Latest / ntv Wirtschaft / „Relative Mogelpackung“: Gericht setzt Zeichen gegen Shrinkflation
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- Der Milka-Konzern Mondelez verliert gegen die Verbraucherzentrale vor Gericht wegen Shrinkflation. Siemens trotzt der Unsicherheit und verdient weiter Milliarden, während Energiekonzerne vom Wind profitieren. Und wir schauen darauf, warum viele DAX-Konzerne ihr Geld längst im Ausland verdienen. Und was das für Jobs hierzulande bedeutet. Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Also, kurz zur Milka-Tafel. Weniger Inhalt, gleiche Verpackung. Shrinkflation. Statt 100 Gramm sind es jetzt 90. Die Verbraucherzentrale klagt. Und bekommt Recht. Das Landgericht Bremen sagt, so darf die Tafel erst einmal nicht verkauft werden. Zumindest dann nicht, wenn vorher noch die größere im Umlauf war. Der Punkt ist, die Packung sieht fast identisch aus. Einen Millimeter dünner, kaum sichtbar. Das kann Käufer täuschen, sagt das Gericht, nennt es sogar eine relative Mogelpackung. Mondelez hält dagegen. Das Gewicht stehe drauf, gut lesbar. Man sei transparent. Und genau da liegt der Streit. Reicht das oder muss es sofort auffallen? Das Urteil ist noch nicht endgültig. Wir haben bei der Verbraucherzentrale nachgefragt. Astrid Fronja im Gespräch mit Armin Vallee von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wieso eigentlich Mogelpackung? Denn das Gewicht steht doch ganz transparent auf jeder Verpackung drauf. Ja, aber der Richter hat es ja eindeutig gesagt. Man kennt diese Packung ja schon seit Jahrzehnten. Und die Farbe ist bekannt. Da fällt einem nicht auf, wenn da im Kleingedruckten irgendwo in der Ecke 90 Gramm steht. Und das ist wichtig, der Begriff relative Mogelpackung. Die Verbraucherinnen und Verbraucher gehen weiterhin davon aus, dass sie 100 Gramm bekommen und es ist ihnen nicht zuzumuten, bei jedem Einkauf bei so einer bekannten Marke genau zu durchforsten, akribisch zu schauen, ob jetzt da weniger drin ist oder ob sich die Zutatenliste verändert hat. Da benötigt es einen deutlichen Hinweis. Aber dann haben Sie wahrscheinlich einiges zu tun, denn es gibt viele Nahrungsmittelhersteller, die sowas machen. Rittersport, anderer Schokoladenhersteller, da sieht es ja ähnlich aus, quadratisch, praktisch, aber weniger drin. Rittersport verkauft jetzt seit kurzem auch eine Edelkakaolinie mit deutlich leichteren Tafeln. Der Hersteller sagt aber, das ist eine neue Produktlinie und da steckt mehr Kakao drin und Kakao ist teuer. Werden Sie trotzdem klagen? Also da sehen wir keine Möglichkeit, dagegen zu klagen, weil die Packung deutlich sich verändert hat. Wir haben die Packungen vorliegen und die Aufmachung ist anders. Es steht vorne klar und deutlich neu drauf. Also das sind natürlich Dinge, die weiterhin möglich stehen. Auch das ist natürlich ein Wehrmutstropfen. Wir können Shrinkflation nicht prinzipiell verbieten, aber wir können die Rahmenbedingungen verbessern. Und jetzt haben wir zwei Urteile in Deutschland, eins in Österreich, die ganz klar sagen, also alles könnt ihr nicht machen, wenn, dann brauchen wir irgendwelche Hinweise und Unterscheidungen zwischen den einzelnen Packungen, Vorher-Nachher-Packungen, damit das nicht irreführend ist. Und deshalb ist es auch ein Erfolg und die Branche muss sich da jetzt genau überlegen, wie sie weiter damit umgeht. Shrinkflation, Sie haben den Begriff schon genannt, das Phänomen weniger Inhalt zum gleichen Preis oder zu einem höheren Preis. Dafür gibt es jetzt dieses Wort Shrinkflation, nur nochmal für alle Zuschauer irgendwie klar gemacht. Aber schauen wir nochmal auf den Konzern, denn dahinter stehen ja vor allen Dingen auch Arbeitsplätze. Rittersport zum Beispiel steht wirtschaftlich enorm unter Druck. Der Mittelständler hat doch gerade trotz Umsatzanstieg ging es dann in die Verlustzone. Ähnlich sieht es möglicherweise auch bei anderen Herstellern aus. Haben Sie das eigentlich auch im Blick? Das ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gestärkt werden, dass ihre Rechte, die sie haben, auch durchgesetzt werden. Und hier geht es um eine Ehreführung. Und man könnte dann genauso fragen, hätte man nicht eine andere Schiene, Strategie fahren können? Waren die hohen Preise tatsächlich notwendig? Ja, die Hersteller blasen da immer ins gleiche Horn. Ja, höhere Rohstoffkosten. Ja, wir haben sinkende Kakaopreise seit 14 Monaten. Ungefähr 75 Prozent geringere Preise. Und dann fragen wir uns, warum ist es denn dann nicht möglich, auch die Preise anzupassen. Also die Kaufzurückhaltung liegt sicherlich nicht an uns, auch wenn Sie uns das da ein bisschen unterschieben wollen. sondern es liegt daran, zu welchem Preis die Schokolade angeboten wird. Ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch. Das war Armin Vallee von der Verbraucherzentrale Hamburg, die geklagt haben gegen den Milka-Konzern und vom Landgericht Bremen jetzt Recht bekommen haben. Ich danke Ihnen sehr. Vom Verbraucherthema zurück in die Unternehmenswelt. Aktuell ist Bilanzsaison und heute hat Schwergewicht Siemens berichtet. Siemens verdient im zweiten Geschäftsquartal rund 2,2 Milliarden Euro. Das ist zwar ein Minus von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was aber an einem Sondereffekt lag. Der Umsatz bleibt stabil bei knapp 20 Milliarden Euro. Deutlich spannender der Auftragseingang. Der steigt um 11 Prozent auf über 24 Milliarden Euro. Und ein Bereich sticht besonders hervor. Rechenzentren. Siemens profitiert hier massiv vom Boom rund um Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Der Umsatz in diesem Segment wächst im ersten Halbjahr um 45 Prozent. Wie geht es weiter bei Siemens und was sagt der Experte? Frank Mayer hat mit Tom Eckermenz gesprochen. Er ist Fondsmanager bei Fidelity. Die Erwartungen waren sehr hoch an die Siemens-Zahlen. Hat man enttäuscht oder überrascht? Die Erwartungen waren auf jeden Fall hoch. Also auf schön Englisch, Travel and Arrive haben wir heute gesehen. Die Wettbewerber wie Schneider, ABB oder Rockwell Automation hatten ja schon berichtet mit sehr guten Zahlen. Da war bei Siemens schon die Erwartung, dass sowohl in Smart Infrastructure als auch in Digital Industries doch gute Zahlen geliefert werden. Die wurden geliefert, aber dann im Mobility-Bereich war es eher ein bisschen schwächer. Daher, ja, es war gut, aber schon erwartet. Nun ist die Mobility-Sparte ja nicht besonders groß. Man schaut ja auf die Digitalisierung, auf diesen Megatrend. Die Märkte sind sehr hoch bewertet, liest man überall. Viele unterschätzen aber noch das Potenzial. Was ist Ihre Meinung dazu? Genau, da ist sehr, sehr viel Potenzial. Wenn wir mit die Hyperscaler- oder Halbleiterfirmen sprechen, dann sehen wir einfach, dass da enorme Engpassen im Markt sind, dass da sehr viel investiert wird. Auch die nächsten paar Jahre, da wird jetzt schon für 2028, 2029 geplant, was investiert wird. Also ja, da ist sehr viel Potenzial. Und dadurch lassen sich die Bewertungen von Aktien wie Siemens dann auch rechtfertigen im Moment. Und wenn man auf den Auftragseingang schaut, das sind ja die Umsätze von künftig. Das war doch eine Überraschung mit 24 Milliarden. Ja, das war sehr stark. Also 24 Milliarden Eingänge, Book to Bill, wie das heißt, von über 1,2 und vor allem wieder im Smart Infrastructure-Bereich, also da, wo Siemens die KI-Investitionen, sag mal, beliefert. Vor allem in den USA plus 72% Steigung in Auftragseingängen. Da sieht man einfach, wie stark das durchkommt. Und das macht Sinn. Also das wird noch weiter laufen. Da liefert Siemens sehr gute Produkte. Das hat der Vorteil auch für Siemens, dass man sich nicht nur auf den deutschen Markt konzentriert, sondern weltweit aufgestellt ist. Wenn Sie schauen, wo ist Licht, aber wo ist auch Schatten bei Siemens? Finden Sie welchen? Ja, auf jeden Fall. In Deutschland, in Europa sieht man doch in bestimmten Bereichen, dass es noch ein wenig schwach ist, zum Beispiel auch in Digital Industries. Da sieht man zum Beispiel dieses Quartal, dass China wieder gut läuft und die USA gut läuft. Aber Europa, ja, es verbessert sich ein bisschen was, aber ist noch nicht da, wo es sein soll. Wir bleiben im DAX, schauen aber auf eine Branche, die gerade besonders im Fokus steht, die Energie. RWE und E.ON haben Zahlen vorgelegt. Und beide kommen solide ins Jahr. RWE profitiert vor allem vom Wetter. Klingt simpel, ist aber entscheidend. Der Wind weht stärker, die Produktion steigt. Und dann kommen neue Anlagen dazu. Windparks, Solarprojekte, Batteriespeicher. Unterm Strich stehen 1,6 Milliarden Euro operativer Gewinn. Besonders stark das Offshore-Windgeschäft. Bei E.ON sieht es anders aus. Stabiler, ruhiger. Das operative Ergebnis legt leicht zu, der Gewinn auch. Der Fokus liegt klar auf den Netzen. E.ON steckt viel Geld in die Infrastruktur. Bis 2030 sollen es 48 Milliarden Euro sein. Zwei Energieunternehmen und zwei sehr unterschiedliche Wege, vom gleichen Trend zu profitieren. Darüber spricht Frank Mayer mit Fondsmanager Thomas Deser. Bei den Zahlen von RWE und bei E.ON, Herr Deser, ist es eigentlich immer ganz interessant oder spannend, weil die sind total langweilig. Aber warum ist die E.ON jetzt ein Plus mit 4 Prozent? Ja, bei der E.ON wie bei der RWE wurden eigentlich die Analysten vor zwei Wochen so ein bisschen ausgerichtet auf das, was zu erwarten ist, so grob. Und dennoch, wie Sie sagen, bei E.ON ist die Begeisterung heute ein bisschen größer als bei RWE, weil man um wenige Prozentpünktchen die Markterwartung übertreffen konnte. Und das hat dann schon gereicht, statt 0 Wachstum 2, 3, 4, 5 Prozent Wachstum zu melden, um den Markt da positiv zu stimmen. Bei der RWE war das dort, wie erwartet, langweilig? RWE hat ein deutlicheres Wachstum gemeldet, das war zu erwarten. Allerdings war die Enttäuschung dann, dass dieses Wachstum, zumindest was das erste Quartal angeht, durch eine Ausgleichszahlung, die auf das Jahr 2022 zurückgeht und mit der Kohleverstromung in Holland zusammenhängt, zurückzuführen ist. Und deswegen hat der Markt dann gesagt, naja, der Zuwachs wirkt spektakulär, aber im Kurs müssen wir das jetzt nicht feiern. Es ist ja ein Markt und die haben es nicht besonders einfach, aber auch wieder doch, wo die Planwirtschaft doch um sich greift und wo die Ideologie auch noch eine große Rolle spielt. Ich meine, E.ON stünde doch besser da, wenn sie nicht 40, 48 Milliarden Netze investieren müsste. Das Geschäftsmodell von E.ON ist tatsächlich auf das Netzgeschäft, also Strominfrastruktur, hauptsächlich in Deutschland ausgerichtet. Und dort reguliert. D.h. Die Anlagen, Stromleitungen und alles, was dazugehört, das muss erst mal 20, 30 Jahre arbeiten, um dem Aktionär, dem Eigentümer Geld zu verdienen. D.h. es ist eine Wette, eine langfristige Wette auf die Wohlfahrt am Standort Deutschland. Da kann man natürlich geteilter Meinung sein und sagen, das klappt oder das klappt nicht. Oder ich gehe in andere Regionen, wo die Dynamik vielleicht da ist im Strommarkt. Und der deutsche Stromzahler zahlt die Zeche enorm hohe Strompreise. Hängt das mit dieser ganzen Regulierung und mit diesen Netzen und der ganzen Struktur zusammen? Der Preis für den Strom aus der Steckdose setzt sich nicht nur aus dem Preis für den Großhandelsstrom zusammen. Sondern da sind Abgaben auf Bundes-, Länder-, Gemeindeebenen dabei. Und das erhöht letztendlich den Preis. Und jeder hat es schon budgetiert, diese Einnahmen. Und keiner will davon weg. Und das heißt, Sie und ich und alle Zuschauer müssen letztendlich den hohen Strompreis aus der Steckdose weiter akzeptieren. Da ist nicht viel Hoffnung, dass das deutlich zurückgehen wird. Und wenn wir die Zahlen aus der Industrie betrachten, dann drängt sich eine größere Frage auf. Wo verdienen deutsche Konzerne ihr Geld? Und was bedeutet das für den Standort hierzulande? An dieser Stelle lohnt sich ein Schritt zurück und ein Blick auf das große Ganze im DAX. Denn wenn wir uns die aktuellen Zahlen anschauen, dann fällt etwas auf. Viele große deutsche Konzerne verdienen ihr Geld längst nicht mehr hauptsächlich in Deutschland. Der Deutsche Aktienindex ist heute internationaler denn je. Umsätze entstehen weltweit. Das ist erst einmal eine Erfolgsgeschichte. Aber diese Entwicklung hat auch eine zweite Seite. Eine Analyse von Börsenreporter Frank Mayer. Nach den frischen Quartalszahlen macht die Deutsche Telekom 6 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland, 3 Milliarden in Europa, aber 19 Milliarden Euro in den USA. T-Mobile USA ist hier das Stichwort und die Telekom ist nicht der einzige internationale Konzern, die ihre Umsätze hauptsächlich eben im Ausland machen. Insgesamt beim DAX sind es 82 Prozent der Umsätze, im Jahr 2010 bis 2015 waren es noch 75 Prozent und um die Jahrtausendwende 65 Prozent. Der deutsche Aktienindex heißt zwar so, aber er ist international, macht Umsatz und verdient im Ausland größtenteils das Geld. Auch bei der SAP, bei der Siemens, bei Airbus und bei der Adidas liegt der Auslandsanteil bis zu 90%. Die Autobauer, sehr stark gewichtet im DAX, die sind auch international unterwegs, aber die Zulieferbranche ist hauptsächlich auch mit in Deutschland verankert. Und hier gibt es ja Warnungen auch vom VDA, wonach bis zum Jahr 2035 235.000 Stellen abgebaut werden sollen, 35.000 mehr als bislang. Man weist eben mit einem Finger auf die Politik. Es sind die Standortkosten, es ist die teure Energie und es ist auch ein Teil Ideologie mit dabei, was eben Auswirkungen hat auf diese Branche. Und letztendlich sieht man das am Arbeitsmarkt, aber nicht nur in der Automobilindustrie, auch in der Chemie und beim deutschen Mittelstand. Weil die großen Unternehmen global agieren, die kleineren nicht so schnell umlagern können, verlagern können ins Ausland, ist eben das Problem, was sich zunehmend auch zeigt beim deutschen Mittelstand. Eines der großen Geschäftsbringer in Deutschland. Wenn die Politik sagt, dass die Leute sich aufraffen müssten, müsste man der Politik entgegenhalten, dass auch die Politik sich mal aufraffen müsste, damit sich hier in Deutschland was verändert. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.