgendwie die Basis von allem und dann eröffnen sich natürlich wie's halt in dieser Kreativbranche E is, Türen von A nach B und dann weiter und Connections
- 25:16Speaker 1: usw.,
- 25:17Speaker 1: Aber ich glaube, ich könnte sagen das es ziemlich mit einem ziemlich großen Anteil an Instagram liegt und darüber eben.
- 25:26Speaker 1: kommen dann einzelne Sammler oder Galerien und über die Galerie dann sammeln.
- 25:31Speaker 0: Ich habe vor kurzem ein Interview mit dem Galeristen- und Kunsthändler Johann König gehört, das ein lieber Podcastkollege aufgezeichnet hat.
- 25:38Speaker 0: Viele Grüße an der Stelle Anton.
- 25:40Speaker 0: Der hat erzählt dass er inzwischen auch sehr hochpreisige Kunstwerke auf Instagram direkt anbietet, auch mit dem Preis dann entsprechend ja früher immer gerne mal unter Verschluss und nur auf Anfrage kommuniziert wurde also Preise heute auch viel transparenter kommuniziert werden und dass der Markt genau das auch erwartet.
- 26:02Speaker 0: Und, dass auch dadurch ganz andere Menschen heute Zugang zu Kunst finden und auch zu dem Kauf von Kunst finden ist das was du auch merkst?
- 26:11Speaker 0: Dass heute auch ganz andere Leute sich dafür interessieren, sich Kunst zu kaufen und bei sich dann auch entsprechend aufzuhängen?
- 26:20Speaker 1: Ja, absolut.
- 26:21Speaker 1: Also ich könnte mir auch vorstellen dass es nicht mehr so diese typischen Sammler gibt die man sich vorstellt die in ihrem Kreis verkehrt und dann bei einem schönen Glas Champagner eben sich die Bilder anschauen sondern das ist auch total viele Leute sind die mittlerweile total jung sind und ihren Fokus auf Kunst sammeln legen Und das eben durch Instagram dann total einfach können.
- 26:47Speaker 0: Also würdest du auch sagen, dass es für den Künstler oder die Künstlerin heute viel einfacher ist einen Weg in den Markt zu finden?
- 26:55Speaker 0: Weil es vielleicht nicht mehr so viele Gatekeeper gibt wie früher.
- 26:58Speaker 1: Ich glaube schon, dass das einfacher is.
- 27:00Speaker 1: Wobei ich glaube, dass trotzdem genauso viel Arbeit dahinter steckt wie früher auch vom Künstlerselber.
- 27:07Speaker 1: Es könnte vielleicht wenn man Glück hat schneller gehen.
- 27:11Speaker 1: und ja also ich glaube es ist schon einfacher... dass der Prozess des Kaufens und Sehen gesehen werden, es ist einfacher.
- 27:20Speaker 1: Aber ich glaube die Arbeit vom Künstler ist eigentlich dieselbe plus Instagram.
- 27:26Speaker 1: So würde ich das glaube ich sagen.
- 27:27Speaker 1: also weil du mich gefragt hast noch irgendwie das ist mit der Transparenz.
- 27:32Speaker 1: Ich habe auch selber das Gefühl, dass die Leute total neugierig sind und total offen sind auch für Preise.
- 27:40Speaker 1: Und nicht mehr dieses, ja Kunst ist teuer und Kunst kann ich mir ähnlich leisten und interessiert mich nicht sondern eben weil sie sehen wie ein Bild entsteht und weil sie irgendwie näher am Künstler sein können glaube ich können Sie auch... Sind Sie offen eben dafür auch Geld zu investieren?
- 27:58Speaker 1: Und finde auch das ist irgendwie ein Gerücht zu sagen, viele können sich Kunst nicht leisten.
- 28:04Speaker 1: Also wenn man jetzt ein Picasso kaufen will dann vielleicht nicht aber junge Kunst kann man sich auf jeden Fall leisten und ich finde das auf jeden fall super wenn man Preise drunter schreibt.
- 28:14Speaker 1: Ich selber mache es irgendwie auch nicht Aber diese Diskussion hatte ich schon öfter und vielleicht sollte ich das auch mal angehen.
- 28:20Speaker 1: Ich find's auch wichtig dass man da auch offen bleibt dem gegenüber.
- 28:25Speaker 0: Ja, jeder der uns jetzt zugehört hat und neugierig ist wie denn das was die Nina da eigentlich so macht aussieht.
- 28:31Speaker 0: Der kann jetzt einfach mal in die Show Notes schauen.
- 28:33Speaker 0: Da findet ihr die Website von Nina aber auch den Instagram Channel.
- 28:38Speaker 0: klickt mal rein schaut euch an was Nina macht.
- 28:41Speaker 0: es lohnt sich auf jeden Fall.
- 28:42Speaker 0: Und dir liebe Nina danke dass du hier warst.
- 28:45Speaker 0: Danke für deine Zeit!
- 28:46Speaker 0: Ja
- 28:46Speaker 1: vielen Dank für die Einladung War sehr nett und jetzt trinken wir noch einen Chin.
- 28:50Speaker 0: Auf jeden Fall, danke dir
- 28:52Speaker 1: Das wars leider
- 28:53Speaker 0: schon.
- 28:54Speaker 0: Die letzte Runde
- 28:55Speaker 1: ist ausgetrunken, das Gespräch zu Ende.
- 28:59Speaker 1: Vielen Dank fürs
- 29:22Speaker 0: Zuhören!