Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #21 Folge 5: Die Zuckerbrot-Revolution: Wie du als Angehöriger gutes Verhalten düngst (CRAFT-Mindset 5/14)
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen. Schön, dass du dir heute wieder
- 0:02die Zeit nimmst, um mit uns zusammen tiefer in ein Thema
- 0:06einzutauchen, das dich wahrscheinlich gerade
- 0:08beschäftigt. Wir freuen uns wirklich, dass du
- 0:10hier bist. Heute schauen wir uns einen
- 0:12Artikel von Gabriel an auf nilix Berlin es ist Teil 5 seiner
- 0:17Serie zum Craft Mindset Manifest und das Kernthema heute positive
- 0:22Verstärkung das klingt jetzt vielleicht erstmal ein bisschen,
- 0:25ja technisch oder vielleicht ungewohnt für dich.
- 0:29Aber es ist ein Ansatz, der wirklich unglaublich
- 0:32wirkungsvoll sein kann. Wenn jemand in deinem Umfeld
- 0:35jemand, der dir nahe steht, mit einer Sucht kämpft.
- 0:38OK, also lass uns das mal auseinandernehmen.
- 0:40Unsere Mission heute ist es ja, gemeinsam zu verstehen, wie Du
- 0:44durch gezieltes Fördern Gabriel nennt das so schön düngen von
- 0:48gutem, von positiven Verhalten helfen kannst, anstatt dich
- 0:52immer nur auf das Problem zu fokussieren, auf die Sucht
- 0:54selbst. Das ist ne echter Wechsel der
- 0:56Perspektive und ganz wichtig, bevor wir da jetzt richtig tief
- 0:59einsteigen. Gabriel, der Mensch in der
- 1:01Nielix Berlin, der kennt die Themen sucht und Psyche nicht
- 1:05nur aus der Theorie, er hat das selbst erlebt, selbst
- 1:09durchgemacht und auf seiner Webseite teilt er ganz offen
- 1:12seine persönlichen Erfahrungen, seinen Weg, das macht seine
- 1:15Perspektive, finde ich, so authentisch, so nachvollziehbar.
- 1:19Er baut damit quasi eine Brücke direkt von seiner Erfahrung zu
- 1:23dir, um dir auch zu zeigen, hey, du bist mit diesen
- 1:26Herausforderungen, mit diesen echt schwierigen Situationen
- 1:28nicht allein. Absolut.
- 1:30Und genau diese Brücke führt uns ja auch zu einem Kernprinzip
- 1:33dieses CFT Ansatzes, den Gabriel hier beleuchtet.
- 1:37Wir schauen uns jetzt mal genauer an, warum dieser
- 1:40Perspektivwechsel so entscheidend ist.
- 1:42Weg von dieser Rolle des Suchtpolizisten, der immer nur
- 1:46guckt, was falsch läuft. Hinzu der des ja oasengärtners,
- 1:50wie Gabriel es nennt, also jemand, der aktiv sucht nach den
- 1:54kleinsten Anzeichen von Gesundheit, von positiven
- 1:57Momenten, und die dann pflegt. Es geht im Grunde darum, die
- 2:00Erkenntnisse der Verhaltenspsychologie ganz
- 2:02praktisch anzuwenden, positive Momente finden, sie würdigen und
- 2:07sie dadurch halt auch stärker machen.
- 2:09Das ist mal mit dem Anfang, was viele wahrscheinlich nur zu gut
- 2:11kennen. Dieser ständige Blick auf das
- 2:15negative Gabriel beschreibt das ja sehr, sehr eindrücklich aus
- 2:19seiner eigenen Geschichte. Und er macht seine Angehörigen
- 2:22da gar keinen Vorwurf, das betont er ja auch, aber er
- 2:25beschreibt, wie sie fast automatisch jeden Fehler
- 2:28mitbekommen hat, jeden Ausrutscher, jeden Rückfall, wie
- 2:31das sofort bemerkt und thematisiert wurde, die ganze
- 2:34Energie, die Aufmerksamkeit floß quasi in das Problemverhalten.
- 2:37Und im Gegenzug? Die seltenen Momente vielleicht
- 2:41nur kurze Augenblicke, wo er nüchtern war oder wo er
- 2:44vielleicht mal was Positives gemacht hat, die sind
- 2:47untergegangen oder wurden eher misstrauisch beäugt, so nach dem
- 2:50Motto, Na ja, das hält ja eh nicht lange, das ist so eine
- 2:54Falle, da tappt man leicht rein, man will das Problem ja
- 2:57unbedingt weg haben, klar und startest deswegen förmlich ein.
- 3:01Kennst du das vielleicht auch von dir, dass ich irgendwie alle
- 3:05Gespräche, alle Gedanken, die ganze Atmosphäre.
- 3:08Immer nur um das dreht, was nicht klappt.
- 3:10Was falsch läuft. Das ist total menschlich, ja,
- 3:13aber aus Sicht der Verhaltensforschung, und darauf
- 3:16basiert ja craft, ist es eben nicht der effektivste Weg.
- 3:21Ständige Kritik, Vorwürfe, strafen, das führt oft nicht
- 3:24dazu, dass das Suchtverhalten aufhört, es führt eher dazu,
- 3:27dass die Person lernt, es besser zu verstecken oder bestimmte
- 3:31Situationen einfach meidet, wo Kritik drohen könnte.
- 3:34Man lernt dadurch also kein Neues, kein gesundes Verhalten.
- 3:38Gabriel sagt es ja klar, die Energie, die du in die
- 3:41Beobachtung und Bekämpfung steckst, die nährt unbewusst
- 3:44genau dieses Problem, weil es eben immer im Mittelpunkt steht.
- 3:48Und genau da setzt jetzt das an, was Gabriel ja fast provokant
- 3:53die Zuckerbrotrevolution nennt. Gemeint ist damit das Prinzip
- 3:57der positiven Verstärkung, klingt erst mal ganz einfach,
- 4:00oder? Wenn auf ein bestimmtes
- 4:02Verhalten eine angenehme Konsequenz folgt, also etwas
- 4:06Positives passiert, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass
- 4:10dieses Verhalten wieder gezeigt wird.
- 4:12Genau. Es ist im Grunde das Düngen von
- 4:15dem Verhalten, dass du gerne öfter sehen möchtest.
- 4:17Stell dir vor, statt immer nur Unkraut zu zupfen, gibst du den
- 4:21Blumen, die du magst, Wasser und Licht.
- 4:24Und das ist keine esoterische Idee oder so, dass es
- 4:27wissenschaftlich total fundiert die ganze Verhaltenspsychologie
- 4:31baut darauf auf CRF Studien zeigen das immer wieder, wenn
- 4:34man ganz gezielt und konsequent nüchterne Zeiträume belohnt oder
- 4:38auch prosoziales Verhalten prosozial.
- 4:40Was heißt das genau? Na ja, verhalten das gut ist für
- 4:44die Beziehung oder für die Gemeinschaft.
- 4:46Wenn jemand zum Beispiel hilft oder sich an Absprachen hält,
- 4:50eben etwas Konstruktives tut. Wenn man das belohnt, dann
- 4:54schwächt das die Anziehungskraft der sucht, weil eben alternative
- 4:58Verhaltensweisen plötzlich auch positive Gefühle und ja, gute
- 5:02Konsequenzen haben. Und Belohnung heißt jetzt nicht,
- 5:05ich muss ihm ständig Geschenke kaufen.
- 5:07Nein, nein, überhaupt nicht. Das betont der Artikel auch sehr
- 5:10deutlich. Oft sind die wirksamsten
- 5:12Verstärker ganz andere soziale Dinge, die nichts kosten.
- 5:17Ein ehrliches Lächeln im richtigen Moment, ein
- 5:20spezifisches Kompliment, aber eben aufrichtig gemeint.
- 5:24Oder einfach mal 5 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit,
- 5:27wirklich präsent sein, Handy weg, zuhören, das sind so kleine
- 5:32Dinge, die aber tiefe menschliche Bedürfnisse erfüllen
- 5:35können, nach Anerkennung, nach Zugehörigkeit danach gesehen zu
- 5:39werden, Bedürfnisse, die bei einer Sucht oft total auf der
- 5:43Strecke bleiben. Das wird ja noch mal richtig
- 5:45interessant, wenn man sich anschaut, warum das auf einer,
- 5:48ja biologischen Ebene so gut funktionieren kann.
- 5:51Sucht ist ja sozusagen ein Angriff auf unser
- 5:53Belohnungssystem im Gehirn. Das ist der Punkt.
- 5:56Substanzen wie Drogen oder auch Alkohol, die Fluten das Gehirn
- 6:01mit Dopamin, das ist ja dieser Botenstoff für Freude, für
- 6:04Belohnung, und zwar in einer Menge, die natürliche
- 6:08Belohnungen kaum erreichen. Das Gehirn lernt dadurch extrem
- 6:12schnell Substanz. Krasse, schnelle Belohnung da
- 6:16bildet sich quasi eine Datenautobahn für dieses Gefühl.
- 6:20Gleichzeitig passiert aber was anderes, die Fähigkeit, Freude
- 6:24an normalen Dingen zu empfinden, die Stumpft ab, ein nettes
- 6:27Gespräch, ein Hobby, Natur, das löst im Vergleich nur noch so n
- 6:32winzigen Dopamintropfen auswirkt, irgendwie langweilig.
- 6:36Man tritt also quasi in einen direkten Wettbewerb mit der
- 6:39Droge, oder? In das Dopamin.
- 6:41Ganz genau das ist es deine Aufgabe, wenn du positive
- 6:44Verstärkung nutzt, ist es bewusst neue kleine Dopaminpfade
- 6:49anzulegen. Für nüchternes Verhalten, für
- 6:52positives Verhalten. Jedes Mal, wenn du durch ein
- 6:55ehrliches Lob ein kleines Lächeln erzeugst, wenn ein
- 6:59Gefühl von Verbundenheit entsteht, wenn die Person sich
- 7:02durch deine Anerkennung vielleicht für einen kurzen
- 7:05Moment wertgeschätzt fühlt. Das sind alles kleine
- 7:08Dopaminausschüttungen. Klar, am Anfang ist dein Dünger
- 7:11vielleicht schwach im Vergleich zum Rausch, aber durch die
- 7:14Wiederholung, durch die Konsequenz stärkst du diese
- 7:17gesunden Pfade. Du zeigst dem Gehirn, hey, es
- 7:20gibt auch andere Wege, nicht zerstörische Wege, sich gut zu
- 7:23fühlen oder zumindest besser. Das ist ein Wettstreit, ja, aber
- 7:28einer, den man mit Geduld und Konsequenz führen kann.
- 7:32Puh, das erfordert aber wirklich n radikalen Wechsel im Kopf,
- 7:36oder? Gabriel fordert ja quasi Tausch
- 7:39die Handschellen gegen die Gießkanne, also weg vom
- 7:42Kontrollieren vom Überwachen vom Fehlersuchen wieso n Detektiv?
- 7:47Hin zum Aktiven Suchen nach den allerkleinsten positiven
- 7:51Ansätzen, wie ein Gärtner, der nach dem ersten zarten grünen
- 7:55Halm sucht. Ich stell mir das im Alltag
- 7:57wahnsinnig schwierig vor, gerade wenn man vielleicht verletzt ist
- 8:00oder wütend. Das ist es auch, das ist
- 8:03wahrscheinlich die größte Hürde dabei.
- 8:05Gabriel nennt das ja das Gesetz des Focus, worauf Du deine
- 8:09Energie richtest, das wächst. Als Suchtpolizist hast du oft,
- 8:13ohne es zu wollen, die Sucht genährt, weil sie im Mittelpunkt
- 8:17stand. Jeder Streit, jede Kontrolle hat
- 8:19Energie ins Problem gepumpt, als Oasengärtner triffst du die
- 8:23bewusste Entscheidung, diese Energie umzuleiten, du richtest
- 8:27deinen Scheinwerfer auf die winzigsten Anzeichen von Leben,
- 8:30von Gesundheit, von dem Menschen hinter der Sucht, den du ja
- 8:34eigentlich liebst. Gabriel beschreibt ja diese
- 8:36eigene Erfahrung so eindringlich.
- 8:39Für seinen Konsum gab es Reaktionen, oft negative, klar,
- 8:42aber es war Aufmerksamkeit für die Nüchternheit gab es oft ja
- 8:47leere, Stille, vielleicht sogar Misstrauen, und das Gehirn lernt
- 8:51daraus ganz unbewusst. Konsum führt zu Interaktion,
- 8:55Nüchternheit führt zu Isolation, eine klitzekleine positive Geste
- 8:59in einen nüchternen Moment hätte diesen Kreislauf vielleicht
- 9:02durchbrechen können. Deine Aufmerksamkeit ist eine
- 9:05unglaublich wertvolle Währung. Die Frage ist halt, investierst
- 9:09du sie weiter ins Problem oder fängst du an, sie gezielt in
- 9:13mögliche Lösungsansätze zu investieren?
- 9:15OK, das Prinzip leuchtet mir ein, aber wie fängt man denn
- 9:19jetzt ganz praktisch an, gerade wenn man vielleicht das Gefühl
- 9:22hat, positive Momente gibt es bei uns gar nicht mehr, Gabriel
- 9:26schlägt ja so n konkretes Survival Kit vor mit 3
- 9:30Schritten, wie sehen die denn aus?
- 9:32Der erste Schritt klingt fast banal, ist aber super wichtig.
- 9:36Finde die nüchternheitsfenster du musst ja erst mal wissen,
- 9:39wann der Boden überhaupt aufnahmefähig ist für deinen
- 9:42Dünger sozusagen, also gibt es Tageszeiten, wo dein Angehöriger
- 9:47mit höherer Wahrscheinlichkeit nüchtern ist.
- 9:49Direkt nach dem Aufwachen vielleicht oder die halbe Stunde
- 9:53vor der Arbeit, vielleicht diese kurze Zeit nach dem Heimkommen,
- 9:56bevor der erste Griff zur Substanz passiert.
- 9:59Diese Zeitfenster, auch wenn sie kurz sind, das sind deine
- 10:03Ankerpunkte. Das macht Sinn.
- 10:04Man muss ja den richtigen Moment erwischen und dann Schritt 2.
- 10:08Schritt 2 ist erstell dir dein ganz persönliches Belohnungsmenü
- 10:14und hier ist der Kniff, den Gabriel betont.
- 10:17Mach eine Liste mit kleinen einfachen Dingen, am besten
- 10:20kostenlos, über die sich dein Angehöriger freuen würde, nicht
- 10:25unbedingt du. Was für dich eine Belohnung ist,
- 10:28kann für den anderen ja völlig egal sein.
- 10:30Der Artikel gibt ja Beispiele, ein ehrliches spezifisches
- 10:34Kompliment, so was wie ich fand es echt toll, wie ruhig du eben
- 10:37am Telefon geblieben bist oder 5 Minuten ungeteilte
- 10:41Aufmerksamkeit, Handy weglegen, anschauen, wirklich zuhören,
- 10:45eine kleine passende Geste der Zuneigung, wenn es passt, den
- 10:49Lieblingstee kochen, Fragen wollen wir kurz zusammen 10
- 10:52Minuten von deiner Lieblingsserie gucken.
- 10:54Es geht um kleine Zeichen der Wertschätzung, die für diese
- 10:58Person eine Bedeutung haben. Und der dritte Schritt ist dann
- 11:02die konkrete Umsetzung. Genau.
- 11:05Nimm dir eine Sache von Deiner Liste und einen klaren Vorsatz
- 11:09für die Woche in den nächsten 7 Tagen wirst du genau einmal
- 11:12versuchen, diese kleine Belohnung gezielt in einem
- 11:15dieser Nüchternheitsfenster einzusetzen, ohne riesige
- 11:18Erwartungen, dass sich sofort alles ändert, einfach mal
- 11:21machen. Und Gabriel sagt ja auch,
- 11:23beobachte dabei nicht nur den anderen, sondern vor allem auch
- 11:27dich selbst. Was macht dieser andere Fokus
- 11:30mit dir? Das Beispiel mit der
- 11:32Spülmaschine im Artikel fand ich da sehr gut.
- 11:34Jemand kommt nüchtern nach Hause, was vielleicht selten ist
- 11:37und räumt die Spülmaschine aus. Was wäre da jetzt die Gute, die
- 11:40Craft konforme Reaktion? Genau.
- 11:43Reaktion A wäre Nichtssagen ist ja normal, das ist neutral.
- 11:48Aber du verpasst eine Chance. Reaktion C wäre die Katastrophe.
- 11:54Na endlich räumst du auch mal auf, wird ja Zeit, das ist
- 11:58vergiftet, das bestraft er. Die hilfreiche Reaktion B nach
- 12:02CRFT wäre so was wie Wow danke das ist echt ne riesige Hilfe
- 12:08für mich gerade du komm ich mach uns schnell n Kaffee, setz dich
- 12:12doch n Moment. Hier benennst du das Verhalten
- 12:14klar, danke Hilfe, gibst ehrliche Anerkennung und hängst
- 12:19ne kleine positive soziale Konsequenz dran, den gemeinsamen
- 12:22Kaffee damit verstärkst du ja nicht primär das Ausräumen der
- 12:26Maschine, sondern das viel wichtigere Verhalten dahinter,
- 12:30nüchtern nach Hause kommen und sich konstruktiv einbringen,
- 12:33das. Klingt alles sehr logisch und
- 12:35durchdacht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass jetzt bei
- 12:38dir, liebe Hörerinnen, lieber Hörer, einige Fragen oder auch
- 12:41Zweifel aufkommen. Gabriel geht im Artikel ja auch
- 12:44auf so typische Bedenken ein, nach dem Motto, Moment mal, das
- 12:47fühlt sich irgendwie komisch an oder was, wenn das eh alles
- 12:51nichts bringt, lass uns da mal genauer drauf schauen, was sind
- 12:54denn so typische Einwände? Das ist total wichtig, diese
- 12:57Bedenken auch ernst zu nehmen. Die sind ja nachvollziehbar.
- 13:01Eine häufige Frage ist zum Beispiel, soll ich jetzt ganz
- 13:04normales Verhalten belohnen, muss ich jetzt danke sagen, wenn
- 13:08er sich die Schuhe zubindet. Ja, genau.
- 13:11Das wirkt doch irgendwie absurd, oder?
- 13:12Der Punkt ist, es geht nicht darum, Selbstverständlichkeiten
- 13:17zu feiern, Nein, sondern darum, gezielt das Verhalten zu
- 13:21verstärken, das eine Alternative zum Konsum darstellt.
- 13:25Wenn ein Angehöriger normalerweise bei Stress trinkt,
- 13:29aber diesmal stattdessen tief durchatmet oder kurz rausgeht.
- 13:33Dann ist dieses Durchatmen oder rausgehen in diesem speziellen
- 13:36Kontext eben keine Selbstverständlichkeit.
- 13:39Es ist ein aktiver Schritt weg von der sucht, du Belohnst also
- 13:43nicht das Atmen an sich, sondern die Wahl einer gesünderen
- 13:47Strategie anstelle des Konsums, das ist der Unterschied.
- 13:50OK, das verstehe ich. Aber was ist mit diesem anderen
- 13:54Bedenken? Was ist wenn ich ihn lobe, weil
- 13:56er heute morgen nüchtern war und eine Stunde später trinkt er
- 13:59trotzdem? Das ist doch total entmutigend.
- 14:02Ja, und das wird passieren. Gerade am Anfang sucht es eine
- 14:06mächtige Krankheit, das darf man nicht vergessen, hier ist es
- 14:09ganz entscheidend, die Momente mental zu trennen, so wie
- 14:12Gabriel das rät. Dein Lob, deine positive Geste,
- 14:16die galt dem nüchternen Moment davor, dieser Moment war real,
- 14:20er war positiv und du hast ihn verstärkt, der spätere Rückfall
- 14:25ist eine andere Situation. Die erfordert dann vielleicht
- 14:28andere Reaktionen, zum Beispiel natürliche Konsequenzen
- 14:30zuzulassen. Das ist aber wieder ein anderes
- 14:32Thema, wichtig ist, gibt die Verstärkung für den guten
- 14:36Moment, ohne die Erwartung, dass damit sofort alles dauerhaft gut
- 14:41ist. Du säst Samen, die Ernte kommt
- 14:44vielleicht erst später, es ist ein Prozess und Rückschläge
- 14:48gehören leider dazu. Dann kommt oft dieses ungute
- 14:51Gefühl. Das fühlt sich an wie
- 14:52Manipulation oder wie Hundetraining kann ich auch
- 14:56nachvollziehen. Ja, das Gefühl kennen viele.
- 14:59Es entsteht oft, weil die Beziehung durch die sucht schon
- 15:01so negativ aufgeladen ist, voller Misstrauen, Kontrolle,
- 15:05Verletzungen, da wirkt eine einfache, positive Geste
- 15:09plötzlich irgendwie künstlich oder berechnend, aber mal
- 15:13ehrlich, positive Verstärkung ist die Grundlage von jeder
- 15:17funktionierenden Beziehung. Wir alle machen Dinge lieber und
- 15:20häufiger, für die wir Anerkennung oder Wertschätzung
- 15:22bekommen. Du bringst der Beziehung im
- 15:24Grunde etwas bei, was sie durch die Sucht verlernt hat.
- 15:27Positive Interaktion es geht nicht um Dressur, sondern darum,
- 15:32gesunde Muster wiederzubeleben. Ein ganz wichtiger Punkt ist
- 15:35sicher auch die eigene Gefühlslage.
- 15:38Ich soll nett sein, obwohl ich innerlich koche vor Wut und
- 15:40Enttäuschung. Unbedingt ein wichtiger Punkt.
- 15:43Positive Verstärkung ist eine Strategie, kein gefühlskommando
- 15:48du musst und sollst nicht deine ehrlichen Gefühle unterdrücken,
- 15:51wenn du gerade wahnsinnig wütend oder tief verletzt bist, dann
- 15:55ist es wahrscheinlich besser, nichts zu tun oder dich kurz
- 15:58zurückzuziehen. Eine gequälte, unehrliche
- 16:01Belohnung auszusprechen, das spürt der andere sofort und
- 16:04bringt nichts. Authentizität ist wichtig such
- 16:07dir für den Anfang vielleicht Momente, in denen du die
- 16:10positive Geste auch wirklich ehrlich meinen kannst.
- 16:12Selbst wenn Sie nur klein ist. Es ist ein Werkzeug, das du
- 16:16bewusst einsetzt, wenn es passt. Nicht immer und um jeden Preis.
- 16:20Und die vielleicht schwierigste. Fast schon verzweifelte Frage.
- 16:24Was, wenn es einfach überhaupt keine positiven Momente mehr
- 16:28gibt, wenn alles nur noch negativ ist?
- 16:30Das ist der Punkt, wo viele das Handtuch werfen wollen,
- 16:33verständlicherweise. Gabriel sagt aber, dass es oft
- 16:36ne Frage der Wahrnehmung ist. Die ist durch die ständige
- 16:39Belastung natürlich getrübt. Dein Job als Oasengärtner ist es
- 16:44dann selbst in der trockensten Wüste nach dem allerkleinsten
- 16:48Grünen Halm Ausschau zu halten. Hat er heute morgen vielleicht
- 16:52Hallo gesagt? Statt zu schweigen, hat er seine
- 16:54Tasse in die Spüle gestellt, hat er 5 Minuten ruhig auf dem Sofa
- 16:58gesessen, ohne sofort zum Handy oder zur Flasche zu greifen.
- 17:02Es geht darum, die Messlotte radikal runterzusetzen, den
- 17:06Blick zu schärfen für das kleinste Anzeichen von etwas
- 17:09anderem als dem Problemverhalten.
- 17:11Fast immer findet sich irgendetwas, wenn man ganz
- 17:14gezielt danach sucht. Und dieser klitzekleine Halm,
- 17:18das ist der Ansatzpunkt für den allerersten Tropfen Wasser für
- 17:21die erste kleine positive Verstärkung.
- 17:24Gabriel teilt am Ende ja noch eine sehr, sehr bewegende
- 17:27persönliche Erfahrung. Die bringt das Ganze noch mal
- 17:30auf den Punkt, finde ich nach einem Tag, an dem er es
- 17:32geschafft hatte, 24 Stunden clean zu bleiben, was für ihn
- 17:36damals seine Ewigkeit war, da hat er abends eher Misstrauen
- 17:40erwartet oder Vorwürfe, stattdessen kam seine Angehörige
- 17:43zu ihm und hat einfach nur gesagt.
- 17:45Hey, ich wollte nur sagen, es war heute wirklich schön,
- 17:49einfach nur mal mit dir zu reden.
- 17:51Ich hab deine Stimme vermisst. Puh, ja kein Wort über Drogen,
- 17:57keine Forderungen, keine Zukunftsprognosen, einfach nur
- 18:01diese Wahrnehmung und die Wertschätzung dieses einen
- 18:04Moments. Der Moment der Verbindung des
- 18:07Menschseins jenseits der Sucht. Und Gabriel schreibt ja dieser
- 18:11eine einfache Satz, der wog schwerer als 100 Predigten.
- 18:15Er hat nicht die Sucht geheilt, natürlich nicht, aber er hat ihm
- 18:18etwas unglaublich Wertvolles gezeigt, dass er als Mensch noch
- 18:22da ist, noch wahrgenommen wird, dass es etwas an ihm gibt, das
- 18:25vermisst wird. Ein winziger Vorgeschmack auf
- 18:28ein Leben, für das es sich vielleicht doch lohnen könnte zu
- 18:30kämpfen. Das zeigt echt die Macht, die in
- 18:33diesen scheinbar kleinen Dingen stecken kann.
- 18:34Genau das, ein Lächeln im richtigen Moment, ein ehrliches,
- 18:39spezifisches Kompliment, ein Moment geteilter Ruhe.
- 18:43Du belohnst damit ja nicht die sucht.
- 18:45Du belohnst den Menschen dahinter, du erinnerst ihn und
- 18:49vielleicht auch dich selbst daran, dass dieser Mensch unter
- 18:52der sucht noch existiert und dass es sich lohnt, nach ihm zu
- 18:56suchen. Wenn dir dieser Beitrag jetzt
- 18:58gefallen hat und du die Arbeit von Nilix Berlin generell
- 19:01wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine
- 19:04Unterstützung freuen. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 19:07du diesen Beitrag zum Beispiel auf Social Media teilst oder die
- 19:11Inhalte hier auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts
- 19:14bewertest und Likest. Das Projekt Milix Berlin wird
- 19:17komplett allein von Gabriel finanziert und auch erstellt.
- 19:21Jede Form der Unterstützung hilft Gabriel wirklich dabei,
- 19:24mit diesem Projekt sich selbst und gleichzeitig anderen
- 19:26Betroffenen zu helfen, sein persönliches Motto, das ihn
- 19:30antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben etwas
- 19:33Gutes zu machen. So was nehmen wir jetzt aus
- 19:36diesem Gespräch mit für dich vielleicht vor allem dieser eine
- 19:38Gedanke. Deine Aufmerksamkeit ist ein
- 19:41unglaublich starkes Werkzeug, du hast jeden Tag die Wahl, worauf
- 19:45du sie lenkst. Nährst du weiter unbewusst das
- 19:48Problem oder fängst du an, ganz bewusst die kleinen Pflänzchen
- 19:51der Hoffnung zu suchen, die kleinen Anzeichen von
- 19:55Veränderungen und die dann gezielt zu wässern?
- 19:58Und vielleicht noch ein abschließender Gedanke, der
- 20:01schon ein bisschen auf Gabriels nächsten Teil hindeutet.
- 20:05Wie könntest du vielleicht noch systematischer nach diesen
- 20:08kleinen Oasen suchen? Gabriel kündigt ja an, dass er
- 20:12die Funktionsanalyse für nüchternes Verhalten vorstellen
- 20:15will, das ist eine Methode, um quasi eine Landkarte dieser
- 20:19positiven Momente zu erstellen, damit kannst du dann noch
- 20:22gezielter Gelegenheiten für positive Verstärkung finden oder
- 20:26sie vielleicht sogar bewusst schaffen.
- 20:28Vielleicht ist das ja ein Anstoß für dich, schon jetzt mal
- 20:31darüber nachzudenken, wo genau im Alltag deines Angehörigen
- 20:35könnten sich solche Kleinen, oft übersehenen Momente verstecken.
- 20:39Momente, die du bewusst suchen und mit deiner positiven
- 20:43Aufmerksamkeit düngen könntest. Vielen Dank, dass du dir die
- 20:46Zeit genommen hast und uns zugehört hast.
- 20:49Pass gut auf dich auf und bis zum nächsten Mal.