Latest / Zusammener finden wir es heraus. Der WARUM Podcast / WARUM wird ein Polizist Kommunikationstrainer und Mediator?
Transcript
- Sabine Osterauer: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Zusammennerv. Finden wir es heraus. Der Warum Podcast. Und heute mit einer ganz interessanten Frage, nämlich warum wird ein Polizist Kommunikationstrainer und Mediator? Und dazu habe ich mir natürlich den entsprechenden Interviewgast eingeladen, nämlich den lieben Alexander Uthin. Und den lieben Alexander habe ich im Vorfeld noch nicht gekannt. Wir haben uns über eine Plattform kennengelernt, wo er mich angeschrieben hat und gemeint hat, hey, dein Warum-Podcast ist total interessant, da würde ich gerne Gast sein und ja, er schon hier. Und er hat eine sehr, sehr interessante Geschichte und ich glaube, das wird eine Folge, die sehr spannend wird. Aber bevor wir anfangen, diese Frage zu diskutieren, lieber Alexander, herzlich willkommen in meinem Podcast. Stell dich vielleicht einmal ganz kurz unseren Zuhörern vor. Wer bist du, woher kommst du, was machst du und was möchtest du sonst? Der Welt da draußen auch alles so mitteilen. Alexander Utin: Ja, sehr gerne. Vielen Dank, dass ich dabei sein darf. Mein Name ist Alexander Uthin. Ich bin Kommunikationstrainer und Mediator und war zehn Jahre lang Polizist. Die meiste Zeit war das im Einsatz im Streifendienst. Und früher wurde ich immer gerufen, erst dann, wenn es zu spät war. Also es gab schon einen Konflikt oder eine Situation, die in irgendeiner Form eskaliert war. Und ich sollte dann oder musste dann diese Situation beenden, die Konflikte für die Betroffenen lösen. Das waren dann immer irgendeine Art oder Weise von Streit, Beleidigung, Bedrohung, körperlicher Auseinandersetzung, Körperverletzung usw. Heute mache ich das ein bisschen anders. Heute kann ich da präventiver und nachhaltiger als Kommunikationstrainer und Mediator rangehen. und kann mir in diesen Konfliktmanagementseminaren oder Deeskalationstechniken Trainings, kann ich mir gemeinsam mit den Teilnehmenden anschauen, was sind diese Konflikte, was liegt dem quasi zugrunde und versuche dann später dann vielleicht auch in Mediationen herauszufinden, warum klappt das jetzt alles nicht mehr alleine, wofür bin ich jetzt hier, was wollen wir gemeinsam versuchen und dann, ich hatte in deinen Podcast auch schon reingeschaut Sabine, Da ist vielleicht auch so eine kleine Entscheidung, Überschneidung, dass vielleicht Streitigkeiten oder durch einen Erbschaftsfall passieren können. Also jemand tritt vielleicht aus dem Leben heraus und dann stellt sich die Frage, wer erbt jetzt was, wie viel, wer übernimmt die Verantwortung über das Unternehmen, vielleicht aber auch, wo soll das Grab sein, soll es überhaupt einen Grab geben und so weiter und so fort. Und ich gehe dann eben in diese Situation rein und versuche gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung zu finden, mit dem alle zufrieden sind, sich alle identifizieren können, damit diese Lösung eben nicht übergestülpt ist, so wie es damals als Polizist oft war, sondern die Betroffenen sich eher mit der Lösung identifizieren können. Und über irgendwas davon können wir vielleicht heute reden und bin sehr gespannt auf deine Fragen. Sabine Osterauer: Ja, voll gern. Danke, dass du uns teilhaben hast lassen. Ich bin ein wahnsinnig neugieriger Mensch. was mich einmal grundsätzlich interessieren würde, du hast ja irgendwann, also vor über zehn Jahren, die Entscheidung getroffen, ich werde Polizist. Und meine Frage ist, warum hast du dich damals dazu entschieden, Polizist zu werden? Wie alt warst du da? Und wie kam es überhaupt dazu, diese Entscheidung zu treffen? Alexander Utin: Mh. Hm. Und das ist eine schöne Frage. Ich war damals 23, als ich mich dazu entschieden habe und wollte ganz gerne irgendwie Abenteuer erleben. Ich wollte ganz viele Sachen erleben und dachte mir dann ja, mein Bürojob, war Versicherungskaufmann, wollte ich jetzt nicht mehr so gerne machen und hatte mir irgendwas gesucht. wo ich was mit Menschen zu tun habe, wo ich irgendwie ein gutes Gefühl habe bei der Arbeit und bin dann irgendwie rein zufällig über eine Stellenanzeige beim Jobcenter oder so was oder auf irgendeiner Plattform, ich weiß es gar nicht mehr, wo das damals war, bin dann eben auf dieses duale Studium bei der Polizei gestoßen, auf das Bachelorstudium. Und je mehr ich mich damit auseinandergesetzt hatte, umso toller fand ich das. Und dieser... Freiheitsgedanke, dieser Abenteuergedanke, hat sich dann auch tatsächlich bewahrheitet in den ersten Jahren. Und dann bin ich da eben sehr aufgegangen. Das war eine sehr schöne Zeit. Sabine Osterauer: ich jetzt ganz kurz einhaken, ist gerade gesagt ein Bachelorstudium. Alexander Utin: Genau. Sabine Osterauer: Wie? Das gibt es bei der Polizei. Alexander Utin: Genau, also die Ausbildung bei der Polizei ist keine klassische Ausbildung, es ist ein Studium. Und da lernt man dann verschiedene Dinge über Strafrecht, über Eingriffsrecht, wie verteidigt man sich auch selber. Also viele praktische Ansätze sind auch mit drin. Verschiedene Praktika. Sabine Osterauer: Du bist ja in Deutschland zu Hause, also für alle Österreichischen oder auch Schweizer Zuhörer. Das ist natürlich jetzt in Deutschland, weil ich kenne das zum Beispiel in Österreich jetzt nicht, aber möglicherweise hat sich in den letzten Jahren etwas getan und ich habe es nicht mitbekommen. Aber das ist für mich jetzt wirklich eine neue Information. Wie lange dauert das dann, dieses Studium? Alexander Utin: Hm. Das Studium dauert drei Jahre und man hat insgesamt ein halbes Jahr Praktikumszeit. Man drückt auch viel die Schulbank, das ist schon so. Also ist es schon auch klassisch Studieren, wie man sich das so vorstellt, mit einer Abschlussarbeit am Ende, mit einer Abschlussprüfung auch am Ende. Sabine Osterauer: Kannst du dich vielleicht noch erinnern, du dann begonnen hast? Du warst da dann wahrscheinlich sehr euphorisch, weil es war ja alles interessant und spannend und möglicherweise hattest du auch den Gedanken, die Welt zu verbessern, zu unterstützen und die bösen Jungs und Mädchen einzufangen und Frieden herzustellen, was ja grundsätzlich ein wahnsinnig toller Gedanke ist. Wann hast du das erste Mal für dich so gemerkt, okay, das geht sich so nicht aus? Alexander Utin: Hm. Hm. Sabine Osterauer: hast du deine Schlüsselszene erlebt? Alexander Utin: Ja, der Anfang war bisschen holprig, würde ich fast sagen. Das Studium habe ich sehr, sehr genossen, weil ich da verschiedene Verantwortung hatte. Ich Studierendenvertreter, Gewerkschaftsvertreter, Jugend- Auszubildendenvertreter. Also ich hatte drei Positionen dort ende und habe dann sehr, viele Aufgaben gehabt, wo ich sehr drin aufgegangen bin. Ich kannte sehr viele Leute und bin dann nach dem Studium wird man dann in einen Bereich, ich sag mal, hingeschoben. Das kann man sich so ein bisschen aussuchen. Und da hat mir das erst mal noch nicht so richtig gefallen. so wirklich aufgegangen bin ich dann erst im Einsatz des Streifendienstes, so wie man ihn sich klassisch in der Stadt vorstellt. Und da war dann dieses Gefühl, ich trete jetzt für was ein, ich helfe den Leuten, ich beschäftige mich eben mit diesen Streitigkeiten, mit diesen Konflikten. Ja, und das hat mir schon auch sehr, viel gegeben. Und dann deine Abschlussfrage, gerade der Moment, wo ich gedacht habe, vielleicht gibt es da noch so einen alternativen Weg, war während des Masterstudiums, das habe ich parallel gemacht, wo ich gemerkt habe, da möchte ich jetzt irgendwas mit anfangen. Also ich habe jetzt hier diesen Rucksack mit den ganzen Konflikten aus der Polizeierfahrung habe ich auf dem Rücken, habe aber auch ganz viel über Kommunikation und Rhetorik gelernt und das möchte ich irgendwie miteinander verbinden. Und dann waren das immer diese Momente, als ich aus Regensburg wieder zurückgekommen bin nach Niedersachsen und dann festgestellt habe, ja, ich kann es zwar anwenden, aber so richtig was damit anfangen kann ich jetzt gerade noch nicht. Und dann habe ich mich noch so bisschen ungesehen. Sabine Osterauer: Das heißt, es war jetzt kein auslösender Moment oder ein auslösender Fall oder Einsatz, sagt man ja besser, wo du etwas erlebt hast oder gesagt hast, nach diesem Erlebnis steht es für mich jetzt fest, in diese Richtung mache ich jetzt nicht weiter, sondern ich möchte mit all dem, was ich eben gelernt habe, speziell jetzt in der Kommunikationsschiene, anders weitermachen. Also es gab jetzt nicht diesen Einschlüsselmoment, sondern das war ein schleichender Prozess. Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: Bist du irgendwann einmal gesagt, dass du okay, also so wie ich das gerne handhaben und verwenden möchte, das ist im Polizeidienst so auf diese Art und Weise nicht möglich. Es wird Zeit, dass ich mich umorientiere. War dann für dich auch der Gedanke da, dass du dir ein eingestelltes Verhältnis suchst, wo du das machen kannst oder war für dich ganz klar von Anfang an, ja, dann werde ich jetzt selbstständig. Alexander Utin: Ja, also tatsächlich, gab nicht diesen Moment, ich oder diesen Morgen, wo ich aufgewacht bin und mir gesagt habe, so jetzt kündige ich. Erstmal war schon der Gedanke, ich fange mit diesem Studium irgendwas in der Polizei an und bin diesen Weg dann auch gegangen. Dafür war es dann auch notwendig, sehr gutes Studium abzuschließen. Das hatte ich dann auch gemacht und hatte mich dann auch auf einen, auf den höheren Dienst, nennt sich das, also auf eine sehr hohe Stelle bei der Polizei beworben, bin dann da auch unglaublich weit gekommen. Also bis in die letzte Runde. Und dann wurde ich eben auch gefragt, warum wollen Sie das denn überhaupt machen? Und dann konnte ich diese Frage irgendwie, dann konnte ich die Frage nicht mehr authentisch beantworten, weil ich schon innerlich diese Schritte rausgegangen bin, so ein bisschen. Und eben auch meine Partnerin kennengelernt hatte, mit der ich dann schon einige Zeit zusammen war. Und dann wurde ich so was gefragt. Sie könnten jetzt ganz im Osten Deutschlands, ganz im Westen, ganz im Norden oder ganz im Süden eingesetzt werden. Wäre das denn in Ordnung für Sie? Und dann musste ich sagen Nein, wär's nicht. Also ich möchte mir gerne meine Zukunft gemeinsam mit meiner Partnerin gestalten. Und alles andere kommt irgendwie nicht so richtig in Frage. Und dann war das schon so für mich so ein bisschen, ich will was mit dem Masterstudium anfangen. Meine heutige Frau, wir haben vor einem Monat geheiratet, ist eben die Hauptpriorität. Und dann mit diesem Selbstvertrauen und mit diesem Rückhalt teilweise dann auch durch das Masterstudium habe ich dann einen Mentor bekommen. Dort hatte ich dann auch noch viel Rückhalt. Konnte ich dann Also musste ich diese Frage eben so beantworten, wie ich sie beantwortet habe und konnte dann eben sagen, ja, dann gehe ich jetzt so meine ersten Schritte in die Freiberuflichkeit, in die Selbstständigkeit. Sabine Osterauer: Herzlichen Glückwunsch im Nachhinein. Natürlich, verheiratet zu sein, wirklich was Schönes. Ich bin schon zum zweiten Mal verheiratet und finde es toll. Ich würde auch ein drittes Mal heiraten, da müsste ich jetzt den gleichen Mann ein drittes Mal heiraten und der hat gemeint, willst du das wirklich? Also deswegen ist es gut so, wie es ist. Herzlichen Glückwunsch im Nachhinein. Wie du entschieden hast, du gehst in die Selbstständigkeit, dir da von Anfang an klar? Alexander Utin: Ja, ⁓ Hm. Ja. Sabine Osterauer: wie dieses Konzept ausschauen soll. Du hast mir ja im Vorfeld so ein bisschen etwas erzählt, dass du da eben speziell jetzt eben in Konfliktmanagement sehr viel reingehst und versuchst eben bestimmte Sachen im Vorfeld schon zu klären oder was du vorher angesprochen hast, auch mit diesen Erbschaftssachen. Also ich nehme an, das gibt es bei dir im Angebot. Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: Wie bist du an diese Sache herangegangen? Also für alle, jetzt zuhören und sagen, boah, ich wollte eigentlich auch immer schon was mit Kommunikation und so weiter machen. Wie sind deine Ideen im Kopf so zusammen gerutscht, dass du daraus dann etwas entworfen hast und gesagt hast, okay, und mit dem mache ich mich jetzt selbstständig und mit dem baue ich mir jetzt was auf. Alexander Utin: Böööö Hm. Also ich hatte natürlich schon so meine Erfahrung. Meine Eltern sind beide selbstständig bzw. haben beide jeweils Unternehmen und deswegen hatte ich auch schon immer so bisschen so dieses Unternehmergefühl, ich möchte irgendwie was machen und was anfassen und das dann auch selber gestalten können. Das ging natürlich bei der Polizei nicht so gut. Und diese Erbschaftsdinge, diese Erbschaftsfälle waren eben deswegen so interessant für mich. weil ich so was ähnliches auch ja jetzt schon vor ungefähr 20 Jahren ist das her selber erfahren habe in meiner Familie und damals war diese Mediationskompetenz nennt man das bei uns eben noch nicht so weit. Wir finden jetzt so langsam wieder zueinander oder haben schon zueinander gefunden besser gesagt und das kam dann eben durch diese Ausbildung. So diese ersten Schritte rein in die Freiberuflichkeit sind durch einen Mentor passiert. den man über die Deutsche Gesellschaft für Sprecherziehung und Sprechwissenschaften bekommen kann. Also die DGSS. Und soweit ich weiß, ist die DGSS auch im Dachraum unterwegs. Das heißt auch in der Schweiz und in Österreich. Ja, und dann kriegt man jemanden an die Hand oder der einen an die Hand nimmt, der auch zu einem passt und mit dir quasi darüber spricht, Was könnte für dich passen? Das heißt, der Wolfgang hat mich an die Hand genommen. Der kommt aus dem ähnlichen Kontext. Der war ehemals Lehrer, ist mittlerweile auch schon in Pension, aber war jetzt eben 40 oder 45 Jahre lang auch schon Kommunikationstrainer. Und hatte mir dann auch ganz einfach gesagt, sprich doch mal einfach die Leute an, die du schon kennst. Und das habe ich dann auch einfach gemacht. Ich hatte verschiedene Kontakte in unterschiedlichen Ministerien. Und hier in Hessen hatte das Kultusministerium, das für Bildung, für Lehrerqualifizierung, Lehrerfortbildung und so weiter zuständig ist. Da hatte ich dann so meine ersten Aufträge und dann lief das an und man bekam dadurch immer weitere Kontakte in verschiedene Behörden, in andere Ministerien und so weiter. Wodurch das dann ja immer mehr ins Rollen gekommen ist quasi. Sabine Osterauer: Wie lange machst du das jetzt schon? Alexander Utin: Ja, also... Also das erste Seminar, das wir zuvor... fünf sechs Jahren oder sowas gewesen sein, dass ich da in die Hand genommen wurde, war so vor... 2,5 Jahre oder sowas. Ich glaube Anfang 24. So ⁓ den Dreh, würde ich sagen. Sabine Osterauer: Und du bist jetzt auf gleich mehr oder weniger oder war es ein fließender Übergang von dem Polizisten-Eingestellten-Verhältnis dann gleich rüber gerutscht in die Selbstständigkeit oder war das auch so ein fließender Prozess? Alexander Utin: Das war absolut ein fließender Prozess. Ich bin hier in Kassel relativ viel ehrenamtlich unterwegs und war dann zu der Zeit Basketballtrainer. Oder bin ich jetzt auch immer noch. Und dadurch habe ich dann eine Unterstützung bekommen. Also ich habe eine kleine Anstellung bei dem Verein bekommen. Noch Unterstützung aus der Familie, also von meinem Vater. und hatte dann eben verschiedene Standbeine, die mich dann getragen haben. Sodass ich dann aus diesem Beamtenverhältnis raus bin, aber nicht komplett nackig ins Meer gesprungen, sondern wirklich mit Schwimmflügeln und ganz vorsichtig diese ersten Schritte gemacht habe. Sabine Osterauer: Schwimmreifen, Schwimmnudeln. Wenn es möglich ist. Ich glaube, da geht es viel ⁓ Geduld. Würdest du sagen, dass du ein geduldiger Mensch bist? Alexander Utin: Ja, würde ich schon sagen. Sabine Osterauer: Du wirkst zumindest sehr in der Mitte und sehr ruhig. Ich glaube, du bist jetzt auch nicht so der große, extrovertierte Mensch, der ganze Hallen unterhalten kann. Ich glaube, dass du in Hallen sprechen kannst, das glaube ich schon. Aber ich glaube, der Tischtänzer und ganz laute Feierabend würde ich dich jetzt nicht sehen, aber vielleicht irre ich mich da jetzt auch ganz, ganz gewaltig. Aber du wirkst zu mir nennst sie ja ruhig und sehr ausgeglichen, würde ich schon sagen. Alexander Utin: Das ist auf jeden Fall etwas, was ich durch die Polizei gelernt habe, wo es auch viel in diesen Seminaren oder Coachings-Mediationen geht. Man lernt natürlich so bisschen so eine Uniform immer noch anzuhaben und mal so zu warten, was da kommt, worauf man reagieren kann. Aber ich kann schon auch auf den Tischen tanzen und mal Spaß bei einer Väter haben. So ist nicht. Aber ja, also ist... Mir ist sehr wichtig zuzuhören und darauf zu reagieren, was der anderen Person vielleicht wichtig ist. Also so einen Schnellschuss zu machen, dann oft mal zu Konflikten oder zu Dingen, die man so gar nicht sagen wollte. Und das habe ich damals sehr, viel erlebt in meinem Dienst. Deswegen ich immer mal noch abwarte, mir noch mal überlege, einen Perspektivwechsel mache. Ja, was wollen wir jetzt gerade in dieser Situation oder in diesem Gespräch denn überhaupt? Sabine Osterauer: Wie du vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen hast, ich werde den Polizeidienst an den Nagel hängen und gehe jetzt in die Vollselbstständigkeit. Wie haben deine Kollegen undinnen, wenn es Kolleginnen gegeben hat, darauf reagiert? Alexander Utin: Ja, also die kannten mich natürlich und haben sowas schon auch erwartet. haben ja auch immer wieder darüber gesprochen. Denen habe ich dann natürlich auch erzählt, dass es da dieses verschiedene Auswahlverfahren gab oder dieses eine Auswahlverfahren, dieses große und warum das dann eben auch nichts geworden war. Und die haben das schon geahnt, dass das irgendwann mal so in diese Richtung geht. weil ich mich eben auch so mit anderen Themen noch beschäftigt habe, also eben mit diesem Studium, mit dem Ehrenamt und so weiter. Das ist dann schon mal eher etwas, was man als Polizist eher weniger sieht. Sabine Osterauer: heißt so Gegenwind oder Kopfschütteln, warum machst du das? Das ist jetzt keine gute Idee. Mit dem bist du nicht konfrontiert worden. Alexander Utin: Also es ist natürlich schon ein riesiger Sprung weg von der Polizei oder weg von einem Beamtenstatus. Egal ob man Polizist, Lehrer oder so immer ist. Da lässt man schon sehr viel Sicherheit hinter sich. Und da kommen dann auch viele Fragen oder auch mal das ein oder andere Kopf schütteln. Aber wenn ich so meine Geschichte auch erzähle, dann ist es verständlich, dass ich Sabine Osterauer: Ja. Alexander Utin: etwas gefunden habe, dem ich mich sehr gerne beschäftigen möchte. Sabine Osterauer: Das will ich jetzt gerne ein bisschen näher eingehen, weil du gesagt hast, ist eben speziell jetzt in der Kommunikation, das ist halt ein Themenbereich, der dich sehr anspricht und immer weiter lernst und dir wahrscheinlich auch jede Menge Methoden und Tools aneignest. Bei mir war es zumindest so mit den Kommunikationsschulungen, also unendlich viele, weil unendlich interessant. Und was würdest du sagen, was ist für dich speziell jetzt, also als Beispiel, du kriegst jetzt, es kommt ein Auftrag auf dich zu und Alexander Utin: Hm. Ja, total. Sabine Osterauer: Was sind für dich die interessantesten Aufträge, wo du sagst, da bin ich total in meinem Element, das ist genau das, da wird bei mir so, ach Gott, das ist so richtig, richtig cool, das mache ich voll gern. Was sind das so für Themen, die da auf dich zukommen? Alexander Utin: Hm. Ja, das sind zwei unterschiedliche, würde ich sagen, oder zwei sehr unterschiedliche. Das eine ist, wenn ich in Konflikte reingehen kann und ohne, früher habe ich ja vorhin ganz kurz erzählt, dass früher habe ich eher meine oder musste ich meine Lösungen, die ich dann durch verschiedene Handlungsleitfalten oder durch die Ausbildung, durch das Studium gelernt habe, musste ich meine Lösungen quasi überstülpen. Und wenn ich jetzt in Konflikte reingehe, dann ist es sehr schön zu erleben. Und das gibt mir unglaublich viel, wenn die Konfliktparteien ihre Lösung selber entdecken. Da gab es mal eine Situation in einer meiner ersten Mediationen. Da ging es ⁓ einen unaufgeräumten Tisch. Und die beiden haben sich darüber unterhalten, wie sie diese Unordnung verdecken wollen. Und in meinem Kopf war natürlich diese Lösung, hier ist doch klar, räumt doch euren Tisch auf. Und die hatten dann aber eine Lösung gefunden, dann gibt es bei IKEA, gibt es so Möglichkeit, so ein Klapptisch, dass man quasi so eine andere Platte über den Tisch drüber packt und dann ist die Unordnung weg, dann kann der Vater, dann kann die Tochter, die das Unternehmen übernimmt, hat dann einen sauberen, ordentlichen Platz und die ganze Unordnung, die der Vater eben auch brauchte in seinem Arbeitsalltag, die haben sich einen Tisch geteilt, einen Arbeitstisch, war dann immer noch da. Und dann dachte ich mir, sag mal Leute, oder stellt doch jemanden ein, der euch euren Tisch aufrollt und hatte dann versucht, ein Beispiel zu geben, wie ich das mit meiner Frau löse. Und damit konnten sie sich so überhaupt nicht identifizieren und dann hatten sie eben diese Plattenlösung gefunden und die haben sich so identifiziert mit dieser Lösung. Und ich dachte mir bei mir, ja cool, schön. Also wenn ihr eure Lösung habt, dann ist ja alles gut. Großartig, die hatten zueinander gefunden, haben dann ihre Lösung gefunden und haben sich viel mehr damit identifiziert als mit einer Lösung, die Sabine Osterauer: Ja. Alexander Utin: weiß nicht, eine Putzkraft, durch selber aufräumen oder was auch immer entstanden wäre. Und das ist dann eben schön, dieses Gefühl. Ich begleite einen Konflikt und die Menschen finden dann ihre eigenen Lösungen und freuen sich so sehr darüber, dass sie sich mit ihrer Lösung identifizieren können. So, ist das eine. Und das andere, das ist vielleicht was, was du teilst, sind solche Dinge wie Sabine Osterauer: hier. Mmh. Alexander Utin: Reden vor Leuten, also wie stehe ich vor Leuten und erzähle denen was, sprechen vor Gruppen oder sicheres Auftreten vor Gruppen heißen diese Workshops dann oft bei mir. Und dann geht es auch viel ⁓ nonverbale Kommunikation. Was mache ich mit meiner Stimme? Was mache ich mit meiner Haltung, also mit meiner Körperhaltung? Und dann probieren die Teilnehmenden sich aus und bekommen ganz tolles Feedback. Und da entstehen dann auch sehr emotionale Momente, wo die Menschen merken, ich brauche ja gar keine Angst haben, wenn ich da vorne stehe, weil ich schon auch irgendwie gut rüberkomme. Und das ist dann eben was sehr Schönes, wenn sich da jemand traut, etwas zu erzählen von einer Gruppe und dann auch noch positives Feedback dafür bekommt. Ja, das ist eine sehr schöne Situation. Sabine Osterauer: Ja, kenne ich natürlich und er findet das auch total schön, wenn man den Menschen so die Möglichkeit auch einmal gibt, stelle ich doch einmal auf die Bühne und fülle ich da mal hinein und vor allem die, was sagen, boah, weiß nicht, traue mich nicht und so, boah, ist sogar nicht meins. Ich werde das ganz oft gefragt und deswegen möchte ich diese Frage an dich weiterleiten. Was mache ich, wenn ich einen Blackout habe? Ich stehe auf der Bühne und das ist alles, was ich sagen wollte einfach. Wie gehst du mit so einer Situation ⁓ Also was sagst du deinen Teilnehmern? Weil ich denke auch bei dir wird diese Frage definitiv aufpoppern. Welche Antwort hast du dafür? Und dann sage ich dir meine. Alexander Utin: Ja, ich finde das sehr spannend. Also es gibt verschiedene Abläufe, wie ich eine Rede halte oder wie ich das auch vermitteln, wie man Reden hält. Und dass es vollkommen in Ordnung ist, zu vergessen, was man eigentlich sagen wollte oder den Faden zu verlieren, weil die Zuhörer das ganz oft nicht merken. Wenn wir dann in diesen Feedback-Phases sind, dann höre ich oft, ja, ich wollte, habe dann komplett vergessen, was ich sagen wollte, aber habe einfach weiter geredet. Und die Zuhörer, die Zuhörenden bemerken das dann oft gar nicht. Dann gibt es oft nur so einen kurzen Moment der Unsicherheit und dann geht es aber weiter. Und als Zuhörer bemerkt man das nicht wirklich, stellt dann einfach, dann so dieses Non-Vervale, diese Haltung nimmt man wahr. Von daher sind Blackouts vollkommen okay, darf man haben. Einfach weitermachen und wenn man den roten Faden verloren hat, nochmal drüber nachdenken, was möchte ich vermitteln und darum geht es eher. Und einen roten Faden braucht man vielleicht gar nicht, es ist eher wichtig zu vermitteln, was ist der Kern, was möchte ich überhaupt sagen. Sabine Osterauer: Ja, sehr schön. Ich bin natürlich total bei dir. Ich war einigen Jahren im Seminarkontext unterwegs und habe sehr viel mit Lehrlingen und Ausbildern gearbeitet und habe auch sehr viele Lehrlinge auf ihre Lehrabschlussprüfung vorbereitet. da haben sie eben auch diesen Part, wo sie in eine, da kriegen sie ein Fallbeispiel und über das müssen sie dann auch reden. es war im Einzelhandel und da waren halt auch einige Lehrlinge natürlich drinnen, die totale Angst hatten und Blackout und das mache ich und so weiter. Und ich habe ihnen immer mehrere Tipps gegeben. Also ich bin normalerweise nicht so die, da hast du fünf Tipps und mit diesen fünf Tipps kommst du weiter. Das mache ich eigentlich überhaupt nicht. Aber in solchen Situationen ist es ganz gut, wenn man irgendwo was greifen kann. Ich weiß noch, ich habe ihnen immer mitgegeben, wenn du einen Blackout hast, dann kannst es auch sagen. Wenn wirklich alles weg ist, dann sag ich, sie ist alles weg, ganz kurz. Ich brauche einen kurzen Moment, ich schaue, vielleicht kommt es wieder zurück. Ich habe dann auch immer gesagt, einen Schritt auf die Seite machen, sobald der Körper wieder in Bewegung ist. Dann wackelt ihr das Hirn, dann kommt es meistens zurück und dann mal tief durchatmen, dass das Hirn wieder mit Sauerstoff versorgt ist. Das hat auch grundsätzlich immer funktioniert. Aber für mich war immer wichtig, dann sag's halt. Dann sag halt einfach, dass du jetzt einen Blackout hast. Oder du bittest noch einmal, dass sie die Frage erneut stellen. Aber wenn man auf einer großen Bühne steht, wirst du ob das 25, 30 oder 500.000 Menschen sind, ich glaube, ist das Sympathischste und das Authentischste, wenn man einfach sagt, so liebe Leute. Ich habe ein volles Blackouts. Das kennt ihr vielleicht. Ich würde das auch gleich dann so in die Gruppe streuen. Das kennt ihr vielleicht. Ich versuche mich da jetzt einmal zu sammeln. Warum sind wir heute hier? ⁓ welches Thema geht es? Ich würde das halt dann so rüberbringen. Das ist natürlich auch schwierig, wenn man sehr angespannt ist. Das ist überhaupt kein Thema. Aber ich habe solche Situationen immer wahnsinnig gerne auch geprobt. Ich habe Blackouts mehr oder weniger auch immer wieder geprobt. Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: indem ich ihnen einfach im Vorfeld kein Thema gesagt habe, sondern die durften dann eben auch auf der Bühne stehen oder im Vortragsraum halt stehen bei ihrem Mikrofon oder wie auch immer und dann haben sie erst das Thema bekommen und dann mussten sie ganz ganz schnell sich irgendwas zusammensammeln, was sage ich denn jetzt, dass ich nicht und eben immer mit dem Hintergrund stelle ich vor, das ist ein Blackout und das ist jetzt das einzige, was du noch weißt, wie gehst du da mit dieser Situation ⁓ Ich glaube, das macht es aber auch sehr menschlich und das macht es auch sehr sympathisch, denke ich. Hattest du schon einmal so eine Situation, wo du dir gedacht hast, es ist weg, ich weiß jetzt gar nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte, kennst du das? Alexander Utin: Ja, schon. Meinst du eher so was in Richtung, ich verliere jetzt hier den Faden oder ich... Ja, dann versuche ich meistens, meine Schritte wieder rückwärts zu gehen. Also wenn es ein Gespräch ist oder ich erzähle jetzt quasi relativ locker, was jetzt zum Beispiel ein Kommunikationsmodell ist oder so was. Und dann fällt es mir meistens immer wieder ein. Sabine Osterauer: Richtig, genau. Alexander Utin: Und wenn es aber in einer Rede ist, ich mal, wie gesagt, dann habe ich, ich versuche möglichst keine perfekte Rede zu haben, die ich so runter ratter, sondern ich habe verschiedene Punkte, die ich so abgehe. Und dadurch vergesse ich dann hin und wieder mal einzelne Inhalte, die ich vielleicht in meiner Vorbereitung gerne gesagt hätte. Aber ich verliere dann nicht den Faden, weil ich weiß, ich bin jetzt gerade in dieser Phase der Erzählung, dann bin ich in der Phase der Erzählung und dann in der. Und irgendwann finde ich wieder den Abschluss, beziehe mich auf den Anfang. Und dadurch passiert das gar nicht mehr so doll, dass man den roten Faden verliert. Man vergisst vielleicht mal, was man sagen wollte oder einzelne Inhalte. Das ist dann aber nicht so schlimm, weil man das immer noch rübergebracht hat, was man sagen wollte, auch wenn man mal den roten Faden verliert oder mal ein Blackout für ein einzelnes Thema hatte. Aber dann gibt es immer noch fünf verschiedene Themen, über die man weiter erzählen kann. Sabine Osterauer: Wie du dich entschlossen hast, also während des Studiums bei der Polizei wirst du wahrscheinlich ⁓ nicht ganz so viel auf einer Bühne oder in einem Vortragsraum gestanden sein, bei deinem Seminarium, also selbst als Vortragender. Aber später dann oder auch wie du dann in die Selbstständigkeit gegangen bist, dann natürlich schon. Was ist das für dich für ein Gefühl? War das von Anfang an einfach ein sehr schönes, gewinnbringendes Gefühl? Oder hattest du auch Lampenfieber und hast dir gedacht, boah, weiß nicht, schaffe ich das oder schaffe ich das nicht? Wie ist es dir damit gegangen? Alexander Utin: Ich habe schreckliches Lampenfieber, gefühlt vor jedem Auftrag. Jedes Mal, wenn ich ein Seminar beginne oder einen Speakerauftrag, einen Impulsvortrag habe, was auch immer, dann bin ich immer erstmal nervös und meine Stimme wird zittrig. Also das habe ich immer und das verliert sich dann im Laufe der Zeit, indem ich mich dann frei geredet habe nach der Zeit. Und ich versuche diese Nervosität irgendwie in Emotionalität umzuwandeln. Das klingt vielleicht erst mal bisschen abstrakt. Ich hatte bei der Polizei damals ein recht einschlägiges Erlebnis. Das war damals so zu dieser George Floyd Zeit und bin dann kurz danach, habe ich dann eine Rede darüber gehalten, weil ich eine ähnliche Situation in meinem Einsatz hatte. in meinem Streifendienst hatte. Da mussten wir jemanden zu Boden bringen. das hatte dann, das war auf einem öffentlichen Platz, da waren so 20, 30 Leute ⁓ uns herum und die beschwerten sich alle darüber, was wir denn mit dem armen Kerl machen. Der hat ja gar nichts so Schlimmes gemacht. Dabei hatte er uns vorher angegriffen und Sachbeschädigung und Körperverletzung vorherbegangen. Ja, und davon habe ich dann erzählt. in einer Rede und bin während der Rede immer wieder extrem nervös geworden, weil ich Angst davor hatte verurteilt zu werden. Dafür was ich da gemacht habe oder dafür was wir da gemacht haben, dass wir diese Person zu Boden gebracht haben, dass wir die Person dann später auch in die Zelle bringen mussten und so weiter und so fort. Und ich war schrecklich nervös, weil ich wirklich Angst hatte, was sagen, was könnten diese Leute jetzt davon sagen, was ich denen da jetzt erzähle. Und dann wurde die, dann habe ich aber später Feedback bekommen und gehört, das war so emotional, was du da erzählt hast, die Leute hatten Tränen in den Augen, weil das dadurch so anfassbar und authentisch wirkte, weil ich eben auch so nervös war, weil ich so aufgeregt war. Da denke ich mir so seitdem denke ich mir so eine zittrige Stimme ist Paul okay. Auch am Anfang eines Seminars oder am Anfang eines Podcasts oder was auch immer. Und macht in gewisser Weise authentisch so ein System. Genauso wie auch ein Blackout oder mal zu sagen, ich habe jetzt gerade den Faden verloren, ich muss jetzt nochmal neu greifen. Sabine Osterauer: Also ich persönlich finde es so extrem sympathisch, wenn Menschen einfach nicht perfekt sind. Wir haben ja auch im Vorfeld darüber gesprochen, dass ich mich nie vorbereite auf den Podcast und ich bereite mich auch, das soll jetzt keine Nichtwertschätzung natürlich sein, ich bereite mich auch kaum auf meine Gäste vor, einfach ⁓ dann wirklich so spontane Fragen stellen zu können. Weil ich habe für mich die Erfahrung gemacht, je mehr ich mich vorbereite, Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: desto unentspannter bin ich eigentlich, weil ich immer die Sorge habe, ich könnte jetzt etwas vergessen. Und damit bereite ich mich gar nicht vor und gehe ganz blind links rein und dann kommen sie ⁓ diese ganz vielen Fragen und alles, was mich interessiert. Und mein bester Begleiter ist einfach meine Neugierde, die immer wieder anspringt und sagt, hey, das ist ein cooler Typ und da kannst du jetzt alles mögliche fragen, was du möchtest. Deswegen mache ich ja auch diesen Podcast, weil ich einfach dann auch ganz viele Leute ganz unterschiedliche Fragen stellen kann. Alexander Utin: Genau. Sabine Osterauer: darf. Und deswegen, ich finde das sehr sympathisch, wenn der Mensch eben nicht so perfekt auf die Bühne geht. nicht, dass ich jetzt irgendjemanden etwas Schlechtes wünsche, ⁓ Gottes Willen. Aber zu sehen, okay, da gibt es auch ein Blackout oder da ist auch eine zittrige Stimme oder da ist auch einmal jemand nervös, das finde ich einfach sympathisch. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Und das gebe ich zum Beispiel auch immer meinen Podcast-Gästen, wenn sie recht nervös sind, auch natürlich immer mit. Und das wirst du wahrscheinlich auch bei deinen Vorträgen und so weiter oder auch bei deinen Kursen, die du anbietest, auch immer wieder wahrscheinlich dazu sagen. Wenn ich dich heute, also ich frage dich jetzt einfach mal so, hast du es jemals bereut aus dem Polizeidienst gegangen zu sein? Also deine Entscheidung? Hast du dir bereut? Alexander Utin: Ich hab, bevor ich mich so entschieden habe, hab ich gedacht, mein Gott, ich verlasse jetzt dieses Beamtentum und dann muss das ja kommen. Aber es hat sich niemals eingestellt. Also dieses Gefühl, verloren zu haben, ist niemals gekommen, sondern es war eher immer das Gefühl, was ich alles gewonnen habe und wie schön ich, wie viel Zeit ich jetzt mit meiner Frau verbringen kann. dass ich jetzt diese tollen Seminare machen kann, tolle Menschen kennenlerne, tolle Podcasts habe, wie jetzt heute und ein schönes Gespräch mit dir führen darf. Von daher, nee, irgendwie nicht. Das hat sich bei mir nie eingestellt. Sabine Osterauer: Was hast du denn noch so vor in deiner Zukunft? Was kommt denn noch? Was sind deine Pläne? selber mal einen Podcast machen. Alexander Utin: Ja, vielleicht. Ich reite gerade sehr zufrieden voller Glückseligkeit auf dieser Welle, auf der ich gerade unterwegs bin. Ich freue mich über jeden Auftakt, der reinkommt und über jede Anfrage. Ich freue mich über jeden Tag, den ich mit meiner Frau verbringen kann. Und hoffe, ich das einfach immer weitermachen kann, solange... ich das möchte und wenn es mich irgendwann doch noch mal in eine andere Richtung treibt, ist das auch vollkommen in Ordnung. Wir werden wahrscheinlich irgendwann mal noch umziehen. Es wird die eine oder andere Veränderung geben. Vielleicht will ich mich irgendwann mal eher nur örtlich beruflich aufhalten. Jetzt gerade reise ich relativ viel durch Deutschland. Das könnte sich vielleicht irgendwann mal verändern oder das darf sich vielleicht irgendwann mal verändern, dass die Kunden eher zu mir kommen und ich weniger zu den Kunden fahre. Aber heute genießt sich das noch sehr. Wir haben noch keinen Nachwuchs. Wir sind noch relativ flexibel. Dadurch kann ich dann auch mal zum Beispiel nächste Woche nach Zürich fahren oder hin und wieder mal nach Berlin, nach Hamburg oder sonst wohin. Ich denke, das ist es. Sabine Osterauer: Ja, das klingt ja mal alles sehr schön und ich freue mich immer darüber, wenn Menschen auch sagen können, ich bin jetzt gerade so in meiner Glückssinnigkeit angekommen und dort möchte ich jetzt auch einfach mal verweilen, weil viele Menschen ja auch immer so noch mehr, anders, besser, schneller, höher, keine Ahnung, immer ständig in der Veränderung auch sind und das ist das Alexander Utin: Hm. Mmh, mhm. Sabine Osterauer: Was ich total schön finde, wenn jemand sagen kann, ich bin gerade so glückselig, für mich passt das jetzt gerade so. Auch wenn es jetzt die nächste Zeit so weiter läuft, solange es mir gefällt, ist doch alles Dippi Doppi, das ist doch alles fein. Ich habe noch eine Frage, die mir jetzt gerade so eingefallen ist, gibt es irgendetwas in deinem Berufsfeld jetzt, wo du sagst, diesen Auftrag würde ich nicht annehmen. Also welcher Auftrag müsste auf dich zukommen, wo du sagst, Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: Das ist nicht mein Gebiet, das mache ich nicht. Alexander Utin: Hmm... Ja, es kommen hin und wieder mal solche Anfragen zu Organisationsentwicklung. Da kenne ich mich einfach nicht aus. Da habe ich verschiedene Geschäftspartner, mit denen ich mich dann austausche. Dieser Auftrag nächste Woche zum Beispiel geht auch so in die Richtung Organisationsentwicklung. Und da bin ich dann mal nur als Co-Trainer dabei. Und was ist auch... wahrscheinlich oder was ich nicht annehmen würde, ist, wenn zu viel übergestülpt wird. Manchmal hat man solche Mediationen oder Seminare, in denen unglaublich viel Inhalt in einer sehr kurzen Zeit durchgeführt, durchgenommen werden soll. Oder eine Mediation zum Beispiel innerhalb von zwei Stunden durchgeführt werden soll. Und sowas kann ich einfach nicht garantieren. Und dann ist es eben, dann ist auch dieser dann ist diese Nachhaltigkeit nicht gegeben, in Seminaren ist der Lernerfolg nicht gegeben. Und wenn man sich bei so was eben nicht einig werden kann mit einem Auftraggeber, dann muss man eben auch schon sagen, nee, tut mir leid, das kann ich nicht leisten. Sabine Osterauer: magst du ja auch Einzelsitzungen. genau, gibt es da irgendwelche Themen, wo du sagst, das möchte ich nicht oder da bin ich nicht dabei. Gibt es da irgendwas? Alexander Utin: Mmh. Ja, also wenn es zu sehr in eine Richtung wie Psychotherapie oder sowas gehen sollte, dann grenzt sich da auch schon immer klar ab, dass ich die entsprechende Ausbildung eben nicht habe. Ich habe eine Mediationsausbildung, bin Kommunikationstrainer, Rhetoriktrainer, Rhetorikcoach. Solche Dinge kann ich eben tun. Bei Konflikten beraten aber Manchmal im Rahmen von Coachings oder auch von Mediationen kann es dann schon mal so in eine Richtung gehen und da grenzt sich dann ab. Also ich kann keine Diagnosen stellen, ich kann Konflikte lösen und in diese Richtung versuche ich zu gehen. Und überall wo ich merke, das geht jetzt über meinen Horizont hinaus, dann kann ich auch mal sagen, dafür wäre jetzt ein Anwalt zuständig, dafür wäre jetzt ein Psychotherapie zuständig oder, oder, oder. Sabine Osterauer: Hattest du solche Situationen öfters, wo du sagst, ist jetzt mal eine Grenze erreicht oder ziehst du grundsätzlich ⁓ die richtigen Menschen in dein Leben? Alexander Utin: Ja, das schon meistens. Wenn ich aber so merke, wir rutschen jetzt im Rahmen so einer Einzelsitzung doch in eine therapeutische Richtung in irgendeiner Art und Weise, dann versuche ich schon mal abzugrenzen. Es gibt so die eine oder andere Methode, die sich schon so ein bisschen, also die sich schon sehr tief, sehr emotional anfühlen kann, sehr privat anfühlen kann. Und dann versuche ich da aber klar abzugrenzen und den Erfolg dieser Methode quasi vorweg zu nehmen und klar zu sagen, das ist jetzt keine therapeutische Methode, sondern hat den Ziel, dass wir besser herausfinden, was wir eigentlich in diesem Konflikt möchten, zum Beispiel. Sabine Osterauer: Klingt alles sehr vernünftig. Also du hast dich gut vorbereitet und du hast deine Selbstständigkeit nicht blauäugig gestartet, sondern du hast dir sehr viele Gedanken darüber gemacht und auch sehr viel Fachwissen aufgebaut. Das merkt man dir an, also bist sehr verantwortungsbewusst. Nehme ich an, das kommt natürlich auch aus der Polizeitätigkeit, denn auch da, glaube ich, musst du ja extrem darauf achten. Also abgesehen davon, dass es gut ist, wenn man Menschen gut einschätzen kann, wenn man sie gut lesen kann und vor allem, wenn man auch in der Ruhe bleibt, damit man auch den Fokus auf spezielles Verhalten der Menschen auch richten und halten kann. Das heißt, du bist da sehr gut vorbereitet auch in deine Selbstständigkeit gegangen. ja, ich würde sagen, in diesem Sinne haben wir es zusammen wieder einmal herausgefunden, warum ein Polizist plötzlich zum Kommunikationstrainer und Mediator wird. Und ich danke dir, liebe Alexander, für dieses Gespräch. Es war für mich extrem interessant, oft ist es ja auch so, dass Menschen den Beruf wechseln, weil sie unglücklich sind in diesem Bereich oder andere Umstände, dazu bringen zu sagen, na, da kann ich nicht bleiben. Alexander Utin: Es ist so. Sabine Osterauer: Ich habe nicht das Gefühl, dass es bei dir genauso war, sondern du wolltest einfach mehr von dem, und das war in diesem Rahmen, in diesem Polizeiramen einfach nicht möglich. Deswegen bist du weitergegangen. Ich könnte mir vorstellen, dass du... Jetzt höre ich mich fast doppelt. Ich könnte mir fast vorstellen, dass wäre es im Polizeidienst möglich gewesen, dass du es dann auch dort gemacht hättest. Alexander Utin: Ja, wäre möglich gewesen, der Hochschule der Polizei zu gehen, Beispiel eine Dozentenstelle zu bekommen. In die Richtung ging es auch schon. Aber wie gesagt, war dann so eher die Richtung. Ich möchte auch mehr in die Richtung meiner Frau. Ich habe die ersten Kontakte im Rahmen einer Freiberuflichkeit geknüpft, erste Kontakte im Ministerium, in den Ministerien gehabt. Und dann gab es mehr Freiheitsmöglichkeiten außerhalb der Polizei. Sabine Osterauer: Ja, ist schon auch natürlich ein Riesenvorteil, weil du diese Kontakte ja schon hattest. Also du hattest ja schon einen Bezug dazu. Ich denke schon, dass das ein Riesenvorteil ist, dass du schon so eine halbe Zehe in der Tür hattest. Natürlich dann auch entsprechende Menschen kennengelernt hast und es sei dir von Herzen vergönnt, dass du das auch jetzt alles umsetzen hast können. In diesem Sinne, liebe Alexander, haben 47 Minuten geschafft. Alexander Utin: Hm. Sabine Osterauer: Vielen herzlichen Dank, dass du heute da warst. Wenn du als Kommunikationstrainer, Mediator, unseren Zuhörern noch so einen letzten Tipp mitgeben würdest wollen, wo es darum geht, wenn du in deinem Leben das Gefühl hast, da gibt es noch was anderes, was würdest du so für einen Tipp mitgeben können für jemanden, der in so einer Situation sich gerade befindet, so irgendwie... Gibt es doch noch irgendwas? Hast du da noch was parat so ganz schnell? Alexander Utin: Ja, bestimmt. Ich glaube, es ist immer hilfreich, sich zu überlegen, was mache ich gerade, bin ich zufrieden damit, gibt es etwas, was ich noch lieber habe als das, was ich jetzt gerade tue. Gibt es jemanden, der mich an die Hand nehmen kann, kann ich mir vielleicht Hilfe suchen und alleine muss man keinen Weg gehen, glaube ich. Man kann sich immer Hilfe holen. Bei einem Mentor, bei Freunden, bei der Familie. Und ich denke immer, das ist es. Sabine Osterauer: Ich danke dir sehr und wünsche dir auf deinem Weg natürlich alles, Gute. Vielen Dank, Alexander, dass du bei mir im Podcast warst. Alexander Utin: Vielen Dank, dass ihr dabei sein durftet.