Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Philipp von Steinaecker: „Ich fragte mich: Was bedeutet das?“
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- 0:00Der erste Moment war wirklich so, wie schön, wie wunderschön.
- 0:05Und diese Instrumente haben, genau, die sind nicht jetzt vollkommen anders.
- 0:12Nicht, dass man das Stück nicht wiedererkennen würde oder so.
- 0:15Die sind einfach, die haben ein bisschen mehr Charakter, würde ich sagen.
- 0:21Die Klarinette klingt mehr nach Klarinette, Oboe klingt mehr nach Oboe, so in diesem Sinne.
- 0:30Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Amt.
- 0:41Schönen guten Tag. Bei mir in der Folge geht es heute um ein ehemaliges Kind,
- 0:45das hier in Hamburg wohl mal dann irgendwann im Auto mit seinen Eltern saß und
- 0:49da eine Kassette eingeschoben hat und dann lief Mahler neunte.
- 0:53Und da soll er gesagt haben, das ist meine Musik. Er wurde dann Cellist,
- 0:56wurde Gründungsmitglied vom Mahler Chamber Orchestra, war Assistent von Abado
- 0:59und macht seit einigen Jahren etwas, was eigentlich noch keiner vorher so gemacht
- 1:02hat. Nämlich er spielt die Musik von Mahler so, wie Mahler sie gemeint haben könnte.
- 1:07Mit Instrumenten, die er auf Kirchenböden, in Adiquitätenläden und auf Ebay
- 1:10aufgespürt hat. Die Weltpremiere war in Toblach. Die FAZ hat geschrieben den
- 1:14Namen Philipp von Steinecker. Da wird man sich merken müssen.
- 1:17Das tun wir dann jetzt mal.
- 1:19Philipp von Steinecker ist aus Hamburg, ist Cellist und Dirigent und ist heute
- 1:24hier, weil er am 18.09. in der Elbphilharmonie mit seinem Orchester,
- 1:27mit dem Mahler Academy Orchestra da ist und Mahler 9 spielt.
- 1:31Das fügt sich also ganz gut erstmal Moin.
- 1:34Moin, freut mich sehr, wieder im Norden mal anzudocken. Guten Tag.
- 1:39Also, ich habe einige Fragen, die drehen sich natürlich hauptsächlich um Mahler,
- 1:43aber ich habe das nicht ganz verstanden. Sie waren im Auto unterwegs,
- 1:48dann gab es da die Kassette und da lag dann nicht Bravo Hits 3 oder so,
- 1:51sondern da war Mahler dabei.
- 1:55Das ist witzig, das habe ich wahrscheinlich irgendwo mal erzählt,
- 1:58diese Geschichte. Aber ich habe diese von meinem Patenonkel Wolfgang,
- 2:05der hat mir das zum Geburtstag geschenkt.
- 2:08Also es war jetzt nicht so ganz zufällig alles.
- 2:10Aber der hat mir das geschenkt und es war die Karajan-Aufnahme.
- 2:13Und früher konnte man das ja noch so, auch so die deutsche Grammophonsachen
- 2:17gab es als CD, Schallplatte und Audiokassette.
- 2:21Die Älteren unter uns werden sich daran erinnern. Und das habe ich gekriegt,
- 2:26die Audiokassette. Und dann, genau, an dem Tag, ich musste da irgendwo hin,
- 2:30was weiß ich, zwischen Hello-Stunden oder was, mit meinem Vater war ich im Auto
- 2:33und dann habe ich das eben eingelegt.
- 2:34Und dieser Anfang, das hat mich sofort total in Bann geschlagen,
- 2:40der Anfang von dieser neunten Symphonie.
- 2:42Und ich kann mich auch erinnern, dass ich dann so spätere Sachen in dem Stück.
- 2:49Fand ich gleich irgendwie schwierig und so. Aber dieser Anfang,
- 2:54das ist so eine ganz starke Erinnerung von mir, dass ich das Gefühl hatte,
- 2:57dass es meins irgendwie.
- 2:59Und ich habe dann später bemerkt, dass die allermeisten Menschen das Gefühl
- 3:03haben, wenn sie diesen Anfang hören, dass es ihre Musik ist oder dass sie das ganz direkt anspricht.
- 3:09Also der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
- 3:13Sowas, ja, genau. Und dann, da haben sie schon Cello gespielt und offensichtlich
- 3:17auch nicht so ganz schlecht.
- 3:19Denn mit 14, glaube ich, waren sie zum ersten Mal schon im Gustav Mahler Jugendorchester
- 3:24und haben, wenn meine Archivsuche nicht trügt, in der Leisheile gespielt unter Abado.
- 3:29Das ist ja ein relativ flotter... Ja, nein, nein, also da ist irgendwas so ganz
- 3:36leicht durcheinander gekommen. Also, als ich 14 war, das war 87.
- 3:43Das war das erste Mal Schleswig-Holstein-Festival. Das war ja auch eine Riesensache,
- 3:48wenn man so in Norddeutschland lebte. Plötzlich war so ein tolles Festival bei
- 3:52uns, nicht nur in Salzburg.
- 3:55Und da hat der Abado das Gustav Mahler Jugendorchester dirigiert mit der ersten Mahler.
- 4:01Und da bin ich hin und das hat mich vollkommen von den Socken gehauen,
- 4:06dieses Konzert. Aber ich war nur im Publikum.
- 4:08Das hat mich total von den Socken gehauen.
- 4:11Und auch, weil, also das war, naja, so eine erste Maler, das ist natürlich irgendwie was Unglaubliches.
- 4:18Und das war auch irgendwie, das war natürlich auch alles nur so ein Zufall,
- 4:21aber ich wollte dann ein Autogramm haben von ihm. Und dann bin ich so gleich
- 4:26an diese Bühnentür, wo man so von der Bühne runterkommt. Da konnte man in der
- 4:29Musikkarte, kann man schon immer noch, kann man da so direkt vom Publikum da rein.
- 4:33Und da kam er gerade so vom Applaus so raus. Und ohne mich zu kennen oder mich
- 4:39je gesehen zu haben, hat er mich so umarmt.
- 4:41Er war wahrscheinlich selber so emotional.
- 4:46Und da fühlte ich mich natürlich bis zur Kampfbereitschaft bestärkt in dem Wunsch, Musiker zu werden.
- 4:54Und das ist aber auch so ein Konzert, was ich sehr, sehr erinnere.
- 4:58Und dann war ich aber erst mal im Bundesjugendorchester mit 15,
- 5:01natürlich extrem prägende Erfahrung. Und dann mit 17 war ich dann tatsächlich,
- 5:07im Gustav Mahler Jugendorchester.
- 5:09Natürlich im Gustav Mahler-Jugendorchester, anderes wäre nicht in Frage gekommen.
- 5:15Weiß ich gar nicht, ja. Also die haben einfach in dem Sommer,
- 5:17haben die gespielt, fünfte Maler mit dem Abado. Und.
- 5:24Da wollte ich unbedingt dabei sein, einfach nachdem ich diese erste gehört hatte.
- 5:28Und dann war ich dann natürlich Fan von dem Abado und so. Und dann habe ich
- 5:34das gesehen, dass die das spielen.
- 5:36Sie haben dann ja später, wenn das Archiv jetzt nicht wieder daneben liegt,
- 5:40Sie haben in New York an der Juilliards studiert und in Paris.
- 5:42Und dann dirigieren in Wien. Da muss es ja irgendwann mal den Hebel gegeben
- 5:48haben, den sie umgelegt haben von Cello spielen ist schön und gut,
- 5:50aber ich will jetzt dirigieren.
- 5:53Ja, wisst ihr, ich hatte das eigentlich schon ganz früh, so diesen Gedanken,
- 5:59ja, so auch als Teenager.
- 6:03Dass mir das eigentlich wahnsinnig gefallen würde und ich habe dann aber,
- 6:08das hatte mehrere Gründe, also erstens war ich,
- 6:12Wie soll ich das sagen? Also ich habe überhaupt angefangen, Tendo zu spielen,
- 6:16weil ich Opern spielen wollte, weil ich hatte so ganz früh irgendwie so eine
- 6:21plötzliche Verknalltheit in die Zauberflöte und deshalb,
- 6:26das war dann irgendwie klar, doch nicht irgendwie U-Bahn-Fahrer,
- 6:30sondern oder was man halt so irgendwie will in dem Alter, sondern irgendwie Musiker. Und dann ja,
- 6:39Und später dachte ich, dirigieren wäre toll, aber ich konnte nicht Klavier spielen.
- 6:43Und mir haben immer alle gesagt, naja, da musst du ein fantastischer Pianist
- 6:47sein, da hast du da keine Chance. Und ich hatte auch so,
- 6:53Musiklehrer und Kammermusiklehrer, die mir gesagt haben, nee,
- 6:57werd ein Cellist, das ist was Ehrliches und das setzt dir keine Flausen in den Kopf.
- 7:04Und das hat mich auch sehr beeindruckt damals und sehr beeinflusst.
- 7:10Aber ich habe dann später gemerkt, als wir dann schon das Mahler Chamber Orchestra
- 7:14gegründet hatten, da haben wir dann ganz viel mit dem Daniel Harding gespielt
- 7:18in den ersten Jahren. Und Daniel hat ja auch.
- 7:23Keine klassische Dirigier-Ausbildung gehabt, sondern er hat einfach ein bisschen
- 7:28Unterricht bei Simon Rattle und bei zwei, drei anderen.
- 7:31Und dann hatte der irgendwie sofort die Karriere und Klavier spielen.
- 7:34Ja, kann er so ein bisschen, aber jetzt so ungefähr kann ich das auch.
- 7:39Und da wurde mir erst so klar, ach so, man muss gar nicht jetzt immer genau
- 7:44den Weg gehen, der so von der Tradition oder der Musikhochschule vorgezeichnet
- 7:52ist, sondern es kann vielleicht auch andere Wege geben.
- 7:54Und dann habe ich mich darum bemüht eben und dann hat das auch geklappt.
- 7:59Dann konnte ich das in Wien studieren, quasi so im dritten Bildungsweg oder wie man mal sagt.
- 8:05Und dann gab es auch keinen Phantomschmerz von wegen, oh mein Cello,
- 8:08ich würde doch gerne, aber jetzt bin ich halt Dirigent.
- 8:11Nee, weil ich habe auch immer weiter Cello gespielt und ich spiele auch jetzt
- 8:14noch Cello. Deshalb, ich habe da keine, das ist eine langsame Entwöhnung.
- 8:21Und dann, wie ging das dann weiter? Also ich meine, Sie haben,
- 8:24ich habe mal nachgeguckt, wenn unser Archiv jetzt nicht trügt,
- 8:28der letzte Artikel, in dem Sie erwähnt wurden bei uns, war im Jahr 2000,
- 8:32da ging es um die Stormann-Schule in Ahrensburg und da wurden Sie als Talent
- 8:36Deserving by the Recognition so ungefähr erwähnt, der,
- 8:39ein junger Musiker, der dann auch schon mal in Paris oder New York gewesen sei
- 8:43und so, aber jedenfalls danach hat sie das Schicksal, Gott weiß,
- 8:46vorhin verschlagen, aber nicht mehr nach Hamburg.
- 8:50Das ist jetzt ihr Dirigiergebüge gewissermaßen und das dann auch gleich in der Ebene.
- 8:56Genau, Hamburg ist natürlich in meinem Herzen und den HSV verfolge ich nach
- 9:04wie vor mit großer Leidenschaft.
- 9:08Aber irgendwie, ja, meine Eltern sind dann auch weggezogen aus Ahrensburg.
- 9:12Das lag vielleicht, dann ist man einfach auch nicht mehr so viel da.
- 9:15Also wir waren auch nicht zu Weihnachten oder so für diese Anlässe.
- 9:19Und ich habe aber natürlich viel in Hamburg gespielt mit dem Mahler Chamber Orchestra.
- 9:25Mit dem Luzern-Festival-Orchester und so weiter.
- 9:29Aber als Dirigent eben noch nie. Und da freue ich mich natürlich wahnsinnig,
- 9:34dass das jetzt so in der Elbphilharmonie klappt. Das ist natürlich super.
- 9:41Sie haben ja dann im Laufe dieser Karriere, Sie waren Assistent bei Abado,
- 9:47Sie waren bei Harding, Sie waren bei Rattle, Sie waren bei Jurovsky, Sie waren bei Gardiner.
- 9:52Also diese Leerphase, ist das was, was man aktiv dann mitnimmt in das eigene
- 9:57Dirigierleben oder kommt dann so eine Abnabelungsphase, wo Sie sich gesagt haben,
- 10:02ab hier bin ich jetzt mein eigener Herr und Meister, was davor passiert ist,
- 10:08war alles okay, aber ab jetzt muss ich selber auf eigenen Füßen stehen und dirigieren
- 10:12und das davor war alles Leerzeit, aber ist jetzt auch vorbei.
- 10:15Oder klingt das gewissermaßen noch nach? Gibt es, keine Ahnung,
- 10:18gibt es bestimmte Gesten, die sich mitgenommen haben oder kleine Tricks,
- 10:23wie man einen bockbeinigen Bratscher wieder einfängt oder ich weiß nicht was?
- 10:28Tolle Frage. Es ist eine sehr, sehr komplexe Angelegenheit.
- 10:34Also, dass ich da bei diesen ganzen Leuten assistieren durfte,
- 10:39das lag daran, dass ich direkt nach diesem Dirigierstudium,
- 10:43so einen Wettbewerb gewonnen hatte in London bei dem Orchestra of the Age of
- 10:47Enlightenment und das dazu gehörte, dass man deren Assistent.
- 10:53Wurde, also der Assistent des Orchesters.
- 10:56Quasi allen Dirigenten, die dort in dem Jahr Konzerte gegeben haben,
- 11:01habe ich dann assistiert, so jeweils für eine Woche.
- 11:04Beim Rattle waren es irgendwie drei, weil es war eine längere Tournee.
- 11:09Und beim Abado und beim Gardiner war es, das war davon unabhängig,
- 11:15das waren Kontakte, die ich selber hatte.
- 11:17Und das waren viel längere Assistenzen.
- 11:21Ja, das hat mich alles sehr, sehr beeinflusst.
- 11:26Und ich muss allerdings sagen, dass ich dann schon, ich war dann schon so Anfang
- 11:3030, ja, oder Mitte 30 eigentlich.
- 11:33Also ich habe nicht direkt nach dem Cellostudium, sondern wir haben erstmal
- 11:36das Mahler Chamber Orchestra gegründet und ich habe da eben gespielt und dann
- 11:41hat sich das so ergeben. Dann habe ich zwei Jahre Delegieren studiert,
- 11:43dann habe ich das gewonnen,
- 11:47genau, 2008 oder 2009 oder so war das. Und mich hat das sehr beeinflusst.
- 11:52Und dieses, dass man sich so abnabelt.
- 11:56Ich dachte eigentlich damals schon, dass ich total unabhängig und so mein eigener Kopf wäre.
- 12:04Und ich realisiere, also gerade heute Morgen habe ich es nämlich gedacht, bei ganz vielen Sachen,
- 12:11dass ich eigentlich erst jetzt anfange, wirklich auch ganz andere Meinungen
- 12:17zu haben als zum Beispiel der Abado. Also gerade sein Einfluss war,
- 12:22unglaublich stark auf mich.
- 12:27Auch interpretatorisch, also auch gerade bei Mahler, weil ich hatte auch diesen
- 12:30ganzen Zyklus mit ihm im Luzern Festival Orchestra gespielt.
- 12:34Es war extrem prägend und sich davon zu,
- 12:41entfernen oder das loszulassen, war gar nicht so einfach, also weil einfach
- 12:45so, wie er das gemacht hatte, ich fand das so toll, das hat mir so, aber.
- 12:52Ich glaube, was so passiert ist, dass man mit der Zeit,
- 12:55merkt, wie man selber interpretieren will.
- 12:59Also was einem stilistisch gefällt, oder zumindest ist das so mein Zugang,
- 13:06dass ich sage, okay, mich inspiriert eine bestimmte stilistische Richtung.
- 13:11Und dann will ich darüber alles wissen. Aus dieser Information ergeben sich
- 13:16oft andere Ergebnisse, als ich es vielleicht kenne oder als der Abados gemacht
- 13:21hat oder auch als der Gardinas gemacht.
- 13:23Und daraus entwickeln sich meine Interpretationen. Und da komme ich dann schließlich
- 13:30manchmal zu ganz anderen Ergebnissen, auch nicht immer, aber manchmal schon.
- 13:34Und da merkt man dann, ach so, okay, das war die Abnabelung,
- 13:38also wo ich vorher dachte, ich mache jetzt meins, da war ich gar nicht so.
- 13:43Natürlich, was man ganz viel lernt, sind tatsächlich bestimmte Gesten,
- 13:49Aber auch so die Psychologie, was Sie gesagt haben mit dem Pratscher.
- 13:57Wie man irgendwie auch Ergebnisse bekommen kann von Leuten, die man erstmal
- 14:03so gewinnen muss für sich oder so.
- 14:05Also es ist ja nicht gesagt, dass alle sofort Lust haben, da nach einer bestimmten Pfeife zu tanzen.
- 14:11Da habe ich schon viel gelernt von denen und teilweise auch von anderen,
- 14:18auch als Cellist gesehen, wie es nicht funktioniert.
- 14:23Und das ist ja auch sehr, sehr, sehr wertvolle Lehre.
- 14:29Ihre Karriere ist jetzt nicht, wie soll ich sagen, auf der großen,
- 14:32gut beleuchteten Autobahn straight unterwegs gewesen, sondern sie haben eine
- 14:37Menge, keine Umwege, aber andere Wege genommen.
- 14:40Und jetzt nicht im Lebensjahr auf die schicken, prestigeträchtigen Chefposten
- 14:44bei diesem oder jedem Orchester, sondern da ist alles Mögliche drin,
- 14:47aber jetzt nichts, wo man gleich sofort vor Begeisterung umfallen würde und
- 14:51sagen würde, ja meine Güte, der hat aber einen Durchmarsch gemacht.
- 14:54Ist das okay so oder haben sie vielleicht auch gar nicht...
- 14:58Oder sind Sie gar nicht konform mit diesem Betrieb, der ja doch einen großen
- 15:02Teil von Angepasstheit auch gerne mal mitnimmt, sondern Sie haben sich dann
- 15:06eher gesagt, ja, ja, macht ihr mal, aber ich mache mein eigenes Ding?
- 15:10Oder schmerzt das im Nachhinein, dass Sie sich, wieso haben verdammt nochmal
- 15:14die Wiener Philharmoniker nicht angerufen und wieso nicht die Berliner Philharmoniker?
- 15:19Die brauchten doch vor ein paar Jahren einen neuen Chef. Wieso bin ich das nicht?
- 15:23Also noch lebe ich ja, es ist ja noch nicht zu spät.
- 15:30Und davon abgesehen, schauen Sie,
- 15:36im Moment denkt man dann, habe ich schon manchmal auch gedacht.
- 15:42Warum der und mich ich, oder jetzt nicht bei den Berliner Philharmonikern,
- 15:45Aber dass so eine bestimmte,
- 15:49Geradlinigkeit in der Karriere passiert, wo einfach klar ist,
- 15:54okay, in zwei, drei Saisonen ist jemand irgendwie an der Spitze oder so,
- 15:59das war bei mir nicht so.
- 16:00Und das bedeutet auch Schmerz oder Schmerz?
- 16:06Sorge oder Frustration oder Selbstzweifel.
- 16:12Letztlich, ich meine, ich bin jetzt kein Jüngling mehr, deshalb habe ich da
- 16:17schon auch so einen gewissen Abstand.
- 16:20Letztlich glaube ich, erstens war das vielleicht auch so zu erwarten,
- 16:25weil eben keine klassische Ausbildung und aus dem Orchester raus,
- 16:28das ist immer eher etwas schwieriger.
- 16:31Und ich glaube auch die Sachen kommen, wenn man dafür bereit ist.
- 16:35Also es gibt Sachen, wo ich weiß, vor zehn Jahren hätte ich das gerne gemacht,
- 16:42und jetzt denke ich, gut, dass ich es nicht gemacht habe.
- 16:45Okay, dann biegen wir doch mal in die Richtung ein, in die ich eigentlich wollte,
- 16:53zu dem Mahler Academy Orchestra und überhaupt zu Mahler.
- 16:56Also Maler auf historisch informierten Instrumenten gewissermaßen oder auf den
- 17:03zeitgemäß passenden Instrumenten.
- 17:05Wieso jetzt, abgesehen von dieser frühen Begeisterung für Maler,
- 17:09wieso ausgerechnet für Maler? Sie hätten ja auch das bei Bruckner probieren
- 17:13können, bei Brahms, meine Damen und Herren, oder bei Mendelssohn.
- 17:16Die Vorprägung durch den Maler in der Jugend schon klar.
- 17:20Aber was macht es so Lohn, sich jetzt mit Maler auseinanderzusetzen?
- 17:24Ich gebe jetzt mal eine Vermutung, dass der so auf der Kippe steht,
- 17:27von der Spätromantik zu Moderne, dass man also.
- 17:30Schönberg ist schon durch, der hätte schon moderne Instrumente,
- 17:34Beethoven ist wieder eine andere Geschichte, aber weil Mahler so auf der Kippe
- 17:38steht, zwischen dem Ende einer Epoche und dem Beginn einer anderen Epoche oder
- 17:42wieso, haben sie sich gesagt, ich muss jetzt dieses Orchester gründen, wir müssen uns,
- 17:46ins Wahnsinnige suchen, um passende Instrumente zu finden.
- 17:50Das wird im Prinzip so eine One-Man-Show, weil alle am Anfang denken werden,
- 17:54wahrscheinlich, der ist jetzt komplett durchgedreht, was soll dieser Aufwand?
- 17:58Was ist denn die Antwort darauf?
- 18:01Also.
- 18:05Das Interesse, okay, es ist ein bisschen zweigeteilt.
- 18:09Die Idee kam mir tatsächlich, während wir hier in Luzern, wo ich jetzt gerade
- 18:14auch sitze, die Malersinfonien alle gemacht haben mit dem Abado.
- 18:19Und in der Zeit war ich als Dirigent Assistent beim Gardiner,
- 18:24der ja so einer der führenden Originalinstrumenten exegeten ist.
- 18:29Und da diese Denkweise, also dass man irgendwie,
- 18:35immer fragt, ja okay, das spielen wir zwar so, aber wie ist es gemeint,
- 18:40also wenn er schreibt, dieses Instrument oder wenn er für die Trompete Fortissimo
- 18:44schreibt und für das Horn drei Pforte, wie ist das,
- 18:48warum ist das so, will er da mehr Horn hören oder ist das alte Horn leiser als die alte Trompete?
- 18:54Wie, also so diese Art von nachzudenken, die hatte mich da natürlich sehr im Griff.
- 19:03Und dann saß ich da und wir haben die fünfte Maler gespielt und dann kommt irgendwann,
- 19:11nach nur dreiviertel Stunde steht in der Cellostimme Vibrato auf über einer Note.
- 19:19Und da zum Beispiel dachte ich, ja okay, was heißt das jetzt?
- 19:21Also heißt das nur hier oder hier besonders oder wie war das überhaupt,
- 19:28also wie haben die überhaupt vibriert und wie haben die überhaupt gespielt?
- 19:33Und der Maler schreibt wahnsinnig viele Sachen in seine Partituren,
- 19:36aber schreibt er natürlich nicht für uns heutige, sondern schreibt er für Musiker um 1900.
- 19:43Vorausdenkend, was die irgendwie für.
- 19:48Gewohnheiten haben und wie die sowas einfach instinktiv spielen würden.
- 19:54Teilweise, wenn er den Instinkt nutzt, dann schreibt er nicht.
- 19:58Wenn er den Instinkt irgendwie verhindern will, dann schreibt er was.
- 20:04Also zum Beispiel, ich sage jetzt ein Beispiel, Musiker damals,
- 20:08auch er selber, tendierten dazu, immer wenn die Musik lauter wurde,
- 20:12auch ein bisschen schneller zu werden.
- 20:15Deshalb schreibt er manchmal beim Crescendo, also wo es lauter werden soll,
- 20:19nicht schneller werden.
- 20:21Aber heute machen wir das nicht mehr, weil das uns in Jahrzehnten von Aufnahmen
- 20:27und einfach stilistischen Änderungen ist uns das ausgetrieben worden.
- 20:31Aber wenn ich das heute lese in so einer Symphonie als moderner Musiker,
- 20:35denke ich, so pedantisch irgendwie.
- 20:37Ja klar, werde ich nicht schneller beim Crescendo. Aber das heißt im Grunde,
- 20:41dieses eine Mal nicht schneller werden, weil sonst immer.
- 20:45Solche Sachen finde ich total interessant. Und das können Sie sich ja vorstellen
- 20:48bei so einem Stück, wo es die ganze Zeit laut und leise, das verändert schon ganz viel.
- 20:53Und dann ist der andere Gedanke, dann habe ich eben ein bisschen geguckt,
- 20:57wie waren das, wie waren diese Instrumente, da gibt es auch,
- 21:00da wurde auch zu publiziert, da konnte man auch
- 21:02Sachen finden, da habe ich schon gesehen, aha, das sind tatsächlich,
- 21:05die Instrumente sind anders, das könnte sich lohnen, das mal so ein Instrumentarium
- 21:10mal zusammenzustellen, weil es
- 21:11könnte ja auch sein, dass man diese Instrumente dann sucht und es klingt genauso wie heute.
- 21:16Aber da dachte ich, das könnte was sein. Und das andere ist halt,
- 21:19dass der Maler wirklich der große Instrumentierungsmeister.
- 21:29Der Spätromantik ist. Also Richard Strauss und er. Und bei ihm ist es so unglaublich persönlich.
- 21:35Und er ist so einer, der ständig so neue, verschiedene Mischungen, Farbmischungen sucht.
- 21:42Und da mal zu schauen, das funktioniert ja schon auch zu den modernen Instrumenten
- 21:46toll, aber da mal zu schauen, wie ist es denn jetzt mit den Instrumenten, die er wirklich kannte.
- 21:51Also wenn er schon auf diesen modernen, so eine Meisterschaft,
- 21:55wenn das schon so toll ist, das muss ja noch, das muss doch interessant sein.
- 22:00Und so kam das. Und dann aber natürlich, das ist ein Projekt,
- 22:03was unglaublich aufwendig ist und auch finanziell sagen wir,
- 22:08prohibitiv aufwendig, sodass dieser Gedanke dann viele Jahre auch so in der Schublade beruhte.
- 22:15Also haben Sie überspitzt formuliert, wegen dieser einen Spielanweisung gesagt,
- 22:18so jetzt gründe ich mal ein Orchester.
- 22:21Wenn Sie es ganz überspitzt sagen wollen, genau. Okay, und dann haben Sie Freunde
- 22:26angerufen und gesagt, ich habe da diese bekloppte Idee.
- 22:29Wollt ihr mitmachen? Und alle haben sofort gesagt, nee, vielen Dank.
- 22:32Oder waren alle sofort dabei?
- 22:35Ich habe eine wahnsinnig lange E-Mail geschrieben, wo ich das alles erklärt habe.
- 22:43Also es gab dann die Möglichkeit, ich leite ja die Gustav Mahler Academy in Bozen.
- 22:48Das hat mir quasi der Abado noch so hinterlassen, das hat er gegründet.
- 22:54Und ich habe das übernommen, da lebte er noch und dann hat er mir auch gesagt,
- 22:59was ihm da vorschwebt, was wir da machen sollen und so.
- 23:01Und da, das ist ein toller Ort, da kommen.
- 23:07Junge Musiker aus der ganzen Welt mehrmals im Jahr hin und kriegen da so Impulse
- 23:11für ihre Musikerlaufbahn, die sie jetzt vielleicht an den Hochschulen nicht so kriegen können.
- 23:17Also das ist irgendwie unser Ziel. Und die kriegen da Einzelunterricht und die
- 23:22kriegen ganz viel Kameramusikunterricht. Bei dem Abado war das so wichtig,
- 23:25dass man sich zuhört im Orchester wie in der Kameramusik.
- 23:28Okay, und dann hat sich die Möglichkeit ergeben, dass wir dieses Projekt mit
- 23:33der Mahler Academy machen können, also dass die das quasi grundfinanzieren.
- 23:38Und dann habe ich aber gesagt, okay, aber das sind nur 40 Studenten und wir,
- 23:42brauchen da 100 Leute ungefähr.
- 23:44Und das ist die richtige Gelegenheit, da Profimusiker dazuzusetzen,
- 23:48weil die Mischung ist eben toll aus Studenten, die viel Energie haben,
- 23:55aber die das Stück vielleicht nicht kennen, Profis, die das Stück kennen,
- 23:59aber die Lust haben, neu zu denken und die alle sitzen dort zusammen,
- 24:04quasi multigenerational, international und,
- 24:08lernen, diese Instrumente zu spielen und lernen, vor allem auch diese alten Spielweisen.
- 24:12Das können wir dann nachher auch drüber sprechen, was das ist.
- 24:16Und die zusammen machen das da.
- 24:19Und da war dann der Moment, wo wir gesagt haben, okay, jetzt müssen wir.
- 24:24Wer könnte denn das sein? Wer könnten diese Profimusiker sein?
- 24:27Da habe ich eben diese E-Mails geschrieben und da muss ich sagen, da hat mir,
- 24:32niemand geantwortet, dass er darauf keine Lust hat, sondern da waren alle,
- 24:38also die haben mir, die allermeisten haben mir geschrieben, weißt du was,
- 24:43ich träume schon ganz lange davon, dass jemand sowas mal macht.
- 24:47Und da habe ich so gemerkt, meine Idee war jetzt vielleicht gar nicht so wahnsinnig
- 24:50originell, sondern viele Musiker hatten schon dieses Gefühl,
- 24:54man müsste mal verstehen, wie das damals war.
- 24:57Dann werde ich jetzt mal praktisch. Jetzt wird es ein bisschen kleinteilig,
- 24:59sagt Robin Alexander immer in seinem Podcast, Aber wenn man sich das vorstellt,
- 25:03nehmen wir mal an, Sie haben sich überlegt, keine Ahnung, mit der Maler 5 anzufangen
- 25:07oder mit der Maler 1 oder vielleicht mit der 6.
- 25:11Dann gibt es da sozusagen eine Gebrauchsanweisung, was man braucht an Instrumenten,
- 25:15an historisch passendem, korrekten Material.
- 25:18Dann gehen Sie also los und sagen sich, oh Mann, ich brauche einen Fagott aus
- 25:22der Zeit, das gibt es schon gar nicht mehr, ich brauche eine Klarinette aus
- 25:25der Zeit, was weiß ich, wo ich die herbekommen will.
- 25:27Ich habe so Beispiele gefunden wie diese Haarjäg-Oboe, also eine Wiener Oboe,
- 25:31die nur dargespielt wurde. Davon gibt es vielleicht noch anderthalb Stück.
- 25:35Dann eine Posaune, die man ihnen zugeschickt hat im Pappkarton aus Oberösterreich.
- 25:40Dann ging es um die Frage Ziegenfell oder Kalbfell auf den Pauken.
- 25:46Weil natürlich Ziegenfell. Das eine ist völlig verkehrt, das andere ist das einzig Wahre.
- 25:51So, wie lange hat es dann gedauert, bis sie an dieser Liste komplett alles abgehakt
- 25:56hatten und sagen konnten, so, ich habe jetzt das Ganze, die Besetzung zusammen,
- 25:59wir können jetzt auch mal einen Probenplan machen.
- 26:02Also, okay, das war, ich hole noch so ein bisschen aus, das ist nämlich eigentlich
- 26:08ganz interessant. Ja, der Maler war ja zehn Jahre Direktor an der Wiener Hofoper von 1897 bis 1907.
- 26:17Und in diesen zehn Jahren, also in der Wiener Hofoper spielt,
- 26:20wie heute in der Wiener Staatsoper spielen, die Wiener Philharmoniker. Und in dieser Zeit.
- 26:26In diesen zehn Jahren hat er das ganze Instrumentarium des Orchesters erneuern
- 26:30lassen. Also alle Blasinstrumente und Schlaginstrumente.
- 26:35Geigen natürlich nicht, weil man spielt immer lieber alte Geigen,
- 26:38als dass man neue kauft, ist ja klar.
- 26:40Und er hat, und diese ganzen Einkäufe, die sind minutiös dokumentiert,
- 26:50weil das natürlich alles über seinen Schreibtisch ging.
- 26:52Also das war dann so, er hat gesagt, okay, wir brauchen neue Fagotte.
- 26:56Dann hat er mit den Fagottisten gesprochen.
- 26:58Die haben gesagt, wir wollen, also die von Heckel, die sollen toll sein.
- 27:02Okay, habe ich auch schon gehört. Dann lassen wir uns da mal welche kommen.
- 27:06Dann haben die die ausprobiert, dann haben die die ein bisschen geübt,
- 27:09dann haben sie die ausprobiert und dann ihm vorgespielt. Dann hat er gesagt,
- 27:12schon nicht, schon nicht.
- 27:14Und da wurde richtig viel noch ausgewählt und zurückgeschickt und dann noch eine andere Firma.
- 27:19Oder er hat gesagt, ja, vielleicht noch diese Klappe oder diese Klappe nicht,
- 27:23weil das macht den Klang zu offen. Wir wollen lieber so einen dunkleren Klang.
- 27:27Gerade bei den Fagotten ist interessant, die Wiener Fagottisten haben dann umgestellt
- 27:30auf diese deutschen Heckel-Fagotte.
- 27:33Und die wollten, aber die mochten das, weil die gut gingen und auch sehr sauber
- 27:37spielten, aber die mochten nicht, dass der Klang so hell war.
- 27:41Und die haben sich dann eine, da gibt es eine Klappe, so eine Oktavklappe,
- 27:44die haben sie sich wirklich abmontieren lassen und ihre alten Fingersätze draufgespielt,
- 27:49von den alten Wiener-Vergotten, die sie hatten.
- 27:52Und da waren sie dann damit zufrieden. Und dann zum Beispiel gab es bei den
- 27:57Flöten große Diskussionen, Also soll man jetzt umstellen auf das Böhm-System
- 28:03oder soll man weiter das alte deutsche System?
- 28:06Und Mahler wollte, dass sie umstellen. Dann haben sie diese Flöten gekauft,
- 28:09dann konnten die das nicht spielen.
- 28:11Die Flötisten, dann haben die sich geweigert erstmal ein paar Jahre.
- 28:14Also komplizierte Zeit, auch eine Zeit der Umstellung.
- 28:20Aber das Tolle an diesem Vorgang, dieser zehn Jahre Instrumentenerneuerung ist
- 28:26eben, dass wir ganz genau wussten, welche Firma und welches Modell genau,
- 28:30was das kostete, welche Klappen das hatte und mit Katalog oft und so ganz toll.
- 28:35Und dann kann man natürlich gehen und schauen, ja, gibt es die überhaupt noch,
- 28:38diese Instrumente? Und dann gibt es die alle in so Instrumentenmuseen,
- 28:41aber da kann man sie nicht ausleihen.
- 28:44Denn in den Museen sollen die nicht restauriert werden, sondern die sollen genauso
- 28:47bleiben, wie sie waren, also auch oft nicht spielbar, dass wenn jemand das studieren
- 28:52will oder kopieren will, dass die dann genau unverändert sind.
- 28:57Aber wir haben dann welche gefunden, auch auf Ebay und Sie haben es gesagt,
- 29:01also in Österreich gibt es dieses Willhaben, das ist das österreichische Ebay,
- 29:04das ist ziemlich so lokal, aber es funktioniert sehr, sehr gut und da findet
- 29:08man auch viele Sachen, weil gerade dann,
- 29:10hat jemand noch die Klayonette vom Oper oder die Musikkapelle,
- 29:14räumt den Dachboden auf und plötzlich erscheinen da diese Instrumente.
- 29:19Und wir haben die dann bestellt oder auch abgeholt teilweise und die konnte
- 29:24man alle nicht spielen, die mussten alle restauriert werden und dann aber plötzlich
- 29:28haben die ihren alten Zauber,
- 29:31entfaltet und das hat, aber das war eigentlich ihre Frage, das hat so gedauert
- 29:35anderthalb Jahre und das Projekt sollte eigentlich starten 2020,
- 29:40aber das war ja das Anus Horribilis.
- 29:44Mit dieser Covid-Geschichte, das heißt, das startete dann nicht Und das war
- 29:48auch gar nicht so schlecht, weil wir waren eigentlich nicht bereit.
- 29:52Also es fehlten noch Sachen und wir haben es dann erst 2022 gestartet.
- 29:57Aber da hatten wir dann wirklich auch die Instrumente beisammen.
- 30:00Und man muss sagen, die Streicher spielen zwar auf alten Instrumenten,
- 30:06aber auf Darmseiten. Also das ist die eine große Veränderung,
- 30:09die zwischen 1900 und heute noch passiert ist bei den Streichern.
- 30:16Dass man damals auf Darmseiten und mit Holzdämpfern gespielt hat und das machen
- 30:20wir natürlich auch Okay, dann, wenn wir jetzt schon so tief in diesem Rabbit Hole sind,
- 30:24anderthalb Jahre ungefähr, alles zusammenfegen was in etwa hat Sie denn der
- 30:29ganze Spaß gekostet bis Sie zum ersten Mal auf einer Bühne,
- 30:34standen und dann den Taktstock gehoben haben und gesagt haben hier,
- 30:38Ziffer 3, wir fangen jetzt mal an.
- 30:43Auch übrigens ein toller Moment.
- 30:47Wie viel das gekostet hat.
- 30:50Also für die Instrumente, ich weiß es ehrlich gesagt nicht, das müsste ich jetzt,
- 30:54also das war eigentlich toll, das ist ja eine Zusammenarbeit von zwei Stiftungen,
- 31:00und die Instrumentensammlung hat übernommen, also die anzuschaffen.
- 31:04Die Stiftung Kulturzentrum Dolomiten Gustav Mahler, etwas sperriger Name,
- 31:11aber in Toblach, in Südtirol, die haben das übernommen und dort proben wir auch.
- 31:16Und die Maler Academy in Bozen, das ist eine Stiftung, die den Bosoni-Wettbewerb
- 31:22und diese Maler Academy ausrichtet, die übernehmen quasi bei jedem Projekt die Produktionskosten.
- 31:28Und jetzt haben wir auch natürlich noch externe Sponsoren,
- 31:32die teilweise jetzt auch diesen ganzen Zyklus mit einem, also wie viel das am
- 31:37erststen bis dahin, die Instrumente, schätze ich mal so vielleicht 80.000 oder
- 31:42so? Ich hätte ja mehr als 90.000 gesehen.
- 31:46Nein, ja, also die, das ist ganz verschieden, nämlich zum Beispiel die,
- 31:49so eine, die Fagotte waren ziemlich teuer, es waren wahrscheinlich mehr als,
- 31:52wahrscheinlich 100.000, ich weiß es nicht genau, ist vielleicht blöd,
- 31:55dass ich jetzt da was sage,
- 31:57einige von diesen Instrumenten waren auch ganz billig, teilweise 200 Euro und
- 32:01dann 1.000 Euro Restaurierung,
- 32:04aber zum Beispiel die Hauken, wunderschöne, die waren wirklich die Originalen
- 32:09aus der Wiener Oper, also das Paar, die haben halt 20.000 gekostet oder so.
- 32:13Und die Oboe, die Ziegenfälle mussten wir erneuern, genau.
- 32:18Und das sind eben diese Wiener Pauken mit den Ziegenfällen. Und die Oboe,
- 32:24die war auch sehr teuer, weil da gibt es einfach nur das eine Stück von.
- 32:29Einsatzklarinetten, wir haben nur zwei Sätze gefunden von den alten.
- 32:32Einsatz mussten wir nachbauen lassen, das ist auch teuer.
- 32:35Das waren sicher mehr als, es waren 130.000, 140.000 gewesen.
- 32:41Okay. Und das geht auch immer noch weiter. Also wir haben dann zum Beispiel,
- 32:46letzte Woche war ich in Toulouse und habe da eine Celesta.
- 32:50Abgeholt. Das ist wie so ein Glockenspiel- Instrument, was man,
- 32:55das sage ich jetzt für die Hörer, die das vielleicht nicht so kennen,
- 32:58dieses Wort, das man braucht für die Kindertoten-Lieder, die wir auf dieser
- 33:02Tournee ausspielen, nicht in Hamburg leider, aber in anderen Orten.
- 33:06Und das war zum Beispiel auch ganz andere Instrumente, die die damals hatten.
- 33:10Und da habe ich in Toulouse eins gefunden. Da bin ich da hin,
- 33:13elf Stunden hin, elf Stunden zurück und habe das Ding geholt und so.
- 33:17Aber es ist auch immer toll. Man lernt dann auch irgendwelche Leute kennen,
- 33:20warum hat jemand in Toulouse dieses Instrument und was macht der?
- 33:23Und es ist schon, weil sie gesagt haben, dann wollen wir dann zum ersten Mal,
- 33:28wo die dann da zum ersten Mal alle saßen, ich hatte dann diese Instrumente auch
- 33:31einzeln schon gehört, wir hatten dann mit den Musikern die ausprobiert und die haben mir gezeigt,
- 33:36aber wo wir dann, das war die neunte Mal, mit der wir angefangen haben.
- 33:41Und diese eben, diese ersten Takte, die mich ursprünglich auch auf seine Seite gezogen hatten,
- 33:47das war dann schon sehr, sehr bewegend, also Also nach vier Jahren oder so plötzlich
- 33:52diese Instrumente so zusammenzuhören und zu merken, das ist was.
- 33:58Ja, großer Moment. Dieser Moment, in dem Sie nun das erste Mal davor standen,
- 34:03war das jetzt wirklich eine Erleuchtung, so eine Art Wasserscheide,
- 34:08wo es einen davor und einen danach gab, dass Sie auch für sich festgestellt
- 34:12haben, endlich höre ich das mal so, wie es gedacht ist.
- 34:16Gab es vielleicht auch erstmal eine Gewöhnungsphase, wo Sie sich dachten,
- 34:20naja, so viel anders klingt das auch noch gar nicht, da muss ich jetzt nochmal
- 34:22ordentlich ran. Wie war denn das?
- 34:26Also, nein, also der erste Moment war wirklich so, wie schön, wie wunderschön.
- 34:33Und diese Instrumente haben, genau, die sind nicht jetzt vollkommen anders.
- 34:40Nicht, dass man das Stück nicht wiedererkennen würde oder so.
- 34:43Die sind einfach, die haben ein bisschen mehr Charakter, würde ich sagen.
- 34:49Die Klarinette klingt mehr nach Klarinette, Oboe klingt mehr nach Oboe, so in diesem Sinne.
- 34:55Das liegt daran, dass die Bohrung dieser Instrumente kleiner ist und das Material
- 35:01um die Bohrung drumherum ist auch dünner.
- 35:05Das verstärkt die charakteristischen Obertöne von diesen Instrumenten.
- 35:09Das Blech kann vielmehr so attackieren, ohne aber unglaublich laut zu sein.
- 35:16Man muss sich zum Beispiel nie Sorgen machen, ob das Blech jetzt alles zudeckt,
- 35:19weil das wird nicht passieren.
- 35:21Die Instrumente an sich sind weniger perfekt technisch, also gerade für Intonation,
- 35:29für die Spieler, die müssen das jetzt verstehen, ah, dieser Ton ist immer ein
- 35:31bisschen zu hoch und die müssen es ja auch von den anderen, von den Kollegen
- 35:34wissen, dass sie da reagieren können, das ist gar nicht mal so unkomplex.
- 35:38Aber.
- 35:41Bei den Mischfarben, also wenn jetzt eine Oboe mit einer Flöte spielt oder eine
- 35:45kleine Klarinette mit Oboe oder so, diese Mischklänge, da mischen die sich witzigerweise
- 35:51viel leichter als die modernen Instrumente.
- 35:54Sodass das, was ich mir auch irgendwie erhofft hatte, dass die Mischklänge wirklich
- 35:59so ganz neue Klänge ergeben.
- 36:01Also dass man nicht sagt, aha, Oboe und Flöte, sondern dass es ein neuer Klang
- 36:05ist, den man gar nicht mehr so definieren kann.
- 36:06Das findet ganz stark statt. Und dann,
- 36:10wenn die Bläser zum Beispiel alle im vollen Satz spielen, ist auch die,
- 36:14obwohl jedes einzelne schwieriger für Intonation ist, die Mischung,
- 36:17funktioniert leichter, sodass das das irgendwie eigentlich ausgleicht und wir
- 36:20auch nicht jetzt wahnsinnige Intonationsschwierigkeiten hatten,
- 36:23was ja oft bei alten Instrumenten erstmal so ist.
- 36:27Was noch hinzukam, also was wir jetzt noch gar nicht besprochen hatten, ist,
- 36:32dass es natürlich nicht nur, wenn man schon sowas macht, dann geht es nicht
- 36:36nur darum, wir haben jetzt hier die alten Flöten und so war es,
- 36:40sondern dass man dann wirklich auch schaut, wie haben diese Leute gespielt,
- 36:43was waren die Konventionen,
- 36:45Und was fanden die schön? Und das ist natürlich eine ganz große Forschungsarbeit.
- 36:50Da ist auch viel gemacht worden. Also da kann man auch viel aufbauen.
- 36:56Zu Brahms ist ganz viel geforscht worden. Weiß man eigentlich ziemlich genau,
- 37:00wie das gespielt wurde zu seiner Zeit.
- 37:02Und das sind ja so die Jahre quasi nach Brahms, 1896, bis zu den ersten Aufnahmen.
- 37:11Das sind so zehn Jahre, wo irgendwie so ein bisschen ein schwarzes Loch ist,
- 37:15wo man nicht so genau weiß.
- 37:18Es gibt zwar frühe Maleraufnahmen, aber die sind dann auch immer schon so 30
- 37:21Jahre nach der U-Auführung, wo sich auch Sachen schon wieder verändern.
- 37:24Das sind dann schon wieder oft neue Generationen an Spielern.
- 37:27Da haben wir halt auch noch viele Sachen gefunden, dass die eben weniger vibriert haben.
- 37:31Und auch wie sie vibriert haben, auf welche Art von Noten, das habe ich immer
- 37:36alles genau auch reingeschrieben, Weil das kann man als moderner Musiker,
- 37:40gerade Vibrato ist eine Sache, die so automatisch ist, das kann man nicht.
- 37:43Da kann man nicht jetzt bei jeder Note überlegen, soll ich, soll ich nicht und zumal so als Gruppe.
- 37:47Da hatten die Musiker damals einfach ganz andere Instinkte, das kann man auch
- 37:50nicht so in ein paar Tagen, also sowas schreiben wir rein. oder auch den Lagenwechsel,
- 37:59auf den Streichinstrumenten.
- 38:00Das hat man früher sehr stark hörbar gespielt.
- 38:04Das hatte teilweise technische Gründe, aber es hatte auch Gründe des Geschmacks.
- 38:09Also die Sänger machen das ja heute auch noch, dass sie die Noten so verbinden.
- 38:14Die Streicher haben das auch ganz stark gemacht. Und das haben wir auch überall reingeschrieben.
- 38:20Wir hatten dann auch einen Musikologen dort, der gesagt hat,
- 38:22nein, ihr müsst noch viel mehr machen.
- 38:24Und so und das war für viele von uns auch teilweise etwas wirklich noch mehr als das.
- 38:31Am Anfang gar nicht so einfach, sich auf das einzulassen unbedingt.
- 38:34Aber eigentlich müssten Sie doch bei Konzerten dann im Prinzip so eine Art Fußnotenapparat
- 38:39mit einblenden, die ganze Zeit, um ständig Erklärungen zu haben,
- 38:42hier passiert dieses, hier passiert jenes.
- 38:44Das machen wir jetzt anders, als ihr es gewohnt seid. Hier haben wir jetzt einen
- 38:47Spezialfall bei dem Instrument, weil das ist dann das gute alte Ziegenfell und so.
- 38:52Also um die Bandbreite und das Ausmaß von dieser Umsetzung der alten Instrumente
- 38:59mit den Möglichkeiten und Anforderungen auch realistisch darzustellen,
- 39:03damit sich das einfach nicht so buchstäblich versendet wie in einem Konzert,
- 39:07müsste ja eigentlich ständig jemand mit so Schautafeln unter dem Podest entlanglaufen
- 39:11und sagen, da hinten, da, die dritte Trompete, hören Sie da mal hin.
- 39:15Ja, also genau, das könnte man natürlich so machen.
- 39:18Aber das wäre ja auch, andererseits wäre das auch nicht so zielführend,
- 39:22weil natürlich, es bleibt ja, es geht darum, dieses Stück aufzuführen und nicht
- 39:26irgendwelche technischen Besonderheiten.
- 39:31Und es muss, glaube ich, auch so sein, also wir machen das ja alles nicht um
- 39:38der Besonderheit willen, also um zu sagen, ja, wir haben genau das gemacht und
- 39:41schauen hier genau, machen wir den Rutscher und hier,
- 39:44sondern wir machen ja das, um eine musikalische, eine künstlerische Situation
- 39:49zu kreieren, die dem Stück irgendwie hilft oder die das Stück in den Vordergrund.
- 39:55Aber es ergibt sich daraus nicht die Haltung zu sagen, wir wissen,
- 40:00wie es geht, also überzogen formuliert oder übertrieben jetzt betont,
- 40:04wir wissen, wie es geht, wir machen es richtig, der ganze Rest der Welt macht es leider verkehrt.
- 40:08Nein, das überhaupt nicht. Also es gibt so.
- 40:15Ich hatte ein paar Reaktionen, wo Leute das Gefühl haben, dass das so gemeint ist.
- 40:19Aber das ist überhaupt nicht so, weil, schauen Sie, dieses Projekt ist irre
- 40:23aufwendig. Das kann man einmal im Jahr machen, mehr nicht.
- 40:27Und wir machen jede Symphonie einmal.
- 40:30Und wir machen das, um einfach das rauszufinden, wie es war.
- 40:34Und vor allen Dingen auch,
- 40:36Also wir wollen natürlich auch, dass diese jungen Leute sehen,
- 40:38okay, man kann immer die Sache hinterfragen. Also es gibt, der Status quo ist
- 40:45immer hinterfragbar. Man kann immer sagen, ja, okay, wir spielen das jetzt so,
- 40:48aber vielleicht früher war es vielleicht anders.
- 40:50Und das finde ich eine wichtige Geisteshaltung.
- 40:53Und wir wollen auch, dass die irgendwie lernen, dass man nie aufhören sollte
- 40:57zu lernen. Also dass man nie sagen soll, ja, Maler kenne ich,
- 41:00weiß ich, wie es geht, wie ich angekommen oder so.
- 41:03Weil das dann immer schon wieder so ein Endpunkt ist, wo irgendwas aufhört,
- 41:06anstatt dass das anfängt.
- 41:07Aber mit diesen Aufführungen suchen wir im Grunde.
- 41:14Die Palette unserer.
- 41:18Ausdrucksmöglichkeiten zu vergrößern. Und ganz viele von diesen Sachen könnten
- 41:24wir auch in eine moderne Aufführung mit aufnehmen.
- 41:26Ich meine, ich dirigiere diese Musik auch sehr gerne mit modernen Orchestern.
- 41:31Also das ist überhaupt nicht so, das ist einfach, um einmal zu wissen, aha, so und,
- 41:37diese Balance und das Blech ungefähr so stark zu den Holzbläsern,
- 41:42dass man das einmal ausprobiert hat und dann kann man ganz viel davon auch auf
- 41:48eine moderne Aufführung übertragen. wenn man will.
- 41:51Und sowieso, also mit, wir haben Recht und die anderen haben alle Unrecht,
- 41:56da kommt man bei der Musik,
- 41:59nicht weit, weil das ist ja alles total, trotzdem total subjektiv und auch was
- 42:06einem gefällt oder nicht gefällt und nein, also da würde ich,
- 42:10zudem würde ich mich nie verteidigen.
- 42:11Mir geht es im Grunde darum, intensive künstlerische Erlebnisse zu kreieren,
- 42:17für mich, für meine Musiker und für unser Publikum.
- 42:21Und wenn das gut gelingen kann mit diesen Instrumenten und wenn das schöne Klänge
- 42:25macht, die uns bewegen, die das
- 42:28Publikum bewegen und wenn wir auf diesen Instrumenten das Gefühl haben.
- 42:33Wir haben irgendwie was Besonderes unter den Händen und das lässt uns,
- 42:36und wir wagen was oder so, und das lässt uns irgendwie ein gutes Konzert spielen,
- 42:40weil das hängt nämlich auch irgendwie zusammen. Dann ist es das allemal wert.
- 42:45Aber es gibt da überhaupt keinen Anspruch.
- 42:50Die Wahrheit gefunden zu haben. Mahler war ja berühmt und gefürchtet und berüchtigt
- 42:56für seinen Perfektionismus.
- 42:57Also Orchestermusiker zusammenfalten, endlos viele Proben abhalten und sich
- 43:02darauf zu fixieren, dass das alles genauso läuft, wie er das haben möchte und
- 43:06das aber bitte sofort mindestens.
- 43:08Man könnte jetzt das Gefühl haben, dass das ein oder andere von dieser Haltung
- 43:12womöglich so ein klein bisschen in sie hinein diffundiert ist durch diese Beschäftigung
- 43:16und durch dieses Reingraben in dieses Thema, in diese Materie.
- 43:19Haben Sie das selber schon mal gesagt, dass Sie womöglich aufpassen müssen, dass Sie nicht genauso,
- 43:25Dass ich so ein Dispot wäre. Ja, ein Dispot wäre jetzt zu viel gesagt,
- 43:28aber um das zu machen, was sie machen auf dem Level und mit diesem Vollständigkeitsanspruch,
- 43:34kann man ja auch nicht allzu viele Kompromisse machen und eingehen.
- 43:37Und das ist vielleicht dann auch auf Dauer anstrengend, nicht nur für einen
- 43:41selbst, sondern auch für das Umfeld und womöglich eine Geschichte,
- 43:44wo man sich hin und wieder noch ein bisschen zurücknehmen muss und sagen muss,
- 43:46ja gut, dann ist es jetzt, haben
- 43:48wir hier mal nur, haben wir doch nur ein Kalbfell und kein Ziegenfell.
- 43:52Bringt uns jetzt auch keiner um.
- 43:55Das bringt uns sowieso keiner. Also nicht dafür. Ja, wie soll ich das beantworten?
- 44:02Also natürlich, wenn man sowas macht, dann sollte man möglichst kompromisslos sein.
- 44:09Denn wenn man das schon, diesen ganzen Aufwand betreibt und dann sagt,
- 44:13ja okay, aber das Fagott spielt dann halt irgendwie modernes Fagott,
- 44:17dann hat man ja wieder nicht, dass man sagen kann, wir haben es mal ausprobiert.
- 44:21Und so ungefähr hat das funktioniert.
- 44:25Also das finde ich schon, zum Beispiel jetzt gerade bei der Celeste,
- 44:28da gab es nämlich diese Frage, das sind in den kindertoten Liedern nur ein paar Töne,
- 44:32und da kam so das, oder sollen wir da mal eine moderne nehmen,
- 44:35weil jetzt, bevor wir die jetzt finden und so und restaurieren,
- 44:38und da habe ich auch kurz geschluckt, aber da habe ich gesagt, nee, das geht nicht.
- 44:46Jetzt in der Probenarbeit,
- 44:50ist es schon so, jetzt finde ich blöd, das zu sagen, aber dass diese Leute,
- 44:56die da sind, die sind natürlich irgendwie auch ausgesucht, die haben Lust darauf.
- 45:03Die haben Lust, das zu machen und die wollen auch all the way gehen.
- 45:08Und meine Erfahrung ist sowieso auch als Spieler, mir gefällt es immer gut,
- 45:12wenn der Dirigent eine ganz klare Vorstellung hat. Das respektiere ich total.
- 45:16Und dann finde ich es auch nicht langweilig.
- 45:18Also ich langweile mich, wenn es so rumeiert und man nicht genau versteht,
- 45:22was der will und so. Jetzt,
- 45:26Es ist total klar, dass so eine relativ extreme Aufführung, also ich meine im
- 45:32Sinne von was da an Instrumenten oder an spieltechnischen,
- 45:37Sachen reingeht, dass man die so nicht mit einem modernen Orchester machen würde und,
- 45:44dass ich mich da nicht hinstelle und sage jetzt, ihr müsst das jetzt alles machen.
- 45:48Das ist ja klar, weil das kann auch nicht in diesem normalen Alltag so geliefert werden.
- 45:55Es ist was anderes, wenn ein Orchester zu mir kommt, was auch schon passiert
- 45:58ist und die sagen, du, wir haben deine Aufnahme gehört, wir wollen das so machen,
- 46:02würdest du das mit uns machen?
- 46:04Dann sage ich, ja, toll, brauche ich einen Tag länger, wenn man das irgendwie einbauen kann.
- 46:13Und dann bringe ich mein Material mit und dann machen wir das so.
- 46:16Aber natürlich fließen viele Sachen von meinen Erfahrungen auch in meine modernen Aufführungen ein.
- 46:23Aber ja, ich bin auch nicht so der Typ, der so interessiert ist dran,
- 46:28irgendwie Leute runterzuputzen oder auch sich so auf so einen besserwissenden Standpunkt zu stellen.
- 46:36Meine Erfahrung ist, dass man da nicht unbedingt die besseren Konzerte mit erreicht.
- 46:42Und vorhin haben Sie es so gesagt.
- 46:48Mit den Sachen, die ich so mache. Aber ich dirige jetzt Stadt zur Kapelle Dresden
- 46:55diese Saison und Rotterdam Philharmonik. Und das sind ja sehr,
- 46:57sehr tolle Orchester, die auch,
- 47:02ihren eigenen Charakter und ihre eigene Tradition haben. Und da ist es für mich
- 47:05dann zum Beispiel sehr, sehr reizvoll zu sehen,
- 47:08Wie spielen die und was möchte ich da überhaupt ändern?
- 47:11Also ich würde jetzt nicht zu so einem Orchester gehen und sagen,
- 47:14ihr müsst jetzt spielen wie vor 120 Jahren, sondern da interessiert mich vielmehr,
- 47:18wo sind die, was machen die, was kann ich beitragen, ohne deren Charakter zu zerstören?
- 47:25Unser Orchester ist ja so ein Festivalorchester, was so zusammenkommt,
- 47:29wo man auch einen Charakter kreieren muss, weil das sonst nicht unbedingt gegeben
- 47:33ist. Es sind einfach 100 Leute zusammen spielen, es ist noch kein Charakter.
- 47:36Und da ist es sehr hilfreich, dass es einen starken stilistischen Zugang gibt.
- 47:42Sie haben jetzt bislang mit, ich weiß nicht, ob Sie noch mehr eingespielt haben,
- 47:47aber erschienen sind bislang die fünfte und die neunte auf CDD.
- 47:51Da nehme ich mal an, dass der Instrumentenbestand von der fünften sich deutlich
- 47:55von dem von der neunten unterscheidet?
- 47:58Das ist auch eine sehr gute Frage. Also zwischen fünfter und neunte ist tatsächlich
- 48:04jetzt, was liegen da zwischen neun Jahre?
- 48:10Da gibt es nicht riesige Veränderungen. Also das sind im Grunde,
- 48:15das sind diese selben Jahre.
- 48:16Man könnte sagen, okay, 1909 war der Maler nicht mehr in Wien,
- 48:21sondern in New York. Das waren wahrscheinlich teilweise andere Instrumente,
- 48:24weil da auch französische Spieler waren.
- 48:26Das war so ein Mix aus Spielern.
- 48:29Wir haben dann, und wenn wir auch zum Beispiel planen, die vierte,
- 48:32die wir jetzt im Sommer aufnehmen, oder die erste, die wir sicher irgendwann
- 48:35mal machen wollen, die sind ja von früher.
- 48:38Also die vierte ist von 1899, die erste ist von viel früher,
- 48:43aus den späten 1880er Jahren.
- 48:47Da war die Uraufführung bei der ersten zum Beispiel tatsächlich andere Instrumente, als die wir haben.
- 48:52Aber wir haben dann gesagt, er hat diese Symphonien alle nochmal in diesen Wiener Jahren aufgeführt.
- 49:01Und alle auch nochmal unbeinstrumentiert in diesen Jahren, eben für die neueren Instrumente.
- 49:05Auch ein interessanter Aspekt, dass Instrumente hatten sich verändert,
- 49:09also verändert er seine Partitur. Das heißt, höchstwahrscheinlich hätte er auch
- 49:14für die Instrumente, die wir heute haben, die modernen Instrumente,
- 49:17seine Partituren nochmal verändert. Aber das ist nur so eine kleine Klammer.
- 49:21Sodass wir dann gesagt haben, wir spielen das auf diesen Instrumenten und wir
- 49:23spielen dann aber immer die letzte Fassung. Also die Fassung,
- 49:26die er selber auf diesen Instrumenten auch dirigiert hat.
- 49:30Wie war denn die Resonanz aus
- 49:32der Fachwelt im Sinne von, also aus der Musikerwelt und Musikerinnenwelt?
- 49:39Nachdem die ersten Projekte angelaufen sind und präsent waren und besprochen
- 49:44wurden und bejubelt wurden, wurden sie dann überlaufen oder überrannt von Kandidaten,
- 49:50die dringend mitmachen wollen?
- 49:52Hat sich das erst so nach und nach rumgesprochen, weil es ja schon ungewöhnlich
- 49:55ist, also im Bereich der älteren alten Musik,
- 49:58keine Ahnung, also im Frühbarock, Spätbarock, Renaissance sowieso,
- 50:01Frühklassik, da kann man ja alles Mögliche machen und auch Gardener mit Belios
- 50:05und ich weiß nicht was, da gibt es ja etliches, aber an Mahler war ja bislang noch keiner dran.
- 50:09War das sofort eine Geschichte, wo alle gesagt haben, ja endlich macht es das mal jemand?
- 50:15Haben sie sich danach aussuchen können, wer bei ihnen mitspielen darf,
- 50:18möchte, kann, oder war das ein eher Zerherprozess, bis sie dann die Leute zusammen hatten.
- 50:23Also, die Leute zusammenzukriegen, war erst mal für das erste Projekt,
- 50:28habe ich ja schon gesagt, das war leicht.
- 50:30Weil da haben mir eigentlich alle zugesagt, außer die, die nicht konnten,
- 50:33weil sie nicht freigekriegt haben in ihren Orchestern.
- 50:37Und dann hat sich das Problem eigentlich nicht so ergeben, weil die alle wiederkommen wollten.
- 50:41Okay. Sodass ich eigentlich alle wieder eingeladen habe, weil die waren auch
- 50:44alle super. Und außer vielleicht wiederum ein, zwei Positionen,
- 50:48wo dann jemand das mit dem Dienstplan nicht geklappt hat oder irgendwie so.
- 50:53Und so ist es dieses Mal auch. Wir machen es jetzt zum dritten Mal und es sind wenig Änderungen.
- 50:59Aber ich kriege tatsächlich ganz schön viele Anfragen von Leuten,
- 51:04die gerne spielen würden.
- 51:09Jetzt hat hier zum Beispiel der Solo-Oboist vom Konzertgebau hat mir geschrieben
- 51:14und hat gesagt, ich möchte da unbedingt mal mitmachen, wenn du mich brauchst.
- 51:17Ich lerne auch die Wiener Oboe dafür und so. Also da finde ich schon toll auch.
- 51:23Also ich bin es ehrt mich natürlich, aber es ist auch toll, dass diese Leute,
- 51:30sich sowas geben wollen.
- 51:32Dass sie sich auch in so eine Gefahr begeben wollen. Aber ich weiß auch warum,
- 51:35weil dieses so den Alltag oder so die Routine zu durchbrechen,
- 51:41das kann einfach unglaublich erfrischend sein.
- 51:45Und man merkt dann wieder, warum man das geworden ist irgendwie.
- 51:48Nervt das nicht womöglich auch, dass Sie jetzt so ein klein bisschen diesen
- 51:51Stempel vom One-Trick-Pony auf
- 51:53der Stirn haben, dass jetzt alle mit Ihnen verbinden, ah ja, okay, Maler,
- 51:58historische passende Instrumente, Sie haben sich jahrzehntelang um Gott weiß was gekümmert,
- 52:04gespielt, dirigiert, gemacht, getan, Festivals organisiert und jetzt,
- 52:08bumms, kommt diese eine Idee und alle sagen nur noch bei Philipp von Steinecker,
- 52:11okay, ja, Maler, ist vielleicht auch nicht schön.
- 52:16Doch, das ist okay, ich habe jetzt mal diese zwei CDs gemacht,
- 52:21davon ist nur eine überhaupt erschienen, die andere erscheint ja erst,
- 52:25also jetzt, wo wir sprechen, ist sie noch nicht erschienen geworden.
- 52:30Nein, das finde ich okay, also das ehrt mich total. Und ich sehe auch zum Beispiel.
- 52:38Die Einladung, die ich so kriege, also in Dresden dirige ich Prokofiev und Richard
- 52:41Strauss, in Rotterdam dirige ich Webern und Beethoven,
- 52:45In San Sebastian dirigiere ich Stumann und Prokofiev.
- 52:52Ja, also das ist jetzt nicht, dass ich nur noch irgendwie Maler machen soll.
- 52:57Also ich mache auch beim BBC-Orchester dirigiere ich schon eine Malersinfonie
- 53:02und so, aber es ist lange nicht ausschließlich.
- 53:06Sie haben aber absolut recht, dass das natürlich immer eine Gefahr ist.
- 53:09Also gerade so, wenn man viel Barockmusik gemacht hat und so,
- 53:13So, dass man dann immer nur für das gefragt wird. Das stimmt schon, das ist eine Gefahr.
- 53:17Aber dadurch, dass das so ein spätes Repertoire ist und dadurch auch,
- 53:21dass die Musiker keine Barockmusiker sind, mit denen wir das machen,
- 53:25sondern moderne Musiker, die quasi einen Schritt zurückgehen,
- 53:29hat sich das bisher nicht so...
- 53:32Also ich fühle mich da, ich liebe den Maler nach wie vor und ich fühle mich dem ganz nah.
- 53:37Und mir gibt es auch nach wie vor wahnsinnig viel, also mich mit diesen Sinfonien
- 53:42auseinandersetzen und eben auch zu verstehen, was da dahinter steht philosophisch
- 53:46und das gibt mir wirklich wahnsinnig viel, auch so für mein Leben.
- 53:52Und ich merke, dass ich, also diese Zeit, die ich da investiere.
- 53:57Den Schopenhauer zu lesen, weil man das irgendwie, weil das für ihn so wichtig
- 54:03war, da wirklich mal zu verstehen, was ist das überhaupt und wo könnte das in
- 54:06der Musik drin sein und dann zu sehen,
- 54:08was er da für Antworten auf diese Lebensprobleme, die wir alle haben.
- 54:12Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wie kann man mit dem Leid umgehen,
- 54:16mit dem Lebensschmerz umgehen? Warum haben wir den?
- 54:20Was können Antworten sein? Was passiert, wenn man Gott nicht finden kann?
- 54:26Also als jüngerer Komponist findet er Gott immer problemlos.
- 54:29Später wird das ganz schwierig.
- 54:32Oder was passiert, wenn man jemanden verliert? Und zum Beispiel auch Erfahrungen,
- 54:37die ich auch kenne und die mich dann auch natürlich so bewegt zu sehen,
- 54:43wie er damit umgeht und wie er...
- 54:48Da ringt und so menschlich jetzt mit diesem Mann irgendwie in Verbindung gebracht
- 54:53zu werden, das ist für mich überhaupt kein Problem.
- 54:56Wenn wir jetzt mal so ein bisschen vorspulen auf den 18. September.
- 54:59Gibt es eine Stelle in der Maler 9,
- 55:02bei der Sie sagen, da an dieser Stelle,
- 55:06müsst ihr genau hinhören, das ist meine Lieblingsstelle, weil sie da ins Extrem
- 55:11reingeht und zeigt, wie unterschiedlich so ein Stück klingen kann,
- 55:15wenn man es so angeht, wie es geschrieben wurde.
- 55:17Oder gibt es vielleicht ein Instrument, bei dem Sie denken, hier merke ich es
- 55:20am allerdeutlichsten, dass wir jetzt nicht mit der Standardbesetzung unterwegs
- 55:25sind, sondern dass wir uns die Mühe gegeben haben, historisch korrekt das hinzustellen.
- 55:30Vielleicht gibt es ja, ich weiß nicht, die neunte ist ja voll von tollen Stellen,
- 55:33aber vielleicht gibt es eine Passage, wo Sie denken, hier merkt man es besonders.
- 55:37Und wer das nicht hört, dass wir jetzt was anderes machen mit anderen Instrumenten,
- 55:40der hat hier wirklich nicht richtig aufgepasst. Verlungen.
- 55:45Also.
- 55:48Vielleicht merkt auch jemand gar nicht, dass es anders ist und es gefällt ihm
- 55:52einfach. Das finde ich auch toll.
- 55:54Aber und es gefällt ihm auch gar nicht und er ärgert sich wahnsinnig.
- 55:59Das finde ich auch toll. Also ich mag auch ich mag einfach ich empfinde extrem
- 56:05bei dieser Musik und die Musiker auch.
- 56:07Das weiß ich und ich möchte und es freut mich, wenn die Leute eine extreme Reaktion
- 56:11haben, sei sie nun so oder so. Natürlich, wenn sie eine schöne Reaktion ist,
- 56:15ist es natürlich toll. Aber es gibt Stellen.
- 56:19Es sind so verschiedene Aspekte, die so stark klingen. Deshalb sind es jetzt
- 56:22nicht, könnte ich nicht sagen, es ist einstellbar. Aber zum Beispiel die Oder
- 56:29vom ersten Satz, das ist ungefähr die letzten fünf Minuten vom ersten Satz.
- 56:35Da sind so ganz viele einzelne Bläsersoli, ein Geigen-Solo, Hörner,
- 56:42so ein bisschen, ein unfassbar schöner Moment, der aber eigentlich auch nur
- 56:47so richtig funktioniert, wenn man den ganzen Satz angehört hat, dann macht er diese.
- 56:50Aber da hört man diese ganzen Einzelfarben ganz, ganz toll.
- 56:55Es gibt eben auch im ersten Satz, nach diesem ersten schönen D-Dur,
- 56:59wenn dann zum ersten Mal das D-Moll,
- 57:03diese Verzweiflungstonart so reinbricht über das Stück, um das mal so zu sagen,
- 57:11dann wie da die Pauken, ihre Ziegenfelle und die unsere Ziegenfelle und die,
- 57:19wie die Posaunen da so komisch bedrohlich schmettern und so angriffslustig,
- 57:26da hat es eine Schwärze, der Klang.
- 57:30Irre oder im zweiten Satz ich wusste es,
- 57:36Genau, da gibt es so diese schnellen Walzerstellen, wo das teilweise so nach,
- 57:42Drehorgel oder so Jahrmarktmusik auch klingt.
- 57:46Sowas klingt auch irre toll mit diesen Instrumenten, mit dieser S-Klarinette.
- 57:54Weil wenn er für diese Instrumente hochschreibt, dann klingen die alle sofort irgendwie schrill.
- 57:58Also er entscheidet das auch so, wann er will, dass das schrill ist und wann es schön ist.
- 58:02Also das ist immer so mein Gefühl, das ist zum Beispiel so etwas,
- 58:05ich sehe ja aus den modernen Instrumenten, weil die so ausgeglichen sind und
- 58:10auch so perfektioniert auch, vor allem in der Höhe, muss man da oft sagen,
- 58:13nee, hier ein bisschen schriller, das ist so ein bisschen schriller gemeint.
- 58:17Und das hatte ich früher immer so das Problem, dass ich, es gibt so Aufnahmen,
- 58:21wo das die ganze Zeit irgendwie ist.
- 58:24Wo ich es viel zu viel fand und wo ich dachte, wie soll ich das überhaupt entscheiden,
- 58:28wann das so in den schrillen, banalen Maler abgleitet und wann es so sublim
- 58:33ist und das halt zum Beispiel mit den Instrumenten war das, da gab es überhaupt
- 58:36keine Frage, das passiert von selber, da braucht man gar nichts zu machen.
- 58:41Und die andere Stelle, die mich auch nach wie vor irgendwie,
- 58:46jetzt habe ich nämlich mal wieder reingehört neulich,
- 58:49Der Anfang vom letzten Satz, dieser Streicherklang in diesem Streicherkoral,
- 58:57die Wärme von diesen 65 Streichern auf Darmseiten, die ganz klein nur vibrieren,
- 59:02dass man es nicht hört, es hat nicht so etwas Sinnliches, sondern es hat eine.
- 59:12Ja, es ist wie so eine spirituelle, Geräusch ist so ein moralisches Wort, aber,
- 59:19eine Schlichtheit und eine Ernsthaftigkeit in dem, was er da sagen will, dass man nie denkt,
- 59:27geiler Streichersound oder so, sondern einfach nur schön und intensiv,
- 59:33das wären so die, wenn das nicht zu viele Stellen sind, das wären so meine Highlights.
- 59:39Haben Sie eigentlich mal spaßeshalber ausprobiert bei einer Probe?
- 59:44Mal vielleicht eine Beethoven-Sinfonie auf die Pulte gelegt und gesagt,
- 59:47wollen wir mal gucken, wie sich das so anhört und wenn sich das komplett verkehrt
- 59:51an vielleicht, weil dann sind sie ja der Zeit voraus gewissermaßen,
- 59:54wenn sie mit dem Instrumentarium von,
- 59:561895 eine Beethoven-Sinfonie spielen, die 60 Jahre älter ist.
- 1:00:01Also auch, Sie haben viele gute Fragen, wirklich.
- 1:00:05Das ist zum Beispiel sowas, was mich auch sehr interessiert,
- 1:00:09weil Mahler ja auch diese Stücke, also Beethoven und zum Beispiel auch Schumann,
- 1:00:13viel dirigiert hat und eben auch immer uminstrumentiert hat. Genau.
- 1:00:18Und da gibt es ja auch so Aufführungen heute, wo Leute sagen,
- 1:00:22wir machen die Mahler-Instrumentation von der 9. Beethoven.
- 1:00:25Da finde ich auch, und das meistens sagen dann alle, ach, das ist viel zu fett und so.
- 1:00:32Das ist zum Beispiel auch so etwas, wo man sagen müsste, ja gut,
- 1:00:34wenn man jetzt wirklich sagen wollte, ob das funktioniert oder nicht,
- 1:00:37müsste man die alten Instrumente nehmen, also quasi diese, die wir da jetzt
- 1:00:40zusammengetragen haben, und auch so wenig vibrieren.
- 1:00:43Und diese ganzen Sachen müsste man dann, weil das schrieb dem vor.
- 1:00:48Und das ist auch etwas, was ich gerne machen würde. Aber dann sind Sie komplett
- 1:00:51im Nerd-Funnel. Dann ist es historisch informiert. Das ist natürlich,
- 1:00:54aber ich bin sowieso schon der Über-Nerd.
- 1:01:00Aber es ist einfach so wahnsinnig teuer alles. Und die Zeit ist so knapp bemessen,
- 1:01:09dass ich denke, wir machen jetzt mal diese Symphonien, weil darum geht es wirklich.
- 1:01:12Aber ich habe schon diese Gedankenspiele, absolut. Wollen Sie denn alle neuen?
- 1:01:17Wollen Sie alle neuen Lied von der Erde und Kindertoten-Lieder und so,
- 1:01:20wollen Sie sich einmal durch den Werkkatalog durcharbeiten? Also das ist jetzt der Plan.
- 1:01:26Wir haben jetzt eben dieses große Geschenk gekriegt von einer amerikanischen
- 1:01:30Mäzenin, sodass wir das voraussichtlich auch irgendwie stemmen können und wir
- 1:01:37versuchen jetzt jedes Jahr eine zu machen.
- 1:01:40Und auch, ich überlege zum Beispiel auch, die 10., die unvollendete 10.
- 1:01:44Zu machen in einer vollendeten Fassung, also quasi so Doppelhypothese,
- 1:01:50so könnte die Symphonie gedacht gewesen sein, so könnte sie geklungen haben,
- 1:01:54wenn sie überhaupt vollendet wäre.
- 1:01:55Das finde ich auch reizvoll so als künstlerisches Konzept.
- 1:01:59Und zum Beispiel auch, vorher haben Sie gesagt, Schönberg ist dann modern,
- 1:02:05aber Schönberg sind ja auch diese Jahre.
- 1:02:07Und zum Beispiel so Schönberg-Orchesterstücke, Gurelieder, okay,
- 1:02:11das ist natürlich echt, aber habe ich auch schon dran gedacht.
- 1:02:15Aber das ist natürlich krass. 5000 Leute auf der Bühne.
- 1:02:19Aber so ein tolles Stück. Und stehen Sie mal vor, dieser Anfang,
- 1:02:22wie das Glitzern und suchen und flimmern würde mit diesen Instrumen.
- 1:02:30Aber zum Beispiel die Schönberg-Orchesterstücke, Opus 16, die fünf Orchesterstücke
- 1:02:37im selben Jahr wie die 10. komponiert und wie der Rosenkavalier zum Beispiel.
- 1:02:42Also das wäre doch zum Beispiel auch total interessant.
- 1:02:44Erster Akt Rosenkavalier, am Schluss der Monolog, der Marschallin,
- 1:02:50von hier bis zum Ende des Aktes mit Vibrato zu spielen.
- 1:02:54Solche Eintragungen finde ich hochinteressant, weil wir einfach da eine ganz
- 1:02:59andere Vorstellung haben heute und vielleicht das teilweise einfach mal auszuprobieren
- 1:03:04und vielleicht zu revidieren oder zu sagen, nein, da sind wir weiter und wir
- 1:03:07mögen das nicht mehr. Das ist ja alles.
- 1:03:09Und Herr Schwindag hat zum Beispiel gesagt, in den 40er Jahren,
- 1:03:13wo er schon in Los Angeles war, mit den amerikanischen Orchestern funktioniert
- 1:03:17meine Musik nicht, weil die so viel vibrieren, dass man den Kontrapunkt gar nicht hören kann.
- 1:03:21Und meine Musik ist so kontrapunktisch, dass auch Schilderk würde...
- 1:03:27Wir haben einen Plan, ein Bergkonzert zu machen. Schauen wir mal, ob das passiert.
- 1:03:33Weil Sie das gerade erwähnt haben mit der Stifterin und dem Geschenk.
- 1:03:35Ich habe gerade neulich gelesen, dass in der New York Times war eine Geschichte,
- 1:03:38dass Franz Welser-Möst hat die,
- 1:03:41Partitur, den Autografen von Maler 2 geschenkt bekommen und hat das dann so
- 1:03:45im Rucksack nach Hause geschmuggelt in die USA. Ich habe mich auch ganz schön
- 1:03:49gewundert, muss ich sagen. Ja.
- 1:03:50Meine Herren, sind verrückt geworden.
- 1:03:53Aber sowas ist Ihnen noch nicht untergekommen, dass jemand gesagt hat,
- 1:03:56ich habe hier noch einen Autografen, den können Sie gerne haben,
- 1:03:58weil das ist die Belohnung dafür, dass Sie sich jetzt mal darum kümmern.
- 1:04:02Nee, aber das hat er auch nicht persönlich gekriegt oder das Orchester hat das gekriegt?
- 1:04:07Ja, nicht persönlich, sondern ich glaube schon das Orchester,
- 1:04:09aber nichts desto Aber mir hat neulich jemand was Schönes geschenkt,
- 1:04:14und zwar eine Zeitschrift, die sie,
- 1:04:17also ich wohne ja in Südtirol, und das war eine Frau dort.
- 1:04:24Die Ärztin dort im Dorf, und die hat mir eine Zeitschrift geschenkt von 1921,
- 1:04:36die moderne Welt. so eine Wiener Zeitschrift, die gab es viele Jahrzehnte und
- 1:04:40es war aber die Originale von 1921.
- 1:04:43Zehn Jahre Malers Tod, also zu diesem traurigen Jubiläum.
- 1:04:47Und da waren Gastbeiträge von Alfred Roller, von den ganzen Solisten der Wiener
- 1:04:54Hofoper, hochinteressant und teilweise Sachen, die ich noch nie gelesen hatte.
- 1:05:01Und ja, sowas, das habe ich mal gekriegt.
- 1:05:05Okay, dann biegen wir mal langsam auf die Zielgerade ein. Ich wollte mal wissen,
- 1:05:09wenn jetzt sehr hypothetisch, aber was würden Sie Maler fragen,
- 1:05:14wenn Sie die Gelegenheit hätten zu Spielanweisungen, zu Meinungen,
- 1:05:19zu Wegweisungen in den Stücken, zu Klangfarbenmischungen?
- 1:05:23Gibt es da irgendwas, wo Sie immer noch vor dieser Partitur jeweils sitzen und
- 1:05:26sich sagen, um Himmels Willen, hä, was soll das?
- 1:05:30Tempo. Tempo, okay. Weil Tempo ist einfach, das bleibt einfach eine ganz große Frage.
- 1:05:36Und zum Beispiel heute Morgen hätte ich ihn fragen wollen, was heißt denn nun bedächtig? Ist das? Ja.
- 1:05:45Ja, die Assoziation ist eher langsam.
- 1:05:49Aber aus verschiedenen anderen Gründen kann es nicht so langsam sein.
- 1:05:53Und dann gibt es ja, es gibt ja so seine, er hat ja so ein paar Sachen aufgenommen,
- 1:05:58auf diese Welt des Mignons Klavierrollen.
- 1:06:01Und da gibt es auch einen Satz, der bedächtig ist und den er wahnsinnig schnell spielt.
- 1:06:06Dann gibt es Aufnahmen von Dirigenten, die bei den Uraufführungen waren.
- 1:06:09Der Mengelberg, der Bruno Walter, die spielen das vollkommen verschieden.
- 1:06:16Das würde ich ihn fragen, beziehungsweise wie viel, wenn es so vage bleibt mit solchen Begriffen.
- 1:06:25Wie viel Flexibilität ist da? Also ja, ich glaube, das wäre wahrscheinlich die Antwort,
- 1:06:35dass man für sich selber finden muss, was bedächtig bedeutet für einen selber.
- 1:06:39Und dass es nur dann irgendwie eine sinnvolle Aufführung sein kann,
- 1:06:44wenn man das wirklich verinnerlicht hat. Deshalb schreibt er wahrscheinlich
- 1:06:47auch keine Metronomzahlen.
- 1:06:48Aber da, was ja auch zum Beispiel damals so war, dass die Musiker ganz viel
- 1:06:54das Tempo verändert haben, das haben wir jetzt auch noch nicht angesprochen,
- 1:06:57innerhalb einer Aufführung, also,
- 1:06:59da steht ein Tempo und dann heute tendiert man, das ist halt das Tempo.
- 1:07:05Aber früher ist das halt hin und her gegangen. Aber wie, ist die Frage.
- 1:07:09Man weiß, dass das so war, aber man weiß halt oft nicht wie.
- 1:07:12Und da waren die für mich große Inspirationen die Partituren von Willem Mängelberg,
- 1:07:16der den Maler ja auch gut kannte, in der das ganz minutiös bei sich reingeschrieben
- 1:07:20hat. Das sind natürlich nur seine Interpretationen, kann man jetzt nicht einfach
- 1:07:22so nachmachen, das wäre auch albern.
- 1:07:24Aber da kann man so sehen, was möglich wäre. Aber das, ich glaube, Tempo und Bedeutung.
- 1:07:32Zum Beispiel Töne.
- 1:07:36Der dritte Satz in der vierten Sinfonie, warum ist der so ähnlich wie der dritte,
- 1:07:41wie der letzte in der dritten Sinfonie?
- 1:07:44Beziehungsweise was ist der Unterschied? Was ist der philosophische Unterschied?
- 1:07:47Und ich hätte ihn sicher versucht auszuquetschen über Bedeutung.
- 1:07:52Und ist da wirklich so viel Schopenhauer drin, wie ich denke?
- 1:07:54Oder bin ich da in einem Rabbit Hole?
- 1:07:56Oder solche Sachen. Aber er hätte wahrscheinlich nur so ausweichend,
- 1:08:02Und weiß ich nicht, aber er hätte so ausweichend und ich glaube nicht,
- 1:08:06ehrlich gesagt, ich glaube,
- 1:08:08der war sehr nett mit so jüngeren Dirigenten und der wollte sehr helfen und
- 1:08:15der hat es sehr geschätzt, wenn seine Stücke gespielt wurden,
- 1:08:17weil das wurde ja nicht gespielt damals.
- 1:08:19Aber solche Sachen hätte ich, das hätte ich gerne, solche Sachen würde ich ihn fragen, ja.
- 1:08:25Dann habe ich als letzte Frage noch eine Frage, die können Sie im Prinzip mit
- 1:08:28zwei Zahlen beantworten, Nämlich, welche Malersinfonie gefällt Ihnen am besten
- 1:08:32und welche verstehen Sie am wenigsten?
- 1:08:36Mir gefällt immer am besten die, die ich gerade mache. Ach Mensch, das ist jetzt...
- 1:08:43Aber vielleicht am besten, am besten, am besten gefällt mir vielleicht noch
- 1:08:45die Leute. Okay, und welche verstehen Sie am wenigsten?
- 1:08:50Da muss ich aber jetzt echt diese Art von Antwort geben, dass.
- 1:08:57Jede, mit der man sich beschäftigt, erschließt sich einem irgendwann.
- 1:09:01Und das habe ich tatsächlich nicht, dass ich da eine der Gerüchte verstehe.
- 1:09:07Es gibt, einen Moment bitte.
- 1:09:14Es gibt Sinfonien, die ich weniger gut kenne als andere, aber wo ich schon weiß,
- 1:09:20wo ich schon sehe, wohin es geht. Also ich glaube, wenn man ihm die Zeit gibt,
- 1:09:26dann erschließt er sich immer.
- 1:09:28Okay. Auch die 8. Selbst die 8. Gut. Selbst die 8.
- 1:09:32Dann bin ich gespannt, wie sich das alles dann so abspielt und ausgeht am 18.
- 1:09:37September beim Konzert in der Elbphilharmonie. Also ich kann es sehr empfehlen,
- 1:09:39da hinzugehen. Wer keine Karten
- 1:09:41mehr kriegt, Die CDs gibt es ja nach wie vor, die fünf und die neun.
- 1:09:44Den Rest liefern sie dann ja irgendwann nach. Und ich fand es total spannend.
- 1:09:48Ich habe mich gefreut, das jetzt alles mal so aufzubohren und tief mit Ihnen
- 1:09:52in dieses Rabbit Hole mal reinzugehen. Aber es wird sich, glaube ich,
- 1:09:55sehr lohnen, sich dieses Konzert anzuhören oder sich die CDs zumindest dann
- 1:09:59auch noch mal reinzutun.
- 1:10:01Vielen Dank erst mal und noch einen schönen Tag.
- 1:10:03Ja, danke Ihnen für Ihr Interesse und die ganzen schönen Fragen.
- 1:10:06Kommen Sie denn ins Konzert? Natürlich, natürlich. Ja, super,
- 1:10:09dann freue ich mich sehr.
- 1:10:12Ein Podcast von Funke.